Acceleration Zone

Acceleration Zone, WAZ’n das? Wind Acceleration Zone Canary Islands ist der wunderschöne technische Begriff für das, was wir auf Seglerdeutsch “Düse” nennen würden. Verschärfte Düse vielleicht.

Für Nichtsegler: zwischen den hohen kanarischen Inseln muss sich der vorherrschende Nordostwind quasi durchzwängen. Dabei wird er beschleunigt, und aus entspannten 20 kn (Windstärke 5) Wind werden 30 kn (Windstärke 7). Hinter den Inseln (also südwestlich), ganz besonders hinter Teneriffa mit seinem hohen Teide gibt’s dann dafür Windschatten bzw. Flaute.

Auf Windy sieht das für heute so aus:

So weit, so gut. Wenn man wie wir von Santa Cruz im Norden nach San Miguel im Süden Teneriffas segeln möchte, hat man eben starken Rückenwind, kein Problem, oder?

Na ja, für die Windböen gilt das Ganze natürlich auch. Wieder Windy:

Das ist jetzt schon weniger nett. 43 kn sind Windstärke 9, also Sturm. Hm.

Dazu kommen natürlich noch die Wellen und da gibt’s eine weitere Gemeinheit:

Den Windwellen von 2,7 m Höhe aus Nordost steht nämlich fieserweise ein Schwell (nicht zum Wind passende Welle) aus Süd entgegen. Auch wenn der nur 70 cm hoch ist, führt das doch zu steilen Wellen und einem chaotischen Wellenbild, das eher unangenehm zu befahren ist.

Heute haben wir das heute seeehr anschaulich erleben dürfen. Wir sind so früh wie möglich losgefahren, um das Ärgste zu vermeiden, tatsächlich hatten wir erst perfekten Wind, der dann aber immer stärker wurde und erst am letzten Kap (Cabo de Punta Roja) oft die dreißig und selten 40 kn (Windstärke 8) erreichte. Und die See, na ja.

Dazu muss man allerdings sagen, dass sich Wellen vom Boot aus wirklich schlecht fotografieren und filmen lassen 😚.

Trotzdem ein kleines Video, bei knapp 30 kn aufgenommen:

Sooo schlimm war es also nicht, sonst hätte ich ja nicht gefilmt. Aber die Halse (Seitenwechsel des Segels) am Kap hat doch einiges an Adrenalin freigesetzt. Und warum waren wir überhaupt unterwegs? Unsere Reservierung im knackvollen Hafen Santa Cruz war abgelaufen, mit einem neuen Hafenplatz hier unten hatte es geklappt. Allerdings nur durch Vermittlung des hiesigen Segelmachers, der unseren Code0 noch mit einem Klettstreifen nachrüsten sollte, das Segel aus Santa Cruz bei einem anderen Termin mitgenommen hat und uns mitgeteilt hat, es würde jetzt hier in bei ihm in San Miguel fertig bereitliegen.

Außerdem soll es die nächste Zeit windmäßig nicht besser werden und es ist ein weiterer (begrenzter) Test für den Atlantik. Bestanden, 😁.

Ach ja, und die Vorhersage des gegenläufigen Schwells hatten wir schlicht übersehen 😳. Hätte aber eh nichts geändert.

Crew available!

Das schwarze Brett im Hafenbüro hier in Santa Cruz de Tenerife sieht zur Zeit so aus:

Zusätzlich liegen noch ein paar Anfragen im Seekarten-Tauschkasten und weitere hängen an den Türen zu den Stegen. Außerdem kommen ab und zu Leute auf dem Steg vorbei und fragen nach “Hand gegen Koje”, also Mithilfe gegen Mitnahme. Entsprechende Internet-Foren gibt’s natürlich auch.

Wir hatten vorher gehört und gelesen, dass Boots- und Crewsuchende hier auf den Kanaren gute Chancen haben. Was uns aber doch ein wenig erstaunt, ist zum einen die schiere Menge von herausgehaltenen Daumen zur See. Schließlich geht es anders als an der Landstraße doch um eine recht lange Zeit auf ziemlich engem Raum, die man gemeinsam verbringen würde ohne sich vorher näher zu kennen. Und die – nimmt man Hand gegen Koje ernst – eben auch so etwas wie Rudergehen oder Nachtwachen mit einschließt, also ein hohes Maß an (gegenseitigem) Vertrauen bedingt.

