Los Haitises II, Mangroven, Wandern und ganz viele Vögel

Das Dinghy ist unser Lastesel, Kurzstrecken- und Flachwasserspediteur und Autoersatz. Bevor wir auf Langfahrt gegangen sind war uns zwar klar, dass wir es viel mehr als bis dato brauchen würden, aber die wirkliche Wichtigkeit und Nutzungsintensität erschließt sich erst unterwegs.

Auch heute nutzen wir es wieder ausgiebig, obwohl doch eigentlich eine Wanderung auf dem Plan steht. Wird auch gemacht, nur müssen wir erst einmal zum Startpunkt kommen. Der liegt nämlich ein gutes Stück den Mangrovenfluss Cano Hondo hinauf. Die Mündung in die Bahía de San Lorenzo ist breit und weist viele Verästelungen auf, prompt fahren wir zunächst ein Stück in den falschen Flussarm hinein. Als wir in dem träge dahinfließenden matschig braunen Mangrovenwasser gerade umgekehrt sind, treffen wir unsere schweizer Seglerfreunde Martina und Daniel von der Vairea.

Crews von Vairea und Easy-One

Die zeigen uns nicht nur den richtigen Weg, sondern geben uns auch den guten Tip, am eigentlichen Aussteigepunkt noch ein kleines Stückchen vorbei zu fahren. Dort soll es gelbe Vögel geben, die direkt über dem Flüsschen kunstvolle runde Nester flechten. Webervögel? Die sind aber eigentlich in Afrika zu Hause.

Ein guter Anlass, noch etwas länger das enger (und flacher) werdende Mangrovengeschlängel hinauf zu fahren. Wir müssen den Außenborder schon etwas hochrasten, um nicht an den Wurzeln auf dem Grund anzuschlagen. Aber es lohnt sich. Am rechten Ufer zeigt sich eine Lichtung, erst ein paar Palmen, dann eine Wiese. Und in den Büschen an deren Rand nisten tatsächlich Webervögel, Dorfweber, die schon 1791 auf Hispaniola eingeführt wurden und hier heimisch geworden sind (nachträglich ergoogeltes Besserwissen).

Die kugelig bis nierenförmigen Nester mit einem unten liegenden Einflugloch bauen sie aus langen Fasern, die sie zuvor mit ihrem Schnabel geschickt von den viel dickeren Palmblättern abziehen. Und dann weben sie daraus die oft in enger Nachbarschaft mit anderen Webervögelnestern hängenden fragilen Bauten.

Dorfwebervogelmännchen am noch unfertigen Nest

Zurück am Austeigepunkt schließen wir die Dinghys an eine Palme und gehen los. Nur ein kleines Stück weiter erwartet uns schon die nächste Überraschung. Wirken schon die bewachsenen Felsinseln hier in Los Haitises ein bisschen asiatisch, wird der Eindruck durch die am Rand der Mangroven des Nationalparks angelegten Reisfelder noch mal deutlich verstärkt. Die hatten wir hier irgendwie nicht erwartet. Und erst recht nicht, dass aus dem Reis plötzlich wilde Truthähne auftauchen und zu Balzen beginnen.

Das Eco-Ressort, das als nächstes auf unserem Weg liegt sieht interessant aus und kann besichtigt werden. Aber wir sind schon spät dran und lassen es links liegen, denn Wiebke hat auf ihrer Kommot-Wander-App eine zwar nicht schwierige aber eben doch längere Route für heute ausgesucht.

Ein kleiner Pfad zweigt vom Feldweg ab, unser Einstieg. Ein paar hundert Meter weiter dann das Aha-Erlebnis: aus der Kulturlandschaft jenseits des Nationalparks geht es wieder hinein in Los Haitises, mit WOW-Effekt. Wir stehen auf einer Anhöhe, links vor fällt uns eine steile Kalkwand zig Meter in die Tiefe, ein lehmig rot-braunder Trampelpfad windet sich zwischen Palmen und Büschen ins Tal hinunter. Kein Wunder, dass hier Teile von Jurassic Park gedreht sein sollen.

