Von Asheville (North Carolina) nach Nashville, Tennessee. Wir besinnen uns wieder auf unser Reisemotto bei Losfahrt mit der Flora: “Go West”.
Unzweifelhaft hat der Name Nashville Klang. Und ebenso sicher ist dieser Klang mit Steel Guitar, Fidel und Banjo verbunden. Country Music! Man muss kein Fan dieser Stilrichtung sein um zu wissen, dass der Ort und die Musik eng miteinander verbunden sind. Nicht umsonst ist der Beiname der Stadt “Music City”. Der Broadway in Downtown Nashville ist gesäumt von Honky Tonk Bars, lauten Lokalen mit durchgehender Live-Musik.
Uns zieht es aber erst einmal ins Museum. Nicht irgendeins, sondern die Country Music Hall of Fame. Wir wissen nicht allzu viel über diese Musikrichtung und so erfahren wir (neben einigen Kuriositäten) eine ganze Menge über ihre Entwicklung, ihren Einfluss auf andere Stile und natürlich über ihre Protagonisten. Und so finden wir in der Ruhmeshalle des Country Namen, die wir dort eigentlich nicht erwartet hätten, etwa Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und Ray Charles!
Dann aber flugs weiter zum Broadway. Auch am Montagnachmittag ist die Partymeile gut gefüllt. Ein Honky Tonk neben dem anderen, dazwischen z.B. das Johnny Cash Museum und natürlich Restaurants und Hotels. Aus den bei herrlichem Wetter weit geöffneten Fenstern der Honky Tonk Bars tönt die Musik hinaus auf den Broadway. Draußen eine Kakophonie der verschiedenen Klänge auf dem Bürgersteig und doch im Vorbeigehen deutlich zu hören, wie gut die Musiker sind, die es hierhin geschafft haben.
Da können wir natürlich nicht widerstehen 😊
Und nebenbei erkennt man erst drinnen, wie weit die Liebe zur Country Music wirklich geht …
Für uns geht es auf dem Blue Ridge Parkway weiter nach Südwesten. Ein ganzes Stück weiter auf diesem wunderschönen Gebirgszug der Appalachen, der nicht nur die Kulisse für die Fernsehserie “Die Waltons” bildete, sondern sich tatsächlich mit einigem Abstand von der Ostküste von Neufundland in Kanada bis hinunter nach Alabama zieht, also fast bis zum Golf von Mexiko.
Kein Wunder, dass dieser Gebirgszug für die frühen europäischen Einwanderer eine natürliche erste große Hürde war und zunächst (zwischenzeitlich) vom englischen König 1763 sogar per Proklamation als Besiedlungsgrenze festgelegt wurde. Das hielt aber nur ein Jahrzehnt, dann wurde mit der Besiedlung Kentuckys jenseits der Appalachen begonnen und die Ureinwohner wurden weiter zurück gedrängt.
Unser Weg führt noch immer über “Country Roads”, über kleine Straßen, manchmal auch abseits des zumeist auf dem Gebirgskamm verlaufenden Blue Ridge Parkways, weil einzelne Abschnitte wegen der jetzt im Winter stattfindenden Wartung und Ausbesserung gesperrt sind. So kommen wir an den vereinzelt liegenden, oft ochsenblutrot gestrichenen Scheunen vorbei, sehen einzelne der früher so typischen gedeckten Brücken, aber auch immer wieder Mini-Friedhöfe rostiger Autos und Pickups an verfallenden Gebäuden.
Abgesehen von der Bewaldung sind Landschaft und Boden eher karg, so dass die Wirtschaft sich historisch vorwiegend auf Bergbau, insbesondere den zuletzt immer weniger profitablen Abbau von Steinkohle gründete. Wir sehen noch Güterzüge mit Kohle, aber auch die Wunden, die dessen Förderung in der Landschaft hinterlässt. Die typische Abbaumethode hier in den Appalachen war (und ist) nämlich das “Mountaintop Removal Mining”, bei dem die Bergspitze weggesprengt und die darunter liegende Kohle dann im Tagebau abgebaut wird.
