Gibt’s das wirklich? Oder ist es nur ein Klischee? Kleine unbewohnte Inselchen, rundherum Sandstrand, dichtbestanden mit Kokospalmen, vor denen man im warmen, türkisfarbenen Wasser wunderbar ankern kann?
Doch, die gibt es. Hier in Guna Yala / San Blas sogar ziemlich viele. Und die Cayos Coco Bandero sind sozusagen eine Blaupause für diesen Langfahrertraum. In drei Gruppen verteilt liegen allein hier 9 Palmeninseln und noch ein paar weitere Sandflecken geschützt hinter einem im Nordosten vorgelagerten Riffgürtel.
Von unserem letzten Ankerplatz in den Lemon Cays segeln wir etwa 16 Seemeilen nach Ostsüdost. Eigentlich wollten wir zu den Cayos Holandes, aber die lassen wir an Backbord liegen und nutzen den etwas schwächeren Passatwind dieses Tages aus um uns hoch am Wind erst einmal weiter nach Ost vorzuarbeiten.
Als wir näher kommen, sehen wir, dass wir (wenig überraschend) nicht als einzige die etwas windärmere Phase für einen Besuch von Coco Bandero nutzen wollen.
Ein gutes Dutzend Boote hat sich ebenfalls für die mittlere Inselgruppe der Cayos Coco Bandero entschieden. Wir fahren durch den Kanal zwischen Olosicuidup und Guarladup, aber unser eigentlich favorisierter Ankerplatz zwischen diesen beiden Inseln ist schon gut belegt. Würde wohl noch passen, aber wir entscheiden uns erst einmal für den noch deutlich mehr Platz bietenden Bereich vor der nördlichen Insel Tiadup. Dort stehen allerdings derzeit nur noch fünf hohe Palmen, auf dem Großteil des Inselchens werden offenbar gerade neue Palmen angepflanzt, die aber noch sehr klein sind.
Mit dem Dinghy schauen wir uns dann noch einmal in Ruhe um, besuchen die Inseln und umwandern sie (dauert ja kaum 10 Minuten).
Mit den Crews von zwei Yachten kommen wir gleich ins Gespräch, werden zum Sundowner am Strand der mittleren Insel eingeladen. Wir schnorcheln noch ein bisschen am Riff und als wir mit Florecita zum Treffen am Strand fahren, sind zwei der Segelboote im Kanal bereits ankerauf gegangen. Kurz entschlossen brausen wir zurück zur Flora und ankern um, hier zwischen den Inseln ist es doch um einiges schöner.
Am nächsten Morgen verlassen dann nach und nach die meisten Boote den Ankerplatz. Wir bleiben und zu unserer Überraschung kommt nur ein einziges Boot neu dazu, dass außerdem noch weit entfernt ankert. Den Kanal zwischen den Inseln haben wir jetzt für uns allein.
Wie unterschiedlich und doch an beiden Tagen wunderschön die Stimmung hier ist.
Nur einen Katzensprung entfernt liegt am Sonntag unser nächstes Ziel. Kanlildup (Green Island) liegt zwei Seemeilen weiter Richtung Festland im Golfo de San Blas. Hier treffen wir auch die Berliner Susan und Holger mit ihrer HR 45 Ultimate wieder, die wir von Coco Bandero kennen. Zum Kaffee sind sie bei uns an Bord und wieder wird es ein schöner Klönschnack.
Auch hier machen wir wieder eine Spritztour mit dem Dinghy, dieses Mal ankern wir Florecita vor Waisaladup und schaffen einen neuen persönlichen Rekord für eine Inselumwanderung 🤩.
Einbaum-Kanus sind uns hier in Panama bisher häufig begegnet. Schon bei der Einfahrt nach Bocas del Toro hatten wir Fischer in diesen traditionellen Booten gesehen, an den Ankerplätzen dort gehörten sie zum vertrauten Bild. Gelegentlich kam einer zur Flora, bot z.B. selbstgefangene Krebse an.
Hier in Guna Yala scheinen die langen, schlanken und tatsächlich aus einem ausgehöhlten Baum gefertigten Kanus sogar noch häufiger zu sein. Ganze Kuna-Familien sind in ihnen unterwegs. Schon mehrfach kam ein Kanu angepaddelt und wir wurden gebeten, ob wir die Handys der Insassen laden könnten. Machen wir natürlich gerne, Solar und Wind geben uns reichlich Strom und der ist auf diesen kleinen Inseln hier echte Mangelware, Solarpanele oder gar Windgeneratoren können sich die Kuna zumeist schlicht nicht leisten.
Die Einbäume werden in der Regel mit aus Brettern geschnittenen, manchmal mit Schnitzereien verzierten Paddeln bewegt, in Flachwasserbereichen mit einer ebenfalls hölzernen Stange gestakt. Und wenn der Wind es zulässt, werden sie auch gesegelt.
Zumeist wird ein kleines Vorsegel und ein deutlich größeres Sprietsegel am unverstagten, Mast gefahren, der einfach durch ein Loch in ein eingeklemmtes Brett gesteckt wird. Gesteuert wird mit einem nur von Hand gegen die Bordwand gedrückten Paddel. Beeindruckend, dass das mit den schmalen kippeligen und bauartbedingt fast kiellosen Kanus überhaupt möglich ist.
