Verkriechen …

… können wir uns nicht, aber doch Schutz suchen. Für letzte Nacht und besonders für heute war und ist Mistral angesagt. Mistral? Das ist doch Starkwind im unteren Rhonetal, im Golfe du Lion, dem Löwengolf. Was hat das mit uns in Südsardinien zu tun? Einiges. Obwohl, genau genommen wird der Mistral in Sardinien „Maestrale“ genannt. Und vor dem haben wir ziemlichen Respekt. Hier mal die Windböen-Vorhersage für heute Nachmittag der Windy-App:

Was die Farben angeht: wir mögen es gerne grün, in Böen auch mal gelb.😊

Oben links sieht man den Löwengolf, in der Mitte erkennt man, wie sich der Wind zwischen Korsika und Sardinien durchquetscht. Und unten in der Mitte bei dem weißen Punkt sind wir, würden demnach Böen von 30 kn (Windstärke 7) abbekommen. Im blau-lila-farbenen Bereich wäre es Windstärke 9. auch die von uns abonnierte Wetterwelt-Vorhersage zeigt ähnliche Werte. Na gut, 30 kn haben wir auch schon auf der Schlei gehabt. Warum also so ein Bohei?

Zum einen, weil die dreißig Knoten genau auf die Nase wären. Zum zweiten, weil man auch einen Blick auf die Vorhersage der Wellen werfen sollte:

Och nee, muss nicht sein. Da machen wir uns doch lieber noch nicht auf den Weg weiter in Richtung Menorca, sondern suchen uns hier unten eine nach Westen (und auch Nordwest und Südwest) geschützte Ankerbucht.

Und so liegen wir seit gestern Mittag hier ganz herrlich in der Ankerbucht vor dem Hafen von Teulada. So dramatisch ist es hier ja gar nicht angesagt, wir haben trotzdem gestern ein bisschen aufgeklart. Der von uns so gern genutzte und deshalb meist (in seinem Segelsack) auf dem Vorschiff an der Reling angeschlagene Code0 ist in die Vorschiffskajüte gewandert, ebenso das zuletzt achtern an der Reling angebändselte SUP, aus dem jetzt die Luft wieder raus ist. Die Fender haben wir im aufgeholten Beiboot angebändselt. Sie haben ihren Platz eigentlich im Ankerkasten, wir möchten bloß für alle Fälle auch zu einem eventuelles Ankerauf-Manöver klar sein.

Aber gestern Abend sah es ganz friedlich aus.

Blieb es auch in der Nacht. Und auch heute ist es hier in der Ankerbucht recht entspannt. Nur hinter uns draußen in der Bucht sind die weißen Schaumkronen auf den Wellen gut zu erkennen, der Wind pfeift ordentlich in unserem Rigg und lässt unseren Windgenerator endlich mal zeigen, dass er auch richtig Strom produzieren kann.

In der Spitze hab ich in einer 25 kn Böe kurz sogar mal eine 18,2 für den Windgenerator gesehen. Übrigens, auf dem Display kann man nicht nur erkennen, dass die Sonne gerade 10,9 und der Wind 13,2 Ampere in unsere Batteriebank schaufeln, sondern auch, dass dort „nur“ 15,26 Ampere ankommen. Das ist zwar nur eine Momentaufnahme, trifft es aber ganz gut. Irgendwo wischen 9 und 10 Ampere liegt vor Anker unser Verbrauch, obwohl wir die Kühlschränke (die allerdings beide an sind) etwas wärmer gestellt haben als wenn wir am Landstrom sind. Die Navigationsgeräte einschließlich (auf dunkel gedimmtem) Plotter sind an, aber das war es auch schon an durchgängig eingeschalteten Verbrauchern. Unterwegs kommen natürlich noch der Autopilot als großer Verbraucher und nachts die Lichter hinzu, dann liegen wir also noch höher.

Wir nutzen die Zeit, um den Aufbau des Schiffes zu polieren. Das war dringend mal wieder nötig und es ist schon erstaunlich, was für einen Unterschied es ausmacht.

Vorher / nachher

Außerdem lesen wir, schnorcheln, dölmern so vor uns hin, schreiben Blogposts 😉 …

… und freuen uns, dass laut Vorhersage der stärkste Wind schon durch ist und wir uns wohl gar nicht soviel Gedanken hätten machen müssen. Andererseits: Respekt ist gut, Vorbereitung auch. Und gemütlich vor Anker liegen sowieso.

Cagliari

Heute haben wir uns dann doch mal von unserem tollen Ankerplatz vor Villasimius gelöst

und sind rund 20 sm weiter nach Cagliari herrlich gesegelt.

In Cagliari haben wir einen Mechaniker aufgetan, der sich hoffentlich morgen um unseren Windgenerator kümmern wird.

Wir haben dann heute Abend einen ersten Gang in die Stadt gemacht und freuen uns. Zwar ist es von der Marina aus ein ganzes Stück zu gehen (insgesamt hatten wir heute knapp 14 km Fußmarsch auf der Uhr (bzw. auf dem iPhone), aber der größere Teil des Weges in die Innenstadt ist eine schöne Promenade am Wasser entlang.

Zur Belohnung gab’s erstmal ein wieder SUPER LECKERES Eis

und dann einen Aperitivo in einer der vielen tollen Locations der Altstadt, bei uns war es ein palmenbestandener abgestufter Platz mit einer wundervollen Atmosphäre. Belebt und trotzdem nicht hektisch, sondern sehr entspannt.

Lecker war es auch noch. Und die Stimmung setzte sich beim weiteren Spazieren durch die Stadt so fort. Cagliari hat uns spontan in seinen Bann gezogen.