In jüngerer Zeit gibt es Bestrebungen, statt der schwächelnden Kohleförderung nunmehr die tiefer liegenden Erdöl- und Erdgasvorkommen anzuzapfen. Das dafür angedachte Fracking ist allerdings hier noch umstrittener als anderswo in den USA, denn die von Höhlen durchzogenen Karstböden machen diese Methode umso problematischer. Immer wieder sehen wir Protestplakate und Spruchbänder.
Die wunderschöne, überwiegend dünn besiedelte Landschaft begeistert uns. Als wir mit North Carolina den nächsten Bundesstaat erreichen, werden die Berge sogar noch höher, mit dem 2037 m hohen Mount Mitchell findet sich hier die höchste Erhebung der Appalachen.
Unser Ziel ist das Universitätsstädtchen Asheville, quasi die Metropole dieser Region. Gelegen in einer von Bergen umschlossenen Hochebene hat sie sich früh einen Namen als Luftkurort gemacht. George Washington Vanderbilt ließ deshalb hier seine 1895 bezogene riesige Sommerresidenz errichten. Den Schlössern der Loire nachempfunden war es prägend für den Châtauesque-Stil in den Vereinigten Staaten und eines der ersten Wohnhäuser, die vollständig mit Edisons Glühlampen ausgestattet waren. Die Sommerresidenz eines der älteren Brüder des Bauherren haben wir bereits in Newport, Rhode Island, gesehen. Hier verzichten wir auf eine Besichtigung und sehen uns lieber das Museum im überschaubareren Haus des anderen berühmten Bewohners der Stadt an.
Der große amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe lebte hier und sein autobiografischer Roman “Schau heimwärts, Engel!” zeichnet nicht nur ein Bild dieser Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende, sondern auch des Ortes Asheville (im Roman Altamont genannt) und seiner Bewohner. Letztere erkannten sich wieder und waren darüber zunächst keineswegs begeistert.
Als Kind lebte er mit seiner Mutter in dem von ihr betriebenen “Boarding House”. Durch die vermieteten Fremdenzimmer blieb kein eigener Raum für ihn, Thomas zog sozusagen immer wieder in ein jeweils gerade frei gewordenes Fremdenzimmer im Haus um.
Auch wir beziehen für ein paar Tage ein Fremdenzimmer in einer kleinen Holzvilla (unsere ist blau statt gelb). Die Hausherrin gibt Musikunterricht, aber abends wird es ruhig und das passend viktorianisch eingerichtete Zimmer ist sehr gemütlich, zudem in einem schönen Viertel fußläufig zur Innenstadt gelegen.
Die Innenstadt schauen wir uns mit einer Audioführung (kostenlos, über das Handy) bei einem ausführlichen Spaziergang an. Die vielen besonderen Bauten aus den späten 1800er und frühen 1900er Jahren, darunter einige Art-Deco-Bauten sprechen uns an, Musik und Skulpturen sind allgegenwärtig. Über den Audioguide erfahren wir dazu einige Besonderheiten, etwa dass das hiesige „Flat Iron Building“ nicht nur von der Grundriss-Form her an ein Bügeleisen erinnert, sondern zudem die erste dampfbetriebene Wäscherei der Stadt beherbergte.
Auch die Dichte an Craftbeer-Brauereien ist erstaunlich, da müssen wir natürlich einer einen Besuch abstatten.😊
Und dann kommt einmal mehr das Wetter ins Spiel. Nicht nur auf dem Boot müssen wir den Wetterbericht genau im Auge behalten. Obwohl wir uns ja inzwischen deutlich in den Südstaaten der USA befinden, poppt eine Wetterwarnung für einen Wintersturm auf unserem Handy auf. Statt auf kleinen Straßen durch die Berge geht es daher auf der Autobahn weiter nach Nashville in Tennessee. Zum Glück erwischt uns so statt Schnee nur eine ganze Menge Regen bei unserer Fahrt durch die Smoky Mountains.