Wir haben den Liegeplatz gewechselt, ein paar Meilen weiter in die Lemon Cays verholt. Ein Wirrwarr kleiner palmenbestandener Inselchen mit Riffen drumherum und dazwischen. Als wir uns auf Nuinudup (Dup heißt Insel auf Kuna) die Beine vertreten, kommt Justino mit seinem Sohn Fredi mit dem von Justino selbstgebauten Ulu (=Kanu auf Kuna) angepaddelt. Die beiden laden gerade ihre Handys auf der Flora. Justino fragt auf spanisch „Ein bisschen Spielen?“ und baut bei den etwa zwanzig Knoten Wind den Mast auf. Und er zeigt uns stolz sein buntes Segel, dass ihm ein amerikanischer Freund geschenkt hat „Ulu Sail Project“ und der Name der Sponsoryacht sind mit Edding darauf vermerkt.
Und schon sausen sie los, einmal quer über den Ankerplatz hinüber nach Banedup und wieder zurück.
Wir scherzen noch, dass Wiebkes Outfit gut zum Segel passt, da kommt auch schon die Frage, ob wir mal mitsegeln wollen? Na klar. Einzeln, ok. Und los gehts, für mich als Passagier zumindest bei Wende oder Halse mehr liegend als sitzend aber immer mit tollem Blick auf die Action:
Bei dem Wind ist das Ulu sportlich unterwegs. Und Justino ist sozusagen gleichzeitig das lebendige Want (das den Mast seitlich stützt und aufrecht hält) und zugleich das Ausreitgewicht, das für die Balance des Kanus sorgt. Fredi steuert und bedient gelegentlich die Großschot. Beide haben sichtlich Spaß.
Den habe ich auch. Und nach mir Wiebke 😁.
Was für eine Gaudi. Und ja, selbstverständlich bekommen die beiden von uns später einige Dollar für dieses Spektakel zugesteckt. Sie können es gut gebrauchen, ebenso wie ein paar unserer ausgetauschten und als Ersatz immer noch mitgeführten Leinen, Stifte und Papier. Für die Kuna auf den kleinen Inseln ist eigentlich alles knapp.
Für Abwechslung ist in Shelter Bay gesorgt. Nach zuletzt so vielen schönen sonnigen Tagen beginnt erst mal Schauerwetter und damit (bei den Temperaturen hier auch nachts) das beliebte Spiel “Fenster auf / Fenster zu”. Der Mittwoch ist dann total verregnet.
Dafür bietet allerdings das SPSN in der Lounge der Marina eine Info-Veranstaltung an. Die Abkürzung steht für South Pacific Sailing Network, Stephanie und Andy bringen eine sehr informative und kurzweilige (aber lange dauernde) Präsentation über die Inseln von den Marquesas bis Neuseeland.
Und wir treffen uns einige Male mit Cris und Ruedi von der schweizerischen “Pasito”, schnacken oder spielen.
(Mexican Train Domino)
Oder von Bord der Pasito aus das Krokodil im Hafenbecken beobachten. Hm, Schnorchelnd das Unterwasserschiff reinigen fällt für uns hier wohl aus. Ruedi hat sich davon allerdings nicht beirren lassen.
Heute aber ist es wieder richtig sonnig, wir schnüren die Wanderschuhe und bewegen mal wieder die Beine. Direkt an der Marina beginnt der Urwald, oft hören wir die Brüllaffen. Also wollen wir mal versuchen, ob wir sie auch zu sehen bekomme.
Bis zur ehemaligen amerikanischen Armeeanlage “Battery Stanley” ist der Weg gut, danach allerdings führt nur noch ein Pfad weiter.
Direkt hinter der Battery Stanley sehen wir tatsächlich die erste Affenfamilie. Allerdings sind es keine Brüllaffen, sonder Panama-Kapuziner-Affen, die hier durch die Bäume toben und uns mit herunterfallenden abgebrochenen Ästen auf sich aufmerksam machen.
Einmal mehr ist der weitere Pfad anfangs gut zu erkennen, diesmal bis wir zum ersten Mal das Meer erreichen. Ein kleiner steiniger Strand, ok. Aber nachher lockt schließlich eine größere Bucht mit Sandstrand, Badesachen haben wir dabei, also weiter. Allerdings wird es jetzt kniffliger, aber wir sind ja schon ganz gut geübt. Der Trampelpfad führt jetzt zumeist am Hochwasser-Spülsaum des Meeres entlang. Hört sich einfach an, ist es aber nicht, wenn Mangroven vorgelagert sind. Diese Salzwasser vertragenden Pflanzen verlagern den Spülsaum nämlich so, dass wir die Küste nicht mehr sehen, aber über die Wurzeln der Mangroven klettern müssen und trotzdem immer mal wieder durch knöcheltiefes Matschwasser waten. Da sind wir allerdings schon so weit, dass Umkehren auch keine Option ist.
Und noch eine weitere unschöne Erscheinung verbirgt sich im Wort Spülsaum, die wörtliche nämlich. Hier, mitten im Mangovenwald, findet sich eben auch ein breiter Streifen angeschwemmter Plastikflaschen, Flipflops, Ölkanister, Netzbojen und eben alles, was leider so an Plastikabfällen im Meer schwimmt. Grrr.
Als wir endlich den Sandstrand erreichen, lädt dieser nicht eben zum Baden ein. Diesmal ist es nicht angeschwemmter Plastikmüll. Der ist vermutlich auch da, wird aber vollständig überdeckt durch den sich derzeit in der Bucht sammelnden Sargassum-Seetang. Ein dicker Wall bedeckt den Strand, davor schwappt es braun in den Wogen hin und her.
Das war wohl nichts. Immerhin führt der Rückweg größtenteils über leicht begehbare Straße (wenn man von dem Teil absieht, auf dem wir eine völlig überwucherte Querstraße bis hin zu einem mit Kette verriegelten Tor gehen und wieder zurück müssen).
