Dolphin-Day

Was denn, schon wieder ein Post in diesem Blog? Ja, den hier kann ich nicht aufschieben. Denn für heute stand eigentlich nur ein kurzer Hüpfer an, rund 40 sm herüber von Porto Santo nach Funchal auf Madeira.

Um halb acht ging’s los, um acht Uhr war dann Sonnenaufgang auf See. Und kurz danach begrüßten uns die ersten Delfine, ein großer Tümmler zeigte sich sogar ganz nah am Boot, wenn auch nur kurz.

Zwar war erst gegen 10.00 genug Wind, um die Segel hochzunehmen und mit Passatbesegelung langsam dahinzudümpeln, aber dafür waren wir langsam genug um die Schildkröte (Caretta Caretta) fast direkt an der Bordwand zu bemerken. Und noch ein paar weitere Male gab es zudem Delfine (wieder Große Tümmler) in einiger Entfernung zu sehen.

Kurz vor dem letzten Kap vor Funchal kommt uns ein kleiner Frachter entgegen, macht ein paar für uns nicht erklärliche Schlenker. Wir nehmen die Segel weg, er passiert uns an Steuerbord, also eigentlich auf der falschen Seite, aber na gut. Eine Viertelstunde später sind wir froh, dass wir die Segel unten haben, denn ein gutes Stück hinter uns scheint das Wasser plötzlich zu kochen. Wir sehen Delfine (wir glauben, es sind Zügeldelfine) und plötzlich kommen aus allen Richtungen Seevögel angerauscht. Wir drehen um und fahren ein Stück zurück um den offensichtlichen Festschmaus an einem Sardinenschwarm näher anzusehen:

Wir sind immer noch völlig geflasht.

Ich versuche mal, hier ein kurzes Video einzustellen:

Die volle (längere) Version des Videos findet Ihr HIER!

Und jetzt sind wir hier im alten Hafen von Funchal, von dem es hieß, dort seien praktisch keine Liegeplätze zu bekommen. Ich hatte trotzdem angerufen, war vertröstet worden, habe dann aber beim zweiten Anruf den Platz reservieren können. Wir liegen ganz wunderbar weit drinnen längsseits am Schwimmsteg. Herrlich.

Fotonachtrag zur Fahrt nach Porto Santo

Erster Segeltag

1. Sonnenuntergang

1. Sonnenaufgang

2. Segeltag

2. Sonnenuntergang

Zweiter Sonnenaufgang

Dritter Segeltag

Dritter Sonnenuntergang (mit Frachter, wir hatten aber wenig Schiffsverkehr)

Dritter Sonnenaufgang (wenn man es denn so nennen will)

Vierter Segeltag

Noch vor Sonnenuntergang vor Anker im Hafen von Porto Santo im Madeira Archipel. 550 sm durchs Wasser laut Logge, wir haben 81 Stunden gebraucht. Für heute müssen die Fotos reichen, wir feiern jetzt erstmal 😉.

Fahrt nach Madeira

Auch die zweiten 24 Stunden bescheren uns bei schönem Wetter ein weiteres traumhaftes Etmal, diesmal legen wir durchs Wasser sogar 168 sm zurück. Allerdings sind wir noch damit beschäftigt, unsere Seebeine zu finden (jeder von uns hat irgendwann einmal ein kleines bisschen mit Reisekrankheit zu kämpfen). Die zweite Nacht auf See ist traumhaft, die Milchstraße steht wunderbar klar am Nachthimmel, es zeigen sich Sternschnuppen, die Bugwelle der Flora flouresziert und glitzert, als wolle sie den Sternen Konkurrenz machen.
Die dritte Nacht beginnt genau so, dann aber zieht sich der Himmel zu, der Mondaufgang ist schon hinter Wolken verborgen. Um 05.00 Uhr ist der Wind plötzlich fast weg, wir wechseln auf den Code0 um bei zwischendurch nur 4 kn Wind überhaupt noch Fahrt zu machen. Dann beginnt es zu regnen und um 07.00 Uhr bläst es wieder kräftig, jetzt aber achterlicher. Code0 wieder weg, erst nur unter Groß, dann unter doppelt gerefftem Groß und Fock rauschen wir wieder los. Etmal der dritten 24 Stunden 156 sm.
Wenn es so bleibt, könnten wir vielleicht sogar noch vor Einbruch der Dunkelheit in Porto Santo ankommen. (Daumen drücken).

Bilder dann später. (per Iridium gesendet).