Zum anderen (oder: erst Recht) erstaunt uns, dass bei weitem nicht alle “Crew”-Bewerber über nennenswerte Segelerfahrung verfügen. Einmal findet sich der Hinweis “möchte segeln lernen”, ein andermal “keine Kenntnisse in Navigation”. Einer schreibt immerhin, er habe “alles für den Trip nötige dabei: Jacke, Shirt, Hose, Schuhe und Bücher”. Das ist ja dann doch beruhigend. 😉 Und auf der anderen Seite gibt es auch erfahrene Segler, Köche, Bootsbauer etc., die hier eine Mitsegelgelegenheit suchen.

Wir hatten mit Maria ja auf der Fahrt von Gibraltar bis Lanzarote eine super Erfahrung und eine tolle Zeit, haben uns aber dennoch entschieden, nach der Absage von Silja und Jan die Etappe von den Kanaren zu den Kapverden “nur” zu zweit zu machen. Naturgemäß wird das die Nachtwachen anstrengender machen (weniger wachfreie Zeit, also statt knapp 6 Stunden nur knapp drei Stunden Schlaf am Stück, wenn es denn so gut läuft). Und natürlich auch weniger spannende und anregende Gespräche mit anderen Leuten.

Dafür auch weniger Anpassungen an unbekannte Gewohnheiten, Ecken, Kanten, Marotten (unsere eigenen sind uns schon einigermaßen vertraut). Und vor allem: praktisch freier Zeitplan für uns. Keine Verpflichtung, dann und dann an einem bestimmten Ort zu sein, um den Mitsegler aufzupicken oder abzusetzen. Losfahren können, wenn es uns passt (und der Wind stimmt). Startort hier auf den Kanaren und Ankunftsort auf den Kapverden frei wählen. Und auf einem überschaubaren Törn von geplant knapp einer Woche ausprobieren, ob uns lange Schläge zu zweit gefallen.

Mal sehen, was dabei herauskommt. Aber wir lassen uns noch Zeit, etwa gegen Mitte des Monats soll es losgehen.

Markthalle und La Laguna

Wenn irgend möglich, lassen wir uns die Markthalle nicht entgehen. So auch hier in Santa Cruz de Tenerife, wo wir den “Mercado de nuestra Señora de Africa” besuchen. Im kolonialen Stil eines Forts mit zwei Innenhöfen und einem zentralen Platz errichtet, zudem mit dem Fischmarkt im Untergeschoss, ist MarktHALLE hier fast schon das falsche Wort. Vor dem Eingang findet sich eine lebensgroße realistische Skulptur zweier Fischer mit einem lokal typischen Boot.

Überhaupt ist auffällig, wieviel Kunst im öffentlichen Raum existiert, besonders die Zahl der Brunnen und Skulpturen, klassisch historisch oder modern, ist beeindruckend.

Drinnen ist der Markt so gestaltet, dass die Kunden in oft sonnenbeschienen Gängen, die Händler mit ihrer Ware aber unter den schattigen Arkaden mit ihren gekachelten Säulen Platz finden.

Und wir sind ja nicht nur zum gucken hier: wir finden RICHTIG GUTES BROT, nicht nur die häufiger anzutreffende Variante “Pan Aleman” (deutsches Brot), die meist mit Sirup dunkler gefärbtes Weißbrot mit Tarnungskörnern drauf beschreibt 😉 . Es ist schon erstaunlich, wie sehr wir da doch geprägt sind. Wiebke und ich gehören nicht zu denen, die im Ausland am liebsten Schnitzel essen, aber ordentliches Brot … 😚. Und wo wir schon dabei sind: zur Abwechslung vom Manchego würde sich ein schöner französischer Käse dazu perfekt machen. Wir finden hier Comté und Morbier, herrlich! Wir sind aber auch sowas von verwöhnt!!!

Dann also hinunter ins Untergeschoss zu den Fischständen. Auch hier wird wieder (wie bereits mehrfach auf den Kanaren) weder Thunfisch noch Schwertfisch angeboten ohne deren dekorative Ausstellung im Mittelmeerraum kaum ein Fischhändler auskam. Oder liegt es an der Jahreszeit?

Wir jedenfalls entscheiden uns für einen Alfonsiño (südlicher Kaiserbarsch), er hat die perfekte Größe für unseren Backofen an Bord und ist ungemein lecker 😋 mit schwarzen kanarischen Kartoffeln und Salat.

Ein weiterer Ausflug führt uns in die alte Inselhauptstadt San Christóbal de La Laguna. Man kann den im 15. Jahrhundert gegründeten und schachbrettartig angelegten historischen Ort ganz wunderbar (für 1,35 €) mit der Tram erreichen. Sie fährt unweit vom Hafen ab und windet sich über 500 Höhenmeter den Berg hinauf nach La Laguna, zwar ein eigenständiger Ort, aber gefühlt heute eher ein angebundener Vorort von Santa Cruz. Der historische Stadtkern wurde in seiner heutigen Form bis zum Ende des 16. Jahrhunderts angelegt und weist eine Vielzahl gut erhaltener und sanierter Gebäude auf, auch hier wieder oft mit Holzbalkonen und mit aufwendig geschnitzten Fenstern und Portalen.