Die Landstraßen haben uns wieder. Wir verabschieden uns von unseren Freunden Greg und Michael in Gaithersburg bei Washington D.C., machen uns auf den Weg unseres Road Trips quer durch die USA zurück zur Flora. Take us home, Country Roads.
Zunächst durch das Dreiländereck von Maryland, Virginia und West Virginia, über den Potomac und seinen Nebenfluss, den Shenandoah River entlang. Und dann in die Blue Ridge Mountains hinein, genauer gesagt auf den Skyline Drive, der Straße, die hier fernab jeglicher Dörfer und Städte mal hoch oben mal auf dem Kamm der Appalachen, mal an den höheren Flanken dieses Gebirgszuges entlang führt. Bergauf und bergab, über die Mittelgebirgshöhen zwischen 800 und mehr als 1.100 m Höhe. Für hiesige Verhältnisse: Almost Heaven hier in West Virginia.
Witzigerweise kam den Co-Autoren von John Denver die Idee für den Hit-Song (Take me home,) Country Roads ausgerechnet bei der Fahrt zu einer Familienfeier in? Genau: Gaithersburg.
😁
Warum heißen die Berge hier wohl Blue Ridge Mountains?
Übrigens haben wir die Blue Ridge Mountains vor Jahren schon einmal durchfahren, damals im Herbst. Zu der Zeit etwas farbenfroher:
Dafür sind jetzt im Winter mehr Ausblicke möglich, außerdem ist es deutlich leerer auf der herrlichen Straße. Da lacht das alte Motorradfahrer-Herz.
Und nach der kurvenreichen Fahrt bietet sich ein Zwischenstopp in dem kleinen Städtchen Charlottesville an. Greg hatte dort zwischenzeitlich studiert. Ein weiterer Grund für unsere Pause dort: Routenplanung nach Woll-Läden.
Wir sind gut wieder in Washington DC bei angekommen. Der Flieger von Frankfurt ging diesmal wegen der Höhenwinde über dem Nordatlantik auf einer deutlich südlicheren Route, nicht über England wie noch bei unserem Flug nach Deutschland, statt dessen von der Bretagne aus auf den Ozean hinaus. Und südlichere Streckenführung ist ein gutes Stichwort. Bei unseren Freunden Greg und Michael werden wir uns jetzt erstmal etwa eine Woche akklimatisieren und dann geht’s los auf den zweiten Teil unseres Roadtrips, diesmal eben auf einer etwas südlicheren Route über Nashville und Denver zurück Richtung Westen. Irgendwann im März wollen wir dann zurück auf Vancouver Island bei der Flora sein. Bis dahin: Roadtrip, gerne auch mit eingestreutem Skifahren, haben wir auch lange nicht gemacht.
Jedenfalls haben wir gestern schon mal Skihelme gekauft, ich wollte ohnehin gerne einen Helm an Bord haben als zusätzliche Sicherheit beim in den Mast gehen.
Ein Saisonrückblick auf unsere Strecke (seit November 2021). Rot die mit Flora gesegelte Strecke, gelb der Roadtrip von Vancouver Island in Kanada nach Washington DC. Ab Februar soll es dann einen weiteren Roadtrip auf einer südlicheren Route durch die USA zurück in den Westen geben.
11.461 sm waren es auf der Flora in diesem Jahr, sogar 13.081 sm in der Saison ab November 2021, also von der Chesapeake Bay bis nach Vancouver Island, über Mexiko, Panama, die Galápagosinseln, Hawai‘i und Alaska.
Es mag ein bisschen irritieren, dass wir die Strecke (wie aber die vorigen im Menüpunkt Route auch schon) quasi auf den Globus von Google Earth gemalt haben und nicht auf eine „normale“ Landkarte. Der Grund dafür ist, dass eine Kugel eben nicht „richtig“ zweidimensional abgebildet werden kann. „Normale“ rechteckige Landkarten in einem solchen Maßstab bilden als Mercator-Projektion zwar winkeltreu die Erdkugel ab, dabei treten aber ganz erhebliche Verfälschungen der Flächen ein, je nachdem, ob sie näher am Äquator liegen oder näher an den Polarregionen.