Südsardinien

Wenn es einem gefällt, einfach noch etwas bleiben. So haben wir uns das vorgestellt. Hier in der Carbonara-Bucht (die heißt wirklich so, schöne Grüße an Spliff und Danke für den Ohrwurm, den ich seit 1982 und jetzt erst recht nicht mehr aus dem Kopf bekomme). Also bleiben wir noch, gehen im Hafen Villasimius an Land und erkunden die Umgebung. Unsere Wanderung führt uns von unserer Ankerbucht im Hintergrund zuerst rund um den Salzwassersee (Mitte), der im Frühjahr und Frühsommer auch Flamingos beherbergen soll. Wir haben Glück, obwohl es ja schon Mitte Juli ist:

Weiter geht es am schönen, aber touristisch auch ziemlich belagerten Oststrand entlang. Was hier auffällt, sind die neben „sauberen“ Strandabschnitten immer wieder auftretenden Wolken von … tja, von was eigentlich. Es sieht braun aus, aber nicht wie Algen. Eher erinnert es an feinen Rindenmulch, nur faseriger. Und es ist durchsetzt mit wollartigen Bällen. Die kleineren erinnern an Kiwis, die größeren an kleine Kokosnüsse. Wenn sie auf dem Strand getrocknet liegen, sehen sie so aus:

Im Sardinien-Blog Pecora Nera habe ich die Auflösung des kleinen Rätsels gefunden, die braunen Bälle sind tatsächlich (wie von Wiebke schon vermutet) die verfilzten Reste aus Seegras oder Neptungras, auf Sardinien einfach Posidonia genannt (nach ihrem wissenschaftlichen Namen Posidonia oceanica). Und der sehr lesenswerte Blogbeitrag erklärt auch, warum die Bälle ein gutes Zeichen für die Wasserqualität sind, warum die Posidonia gefährdet ist und was wir Segler zu ihrem Schutz tun können (das allerdings dürfte für die meisten nicht neu sein).

Gestärkt durch ein Eis sind wir dann zunächst auf Ziegenpfaden durchs Dickicht

und dann auf kaum breiteren, aber oben offenen Eselspfaden (am Dung gut zu erkennen) hinauf zum Torre di Porto Giunco geklettert. Der Turm wurde in der spanischen Zeit um 1578 als Teil einer Kette von Wachttürmen zum Schutz vor Piraten errichtet. Hier noch mal der Blick zurück über den kleinen Salzwassersee zu unserem Ankerplatz:

Und da sind wir jetzt auch wieder und lassen es uns nach einem Bad im unfassbar klaren Wasser mittlerweile im Schatten von Bimini und Sonnensegel gut gehen.

Passatsegel

WARNHINWEIS FÜR NICHTSEGLER und NOCH-NICHT-SEGLER : Diesmal ein eher technischer Blogbeitrag!

Wir haben lange hin und her überlegt, welche Segelkonfiguration wir für die zu erwartenden langen Strecken mit achterlichem Wind (etwa die Atlantiküberquerung von den Kapverden aus) wählen sollen.

Variante 1: Die einfachste und günstigste Lösung wäre, einfach „Schmetterling“ zu segeln, also also das Groß auf der einen Seite und die ausgebaumte Genua auf der anderen Seite zu fahren. Vorteil: günstig. Nachteil: das Schiff rollt bei dieser Konfiguration stärker. Außerdem besteht die Gefahr einer Patenthalse mit entsprechender Riggbelastung und Risiken, trotz Sicherung des Groß durch einen Bullenstander.

Variante 2: Unser Furlex-Vorsegel-Profilvorstag hat zwei Nuten. In einer davon ist normalerweise die Genua (56 qm) angeschlagen. Eine zweite, gleichgroße Genua, eventuell aus etwas leichterem Material, in der zweiten Nut gefahren, beide zu unterschiedlichen Seiten ausgebaumt, quasi ein klassisches Passatsegel. Vorteil: zweite Genua als Backup, außerdem STUFENLOS REFFBAR. Allerdings haben wir als Backup für die Genua ohnehin noch eine (bisher fast unbenutzte) Fock. Nachteil: „Hop oder top“-Lösung. Ein Umbau ist für uns nur vor und nach dem langen Schlag vorstellbar, aber kaum unterwegs, zumal beide Segel gleichzeitig mit einem Fall hochgezogen werden müssen. Allerdings können theoretisch auf spitzeren Kursen beide Genuas übereinanderliegend auf einer Seite gefahren werden.

Variante 3: Blue Water Runner (=BWR). Der Segelmacher Elvström bietet ein spezielles Vormwind-/Passatsegel an, das auf einer Endlosrollanlage vor der Genua auf dem Bugspriet gefahren wird. Eine charmante Variante, da wir den geeigneten Bugspriet (für unseren Gennaker) ohnehin schon haben. Vorteil: einfach zu setzen und wieder wegzurollen, kann eventuell sogar ohne Ausbaumen gefahren werden. Nachteil (nach Auskunft Zweier verschiedener Elvström-Repräsentanten): das Segel kann nicht gerefft gefahren werden, bei einem Squall / Gewitter müsste es komplett weggerollt werden. Hier haben wir inzwischen aber auch gegenteiliges gehört. Eventuell könnte dann die (reffbare) Genua ausgerollt werden, wenn nicht die Schoten des BWR im Weg sind.

Variante 4: Parasailor oder ähnliches Segel. Vorteil: steht sehr ruhig, muss wenig nachgetrimmt werden. Nachteil: kann nicht gerefft werden (z.B. bei Squalls). Wird normalerweise allein, also ohne Großsegel gefahren, was das Wegnehmen bei plötzlich stark auffrischendem Wind erschweren dürfte. Wir haben außerdem mit unserem Furlström schon ein Leichtwindsegel ähnlicher Größe (144qm).