Im Schnitt ist es in La Laguna vier Grad kälter als in Santa Cruz, vielleicht ein Grund für die Beliebtheit bei den Hauptstädtern für einen sonntäglichen Kurzausflug.

Und so sind die Straßen wie auch die Cafés und Restaurants gut gefüllt, wir ergattern aber trotzdem ein schönes Plätzchen.

Und wir besuchen das Monasterio (Kloster) de Santa Catalina de Siena, schauen uns dort eine kleine Ausstellung an und bewundern die Hecken im herrlichen Innenhof.

Was auf den ersten Blick wie eine Buchsbaumhecke anmutet, entpuppt sich nämlich bei näherem Hinschauen als Rosmarin. Und auch an die aufgehängte Weihnachtsdekoration über den Straßen bei diesem Wetter und unter Palmen müssen wir uns noch gewöhnen.

😁

Gran Canaria: Beeindruckende Landschaften und doch noch Grün

An der Südspitze von Gran Canaria hatten wir ja schon bei der Überfahrt langen hellen Sandstrand und Dünenlandschaft beobachtet. Playa Inglés und Maspalomas, die touristischen Hochburgen für die vielen Sonnenanbeter, die auf diese Insel pilgern. Rund 4,5 Millionen sollen es jährlich sein, davon rund ein Fünftel und damit der größte Anteil Deutsche. Vom Parkhaus aus geht’s erst einmal auf der Promenade am Naturschutzgebiet der Lagune „La Charca“ (einfach nur: der Teich) entlang, die vielen Wasservögeln als Brutplatz dient. Sie begrenzt zugleich die mit knapp zehn Quadratkilometern gar nicht mal so kleine Sandwüste nach Westen.

Am Palm Beach Hotel beim Leuchtturm biegen wir ostwärts auf den breiten Strand ab und können von jetzt ab wählen, ob wir die Dünen rauf und runter klettern oder bequem am flachen Strand entlang schlendern. Gerade war Neumond, also Springtide (besonders hohes Hochwasser, besonders niedriges Niedrigwasser). Deutlich zu spüren war das am Kletteraufwand von unserem Boot hinauf auf die Kaimauer bzw. dem Fahstuhleffekt bei Hochwasser. Hier am Strand macht es sich so bemerkbar, dass der Beachvolleyballplatz zwischen den Dünen noch immer unter Wasser steht, obwohl er weit hinter dem längst wieder trockenen Strandstreifen liegt.

Baden ist gar nicht so einfach, Wiebke und ich machen es trotzdem und es ist herrlich, aber immer mal wieder spült uns eine meterhohe Welle den feinen Sand überall hin oder zieht uns glatt die Beine weg 😉.

Am nächsten Tag wollen wir uns ein bisschen die Inselhauptstadt Las Palmas de GC ansehen. Um noch etwas von der Markthalle zu haben fahren wir früh los, sind dann aber von ihr nicht sehr beeindruckt. Das obere Stockwerk ist komplett geschlossen, Obst- und Gemüse-, Fleisch- und Fischstände buhlen nur im Erdgeschoss um die nicht sehr zahlreichen Kunden. Zwei Sachen sind gleichwohl interessant: zum einen scheint das Fischangebot sich zumindest jetzt doch deutlich von dem in spanischen Festlandsmarkthallen zu unterscheiden. Wir finden hier – wie übrigens auch in den Frischfisch-Bedientheken der hiesigen Supermärkte – keinen fangfrischen Thunfisch oder Schwertfisch am Stück. Lediglich von dem kleineren Bonito sehen wir ein paar Exemplare. Zum zweiten hinterlässt die Transatlantic-Segelregatta ARC sogar hier ihre Spuren. Ein Fleischstand wirbt mit dem Logo der ARC und auf Segler zugeschnittenen Servicediensten.

Später am großen Yachthafen von Las Palmas treffen wir die Crew der Segelyacht Morangie wieder. Wir haben die beiden jungen US-Amerikaner Maggie und Sam in einer Ankerbucht vor Sardinien kennengelernt, sie haben für das nächste halbe Jahr eine ähnliche Route wie wir. Jetzt ankern sie neben dem ARC-Hafen. Es ist schön, bei einem Kaffee mit ihnen zu schnacken, zu erfahren, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist und wie sich die weitere Reiseplanung konkretisiert.

