Isabela. Seepferdchen und Teufelsrochen, tanzende Vögel und Pinguine unter Palmen und Haie, Haie, Haie und Vulkane

Die Landschaft und Tierwelt auf den Galápagosinseln begeistern uns immer wieder aufs Neue. Ein Bootsausflug nach Las Tuneles macht das deutlich.

Die Lavaströme, durch die ja letztendlich die gesamten Galápagosinseln geschaffen wurden, haben hier ein Labyrinth von Brücken, gewundenen Wasserwegen, Inseln und auch unter dem Wasserspiegel liegenden Höhlen und Durchgängen geformt.

Das Wetter ist ruhig, fast kein Wind. Aber schon am vorgelagerten Vogelfelsen wird klar: die langen Dünungswellen treffen mit viel Kraft auf die Lavasteine.

Unser Ausflugsboot wartet eine Welle ab und spurtet dann beherzt durch die schmale Einfahrt. Klappt gut und zwei Kurven weiter ist das Wasser so glatt, dass wir die uns unter der Oberfläche begleitende Schildkröte erkennen.

Der Blick zurück aber zeigt ein anderes, wilderes Bild:

Es ist faszinierend, wie eng der Kapitän das Boot an den scharfkantigen Felsen vorbei manövriert, tief hinein in das Gewirr.

Auf den Lavasteinen wachsen einige Kakteen, weiter innen auch ein wenig niedriges Gebüsch. Wir sehen zu meiner großen Freude einige Blaufußtölpel.

Deren Balz hat gerade begonnen und einen können wir sogar bei einem ersten Tanzansatz beobachten.

Die finster dreinschauenden Noddys (eine Seeschwalbenart) scheint das aber nicht zu beeindrucken.

Eine Ebene tiefer sehen wir im Wasser immer wieder Meeresschildkröten und dann Vögel …

… tatsächlich Brillenpinguine. Isabela wirbt damit, dass hier die einzigen Pinguine nördlich des Äquators brüten (im Norden der eben auf dieser Linie liegenden Insel).

Und so gibt es hier eben tatsächlich Pinguine unter Palmen. Selbst im Hafenbecken vor Puerto Villamil hatten wir sie schon beobachten können.

Dann mal rein ins Wasser, gleich zwei (grundverschiedene) Schnorchelgänge stehen auf dem Programm. Zunächst noch im relativ klaren Wasser etwas weiter draußen, wo wir einiges an tropischem Fisch, kapitale Lobster und kleine, gut getarnte Seepferdchen sehen.

Muss ja auf Isabela wohl auch 😁

Der zweite Schnorchelgang, im flacheren Wasser näher am Mangrovenufer ist von deutlich größeren Lebewesen geprägt. Unzählige Meeresschildkröten …

… außerdem junge Schwarzspitzenhaie

und eine Vielzahl von Weißspitzenhaien.

Wow. Schnorcheln wohlgemerkt, nicht Gerätetauchen.

Das ist dann zwei Tage später dran, ich habe einen Doppeltauchgang an der Isla Tortuga südlich von Isabella gebucht, während Wiebke eine 16-km-Wanderung auf den Vulkan Sierra Negra etwas nördlich von Puerto Villamil macht.

Was für Tauchgänge! Mit der Strömung lassen wir uns an der Nordostseite der wie ein Halbkreis geformten Isla Tortuga und um deren Südspitze herum treiben. Neben wiederum unfassbar vielen großen Meeresschildkröten gibt es reichlich Schwarmfisch, zum Beispiel die schon am Kicker Rock gesehenen Gelbschwanz-Doktorfische oder Barrakudas.

Aber die Glanzlichter dieser Tauchgänge setzen Großfische. Halten sich die Hammerhaie im ersten Tauchgang noch ein bisschen in dunstiger Distanz hinter den Weißspitzenhaien …

… schiebt sich dieser im zweiten Tauchgang mit einem Schwarm Stachelmakrelen doch deutlich näher heran.

Und auch ein Teufelsrochen, im ersten Tauchgang ebenfalls nur in der Ferne zu sehen, schwimmt mir dieses Mal direkt vor die Linse. Wir hatten auch schon vor 2 Tagen vom Tourboot aus welche gesehen.

Und Wiebke? Statt hinunter ins Wasser weit hinauf auf die Berge:

Die Wanderung zu den Vulkanen Sierra Negra und Chico ermöglicht den Blick über die Insel und zur Westküste. Wir (also Wiebke und zudem sind noch Holger und Gast Moritz von der Ultimate dabei) haben da Glück mit dem Wetter. Zunächst geht es durch kräftig grüne Landschaften am Rand des großen Vulkankraters entlang. Die Luft ist herrlich frisch auf 1000m Höhe. Gefüllt ist der Krater mit schwarzer erkalteter Lava.

Dann geht es an der Vulkanflanke über Lavageröll durch eine Mondlanschaft zum kleiner Vulkan Chico, der in der 60ziger und 70ziger Jahren ausgebrochen ist. 16 km und ein wunderschöner Hike.

Riesenschildkröten und Abschied von San Christobal

Über eine Woche sind wir inzwischen schon auf den Galápagosinseln, die Flora vor Anker in Puerto Bequerizo Moreno auf San Christobal. Zeit, mal die Insel zu wechseln, denn durch das “Autografo” dürfen wir ja vor insgesamt drei der bewohnten Inseln hier im Archipel ankern. Nächste Station soll Puerto Villamil auf der Insel Isabela sein, etwa 80 sm westlich von hier. Zu weit, um auf einem Tagestörn im Hellen anzukommen, also wollen wir heute Abend zu einer Nachtfahrt aufbrechen und sollten dann morgen Vormittag bei Tageslicht ankommen.

Auch für den Törn zwischen den Inseln müssen wir auschecken und uns ein (Galápagos internes) Zarpe besorgen, Agent Danny will das für heute Mittag organisieren.