Ganz wunderbar zeigt das die interaktive Webseite http://www.thetruesize.com , wenn man dort etwa das auf der Mercator-Karte riesige Grönland mal auf die Höhe von Kolumbien hinunterzieht.
Oder Mexiko quer über Europa legt. Da werden die wahren Dimensionen einfach deutlicher.
Eine tolle Webseite zum Herumspielen, wenn man – wie wir – sich nach der gesunden Zeit auf dem Boot jetzt in Deutschland eine veritable Grippe eingefangen hat und erst einmal flach liegt. Hoffentlich sind wir bis Weihnachten wieder fit!
Zum ersten Mal seit 4 Jahren sind wir zur Adventszeit wieder außerhalb der Tropen. Wir genießen die Jahreszeit, stellen einen Tannenbaum auf, gehen auf den Weihnachtsmarkt, trinken Glühwein. Treffen Freunde und Familie, kochen, klönen.
Und am 4. Advent gehen wir in den Hamburger Michel, für uns ein traditionelles Vorweihnachtszeit-Highlight.
Hinterher suchen (und finden) wir die Gravur in der Stifterplatte draußen vor dem Michel mit dem Wunsch für eine gute Reise mit der Flora, ein wunderbares Abschiedsgeschenk meiner Kollegen von der ADS vor unserem Aufbruch im Sommer 2019.
Wir sind gut wieder in Hamburg angekommen. Chief Jan holt uns vom Flughafen ab und löst auch das Problem des kurzfristig unauffindbaren Korkenziehers. Es wird ein schönes Begrüßungswochenende mit unseren Freunden in Hamburg, langen Abenden und noch längerem Ausschlafen, der Jetlag macht sich doch bemerkbar.
Und dann kosten wir das vorweihnachtliche Heimatgefühl so richtig aus. Bummeln über den Isemarkt, basteln den Herrnhuter Stern zusammen,
Trinken Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, dekorieren die Wohnung für die Weihnachtszeit (wobei Chief Jan die Beleuchtung in unserer Küche und im Wohnzimmer noch weiter auf „Smart Home“ umbaut).
Takelarbeiten, (wenn auch irgendwie mal anders) Knoten und Spleißen, das muss natürlich auch dann sein, wenn wir mal nicht auf Flora sind. Und so wir fahren zur Hamburger Wollfabrik, kaufen Wolle für neue Projekte und Wiebke lässt sich dort sogar die von ihr ausgesuchte Wolle auf vierfädrig umspinnen. Dabei werden vier einfädrige Wollfäden zwar neu gewickelt, aber nicht wesentlich miteinander verdreht, mal sehen, wie sich das strickt.
Selbst die Eichhörnchen finden sich zur Begrüßung auf unserem Balkon ein …
Es ist unser erstes Thanksgiving-Fest in den USA. „Erntedankfest“ passt schon irgendwie, ist aber trotzdem eine unzureichende Übersetzung. Denn anders als unser deutsches Erntedankfest ist Thanksgiving in den USA ein nationaler Feiertag. Und nicht nur das, sondern zugleich das wichtigste Familienfest des Jahres, Thanksgiving rangiert in dieser Bedeutung noch über Weihnachten.
Zugleich wird aber mit Thanksgiving die Weihnachtszeit eingeläutet. Gefeiert wird am 4. Donnerstag im November. Fun fact: Präsident Lincoln setzte den letzten Donnerstag im November als Termin fest, Roosevelt versuchte es ab 1939 (mit fünf Donnerstagen im November) auf den vorletzten Donnerstag zu verschieben, um die vorweihnachtliche Einkaufszeit zu verlängern. Nach ein bisschen Konfusion fand man den Kompromiss: 4. Donnerstag im November.