Auf nach Madeira

Wir sind unterwegs. Gestern morgen um 10.45 haben wir die Leinen in Mazagon losgeworfen, schon drei Stunden später war die flache Küste verschwunden, nur noch Wasser um uns herum. Na ja, und ein paar Frachter, aber die sind schön auf Abstand geblieben. In den ersten 24 Stunden haben wir für uns unfassbare 162 sm geloggt, waren also im Schnitt mit 6,75 kn Fahrt durchs Wasser richtig flott. Die erste Schule Delfine hat sich schon gezeigt und eine (kleine) Golddorade haben wir auch schon gefangen.
Bisher läuft es also richtig gut. Wir hoffen, das es bis Porto Santo so oder so ähnlich weitergeht. 😉

(per Iridium gesendet)

Cádiz und ein unwahrscheinlicher Zufall

Da hatten wir gerade geschrieben, wir wären ein wenig stadtmüde, und dann fahren wir direkt von Gibraltar nach Cádiz. Warum denn das eigentlich? Ja, gute Frage!

Cádiz hat uns gereizt und ist auch tatsächlich sehr schön 😍, außerdem ist der Winkel hinüber nach Madeira bei den vorherrschenden Winden etwas besser. Vor allem aber können wir dadurch auch die „Aufregung“ ein bisschen teilen und das Passieren der Straße von Gibraltar mit ihren Strömen und Tiden und dem vielen Schiffsverkehr vom langen Schlag abkoppeln. Und letztlich auch: wir können mit unserem neuen Crewmitglied Maria erst mal einen kleinen Schlag segeln und nicht gleich 5 Tage und Nächte am Stück.

Die Begrüßung in Cádiz ist für einen Hamburger klasse: schon von weitem scheint die große Schwester der Köhlbrandbrücke zu grüßen. Die „Puente de la Constitutión“ ist eine ganz ähnlich konstruierte Schrägseilbrücke und führt ebenfalls durch sich öffnende Tragstützen. Etwas höher als in Hamburg, dafür ein tickchen kürzer, können wir sie schon aus großer Entfernung sehen und ihr Anblick bietet sich auch noch von unserem Liegeplatz in der Marina Puerto América. Und – wie in HH – sind auch hier die Kreuzfahrtschiffe reichlich vertreten. Gleich vier haben im Stadthafen festgemacht, darunter eine AIDA und die „Mein Schiff 2“. Wir hören viel Deutsch in der wunderschönen Altstadt 😉.

Ganz besonders beeindrucken uns die zumeist gekachelten Eingänge in Hausflure und Innenhöfe, in die man beim Gang durch die engen Gassen immer wieder einmal hineinsehen kann:

Aber auch die Markthalle, der Mercado Público, hat es uns wieder einmal angetan, hier in Cádiz präsentiert sie sich mit säulengestützten Arkaden im äußeren Rechteck und einer moderneren Fisch- und Gemüsehalle innen.

Wir besuchen sie an beiden Tagen und kaufen dort günstig und mit viel Freude ein. Nicht ganz so glücklich sind wir bei der abendlichen Suche nach einer Tapas-Bar: weil Krischan am nächsten morgen früh los muss, möchten wir zeitig essen und kollidieren einmal mehr mit der hiesigen Gestaltung der Öffnungszeiten 🥺. Es klappt dann aber doch noch, nur haben wir uns zuvor ordentlich hungrig gelaufen.

Heute Nachmittag sind wir dann von Cádiz weiter gesegelt, eine schöne Kreuz hoch nach Chipiona. Im dortigen Hafen sehen wir ein über die Toppen geflaggtes Schiff mit ziemlich ungewöhnlicher Kombination von Gastlandsflaggen:

Nicht alle erkennen wir. Während wir versuchen sie zuzuordnen dämmert uns langsam, dass es einen Zusammenhang mit Magellans Weltumsegelung (bzw. der eines Teils seiner Crew) geben könnte. So ist es auch. Von unserem Standort aus, der Mündung des Flusses Guadalquivir, ist Magellan am 20.09.1519, also morgen vor GENAU FÜNFHUNDERT JAHREN aufgebrochen, hier wurde die allererste Weltumsegelung auch wieder beendet. Unseren Hafen gab es damals noch nicht, als Start- und Zielort gilt Sanlúcar, der Nachbarort von Chipiona, dort gibt’s allerdings noch heute keinen Hafen.

Morgen soll hier vor der Stadt die Ansteuerungstonne #1, bisher „El Perro“ genannt, offiziell umgetauft werden und den Namen von Juan Sebástian Elcano tragen, der als Kommandant der Victoria das letzte verbleibende Schiff von Magellans Flotte zurück an den Ausgangsort dieser ersten Weltumsegelung führte.

