Urlaubsbeschäftigung Sicherheitsausrüstung?

In weniger als zwei Wochen geht’s zurück auf die Flora.

Einige Treffen mit Freunden hier in Hamburg stehen noch an, der Kalender ist gut gefüllt.

Haben wir alles besorgt, was mir mit nach Tahiti nehmen wollen?

Jedenfalls schweifen die Gedanken immer öfter auch zu unserem Boot. Das macht sich auch daran bemerkbar, dass ich unsere Blog-Webseite ein bisschen überarbeitet und ergänzt habe. Bei dem Menüpunkt „SY Flora“ ist z.B. ein neuer Unterpunkt zur Sicherheitsausrüstung dazu gekommen.

Zu dem Unterpunkt gelangt Ihr über diesen Link. Zugegeben ein bisschen technisch, das ist wahrscheinlich eher etwas für die Segler unter Euch.

Für die anderen: (falls länger nicht geschehen) schaut doch einfach mal durch die Menüpunkte, ob da etwas für Euch dabei ist. Wir haben zum Beispiel die Routen der einzelnen Jahre dargestellt. Und wir berichten, wie wir zum Boot und zur Langfahrt gekommen sind. Außerdem gibt’s natürlich auch ein paar Bilder von uns und der Flora.

Feiermarathon

Außer Besuchen von Freunden und Familie und den (zum Glück fast abgeschlossenen und bisher sehr zu unserer Zufriedenheit verlaufenden) Arztbesuchen ist überwiegend Chillen in Hamburg angesagt. Anders als bei unseren beiden vorherigen Heimatbesuchen während unserer Langfahrt wollen wir dieses Mal nämlich nicht wieder quer durch die Republik reisen, ein bisschen Druck rausnehmen.

Eine Ausnahme ist allerdings das Wochenende vom 6. bis zum 9. September. Da geht’s für uns an die Weser nach Hoya und Nienburg zum Feiermarathon.

Am 6. noch recht ruhig und gemütlich bei Wiebkes Mutter in Hoya, wo wir zu Wiebkes Geburtstag unser Basiscamp aufschlagen.

Am nächsten Tag habe ich 40jähriges Abi-Jubiläum. Die Schule in Nienburg hat zu einer offiziellen Zeremonie eingeladen und es wird wirklich schön. Besser noch: im Anschluss trifft sich unser Jahrgang zum gemeinsamen nachmittäglichen Picknick in den Wallanlagen und anschließender Feier in einem Restaurant direkt an der Weser. 60 von 102 Abiturienten unseres Jahrgangs sind dabei, keine schlechte Quote nach 40 Jahren. Es ist toll, die Mitschüler von damals wiederzusehen und zu schnacken. Um so mehr, als ich beim letzten Treffen vor 5 Jahren nicht dabei war, weil wir gerade unsere Langfahrt gestartet hatten. Viel zu erzählen, viel zu erfahren.

Am Sonntag wird aber ein für uns noch viel wichtigeres Jubiläum gefeiert. Kurz entschlossen haben wir nämlich einen engen Freundes- und Familienkreis zu ziemlich spontanen Nachfeier unserer Silberhochzeit eingeladen. Trotz nur gut zwei Wochen Vorlaufzeit können wir tatsächlich in „unsere“ Hochzeitskirche und in können auch in „unserem“ Hochzeitsrestaurant reservieren. Zu unserer Freude sagen sogar fast alle Gäste zu.

In der kleinen Dorfkirche von Hoyerhagen findet an diesem Sonntag kein Gottesdienst statt, wie so oft auf dem Land ist inzwischen ein Geistlicher für diverse Gemeinden zuständig. Aber der Kirchenvorstand schließt uns auf und wir dürfen die Räumlichkeit für eine private Andacht nutzen. Schon Wiebke Mutter wurde in dieser Kirche getauft, ihre Großeltern in der Kirche getraut.
Es wird unvergesslich schön, zumal mein Bruder mit Gitarre für die musikalische Begleitung sorgt, unsere liebe Freundin Katrin uns sehr berührend einsegnet und unsere Nichte Emma wunderbar Fürbitten und Vaterunser übernimmt.

Vor 25 Jahren …

… und heute (wie Frank es formuliert: „Die Zeit geht mit der Braut gnädiger um als mit dem Bräutigam“. Ist ganz ok so.):

Wir sind unendlich dankbar, uns im Familien-und Freundeskreis so aufgehoben zu wissen.

Das ist für uns um so wichtiger, weil unser Heimaturlaub das Bergfest seiner Dauer schon überschritten hat. In nicht einmal drei Wochen soll es für uns wieder Richtung Papeete gehen.