Danach geht’s für uns hinauf in die Berge, diesmal ins Zentrum der Insel. Zunächst fahren wir hoch in das Örtchen Teror, das auf gut 500 m Höhe liegt. Hier soll die Jungfrau Maria (die deshalb wenn auch erst 1912 zur Schutzheiligen der Insel erklärt wurde) im Jahr 1481 in einem Pinienbaum einigen Bewohnen der Insel erschienen sein. Das liegt somit immerhin noch zwei Jahre vor der endgültigen Eroberung der Insel durch die Spanier, die diesem Wunder mit einer Basilika am Ort, Wallfahrten und jährlichen Feierlichkeiten gedenken.

Der Ort ist schön renoviert und viele Häuser weisen noch die ehemals hier auf den Kanaren so typischen Holzbalkone auf. Wunderschön ist auch der Vorplatz der Basilika, auf dem ein uralter riesiger Lorbeerbaum Schatten spendet.

Wir suchen uns ein kleines Café am Platz und genießen die empfohlenen Süßspeisen: Mandeltorte, Schokobrownie und vor allem Polvito Uruguayo (ein Keksbrösel-Sahne-Schaumgebäck), LECKER!

Auf der Weiterfahrt sehen wir neben zunehmend mehr Grün und wunderschönen hochgewachsenen Eukalyptus-Alleebäumen an der Straße auch bis hoch zum Gipfel immer wieder die Folgen der schlimmen Brände, die Gran Canaria im August getroffen haben.

Aber zum Glück ist nicht der ganze Nationalpark betroffen, weite Teile der Kiefernwälder sind intakt geblieben und auch viele Maronenbäume haben überlebt, wenngleich einige Stämme Brandschäden aufweisen und auch die Esskastanien selbst zum Teil (ob nun wegen der Feuer oder der allgemeinen Trockenheit) nicht alle voll ausgereift scheinen.

Als wir das Wahrzeichen Gran Canarias, den in über 1800 m Höhe aufragenden Basaltfelsen Roque Nublo (=Wolkenfels) erreichen, steht die Sonne schon tief und Dunst fängt an, sich über die herrliche Szenerie zu legen.

Auf der anderen Seite des Gebirges wechselt sofort wieder die Pflanzenwelt und über unzählige Serpentinen und vorbei an immer karger werdenden Schluchten fahren wir hinunter nach Maspalomas und im Dunkeln weiter nach Puerto de Mogán.

Schön, dass wir diese anderen Seiten von Gran Canaria auch noch entdecken durften, schließlich segeln wir jetzt schon wieder weiter. Wir freuen uns auf Teneriffa 😊.

Inseln des ewigen Frühlings?

Es ist wohl ein ziemlich trockener Frühlung, mit dem jedenfalls die östlichen Kanaren aufwarten, die Bezeichnung passt auf La Graciosa, Lanzarote und Fuerteventura allenfalls hinsichtlich der Temperatur. Frisches Grün dagegen: Fehlanzeige.

Aber jetzt und hier, auf Gran Canaria, da sollte das jahreszeitliche Attribut doch besser passen, oder ist es nur ein Werbelabel der Tourismusbranche? Gran Canaria ist hoch, erhebt sich fast 2.000 m aus dem Atlantik. Anders als auf den flacheren östlichen Inseln reicht das öfter, um die übers Meer ziehenden Wolken zum Abregnen anzuhalten oder zumindest dazu, ihre Feuchtigkeit als Nebelwolken in höheren Nordlagen der Insel zu schenken. So weit die Theorie. In den letzten Jahren hat das allerdings nicht ausreichend stattgefunden. Anfang August hatten die Staubecken einen kritischen Füllstand erreicht, waren zum Teil sogar ganz trockengefallen.

Wasserspeicher bei La Aldea in Gran Canarias Westen; der arme Schmetterling

Die Landwirtschaft ächzt unter Trockenheit, diesen Sommer haben schlimme Waldbrände Gran Canaria heimgesucht.

Wiebkes Mutter Uschi ist zu Gast. Hier im Süden ist es knochentrocken, obwohl wir untypisch diesiges Wetter haben und gelegentlich sogar ein paar Tropfen Regen fallen. Der wäscht aber nicht das Boot, sondern zementiert es nur mit dem in der Luft liegenden Staub. Grrr.

Mit dem Mietwagen fahren wir gemeinsam von Puerto de Mogán aus im Uhrzeigersinn um die Insel. In den Bergen und dann vor allem im Norden müsste es doch besser, will sagen: grüner werden.