Aber natürlich können wir nicht weitersegeln, ohne den Riesenschildkröten dieser Insel einen Besuch abzustatten. Die Tiere stehen ikonisch für die Galápagosinseln und tatsächlich gibt es 11 verschiedene Arten auf den verschiedenen Inseln, weitere drei ehemals hier lebende Riesenschildkröten-Spezies sind inzwischen ausgestorben. Die Art „Chathamensis“ hier auf San Christobal gehört dabei zu den Arten, die von ihrer Panzerform her wegen der Wölbung im Nackenbereich an einen Sattel erinnern und damit namensgebenden für die Inselgruppe waren. „Galápago“ wurden im spanischen bestimmte Wulstsättel für Pferde genannt.

Im unzugänglichen Norden der Insel leben die Tiere in freier Wildbahn, aber da dies ihr einziges Habitat war, wurden einige Tiere in ein Reservat im Südosten der Insel umgesiedelt, um eine zweite Population zu schaffen. Ein etwa 40 minütiger Rundgang führt durch einen Teil dieses Reservates. Die Aufzuchtstation wirkt dabei auf uns zunächst etwas traurig, denn die Gelege der Schildkröten werden ausgegraben, künstlich bebrütet und geschlüpfte Schildkröten dann zunächst in kleinen Gehegen gehalten.

Klar, das soll die Eier vor den von den Menschen eingeschleppten Nesträubern wie Ratten schützen, aber es ist eben auch ein ziemlich massiver Eingriff. Allerdings kann durch die Temperatursteuerung beim Ausbrüten der Eier eine einigermaßen ideale Verteilung von Männchen und Weibchen erreicht werden (viele Reptilien in freier Natur produzieren durch die Erderwärmung verstärkt Weibchen und immer weniger Männchen). Aber der Anblick der jungen Schildkröten im Gehege ist zunächst einmal halt nicht das, was man sich auf Galápagos erhofft.

Das wird auf dem weiteren Rundgang aber anders, denn die erwachsenen Riesenschildkröten können sich auf dem weitläufigen und wild bewachsenen Gelände frei bewegen.

Und was bedeutet eigentlich „Riesen“-Schildkröte? Die Landschildkröten auf Galápagos erreichen Panzerlängen von deutlich über einem Meter und werden bis knapp 300 kg schwer. Ein Grundschulkind könnte unschwer auf den abgebildetes Schildkröten reiten, aber da wir die geforderten zwei Meter Mindestabstand natürlich einhalten, kommen wir trotz kindlichem Gemüt nicht in Versuchung 😜.

Die Riesenschildkröten können sehr alt werden, wissenschaftlich belegt ist das für „Harriet“ im Zoo von Queensland, die jedenfalls vor 1850 geschlüpft ist und 2006 starb. Ihr schon im jungen Alter faltiges und mit dem Überbiss ein bisschen an einen zahnlosen Greis erinnernde Gesicht lässt uns die Schildkröten auch immer mit „weise“ in Verbindung bringen, wie etwa die Kassiopaia in Michael Endes „Momo“.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Stop am Vulkankrater „El Junco“. Die Caldera des Vulcans beinhaltet das größte Süßwasserreservoir der Insel, ein immenser Schatz auf den notorisch süßwasserarmen Galápagosinseln. Vom Parkplatz aus führt ein Weg mit vielen Treppenstufen den Hang des Vulkans hinauf, gesäumt von dichtem Bewuchs mit der heimischen „Miconia“-Pflanze.

Bereits auf dem Weg hinauf finden wir uns in den Wolken wieder, die Rundwanderung auf dem Grat des Vulkans ist dann eine feuchte Angelegenheit. Nur ab und zu reißt die Wolkendecke für einen Augenblick auf und wir können einen schnellen Blick auf den Kratersee erhaschen.

Urzeit-Gefühl. Passt irgendwie zu „unseren“ Schildkröten.

Portobelo

Von den San Blas kommend segeln wir die erste Etappe, etwa 50 sm, bis nach Portobelo.

Unsere Fahrt hierher ist recht ruppig und das Wetter ist mäßig, aber als wir in die schöne, geschützte Bucht von Portobelo einbiegen, begleiten uns Delfine an unseren Ankerplatz. Was für eine Begrüßung.

Historisch ist Portobelo ein sehr spannender Ort, von hier aus verschifften die Spanier einen Großteil der Reichtümer, die sie den indigenen Völkern Mittelamerikas abgepresst hatten. Das wiederum weckte das Interesse und die Begehrlichkeit der Piraten, 1596 starb Sir Francis Drake hier beim Versuch, den Hafen zu plündern. Da war die Stadt selbst noch nicht einmal formell gegründet. 72 Jahre später war es dann einmal mehr Henry Morgan, der als Freibeuter mit Kaperbrief der englischen Krone die Stadt überfiel und plünderte. Mit etwa 500 Mann eroberte er die Stadt von der Landseite her, sodass er seine Schiffe nicht den Kanonen der Befestigungsanlagen aussetzte. Zusätzlich zu den erbeuteten, für den Transport nach Sevilla bereitgestellten Edelmetallen und Handelswaren erzwang er von den spanischen Behörden in Panama ein immenses Lösegeld dafür, Portobelo nicht niederzubrennen. Es war einer von Morgan’s erfolgreichsten Coups.

Der während der spanischen Kolonialzeit so wichtige Hafenort ist heute ein kleiner Touristenort mit etwa 5.000 Einwohnern. An die alte Herrlichkeit erinnern neben der übergroßen Kirche und dem in Restaurierung befindlichen Zollhaus von 1630 vor allem die Ruinen gleich mehrerer Festungen.

Da wir ausgerechnet an Rosenmontag ankommen, brausen die Lanchas als Wassertaxis unermüdlich durch den Ankerplatz, um Tagesgäste vom Ort zu den Stränden am Eingang der Bucht und wieder zurück zu bringen. Am nächsten Tag ist es dann etwas ruhiger.

Wir ankern direkt vor den Ruinen der San Fernando Festung am Nordufer der Bucht. Mit dem Dinghy fahren wir hinüber, ziehen das Beiboot auf den dunklen Kiesstrand und binden es an einer Palme fest. Vom unteren Teil der Festung zieht sich dann ein Pfad den Berg hinauf.