So schnell rennt die Zeit.

Zwischenstand im Heimaturlaub

Mal ein ganz kurzer Zwischenstand, was wir hier in Deutschland und fern von unserer Flora so treiben:

Wir genießen Hamburg, …
… bestellen jede Menge Ersatzteile für Flora und ein paar Spielzeuge für uns …
… machen Arzttermine für Vorsorgeuntersuchungen,
chillen auf unserer Dachterrasse …
besuchen die Familie …
fahren übers Land, pflücken Obst an den Straßenbäumen und organisieren eine (nachträgliche) Feier unserer silbernen Hochzeit …
… bekommen zurück in Hamburg Besuch von Segelfreunden aus Berlin …
… und besteigen mit ihnen den neu eröffneten begrünten Hochbunker auf dem Heiliggeistfeld …
… besuchen mal wieder die klassischen Hamburger Wahrzeichen und Orte, wie die Landungsbrücken …
… Hamburgs schwimmendes Wahrzeichen, die Rickmers Rickmers (auf der wir vor 25 Jahren standesamtlich getraut wurden) …
und die inzwischen neu gestalteten Flutschutzanlagen mit Blick auf dieses Museumsschiff …
den Michel …
die Speicherstadt …
… die Cap San Diego und dahinter ein paar der Musicals …

… die Hafenanlagen und natürlich die Elbphilharmonie.

Und wo wir schon bei der Elphi sind: ein Konzert in diesem wunderbaren Hamburger Kulturhaus darf natürlich auch nicht fehlen:

Aber von Hamburg zieht es uns zwischendurch auch noch etwas weiter in den Norden. Jan und Catalina nehmen uns mit zu sich auf die X-Ray nach Maasholm. In unserem alten Heimathafen treffen wir weitere Freunde, zumal dort an diesem Wochenende bei den GFK-Classics Hochbetrieb herrscht. Die alten Fischer sind aber auch noch in Maa.

Und ein bisschen Bootsarbeit ist auch zu tun. Diesmal kann ich Jan assistieren. Bloß nicht aus der Übung kommen …

Die Gefahr scheint zu bestehen, denn eine Mitteilung von Noforeignland mutet schon ein wenig provokant an:

Über 20 Seemeilen im ganzen Monat August. Hm. Das war jetzt wohl ein Negativrekord für uns. Aber im September – soviel ist schon klar – wird es noch weniger, denn da muss die Flora noch auf uns warten. Erst im Oktober geht’s wieder los.

😎

Der Stimmungsmix vor dem Start zur Ozeanpassage

Es scheint sich nicht zu ändern. Vor einer längeren Passage stellt sich bei uns Unruhe ein. Eigentlich sind die Einkäufe längst erledigt, die Vorrats-Schapps sind prall gefüllt. Diesel- und Wassertank randvoll. Aber man könnte doch noch …

Das Boot nochmal durchgecheckt.

Die verschiedenen Wetterberichte werden ein ums andere Mal hin und her abgewogen. Für die Abfahrt sieht es gut aus, aber was kommt da in ein paar Tagen? Oder umgekehrt: erst durch das Schwachwindfeld hinter dem Kap hindurch motoren und dann aber den guten Wind haben? Das Beste aus beiden Welten scheint es jedenfalls in nächster Zeit nicht zu geben.

Es ist ja nun nicht unsere erste Ozeanpassage. Aber die Entfernung ist deutlich länger als auf der Atlantiküberquerung von den Kapverden in die Karibik (2.200 sm) oder auf der Passage von den USA zurück nach Antigua (1.700 sm, unserem bisher härtesten Törn). Auch die 1.000 Seemeilen von Panama nach Galapagos wird sie locker knacken, sogar die 2.600 Meilen von Hawai’i nach Alaska, unseren bislang zweitlängsten Törn. Die 4.300 Seemeilen von Galapagos nach Hawai‘i sollten allerdings mit etwa 1.000 sm Abstand unser Rekord bleiben.

Aber ganz schlicht: wir sind nervös. Zugleich voller Vorfreude und Erwartung, aber auch mit Schüben von Unsicherheit und Bedenken. Das Herz puckert.

Was kommt auf uns zu? Ozeansegeln. Tage und Nächte in der scheinbar unendlichen Weite. Mal so, mal so, mal noch ganz anders.