Und die Wanderung geht abwechslungsreich weiter:

Es ist zwar der gleiche (manchmal kaum erkennbare) Pfad hin und zurück und es wartet kein Wasserfall, keine Höhle oder ähnliches auf uns, aber es sind acht Kilometer wunderschöne Wanderung. Mal finden sich Kakaobäume mit reifen und überreifen Früchten, mal dichter Farn auf Lichtungen, mal klassischer Urwald. Mehrmals auch Pflanzen, die einen starken Jasmin-Duft verbreiten.

Und wir entdecken den Nationalvogel der Dominikanischen Republik, in der Landessprache Cigua Palmera genannt, auf deutsch heißt er leicht abfällig „Palmschwätzer“. Aber die charakteristischen Warnlaute des endemischen Vogels sorgen z.B. dafür, dass bestimmte Bussarde ihre Nester gern über denen der Palmschwätzer errichten.

Zurück bei den Dinghys gehts bei noch niedrigerem Wasserstand durch die Mangroven zurück Richtung Ankerplatz. Diverse Reiher sitzen auf den trockengefallenden Wurzeln und spähen nach Beute. Wir sehen Silberreiher, Kleine Blaureiher und Krabbenreiher (im englischen poetischer als Yellow Crowned Night Heron bezeichnet, die langen gelben Schmuckfedern im Nacken zeigen die Paarungszeit an).

Unter Segeln gleiten wir am nächsten Morgen an der grün-buckeligen Landschaft vorbei, verlassen die Bahia de San Lorenzo und suchen uns einen einsamen Ankerplatz nur wenige Meilen weiter westlich. Geschützt von den Cayos de los Pajaros, den Inseln der Vögel. Das passt doch.

Und wer könnte einem solchen Ankerplatz schon widerstehen:

Santa Bárbara de Samaná und Salto El Limón

Der Ort Santa Bárbara de Samaná, zugleich Hauptstadt der Provinz Samaná, ist ein Zentrum des Tourismus im Nordosten der Dominikanischen Republik. Nicht zuletzt auch wegen der über 1.000 Buckelwale, die in den ersten Monaten des Jahres hierher in die Bucht kommen. Aber trotzt offener Grenzen sind die Hotels der Gegend offenbar alles andere als gut gefüllt, einige Whalewatching-Touren gibt es natürlich gleichwohl. Brauchen wir aber ja nicht, nachdem uns die Buckelwale schon so einen wunderbaren Empfang bereitet haben.

Überhaupt weicht das Bild, dass die Fremdenverkehrsseiten von Samaná zeichnen, ein kleines bisschen von dem Eindruck der Stadt ab, den wir bisher gewonnen haben. So oder so ähnlich sehen die Bilder der Tourismusbehörde aus, die auch in einem dieser Postkartenhäuser am Malecón ihre Dependance hat:

Bunt, ja. Aber auch deutlich gepflegter und weniger quirlig, als der Ort sich sonst präsentiert. Ein schönes Beispiel dafür ist der Markt, nur etwas weiter die Straße hinauf von der Promenade.

Was uns bei Obst und Gemüse positiv auffällt ist die fehlende Kühlung, so hält es sich an Bord wesentlich länger. Bei Fisch und Fleisch fehlt sie auch, das macht aber weniger Freude. Kleidung wird aus großen Säcken auf die meist zuvor mit Pappe ausgelegte Erde gekippt und aus diesen großen Bergen heraus verkauft. Bevorzugtes Verkehrsmittel sind kleinere Motorräder, meist ohne Helm und gern mit drei oder mehr Personen belegt. Es gibt auch Motorradrikschas und natürlich Autos. Anders als in Puerto Rico aber eher nicht amerikanische V8-SUVs. Es mutet afrikanisch an, und das nicht ohne Grund. Ein Großteil der Bevölkerung hat seine Wurzeln dort und stammt von verschleppten Sklaven ab, was sich auch in der lokalen Küche und sogar der hiesigen Kirchenlandschaft mit einer wichtigen afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche widerspiegelt.