Variante 5, die wir letztlich gewählt haben: Code0 (80 qm) auf Endlos-Rollanlage für den Bugspriet. Erhoffter Vorteil: Mehrzweck-Einsatzmöglichkeit. Bei unserem ausgerüstet etwa 15 t schweren Fahrtenschiff sind wir bei leichten Winden (sofern wir kursbedingt nicht den Gennaker einsetzen können) eher untertakelt. Mit einem Code0 haben wir auf unserem vorigen Schiff (einer HR 342) sehr positive Erfahrungen gemacht, es hat sich schnell zu einem Lieblingssegel entwickelt. Allerdings haben wir diesmal für die Langfahrtvariante als Material kein CZ-Laminat gewählt, sondern mit Bainbridge MPEX 300 ein festes Spinnakernylon, 130g/m2, er kann bis etwa 20 kn AWS gefahren werden. Zudem haben wir das Schothorn mit Blick auf die Vormwindstrecken etwas höher schneidern lassen. Für Kurse sehr hoch am Wind ist das Segel nicht gedacht. Der Clou für uns sollte nun aber eben sein, dass wir auf längeren Vornwindstrecken den Code0 auf der einen Seite und gleichzeitig die Genua auf der anderen Seite ausbaumen und damit unsere „Passatbesegelung“ hätten. dabei könnte bei Squall-Gefahr der Code0 eingerollt und die Genua stufenlos gerefft werden. Nachteil: keinerlei Erfahrungswerte oder Erfahrungsberichte dazu. Quasi eine Blackbox in weiß 😉.

Den Code0 haben wir in den letzten drei Wochen intensiv im Einsatz gehabt, wie bei unserem vorigen Schiff hat er uns begeistert. Highlight war, dass er aus 6,5 kn wahrem Wind 4,5 kn Fahrt in unser schweres Dickschiff zauberte (bei seinem Lieblingswindwinkel von 60 Grad AWA).

Gestern und heute haben wir auf unserem Schlag von Sizilien nach Sardinien jetzt erstmals ausprobiert, ob wir ihn wie geplant auch als „Passatsegel“ einsetzen können: von drei Uhr nachmittags bis drei Uhr nachts stand er (gemeinsam mit der ebenfalls ausgebaumten Genua) ununterbrochen bei mal mehr, mal weniger Wind und Windwinkeln, die auf beiden Seiten zwischen 150 und 180 Grad pendelten, also letztlich um 60 Grad schwankten, ohne dass wir nachgetrimmt hätten. Und so sah das aus:

Hat Spaß gemacht!

Was so alles schief läuft

Wir sind eigentlich ganz zufrieden mit unserer Segelei.

Leider heißt das nicht, dass wir nicht auch reichlich dämliche Fehler begehen. Es heißt nur, dass wir uns davon bisher nicht unterkriegen lassen. Kleine Auswahl gefällig? Für die Nichtsegler gibt’s unten ein paar Begriffserklärungen.

Gestern Abend habe ich es nach dem Ankermanöver tatsächlich geschafft, die Kettenkralle (*1) über Bord gehen zu lassen, sie ist natürlich sofort auf den Grund gesunken. Wie blöd kann man sein? Also was macht der schusselige Skipper? Er springt hinterher. Immerhin denkt er noch daran, Hose (mit Handy drin), T-Shirt und Uhr vorher abzulegen. Noch kann er die Kettenkralle auf dem hellen Sandgrund in 6m Tiefe klar erkennen, aber schon schwoit das Boot weg. Also flott, Köpper gemacht, der im Sprung erkannten Qualle unter Wasser ausgewichen und Kralle gerettet. Puh.

Oder die Sache mit dem Benzinkannister. Wieso Benzin, unser Schiffsmotor ist doch ein Diesel?!?. Ja, schon. Aber der Außenbordmotor für das Dinghy (*2) braucht Benzin. Es gibt einen etwas größeren Tank im Dinghy und einen 5 l Reservekannister. Letzterer ist so konstruiert, dass der Verschluss, wenn man ihn ab- und umgedreht wieder draufschraubt, gleichzeitig einen Einfüllstutzen darstellt. Wenn der Kannister mit 5 l gefüllt ist und in der heißen Backskiste (*3) im Heck steht, kann das folgende passieren: beim Versuch, den Reservekannister zu öffnen, habe ich nicht erkannt, unter welchem Druck er stand. Resultat: Ralf von oben bis unten mit Benzin überschüttet. Zum Glück bin ich Nichtraucher 😤.

Und wo wir schon bei Sauereien sind, da war auch noch die Sache mit dem Backofenreiniger. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man das (chronisch eher schmutzige) Dinghy mit Backofenreiniger wunderbar sauber bekommen soll, ohne dass es davon angegriffen wird. In Griechenland hatte ich mangels Vokabelkenntnissen keinen gefunden, aber hier in Italien war unsere Suche bei einem Großeinkauf von Erfolg gekrönt. Aus irgendeinem Grund hat aber beim Transport im (wasserdichten) Rucksack die Flasche übel geleckt. Richtig doof wird es, wenn man beim Ausräumen des Rucksacks die halbe Wassermelone für den Übeltäter hält und deshalb ordentlich lange mit bloßen Händen in der ätzenden Pampe herumwühlt, statt gleich den ganzen Inhalt = halben Einkauf wegzuwerfen 😩.

Nicht sonderlich pfiffig ist es auch, beim früh morgendlichen Ankerauf-Manöver (in Taormina) leicht panisch festzustellen, dass das Ruder blockiert und man nicht lenken kann. Jedenfalls dann, wenn man nach dem folgenden Notanker-Mannöver erkennt, dass der Grund dafür ein ziemlich banaler ist: um den vergessenen Ankeralarm (*4) auszuschalten, hatte der Rudergänger kurz den Autopilot (*5) eingeschaltet, aber auch das – offenbar um 04.00 Uhr noch nicht richtig wach – gleich wieder vergessen. Merke: es ist sinnlos, am Steuerrad gegen den elektrohydraulischen Autopilot kämpfen zu wollen! Andererseits ist es auch ziemlich erleichternd, wenn man irgendwann doch erkennt, dass man sich weder im Dunkeln eine Leine eingefangen hat (Vermutung1) noch das Ruder defekt ist (Vermutung2).