Von dort haben wir einen schönen Überblick über die Bucht und auch hinüber zum Ort mit Kirche San Felipe de Portobelo und Zollhaus.

Schon von hier oben ist erkennbar, dass vor dem Ort diverse Wracks liegen. Als wir später mit dem Dinghy hinfahren, ist das Ausmaß aber doch ziemlich erschreckend.

Hinter und zum Teil auch zwischen den Wracks liegen Boote vor Anker, das ein oder andere davon macht leider den Eindruck, bis zum Versinken fehle nicht mehr viel.

Solche oft noch bewohnten Halbwracks schlagen mir immer auf die gerade eh schon nicht gute Stimmung. Das trübe Wetter tun ein Übriges (sind wir einfach nicht mehr gewohnt. 😉

Und in Portobelo Sitzen auch noch überall in großer Zahl Rabengeier herum.

Wir strolchen noch ein wenig durch den uns trotz seiner bunten kleinen Häuser nicht wirklich begeisternden Ort, warten unter einem Vordach einen kräftigen Regenschauer ab, dann geht es zurück an Bord und am nächsten Morgen gleich die 20 sm weiter in die Shelter Bay Marina, wo wir uns (und Flora) jetzt auf die Passage durch den Panamakanal vorbereiten. Das wird spannend!

Guna Yala / San Blas: Cayos Coco Bandero und Kanlildup (Green Island)

Gibt’s das wirklich? Oder ist es nur ein Klischee? Kleine unbewohnte Inselchen, rundherum Sandstrand, dichtbestanden mit Kokospalmen, vor denen man im warmen, türkisfarbenen Wasser wunderbar ankern kann?

Doch, die gibt es. Hier in Guna Yala / San Blas sogar ziemlich viele. Und die Cayos Coco Bandero sind sozusagen eine Blaupause für diesen Langfahrertraum. In drei Gruppen verteilt liegen allein hier 9 Palmeninseln und noch ein paar weitere Sandflecken geschützt hinter einem im Nordosten vorgelagerten Riffgürtel.

Von unserem letzten Ankerplatz in den Lemon Cays segeln wir etwa 16 Seemeilen nach Ostsüdost. Eigentlich wollten wir zu den Cayos Holandes, aber die lassen wir an Backbord liegen und nutzen den etwas schwächeren Passatwind dieses Tages aus um uns hoch am Wind erst einmal weiter nach Ost vorzuarbeiten.

Als wir näher kommen, sehen wir, dass wir (wenig überraschend) nicht als einzige die etwas windärmere Phase für einen Besuch von Coco Bandero nutzen wollen.

Ein gutes Dutzend Boote hat sich ebenfalls für die mittlere Inselgruppe der Cayos Coco Bandero entschieden. Wir fahren durch den Kanal zwischen Olosicuidup und Guarladup, aber unser eigentlich favorisierter Ankerplatz zwischen diesen beiden Inseln ist schon gut belegt. Würde wohl noch passen, aber wir entscheiden uns erst einmal für den noch deutlich mehr Platz bietenden Bereich vor der nördlichen Insel Tiadup. Dort stehen allerdings derzeit nur noch fünf hohe Palmen, auf dem Großteil des Inselchens werden offenbar gerade neue Palmen angepflanzt, die aber noch sehr klein sind.

Mit dem Dinghy schauen wir uns dann noch einmal in Ruhe um, besuchen die Inseln und umwandern sie (dauert ja kaum 10 Minuten).

Mit den Crews von zwei Yachten kommen wir gleich ins Gespräch, werden zum Sundowner am Strand der mittleren Insel eingeladen. Wir schnorcheln noch ein bisschen am Riff und als wir mit Florecita zum Treffen am Strand fahren, sind zwei der Segelboote im Kanal bereits ankerauf gegangen. Kurz entschlossen brausen wir zurück zur Flora und ankern um, hier zwischen den Inseln ist es doch um einiges schöner.

Am nächsten Morgen verlassen dann nach und nach die meisten Boote den Ankerplatz. Wir bleiben und zu unserer Überraschung kommt nur ein einziges Boot neu dazu, dass außerdem noch weit entfernt ankert. Den Kanal zwischen den Inseln haben wir jetzt für uns allein.

Wie unterschiedlich und doch an beiden Tagen wunderschön die Stimmung hier ist.

Nur einen Katzensprung entfernt liegt am Sonntag unser nächstes Ziel. Kanlildup (Green Island) liegt zwei Seemeilen weiter Richtung Festland im Golfo de San Blas. Hier treffen wir auch die Berliner Susan und Holger mit ihrer HR 45 Ultimate wieder, die wir von Coco Bandero kennen. Zum Kaffee sind sie bei uns an Bord und wieder wird es ein schöner Klönschnack.

Auch hier machen wir wieder eine Spritztour mit dem Dinghy, dieses Mal ankern wir Florecita vor Waisaladup und schaffen einen neuen persönlichen Rekord für eine Inselumwanderung 🤩.

Pura Vida.

Fremdsegeln in den Lemon Cays. Was Einbäume so alles können!

Einbaum-Kanus sind uns hier in Panama bisher häufig begegnet. Schon bei der Einfahrt nach Bocas del Toro hatten wir Fischer in diesen traditionellen Booten gesehen, an den Ankerplätzen dort gehörten sie zum vertrauten Bild. Gelegentlich kam einer zur Flora, bot z.B. selbstgefangene Krebse an.

Hier in Guna Yala scheinen die langen, schlanken und tatsächlich aus einem ausgehöhlten Baum gefertigten Kanus sogar noch häufiger zu sein. Ganze Kuna-Familien sind in ihnen unterwegs. Schon mehrfach kam ein Kanu angepaddelt und wir wurden gebeten, ob wir die Handys der Insassen laden könnten. Machen wir natürlich gerne, Solar und Wind geben uns reichlich Strom und der ist auf diesen kleinen Inseln hier echte Mangelware, Solarpanele oder gar Windgeneratoren können sich die Kuna zumeist schlicht nicht leisten.

