Am Pool, im Pool, auf dem Pool!

Es beginnt nicht so richtig gut. Die Zerhackerpumpe des achteren WCs gibt den Geist auf, es steht also mal wieder eine echte Sch…-Reparatur an.

Ich lenke mich erst einmal mit einem Drohnenflug ab und es kommt, wie es kommen muss. Bedienfehler, Absturz am dicht bewaldeten Bergrücken. Oh nein! Das ist meine gute Drohne. Der Fernbedienung kann ich immerhin noch die letzte Position der Drohne entnehmen, aber das war über ziemlich unwegsamen Gelände.

Gemeinsam mit Wiebke, Andrea und Ingo wird eine zünftige SAR-Mission (Search and Rescue) gestartet. Die Ausrüstung umfasst neben der Fernbedienung (die der Drohne ein Piepsen entlocken sollte) auch Taschenlampe, Machete (für dichtes Unterholz) und Fernglas (falls sie noch oben in einer Astgabel hängt). Außerdem festes Schuhwerk.

An der letzten GPS-Position orientiert, fragen wir in einem Haus nach, ob wir durch den Garten in den dahinter liegenden Berghang einsteigen dürfen. Das wird uns zum Glück erlaubt und so klettern wir zu viert mit jeweils etwas Abstand den steilen und ziemlich rutschigen Hang hinauf.

Kaum zu fassen: da liegt sie.

Allerdings ist sie beschädigt, zumindest die Aufhängung des Gimbals ist gebrochen.

Um es abzukürzen: die Reparatur des WC ist aufwändig, weil der Ersatzmotor des gleichen Herstellers andere Dimensionen hat und wir mit den Befestigungen ziemlich improvisieren müssen. Aber immerhin, am Ende funktioniert es. Die versuchte Notreparatur der Drohne misslingt allerdings, die müssen wir wohl zur Herstellerreparatur einschicken.

Müssen wir jetzt etwa jeden Berg hinaufklettern um ein Übersichtsfoto von unseren Booten am Ankerplatz zu bekommen?

Machen wir bei einem weiteren Dinghyausflug zu den Marae Taputapuatea mit einer Wanderung hoch zum Pointe Atiapiti und es ist schön. Aber zum Glück habe ich ja auch noch die Dji-Mini-III-Drohne als Backup.

Und mit der entstehen dann diese Aufnahmen von unserem nächsten Ankerplatz vor dem Motu Oatara (im Hintergrund liegt Huahine):

Wir ankern an der Kante zum tiefen Wasser, aber der Anker liegt bereits auf dem sandigen Flach. Hier ist es (vom Dinghy aus mit dem Handlot zuvor gemessen) nur wenig tiefer als unsere Flora mit ihren 2 m Tiefgang benötigt, insofern trauen wir uns nicht weiter auf die kilometerbreite Sandflächen herauf. Aber es ist ein Traum, bei diesem ruhigen Wetter hier zu liegen. In der Sonne zaubern die kleinen Wellen helle Swimmingpool-Muster auf den Sandgrund, ein leuchtend türkises Schwimm-Paradies. Bei Herumschwoien bleibt dann gerade so die berühmte Handbreit unterm Kiel der Flora. Wenn sie sich bei Niedrigwasser ganz sanft den Bewuchs unterm Kiel wegschubbert, auch nicht schlecht.

Kein Wind, keine Welle. Und diese unfassbaren Farben:

Zum Sundowner-Abendessen lädt uns die Easy One ein, es gibt super leckere Pizza vom Heckgrill mit Pizzastein. Mit Christina und Uwe findet sich dazu auch die Crew der Diamond Sea ein. Wir drei Crews kennen uns schon aus der gemeinsamen Corona-Zeit mit etwa zehn Booten in der kleinen Carlisle Bay auf Antigua.

Kaum zu glauben: Mareike mit ihrer Moana, die im März 2020 auch in der Carlisle Bay dabei war, kommt am nächsten Tag auf Raiatea an. Und mit der Wasabi von Andrea und Hans-Jörg liegt ein weitere deutsches Boot in der Nachbarbucht.

Nebenbei: so päsentiert sich der aufgehende Vollmond über dem Motu Oatara:

Endlich wieder unterwegs

Kräftiger, melodischer und doch auch leicht kratziger Vogelgesang lässt uns schon vor Sonnenaufgang aufwachen. In den Takelagen der Boote um uns herum und natürlich auch auf Flora hocken unzählige Rotsteißbülbüls. Sie übertönen mit ihren Dämmerungsrufen selbst die auch in der Großstadt Papeete überall präsenten und ebenfalls lautstarken den erwachenden Morgen herbei krähenden Hähne.