Und morgen fahren wir dann von hier wieder los. Mal sehen, wohin und wie weit wir am Ende kommen. 😊

Fuengirola / Málaga

Der „lange“ Schlag von 190 sm, den wir wettervorhersagebedingt von Cartagena aus eingelegt haben, erweist sich als richtig gute Entscheidung. Der Wind ist kräftig, kommt aber ziemlich achterlich. Also quasi eine weitere Trainingseinheit für den Passat. Angesagt sind zunehmende Winde, die in den Böen abends 25 zunehmend auf 30 kn erreichen. Genauso kommt es auch. Wir segeln Schmetterling mit der Fock und Groß, gehen zwischenzeitlich mit dem Groß ins zweite Reff und haben trotz der Welle und in der Spitze 31,3 kn wahrem Wind auf der Windanzeige einen nicht allzu schaukeligen angenehmen Törn.

Bevor die Sonne ganz untergeht runden wir das Cabo de Gata, nehmen die Fock (und den Spibaum) weg, werden nach der erforderlichen Halse aber nur einen knappen Knoten langsamer und Flora liegt immer noch gut auf dem Ruder. Beim zweiten Wachwechsel in der Nacht ist der Wind plötzlich weg (auch das war vorhergesagt), wir motoren auch noch als die Sonne hinter uns aufgeht.

Dann kommt der Wind schwach und aus Süd zurück und hält uns damit die Gewitter auf Abstand, die wir über Land Wetterleuchten sehen. Ein Stückchen können wir sogar (jetzt wieder mit Vollzeug) segeln, wenn auch nicht ganz auf optimaler Kurslinie.

Wir haben uns den Hafen Fuengirola als Ziel ausgesucht und bekommen dort tatsächlich auch für vier Nächte einen günstigen Platz (38,- € pro Nacht). Fuengirola bietet den Riesenvorteil, dass man vom Hafen aus eine hervorragende S-Bahn-Verbindung nach Málaga (sogar mit Zwischenstop am Flughafen, wäre also auch für Crewwechsel perfekt) und eine gute Busverbindung nach Marbella hat.

Dafür muss man akzeptieren, dass Fuengirola ein wohl eher typischer Ferienort für weite Teile der Costa del Sol ist, voller Bettenburgen, Billigimbissen, Ramschläden, Kneipen und Bars. Wir sind ob der fast durchgängige Bettenburgenkette (jedenfalls da, wo es Strand gibt) entlang der spanischen Südküste bis hierher irgendetwas zwischen erstaunt 😮, erschreckt 😧 und erschüttert 😢, so massiv hatten wir es jedenfalls nicht erwartet.

Heute haben wir ausgeschlafen und dann gleich den Trip nach Málaga gemacht.

Die S-Bahn hat uns in 40 Minuten mitten ins Zentrum gebracht, wir konnten Málaga dadurch gut zu Fuß erkunden. Die schöne Altstadt beginnt gleich am Hafen, der aber mehr Handels- und Fährhafen ist, auch wenn es am östlichen Kai malerisch vor Palmen, Leuchtturm und Hafenkränen gelegene (schwellige und teure) Liegeplätze und weiter draußen auch einen (ebenfalls teuren) Yachthafen gibt.

Zunächst erklimmen wir den Burgberg, ein schöner Fußweg mit allerdings extrem glatten Platten führt hinauf (gibt ja nicht soviel Regen hier) und gewährt tolle Ausblicke über die Stadt und sogar hinein in die Stierkampfarena.

Wieder unten, diesmal im von Hochhäusern freien Kern der Altstadt, lassen wir uns durch die Gassen treiben bis hin zur „Einarmigen“. Die Kathedrale der Stadt wurde nur sehr langsam gebaut, vereint deshalb einige Baustile und hat nur einen Turm, der zweite ist seit dem 18. Jahrhundert Baustelle 🚧 ohne Fortgang. Im imposanten Inneren merkt man davon natürlich nichts und ein auch deutschsprachiger Audioguide ist praktischerweise im Eintritt von 6,50 € enthalten.

Spannend auch, wie in Málaga die auch hier üblichen Anti-Terror-Poller ausgestaltet sind, nämlich mal so:

und mal so:

Aber – obwohl uns Málaga wirklich gut gefällt – wir merken, dass wir etwas stadtmüde werden. Es ist zwar noch etwas hin, aber die Vorfreude auf den geplanten langen Schlag nach Madeira und hoffentlich die Wanderungen auf dem auch „Blumeninsel“ genannten Eiland steigt.