Überhaupt, die Helferlein: mit dem Bugstrahlruder (*6) sind wir auch noch nicht so richtig vertraut, auf unseren vorherigen Schiffen hatten wir keines. Wenn man die Flora im Hafen schon festgemacht hat (mit dem Heck an der Pier, mit dem Bug an Moorings (*7), aber auf der einen Seite sehr dicht am Nachbarschiff liegt ist es keine gute Idee, sich mit dem Bugstrahlruder etwas von dem Nachbarschiff wegzudrücken um die gegenüberliegende Mooringleinen durchzusetzen. Tut man es trotzdem, so wie wir in Palermo, kann der Propeller die Mooringleine wunderbar ansaugen. Dann darf man ins Hafenwasser steigen und schnorchelnd versuchen, die Leine wieder freizubekommen (hat zum Glück geklappt, die dicke Mooring hatte sich nur hinter dem Schutzgitter des Bugstrahlruders verhakt, pfffff).

Das war natürlich bei weitem nicht alles (z.B noch Ankerfernbedienung geflutet, Bugspriet nach dem Polieren nicht richtig befestigt, Endlosrolle Code0 verkehrt herum angeschlagen), aber es soll zur Illustration erst mal reichen.

Worauf es ankommt: wir haben trotzdem GANZ VIEL SPAß! Und wir verwenden viel Mühe darauf, jedesmal zumindest NEUE Fehler zu machen.

😀😂😀

(*1) KETTENKRALLE: ist tatsächlich so etwas wie eine Kralle mit zwei Leinen daran. Die Kralle wird auf die Ankerkette gesetzt, die Leinen auf den Klampen am Bug des Schiffes belegt. Dann wird die Ankerkette gefiert, also etwas mehr Kette gegeben. Der Effekt ist, das die Last jetzt auf den Leinen und damit den festen Klampen liegt und nicht mehr von der Kette auf die Ankerwinsch belastet wird. Auch das Einrücken bei Welle am Ankerplatz wird dadurch gedämpft.

(*2) DINGHY: unser Beiboot, ein Schlauchboot. Vom Vorbesitzer des Schiffes mit 3,40 m Länge vielleicht etwas üppig dimensioniert, ebenso wie der dafür verwendete Außenbordmotor mit 20 PS.

(3*) BACKSKISTE: von außen mit einer Klappe zugänglicher Stauraum des Schiffes. Wir haben eine große und tiefe Backskiste im Cockpit (also da, wo man draußen sitzt) und zwei ebenfalls recht große aber flachere Backskisten im Heck der Flora.

(*4) ANKERALARM: man kann auf dem Plotter (entspricht grob dem Navi im Auto, kann aber noch eine Menge mehr) beim Ankern einen Warnkreis eingeben, dessen Radius man idealerweise etwas größer wählt als die Länge der verwendeten Ankerkette. Bewegt sich das Boot aus dem Kreis heraus, gibt der Plotter optisch und akustisch Alarm. Man sollte also den Ankeralarm ausstellen, bevor man wieder losfährt.

(*5) AUTOPILOT: ist man mit kleiner Crew unterwegs, wäre es sehr anstrengend, wenn einer der Crew stets das Steuerrad bedienen müsste. Auf der Flora gibt es deshalb einen an die Instrumente und einen elektronischen Kompass gekoppelten Autopiloten, der z.B. dafür sorgt, dass das Schiff einen eingegebenen Kompasskurs steuert. Ausguck muss man natürlich trotzdem halten.

(*6) BUGSTRAHLRUDER: auch Querstrahlruder genannt, was es eigentlich ganz gut trifft. Vom Steuerstand der Flora aus kann man einen Propeller bedienen, der in einem Unterwassertunnel quer durch den vorderen Bereich des Schiffes sitzt. Bei Stillstand des Schiffes oder ganz langsamer Fahrt kann man damit den Bug des Schiffes zu einer Seite hin manövrieren.

(*7) MOORING: hier im Mittelmeer ist es üblich, dass der Bug im Hafen mit einer oder zwei Mooringleinen festgemacht wird. Die Leinen sind am Grund des Hafens (meist an schweren Betonblöcken) befestigt. Eine dünne Leine führt von der Pier aus zu der Mooringleine. Diese dünne Leine nimmt man auf oder sie wird einem von einem freundlichen Mitarbeiter des Hafens gegeben. Man geht dann auf dem Schiff nach vorn und zieht dabei mit der dünnen Leine die Mooringleine hoch, die man auf der Bugklampe des Schiffes stramm befestigt.

Palermo

Palermo zeigt uns sehr unterschiedliche Gesichter. Unsere moderne Marina Villa Igiea liegt am westlichen Rand des Industriehafens, ein bisschen Wirtschaftsromantik mit Kranpanorama ist also inclusive.

Ganz viel bekommen wir ansonsten aber nicht von unserem Nachbarn mit. Auf dem Werftgelände herrscht alles andere als hektische Betriebsamkeit – ganz im Gegensatz zum Stadtverkehr, den wir am Donnerstag mit dem Mietwagen intensiv erleben durften. Süditalienische Fahrdynamik überall um uns herum, ein Erlebnis der besonderen Art insbesondere für unsere Nichte Emma, die gerade Ihren Moped-Führerschein bestanden hat. Einen kleinen Renault Clio hatten wir gemietet, um Emma und Emil zurück zum Flughafen nach Catania zu bringen. Unfassbar, wie schnell die knapp zwei Wochen mit den beiden vergangen sind.