Die etwa Buntspecht-großen Schreihälse sind so zahlreich, dass man sie für eine heimische Art halten könnte. Tatsächlich aber stammt sie aus Indien. Einige wenige Exemplare wurden hier und auf anderen Inseln ausgesetzt. Keine gute Idee, Rotsteißbülbüls finden sich inzwischen in den Top 100 der die heimische Natur beeinträchtigenden invasiven Arten.

Das frühe Erwachen aber kommt uns heute ganz gut zu pass, denn wir wollen Flora noch seeklar machen. So können wir zeitig aus der Marina auschecken und Floras Leinen am Steg lösen, bevor noch Korallen an unserem Ruderblatt wachsen. Hört sich übertrieben an? Ein paar Boote hier können schon damit dienen, auch am Schwimmsteg und selbst an manchen Mooringleinen finden sie sich schon, bilden im klaren Wasser ein Refugium für kleine und kleinste Tropenfische.

Endlich geht es wieder weiter, wenn auch nur die gut 20 Seemeilen hinüber nach Moorea, dass wir vom Hafen aus schon sehen können.

Es bleibt aber nicht so ruhig, wie das vor dem Hafen liegende riffgeschützte Bojenfeld es erscheinen lässt. In der Düse zwischen Tahiti und Moorea erhoffen wir uns eigentlich guten achterliche Segelwind. Statt dessen: wenig Wind genau von vorn. Genau entgegengesetzt zur Vorhersage. Dazu noch eine unangenehme, über zwei Meter hohe Kreuzsee, die sich erst beruhigt, als wir um die Nordostecke von Moorea biegen.

Aber der Anblick des wunderschön gelegenen Ankerplatzes am Eingang der Opunohu Bay auf Moorea lässt die schaufelige Überfahrt schnell vergessen.

Wunderbar geschützt hinterm Riff schwebt wenig später auch die Flora über türkisem Wasser.

Mit Blick auf den von Palmen gesäumten Sandstrand, was will man mehr? Ach ja, direkt neben uns ankert Mareike mit ihrer Moana. Jan von der australisch geflagten Akasha zaubert auf der Moana leckere Thunfisch-Bowls (zu denen wir immerhin frisches Gemüse besteuern können). Mareike mixt Painkiller, wir bringen eine Apfel-Spekulatius-Mandel-Creme als Nachtisch. Was für eine schöner “Willkommen-zurück-auf-Moorea”-Abend.

Feiermarathon

Außer Besuchen von Freunden und Familie und den (zum Glück fast abgeschlossenen und bisher sehr zu unserer Zufriedenheit verlaufenden) Arztbesuchen ist überwiegend Chillen in Hamburg angesagt. Anders als bei unseren beiden vorherigen Heimatbesuchen während unserer Langfahrt wollen wir dieses Mal nämlich nicht wieder quer durch die Republik reisen, ein bisschen Druck rausnehmen.

Eine Ausnahme ist allerdings das Wochenende vom 6. bis zum 9. September. Da geht’s für uns an die Weser nach Hoya und Nienburg zum Feiermarathon.

Am 6. noch recht ruhig und gemütlich bei Wiebkes Mutter in Hoya, wo wir zu Wiebkes Geburtstag unser Basiscamp aufschlagen.

Am nächsten Tag habe ich 40jähriges Abi-Jubiläum. Die Schule in Nienburg hat zu einer offiziellen Zeremonie eingeladen und es wird wirklich schön. Besser noch: im Anschluss trifft sich unser Jahrgang zum gemeinsamen nachmittäglichen Picknick in den Wallanlagen und anschließender Feier in einem Restaurant direkt an der Weser. 60 von 102 Abiturienten unseres Jahrgangs sind dabei, keine schlechte Quote nach 40 Jahren. Es ist toll, die Mitschüler von damals wiederzusehen und zu schnacken. Um so mehr, als ich beim letzten Treffen vor 5 Jahren nicht dabei war, weil wir gerade unsere Langfahrt gestartet hatten. Viel zu erzählen, viel zu erfahren.

Am Sonntag wird aber ein für uns noch viel wichtigeres Jubiläum gefeiert. Kurz entschlossen haben wir nämlich einen engen Freundes- und Familienkreis zu ziemlich spontanen Nachfeier unserer Silberhochzeit eingeladen. Trotz nur gut zwei Wochen Vorlaufzeit können wir tatsächlich in „unsere“ Hochzeitskirche und in können auch in „unserem“ Hochzeitsrestaurant reservieren. Zu unserer Freude sagen sogar fast alle Gäste zu.