Mar Menor, Cartagena und das „Was soll DAS denn?“

Von Alicante aus wollen wir nach eigentlich direkt nach Cartagena. Allerdings bekommen wir auf unsere Onlinebuchung keine Rückmeldung und außerdem sind wir wegen der Einstellung des LiMa-Reglers auch etwas spät losgekommen.

Wir legen deshalb einen Zwischenstop im Mar Menor ein.

Das Mar Menor ist der größte Salzwasserbinnensee Europas, quasi eine Lagune, eine rund 23 km lange Nehrung trennt sie fast vollständig vom Mittelmeer ab. Da die Lagune zwar flach, aber eben doch auch mit größeren Segelbooten gut befahrbar ist, bietet sich nach einem schönen Segeltag ein Ankerstop hinter gut gegen den Ostwind schützenden Nehrung an. Die Einfahrt erfolgt etwas nördlich der Isla Grosa. Ein schmaler Tonnenstrich führt durch die Flachstellen zu einer alle zwei Stunden öffnenden Klappbrücke. Wir haben es ganz gut abgepasst und müssen im engen Kanal vor der Brücke nicht lange warten.

In der Lagune ist die Salzkonzentration mit 42 – 47 g/l noch einmal deutlich höher als im Mittelmeer (36 – 37 g/l), es hat deshalb eine ganz eigene Flora und Fauna. Ein unberührtes Naturparadies sollte man aber dennoch nicht erwarten. Wer bei der Nehrung an den Ringkøbing Fjord in Dänemark, die deutschen Bodden oder gar die hohen Dünen der Kurischen Nehrung denkt, wird bei der Annäherung hier ziemlich überrascht. „La Manga“ (der Ärmel), wie hier die Nehrung genannt wird, ist sehr dicht bebaut, überwiegend mit Hochhäusern. Es sieht ein bisschen aus wie der verzweifelte Versuch, Miami Beach zu kopieren, entwickelt aber leider keineswegs den gleichen Charme.

Dieses noch recht schmeichelhafte Bild zeigt unseren Ankerplatz:

Und ja, wir ankern wirklich so weit weg, näher am Strand ist es zu flach. Trotzdem wird die Nacht ruhig, es gibt hier weniger Schwell als im Hafen von Alicante. Das eigentlich geplante Baden in der Salzlake fällt dennoch aus. Wir sind noch das wunderbare klare Wasser unserer letzten Ankerplätze gewohnt, hier aber kann man keinen halben Meter tief in die schlammige Brühe schauen.

Und deshalb geht’s am nächsten Morgen auch mit der ersten Brückenöffnung weiter, die E-Mail-Reservierung im Hafen Cartagena für die nächste Nacht hat geklappt. Es wird wieder ein schöner Segeltag (feines Geburtstagsgeschenk für Wiebke) und wir machen im gut geschützten Hafen fast direkt neben der Blue Monde fest, ebenfalls eine HR 43 MK II und somit Floras Zwillingsschwester. Noch bevor wir richtig eingecheckt haben, schnacken wir uns bei einem anderen Bootsnachbarn fest , Tom von der Swan 47 Kalteface. Nett. Wie auch Cartagena selbst, das wir uns mal wieder durch unstrukturiertes Draufloslaufen erschließen.

Vor allem überrascht uns dabei die Dichte der erhaltenen architektonischen Relikte der Vergangenheit dieser von den Karthagern gegründeten und von den Römern zu großer Blüte geführten Stadt.

Hier könnte man eigentlich noch etwas bleiben und dann Mitte nächster Woche weiter in Richtung Gibraltar fahren. EIGENTLICH! Aber was soll DAS denn?

Der Wetterbericht (jedenfalls das ECMWF-Modell und auch Wetterwelt, nicht ganz so stark das GFS-Modell) zeigen für das westliche Mittelmeer Mitte nächster Woche extreme Windverhältnisse. Zwischen Valencia und Mallorca werden für Mittwoch Mittag in Böen 58 kn vorhergesagt, Windstärke 11. Hier die Illustrationen von Windy für Dienstag Abend:

Keine gute Idee, dann Richtung Gibraltar unterwegs zu sein. Konsequenz ist für uns, dass wir schon heute wieder die Leinen losgeworfen haben und jetzt bei inzwischen allerdings auch schon 20 kn Wind (von achtern) unterwegs sind um etwas Strecke gutzumachen.

Wieder komplett

Dienstagabend haben uns Eike und seine Kollegin Lara besucht, wir hatten einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.