Das man hier auf Touristen eingestellt ist, zeigt sich derzeit vor allem an den Ausflugsangeboten. Neben dem Whalewatching werden insbesondere Bootstouren hinüber in den Nationalpark Los Haitises oder auf die „Bacardi“-Insel Cayo Levantado angeboten. Luis, der uns beim Einklarieren geholfen hat, sammelt die Crews von 5 Booten für einen Hike zum Wasserfall „Salto de Limón“ ein, die zudem noch ein paar Stops beinhaltet. 22 Euro pro Person, touristisch, klar, aber auch sehr informativ. So lernen wir etwa, dass die meisten Zigarren nicht etwa in Kuba, sondern eben der Dominikanischen Republik produziert werden. O.k., das ist eine quantitative, keine qualitative Aussage. Aber die Manufaktur, die wir besichtigen (Las Ballenas Premium Cigars) zeigt uns eben auch, wie gute Zigarren in Handarbeit von einem Torcedor (Zigarrenroller) erstellt werden.

Nebenbei lernen wir auch noch einiges über andere lokale Produkte, etwa Kakao. Zum Beispiel, dass die Kakaofrucht einmal aufgeschlagen so aussieht:

und die Kakaobohnen in ihrer Fruchtfleischhülle zwar gelutscht (schmeckt etwa wie Litschi), aber nicht gekaut werden sollten. Braucht dann doch noch ein paar Verarbeitungsschritte, bis da vernünftige Schokolade draus wird 😉.

Aber dieses Wissen ist bei unserem nächsten Ausflugsteil, dem eigentlichen Hike, dann auch gleich nützlich. Denn mit Hilfe unseres Guides erspähen wir im Wald wilde Kakaobäume, gut zu erkennen an den (allerdings noch grünen und damit unreifen) Kakaofrüchten.

Wir könnten den ersten Teil des 2,5 km Hikes zum Wasserfall von El Limon auch auf dem Rücken eines (geführten) Pferdes zurücklegen, aber wir genießen lieber die schöne Wanderung durch den Wald, die zumeist an einem Flüsschen entlang führt. Witzig ist, dass die Reiter Gummistiefel erhalten, weil die Pferde den lehmigen Weg doch etwas matschig treten. Wir können aber in Wanderschuhen ganz gut „neben der Spur“ entlang gehen.

Auch die Jicoteas (oder Hicoteas) Dominicana, eine endemische Sumpfschildkröte, genau genommen eine nur hier auf der Insel heimisch vorkommende Unterart der Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte, hätten wir sonst wohl eher nicht gesehen und auch das Muli des Kokosnussammlers wäre uns vielleicht nicht aufgefallen oder jedenfalls hätte sich uns der Sinn der Körbe nicht erschlossen.

Erstmal kommen wir zur „Cascada pequeña“, dem kleinen Wasserfall.

Schon ganz hübsch, aber das eigentliche Ziel der Wanderung folgt dann etwas später und ist auch mehr mit anderen (überwiegend einheimischen) Touristen zu teilen. Der „Salto El Limón“ stürzt etwas mehr als 40 m in die Tiefe und ergießt sich in ein Becken, in dem wir baden können. Ein Süsswasserbad, lange nicht gehabt. 😁

Auf der Rückfahrt sehen wir einmal mehr, wie weit die Schere hier in der Dominikanischen Republik auseinandergeht. Es gibt prachtvolle Ville hinter hohen Mauern, aber vor allem sehen wir auch viele kleine Hütten, meist bunt bemalt, manchmal aber auch nur schlichtes rohes Holz, deren Wohnfläche kaum als Familienheim zu taugen scheint. Nebenbei, es gibt eine unfassbar hohe Anzahl an Bancas und an Lotecas, beide bezeichnen Lotterieverkaufsstellen. Aber in Lateinamerika stehen die Einwohner der Dominikanischen Republik mit ihrer Lotteriebegeisterung wohl nicht allein.

Hike “Vereda la Coca” im El Yunque Nationalwald von Puerto Rico

Ein weiteres Mal machen wir regen Gebrauch von unserem Mietwagen, diesmal zieht es uns in den Nordosten von Puerto Rico. Dafür stellen wir sogar den Wecker, denn wir möchten früh los kommen. Per Internet haben wir über die Website des “El Yunque National Forest” ein Ticket reserviert. Muss spätestens am Vortag ab 8.00 Uhr passieren, sonst kommt man mit dem Auto nicht in den Nationalwald hinein.