Zunächst aber beschränkt sich das Grün weitestgehend auf einige Plantagen beim Ort Mogán und – neben wenigen Bäumen – auf leuchtendes Türkis im Fels beim Pass oberhalb des Dorfes.

Hinunter geht es Richtung La Aldea. Weit die Hänge hinauf ziehen sich die mit Stoffplanen abgedeckten Plantagen. Manchmal kann man einen Blick auf die darunter wachsenden Pflanzen erhaschen, wir erspähen Bananen und meinen auch Tomaten und Papayas zu erkennen.

Aber die Landschaft bleibt karg und die Planen-Wirtschaft erfreut unser Auge nicht wirklich. Wir halten bei einer kleinen, schön renovierten Windmühle (neben der auch das trockene Wasserbecken liegt). Leider ist das angeschlossene Ein-Raum-Mini-Museum geschlossen. Rätsel gibt uns auch auf, dass wir häufiger mitten im trockenen Berghang Schilf und Kakteen direkt beieinander sehen, es ist offenbar nicht immer so trocken wie jetzt.

Leicht macht es uns Gran Canaria weiterhin nicht. Die „30 km Panoramastraße“, laut Reiseführer eine der Top 10 – Sehenswürdigkeiten der Insel, mit mehreren „Miradores“, also Aussichtspunkten lässt bei diesem Wetter nur wenig Aussicht zu:

Ja klar, das ist Wetter, da kann die Insel nix dafür. Blöd aber, wenn auf dem höchsten Punkt der Straße, gleich hinter dem Aussichtsbalkon, plötzlich ein Sackgassenschild steht. Weiterfahrt gesperrt. Wieder ganz zurück und über die Autobahn, nur so kommen wir nach Agaete. 15 km hoch und wieder retour sind ja irgendwie auch 30 km Panoramastraße 😳.

Immerhin können wir neben jetzt trockenem, aber offensichtlich lebenswilligem Strauchwerk auch viele der von der Kanarenregierung zu pflanzlichen Natursymbolen Gran Canarias bestimmten Kanaren-Wolfsmilch sehen.

Strauchwerk
Kanaren-Wolfsmilch: sieht aus wie ein Kaktus, ist aber eine nur auf den Kanaren heimische Euphorbia, eben eine Wolfsmilch-Planze, deren Milchsaft stark giftig ist.

Am Ende der oft durch Tunnel verlaufenden Autobahn schrauben wir uns über Serpentinen auf einer schmalen Straße hinunter nach Puerto de Las Nieves bei Agaete, einem kleinen, ziemlich touristischen Fischerort, deren größte Sehenswürdigkeit, die „Dedo Del Dios“ (Finger Gottes) genannte Felsnadel allerdings schon vor einigen Jahren abgebrochen und ins Meer gestürzt ist. Wir essen in dem heute hauptsächlich als Fährort nach Teneriffa bekannten Fischerdörfchen (natürlich Fisch) und fahren dann an Las Palmas vorbei in einem großen Bogen auf der Autobahn Dreiviertel um die Insel herum schneller zurück, als wir für das erste Viertel hierhin über die gebirgige Küstenstraße gebraucht haben.

Das frühlingsfrische Grün hat sich ziemlich erfolgreich vor uns versteckt, aber in die Nordhänge des Inselgebirges haben wir es bei unserer Fahrt bisher auch noch nicht geschafft. 😉 Wir finden es erst in unserer Oase Puerto de Mogán wieder 😊.

Puerto de Mogán

Durch Sönkes Vermittlung hatten wir ja einen Hafenplatz in Puerto de Mogán im Südwesten von Gran Canaria bekommen.

Die Fahrt an Gran Canarias Südküste entlang erinnert, abgesehen von den Dünen bei Maspalomas, doch sehr an die spanische Südküste. Das ist nicht unbedingt ein Kompliment, auch hier finden sich diverse Hotelburgen, so auch noch in Taurito, in der Nachbarbucht direkt vor unserem Zielort.