Traumhafte Sternenhimmel, demnächst auch wieder mit dem Kreuz des Südens. Aber auch: sicher drei bis vier Wochen auf der Dauerschaukel und im Drei-Stunden-Takt. Kein gemeinsames Einschlafen, kein gemeinsames Aufwachen. Die ersten Tage mit diesem Wache/Freiwache-Rhythmus sind immer ziemlich anstrengend, danach wird es besser. Und sonst? Es geht wieder über den Äquator, also durch die Kalmenzone mit ihren Flauten und Gewitterzellen. Und die Route quert den derzeit drei Knoten schnell fließenden und dabei zum Teil über 800 km breiten Süd-Äquatorialstrom. Flora wird also auf über 400 Meilen mit drei Knoten nach Westen versetzt. Aber es heißt auch wieder segeln durch den Nordostpassat und den Südostpassat in der anderen Hemisphäre, so uns denn trotz El Niño Passatwinde beschert sein sollten. Taktisch wird es jedenfalls unsere bisher anspruchsvollste Passage und die Anspannung dazu macht sich eben auch schon breit.

Aber es geht ja auch nicht irgendwo hin. Die SÜDSEE lockt und wir freuen uns darauf, ihrem Ruf zu folgen. Allein der Klang des Wortes sorgt doch für Entspannung der Gesichtsmuskeln und zaubert ein Lächeln aufs Gesicht.

Morgen geht’s los.

😊

Einkaufen GEHEN in San Diego

Mal ein ganz anderer Aspekt unserer Reise, der hier in San Diego ganz besonders deutlich wird: wenn wir an Land sind, gehen wir ziemlich viel. Meilenweit. Wir lieben Hikes durch die Natur, klar. Und wir erwandern uns auch in Städten gern die Umgebung unseres Ankerplatzes oder Hafens. Aber das ist es nicht, was gerade im Moment ZUM TRAGEN kommt.

War das System der öffentlichen Verkehrsmittel in San Francisco noch wunderbar, ist unsere Anbindung hier in San Diego etwas weniger gelungen. Unser Hafen liegt am Ende einer etwa zwei Kilometer langen Halbinsel, auf der leider keine Busse fahren. Halb so wild, es ist eine schöne Strecke mit Fußweg auf der Uferpromenade. Allerdings: der Jensen’s Supermarkt ist noch weitere zwei Kilometer entfernt, außerdem steil den Berg hinauf. Immerhin, mit den Rucksäcken voller schwerer Lebensmittel (einer ist ein gut isolierter Kühlrucksack) geht’s dann ja immerhin wieder bergab.

Trotzdem: es sind halt 8 km hin und zurück. Keine Beschwerde, es hält uns ja fit.

Aber: müssen wir das eigentlich so oft machen? In den letzten 5 Tagen hab ich viermal über 8 km auf der Uhr (bzw. auf dem iPhone, eine Armbanduhr trage ich ja schon seit vier Jahren nicht mehr). So häufig müssen wir zwar keine Lebensmittel einkaufen, aber im Jensen’s ist zugleich auch die nächstgelegene Amazon-Pickup-Station. Und wir haben die Gelegenheit genutzt, noch einmal einige Bestellungen aufzugeben. Zum Beispiel für den kleinen Magneten, der unserer neuen Kettennuss in der Ankerwinsch das Kettenzählen ermöglicht. Oder für den kleinen digitalen Wassertester, der uns die ppm unseres Wassermacher-Wassers anzeigt (Salzgehalt in parts per million), also ein Indiz, wann wir unsere Membran tauschen müssen. Der alte hat leider letzte Woche den Geist aufgegeben. Und wenn wir schon mal beim Bestellen sind, fällt uns noch anderer Kleinkram ein ….

Das waren zwei der vier Märsche. Die anderen beiden hatten mit Restaurants, Eiscafés und Marine-Ausrüstern zu tun 😇.

Auch an Bord sind wir nicht untätig. Wiebke hat ihr Jahresprojekt abgeschlossen: ihren Kolding-Schal:

Vor ziemlich genau einem Jahr hat sie ihn zu stricken begonnen, aber er war oft nur ihr Zweit- oder gar Drittprojekt nebenher (“wenn ich mich nicht so konzentrieren möchte”). Vor ein paar Tagen kam auch das Projekt “Summer-Cardigan” zum Abschluss:

Und jetzt hat sie gleich ein neues Projekt angefangen, ein Sommer-Shirt aus Leinen-Seide.

Bei mir war es gestern eher ein bisschen Boots-Yoga im Mini-Projekt des Kampfes gegen den Impeller der Seewasserpumpe, der zwar raus musste …

… immerhin waren sieben von zwölf Flügeln angebrochen, aber sich gegen seinen Austausch doch ziemlich hartnäckig gewehrt hat und ähnlicher Technik-Kleinkram. Und außerdem haben wir eben auch viel Zeit für uns, lesen uns zum Beispiel das Buch “Die Kraft der Entscheidungen” vor, das unsere österreichischen Segelfreunde Doris und Christian über ihre einjährige Auszeit auf Ihrer Dacing Pearl geschrieben haben. Es spiegelt für uns – neben wunderbar aufmerksam beobachteten Veränderungen gegenüber dem Landleben – auch besonders schön den Zauber des Anfangs unserer Langfahrt wieder.