In der kleinen Dorfkirche von Hoyerhagen findet an diesem Sonntag kein Gottesdienst statt, wie so oft auf dem Land ist inzwischen ein Geistlicher für diverse Gemeinden zuständig. Aber der Kirchenvorstand schließt uns auf und wir dürfen die Räumlichkeit für eine private Andacht nutzen. Schon Wiebke Mutter wurde in dieser Kirche getauft, ihre Großeltern in der Kirche getraut.
Es wird unvergesslich schön, zumal mein Bruder mit Gitarre für die musikalische Begleitung sorgt, unsere liebe Freundin Katrin uns sehr berührend einsegnet und unsere Nichte Emma wunderbar Fürbitten und Vaterunser übernimmt.

Vor 25 Jahren …

… und heute (wie Frank es formuliert: „Die Zeit geht mit der Braut gnädiger um als mit dem Bräutigam“. Ist ganz ok so.):

Wir sind unendlich dankbar, uns im Familien-und Freundeskreis so aufgehoben zu wissen.

Das ist für uns um so wichtiger, weil unser Heimaturlaub das Bergfest seiner Dauer schon überschritten hat. In nicht einmal drei Wochen soll es für uns wieder Richtung Papeete gehen.

So schnell rennt die Zeit.

Zwischenstand im Heimaturlaub

Mal ein ganz kurzer Zwischenstand, was wir hier in Deutschland und fern von unserer Flora so treiben:

Wir genießen Hamburg, …
… bestellen jede Menge Ersatzteile für Flora und ein paar Spielzeuge für uns …
… machen Arzttermine für Vorsorgeuntersuchungen,
chillen auf unserer Dachterrasse …
besuchen die Familie …
fahren übers Land, pflücken Obst an den Straßenbäumen und organisieren eine (nachträgliche) Feier unserer silbernen Hochzeit …
… bekommen zurück in Hamburg Besuch von Segelfreunden aus Berlin …
… und besteigen mit ihnen den neu eröffneten begrünten Hochbunker auf dem Heiliggeistfeld …
… besuchen mal wieder die klassischen Hamburger Wahrzeichen und Orte, wie die Landungsbrücken …
… Hamburgs schwimmendes Wahrzeichen, die Rickmers Rickmers (auf der wir vor 25 Jahren standesamtlich getraut wurden) …
und die inzwischen neu gestalteten Flutschutzanlagen mit Blick auf dieses Museumsschiff …
den Michel …
die Speicherstadt …
… die Cap San Diego und dahinter ein paar der Musicals …

… die Hafenanlagen und natürlich die Elbphilharmonie.

Und wo wir schon bei der Elphi sind: ein Konzert in diesem wunderbaren Hamburger Kulturhaus darf natürlich auch nicht fehlen:

Aber von Hamburg zieht es uns zwischendurch auch noch etwas weiter in den Norden. Jan und Catalina nehmen uns mit zu sich auf die X-Ray nach Maasholm. In unserem alten Heimathafen treffen wir weitere Freunde, zumal dort an diesem Wochenende bei den GFK-Classics Hochbetrieb herrscht. Die alten Fischer sind aber auch noch in Maa.

Und ein bisschen Bootsarbeit ist auch zu tun. Diesmal kann ich Jan assistieren. Bloß nicht aus der Übung kommen …

Die Gefahr scheint zu bestehen, denn eine Mitteilung von Noforeignland mutet schon ein wenig provokant an:

Über 20 Seemeilen im ganzen Monat August. Hm. Das war jetzt wohl ein Negativrekord für uns. Aber im September – soviel ist schon klar – wird es noch weniger, denn da muss die Flora noch auf uns warten. Erst im Oktober geht’s wieder los.

😎

Das Gute und das Nicht-so-Gute.

Wir fangen mal mit den guten Nachrichten an. Wir haben tatsächlich kurzfristig einen Hafenplatz in der Taina Marina und auch einen Flug nach Deutschland bekommen (auch wenn der Preis für letzteren ziemlich unverschämt ist). Aber entschieden ist entschieden. Schon Freitag früh fliegen wir los, sollen Samstagabend in Hamburg ankommen.

Bevor wir die Cook’s Bay auf Moorea verlassen, präsentiert sie sich anders als am Vortag dann noch einmal von ihrer Sonnenseite:

Und nicht nur deshalb war es eine gute Entscheidung, hier einen Zwischenstopp einzulegen. Ballerten uns am Vortag der Wind und die Wellen noch genau auf die Nase, können wir jetzt wunderschön segeln. Auch wenn es nur 20 Seemeilen sind, wir genießen den Törn zurück nach Tahiti sehr. Beste Segelbedingungen, außerdem können wir noch mal den Code0 lüften und trocknen. In seiner Stautasche am Seezaun ist das Segel mit dem Flora-Logo in den letzten Tagen doch auch immer mal wieder nass geworden und für unsere geplante Abwesenheit wollen wir ihn lieber unter Deck stauen.