Die Einbäume werden in der Regel mit aus Brettern geschnittenen, manchmal mit Schnitzereien verzierten Paddeln bewegt, in Flachwasserbereichen mit einer ebenfalls hölzernen Stange gestakt. Und wenn der Wind es zulässt, werden sie auch gesegelt.

Zumeist wird ein kleines Vorsegel und ein deutlich größeres Sprietsegel am unverstagten, Mast gefahren, der einfach durch ein Loch in ein eingeklemmtes Brett gesteckt wird. Gesteuert wird mit einem nur von Hand gegen die Bordwand gedrückten Paddel. Beeindruckend, dass das mit den schmalen kippeligen und bauartbedingt fast kiellosen Kanus überhaupt möglich ist.

Wir haben den Liegeplatz gewechselt, ein paar Meilen weiter in die Lemon Cays verholt. Ein Wirrwarr kleiner palmenbestandener Inselchen mit Riffen drumherum und dazwischen. Als wir uns auf Nuinudup (Dup heißt Insel auf Kuna) die Beine vertreten, kommt Justino mit seinem Sohn Fredi mit dem von Justino selbstgebauten Ulu (=Kanu auf Kuna) angepaddelt. Die beiden laden gerade ihre Handys auf der Flora. Justino fragt auf spanisch „Ein bisschen Spielen?“ und baut bei den etwa zwanzig Knoten Wind den Mast auf. Und er zeigt uns stolz sein buntes Segel, dass ihm ein amerikanischer Freund geschenkt hat „Ulu Sail Project“ und der Name der Sponsoryacht sind mit Edding darauf vermerkt.

Und schon sausen sie los, einmal quer über den Ankerplatz hinüber nach Banedup und wieder zurück.

Wir scherzen noch, dass Wiebkes Outfit gut zum Segel passt, da kommt auch schon die Frage, ob wir mal mitsegeln wollen? Na klar. Einzeln, ok. Und los gehts, für mich als Passagier zumindest bei Wende oder Halse mehr liegend als sitzend aber immer mit tollem Blick auf die Action:

Bei dem Wind ist das Ulu sportlich unterwegs. Und Justino ist sozusagen gleichzeitig das lebendige Want (das den Mast seitlich stützt und aufrecht hält) und zugleich das Ausreitgewicht, das für die Balance des Kanus sorgt. Fredi steuert und bedient gelegentlich die Großschot. Beide haben sichtlich Spaß.

Den habe ich auch. Und nach mir Wiebke 😁.

Was für eine Gaudi. Und ja, selbstverständlich bekommen die beiden von uns später einige Dollar für dieses Spektakel zugesteckt. Sie können es gut gebrauchen, ebenso wie ein paar unserer ausgetauschten und als Ersatz immer noch mitgeführten Leinen, Stifte und Papier. Für die Kuna auf den kleinen Inseln ist eigentlich alles knapp.

Was für ein Tag.

Pura Vida.

Was für Bären? Ein weiterer tierischer Hike in Panama

Für Abwechslung ist in Shelter Bay gesorgt. Nach zuletzt so vielen schönen sonnigen Tagen beginnt erst mal Schauerwetter und damit (bei den Temperaturen hier auch nachts) das beliebte Spiel “Fenster auf / Fenster zu”. Der Mittwoch ist dann total verregnet.

Dafür bietet allerdings das SPSN in der Lounge der Marina eine Info-Veranstaltung an. Die Abkürzung steht für South Pacific Sailing Network, Stephanie und Andy bringen eine sehr informative und kurzweilige (aber lange dauernde) Präsentation über die Inseln von den Marquesas bis Neuseeland.

Und wir treffen uns einige Male mit Cris und Ruedi von der schweizerischen “Pasito”, schnacken oder spielen.

(Mexican Train Domino)

Oder von Bord der Pasito aus das Krokodil im Hafenbecken beobachten. Hm, Schnorchelnd das Unterwasserschiff reinigen fällt für uns hier wohl aus. Ruedi hat sich davon allerdings nicht beirren lassen.

Heute aber ist es wieder richtig sonnig, wir schnüren die Wanderschuhe und bewegen mal wieder die Beine. Direkt an der Marina beginnt der Urwald, oft hören wir die Brüllaffen. Also wollen wir mal versuchen, ob wir sie auch zu sehen bekomme.

Bis zur ehemaligen amerikanischen Armeeanlage “Battery Stanley” ist der Weg gut, danach allerdings führt nur noch ein Pfad weiter.

Direkt hinter der Battery Stanley sehen wir tatsächlich die erste Affenfamilie. Allerdings sind es keine Brüllaffen, sonder Panama-Kapuziner-Affen, die hier durch die Bäume toben und uns mit herunterfallenden abgebrochenen Ästen auf sich aufmerksam machen.

Einmal mehr ist der weitere Pfad anfangs gut zu erkennen, diesmal bis wir zum ersten Mal das Meer erreichen. Ein kleiner steiniger Strand, ok. Aber nachher lockt schließlich eine größere Bucht mit Sandstrand, Badesachen haben wir dabei, also weiter. Allerdings wird es jetzt kniffliger, aber wir sind ja schon ganz gut geübt. Der Trampelpfad führt jetzt zumeist am Hochwasser-Spülsaum des Meeres entlang. Hört sich einfach an, ist es aber nicht, wenn Mangroven vorgelagert sind. Diese Salzwasser vertragenden Pflanzen verlagern den Spülsaum nämlich so, dass wir die Küste nicht mehr sehen, aber über die Wurzeln der Mangroven klettern müssen und trotzdem immer mal wieder durch knöcheltiefes Matschwasser waten. Da sind wir allerdings schon so weit, dass Umkehren auch keine Option ist.

Und noch eine weitere unschöne Erscheinung verbirgt sich im Wort Spülsaum, die wörtliche nämlich. Hier, mitten im Mangovenwald, findet sich eben auch ein breiter Streifen angeschwemmter Plastikflaschen, Flipflops, Ölkanister, Netzbojen und eben alles, was leider so an Plastikabfällen im Meer schwimmt. Grrr.