Uns geht’s gut. Wir genießen die letzten Tage in San Diego, bevor es wohl nächste Woche nach Mexiko geht. Mal schauen, was wir vorher noch von San Diego zu sehen bekommen.

San Francisco: erste Eindrücke

Angekommen am Ankerplatz in Aquatic Parc, lassen wir erst einmal die Umgebung auf uns wirken. Das fast herzförmige Becken wird nach Nordwesten (in Richtung Golden Gate Bridge) durch eine geschwungene Mole gebildet. Die ist allerdings seit dem letzten größeren Erdbeben am 25.10.2022 baufällig und darf nicht mehr betreten werden.

Landseitig grenzt ein makelloser Sandstrand an die Bucht, dahinter schließt sich der öffentliche “Maritime Garden” an. Bei dem wunderbaren (für San Francisco untypisch warmen) Sommerwetter werden Park und Strand ausgiebig genutzt. Vor allem aber gibt es in der Bucht von frühmorgens bis spätabends viele Schwimmer. Gleich zwei Schwimmclubs haben hier ihre Stege und trotz der kräftigen Strömung trainieren ihre Mitglieder auch noch bei Dunkelheit. Motorboote dürfen daher nicht auf diesen Ankerplatz. Früher mussten die Segelboote auch unter Segeln einlaufen und ankern, heute darf aber der Hilfsmotor genutzt werden. Am Dinghy sind aber Motoren über 5 PS unzulässig. Unser Außenborder bleibt also am Heckkorb, wir rudern an Land.

In die andere Richtung schließen sich erst der Museums- und dann ein Fischereihafen an. Auch zur bekannten Pier 39 ist es zu Fuß nicht weit. Und dann geht’s den Berg hoch nach San Francisco hinein. Und in die Bucht hinaus geht der Blick zur berühmten Gefängnisinsel Alcatraz. Was für ein wunderbarer Ankerplatz!

Ok, also Fisherman’s Wharf und Pier 39. Das scheint als touristisches Pflichtprogramm in San Francisco zu gelten. Kneifen wir uns das? Wir sind versucht, aber dann haken wir es doch einfach mit einem Spaziergang ab. Es ist touristisch, besonders die Pier 39 ähnelt einem einzigen Jahrmarkt, aber es hat auch nette Seiten, zumal es alles andere als überfüllt ist. Wir sind scheinbar schon in der Nachsaison, spätestens ab nächstem Wochenende (Labour Day).

Einzig an der Spitze von Pier 39 drängeln sich die Menschen, um einen Blick auf die Seelöwen zu haben, die sich auf den davor befestigten Pontons sonnen und die Aufmerksamkeit zu genießen scheinen. Die am nächsten liegenden Pontons sind am dichtesten belegt.

Nette Idee auch: das Hard Rock Cafe am Eingang der Rummelmeile hat den Eingangsbereich nebst überdimensionierter Gitarre aus Stahl gebaut und in der Farbe der Golden Gate Bridge gestrichen.

Wir haben uns zwar (über die Munimobile-App) für 41 Dollar eine Wochenkarte für den öffentlichen Nahverkehr in San Francisco gekauft, die sonst 8 Dollar pro Einzelfahrt kostenden Cablecar-Wagons sind dabei eingeschlossen. Aber die Spannung darauf heben wir uns noch ein bisschen auf und erschließen uns die Umgebung erst einmal zu Fuß. Unser Weg führt uns im Zickzack in den Stadtteil North Beach, zurecht auch „Little Italy“ genannt.

Umwege hier her wären eigentlich nicht nötig (machen aber Spaß und sind ein guter Ausgleich nach der Zeit auf dem Boot). Die Stadt ist im Wesentlichen mit Straßen im Schachbrettmuster gebaut. Dies völlig unabhängig davon, dass die steilen Hügel eigentlich eine andere Wegeführung nahelegen würden. Aber dadurch entsteht eben auch der einzigartige Charakter der Stadt. Teilweise führen die Straßen mit 30 Prozent Steigung den Berg hinauf, im 90-Grad-Winkel zu terrassierten Straßen am Hang entlang. Die Verfolgungsjagden in den Krimis “Die Straßen von San Francisco” mit den springenden Autos lassen grüßen, Karl Malden und Michael Douglas auch.