Zunächst mal geht es an den Ankerplatz am Flughafen, einen der wenigen offiziellen Ankerplätze Tahitis. Ist durchaus gut gefüllt, aber wir finden noch einen guten Platz gleich neben unseren Freunden Barbara und Ralph. Auf deren Lille Venn gibt es ein Fest- und Abschiedsessen.

Am nächsten Morgen wollen sie nach Moorea aufbrechen. Eigentlich. Ein Elektrowurm legt die Ankerwinsch der Lille Venn lahm. Bei der Suche kann ich (gemeinsam mit Jeroen von der My Motu) mehr oder weniger nur moralische Unterstützung und Handlangerdienste bieten, aber am Ende seiner systematischen Suche findet Ralph die versteckte Schwachstelle im Kabel.

Beim Dinghy-Cruisen durchs Ankerfeld begleitet und dann eine Weile ein Adler-Rochen, im klaren Wasser ist auch sein Schatten auf dem Sandgrund klar auszumachen.

Nachdem die Lille Venn mit Verspätung dann doch Richtung Moorea aufgebrochen ist, sagen Wiebke und ich “Hallo” bei der “Wasabi”, die mit deutscher Flagge ganz in unserer Nähe ankert. Sie laden uns zum Sundowner ein, wir haben einen schönen Abend mit Andrea und Hans-Jörg und nicht nur das. Hans-Jörg bietet uns an, am nächsten Tag mit ihm im Jeep den Dirt Track durch die Berge über die Inselmitte von Tahiti zu nehmen. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen und es wird ein unvergessliches Erlebnis.

Mit diversen Fluss-Durchfahrten, einem „Tropfsteinhöhlen“-Tunnel, zum Teil an steilen Hängen entlang führt die zumeist einspurige, nur teilbefestigte Piste einmal durch das fast unbewohnte Zentrum der gebirgigen Insel. Schlaglöcher satt, aber ebenso Wasserfälle, Seen und atemberaubende Ausblicke im Gebirge. Das Wetter spielt ganz gut mit. Klar hängen Wolken in den Bergen, aber meist haben wir gute Sicht. Es regnet nur einmal kurz, zum Teil können wir sogar das Targa-Dach abnehmen.

Am Abend treffen wir uns dann zu sechst in einem der Restaurants an der Taina Marina. Zu Andrea, Hans-Jörg und uns beiden kommen noch Nora und Ralf von der Barbarella dazu, wieder ein schöner Abend.

Tja, und heute verlegen wir Flora dann in die Taina Marina. Wir melden uns wie gewünscht 10 Minuten vor der Einfahrt per Funk an. Das Anlegen muss dann aber erstmal warten, die Mitarbeiter der Marina klarieren von ihrem Motorboot aus und schnorchelnd erstmal einige Mooringleinen, eine Viertelstunde kreisen wir vor dem Hafen. Aber dann klappt das Manöver trotz ordentlich Wind ganz gut. Mit derzeit drei Heckmooringleinen und dem Bug zum halbhohen Schwimmsteg liegt Flora hoffentlich sicher.

Aufklarieren, Wäsche waschen in der Marina-Laundry, Hafenformalitäten und dann erste Vorbereitungen, um das Boot für einige Wochen allein zu lassen. Der Wassermacher muss für die Zeit der Nichtbenutzung „gepickelt“ werden, sonst leidet die Membran. Dazu wird ein Biozid (Metabisulfite) in 10 Litern Wasser aufgelöst, die dann von der Pumpe in die Membran gespült werden. Eigentlich. Nur leider springt die elektrische Hochdruckpumpe des Wachermachers nicht an. Gestern hatte sie noch einwandfrei funktioniert, heute: kein Mucks. Grrr. So wird aus der schnell zu erledigenden Routineaufgabe eine aufwändige Fehlersuche. Ist es der Schalter? Ein Kabel? Die Pumpe selbst? Müßig zu erwähnen, dass das Schaltpanel im Bad im Schrank, die Pumpe in der Ecke unter der Achterkoje und die Kabel quasi überall zwischen Batterie, Sicherungskasten, durch den Motorraum und die Badezimmerschränke hindurch verbaut sind. Machen wir vor der Abfahrt halt nochmal richtig Chaos im Boot. Der Fehler ist übrigens bisher noch nicht gefunden, morgen geht die Suche weiter. Immerhin konnten wir (mit etwas Fern-Hilfe durch Chief Jan) heute den Schalter als Übeltäter schon mal ausschließen.

Behandlung mit Panoramablick: Wandern, Ananas und Schonen vor Mooreas eindrucksvoller Kulisse

Die Landschaft auf Moorea lädt zum Wandern ein. Gleich mehrere Hikes bieten sich von unserem Ankerplatz aus an. Da wir noch ein bisschen angeschlagen sind, entscheiden wir uns gemeinsam mit Andrea und Ingo erst einmal für eine leichte Wanderung durch die Ananas-Felder.