Nationalwald, nicht Nationalpark! Spannende Unterscheidung, es gibt unter US-amerikanischer Hoheit 154 Nationalwälder und 63 Nationalparks. Der große Unterschied ist, dass die Nationalparks dem Innenministerium zugeordnet sind, die Nationalwälder aber dem Landwirtschaftsministerium. Eigentlich sind Nationalwälder damit auch z.B. forstwirtschaftlich nutzbar, aber für „El Yunque“ trifft das kaum zu. Er ist der einzige tropische Regenwald unter den 154 Nationalwäldern und ist augenscheinlich forstwirtschaftlich nicht genutzter Urwald. Die einzige Landstraße, die ihn von Nord nach Süd durchquert, ist auf einem kleinen Stück unterbrochen und durch Schranken abgesperrt, so dass zwei Sackgassen entstanden sind. Kein Durchgangsverkehr. Aber im Wortsinn ist eben doch Durchgang möglich, es gibt mehrere ausgeschilderte Wanderungen. Wir entscheiden uns für den „Vereda la Coca“, 6 km lang. 3 km hin, 3 zurück auf der gleichen Strecke, zusammen etwa 590 Höhenmeter. Allerdings steht gleich am Eingang ein Warnschild: „Very difficut and rugged trail, know your limits.“

Das geht man besser nicht in Flipflops an, die Wanderschuhe sind geschnürt, Proviant und vor allem Wasser haben wir dabei, Regenjacken auch, schließlich gehts in einen Regenwald. Badesachen haben wir aber auch dabei, denn am Ende des Weges lockt eine Badestelle. Drei kleine Flussdurchquerungen gilt es zu bewältigen, aber die größte Schwierigkeit ist der oft steile und fast immer rutschige Untergrund. Wir müssen auf großen Teilen der Strecke wirklich bei praktisch jedem Schritt sehr genau darauf achten wo wir den Fuß absetzen, wenn er weder abrutschen noch im Matsch versinken soll (in dem schon Sneeker von Vorgängern stecken).

Etwa 2 1/2 Stunden brauchen wir für den Hinweg. Aber statt Bad gibt es erst einmal eine Dusche. Ein Wolkenbruch kommt pünktlich zu unsere Ankunft. Erst suchen wir (ziemlich vergeblich) Schutz unter dem Blätterdach, dann machen wir aus der Not eine Tugend, verstauen die Klamotten im wasserdichten Rucksack und – ab ins Wasser. 10 Minuten später reißt der Himmel wieder auf und wir können das Bad richtig genießen.

Ganz alleine übrigens, nur ein einziger Power-Wanderer hat uns auf dem Hinweg überholt und kommt uns schon vor der Badestelle wieder entgegen. Ein Pärchen, dass wir auf dem Parkplatz getroffen haben kommt erst am Badeplatz an, als wir uns nach einer Stärkung wieder zum Aufbruch rüsten.

Der Rückweg ist durch den starken Regenschauer noch etwas rutschiger als der Hinweg, aber dafür geht es diesmal zumeist bergauf, das macht es zwar etwas anstrengender, aber auch etwas leichter trittsicher zu gehen. So kommen wir diesmal mit rund zwei Stunden für die Strecke aus. Vögel hören wir übrigens deutlich mehr als auf unseren letzten Hikes, aber durch das dichte Blätterdach bleiben sie fast immer unseren Blicken verborgen. Nur einmal bekomme ich mit der Kamera doch einen vor die Linse:

Ganz besonderes Glück: es ist ein Puerto Rico – Todi, ein nur hier auf der Insel vorkommender Rackenvogel. Die eher kleinen (11 cm) und eher stämmigen Todis graben mit ihrem Schnabel einen etwa 30 cm langen Bau in die gerne lehmigen steilen Erdhänge und Uferböschungen, davon dürfte er hier genug finden.

Statt anderer Vögel kann ich aber immerhin einige tropische Schmetterlinge ablichten (von links nach rechts: Vanillefalter, Zebrafalter und Dryas iulia, auch als Fackel oder Julia bezeichnet).

Und dann sind wir auch schon wieder am Coca-Wasserfall, der den namensgebenden Fluss nahe des Eingangs zum Nationalwald in die Tiefe stürzen lässt. Was für eine herrliche Wanderung! Morgen ist dann aber wohl eher Ausruhen angesagt.