Als wir endlich den Sandstrand erreichen, lädt dieser nicht eben zum Baden ein. Diesmal ist es nicht angeschwemmter Plastikmüll. Der ist vermutlich auch da, wird aber vollständig überdeckt durch den sich derzeit in der Bucht sammelnden Sargassum-Seetang. Ein dicker Wall bedeckt den Strand, davor schwappt es braun in den Wogen hin und her.

Das war wohl nichts. Immerhin führt der Rückweg größtenteils über leicht begehbare Straße (wenn man von dem Teil absieht, auf dem wir eine völlig überwucherte Querstraße bis hin zu einem mit Kette verriegelten Tor gehen und wieder zurück müssen).

Aber hey, die Belohnungen für die Matschwanderung kommen schon noch. Und was für welche:

Als erstes erspäht Wiebke in den Bäumen einen dunklen Fleck im Gegenlicht. Ein Faultier? Nein, aber fast noch besser, ein naher Verwandter davon, den wir bisher noch nie gesehen haben. Ein Ameisenbär! Nicht blau wie Elise bei Paulchen Panther, auch nicht so tapsig, aber unververkennbar mit seiner langen Röhrenschnauze, dem vergleichsweise kleinen Mund und den runden Ohren.

Und dem langen Schwanz, den er zum Greifen verwendet und hier zur Sicherung um den dickeren Ast geschwungen hat:

Nicht ohne Grund, denn während wir ihn beobachten, knackt einer der dünnen Äste weg, aber davon lässt er sich nicht beeindrucken und futtert unbeirrt weiter die Ameisen oder Termiten auf dem Ast.

Als wir irgendwann doch weitergehen, sehen wir nur kurze Zeit später auch die erhofften Brüllaffen. Allerdings sind sie gerade ganz still, ist vielleicht besser für unsere Ohren.

Und auch das ist noch nicht das Ende. Unten auf dem Waldboden läuft ein Nasenbär. Anders als der Ameisenbär ist er nicht mit dem Faultier, sondern eher mit Mardern verwandt, aber auch er hat einen deutlichen “Gesichtserker”.

Und so kommen wir nach der Wanderung zwar sehr matschig, aber eben auch SEHR GLÜCKLICH wieder in der Shelter Bay an. Erstmal duschen und baden. Da war ja noch das Krokodil? Dann eben Pool.

Pura Vida.

Colón und der Booster

Colón an der atlantischen Zufahrt zum Panamalkanal ist alles in allem eine ziemlich herunter gekommene Stadt. Der dortige Hafen und die an ihm gelegene Altstadt liegt naturgemäß am Wasser und damit in diesem Fall direkt an der Limón Bay, der mit Molen geschützten karibischen Einfahrt des Kanals. Damit lag Colón in der auf jeder Seite des Kanals fünf Meilen (8,1 km) breiten Panamakanalzone. Diese Zone wurde zwischen 1903 und 1979 von den USA kontrolliert, die ja das damals zu Kolumbien gehörende Gebiet nach Rechtsstreitigkeiten besetzten und den unabhängigen Staat Panama ausriefen. Sie bauten den von den Franzosen angefangenen Panamakanal zu Ende und ließen sich das Recht auf den Kanal und die Kanalzone für 99 Jahre zusichern. Bis 1979 wurde die Zone um den Kanal von den USA im wesentlichen militärisch genutzt. Von 1979 bis 1999 verwalteten dann die USA und Panama die Zone gemeinsam, ehe sie mit dem Kanal an Panama ging.

Colón allerdings wurde bereits 1950 aus der Kanalzone herausgelöst und bildete danach eine panamesische Enklave in dieser Zone. Zudem wurde dort bereits 1953 eine Freihandelszone eingerichtet. So richtig nach vorne gebracht hat das die Stadt allerdings nicht. Große Teile der Bevölkerung verarmten. Colón galt als einer der kriminellsten und gefährlichsten Bereiche Panamas. Auch wenn sich das in den letzten Jahren etwas gebessert hat, die Stadt ist definitiv ziemlich heruntergekommen, vermüllt und mit einer Unmenge verfallener und verfallender Häuser.

Dennoch, zweimal täglich fährt ein Bus der Shelter Bay Marina dorthin, die Segler können dort dann in verschiedenen Geschäften zollfrei einkaufen.

Wir tragen uns in die Bus-Liste ein, aber in den Freihandelsbereich fahren wir – anders als die meisten Mitfahrer – heute nicht. Dankenswerterweise fährt der Busfahrer für uns beide noch etwas weiter in die Stadt.

Unser Ziel ist der „Salón de Vacunación“.

Sieht unscheinbar aus – abgesehen davon, dass das Gebäude so gut in Schuss ist. Aber wie der Name schon verrät, hier wird geimpft. Und so bekommen wir ohne Schlangestehen oder Anmeldung hier unsere Booster-Impfung gegen COVID 19 mit Pfizer-Biontech. Nach Vorlage der Reisepässe und der bisherigen Impfnachweise kostenlos und ratzfatz, nach 10 Minuten sind wir schon wieder draußen.

Einige Straßen zurück zum Markt an der Hauptstraße gehen wir zu Fuß, aber die Gegend wird nicht besser und das Innere der Markthalle ist heute geschlossen.

Also greifen wir uns eins der unzähligen Taxis und fahren zum Supermarkt „Rey“, wo in eineinhalb Stunden auch der Bus für die Rückfahrt zur Shelter Bay Marina starten wird. Was für ein Kontrast:

Mit zwei ziemlich vollgepackten Rucksäcken und ein paar weiteren ebenfalls gut gefüllten Taschen nehmen wir dann den kostenlosen Shuttlebus zurück zur Marina.

Der Weg geht übrigens über die neue, erst 2019 eingeweihte „Puente Atlantico“. Zwei 212 m hohe Pylonen halten die Tragseile der Schrägseilbrücke, 75 m Durchfahrtshöhe sollen auch für die großen Frachter reichen.