Vor der phantastischen Kulisse der Steilen Berge Mooreas führt der sanft gewundene Weg nur leicht bergauf.

Ein Trimm-Dich-Pfad liegt an der Strecke, wir hangeln, hüpfen, machen Sit-ups.

Weiter geht es, jetzt rechts und links weite Felder, auf denen Ananas angebaut wird.

Ab und zu auch Kokospalmen, Sternfruchtbäume, kleine Waldstücke. Was für ein Panorama. Es ist ein wunderschöner Spaziergang.

Bis zu diesem letzten Bild. Denn dafür gehe ich ein Stückchen abseits des Weges. Im Unterholz versteckt sich eine kleine rostige Eisenstrebe und an der reiße ich mir den Unterschenkel auf. Die klaffende Wunde blutet ganz ordentlich, aber zum Glück haben wir im Rucksack einige Pflaster dabei.

Der Socken ist nach dem verkürzten Heimweg trotzdem mit Blut getränkt. Erst an Bord bekommen wir die Verletzung dann ordentlich desinfiziert und die Wunde mit Klammerpflastern aus unserer gut bestückten Bordapotheke besser geschlossen.

Auch ein medizinischer Tacker wäre vorhanden, aber wir schauen mal, ob es mit den Klammerpflastern geht.

Jedenfalls haben die Behandelnden (Ingo und Wiebke) erstmal Ruhe verordnet. Wiebke backt unten gerade Kuchen, gleich zieht der Duft wieder durch das Boot, vorher darf ich schon Teigreste schlecken. Also sitze ich faul mit hochgelegtem Bein im Cockpit und erfreue mich am Blick auf Moorea und lasse mich verwöhnen.

Wassersport wird wohl leider erstmal eine Zeit lang tabu sein.

Twin Palms Yacht Club Raroia: der Yachtclub auf einem unbewohnten Motu

Für den Ankerplatz im Nordosten von Raroia hat sich die inoffizielle Bezeichnung “Twin Palms Yacht Club” durchgesetzt. Ein griffiger Name zur Unterscheidung ist ganz praktisch, denn die lokalen Namen der einzelnen unbewohnten Inselchen auf dem Ringriff des Atolls sind in den Seekarten nicht verzeichnet und theoretisch könnte man vor den meisten von ihnen ankern. Aber wieso gerade dieser Name für den Ankerplatz vor einem unbewohnten Motu?

Da waren wohl ein paar kreative Segler am Werk. Die Einrichtungen des Yachtclubs bestehen aus einer Feuerstelle, einer Schaukel, mehreren aus Strandgut gefertigten Hängematten, einem Tischchen und einem Eisen-Sporn zum Öffnen von Kokosnüssen.

Und eben den namensgebenden Kokospalmen, wobei es davon weit mehr als nur zwei gibt.

Nach ein paar Tagen an diesem Ankerplatz mit jeweils Dinner- oder Sundowner-Einladungen für uns auf eines der Nachbarboote fahren wir kurzentschlossen mit dem Dinghy zu allen umliegenden Booten und stoßen ein nachmittägliches Treffen am Yachtclub an. Kein Potluck, vielleicht ein paar Beach-Spiele, Snacks, Erfrischungen, Wiebke macht außerdem Kuchen.

Viele Crews kommen. Die meisten haben wir schon auf anderen Ankerplätzen getroffen, einige lernen wir erst hier kennen. Aus den Spielen wird nichts, aber die Unterhaltungen sind angeregt und vor allem: Kokosnüsse sammeln und öffnen ist der Hit, zumal es für einige das erste Mal ist.

Im Laufe des Nachmittags trudeln immer mehr Crews ein, es wird richtig schön bunt gemischt was Nationalitäten, Alter, Segelerfahrungen, Woher und Wohin angeht.

Die Gesellschaft löst sich erst kurz vor Sonnenuntergang auf, so lassen sich mit den Dinghies die Riffe und Bommies auf der Heimfahrt zum Boot noch einigermaßen ausmachen.

Allerdings sind wir dadurch schon im Aufbruch, als die Kokos-Krabben anfangen, aus ihren Löchern zu kriechen. Diese auf Kokosnüsse spezialisierten Land-Krabben sind hier sehr zahlreich und sollen ziemlich schmackhaft sein. Aber das sparen wir uns für ein andermal auf.

Die grünen, hohen Inseln der Marquesas bleiben achteraus.

Bananen baumeln am Achterstag. Die übrigen Fruchvorräte sind in der Flora in Netzen gestaut, schaukeln von der Decke im Salon und an der Duschvorhangstange im Bad. Der Dinghymotor wird mittels der Dirk auf den Heckkorb gesetzt, das jetzt motorlose Beiboot in den Davits zusätzlich mit « Bellybands » (unter dem Boden durchgezogenen Gurtbändern) gesichert und natürlich auch sonst alles an Bord seefest verstaut. Es geht wieder los. 450 Seemeilen offener Pazifik liegen vor uns, das entspricht etwa der Entfernung der Strecke einmal quer durch Deutschland.