Ein Ritual unserer Gastgeber: kein Thanksgiving ohne „The Wizard of Oz“. Den Film von 1939 mit Judy Garland sah ich als Kind mal im Fernsehen, daran erinnere ich mich noch. Aber die Verknüpfung von „nach Hause kommen“ mit der Ermutigung Verstand, Herz und Courage in sich selbst zu finden, das hatte ich damals nicht so abgespeichert. „You can do it!“
DAS Thanksgiving-Ritual schlechthin dreht sich natürlich um den Truthahn. Sei es die öffentliche Überreichung eines lebenden Truthahns durch Industrievertreter im Weißen Haus an den Präsidenten (der den Truthahn in den letzten Jahrzehnten dann üblicherweise begnadigt hat) oder eben das traditionelle Truthahnessen im (erweiterten) Familienkreis. Und an einem solchen dürfen wir teilnehmen. 😊
Der von Michael zubereitete Truthahn steht zwar im Mittelpunkt, aber die Tafel biegt sich unter der Last des gemeinschaftlich erstellten Schlemmermenüs im Haus von Gregs Bruder Ricky, wo die große Familie sich eingefunden hat. Genau genommen passt das alles gar nicht einmal auf die veritable Tafel. Stuffing, also die Füllung, gebackener Kochschinken, Cranberry-Soße und Bratensoße, Kartoffelstampf, Brot, Kürbis-, Süßkartoffel- und Blaubeer-Pies, geröstetes Gemüse, kandierte Süßkartoffeln, Süßstaaten-Grünkohl (collard greens), Mac and Cheese, Pilze und und und … Zusätzlich diverse Kuchen zum Nachtisch.
😋
Danke, dass wir dabei sein durften.
Was machen wir sonst so in den Tagen vor unserem Flug nach Europa? Ausflüge, zum Beispiel nach Washington DC und von den vielen Museen dort wählen wir diesmal das Hirshhorn Museum of Modern Art.
Unser Roadtrip führt uns weiter durch Minnesota hinauf in Richtung der Großen Seen. Zunächst weiter durch flache Landschaft mit viel Landwirtschaft, schnurgerade Straßen. Abwechslung bringen die immer mal wieder in Gegenrichtung vorbeifahrenden Häuser 😁.
Eine Zwischenstation machen wir noch, wir übernachten in Minneapolis. Anders als der Name vermuten lässt, ist das zwar die größte Stadt, nicht aber die Hauptstadt von Minnesota. Diesen Titel führt das gleich nebenan ein paar Meilen flussabwärts am Mississippi liegende St. Paul. Gemeinsam bilden sie die Metropolregion „Twin Cities“. Für uns eine Wundertüte, wir wissen nicht so recht, was uns erwartet. Als Volltreffer erweist sich der Tip, nicht direkt zum Stadtzentrum, sondern zunächst entlang der „Chain of Lakes“ zu fahren. Der inoffizielle Beiname von Minnesota ist „land of 10.000 lakes“, tatsächlich ist die Zahl der Seen sogar noch größer. Und selbst das Stadtgebiet von Minneapolis trägt dazu bei. Neben vielen kleineren Wasserflächen am markantesten mit eben dieser Kette von Seen, der größte (Bde Maka Ska / See der weißen Erde) etwas größer als die Außenalster. Auch die Villen am Ufer, die Parks und die Wassersportmöglichkeiten müssen sich hinter denen an Hamburgs zentralem Wasser nicht verstecken. Nur eben, dass es hier gleich eine Kette von Seen gibt. An denen entlang fahren wir in Richtung Downtown. Gleich gegenüber vom Hotel liegt ein großes Theater in futuristischem Design, das Guthrie Theater. Kein Wunder, schließlich ist die Pro-Kopf-Dichte an Theatern außer in New York nirgends in den USA so hoch wie in Minneapolis. Hatten wir so nicht erwartet.
Eine weitere Besonderheit in Minneapolis ist historisch bedingt: durch mit Wasserkraft betriebene sehr effektive Groß-Mühlen wurde hier, am Oberlauf des schiffbaren Mississippi besonders feines Mehl gemahlen. So wurde die Stadt zwischen 1880 und 1930 zu einem der wichtigsten Standorte für die Mehlproduktion in den USA. Zudem konnte das Mehl über den Fluss und die Eisenbahnlinie nach Chicago auch günstig an die Abnehmer weitergeleitet werden. Die riesigen Pillsbury und Gold Medal Flour Reklamen auf den historischen Produktionsanlagen und Speicher zeugen noch heute davon.