Aber hey, die Belohnungen für die Matschwanderung kommen schon noch. Und was für welche:
Als erstes erspäht Wiebke in den Bäumen einen dunklen Fleck im Gegenlicht. Ein Faultier? Nein, aber fast noch besser, ein naher Verwandter davon, den wir bisher noch nie gesehen haben. Ein Ameisenbär! Nicht blau wie Elise bei Paulchen Panther, auch nicht so tapsig, aber unververkennbar mit seiner langen Röhrenschnauze, dem vergleichsweise kleinen Mund und den runden Ohren.
Und dem langen Schwanz, den er zum Greifen verwendet und hier zur Sicherung um den dickeren Ast geschwungen hat:
Nicht ohne Grund, denn während wir ihn beobachten, knackt einer der dünnen Äste weg, aber davon lässt er sich nicht beeindrucken und futtert unbeirrt weiter die Ameisen oder Termiten auf dem Ast.
Als wir irgendwann doch weitergehen, sehen wir nur kurze Zeit später auch die erhofften Brüllaffen. Allerdings sind sie gerade ganz still, ist vielleicht besser für unsere Ohren.
Und auch das ist noch nicht das Ende. Unten auf dem Waldboden läuft ein Nasenbär. Anders als der Ameisenbär ist er nicht mit dem Faultier, sondern eher mit Mardern verwandt, aber auch er hat einen deutlichen “Gesichtserker”.
Und so kommen wir nach der Wanderung zwar sehr matschig, aber eben auch SEHR GLÜCKLICH wieder in der Shelter Bay an. Erstmal duschen und baden. Da war ja noch das Krokodil? Dann eben Pool.
Colón an der atlantischen Zufahrt zum Panamalkanal ist alles in allem eine ziemlich herunter gekommene Stadt. Der dortige Hafen und die an ihm gelegene Altstadt liegt naturgemäß am Wasser und damit in diesem Fall direkt an der Limón Bay, der mit Molen geschützten karibischen Einfahrt des Kanals. Damit lag Colón in der auf jeder Seite des Kanals fünf Meilen (8,1 km) breiten Panamakanalzone. Diese Zone wurde zwischen 1903 und 1979 von den USA kontrolliert, die ja das damals zu Kolumbien gehörende Gebiet nach Rechtsstreitigkeiten besetzten und den unabhängigen Staat Panama ausriefen. Sie bauten den von den Franzosen angefangenen Panamakanal zu Ende und ließen sich das Recht auf den Kanal und die Kanalzone für 99 Jahre zusichern. Bis 1979 wurde die Zone um den Kanal von den USA im wesentlichen militärisch genutzt. Von 1979 bis 1999 verwalteten dann die USA und Panama die Zone gemeinsam, ehe sie mit dem Kanal an Panama ging.
Colón allerdings wurde bereits 1950 aus der Kanalzone herausgelöst und bildete danach eine panamesische Enklave in dieser Zone. Zudem wurde dort bereits 1953 eine Freihandelszone eingerichtet. So richtig nach vorne gebracht hat das die Stadt allerdings nicht. Große Teile der Bevölkerung verarmten. Colón galt als einer der kriminellsten und gefährlichsten Bereiche Panamas. Auch wenn sich das in den letzten Jahren etwas gebessert hat, die Stadt ist definitiv ziemlich heruntergekommen, vermüllt und mit einer Unmenge verfallener und verfallender Häuser.
Dennoch, zweimal täglich fährt ein Bus der Shelter Bay Marina dorthin, die Segler können dort dann in verschiedenen Geschäften zollfrei einkaufen.
Wir tragen uns in die Bus-Liste ein, aber in den Freihandelsbereich fahren wir – anders als die meisten Mitfahrer – heute nicht. Dankenswerterweise fährt der Busfahrer für uns beide noch etwas weiter in die Stadt.
Unser Ziel ist der „Salón de Vacunación“.
Sieht unscheinbar aus – abgesehen davon, dass das Gebäude so gut in Schuss ist. Aber wie der Name schon verrät, hier wird geimpft. Und so bekommen wir ohne Schlangestehen oder Anmeldung hier unsere Booster-Impfung gegen COVID 19 mit Pfizer-Biontech. Nach Vorlage der Reisepässe und der bisherigen Impfnachweise kostenlos und ratzfatz, nach 10 Minuten sind wir schon wieder draußen.
Einige Straßen zurück zum Markt an der Hauptstraße gehen wir zu Fuß, aber die Gegend wird nicht besser und das Innere der Markthalle ist heute geschlossen.
Also greifen wir uns eins der unzähligen Taxis und fahren zum Supermarkt „Rey“, wo in eineinhalb Stunden auch der Bus für die Rückfahrt zur Shelter Bay Marina starten wird. Was für ein Kontrast:
Mit zwei ziemlich vollgepackten Rucksäcken und ein paar weiteren ebenfalls gut gefüllten Taschen nehmen wir dann den kostenlosen Shuttlebus zurück zur Marina.
Der Weg geht übrigens über die neue, erst 2019 eingeweihte „Puente Atlantico“. Zwei 212 m hohe Pylonen halten die Tragseile der Schrägseilbrücke, 75 m Durchfahrtshöhe sollen auch für die großen Frachter reichen.
Schön ist, dass wir so von dort oben auch einen ersten Blick auf die beiden nebeneinander liegenden Schleusentreppen werfen können. Jeweils drei Kammern sind dort miteinander verbunden (die Ausfahrt aus der ersten Schleusenkammer ist zugleich die Einfahrt in die zweite).
Aber: da soll es für uns erst in einem Monat hindurch gehen. Als Termin haben wir den 8. März beantragt, das ist jetzt auf dem Behördenweg. Unser Cruising Permit für Panama ist auf diesem Weg schon etwas weiter, unser Agent hat es uns für morgen angekündigt. Wir schauen mal, wie wir die Booster Impfung vertragen und warten noch ein paar Tage, aber Ende der Woche werden wir mal nach einem Wetterfenster für die Fahrt in die San Blas Inseln (Guna Yala) sehen.