Von North Beach aus haben wir zum Beispiel einen tollen Blick hinüber auf die Lombard Street. Die ist in einem Abschnitt so steil ist, dass auf dem eigentlich geraden Teilstück im Stadtteil Russian Hill Serpentinen hineingebaut wurden:

Da gehen wir auf dem Rückweg zur Flora natürlich auch lang. Von den steilen Passagen aus bieten sich auch immer wieder tolle Blicke:

Den Kaffee nach dem leckeren italienischem Essen nehmen wir denn auch erst, als wir fast schon wieder am Boot sind. Es wird ein besonderer Kaffee. Die Spezialität des “Buena Vista” ist nämlich Irish Coffee, man nimmt für sich in Anspruch, diese besondere Mischung aus (Irish) Whiskey und heißem Kaffee mit einer Schicht kalter flüssiger Sahne obendrauf 1952 in den USA eingeführt zu haben.

Und “Buena Vista” stimmt auf jeden Fall: als wir heraus kommen, sehen wir zwischen zwei Cablecars hindurch unten im Wasser genau …

… unsere Flora!

Am Abend hat dann zunächst die Sonne einen farbenprächtigen Abgang …

… und dann der Mond einen ebenso beeindruckenden Auftritt. Supermoon (wegen Erdnähe auf der elliptischen Umlaufbahn besonders groß) und außerdem noch Blue Moon (der zweite Vollmond in einem Monat), da wird alles gegeben:

Dankeschön!

Die Flut von Software-Updates auf Telefon, Tablet und Computer finde ich eigentlich nicht sonderlich erbaulich. Insbesondere, wenn wir unterwegs sind und nicht wie hier in Campbell River gerade mal ein gutes WLAN haben.

Neben vielen anderen Apps verlangt dieses Mal „Wordpress“ (die App, mit der wir diesen Blog schreiben) nach datenvolumenhungriger Erneuerung. Also gut.

In diesem Zusammenhang werden wir auf die Statistik des Blogs hingewiesen, die künftig anders abgebildet werden soll. Das haben wir bisher nicht so intensiv beachtet, also schauen wir mal nach.

Und … das haut uns dann doch ziemlich um.

Seit wir unterwegs sind, ist der Flora-Blog rund 380.000 mal aufgerufen worden, allein im letzten Jahr über 150.000 mal. Unser kleiner, komplett nicht kommerzieller Blog, für den wir bezahlen (weil sonst Werbung drauf wäre), den wir begonnen haben, um Familie und Freunde auch in der Ferne an unserem Leben teilhaben zu lassen und den wir nur aus Spaß an der Freude füttern.

Und Stichwort „Ferne“: die Karte oben zeigt die Länder und Regionen, aus denen Zugriffe auf unsere Blogbeiträge erfolgten. Eigentlich unglaublich. Sortiert nach der Anzahl der Seitenaufrufe sind das:

Deutschland 🇩🇪 Vereinigte Staaten 🇺🇸 Schweiz 🇨🇭 Österreich 🇦🇹 Spanien 🇪🇸 Italien 🇮🇹 Niederlande 🇳🇱 Frankreich 🇫🇷 Portugal 🇵🇹 Vereinigtes Königreich 🇬🇧 Bahamas 🇧🇸 Griechenland 🇬🇷 Schweden 🇸🇪 Antigua und Barbuda 🇦🇬 Dänemark 🇩🇰 Norwegen 🇳🇴 Martinique 🇫🇷 Neuseeland 🇳🇿 Kanada 🇨🇦 Türkei 🇹🇷 Französisch-Polynesien 🇵🇫 Panama 🇵🇦 Belgien 🇧🇪 Kroatien 🇭🇷 Dominikanische Republik 🇩🇴 Amerikanische Jungferninseln 🇻🇮 Curaçao 🇨🇼 Australien 🇦🇺 Finnland 🇫🇮 Kolumbien 🇨🇴 Karibische Niederlande 🇳🇱 Mexiko 🇲🇽 St. Lucia 🇱🇨 Französisch-Guayana 🇫🇷 Puerto Rico 🇵🇷 Guadeloupe 🇬🇵 Cabo Verde 🇨🇻 Grenada 🇬🇩 Polen 🇵🇱 Barbados 🇧🇧 Anguilla 🇦🇮 Guatemala 🇬🇹 Irland 🇮🇪 Ecuador 🇪🇨 Tschechien 🇨🇿 Hongkong 🇭🇰 Costa Rica 🇨🇷 Singapur 🇸🇬 Jamaika 🇯🇲 Fidschi 🇫🇯 Chile 🇨🇱 Thailand 🇹🇭 Sint Maarten 🇸🇽 Aruba 🇦🇼 Russland 🇷🇺 Brasilien 🇧🇷 Ungarn 🇭🇺 Argentinien 🇦🇷 Ägypten 🇪🇬 China 🇨🇳 Luxemburg 🇱🇺 Südafrika 🇿🇦 Belize 🇧🇿 St. Vincent und die Grenadinen 🇻🇨 Saint Martin 🇫🇷 Südkorea 🇰🇷 Marokko 🇲🇦 Ukraine 🇺🇦 Neukaledonien 🇳🇨 Bulgarien 🇧🇬 Malta 🇲🇹 Kaimaninseln 🇰🇾 Mauritius 🇲🇺 Liechtenstein 🇱🇮 Slowakei 🇸🇰 Suriname 🇸🇷 Estland 🇪🇪 Malediven 🇲🇻 Kuba 🇨🇺 Rumänien 🇷🇴 Albanien 🇦🇱 Dominica 🇩🇲 Trinidad und Tobago 🇹🇹 Malaysia 🇲🇾 Bermuda 🇧🇲 Britische Jungferninseln 🇻🇬 Zypern 🇨🇾 St. Kitts und Nevis 🇰🇳 Slowenien 🇸🇮 Vereinigte Arabische Emirate 🇦🇪 Monaco 🇲🇨 Israel 🇮🇱 Japan 🇯🇵 Lettland 🇱🇻 Indonesien 🇮🇩 Nigeria 🇳🇬 Seychellen 🇸🇨 Philippinen 🇵🇭 Samoa 🇼🇸 Indien 🇮🇳 Honduras 🇭🇳 Serbien 🇷🇸 Kenia 🇰🇪 Tunesien 🇹🇳 Montenegro 🇲🇪 Litauen 🇱🇹 Pakistan 🇵🇰 Kuwait 🇰🇼 Taiwan 🇹🇼 St. Barthélemy 🇫🇷 Guernsey 🇬🇬 Island 🇮🇸 Peru 🇵🇪 Isle of Man 🇮🇲 Vanuatu 🇻🇺 Sri Lanka 🇱🇰 Uruguay 🇺🇾 Vietnam 🇻🇳 Georgien 🇬🇪 Bangladesch 🇧🇩 Saudi Arabien 🇸🇦 Guam 🇬🇺 Katar 🇶🇦 Paraguay 🇵🇾 Mongolei 🇲🇳 Iran 🇮🇷 Venezuela 🇻🇪 Bosnien und Herzegowina 🇧🇦 Färöer 🇫🇴 Tansania 🇹🇿 Jersey 🇯🇪 Turks- und Caicosinseln 🇹🇨 Wallis und Futuna 🇼🇫 Irak 🇮🇶 Grönland 🇬🇱 Äthiopien 🇪🇹 Belarus 🇧🇾 Senegal 🇸🇳 Kambodscha 🇰🇭 Ålandinseln 🇦🇽 Nepal 🇳🇵 Syrien 🇸🇾 Gambia 🇬🇲 Nicaragua 🇳🇮 Nordmazedonien 🇲🇰 Andorra 🇦🇩 Mali 🇲🇱 Haiti 🇭🇹 El Salvador 🇸🇻 Guyana 🇬🇾 Namibia 🇳🇦 Gibraltar 🇬🇮 Cookinseln 🇨🇰 Réunion 🇷🇪 Algerien 🇩🇿

Da sind viele Zugriffe von Segelfreunden dabei, die inzwischen auf anderen Wegen (oder Wogen) unterwegs sind als wir. Aber offenbar auch viele Seitenaufrufe von Menschen, die wir – jedenfalls bisher – überhaupt nicht kennen.

Ein riesengroßes Dankeschön an Euch alle!

☺️

Saisonrückblick in einem Bild

Ein Saisonrückblick auf unsere Strecke (seit November 2021). Rot die mit Flora gesegelte Strecke, gelb der Roadtrip von Vancouver Island in Kanada nach Washington DC. Ab Februar soll es dann einen weiteren Roadtrip auf einer südlicheren Route durch die USA zurück in den Westen geben.

11.461 sm waren es auf der Flora in diesem Jahr, sogar 13.081 sm in der Saison ab November 2021, also von der Chesapeake Bay bis nach Vancouver Island, über Mexiko, Panama, die Galápagosinseln, Hawai‘i und Alaska.