Eben auch die Zeit in Palermo. Montag waren wir hier angekommen, hatten da aber nur die nähere Umgebung unserer Marina erkundet, kein sonderlich sehenswertes Pflaster. Gerade hierher verschlagen hat uns eigentlich auch nur, dass unser Mastervolt-Händler aus Griechenland uns das notwendige Austauschteil für den bei ihm neu erstandenen Silentwind-Windgenerator hierher geschickt hat und wir dafür in dieser Marina reservieren mussten. Wir haben erst später herausgefunden, dass sie eine der teureren Liegeplatzmöglichkeiten hier darstellt und zudem eben ziemlich weit vom Stadtzentrum entfernt liegt. Letzteres ist aber nicht so wild, sowohl mit Taxi als auch mit dem Bus (Haltestelle direkt vor der Marina) kommt man da ganz gut hin. Das Ersatzteil (das die Umrüstung des in Griechenland irrtümlich eingebauten 24-Volt-Generators auf unser 12-Volt-Bordnetz ermöglicht) ist jetzt an Bord, installiert ist es nicht, weil der Verkäufer keinen deutsch- oder englischsprachigen kompetenten italienischen Elektriker hier organisiert bekam 🤨.

Dienstag haben wir die Busfahrt gewählt, sind allerdings noch vor dem Zentrum ausgestiegen, um bei einem Schiffsausrüster eine neue Ankerfernbedienung mit Kettenzählwerk zu kaufen, bzw. zu bestellen (habe ich heute Abend eingebaut). Die alte hatte leider mit einem Wasserschaden das Zeitliche gesegnet.

Das hat uns einen längeren Fußmarsch durch verschiedenste Teile Palermos beschert, den Blick auf einige wunderschöne Gebäude

hier z.B. das Garibaldi Theater, natürlich haben wir auch den Dom besichtigt und der Oper unsere Aufwartung gemacht. Aber eben noch viel viel mehr Gebäude gesehen, für die eher das folgende Foto repräsentativ ist:

Und die meiste Zeit über hing zudem ein unangenehmer Geruch in der Luft, zudem lag viel Müll und insbesondere immer wieder auch Essensreste herum. Das könnte eventuell damit zusammenhängen, dass wir das Riesenfest zu Ehren der Stadtheiligen Santa Rosalia knapp verpasst haben und die Stadtreinigung durch die Megaparty ein wenig ins Hintertreffen geraten war. Es hat es uns aber tatsächlich schwer gemacht uns wirklich für Palermo zu begeistern, obwohl auch hier wieder der sehr lebendige und weitläufige, in Teilen fast orientalisch anmutende Markt spannend war.

Aber ein Tag geballte Großstadtladung war Emma und Emil genug. Mittwoch sind wir deshalb zumeist auf der Flora geblieben, dabei gab es ein ganz anderes „Highlight“ für unsere Gäste: Nachdem die Flora ja über zwei Spibäume, aber nur einen Topnant (der den Spibaum bei dessen Einsatz nach oben hin hält) verfügt, habe ich im Masttop in fast 20 m Höhe das Ersatz-Genuafall eingezogen. Es kann auch als zweiter Topnant eingesetzt werden, z.B. wenn wir Code0 und Genua gemeinsam als Passatsegel fahren wollen.

Das Einziehen des Falls gestaltete sich einfach, weil im Mast bereits eine dünne Sorgleine vorhanden war. Diese musste ich nur an das eine Ende des neuen Falls nähen und konnte dann mit der Sorgleine das Fall durch den Mast zum oben Austritt ziehen.

Natürlich haben Emma und Emil beim Sichern (mit dem Spi-Fall) geholfen. Die eigentliche „Hochzieharbeit“ bei meinem Gewicht hat aber Wiebke über die in den Umlenkungen des Großsegelausholers umgeschorene Dirk (die Leine, die oben vom Mast zum hinteren Ende des Großbaumes führt) mit der elektrischen Genuawinsch erledigt. So geht das recht einfach.

Und deshalb haben wir auf ihren Wunsch hin auch die sonst eigentlich von Höhenangst geplagten Emma und Emil (gut gesichert im speziellen Klettergurt) in den Mast gezogen. Es war toll zu sehen, wie die beiden sich ihrer Angst gestellt und ihre Grenzen nach und nach immer ein Stück weiter in die Höhe verschoben haben. Großes Kompliment!

Der Donnerstag ist fast komplett mit der Autofahrt Palermo – Catania – Palermo, der Wartezeit in Catania am Flughafen und dem Großeinkauf („wo wir doch gerade mal ein Auto haben“) draufgegangen. Wobei die doppelte Fahrt quer durch Sizilien uns viel Spaß gemacht hat und einen ganz anderen, eben in doppelter Hinsicht ländlichen Eindruck dieser Insel vermittelt hat.

Filicudi und Cefalu

Filicudi ist die letzte der Äolischen Inseln, die wir besuchen. Von Panarea aus segeln wir nördlich an Salina vorbei, passieren dabei mit Secca del Capo recht nah einen Unterwasservulkan, der es nur ganz knapp (bis auf 6 m) nicht an die Oberfläche geschafft hat, und wir bewundern den Felsenbogen an der Punta Persiato im Nordwesten von Salina.

Eigentlich ist der Ankerplatz von Filicudi Porto (jedenfalls nach unserer aktuellen Navionics Seekarte) zwischen ein Sperrgebiet am östlichen Kap der Insel und ein weiteres Ankerverbotsgebiet rund um ein Wrack gequetscht, aber das scheint hier niemanden zu kümmern. Wir haben aber ohnehin das Glück, dass direkt bei unserer Ankunft ein Motorboot genau im von uns anvisierten Gebiet ankerauf geht. Der Ankergrund ist auf rund 10 m Wassertiefe perfekter Sand, näher am Strand sehen wir beim Schnorcheln dagegen ziemlich steinigen Grund.

Eine Infotafel auf Filicudi macht uns darauf aufmerksam, dass die Insel von der Unesco auf die Liste des Welterbes der Menschheit gesetzt wurde.

Allerdings bezieht sich das nicht auf die Insel allein, sondern auf die Äolischen Inseln insgesamt, die wegen ihrer vulkanischen Entstehung und der an ihnen vorgenommenen und fortdauernden Untersuchungen der vulkanischen Energie zum Weltnaturerbe erkoren wurden. Allzu viel scheint sich aber jedenfalls für Filicudi durch die Aufnahme auf die Unesco-Liste nicht geändert zu haben.