Der Hafen von Puerto de Mogán dagegen ist kuschelig, in vielerlei Hinsicht. Beim Einlaufen in die uns zugewiesene Gasse fragen wir uns unwillkürlich, ob wir da mit Flora überhaupt hineinpassen. Das Gefühl verstärkt sich, als wir um die Ecke kommen und der Marinero uns in „unseren“ Liegeplatz winkt: die Lücke ist gerade zwei Meter breit, Flora aber gut vier. Das schiebt sich zurecht, signalisiert der Marinero. Na gut, der sollte seinen Hafen kennen. Vorsichtig drücken wir uns hinein, passt tatsächlich. 😊

Der Hafen ist so eng, dass für die äußeren Reihen kein Schwimmsteg vorgesehen ist, wir liegen mit dem Heck direkt am Kai. Das ist spannend, weil die Leinen erst einmal dem Tidenhub von gut 1,5 m angepasst werden müssen und es ja auch so sein sollte, dass wir von unserer Flora aus die an der Pier extra angebrachte Leiter auch einigermaßen erreichen können. Wir spielen ein bisschen mit den Mooringleinen am Bug und den beiden Heckleinen, dann klappt es sowohl bei Hochwasser (Bild oben) wie auch bei Niedrigwasser.

Blick von der Pier hinab bei Niedrigwasser

Die Hafenanlage in Puerto de Mogán wurde in den 80er Jahren um den bestehenden Fischerhafen herum komplett aus einem Guss gebaut und wirkt mit ihren maximal zweistöckigen Gebäuden und den engen Gassen trotz des einheitlichen Stils wie gewachsen. Die manchmal versetzte Bauweise, die verschiedenen Farben der Fenster- und Gebäudesimse und vor allem die üppige Bepflanzung tun ihre Wirkung.

Das umso mehr, als die Gassen oft von Bögen überspannt werden, an denen sich z.B die Bougainvillea (Drillingsblume) zu voller Pracht entfalten kann.

Etwas Nostalgie zeigt sich in einem dreidimensionalen Wandrelief mit dem Namen „El paseo de mis padres“ (der Weg meiner Eltern), der das alte Fischerdorf vor dem touristischen Umbau thematisiert:

(Damals noch 35 Grad, wir haben „nur“ 28 und ein Eisenwarengeschäft (Ferreteria) hat sich zwischen den Restaurants heute auch tatsächlich nicht mehr gefunden)

Aber Fische und Fischer gibt’s auch heute noch im Hafen:

Trotzdem, wenn man die vielstöckigen Hotelburgen der Nachbarschaft anschaut, z.B. das oben angesprochene Taurito …

… fühlt man sich in Puerto de Mogán doch kuschelig aufgehoben. Hyggelig, wie die Dänen sagen, vielleicht sind deshalb so auffallend viele von ihnen hier 😉.

Delfine

„Fair winds and following seas“. Genau so soll das.

Hatte ich gestern geschrieben. Und kurz danach gabˋs noch ein Sahnehäubchen obendrauf: Delfine. Hatten wir doch schon? Zum Glück ja, wunderschön z.B. am Dolphin-Day und auf der Passage nach Sizilien. Kann man aber nicht genug davon bekommen. Kaum zu glauben, welche Hochstimmung die Begegnung mit den Meeressäugern an Bord jedesmal auslöst. Und wenn sie dann noch ums Boot herumspielen und Faxen machen 😁

Filmchen dazu:

Heute sind wir nach dem Ankerstop im Süden Fuerteventuras schon sehr früh ausgelaufen, hinüber zu unserem Ziel Puerto de Mogán auf Gran Canaria sind es 80 sm. Der Wind ist wieder achterlich (wenn auch bisher meist zu leicht, um bei der Welle zu segeln), das Wetter schön und mit laufendem Motor produzieren wir auch Strom für den Wassermacher und füllen unsere Tanks, das Leitungswasser auf Lanzarote war uns zu stark mit Chlor versetzt. Delfine haben ich heute noch nicht gezeigt und die Angel ist heute scheinbar nur Dekoration, aber wir geben die Hoffnung nicht auf (sind ja noch einige Meilen und außerdem zehren wir immer noch von dem herrlichen Erlebnis gestern 😁).

Segeln und Abschied

Blauwassersegeln ist schön. Heute besonders, bei achterlichem Wind 💨, Schiebewelle, Sonnenschein.

„Fair winds and following seas“. Genau so soll das.

Und Blauwassersegeln bedeutet auch, viele spannende und völlig unterschiedliche Orte zu besuchen (wie zuletzt das blumige Madeira, das sandige Graciosa und das vulkanschwarze Lanzarote und ab morgen hoffentlich das ??? Gran Canaria). Es bedeutet, immer wieder neue Erfahrungen zu machen. Viele Menschen kennenzulernen, manchmal auch neue Freunde zu finden.