Egal ob Ankerfeld- oder Marina-Lieger, die Community umfasst offenbar beides. Und so werden wir gleich zum gemeinsamen Boccia-Spielen am Nachmittag (mit anschließender Happy Hour in der Beach Bar) eingeladen, als wir bei der „Sava“ von Mel und Brian kurz hallo sagen. Wie wir sind sie ebenfalls ziemlich aktiv auf Noforeignland, ein paar Mal haben wir sie schon knapp verpasst, hier in Bastimentos passt es endlich. Ihren Blog (www.MelOnTheGo.com) verfolgen wir ebenso wie sie unseren Blog, schön, sie endlich mal live zu treffen.
Von Mel bekommen wir auch gleich den Tip, in welchem Baum wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Faultier finden. Tatsächlich ist es wieder da – und diesmal nicht allein. Eins weiter unten am Baum, gaaaanz langsam im Aufstieg begriffen. Wahrscheinlich hat es gerade sein Geschäft gemacht, einmal pro Woche kommen die Faultiere dafür auf den Boden herunter. Ein zweites Dreizehenfaultier mit einem Jungen auf dem Rücken ganz versteckt weiter oben im gleichen Baum, für uns nur sichtbar als ein Fellknäuel mit mehr Armen, als zu einem einzelnen Faultier gehören. Die Gesichter sind leider verdeckt. Dafür zeigt sich aber das untere Perezoso (so der hiesige spanische Name) ausnahmsweise perfekt in der Sonne.
Wiebke und ich wollen vor dem Boccia-Treffen noch einen kleinen Hike machen. Am Ende des Red-Frog-Beach schlängelt sich nämlich ein Pfad sehr küstennah durch den Wald hinüber zum nächsten Strand. Er ist nicht ganz einfach zu finden, andere Segler waren nur bis zu einem Sumpf gekommen und dort umgekehrt. Aber jetzt, nach einigen trockenen Tagen, kommen wir durch und können sogar einen Blick auf den nächsten Strand erhaschen. Dann aber kehren wir um, noch ein Bad in dieser ziemlich leeren Ecke des Red-Frog-Beach und wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Boccia an.
Am nächsten Tag verlegen wir die Flora vor den kleinen „Hauptort“ von Bastimento. Das gibt uns die Gelegenheit für einen weiteren Hike hinüber zur Nordseite, diesmal zum Wizard Beach. Wiebkes Wander-App „Komoot“ weist verschiedene Wege dahin aus, wir entscheiden uns für den Weg über den höchsten Punkt der Insel. Sind nur 73 m, das sollte nicht so schwer sein.
So kann man sich irren! Dabei verläuft der erste Teil des Anstiegs sogar noch durch das Dorf, also auf Wegen. Danach geht es auf einem Pfad weiter durch den Wald, ab und zu mal eine Hütte, Bananenplantagen, es bleibt bis hier hin einfach. Der Weg teilt sich, ein Wegweiser möchte uns nach rechts zu Strand schicken. Aber geradeaus geht es auch, auf dem Kamm des Bergrückens. Das ist der Weg, den wir uns ausgesucht haben, denn er beinhaltet sowohl den Gipfel als auch die Nordspitze der Insel und führt mit diesem Umweg am Ende auch zum Wizard Beach. Weiter, jetzt ein bisschen bergauf und bergab, wird der Weg immer schwerer zu erkennen, er ist offenbar nicht mehr oft benutzt. Einzelne kleine Felder mit Bananenstauden wirken unbewirtschaftet, der Wald wird dichter. Dafür springen um so mehr Frösche um unsere Füße. Hatten wir zuvor (auch bei dem Hike gestern) immer hohe spitze Schreie ausgestoßen, wenn wir endlich einen der kleinen roten Pfeilgiftfrösche zu sehen bekamen, müssen wir jetzt zunehmend aufpassen, nicht auf sie drauf zu treten.
Hört sich übertrieben an? Ist es nur hinsichtlich der Schreie!
Die Frösche sind wirklich überall. Und jetzt, wo wir darauf achten, sehen wir auch diverse andere ebenso kleine Frösche.
Wobei die gelb-grüne Variante mit den dunklen Punkten tatsächlich eine andere Farbvariation des „Erdbeerfröschchens“ ist. Als ich das nachlese, erfahre ich auch, dass die Pfeilgiftfrösche ihr Gift über die Haut abgeben, die Pfeile werden deshalb nur über den Rücken der Tiere gestreift. Ein Geburtstagstelefonat mit Uwe in Hamburg ergibt zudem, dass die kleine Frösche im letzten Tatort eine Rolle gespielt haben, nette Parallele. Das Gift produzieren die Frösche übrigens nicht selbst, sondern reichern es aus ihrer Hauptnahrung (nämlich Schuppenameisen) an und scheiden es dann eben über Drüsen wieder aus.
Als wir weiter wandern, bilden an lichten Stellen von die Luftwurzeln richtige Vorhänge. Aber die weniger dicht bewachsenen Stellen werden seltener, immer öfter verliert sich der Weg durch den Urwald mehr und mehr im Dickicht. Die Kontrolle auf dem Handy aber sagt: wir sind immer noch richtig.
Inzwischen rutschen wir die Steigungen mehr oder weniger rauf und runter. Und ich habe ein Stöckchen in der Hand, mit dem ich uns den Weg zum Wizard Beach freizaubere. Immer schön auf und ab bewegen, der kleine Zauberstab ist wirklich wichtig geworden. Die giftigen Spinnennetze der Goldenen Seidenspinne sind zwar für Menschen völlig ungefährlich, aber eben doch lästig und die Spinnen selbst auch ziemlich eindrucksvoll. Die größte die wir sehen ist mit Beinen etwa handtellergroß. Im Hintergrund sieht man schon gleich die nächste.