Der Abschied von den Marquesas fällt nicht leicht. Zum einen sind gerade noch unsere amerikanischen Freunde Jill und Michael mit ihrer „Gerty“ angekommen. Immerhin konnten wir sie noch gebührend in Empfang nehmen und einen netten Begrüßungsabend mit ihnen sowie Simone und Joren von der holländischen „Vlinder“ verbringen. Heather und Jim sind noch hier, Andrea und Ingo im Norden der Insel.

Zum anderen waren die Marquesas einfach wunderbar. Fatu Hiva mit seinem Traumankerplatz in der Baie de Vierges. Tahuata mit seinen Stränden, den Delfin- und Mantabegegnungen und dem traditionellen Erdofen-Festmahl. Hiva Oa, das uns nach dem rolligen und knallvollen Atuona mit schönen Ankerplätzen an seiner Nordseite verwöhnt, das weniger besuchte Ua Huka, auch wenn es uns nur eine Stippvisite ohne Landgang gönnte. Das hohe Ua Pou mit den charakteristischen Pitons, den Zacken seiner Krone. Und – zwischendurch schon einmal und zuletzt wieder – das vielfältige Nuku Hiva.

Die Erlebnisse, die Wanderungen, die Schönheit der Natur, all das hat uns auf den Marquesas beeindruckt. Und doch, einmal mehr waren es die Begegnungen mit den Menschen, die die prägendsten und bewegendsten Eindrücke hinterlassen haben. Die Gastfreundschaft der Bewohner dieser Inseln, ihre Offenheit und Zugewandheit.

So wie Henrys Familie auf Fatu Hiva, Stella und Gil auf Tahuata, Tepua und José auf Hiva Oa, Eveline auf Ua Pou, Kua und Te‘iki auf Nuku Hiva, sie machen für uns das Gsicht dieser Inseln aus und stehen doch auch stellvertretend für die unglaublich freundlichen Menschen der Marquesas.

Vom weitläufigen Ankerplatz vor dem Hauptort Taiohae brechen wir jetzt auf.

Neue Abenteuer locken. Unser Ziel sind die Tuamotos. Auch sie bilden eine der fünf Inselgruppen Französisch Polynesiens. Ganz anders als die hohen grünen gebirgigen Marquesas sind sie flache Atolle, die sich kaum über den Meeresspiegel erheben. Fast alle von ihnen haben eine von einem Riff umgebene Lagune, die wenigen Ausnahmen sind gehobene Atolle. Früher ebenfalls mit einer flachen Lagune im inneren, hat sich das ganze Atoll durch tektonische Veränderungen so weit aus dem Meer gehoben, dass kein Meerwasser mehr in die ausgetrocknete Lagune gelangt.

Bei allen anderen Atollen der Tuamotus aber ist die Lagune ein Teil des Ozeans. Durch einen oder mehrere Pässe atmet die Lagune mit der Tide Pazifikwasser ein und aus. Wenn der Wind auf dem Ozean hohe Wellen aufbaut, gelangt zudem auch über das Ringriff hinweg weiteres Wasser in die Lagune, was dann bei Ebbe zu besonders kräftigen Strömungen im Pass führt. Die Passagen durch die Pässe der Lagunen sind also mit Vorsicht und idealerweise um Stillwasser herum vorzunehmen. Also sollten wir in drei Tagen möglichst um 8:30 oder um 14:30 vor dem Pass von Raroia angekommen sein, unserem geplant ersten Atoll der Tuamotus. Lieber etwas früher, um Spielraum zu haben. Mal sehen, ob das klappt.

Nuku Hiva: Taiohae, Tikis und Abschied

Schwupps, vier Wochen sind schon um. Unser Patenkind Jannik fliegt ab Nuku Hiva (über Papeete, Los Angeles und Paris) zurück nach Frankfurt. Etwa 50 Stunden dauert seine gesamte Rückreise.

Wir verlegen Flora in die Bucht vor Taiohae, mit 1.600 Einwohnern der Hauptort von Nuku Hiva. Dort mieten wir für den Abflugtag ein Auto. Der Flughafen liegt im Nordwesten der Insel, 40 km kurvenreiche Fahrt durch das Inselinnere sind es dorthin.