Es mag ein bisschen irritieren, dass wir die Strecke (wie aber die vorigen im Menüpunkt Route auch schon) quasi auf den Globus von Google Earth gemalt haben und nicht auf eine „normale“ Landkarte. Der Grund dafür ist, dass eine Kugel eben nicht „richtig“ zweidimensional abgebildet werden kann. „Normale“ rechteckige Landkarten in einem solchen Maßstab bilden als Mercator-Projektion zwar winkeltreu die Erdkugel ab, dabei treten aber ganz erhebliche Verfälschungen der Flächen ein, je nachdem, ob sie näher am Äquator liegen oder näher an den Polarregionen.

Ganz wunderbar zeigt das die interaktive Webseite http://www.thetruesize.com , wenn man dort etwa das auf der Mercator-Karte riesige Grönland mal auf die Höhe von Kolumbien hinunterzieht.

Oder Mexiko quer über Europa legt. Da werden die wahren Dimensionen einfach deutlicher.

Eine tolle Webseite zum Herumspielen, wenn man – wie wir – sich nach der gesunden Zeit auf dem Boot jetzt in Deutschland eine veritable Grippe eingefangen hat und erst einmal flach liegt. Hoffentlich sind wir bis Weihnachten wieder fit!

Alaska – Eindrücke aus zwei Monaten

Was war unsere Erwartung an Alaska?

Richtig konkret war es nicht, eher ein diffuses Gefühl von Abenteuer in einer vom Mensch noch nicht völlig veränderten, „zivilisierten“ Welt, am Rande der gewöhnlichen Komfortzone, abseits der kleinen Ortschaften „out in the wild“. Vielleicht: Kalt. Natur pur. Hoffentlich: Bären. Wale. Eis.

Kalt stimmt nur bedingt. Wir hatten fast durchgehend zweistellige Temperaturen auch nachts, tagsüber meist so um 15 Grad Celsius. Nur in Gletschernähe war es dann doch kälter. Was wir gar nicht so richtig auf dem Schirm hatten: die trotzdem oft herrlich klare „Winterluft“, der intensive Nadelwaldgeruch, die krasse Gebirgslandschaft, die unzähligen Wasserfälle.

Und die Menschen: wundervolle Begegnungen mit den wenigen anderen Cruisern, freundliche, offene und hilfsbereite Alaskaner (wo immer wir welche trafen).

Die heißen Quellen, die Beeren, das Angeln und Krebsfischen. Navigatorisch die Narrows und die starken Tidenströme, die großen trockenfallenden Bereiche vieler Ankerbuchten, das mystisch leuchtende Eis bei den kalbenden Gletschern.

Die Naturerlebnisse waren traumhaft. Bären, Wale, so nah und so beeindruckend. Der tägliche Weißkopfseeadler, Seeotter, Lachse. Die Wanderungen durch den von Moosen überwucherten Regenwald, ja, auch Regen und Nebel. Die Freude über blauen Himmel, der sich eben nicht jeden Morgen wie selbstverständlich beim ersten Blick durch das Decksluk zeigt. Die unfassbare Stille am Ankerplatz, wenn kein Windhauch auch nur Katzenpfötchen auf die Spiegelungen im Wasser malt.

Klitzekleiner Wermutstropfen: segeln war nur selten möglich, wir haben einige Motorstunden angesammelt. Aber wie zur Versöhnung gab es heute auf dem Törn von unserem Ankerplatz in der Foggy Bay über den Dixon Entrance ins kanadische Prince Rupert den ganzen Tag Segelwetter vom Feinsten.

Alaska hat uns beschenkt auch mit ein bisschen Zurückgeworfensein auf uns selbst, wie wir es sonst eher von längeren Passagen kennen. Kombiniert mit ganz vielen „zum ersten Mal“-Erlebnissen und wunderbaren Begegnungen. Eine Quintessenz dessen, was uns am Reisen so gefällt.

😊

Galapagos. Die verzauberten Inseln. Und wie es für uns weitergehen soll.

Einer der früh verwendeten Namen für die Inselgruppe auf dem Äquator, weit draußen im Pazifik, lautet “Las Islas Encantadas”, die verzauberten Inseln. Er taucht bereits in einer Seekarte von 1589 auf. Das war ganz und gar nicht hochachtungsvoll auf die uns so bezaubernde einzigartige Tierwelt des Archipels bezogen, sondern damals eher ein verzweifelter Erklärungsversuch. Die Inseln schienen zu erscheinen und zu verschwinden. Manchmal konnte man Galápagos einfach überhaupt nicht finden, dann wieder waren die Inseln scheinbar an einem völlig anderen Ort auf dem Meer. Da mussten unchristliche Mächte am Werk sein, es war ja wie verhext. Ab und zu wurde sogar die Vermutung geäußert, es könne sich um schwimmende Inseln handeln, wie sie schon in der griechischen Mythologie existierten, zum Beispiel Aiolia als Sitz des Windgottes Aiolos.