Für den Rückweg wählen wir die Küstenstraße über Fajardo, nur ein wenig länger als der Hinweg auf der direkteren Strecke über den Gebirgsrücken, aber so bekommen wir noch etwas mehr von dieser wunderschönen und abwechslungsreichen Insel Puerto Rico zu sehen.

Manatee-Watching in Puerto Rico

Manatee (englisch) oder Manatí (spanisch-karibisch) hört sich irgendwie schöner an als die deutsche prosaische Bezeichnung Rundschwanz-Seekuh. Aber Bezeichnung hin oder her, die friedlichen Pflanzenfresser haben Wiebke und ich erst ein einziges Mal (in Florida) in freier Natur sehen können. Hier in Puerto Rico kommen sie ebenfalls vor und an unserem Ankerplatz vor Puerto Salinas weisen Bojen auf die Manatees und die ihretwegen eingerichtete Geschwindigkeitsbegrenzung von 5 mph hin.

Also blasen wir die SUP auf und erkunden auf diesen Paddelboards erstmal den Ankerplatz und die angerenzenden Mangrovenkanäle.

Wir genießen den ruhigen morgendlichen Ausflug, ein Manatee lässt sich dabei leider nicht blicken (Mücken übrigens anders als befürchtet auch nicht). Die Windstille in den Mangroven täuscht, draußen am Ankerplatz weht es durchaus.

Gemeinsam mit Andrea und Ingo marschieren wir danach durch die Stadt zum gut sortierten, aber weit entfernten Supermarkt. Am Ende kommen 12 km Fußweg zusammen, da sind die beiden Pausen im „The Sweet Spot“ und auf dem Rückweg im Restaurant mit Meerblick doch gut verdient. Die Stadt Salinas hat einen kleinen kolonialen Stadtkern mit in Schuss gehaltenem Rathaus, Bibliothek, Kirche, zentralem Platz, dahinter liegendem Mercado und ein paar noch nicht renovierten Altbauten. Auffällig ist, das die (von uns durchwanderten) Wohnviertel fast durchgängig mit einstöckigen Flachdach-Massivhäusern bebaut sind, alle etwa gleich groß und doch unterschiedlich, oft nicht nur in den farbigen Friesen sondern auch in den verspielten Säulen und den Grundstückseinfassungen, Fenster- und Terrassengittern. Und es gibt irre viele Hunde, natürlich auf den Straßen, aber auch kaum ein Haus scheint ohne (und wenn doch, sorgt der Nachbar vor 😉).

Aber natürlich haben wir die Hoffnung auf Manatees noch nicht aufgegeben. ln der Ferne, zwischen den anderen Ankerliegern und den Mangroven, sehen wir sie immer mal wieder kurz. Wirklich scheu scheinen sie nicht, von vorbeifahrenden Dinghys lassen sie sich kaum beeindrucken, wenn etwas Abstand gewahrt bleibt. Und so fahren wir hinüber und lassen uns von der Luvseite her durch die Gegend driften. Jetzt passt es, bis zu fünf Manatees sehen wir gleichzeitig, drei auf der einen und zwei auf der anderen Seite. Sie grasen in den Seegraswiesen des trüben seichten Wassers, verraten sich gelegentlich durch Wolken aufgewirbelten Sandes oder einen dunklen Fleck, der dicht unter der Wasseroberfläche dahinzugleiten scheint. Aber sie sind nicht ganz leicht zu fotografieren, denn selbst wenn sie Luft holen ist meist nur ein kleiner Teil ihres massigen Körpers zu sehen.

Vom Kopf sieht man oft nur den kurzen Rüssel auftauchen (ja, ihre nächsten Verwandten sind die Elefanten), mit den beiden Nasenlöchern obendrauf. Dann geht der Kopf schon wieder unter, die Seekuh macht einen Buckel und zeigt ihren Rücken, gleitet langsam hinab und zeigt manchmal die runde Schwanzflosse.