Und es bedeutet, immer wieder Abschied zu nehmen. Von Orten, aber mehr noch von Menschen. Das ist der weniger schöne Teil. Wir hatten Besuch: Wiedersehensfreude und – gefühlt nur kurz darauf – wieder Trennen. Und wir haben Segelfreunde wiedergetroffen, eigentlich schon ein paar Mal. Besonders ist es mit Doris und Christian. Kennengelernt haben wir die Crew der Dancing Pearl in Catania auf Sizilien, wiedergetroffen auf Sardinien, San Pietro, Menorca, Ibiza, in Gibraltar und jetzt auf Lanzarote. Haben herzhaft miteinander gelacht, ernste Gespräche geführt, die weit übers Segeln hinausgingen. Und wir haben uns verabschiedet. Schon oft, und jetzt schon wieder. Die beiden haben die schwere Entscheidung getroffen, ihre Reisepläne zu ändern und nicht in dem ihnen zur Verfügung stehenden Jahr über den Atlantik und zurück zu hetzen. Seitdem ist auch klar, dass unsere Reiserouten sich in nächster Zeit nicht mehr so oft kreuzen werden. Vielleicht noch einmal auf Teneriffa, hoffentlich.

Denkansätze zum Abtauchen

Hier auf Lanzarote gibt es ein Unterwassermuseum, das Muséo Atlántico Lanzarote, eigentlich eher ein Unterwasser-Skulpturenpark. Der Künstler Jason deCaires Taylor hat hier (wie auch in Grenada oder in Cancun, Mexico) lebensgroße Statuen gestaltet und am Meeresboden platziert, wobei er mit seiner Kunst auch politische und gesellschaftliche Denkanstöße gibt.

Besonders deutlich wird dies mit dem „Floß von Lampedusa“. Insbesondere im Zusammenspiel mit der daneben gestellten Gruppe, zwei gesichtslosen Menschen, die ein Selfie in Richtung des Bootes machen. Besonders zum Nachdenken anregend, wenn man selbst das Ganze ja auch gerade fotografiert. Aber auch die größte Skulptur, „Cruzando el Rubicón“ ist in ihrer Aussage deutlich. Eine große Gruppe Menschen strebt einem kleinen Tor in einem hohen Zaun zu, auch wir tauchen hindurch. Danach gibt es kein Zurück, der Rubikon ist überschritten, die Statuen auf der anderen Seite des Zauns sind anders gestaltet. Zum Teil Mischwesen etwa aus Kaktus und Mensch (am Ende gewinnt ohnehin stets die Natur, auch hier, die Statuen werden als künstliches Riff schon von Unterwasserpflanzen besiedelt). Zum Teil (in der Skulpturengruppe „Desregulado“) als Manager in Anzügen, deren „Spielzeuge“ oder Insignien sich verändert haben: Wippen aus Ölpumpen zum Beispiel oder Kravatten mit Galgenstrick-Knoten. Keine leichte Kost, wenn man sich gleichzeitig auf die Tarierung beim Tauchen konzentrieren muss 😉.

Auf der „Natur“-Seite des Zauns zeigen sich übrigens auch weitaus mehr Fische. Blöd nur, ausgerechnet auf diesem Tauchgang einen neuen Fotofilter an der GoPro auszuprobieren und die Aufnahmen nur so „na ja“ werden zu lassen. Grrr.

Übrigens heißt die Marina Rubicón wahrscheinlich nicht nach dem italienischen Fluss, den Cäsar mit seinen Truppen so bedeutungsvoll überschritten hat, sondern nach dem historischen Ort Rubicón, der als erster von den Europäern auf den Kanaren errichtet wurde und (wahrscheinlich) nach den im Abendlicht rötlich (rubicundus) wirkenden Vulkanbergen benannt wurde. Trotzdem hat uns das Wortspiel bezüglich des Unterwasserzaunes und auch die offensichtliche Bezugnahme auf Manriques Kunst (Kaktusgarten und Kunst-Natur/Natur-Kunst) wie das gesamte Muséo Atlántico sehr gefallen.

Und zwei tolle Nachrichten haben uns heute erreicht:

Sönke hat es geschafft, durch persönliche Ansprache im Marinabüro einen Platz für die Flora auf Gran Canaria (Puerto Mogán) zu reservieren, auf unsere Kontaktaufnahmeversuche aus der Ferne hatte man dort schlicht nicht reagiert. Aber da Wiebkes Mutter am Samstag auf Gran Canaria landet, war ein Marinaplatz für uns wichtig.

Aus Hamburg hat uns Bernd Bilder der am Hamburger Wahrzeichen, dem Michel, angebrachten Stiftertafel geschickt, als Abschiedsgeschenk der ADS-Kollegen ist dort für uns eine Widmung angebracht worden.

Ganz lieben Dank!