In die erhaltenen Ruinen in Downtown hinein wurde das moderne „Mill City Museum“ hineingebaut, am Tag unseres Besuchs war es allerdings leider geschlossen. Also trotz der Kälte noch ein Gang über die alte Eisenbahnbrücke, die heute die beiden Ufer für Fußgänger und Radfahrer verbindet.
Ein weiteres Industriedenkmal besichtigen wir am nächsten Tag bei einem Stop in Duluth.
Die Hubbrücke wurde 1905 als Schwebefähre gebaut, später umgebaut und 1930 in jetziger Form eröffnet. Größere Frachtschiffe, insbesondere die “Laker” können so durch den unter ihr verlaufenden Kanal in den Hafen von Duluth einlaufen, der dadurch an Bedeutung für den Verkehr auf den großen Seen gewann.
Das Museum gleich neben der Hubbrücke informiert über die speziellen Laker, schlanke (wegen der Schleusen) Frachtschiffe, oft mit dem Steuerhaus vorn auf dem Bug. Sie transportierten neben anderen Gütern Getreide und vor allem Eisenerz über die großen Seen und zum Teil den Sankt Lorenz Strom hinunter. Insbesondere aber auch zu den Stahlwerken an den unteren Seen.
Spannend auch die großen Seen selbst:
Das obere Schaubild zeigt das Volumen der Seen (das etwa dem der Ostsee entspricht) und die unterschiedlichen Höhenlagen einschließlich der sich daraus ergebenden Niagara-Fälle. Das untere Relieffpanorama macht auch deutlich, wie wir uns hier, am Ostende des Lake Superior (Oberer See) relativ zu Lake Michigan, Lake Huron, Lake Erie und Lake Ontario befinden.
Diese riesigen Inlands-Wassermassen sorgen auch für besondere Klimabedingungen – eben die “Lake Effects”. Im Winter kann das zu plötzlichem extrem starken Schneefall führen, so wie es gerade in dieser Woche wieder in der Gegend der unteren Seen auftrat. Polar kalte Winde Streifen dann (zumeist von Nordwesten her) über die noch relativ warmen Seen, der aufgenommene Wasserdampf geht am Lee-Ufer als Schnee nieder.
Am Nordwestufer des Lake Superior entlang fahren wir zum Glück ohne aktuellen Schneefall durch eine wunderbare Winterlandschaft. Unsere Segelfreunde Kim und Chuck (La Rive Nord) haben uns nach Lutsen eingeladen, kurz vor der Kanadischen Grenze. Wir haben die beiden an der US-Ostküste kennengelernt, unterwegs in Antigua, Puerto Rico, den Bahamas und Annapolis wieder getroffen und sind immer in Kontakt geblieben.
Sie haben ihr altes Haus in Lutsen verkauft, das neue ist noch im Bau. So wohnen wir gemeinsam mit ihnen im Haus ihrer Freunde. Mitten im Ahorn-Wald, einige Kilometer außerhalb des Ortes.
Mit Chuck machen wir unsere erste Schneeschuh-Wanderung, hinunter zum Fluss. Es ist herrlich, wobei: nicht immer ist die Natur im tief verschneiten Wald unberührt. Was sind das für Schläuche zwischen den Bäumen?
Na klar: hier wird Ahornsirup gemacht. Die Bäume werden angezapft, die Flüssigkeit dann per Vakuum aus den Schläuchen gesaugt und verarbeitet, etwa 40 Liter Saft benötigt man für einen Liter Ahornsirup.