Erst einmal aber schauen wir uns noch gemeinsam Taiohae an, laufen zum größten zeitgenössischen Tiki, das auf einem kleinen Hügel an der Ankerbucht errichtet wurde. Das 12 m hohe Doppeltiki “Tuhiva” zeigt einen Krieger, der als Bewahrer mit der von seinen Vorfahren (repräsentiert durch das größere weibliche Tiki) geerbten Kraft von Tradition und Wissen in die Zukunft schreitet. Das ist sicher der Wunsch vieler Polynesien für ihre Kinder. Gleichwohl verlassen viele für die Ausbildung ihre kleinen Heimatinseln, bei weitem nicht alle wollen danach zurückkehren.

Und wie geht es für Jannik jetzt nach seiner Schulzeit weiter? Mal sehen, auch er verlässt ja zum Studium seinen Heimatort.

Hier gibt’s jedenfalls ein Abschiedsessen in der Pizzeria von Taiohae, gemeinsam mit unseren Segelfreunden Heather und Jim von der “Kavenga”. Und auch von den beiden müssen wir uns schon wieder trennen, denn während wir auf dem Absprung zu den Tuamotus sind, warten die beiden hier in Taiohae noch auf Ersatzteile und das wird wohl noch ein paar Wochen dauern.

Die Fahrt zum Flughafen ist dann zugleich noch ein bisschen Inselerkundung. Über Serpentinen schrauben wir uns an der üppig tropisch bewachsenen Südküste der Insel von Nuku Hiva in die Höhe, haben noch einmal einen tollen Blick auf unsere Ankerbucht in einem alten, eingestürzten Vulkankrater:

Als wir über den Pass auf die andere Seite des Gebirgsrückens wechseln, wandelt sich das Bild. Wir fahren durch eine leicht gewellte Hochebene, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Kühe auf der Weide, Kiefern und andere Nadelbäume prägen das Bild. “Westerwald” für Jannik. Je näher wir dem Flughafen im Nordwesten kommen, desto trockener wird es. Am Ende sehen wir sogar Kakteen. Und dann heißt es wirklich “Tschüss”. Danke für den Besuch Jannik, es war schön, Dich an Bord zu haben.

Wo uns der Mietwagen schon mal zur Verfügung steht, fahren wir auch noch die andere befestigte Inselstraße hinüber in den Nordosten von Nuku Hiva. Hier ist es wieder tropischer. Die Straße führt von der Baie de Controleur zunächst in einem Tal entlang. Als wir uns dann langsam am Hang hinaubewegen, sehen wir auf der gegenüberliegenden Talseite einen massiven Wasserfall hinabstürzen.

Autoverkehr begegnet uns wenig, aber dafür sehen wir ein ums andere Mal Tiere. Pferde und Schweine, mal angepflockt am Straßenrand, mal halbwild mit einem kurzen Strick um den Hals, mal als echte Wildpferde und Wildschweine.

Wir fahren nach Hatiheu, malerisch unter einem spitzzackigen Hahnenkamm von Felsen gelegen.

Kurz vor dem Ort besuchen wir Kamuihei, eine (seit 1998) teilweise restaurierte polynesischen Siedlungsstätte, die sich oberhalb von Hatiheu im Wald verbirgt.

Wie praktisch immer an den historischen Stätten finden sich auch hier einige der imposanten heiligen Banyan-Bäume, der älteste wohl um die 600 Jahre alt:

Suchbild: Bayanbaum mit Wiebke 😉

Zurück in Taiohae nutzen wir das Auto noch, um unsere Proviantvorräte für die Tuamotus noch etwas aufzustocken, fahren auch zum weiter vom Dinghydock entfernt gelegenen Supermarkt im oberen Teil des Ortes. Der ist zwar nicht wesentlich größer als der „Utile“, scheint aber doch etwas günstiger (bzw. etwas weniger teuer) zu sein. Auch auf dem Obst- und Gemüsemarkt am Kai decken wir uns ein, finden sogar ein bisschen Gemüse.

Dann besuchen wir noch die Sammlung zeitgenössischer und historischer Tikis an der Uferpromenade.

Sieht spannend aus, aber nicht alle Einheimischen sind begeistert. „Da war wohl noch Geld über, und dann hat das ein Italiener designt. Aber einen Anschluss an fließendes Wasser haben wir immer noch nicht überall.“

Die Ansichten, wie mit der geerbten Kraft von Tradition und Wissen in die Zukunft geschritten werden soll gehen offenbar (kaum verwunderlich) auseinander.

Nuku Hiva: Anse Hakatea (Daniels Bay) und Kokosnuss-Schulung 🥥

Ein paar Stunden schönes Segeln, dann sind wir von Ua Pou zurück auf Nuku Hiva. Wir entscheiden uns für Hakatea, eine der geschütztesten Ankerbuchten des Reviers. Aber nicht nur das zeichnet sie aus.

Die Einfahrt in die Bucht offenbart eine atemberaubende Schönheit der wild zerklüfteten Landschaft.