Zwei Rundschwänze über Wasser
Und im trüben Wasser noch schlechter erkennbar: einer unter Wasser

Weit besser zu erkennen ist das alles auf unserem Manatee-Video, und das gibt’s HIER. Es sind faszinierende Tiere, die bis zu 4,5 m lang und bis zu 500 kg schwer werden. Obwohl derart kolossal, gelten sie als Vorbilder der legendären Meerjungfrauen, auch Kolumbus hat sie als solche beschrieben. Das gängige Schönheitsideal hat sich wohl in der Zwischenzeit etwas gewandelt. (Na ja, eventuell ist das auch eher ein überkommener europäischer oder ein 1989er Disney-Arielle Ansatz, nicht zwingend ein karibischer 😉.)

Alles ums Wasser: Watermaker und Rendezvous Bay

Wir sind zurück in Falmouth. Eine Nachfrage bei Watermaker Services ergibt, dass unsere Teile schon aus Trinidad eingetroffen sind. Ein bisschen Hin und Her gibt’s noch um Zwischenstücke für die Fittinge. Ich muss noch eine Verschraubung aus der Hochdruckpumpe ausbauen, der Grund ist mir erst nicht klar. Aber es zeigt sich, dass die Originalfittinge an dieses Teil nicht passen würden, es ist offenbar Teil der Frickelei in Griechenland. Egal, auch das löst sich, trotzt anfänglicher Schwierigkeiten meinerseits, die neue Verschraubung dicht zu bekommen. Vielleicht habe ich auch nur das Teflonband falsch herum um die Schraube gewickelt.

Die gute Nachricht: der Watermaker läuft wieder, eine neue Membran ist auch drin und die Werte sind besser denn je. Hatten wir zuletzt mit der alten Membran meist knapp unter 500 ppm sind es jetzt nur 220 ppm (parts per million entsprechend mg/L, letztlich wird aus der gemessenen Leitfähigkeit die Anzahl der Ionen der verbliebenen Salze geschlossen). Dafür haben wir ein kleines Messgerät an Bord. 220 ppm sind für unseren kleinen Watermaker schon ein ziemlich guter Wert.

Außerdem machen wir von Falmouth aus gemeinsam mit Annemarie und Volker von der “escape” eine Wanderung zur Rendezvous Bay. Das sind etwas über 10 km (hin und zurück), also brechen wir schon morgens um 8.00 Uhr auf, um nicht die ganze Zeit die pralle Hitze zu haben. Klappt auch, aber wir schwitzen trotzdem ganz gut. Irgendwie hatten wir uns den Weg flacher vorgestellt, am Ende ist aber doch (lt. iPhone) die Entsprechung von 53 Stockwerken erklommen. Allerdings ohne Treppen. 😉

Der Hinweg führt größtenteils über eine (unbefestigte) Straße. Autos begegnen uns allerdings keine. Das ist ganz und gar verständlich, wenn man sich den Zustand ansieht: sie ist so ausgespült, dass Wiebke in einem “Schlagloch” bis zu Hüfte verschwindet.

Für uns ist die Strecke aber gut zu gehen und so kommen wir einigermaßen entspannt bei der halbmondförmigen Rendezvous Bay mit ihrem malerisch hineingetupften Felsenriff an. Den Strand haben wir ganz für uns allein, für allzu viel Besuch ist er dann doch zu abgelegen, wenn nicht (zu anderen, Außer-COVID-Zeiten) Hotel- oder Kreuzfahrttouristen mit speziellen Gefährten oder auf ausgebesserter Straße herangeschafft werden. An einer Wiese in der Nähe des Strandes findet sich unter den Bäumen am Rand jedenfalls etwas improvisiert wirkende Infrastruktur dafür. Perfekt, um Schuhe und Rucksäcke auf den Bänken zu lassen und barfuß über den feinen Sandstrand zu schlendern (wenn man nicht gerade die Drohne steigen lässt).

Der Rückweg wird übrigens etwas anstrengender. Diesmal geht’s am Berghang entlang quasi oberhalb der Küste auf direkterem Weg (vielmehr Trampelpfad) nach Falmouth. Hindernisse inbegriffen.

Aber dafür bieten sich auch immer wieder tolle Ausblicke, auf die Küstenlinie und am Ende, als schon wieder Häuser auftauchen, auch auf Falmouth Harbour.