Schön ist, dass wir so von dort oben auch einen ersten Blick auf die beiden nebeneinander liegenden Schleusentreppen werfen können. Jeweils drei Kammern sind dort miteinander verbunden (die Ausfahrt aus der ersten Schleusenkammer ist zugleich die Einfahrt in die zweite).

Aber: da soll es für uns erst in einem Monat hindurch gehen. Als Termin haben wir den 8. März beantragt, das ist jetzt auf dem Behördenweg. Unser Cruising Permit für Panama ist auf diesem Weg schon etwas weiter, unser Agent hat es uns für morgen angekündigt. Wir schauen mal, wie wir die Booster Impfung vertragen und warten noch ein paar Tage, aber Ende der Woche werden wir mal nach einem Wetterfenster für die Fahrt in die San Blas Inseln (Guna Yala) sehen.

Pura Vida.

Sei kein Frosch – Tierisches von Bastimentos zum Zweiten

Egal ob Ankerfeld- oder Marina-Lieger, die Community umfasst offenbar beides. Und so werden wir gleich zum gemeinsamen Boccia-Spielen am Nachmittag (mit anschließender Happy Hour in der Beach Bar) eingeladen, als wir bei der „Sava“ von Mel und Brian kurz hallo sagen. Wie wir sind sie ebenfalls ziemlich aktiv auf Noforeignland, ein paar Mal haben wir sie schon knapp verpasst, hier in Bastimentos passt es endlich. Ihren Blog (www.MelOnTheGo.com) verfolgen wir ebenso wie sie unseren Blog, schön, sie endlich mal live zu treffen.

Von Mel bekommen wir auch gleich den Tip, in welchem Baum wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Faultier finden. Tatsächlich ist es wieder da – und diesmal nicht allein. Eins weiter unten am Baum, gaaaanz langsam im Aufstieg begriffen. Wahrscheinlich hat es gerade sein Geschäft gemacht, einmal pro Woche kommen die Faultiere dafür auf den Boden herunter. Ein zweites Dreizehenfaultier mit einem Jungen auf dem Rücken ganz versteckt weiter oben im gleichen Baum, für uns nur sichtbar als ein Fellknäuel mit mehr Armen, als zu einem einzelnen Faultier gehören. Die Gesichter sind leider verdeckt. Dafür zeigt sich aber das untere Perezoso (so der hiesige spanische Name) ausnahmsweise perfekt in der Sonne.

Wiebke und ich wollen vor dem Boccia-Treffen noch einen kleinen Hike machen. Am Ende des Red-Frog-Beach schlängelt sich nämlich ein Pfad sehr küstennah durch den Wald hinüber zum nächsten Strand. Er ist nicht ganz einfach zu finden, andere Segler waren nur bis zu einem Sumpf gekommen und dort umgekehrt. Aber jetzt, nach einigen trockenen Tagen, kommen wir durch und können sogar einen Blick auf den nächsten Strand erhaschen. Dann aber kehren wir um, noch ein Bad in dieser ziemlich leeren Ecke des Red-Frog-Beach und wir kommen gerade noch rechtzeitig zum Boccia an.

Am nächsten Tag verlegen wir die Flora vor den kleinen „Hauptort“ von Bastimento. Das gibt uns die Gelegenheit für einen weiteren Hike hinüber zur Nordseite, diesmal zum Wizard Beach. Wiebkes Wander-App „Komoot“ weist verschiedene Wege dahin aus, wir entscheiden uns für den Weg über den höchsten Punkt der Insel. Sind nur 73 m, das sollte nicht so schwer sein.

So kann man sich irren! Dabei verläuft der erste Teil des Anstiegs sogar noch durch das Dorf, also auf Wegen. Danach geht es auf einem Pfad weiter durch den Wald, ab und zu mal eine Hütte, Bananenplantagen, es bleibt bis hier hin einfach. Der Weg teilt sich, ein Wegweiser möchte uns nach rechts zu Strand schicken. Aber geradeaus geht es auch, auf dem Kamm des Bergrückens. Das ist der Weg, den wir uns ausgesucht haben, denn er beinhaltet sowohl den Gipfel als auch die Nordspitze der Insel und führt mit diesem Umweg am Ende auch zum Wizard Beach. Weiter, jetzt ein bisschen bergauf und bergab, wird der Weg immer schwerer zu erkennen, er ist offenbar nicht mehr oft benutzt. Einzelne kleine Felder mit Bananenstauden wirken unbewirtschaftet, der Wald wird dichter. Dafür springen um so mehr Frösche um unsere Füße. Hatten wir zuvor (auch bei dem Hike gestern) immer hohe spitze Schreie ausgestoßen, wenn wir endlich einen der kleinen roten Pfeilgiftfrösche zu sehen bekamen, müssen wir jetzt zunehmend aufpassen, nicht auf sie drauf zu treten.

Hört sich übertrieben an? Ist es nur hinsichtlich der Schreie!

Die Frösche sind wirklich überall. Und jetzt, wo wir darauf achten, sehen wir auch diverse andere ebenso kleine Frösche.

Wobei die gelb-grüne Variante mit den dunklen Punkten tatsächlich eine andere Farbvariation des „Erdbeerfröschchens“ ist. Als ich das nachlese, erfahre ich auch, dass die Pfeilgiftfrösche ihr Gift über die Haut abgeben, die Pfeile werden deshalb nur über den Rücken der Tiere gestreift. Ein Geburtstagstelefonat mit Uwe in Hamburg ergibt zudem, dass die kleine Frösche im letzten Tatort eine Rolle gespielt haben, nette Parallele. Das Gift produzieren die Frösche übrigens nicht selbst, sondern reichern es aus ihrer Hauptnahrung (nämlich Schuppenameisen) an und scheiden es dann eben über Drüsen wieder aus.

Als wir weiter wandern, bilden an lichten Stellen von die Luftwurzeln richtige Vorhänge. Aber die weniger dicht bewachsenen Stellen werden seltener, immer öfter verliert sich der Weg durch den Urwald mehr und mehr im Dickicht. Die Kontrolle auf dem Handy aber sagt: wir sind immer noch richtig.