Ich seh´ schwarz

Neben dem Blau des Himmels und dem Weiß der Häuser ist schwarz hier auf Lanzarote die deutlich vorherrschende Farbe. Der Lavaboden der Insel zeigt sich häufig sehr dunkel. Streckenweise fahren wir mit unserem Mietwagen durch Landschaft, die wie Stein gewordene schorfig verbrannte Riesenhaut oder frisch umgebrochener, dann aber sofort versteinerter Marschboden wirkt.

Aber an anderer Stelle hat der schwarze Boden – jetzt feiner gemahlen – auch sein Gutes. Lanzarote verfügt kaum über nennenswerte Grundwasservorkommen und ist zudem extrem regenarm. Die Trinkwasserversorgung wird heute aufwendig über Meerwasserentsalzungsanlagen sichergestellt, die Landwirtschaft musste sich also früh etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Beispiel den Trockenfeldanbau. Und der funktioniert z.B. im Weinbaugebiet La Geria so:

Feiner schwarzer Aschesand, sogenannter Lapili, bildet eine dicke Deckschicht über dem fruchtbaren aber eben trockenen Vulkanboden. Am Lapili kondensiert die Nachtfeuchtigkeit und sinkt nach unten. Der Weinstock wird in einer künstlichen tiefen Mulde des Lapili gepflanzt, die zusätzlich noch von einer halbrunden und ohne Mörtel aufgeschichteten Lavasteinmauer gegen den Wind und die dadurch bedingte Austrocknung geschützt wird. Hektarertrag: nicht der Rede wert. Wahnsinnig viel Handarbeit? Ja! Wird seit Generationen so gemacht.

Meine Cuisine Elke und ihr Freund Uli sind zu Besuch, mit ihnen erkunden wir Lanzarote. Wir besuchen das bekannte Weinbaugebiet, die Feuerberge des Timanfaya-Nationalparks, wo thermische Anomalien in Erdlöchern von wenigen Metern Tiefe schon Temperaturen von einigen hundert Grad Celsius entstehen lassen. Uns Besuchern wird das eindrucksvoll mit sich selbst entzündenden Dornlattichbüschen demonstriert, Moses und der brennende Dornbusch lassen grüßen, aber der Timanfaya-Nationalpark hat für die Montaña del Fuego stattdessen trotzdem ein Teufelchen als Logo gewählt.

Weiter geht es hinunter ans Meer, wo die See mal an steil empor springende schwarze Felsen schlägt, in die für uns extra Besucherbalkone eingelassen sind, mal aber auch Surfern herrliche Brandungswellen vor sandigen Stränden bietet.

Manchmal zaubert es sogar Farbspiele wie den grünen See hinter dem schwarzen Sandstrand bei El Golfo.

Schwarz war auch die Gummidichtung für unser Vorluk (also das Fenster über der Vorschiffskoje). Jedenfalls ursprünglich mal. Inzwischen war sie eher Undichtung und zudem vom eingedrungenen Salz ziemlich grau geworden. Elke und Uli hatten vom Spezialhändler SVB aus Bremen eine neue Dichtung mitgebracht. Zwischen den Ausflügen auf Lanzarote war also mal wieder Handwerken angesagt.

⚠️ Gäste werden übrigens gnadenlos eingebunden ⚠️.

Der Rahmen des Lewmar-Luks ist geteilt und mit ein paar kleinen technischen Gemeinheiten versehen, aber: wir haben das gemeinsam hingekriegt und das Luk ist wieder dicht! Wasserstrahltest bestanden.

Dann also wieder Inselerkundung. 😊 Und dabei kommt man auf Lanzarote an einem Künstler auf keinen Fall vorbei. Wir besuchen das César Manrique Museum der gleichnamigen Fundación, den von ihm gestalteten Kaktusgarten und den ebenfalls von Manrique umgesetzten Aussichtspunkt Mirador Del Rio ganz im Norden der Insel. Neben vielem anderen ist besonders beeindruckend, wie Manrique immer wieder eine Einheit zwischen Umgebung, Natur und seinem Werk schafft, sei es bei den in Lavablasen eingebetteten Räumen seines Hauses, bei dem zudem die Lavafelsen gleichsam durch das Fenster hineingelassen werden, dem amphitheatrisch anmutenden Kaktusgarten In einem ehemaligen Steinbruch oder dem in die Steilwandkuppe eingelassenen Restaurant und Aussichtspunkt mit Blick hinüber nach La Graciosa. Manrique selbst prägte dafür den Ausdruck „Kunst-Natur/Natur-Kunst“.

Und so schafft es Manrique nebenbei auch, dass Lanzarote künstlerisch bei all dem Schwarz dann manchmal eben doch recht bunt daherkommt.