Auf dem zweiten Bild sieht man über dem großen Weibchen das viel kleinere Männchen.
Zweimal müssen wir ein Stück zurück, weil wir den Weg doch verloren haben und da jeder Schritt in dem rutschigen und steilen Urwald wohl gesetzt sein will, wird es einer der anstrengendsten Hikes, den wir bisher gemacht haben. Aber es lohnt sich. Vögel bekommen wir zwar nur wenige zu sehen, aber neben dem Klopfen von einigen Spechten hören wir vor allem immer wieder den auffälligen Ruf des Montezumastirnvogels. Den kennen wir (wie die Erdbeerfröschchen) schon aus Costa Rica. Leise nähern können wir uns auf diesem schwierigen Geläuf leider nicht, und so verstecken sich die schönen etwa 50 cm großen Vögel mit ihrem im Flug auffallend gelben Schwanz und der roten Schnabelspitze ziemlich erfolgreich vor uns. Einen erwischen wir aber doch einigermaßen vernünftig mit der Kamera:
Und wir schaffen es zur felsigen Nordspitze der Insel.
Es ist so abgelegen, dass wir mit ein bisschen Mühe sogar eine Kokosnuss ernten können (die wir dafür allerdings den ganzen Rückweg schleppen müssen).
Von der Nordspitze aus ist es, mal über die Felsen, mal wieder durch den nicht weniger rutschigen Urwald aber dann doch noch ein ganz schönes Stück bis wir endlich am Wizard Beach ankommen. Ein herrliches Gefühl, als sich der Wald öffnet und wir diesen traumhaften Strand vor uns fast für uns alleine haben.
Wir baden, stärken uns mit mitgebrachten Müsli-Riegeln, und dann geht es auf einem anderen, kürzeren und durchgängig gut erkennbarem Weg wieder zurück zum karibisch bunten Ort und zur Flora. Nur 6 km Wanderung und etwas über 2 Stunden reine Wanderzeit ohne Pausen. Unfassbar, dass die so anstrengend sein können. Wir Weicheier. Aber jedem, der versucht ist, diesen Hike auch zu machen kann ich nur sagen:
Grün und Rot sind ja nun mal elementarer Bestandteil beim Segeln. Als Beleuchtung für das Boot (in Fahrtrichtung rechts = Steuerbord = Grün, in Fahrtrichtung links = Backbord = Rot). Oder als Betonnung, wobei es da etwas komplizierter ist. Auch wenn man sich bei der Lichterführung der Schiffe einig ist, gibt es bei der Betonnung quasi zwei Welten. In Europa (so haben wir es gelernt), Afrika, Australien, Neuseeland und weiten Teilen Asiens gilt das Betonnungssystem A. Von See kommend in einen Hafen oder Fluss einlaufend stimmen die Tonnen mit den Lichtern des eigenen Schiffes überein, also rechts grüne Tonnen, links rote Tonnen. Anders dagegen beim Betonnungssystem B in Nord- und Südamerika, Japan, Korea und den Philippinen: da ist es genau umgekehrt. “RRR” merken sich das die Amerikaner. Red Right on Return.
Warum jetzt dieser Ausflug in die maritime Farbenlehre (noch dazu, wo wir doch eigentlich Blauwassersegler sind)?
Panama haut uns einfach um. Soooo viel Grün! Die letzten Ankerplätze mit ihren Mangroveninseln, natürlich, selbst das Wasser ist eher grün als blau, die Palmen an den Stränden und die Laubbäume auf den hügeligen Rücken der etwas höheren Inseln: Variationen von grün. Da bleiben wir erstmal einfach noch länger am Ankerplatz, bewegen uns nicht weg und genießen.
Zumal wir Gesellschaft bekommen. Keine weiteren Ankerlieger, sondern einen anderen Besuch:
Mehrfach zeigen sich Delfine, keine großen Schulen, aber oft nah am Boot. Und auch andere Flossen entdecken wir. Erst scheint ein Einbaum-Kanu vorbei zu treiben, aber herrenlos ist es dann doch nicht.
Mit sagenhafter Ausdauer ist ein Local im 10 m tiefen Wasser auf der Jagd nach Krebsen. Auf die Einbäume war ich ja schon eingegangen, sie sind hier offenbar noch weit verbreitet. Oft in alter Weise eher grob behauen oder ausgebrannt, kommen immer mal wieder Fischer mit ihnen vorbei gepaddelt.
Abends kündigen sich mit dramatischer Wolkenformation – beleuchtet durch die auf der gegenüber liegenden Seite untergehende Sonne – Schauer an.
Tatsächlich regnet es nachts heftig und schauert auch noch am nächsten Morgen. Gegen Mittag aber hört der Regen auf. Wir verholen wir dann doch mal, bleiben aber im Gebiet. Um Nancy Cay herum fahren wir zur Isla Bastimentos.
Den bunten Hauptort der Insel am Nordwestende passieren wir, schlängeln uns wieder durch Mangroveninseln und ankern vor der Red Frog Marina. Dort können wir geschützt liegen, haben eine kleine Einkaufsmöglichkeit, können Diesel bunkern und – der Hauptgrund – uns mal wieder die Füße vertreten. Denn vom Dinghydock in der Marina aus führen Wege quer über den hier schmalen Inselrücken zu den Atlantik-Stränden im Norden.
Das probieren wir gleich aus, zumal sich inzwischen die Sonne immer mal wieder, wenn auch nicht dauerhaft, durchsetzt.