Der Saft fließt nur, wenn die Bäume am Ende des Winters Nährstoffe von den Wurzeln zu den Trieben zu transportieren beginnen, es nachts friert und tagsüber Plus-Temperaturen herrschen. Und auch sonst ist es tricky, je nach Periode werden unterschiedlich dunkle und unterschiedlich schmeckende Säfte abgegeben, die dann nach Verdickung zu dem gewünschten Sirup zusammengestellt werden (blending).
Carrey und Michael erklären uns das in einem kleinen Nebengebäude ihres Hauses, der Abfüllerei ihres preisgekrönten “Wild Country pure Maple Syrup”.
Aber auch Kim und Chuck produzieren in Lutsen Lebensmittel: unser nächster Ausflug führt in ihre Weinkellerei, die “North Shore Winery”.
Trifft sich doch gut, dass sie dort heute auch noch Live-Musik veranstalten 😊.
Ausklingen lassen wir das Ganze am Lagerfeuer im Schnee zurück bei Carrey und Michael:
Ausflüge in die Umgebung mit ihrer herrlichen Natur, mehrfach wunderbare Bewirtung bei Freunden, spannende Vorträge und Anschauungsunterricht im Schneeschuhbau bei der Folk School, die Tage mit Kim und Chuck vergehen unfassbar schnell.
Danke für die wunderschöne Zeit mit Euch!
Für uns geht es auf unserem Roadtrip weiter, zunächst durch Wisconsin und Illinois nach Chicago am Südwestufer des Lake Michigan. Es ist schon dunkel als wir dort ankommen.
Frühe Weihnachtsbeleuchtung und der Beginn der legendären Route 66 fallen ins Auge, aber die geschäftige Stadt bleibt doch nur eine Durchgangsstation, wir fahren nach einer kleinen Tour durch Downtown doch noch bis kurz vor Mitternacht weiter, rasten erst hinter Indianapolis in Indiana. Dann am darauffolgenden Tag weiter durch Ohio, West Virginia und Pennsylvania nach Maryland. Ganz schön viel Strecke in zwei Tagen, aber wir kommen gut (und wie geplant rechtzeitig vor Thanksgiving) bei unseren Freunden Greg und Michael in der Nähe von Washington DC an.
Dort ist noch ein bisschen Ruhe angesagt und dann fliegen wir auch schon bald nach Deutschland. Der erste Teil (also West nach Ost) unseres Roadtrips durch die USA liegt schon hinter uns. Anfang Februar werden wir wieder in die USA fliegen. Dann soll der zweite Teil des Roadtrip-Abenteuers folgen, über eine etwas südlichere Route zurück von der Ostküste nach Westen und nach Vancouver Island.
Im Schneetreiben geht es weiter. Statt wie ursprünglich gedacht über die Black Hills zu fahren bleiben wir lieber auf der i90, die in einem kleinen Bogen nördlich um die Berge herum führt. Damit verpassen wir auch Mount Rushmore, jenes ikonische Monument der vier der US-Päsidenten Washington, Jefferson, Lincoln und Roosevelt, deren Portraits hier 18 m hoch in den Granit des Berges gemeißelt wurden. Allerdings hätten wir bei der schlechten Sicht wohl ohnehin nur Schemen davon zu Gesicht bekommen.😁
Immerhin, auf der Weiterfahrt hört es langsam auf zu schneien und so können wir den berühmten „Badlands National Park“ in South Dakota besuchen.
Die „Badlands“ sind eine fast unwirklich erscheinende Erosionslandschaft in der Gras-Prärie. Mit Hochebenen, auf denen wiederum Bisons grasen, durchzogen von tiefen Tälern, aber auch mit schroffen und spitzen Felsenlandschaften, die eher an verwitterte Tempelstädte als an den Meeresgrund erinnern, auf dem diese Gebilde tatsächlich vor Urzeiten entstanden.
Ein faszinierender, mystischer Ort.
Von da ab geht es die nächsten anderthalb Tage ungefähr so weiter:
Wir fahren durch die Kornkammer der USA, naja, jedenfalls einen Teil davon. Quer durch South Dakota und dann durch Minnesota auf endlosen geraden Straßen mit Kornfeldern rechts und links.