Die eigentliche Ankerbucht ist dabei durch die Halbinsel so gechützt, das wir von Floras Ankerplatz aus rundherum Land sehen. Draußen bricht sich der Schwell, drinnen liegt unser Schiff ruhig wie seit den Gambier nicht mehr.

Das Dörfchen an der westlichen Bucht bietet ein kleines Restaurant und die Möglichkeit, Obst zu kaufen. Wie schon in der Baie de Controleur liegen die wenigen Häuser allerdings an einem kleinen Fluss, dessen Mündung eine Barre aufweist. Sie kann nur um Hochwasser herum mit dem Dinghy befahren werden und auch das nur am äußeren Rand, ganz nahe an den Felsen. Wir holen Ingo und Andrea von der Easy One ab und probieren es. Direkt neben uns bricht sich die Brandung auf der Barre, aber wir kommen durch. Im Flüsschen ist es dann sofort herrlich ruhig.

Wir fahren noch ein Stück weiter Richtung Ort, dann binden wir Florecita an einer Palme fest und gehen zu Fuß weiter. Es ist fast unwirklich malerisch.

Beim dritten Haus treffen wir auf Kua. Wir fragen sie nach dem Weg, sind aber schon am Ziel. Gemeinsam mit ihrem Mann Te’iki betreibt sie ein kleines Gartenrestaurant und verkauft auch Früchte.

Te’iki fragt uns, ob wir ihm helfen können, sein Boot aus dem Wasser zu ziehen. Na klar. Also gehen Jannik, Ingo und ich mit Te’iki rüber zum Fluss, während Wiebke und Andrea mit Kua Früchte aussuchen.

Te’iki watet zum kleinen Motorboot und schiebt es ans Ufer, dort ziehen wir es dann mit einer Seilwinde über zuvor platzierte Baumstammrollen in den Garten. Hört sich einfacher an als es ist, das Ausbalancieren und manuelle Bedienen der Seilwinde ist recht aufwändig. Am Ende wird das Boot dann mit den Seitenteilen eines alten Bettes verkeilt. Fertig.

Zurück am Haus haben Wiebke und Andrea inzwischen eine ganze Schubkarre mit frischen Früchten wie Bananen, Papaya, Mango, Sternfrucht und Pampelmusen gefüllt. Ein paar Kräuter (Basilikum) gibt’s obendrauf.

Dann bekommt Jannik von Te’iki eine Kokosnuss-Schulung, er erinnert ihn vielleicht an seinen ungefähr gleichaltrigen Sohn, der in Tahiti in der Schule ist.

Zunächst einmal: wie wählt man die Kokosnuss aus, welche sind besonders gut? Und dann das entscheidende: wie öffnet man die Nuss vernünftig, schnell und ohne große Sauerei?

Jannik wird ausführlich eingewiesen, danach muss er (den Te’iki jetzt “Le Professeur” nennt) es uns erklären und zeigen.

Aber damit nicht genug. Als nächstes zeigt uns der Hausherr, wie das Kokosfleisch richtig aus den Teilen der Nuss herausgeschabt wird. Jannik soll sich auf das Schab-Brett mit der angeschraubten Metallspitze setzen und los geht’s. Immer wieder wird korrigiert: Fußstellung, Handhaltung, Bewegungsablauf.

Dann schabt der “Professeur” fleißig, Te’iki zupft derweil die Kokosfasern aus den Resten der Nuss-Hülle. In sie hinein gibt er das geschabte Kokosfleisch, wringt das Ganze mit den Händen über einer halben Kokos-Schale aus und lässt uns die so gewonnene leckere konzentrierte Kokosmilch kosten.

Ingo darf auch ran beim Auswringen.

Wir melden uns auch zum Mittagessen an, aber dafür müssen wir zuerst das Dinghy zurück zum Schiff bringen, ansonsten würden wir damit wegen der fortgeschrittenen ablaufenden Tide nicht mehr aus dem Fluss kommen. Also zur Flora in Hakatea (auf die bei Cruisern geläufigere Bezeichnung Daniels Bay ist Te’iki nicht gut zu sprechen) und eine Zeitlang später dann auf einem anderen Weg wieder ins Dörfchen. Diesmal beachen wir Florecita am Strand unserer Ankerbucht, ein kurzer Hike führt von dort zurück ins Dorf. Dafür müssen wir aber erstmal den Einstieg entlang des felsigen Ufers finden und in einer Furt durch den Fluss waten. Und dann Mittagessen im Gartenrestaurant von Kua und Te’iki. Es gibt Thunfisch mit Basilikum-Knoblauch-Marinade, frittierte Brotfrucht-Spalten und grünen Papaya-Salat. Délicieuse.

😋

Und das kommt dabei raus, wenn Jannik Smileys auf die Pampelmusen malt:

😂