Es fällt auf, dass viele Fischer des Ortes noch immer ihre Boote nach alter Sitte mit Taljen über Holzbohlen hoch auf den den steinigen Strand ziehen. Das Bojenfeld vor der Hafenmole dagegen ist mit moderneren Booten besetzt, auch Yachten können hier für 60 Euro pro Nacht eine Boje mieten. Ankern geht aber auch 😉.

Die Hafenzeile des Ortes gibt sich am Abend durchaus belebt, es gibt zwei Restaurants, einen kleinen Supermarkt und sogar einen kleinen Laden der Schiffszubehör anbietet, aber trotzdem wirkt die Kulisse – wie das Kulturerbeschild auch – ein wenig angestaubt.

Beeindruckender ist dagegen, wie offenbar Generationen von Inselbewohnern die früher dicht mit Farn bewachsenen steilen Berghänge der Insel durch Steinmauern terrassiert haben, um Ackerbau betreiben zu können. Diese Form der Selbstversorgung steht heute für die nur rund 250 dauerhaften Bewohner der Insel nicht mehr so im Fokus, viele der Steinmauern werden nicht mehr gepflegt, rutschen teilweise ab und die Natur erobert sich das Terrain zurück.

Die Insel ist von steingepflasterten Mautierpfaden durchzogen und soll sich für Wanderungen anbieten, aber der Crew steht nicht der Sinn danach. So geht es am nächsten Morgen weiter, diesmal zurück nach Sizilien.

Unser Ziel ist Cefalu, eine mittelalterliche Stadt etwa in der Mitte der Nordküste Siziliens. Die Altstadt ist geprägt durch einen imposanten Normannischen Dom, dessen Bau auf das Jahr 1133 zurückgeht und der beeindruckende Goldmosaiken beherbergt.

Und trotzdem, als wir uns dem Ort nähern, scheint sich die gesamte Stadt in den Schatten des 270 m hohen Kalkfelsens zu ducken, an den sie gebaut wurde.

Doris und Christian von der Dancing Pearl hatten in der vorigen Nacht vor dem Strand am Rande der Altstadt geankert und schilderten das wegen des Schwells als Horrornacht. Sie rieten uns, lieben in den Hafen auf der anderen Seite des Kalkfelsens zu gehen. Haben wir natürlich gemacht.

Tatsächlich scheinen die Hafenmole auf der einen Seite und die malerisch ruinenbestandenen Felsen auf der gegenüberliegenden einen recht guten Schutz zu bieten. Leider gilt das aber nicht für Schwell aus Nordosten. Genau der stellte sich blöderweise recht heftig ein, gepaart mit einem knackigen Gewitter. Es wurde also auch für uns und unsere Gäste eine eher unruhige Nacht.

Obwohl wir Cefalu schon recht ausführlich durchstreift hatten, wären wir gerne noch länger geblieben und hätten uns das touristisch ziemlich erschlossene Städtchen, das sich trotzdem viel Charme erhalten hat, gerne noch intensiver angesehen. Aber diesmal machte uns der Wetterbericht einen Strich durch die Rechnung.

Meine Ex-Kollegin Anja hatte uns dankenswerterweise eine Sturmwarnung für Italien und Griechenland weitergeleitet. Da haben wir uns mit dem Wetter der nächsten Tage natürlich noch etwas intensiver beschäftigt. Zwar konnten wir hinsichtlich des eigentlichen Medicanes für unser Gebiet Entwarnung geben, aber für den für Dienstag geplanten Sprung nach Palermo zeichneten sich trotzdem fieser Gegenwind mit bis zu 35 kn ab. Eindeutig nicht das, was man sich wünscht. Also früher los, nämlich schon heute. Tatsächlich konnten wir erst herrlich segeln, wieder einmal mit unserem Code0, dem Spaß-Segel. Dann drehte der Wind, kam direkt von achtern und so konnten mal wieder was Neues ausprobieren. Schmetterlingssegeln mit ausgebaumtem Code0, schließlich soll das Segel ja auch eventuell als die eine Hälfte des Passatsegels herhalten (die auf der anderen Seite ausgebaumte Genua wäre dann die zweite Hälfte). Wir spielten noch etwas mit den verschiedenen einzusetzenden Leinen herum (neben der Schot noch Topnant, vorlicher und achterlicher Niederholer) herum und das Ergebnis konnte sich sehen lassen, obwohl wir an den Details noch weiter feilen werden:

Im Ergebnis führt diese Leinenkombination dazu, dass wir den Code0 einfach einrollen können, ohne den Baum und die ihn haltenden Leinen bedienen zu müssen.

Sieht dann zwar ein bisschen wie ein Spinnennetz aus, ist aber ungemein praktisch:

Vor allem, wenn man die Konstruktion länger stehen lassen kann 😉. Wenn wie bei uns heute dann allerdings zunehmender Wind auf die Nase mit gemeiner Welle von vorn folgen, baut man es doch besser schnell wieder zurück. Wir sind jedenfalls heile in Palermo angekommen.

Salina und Panarea (und Stromboli aus der Ferne)

Die Hitze und die Trockenheit hier führen offenbar zu zahlreichen Bränden, die an den steilen Berghängen nur schwer gelöscht werden können, wir sehen das fast jeden Tag. So auch bei unserem Törn von Vulcano nach Salina: wir segeln östlich an der Insel Lipari vorbei. Auf Höhe des gleichnamigen Hauptortes der Insel kommt von hinten ein auffällig gelb-rotes Flugzeug auf, touchiert mehrfach das Wasser um die Tanks zu füllen, steigt dann wieder auf und dreht in Richtung eines Brandes jenseits des Gebirgskammes hinter der Stadt ab, wo wir nur eine große Rauchwolke sehen. Das Schauspiel mit dem Löschflugzeug wiederholt sich vor der berühmten Burgruine der größten Stadt der Inselgruppe gleich mehrfach.