Das Beste aber: auf unserer Wanderung präsentiert sich uns die mittelamerikanische Tierwelt, wie wir sie aus Costa Rica kennen und lieben. Wir können einmal mehr ein (Dreizehen-)Faultier erspähen:
Und wir finden auch den Namensgeber der Marina. Erst hören wir die eher an Vogellaute erinnernden Rufe und entdecken dann etwas abseits des Weges auch die dazu gehörenden Frösche:
Die Froschbilder sind alle nicht farblich bearbeitet. Anders als der „Blue Jeans Frosch“ den wir aus Costa Rica kennen, hat dieser verwandte Pfeilgiftfrosch keine blauen Beine, dafür aber weiße Finger. Und er ist etwas „größer“, etwa wie ein Daumennagel. Man muss also trotz der Farbgebung schon genauer hinschauen, um sie zu entdecken. Das muss gefeiert werden 😉
Eigentlich heißt sie Isla de Colon, aber in immer mehr Karten taucht sie als Isla Boca auf. Wohl, weil hier der Hauptort Boca Town liegt, vielleicht auch weil sich hier der Anlaufort für die Fähre und auch der kleine Flughafen befinden, die eben sozusagen das ganze Bocas del Toro Archipel abdecken.
Wir mieten uns Fahrräder, um die knapp 14 km lange uns 7 km breite Hauptinsel zu erkunden. Uns werden E-Bikes mit dicken Ballonreifen empfohlen. Ein nettes Gimmik? Nein, das hat schon seine Berechtigung. Die zwei Straßen sind vielfältig, aber meist eher schlecht 😉. Schlaglöcher im Asphalt, längere Schotterstrecken und – da machen die dicken Pneus sich richtig gut – auch Sandpisten. Und der kräftige Elektroantrieb hilft uns auch mehr als gedacht. Auf der Strecke von Bocas Town nach Bocas del Drago geht es längs auf dem Inselrücken entlang und dabei unerwartet oft und steil die Hügel hoch. Das hat aber auch zur Folge, das die Vegetation mehrfach wechselt. Die Palmen werden mehr und mehr durch hohe Bäume abgelöst, dazwischen immer wieder Weiden mit Kühen. Dann wieder wilde Bananenstauden am Straßenrand („Panama riecht von oben bis unten nach Bananen“ sagt der Bär zum Tiger in Janoschs Klassiker Oh wie schön ist Panama. Wir treffen mehrere Staßenbaukolonnen, die die wuchernden Bananenstauden zurechtstutzen.
Die Luftwurzeln des gleichen Baumes nochmal aus anderer PerspektiveKuhweide
Aber an unserem ersten Ziel, Boca del Drago, sind wir wieder am Strand angekommen. Und an was für einem:
Boca de Drago ist die Einfahrt in das Archipel, die wir bei unserer Ankunft mit Flora genommen haben.
Hier ist die Straße zu Ende, zu Fuß gehen wir aber noch etwa 2 km weiter zum Playa Estrella, dem Strand der Seesterne. Lanchas bieten ihre Dienste an, aber wir verzichten auf die Bootstaxis. Wir haben gehört dass die Wanderung schön sein soll. Das ist sie denn auch ohne Zweifel. Mal direkt an dem fast immer palmengesäumten Ufer entlang, mal etwas schattiger ein kleines Stück hinter dem Strand windet sich der schmale Pfad.
Und immer wieder gibt es tolle Ausblicke.
Der Seesternstrand ist dann zwar schön, aber auch ziemlich mit Hütten zur touristischen Versorgung bestückt. So genehmigen wir uns hier nur einen Drink und dann gehts zurück. Auch mit den Fahrrädern, denn die Straße ist im wesentlichen eine Sackgasse. Erst kurz vor Boca Town biegt eine weitere Straße (also: die andere) ab und führt an die Nordküste der Insel.
Auch die lassen wir uns nicht entgehen, zu gerne wollen wir sehen, warum es die Wellenreiter hierhin zieht. Erst einmal aber entdecken wir andere Gleichgewichtskünstler. Eine Familie Mantelbrüllaffen zieht über uns durch die Bäume am Weg.
Dann aber haben wir die Surfer-Strände erreicht. Der Wind ist eher mau heute, aber offenbar reicht die Brandung trotzdem:
Also ab in die Surfer-Bar am Paunch Beach, noch ein bisschen schauen und lecker essen. Wir sind nämlich trotz E-Bike ziemlich geschafft. 44 Kilometer Radfahrt und 4 km Wandern werden es am Ende sein. Und das mit unseren inzwischen offenbar verweichlichten Seebeinen 😚.
Am nächsten Tag ist eher „Hausarbeit“ angesagt. Unsere Waschmaschine gibt leider gleich beim ersten Waschgang den Geist auf. Grr. Die Trommel scheint nicht frei zu drehen. Wir wuchten die Maschine aus ihrem engen Schrank im vorderen Bad und nehmen sie auseinander.
Zum Laufen bekommen wir sie nicht, aber immerhin können wir die Spezifikation des wahrscheinlichen Übeltäters, nämlich des Lagers der Trommel ausmachen. Wenn wir das Lager bestellen, könnte es in 7 bis 10 Tagen hier sein und ein örtlicher Mechaniker könnte es wechseln. Vielleicht.
