7. Tag der Atlantiküberquerung: Nachtwache mit Squalls

Wie schnell sich das ändert: gestern Nacht eine Nachtwache wie aus dem Bilderbuch. Traumhafter Sternenhimmel, hinter dem Heck geht Orion auf (wobei der Himmelsjäger dabei faul auf der Seite zu liegen scheint), die Nacht hindurch überholt er uns an Backbord und jagt dabei den hier gut sichtbaren Walfisch vor sich her, bis er gegen morgen vor uns steht und dann verblasst, weil an seinem alten Platz hinter uns dann die Sonne aufgeht. Und gestern Nacht wehte dazu aus fast wolkenlosem Himmel ein stetiger, warmer Wind aus Ostnordost und trieb uns gut voran.
Heute Nacht macht Orion zwar im Prinzip das Gleiche, nur kann ich ihn nicht immer sehen. Wenn die Sterne hinter uns verschwinden, ist das heute ein Alarmsignal. Schnell das Radar aus dem Standby-Modus geweckt und schauen, ob das nur eine normale Wolke oder ein (regenreicher und deshalb auf dem Radarbild sichtbarer) Squall ist, wo er sich befindet und wohin er sich bewegt. Das Fiese an diesen Squalls ist die manchmal starke Windzunahme, gekoppelt mit den oft damit einhergehenden kräftigen Winddrehern.
Wir fahren jetzt in der Nacht ohnehin schon stark eingerefft, bei kleineren Squalls reicht daher eine Kursanpassung an die Dreher. Zeigt das Radar aber einen richtig fetten Squall mit Zugbahn in unsere Richtung, müssen wir die Segel weiter verkleinern. Dann muss einer aus der Freiwache geweckt werden und schnell ins Cockpit, denn wir haben verabredet, solche Manöver nachts nicht allein zu machen. Schnell deshalb, weil die Squalls von hinten mit 15-20 Knoten Geschwindigkeit aufkommen, also doppelt bis dreimal so schnell sind wie wir. Viel Zeit bleibt da nicht. Und warum haben wir nicht die ganze Zeit stärker gerefft? Weil wir dann ohne die stabilisierende Geschwindigkeit in den 2,5-3 m hohen Wellen noch mehr durchgeschaukelt würden.
Heute Nacht sind die Wachen also etwas aktionsreicher. Überhaupt: Nachtwachen. Wir gehen drei-Stunden-Wachen. Ich habe die Wache von 18-21 Uhr und danach werde ich von Jan abgelöst und habe Freiwache bis 3 Uhr, dann löse ich Wiebke ab und habe wieder Wache von 3 bis 6 Uhr. Diese Zeiten behalten wir den Törn über bei. Meine zweite Nachtwache heute ist dann aber ganz anders als die erste. Als ich zu Wiebke ins regennasse Cockpit hochklettere, zieht gerade der letzte Squall ab, ich bleibe in der ganzen zweiten Wache unbehelligt, Jan in seiner nächsten Wache ebenso. Jetzt am Morgen scheint die Sonne wieder und wir segeln unter weißen Passatwölkchen, als wäre nicht gewesen. Nur am Horizont im Süden können wir noch dichtere Wolken erkennen, es dürfte das Band der Squalls sein, das wir jetzt durchsegelt haben. Hoffen wir jedenfalls, sieht aber erst mal ganz gut aus.
Der Wind ist immer noch frisch mit Stärke 6 bis 7 Beaufort und bläst uns zügig der Karibik entgegen. 🙂

2 Gedanken zu „7. Tag der Atlantiküberquerung: Nachtwache mit Squalls

  1. And when you get to the Caribbean you will have the chance, at last, to watch the worlds greatest sport (cricket).

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