Wie so oft: wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld! Aber es war auch schwierig, bevor die Satellitennavigation oder zumindest Sextant und exakte Uhren den Seglern ihre eigene Position auf dem Globus klar machten. Die Winde hier am Äquator sind schon recht unstet, außerdem verbergen sich die Inseln oft im Dunst. Viele Flautentage machten die gekoppelten (also geschätzten) Positionen immer unsicherer. Denn für den Navigator schwer einschätzbar waren früher auf der Fahrt zu den Galápagosinseln die (auch heute noch vorhandenen) Strömungen. Gleich drei völlig unterschiedliche Strömungen treffen bei den Galápagosinseln aufeinander und machen deren reiche Tierwelt überhaupt erst möglich. Gemeinerweise sind die Strömungen dabei aber auch keineswegs so verlässlich wie etwa der Golfstrom im Atlantik, sondern verändern sich etwa in „El Niño“-Jahren massiv, weil dann der Humboldtstrom deutlich schwächer wird oder sogar fehlt.

Dieser wohl bekannteste Strom ist kalt und nährstoffreich, er wird vom Südostpassat zu den Galápagos hinaufgedrückt. Umgekehrt schiebt der Panamastrom, gefüttert vom Nordäquatorialgegenstrom warme Wassermassen aus Nordosten heran und hilft den wärmeliebenden tropischen Tierarten. Der dritte Mitspieler kommt aus dem Verborgenen: aus dem Westen und damit gegen die vorherrschende Windrichtung zieht in der Tiefe der Cromwellstrom als (kalte) Äquatoriale Unterströmung heran, er wird an der unterseeischen vulkanischen Galapagosplattform nach oben gedrückt. Das kalte, wiederum sehr nährstoffhaltige Wasser dieses Stroms sorgt dafür, dass sich zum Beispiel die Pinguine an den Küsten der westlich gelegenen Inseln Fernandina und Isabela wohlfühlen.

Und alle drei Ströme umspülen die Inseln, versetzen die Schiffe und verwirrten die frühen Seefahrer. Islas Encantadas.

Eines der schönen, zugleich aber auch schwierigen Phänomene der spanischen Sprache ist, manche Wörter so viele völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. „Encantada“ ist ein gutes Beispiel dafür. Es kann verzaubert, verhext oder verdammt bedeuten. Aber auch glücklich, begeistert oder entzückt. Und sogar für einen ganzen Satz stehen:

„Schön, Sie kennenzulernen.“

Wir sind jedenfalls sehr glücklich, diese bezaubernden Inseln kennengelernt zu haben. Und wir sind sehr gespannt, ob Strömungen und Winde im Pazifik uns auf unserer Weiterfahrt nach Hawaii 🌺 wohl gesonnen sind. Etwa gut einen Monat wird die Passage dauern, wenn alles glatt läuft.

Warum Hawaii? Für die weitaus meisten Boote hier in Santa Cruz sind die Galápagosinseln das Sprungbrett zu den Marquesas, das sind rund 3.000 Seemeilen. Eine richtig lange Strecke. Unsere Atlantiküberquerung von Mindelo auf den Kapverden bis Bequia in St. Vincent und den Grenadinen waren dagegen nur 2.200 sm. Der Pazifik ist groß, riesengroß.

Nach Hawaii sind es von den Galápagosinseln aus mindestens 4.000 sm direkte Strecke, auf dem wahrscheinlicheren Kurs 4.300 sm, nämlich erst einmal 2.000 sm nach Westen und dann 2.300 sm im Bogen nach Nordwesten. Ganz schön weit! Und davor haben wir auch gehörigen Respekt. Aber wir wollen zurück auf die Nordhalbkugel segeln und eine nordpazifische Runde über Hawaii, Alaska und British Columbia im Westen Kanadas segeln um irgendwann im Herbst in der Gegend von Vancouver oder vielleicht Seattle (das wäre dann schon wieder USA) zu sein. Ein deutlicher Schlenker von der klassischen Barfußroute, der uns nach fast drei Jahren durchgehendem Sommersegeln – Maine im August 2020 geht dabei als Spätsommer durch – jetzt aber sehr reizt.

Und danach? Die US-Westküste hinunter zu Mexikos Baja California (Sea of Cortez) schwebt uns vor. Und von da vielleicht unser Absprung nach Französisch Polynesien. dann wären wir auch wieder auf der klassischen Barfußroute. 🦶 ⛵️

😊