Auch vor Gallipoli hatten wir dieses Schauspiel (und auch das Abwerfen des Löschwassers) schon beobachten können, dort jedoch aus weit größerer Entfernung.

Nördlich um Lipari herum segeln wir zur etwas westlich gelegenen Insel Salina mit den erloschenen Zwillingsvulkanen, wo wir auf rund 7 m Wassertiefe einen Ankerplatz vor der Steilküste südlich des Hafens Santa Marina Salina finden, wie an einer doppelten Perlenkette liegen hier die Schiffe nebeneinander. Das Wasser ist so klar das wir beim Baden und Schnorcheln über dem felsigen, mit Seegras und kleinen Sandflecken durchsetzten Grund viele Fische sehen können. Aber auch hier gibt es jedenfalls tagsüber wieder durch den stetigen Fährverkehr des nahen Hafens einigen Schwell.

Nach dem Morgenbad geht es deshalb am nächsten Tag weiter nach Panarea, der ältesten Insel des Äolischen (oder auch Liparischen) Archipels. Emma und Emil fahren erstmals das Ankerauf-Manöver und machen das gut. Bei wenig Wind segeln wir zunächst mit Code0, später muss dann doch der Motor ran. Aber die Strecke ist kurz, nur 11 sm, dann sind wir schon in der Caletta dei Zimmari angekommen, der Anker fällt in wieder traumhaft klarem Wasser auf 10 m Wassertiefe. Insgesamt ist der Ankerplatz keineswegs überfüllt, wir sind positiv überrascht. Diverse Boote ankern auch tiefer in der Bucht in seichterem Wasser, dann lässt sich allerdings der formal geforderte Mindestabstand zum Strand nicht einhalten. Tatsächlich erscheint auch ein Boot der Guardia Costiera, aber hier kümmert es sich nicht um die Yachten sondern verscheucht nur die sehr dicht am Strand ankernden Dinghys und kleinen Motorboote. Und noch ein Boot erscheint: ein Eisboot bietet besonderen Service für die Ankerlieger.

Wir denken aber, dass wir ein italienisches Gelato besser im Ort bekommen und machen mit dem Dinghy einen Ausflug in den gut eine Seemeile entfernten Ort San Pietro Panarea. uns erwartet ein schnuckeliges Örtchen, dass mit seinen fast durchweg weißen Häusern fast den Eindruck vermittelt, wir hätten uns nach Griechenland verirrt.

und auch bei näherer Betrachtung gefällt San Pietro, überall finden sich liebevolle Details wie dieser Kachelspiegel mit den historischen Inselnamen

oder nette Dekorationen.

Und immer wieder ergeben sich auch durch Gassen und Feigenbäume hindurch Ausblicke zur Nachbarinsel Stromboli.

Jetzt scheint sie ruhig dazuliegen aber in gar nicht so großen Abständen steigen dunkelgraue Aschewolken von ihr auf. Gestern Nacht konnten wir selbst von Salina aus mit bloßem Auge die nachts rot leuchtenden Fontänen der ziemlich regelmäßigen Eruptionen des von dort rund 21 sm entfernten aktiven Vulkans Stromboli beobachten. Ein imposanter Anblick und zugleich eine sehr deutliche Erinnerung, welche immensen Kräfte der Natur diese Inselgruppe entstehen ließen und noch immer hier wirken.

Vulcano

Überall um unser Schiff schwimmen STEINE. Die meisten sind eher klein, irgendwo zwischen Kiesel und grobem Sand. Es hat tatsächlich ziemlich lange gedauert, bis wir überhaupt begriffen haben, dass dieses braune Zeug kein Algen-Schmodder ist. Erst als uns die Hitze und eine relativ saubere Wasseroberfläche hineingetrieben haben, hat es „klick“ gemacht. Aber auf einer Insel, die sogar Vulcano heißt, dürfte man sich über die vulkanischen Bimssteine eigentlich nicht wundern.

Trotzdem fühlt es sich seltsam an MIT Steinen zu schwimmen.

Den Herkunftsort des Bims haben wir heute näher erkundet. Die Wanderschuhe an, ordentlich Wasser eingepackt und früh los, bevor es richtig warm wurde. Gleich hinter dem Ort Vulcano Porto, an dem unsere Ankerbucht liegt, zweigt ein Wanderweg ab. Der Pfad führt recht steil bergauf, aber der zunächst recht lose Sand wird mit zunehmender Höhe fester und schon nach einer Stunde steht man am Kraterrand in knapp 400 m Höhe.

Oben angekommen werden wir von wabernden gelben Schwefelschwaden begrüßt, die der Wind aber von uns weg drückt, der Geruch bleibt erträglich.

Und der Blick hätte sowieso einige Belästigung der Nase wettgemacht: vor uns breitet sich jenseits der schwefeligen Kraterkante links die Ankerbucht Porto di Poniente gegenüber unserer Ankerbucht Porto di Levante aus, dahinter liegt die Halbinsel Vulcanello. Die nächste Insel ist Lipari, Namensgeberin der Inselgruppe. Hinter ihr kann man links Salina und rechts im Dunst Panarea erkennen. Außerhalb des Bildes könnte man noch Filicudi und Stromboli ausmachen.

Wieder zurück an Bord pfeifen bald die angekündigten kräftigen Böen in unser Rigg und sorgen für weitere Schaukelei. Zusätzlich insofern, als der Fährverkehr hier in Anbetracht der kleinen Insel mit nur 470 Einwohnern ungeahnte Ausmaße hat, alle Naselang rauscht eine foilende Hochgeschwindigkeitsfähre (die uns schon bei der Anfahrt mit über 30 kn um die Ohren sausten) nah am Ankerfeld in Richtung Hafen oder eben wieder hinaus.