Zeitangaben sind hier in Panama mit etwas Vorsicht zu genießen. Unsere Cruising Permit haben wir beantragt. Ich sollte in ein bis zwei Tagen vorbeikommen, dann sei es eingegeben und könnte (nach Bezahlung) übermittelt werden. Heute war ich wieder da. Nee, geht leider noch nicht. Das Internet im Büro funktioniert nicht. Meine Nachfrage ergibt: hat es auch die ganze letzte Woche schon nicht getan. Aber man arbeitet daran. Auch das ist …
Wir sind einklariert. Tatsächlich war das ein Klacks, nachdem wir erst einmal verstanden hatten, dass die Antwort auf unseren Funk-Anruf reiner Zufall war (die Funkanlage steht eingeschaltet auf dem Wartezimmerflur) und trotz „un momento“ keine weitere Aktion nach sich ziehen würde. Auch auf die auf Noonsite genannte WhatsApp kam keine Antwort, also doch einfach mal rüberfahren. Und dann ging es ganz flott. Bloß der für die „Permiso de Navigacion“ zuständige Kollege war inzwischen schon im Wochenende. Macht nichts, dann beantragen wir die am Montag.
Bocas Town ist der einzige größere Ort hier im Gebiet Bocas del Toro. Wie das bemalte und schon etwas abgeblätterte Metallschild im Ort aufzeigt, liegt das Städtchen auf der Isla Colón, die gemeinsam mit der Isla Bastimento und der Isla Popa die große Festlandsbucht zum Atlantik hin abschirmt und ein geschütztes Archipel mit einer Vielzahl kleiner und kleinster Inseln bildet.
Das übliche Prozedere danach: erst einmal eine Telefon-SIM besorgen, Bargeld in Landeswährung (hier kein Problem, der Geldautomat spuckt US$ aus) und uns den Ort ein bisschen erlaufen.
Und der Ort gefällt uns auf Anhieb. Praktisch alles in Boca scheint auf Stelzen gebaut. Am Ufer scheint das klar. Aber selbst ein paar Straßen weiter innen hört und sieht man im offenen Gulli die Wellen schwappen. Wellen, von denen wir an unserem Ankerplatz (außer dem Schwell der vorbei rasenden Lanchas) nichts mitbekommen, die aber zugleich für den Charakter des Ortes entscheidend sind. Denn Boca Town ist das Zentrum der Wellenreiter dieser Gegend auf der Atlantikseite Panamas. Das prägt den Tourismus hier. Wenig Tagestouristen, dafür diverse einfache Hostels. Auch ein paar Hotels, jedenfalls aber viele Bars und Restaurants, von Street Food Basics bis stylisch schick. Und eben Surfer, die von den Lanchas abgesetzt wurden mit ihren Boards über die Straße laufen.
Alles sehr bunt und ausgesprochen relaxed.
Es gibt mehrere kleine und auch größere Supermärkte, Hardware-Stores auch mit Bootszubehör und Angelkram, liebenswert chaotische kleine Obststände und sogar eine „Deutsche Bäckerei“, zwar nicht mit deutschem Brot aber doch mit leckerem Kuchen. Dienstleister bieten auf handgemalten Schildern (mit interessanten Öffnungszeiten) z.B. Wäscherei an, Hühner laufen frei herum.
Von unserem Ankerplatz vor dem Ort aus sehen wir die mal einfachen, mal bunten Stelzenhäuser am Ufer.
In die andere Richtung schauen wir auf das Grün der Palmen und Mangroven, dass sich über den größten Teil des Südufers der Insel hinzieht. Neben den vorbeiratternden Lancha-Wassertaxis paddeln auch immer wieder in aller Ruhe Fischer durch die Bucht, in ihren einfachen Kanus Angelleinen hinter sich her ziehen.
Hatten wir schon erwähnt, dass es uns hier gut gefällt 😍
Bei unseren Landgängen in Mexiko fällt auf: nicht nur Maya-Geschichte, Margaritas, Cenotes, bunte Farben und Sombreros sind allgegenwärtig. Sondern auch ein gleichsam alter Bekannter, der VW Käfer. Deutlich häufiger als in Deutschland fällt uns eines dieser (für uns) ikonischen Symbole des heimischen Wirtschaftswunders der Nachkriegsjahre auf.
Klar, die knuffigen „Mexiko-Käfer“ wurden hier in Mittelamerika seit 1964 gebaut, hier lief 1981 der 20-millionste Käfer vom Band, der letzte rollte 2003 aus dem Werk. Und sie wurden in den späteren Jahren (ab 1978, als nach 40 Jahren die deutsche Produktion des Käfers endete, nicht aber dessen deutscher Vertrieb) sogar in einer speziellen Europaversion im mexikanischen Werk Pueblo für den Export nach Emden produziert.
Und so gehören die „Vocho“, wie sie hier genannt werden, ebenso zum Verkehrsbild wie viele ältere VW-Busse. So selbstverständlich sind sie hier, dass sie sich sogar auch in den Souvenirshops finden.
Dort mexikanisch bunt bemalt, im Straßenbild oft ganz banal als Alltagswagen,
manchmal aber auch als Umbau …
Jedenfalls oft in gutem Zustand und liebevoll instand gehalten.
Straßenbild trifft es allerdings nicht ganz. 😚
Denn auch im MUSA Unterwassermuseum sehen wir beim Tauchgang nicht nur einen klassischen Käfer …
(ja, das Bild kennt Ihr schon), sondern zusätzlich sogar auch einen Beetle.
Und das ist nur konsequent, denn auch diese Autos, mit denen VW ab 1997 einen Retro-Kleinwagenboom auslöste (der BMW Mini folgte dann 2001), wurden im Werk Puebla gebaut.
So oder so freuen wir uns jedesmal, wenn wir einen Käfer (oder Beetle) sehen. Jedenfalls einen solchen. Ein andere Käfer 🪲 dagegen nervt: bereits seit der Chesapeake Bay finden wir immer wieder „Stinkekäfer“ an Bord. Eigentlich unauffällig, aber wenn eine Leine oder ein Segelsack umgestaut werden, krabbelt nicht selten dahinter ein fingernagelgroßer, geflügelter Käfer hervor. Die setze ich dann regelmäßig über Bord. Tritt man allerdings versehentlich auf eines der aufgeschreckten Krabbeltiere drauf oder zerdrückt ihn beim Wegnehmen der Leine, stinkt das Ganze erbärmlich. Also Vorsicht ⚠️ 💩.