Noch dazu hatte Eike unter anderem unsere neue Lichtmaschine im Gepäck hergeschleppt und deshalb wurde es auch ein sehr schöner Mittwochmorgen. Der Mechaniker erschien, hatte unseren Regler und nicht mehr reparable Lichtmaschine dabei, baute den Regler und die neue LiMa ein und siehe da: unser Bootsmotor kann wieder die Batterien laden. 😀

Wir waren glücklich und haben das am Abend ausgiebig auf einem Zug durch Alicantes Altstadt mit Tinto de Verano hier, Vermouth dort und abschließend einem weiteren Besuch in einer Arrocería (also einem Reis-Restaurant) mit Rotwein gefeiert. Wie der Name andeutet, gab es auch ein wenig Schinken 😊.

Heute morgen haben wir das gute Hafen-WLAN genutzt, um mit dem LiMa-Lieferanten per Computer-Fernwartung (TeamViewer) die Einstellungen des Mastervolt-Reglers für die LiMa anzupassen. Und das war gut so. Es stellte sich nämlich heraus, dass die LiMa doch noch nicht komplett angeschlossen war. Zwar lieferte sie Strom, aber noch nicht alle zur optimalen Steuerung nötigen Informationen. Also durfte ich ein weiteres Kabel aus den Tiefen des Kabelbaums pulen („ein weißes Kabel suchen“), auch das noch mit dem Regler verbinden und siehe da: jetzt wird nicht nur die Temperatur sondern auch die Drehzahl der LiMa an den Regler gemeldet und die entsprechenden Grenzen konnten eingestellt werden. Das sollte hoffentlich der neuen LiMa ein längeres Leben bescheren 🤞.

Im Augenblick darf sie sich aber noch ausruhen, wir haben bei schönen Segelwind das Cabo de Santa Pola schon passiert und laufen am Wind in Richtung Mar Menor.

Da fehlt doch was …

Irgendwas fehlt ja immer.

Hier zum Beispiel fehlt unserem Bootsmotor eindeutig die Lichtmaschine.

Heute Abend bringt Eike die neue mit. Wir hoffen sehr, dass sie morgen eingebaut werden kann. Heute allerdings war der Regler noch in Denía in der Werkstatt, in der die alte Lichtmaschine hätte repariert werden sollen (hätte, hätte, Fahrradkette).

Aber besser so, als wenn uns Zeit fehlen würde. Dazu haben wir gestern hier am Rande der Altstadt eine schöne Wandmalerei entdeckt, El tiempo vuela (frei übersetzt: die Zeit vergeht im Flug):

Und tatsächlich, über zwei Monate sind wir schon unterwegs, die Zeit vergeht so schnell. Dabei müssen wir uns nicht einmal – wie in dem Gedicht – einen weiteren achten Wochentag wünschen, um ihn zum Reisen zu nutzen.

Umgekehrt können wir die Wartezeit auf die neue Lichtmaschine zum Bleiben, zum Erkunden unserer Umgebung nutzen.

Wir haben die Stadt ausgiebig zu Fuß erkundet, dabei ein paar mal einen Abstecher zur bisher besten Eisdiele unserer Reise gemacht,

haben ein spezielles Reisrestaurant dieser für ihre Reisgerichte bekannten Stadt besucht (lecker!), haben Tapas-Bars und in Ihnen zu den Leckereien mal Bier, mal Tinto de Verano genossen. Letzteres ist gekühlter Rotwein mit Zitronenlimo und schmeckt bei der Wärme hier VIEL besser, als es sich anhört. Und klar haben wir auch die hoch über Alicante aufragende Festung Castillo de Santa Barbara besichtigt, mit tollen Ausblicken über die Stadt und hinüber über die Bucht bis nach Sant Joan, wobei uns ein Aufzug für nur 2,70 € vom Strand aus hinauf befördert hat, die Festung selbst kann frei betreten werden.

Und wir haben – na klar – das Ocean Race Museum auf der anderen Seite des Hafens auch nicht ausgelassen.

Schließlich wurde zuletzt alle drei Jahre hier in Alicante das Volvo Ocean Race gestartet. Die Stadt feiert das nicht nur mit dem Museum, mitten in der großen Avenida gleich hinter Strandpromenade findet sich folgende Verkehrsinsel:

Und „Turn the tide on plastic“, so hieß nicht nur die von Dee Caffari geskipperte Yacht im 2017er/2018er Rennen, sondern dieser Slogan wird hier ernst genommen. Anders als früher vielleicht aus Spanien gewohnt, wird jedenfalls auf Mülltrennung großer Wert gelegt.

Und für noch etwas fehlte uns nicht die Zeit, den doppelten Friseurbesuch:

War allerdings auch mal wieder Zeit!