Inzwischen rutschen wir die Steigungen mehr oder weniger rauf und runter. Und ich habe ein Stöckchen in der Hand, mit dem ich uns den Weg zum Wizard Beach freizaubere. Immer schön auf und ab bewegen, der kleine Zauberstab ist wirklich wichtig geworden. Die giftigen Spinnennetze der Goldenen Seidenspinne sind zwar für Menschen völlig ungefährlich, aber eben doch lästig und die Spinnen selbst auch ziemlich eindrucksvoll. Die größte die wir sehen ist mit Beinen etwa handtellergroß. Im Hintergrund sieht man schon gleich die nächste.

Auf dem zweiten Bild sieht man über dem großen Weibchen das viel kleinere Männchen.

Zweimal müssen wir ein Stück zurück, weil wir den Weg doch verloren haben und da jeder Schritt in dem rutschigen und steilen Urwald wohl gesetzt sein will, wird es einer der anstrengendsten Hikes, den wir bisher gemacht haben. Aber es lohnt sich. Vögel bekommen wir zwar nur wenige zu sehen, aber neben dem Klopfen von einigen Spechten hören wir vor allem immer wieder den auffälligen Ruf des Montezumastirnvogels. Den kennen wir (wie die Erdbeerfröschchen) schon aus Costa Rica. Leise nähern können wir uns auf diesem schwierigen Geläuf leider nicht, und so verstecken sich die schönen etwa 50 cm großen Vögel mit ihrem im Flug auffallend gelben Schwanz und der roten Schnabelspitze ziemlich erfolgreich vor uns. Einen erwischen wir aber doch einigermaßen vernünftig mit der Kamera:

Und wir schaffen es zur felsigen Nordspitze der Insel.

Es ist so abgelegen, dass wir mit ein bisschen Mühe sogar eine Kokosnuss ernten können (die wir dafür allerdings den ganzen Rückweg schleppen müssen).

Von der Nordspitze aus ist es, mal über die Felsen, mal wieder durch den nicht weniger rutschigen Urwald aber dann doch noch ein ganz schönes Stück bis wir endlich am Wizard Beach ankommen. Ein herrliches Gefühl, als sich der Wald öffnet und wir diesen traumhaften Strand vor uns fast für uns alleine haben.

Wir baden, stärken uns mit mitgebrachten Müsli-Riegeln, und dann geht es auf einem anderen, kürzeren und durchgängig gut erkennbarem Weg wieder zurück zum karibisch bunten Ort und zur Flora. Nur 6 km Wanderung und etwas über 2 Stunden reine Wanderzeit ohne Pausen. Unfassbar, dass die so anstrengend sein können. Wir Weicheier. Aber jedem, der versucht ist, diesen Hike auch zu machen kann ich nur sagen:

Sei kein Frosch 🐸 😉.

Pura Vida.

Red & Green

Grün und Rot sind ja nun mal elementarer Bestandteil beim Segeln. Als Beleuchtung für das Boot (in Fahrtrichtung rechts = Steuerbord = Grün, in Fahrtrichtung links = Backbord = Rot). Oder als Betonnung, wobei es da etwas komplizierter ist. Auch wenn man sich bei der Lichterführung der Schiffe einig ist, gibt es bei der Betonnung quasi zwei Welten. In Europa (so haben wir es gelernt), Afrika, Australien, Neuseeland und weiten Teilen Asiens gilt das Betonnungssystem A. Von See kommend in einen Hafen oder Fluss einlaufend stimmen die Tonnen mit den Lichtern des eigenen Schiffes überein, also rechts grüne Tonnen, links rote Tonnen. Anders dagegen beim Betonnungssystem B in Nord- und Südamerika, Japan, Korea und den Philippinen: da ist es genau umgekehrt. “RRR” merken sich das die Amerikaner. Red Right on Return.

Warum jetzt dieser Ausflug in die maritime Farbenlehre (noch dazu, wo wir doch eigentlich Blauwassersegler sind)?

Panama haut uns einfach um. Soooo viel Grün! Die letzten Ankerplätze mit ihren Mangroveninseln, natürlich, selbst das Wasser ist eher grün als blau, die Palmen an den Stränden und die Laubbäume auf den hügeligen Rücken der etwas höheren Inseln: Variationen von grün. Da bleiben wir erstmal einfach noch länger am Ankerplatz, bewegen uns nicht weg und genießen.

Zumal wir Gesellschaft bekommen. Keine weiteren Ankerlieger, sondern einen anderen Besuch:

Mehrfach zeigen sich Delfine, keine großen Schulen, aber oft nah am Boot. Und auch andere Flossen entdecken wir. Erst scheint ein Einbaum-Kanu vorbei zu treiben, aber herrenlos ist es dann doch nicht.

Mit sagenhafter Ausdauer ist ein Local im 10 m tiefen Wasser auf der Jagd nach Krebsen. Auf die Einbäume war ich ja schon eingegangen, sie sind hier offenbar noch weit verbreitet. Oft in alter Weise eher grob behauen oder ausgebrannt, kommen immer mal wieder Fischer mit ihnen vorbei gepaddelt.

Abends kündigen sich mit dramatischer Wolkenformation – beleuchtet durch die auf der gegenüber liegenden Seite untergehende Sonne – Schauer an.

Tatsächlich regnet es nachts heftig und schauert auch noch am nächsten Morgen. Gegen Mittag aber hört der Regen auf. Wir verholen wir dann doch mal, bleiben aber im Gebiet. Um Nancy Cay herum fahren wir zur Isla Bastimentos.

Den bunten Hauptort der Insel am Nordwestende passieren wir, schlängeln uns wieder durch Mangroveninseln und ankern vor der Red Frog Marina. Dort können wir geschützt liegen, haben eine kleine Einkaufsmöglichkeit, können Diesel bunkern und – der Hauptgrund – uns mal wieder die Füße vertreten. Denn vom Dinghydock in der Marina aus führen Wege quer über den hier schmalen Inselrücken zu den Atlantik-Stränden im Norden.