Wenige Maja-Tempelanlagen sind direkt am Meer errichtet, insbesondere auch weil die Frischwasserversorgung schwieriger ist, wenn in den notwendigen Cenotes das Salzwasser durch das poröse Kalkgestein sickert und sich unter das Süßwasser schiebt. Eine der wichtigen und bekannten Stätten dieser ungewöhnlichen Art ist Tulum, etwa zwei Stunden Autofahrt südlich unseres Hafens Puerto Morelos. Wobei, diese Fahrt geht auf der gut ausgebauten Carretera 307 durch das Touristenzentrum Playa del Carmen und durchgängig küstennah entlang der „Riviera Maya“ mit ihren luxuriösen Hotelanlagen. Kein Wunder also, wenn der Tempel in Tulum die Touristenmassen anzieht.
Von der Wasserseite sieht das noch ganz passabel aus. Moment, wieso von der Wasserseite? Auf unserer Anfahrt stauen wir uns zunächst durch den Ort und dann auf einem Strandweg in Richtung der Maya Ruinen.
Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Die Coop der Pescadores bietet ein Stück zurück einen kostenpflichtigen Parkplatz, von dem aus man zu den Ruinen laufen und sich in die Schlange vorm Eingang einreihen kann. Oder (Geschäftsmodell) man lässt sich von den Fischern wasserseitig die Tempelanlage zeigen und schnorchelt danach noch etwas am vorgelagerten Riff. Überredet 😚.
Wobei Schnorcheln mit vorgeschriebenen Schwimmwesten schon ganz schön befremdlich ist. Bei dem Betrieb der hier herrscht ist es aber wahrscheinlich so, dass ohne die Schwimmwesten alle naselang ein auftauchender Schnorchler überfahren würde, oder man müsste jedem eine Taucherboje mitgeben, für ungeübte wohl wenig praktikabel. Immerhin, wir sehen neben einigem Rifffisch einen großen Rochen, Jan sogar eine Schildkröte. Und eine Erfrischung ist es allemal.
Der eigentliche Hit komm allerdings später. Auf dem Rückweg von Tulum machen wir einen Abstecher zu den Cenotes Sac Ac Tún. An mehreren anderen Cenotes führt der Feldweg vorbei, unter anderem an der bekannten und touristisch gut erschlossenen Cenote Dos Ojos. Der große Parkplatz und das Restaurant hier sind gut gefüllt, aber ein paar Kilometer Holperstraße weiter beim Einstieg in Sac Ac Tún sieht es anders aus. Es ist so wenig los, dass wir vier von Guide Alberto sogar eine Privatführung bekommen, was normalerweise einen heftigen Aufpreis bedeuten würde.
Auch hier sind Schwimmwesten obligatorisch, bei der über eine Stunde langen Tour in dem (relativ) auftriebsarmen Süßwasser aber auch ganz angenehm. Das Höhlensystem Sac Ac Tún ist riesig, wohl eines der größten verbundenen Systeme weltweit. Wir erkunden natürlich nur einen kleinen Teil davon, sind aber trotzdem völlig fasziniert.
Dabei ist es gar nicht so leicht festzumachen, was genau an den Cenotes uns so begeistert. Das Schwimmen durch ein System von Tropfsteinhöhlen mit unfassbar klarem Wasser, die Licht- und Schatteneffekte über und unter Wasser, hervorgerufen durch ein paar installierte Lampen und die Taschenlampe, mit der Alberto uns den Weg zeigt. Und durch die gelegentlichen, zumeist nur kleinen Deckendurchbrüche, die etwas Tageslicht einfallen lassen. Das Urtümliche, Geheimnisvolle, die Abgründe (die verbundene Höhle Blue Abyss, von der wir nur den tief unter Wasser liegenden Eingangsspalt sehen, geht bis auf über 70 m in die Tiefe).
Abwechseln geht es durch vergleichsweise große Höhlen und schmale Gänge, bei denen wir uns zwischen den Stalaktiten hindurchschlängeln und achtgeben müssen, uns nicht den Kopf zu stoßen. Mal können wir stehen, meist aber sieht der Boden im glasklaren Wasser zwar nah aus, ist aber doch unerreichbar für die Füße. Catfish, also Welse, finden sich in größerer Zahl, aber auch einige andere Fischarten haben sich an die überwiegend dunklen Höhlen angepasst.
Wie Saugnäpfe ragen Baumwurzeln von der Decke in die Höhle hinein, verdicken sich und enden kurz über der Wasseroberfläche.
Ziemlich geflashed und auch ein wenig heruntergekühlt kommen wir nach einer guten Stunde wieder ans Tageslicht. Wow 🤩.
Zurück an Bord heißt es (viel zu früh) langsam Abschied nehmen von unserer Crew Catalina und Jan. Dabei gibts vor deren obligatorischem COVID-Antigentest noch einen ordentlichen Aufreger: ich bekomme Fieber, einen rauen Hals, fühle mich schlapp. Ein COVID-Selbsttest bleibt aber negativ und auch die Tests der beiden sind negativ. Pffff, das hätte kompliziert werden können.
Aber selbst auf Langfahrt ist man vor einer standardmäßigen Erkältung nicht gefeit (ist allerdings die erste in den zweieinhalb Jahren), wenn man im durchgeschwitzten T-Shirt die Klimaanlage des Autos aufdrehen muss, damit die Scheiben nicht beschlagen.