Die Rasekisten kennen wir schon aus Griechenland, dort werden sie „Dolphin“ genannt. Was wir aber bisher noch nicht kannten, sind eine andere Art äußerst skurriler Schiffe: Schwertfischfänger sind hier in der Gegend sehr verbreitet, im Hafen von Scilla lagen gleich drei von ihnen. Ein hoher Ausguck wie ein Strommast, der gleichzeitig die Verspannung für einen absurd lang erscheinenden Bugspriet trägt. Von diesem Laufsteg aus werden dann die zuvor von oben erspähten Schwertfische harpuniert.

Heute Abend gibts bei uns aber keinen Schwertfisch, sondern Thunfisch. Ein örtlicher Fischer kam mit seinem Boot längsseits und bot von dem Tagesfang an. Wir schlugen zu, denn trotz neuer Angel als Geburtstagsgeschenk hat es mit dem eigenen Fang leider noch nicht geklappt. Aber ich bleibe dran!

Von Taormina nach Scilla

Die Bucht vor Taormina ist ziemlich belebt, trotzdem kann man die teuren Muringbojen in der Nordwestecke vermeiden, wir fanden etwas südlicher und nur wenig weiter draußen auf 13 m Wassertiefe einen guten Ankerplatz. Tagsüber ist die Bucht zudem von Jetskifahrern und herumsausenden Motorbooten bevölkert, man kann wohl beide im Küstenörtchen Giardini Naxos mieten. Das schlägt im Wortsinn einige Wellen, aber pünktlich zum (wegen der dazwischenlegendes Berge recht frühen) Sonnenuntergang kehrt Ruhe ein und man kann den spektakulären Blick hoch zum in den steilen Berg gebauten Ort Taormina genießen.

Am nächsten Morgen suchen wir zunächst vergeblich nach einem Anlandeplatz für unser Dinghy, am Ende bleibt uns nichts anderes als es etwas abseits zwischen den Felsen auf den Kiesstrand zu ziehen. Nicht ideal, aber es geht.

Zunächst müssen wir die Bahnlinie unterqueren, auch das bietet Herausforderungen. Denn alle Tunnel die wir ausmachen sind reine Entwässerungstunnel für Starkregen. Nach der Bahnunterführung steigen sie steil an und bieten nur kleine Nebeneingänge zu Privatgärten. Erst viel weiter südlich beim Beach Club werden wir fündig, hier bietet sich hinter dem zu durchquerenden Entwässerungstunnel die Möglichkeit, nach oben zu der Straße zu gelangen.

Und dort gibt es auch gleich eine Bushaltestelle. Allerdings rauscht der erste der viertelstündlichen Busse gleich durch, proppenvoll. Noch ein bisschen länger in der Hitze warten, aber Emma und Emil halten sich tapfer. Und dann schraubt sich der Bus die schmalen Serpentinen hinauf, immer wieder mit tollen Ausblicken auf unsere Ankerbucht und auf die Isola Bella auf der anderen Seite des Kaps. Oben in Taormina ist es immer noch heiß und der Ort touristisch gut besucht, aber erstaunlicherweise ist das berühmte Amphitheater keineswegs überlaufen. Außerdem sparen wir auch noch 40,-€, denn der Eintritt ist heute frei, wohl wegen des noch andauernden Abbaus der Bühne der Filmfestspiele, die hier bis gestern stattfanden. Der Ausblick des in seinen Ursprüngen um 300 vor Christus gebauten Theaters hinüber bis zum Ätna ist so beeindruckend, dass Goethe Taormina gleich einige Seiten seiner Italienischen Reise widmete.

Und auch der Ort selbst hat abseits der touristischen Hauptfußgängerzone schöne ruhige Ecken, sogar einen kleinen schattigen Park, und er bietet immer wieder tolle Ausblicke hinunter auf unseren wuseligen Ankerplatz.

Abends haben wir dann noch Besuch an Bord: Doris und Christian mit der Dancing Pearl sind eingetroffen und haben neben uns geankert. Wir hatten die beiden in Catania kennengelernt, sie wollen eine einjährige Atlantikrunde machen. Für die nächsten Monate werden wir einen ganz ähnlichen Kurs haben.

Hoffentlich treffen wir die beiden noch öfter. Von ihnen haben wir auch den Tip für http://www.correntidellostretti.it, einer Webseite, die die Strömung in der Straße von Messina anzeigt. Deren Studium sorgt dafür, dass wir am nächsten Morgen schon um vier Uhr ankerauf gehen. Währen wir wie üblich einfach gegen 10 losgefahren, hätte uns in der engsten Stelle eine Gegenströmung von viereinhalb Knoten empfangen:

So dagegen rauschen wir mit über neun Knoten über Grund bei drei Knoten mitsetzendem Strom am Punta Pezzo vorbei, nachdem wir zuvor beim für uns arabisch anmutenden Leuchtturm von Messina die gleichnamige Straße und damit das Verkehrstrennungsgebiet überquert haben.

Schon gegen 11 Uhr ankern wir dann vor Scilla. In einer Höhle unter dem Burgberg soll das sechsköpfige Ungeheuer hausen, das sechs von Odysseus‘ Gefährten verschlungen hat als er den Strudeln der gegenüberliegenden Charybdis auswich.

Zum Glück hat im Jahr 1783 ein Erdbeben die Struktur des Meeresbodens in der Straße von Messina verändert und die (immer noch sichtbaren) Strudel entschärft.

Den ganz heißen Nachmittag verschlafen wir, als wir abends durch das Gassengewirr zum Einkaufen hinauf in die Oberstadt kraxeln, schlaucht uns das trotzdem noch sehr. Trotzdem schade, dass wir die Hälfte der eingekauften Lebensmittel wegen eines ausgelaufenen ebenfalls eingekauften ätzenden Reinigers gleich wieder wegwerfen müssen. Und auch die echte italienische Pizza im Restaurant hoch überm Hafen mit Blick auf unser Boot können wir nur bedingt genießen, plötzliche Verdauungsprobleme stellen sich ein. War es das zuvor genossene Eis? Wie dem auch sei, heute geht’s den davon betroffenen wieder besser.