Das probieren wir gleich aus, zumal sich inzwischen die Sonne immer mal wieder, wenn auch nicht dauerhaft, durchsetzt.

Das Beste aber: auf unserer Wanderung präsentiert sich uns die mittelamerikanische Tierwelt, wie wir sie aus Costa Rica kennen und lieben. Wir können einmal mehr ein (Dreizehen-)Faultier erspähen:

Und wir finden auch den Namensgeber der Marina. Erst hören wir die eher an Vogellaute erinnernden Rufe und entdecken dann etwas abseits des Weges auch die dazu gehörenden Frösche:

Die Froschbilder sind alle nicht farblich bearbeitet. Anders als der „Blue Jeans Frosch“ den wir aus Costa Rica kennen, hat dieser verwandte Pfeilgiftfrosch keine blauen Beine, dafür aber weiße Finger. Und er ist etwas „größer“, etwa wie ein Daumennagel. Man muss also trotz der Farbgebung schon genauer hinschauen, um sie zu entdecken. Das muss gefeiert werden 😉

Pura Vida.

Isla Boca

Eigentlich heißt sie Isla de Colon, aber in immer mehr Karten taucht sie als Isla Boca auf. Wohl, weil hier der Hauptort Boca Town liegt, vielleicht auch weil sich hier der Anlaufort für die Fähre und auch der kleine Flughafen befinden, die eben sozusagen das ganze Bocas del Toro Archipel abdecken.

Wir mieten uns Fahrräder, um die knapp 14 km lange uns 7 km breite Hauptinsel zu erkunden. Uns werden E-Bikes mit dicken Ballonreifen empfohlen. Ein nettes Gimmik? Nein, das hat schon seine Berechtigung. Die zwei Straßen sind vielfältig, aber meist eher schlecht 😉. Schlaglöcher im Asphalt, längere Schotterstrecken und – da machen die dicken Pneus sich richtig gut – auch Sandpisten. Und der kräftige Elektroantrieb hilft uns auch mehr als gedacht. Auf der Strecke von Bocas Town nach Bocas del Drago geht es längs auf dem Inselrücken entlang und dabei unerwartet oft und steil die Hügel hoch. Das hat aber auch zur Folge, das die Vegetation mehrfach wechselt. Die Palmen werden mehr und mehr durch hohe Bäume abgelöst, dazwischen immer wieder Weiden mit Kühen. Dann wieder wilde Bananenstauden am Straßenrand („Panama riecht von oben bis unten nach Bananen“ sagt der Bär zum Tiger in Janoschs Klassiker Oh wie schön ist Panama. Wir treffen mehrere Staßenbaukolonnen, die die wuchernden Bananenstauden zurechtstutzen.

Die Luftwurzeln des gleichen Baumes nochmal aus anderer Perspektive
Kuhweide

Aber an unserem ersten Ziel, Boca del Drago, sind wir wieder am Strand angekommen. Und an was für einem:

Boca de Drago ist die Einfahrt in das Archipel, die wir bei unserer Ankunft mit Flora genommen haben.

Hier ist die Straße zu Ende, zu Fuß gehen wir aber noch etwa 2 km weiter zum Playa Estrella, dem Strand der Seesterne. Lanchas bieten ihre Dienste an, aber wir verzichten auf die Bootstaxis. Wir haben gehört dass die Wanderung schön sein soll. Das ist sie denn auch ohne Zweifel. Mal direkt an dem fast immer palmengesäumten Ufer entlang, mal etwas schattiger ein kleines Stück hinter dem Strand windet sich der schmale Pfad.

Und immer wieder gibt es tolle Ausblicke.

Der Seesternstrand ist dann zwar schön, aber auch ziemlich mit Hütten zur touristischen Versorgung bestückt. So genehmigen wir uns hier nur einen Drink und dann gehts zurück. Auch mit den Fahrrädern, denn die Straße ist im wesentlichen eine Sackgasse. Erst kurz vor Boca Town biegt eine weitere Straße (also: die andere) ab und führt an die Nordküste der Insel.

Auch die lassen wir uns nicht entgehen, zu gerne wollen wir sehen, warum es die Wellenreiter hierhin zieht. Erst einmal aber entdecken wir andere Gleichgewichtskünstler. Eine Familie Mantelbrüllaffen zieht über uns durch die Bäume am Weg.

Dann aber haben wir die Surfer-Strände erreicht. Der Wind ist eher mau heute, aber offenbar reicht die Brandung trotzdem:

Also ab in die Surfer-Bar am Paunch Beach, noch ein bisschen schauen und lecker essen. Wir sind nämlich trotz E-Bike ziemlich geschafft. 44 Kilometer Radfahrt und 4 km Wandern werden es am Ende sein. Und das mit unseren inzwischen offenbar verweichlichten Seebeinen 😚.

Am nächsten Tag ist eher „Hausarbeit“ angesagt. Unsere Waschmaschine gibt leider gleich beim ersten Waschgang den Geist auf. Grr. Die Trommel scheint nicht frei zu drehen. Wir wuchten die Maschine aus ihrem engen Schrank im vorderen Bad und nehmen sie auseinander.

Zum Laufen bekommen wir sie nicht, aber immerhin können wir die Spezifikation des wahrscheinlichen Übeltäters, nämlich des Lagers der Trommel ausmachen. Wenn wir das Lager bestellen, könnte es in 7 bis 10 Tagen hier sein und ein örtlicher Mechaniker könnte es wechseln. Vielleicht.

Zeitangaben sind hier in Panama mit etwas Vorsicht zu genießen. Unsere Cruising Permit haben wir beantragt. Ich sollte in ein bis zwei Tagen vorbeikommen, dann sei es eingegeben und könnte (nach Bezahlung) übermittelt werden. Heute war ich wieder da. Nee, geht leider noch nicht. Das Internet im Büro funktioniert nicht. Meine Nachfrage ergibt: hat es auch die ganze letzte Woche schon nicht getan. Aber man arbeitet daran. Auch das ist …

Pura Vida.