Wird doch noch mal Zeit für die Drohne. Und dann für ein Belohnungseis. 😁

Carlisle Bay, Antigua

Was für ein Unterschied zum wuseligen, bei Megayachten beliebten und ziemlich weitläufigen Falmouth mit all seinen Serviceangeboten, Restaurants und Kneipen. Die drei Seemeilen weiter westlich an der zerklüfteten Südküste von Antigua gelegene Carlisle Bay bietet davon fast nichts, dafür aber einen ebenfalls gut geschützten Ankerplatz zwischen den sich eng an die deutlich kleinere Bucht schmiegenden grünen und steilen Hügeln. Insbesondere auf dem Stück zwischen den beiden Buchten vom Fisher Hill bei der Carlisle Bay bis hinüber zum Nook Hill vor Falmouth findet sich auch fast keine Bebauung, die steilen Flanken sind zumeist straßenlos und nur von wenigen Wegen durchzogen. Autos müssen den Umweg über den (schönen) Fig Tree Drive durch das Inselinnere nehmen.

Die wunderschöne Südküste von Antigua: links hinter dem Kap liegt die Carlisle Bay, ganz rechts am Bildrand Falmouth

Ein Weg aber soll von unserem Ankerplatz aus hinüber über die Hügel zum Strand hinter den Riffen führen. Wir landen mit dem Dinghy am Jetty des Hotels an, fragen freundlich und dürfen das Beiboot dort festmachen. Also wandern wir los, zunächst durch das kleine Örtchen mit unfassbar vielen ausgeschlachteten Autos am Straßenrand. Nach etwa einem Kilometer biegt ein Feldweg ab und erstmals überhaupt auf Antigua spazieren wir durch so etwa wie Plantagen. Kein industrieller Anbau, eher dürften es kleine bäuerliche Betriebe sein, die hier in der Ebene hinter dem erstaunlich weitreichenden Mangrovenfeuchtgebiet vor allem Bananenstauden und große alte Mangobäume bewirtschaften, auch Zuckerrohr und Papaya ist zu sehen.

Als wir die Mangroven hinter uns lassen steigt das Gelände an, wird sofort merklich trockener und es findet auch kein Anbau mehr statt. Dornengestrüpp und vereinzelt auch Kakteen säumen den jetzt trockenen Weg. Immerhin, es bleibt ein Weg bis knapp hinter die Passhöhe, dann ist auch dieser Luxus vorbei. Ein Pfad führt jetzt durch die Dornen.

Bis kurz vor dem Meer gut zu finden, die letzten paar hundert Meter eher dem Geräusch der Brandung nach durchs Dickicht. Aber auch das klappt und so können wir an unserem Privatstrand (am ganzen Tag wird uns auf der Wanderung niemand begegnen) unsere Rast einlegen und einen Segler beobachten, der hinter dem Riff um das Kap herumzirkelt.

Auf dem Rückweg finden wir durch Zufall kurz hinter dem Pass einen mit roten Bändern markierten aber bisher nirgends eingezeichneten Wanderpfad, der steil den Hang hinaufführt. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen, und es wird ein echtes Highlight, im wahren Wortsinn, denn es geht an überwucherten Ruinen englischer Festungsgebäude vorbei bis auf den Gipfel des Fisher Hill hinauf, mit traumhaften Aussichten an der Küste entlang bis Falmouth und zur anderen Seite auf unseren Ankerplatz. Die Drohne fängt sogar beides zugleich ein.

Vom Großen zum Kleinen: selbst hier oben auf dem Berg finden sich noch Einsiedlerkrebse. Dem hier ist sein Schneckengehäuse schon etwas klein geworden, er kann es nicht mehr mit seiner einseitig großen Schere verschließen, einige Beine schauen immer noch mit hinaus.

Da wird wohl demnächst ein Umzug fällig. Bei uns auch, trotz der schönen Carlisle Bay. Wenn die Teile für den Wassermacher komplett da sind, wollen wir nach St. Martin aufbrechen. Aber bis dahin genießen wir Antigua. Den Rückweg können wir übrigens zum Glück noch deutlich abkürzen, indem wir die Verbindung der Mangroven zum Meer durchwaten, gut 8 km sind es trotzdem auf dem abwechslungsreichsten Hike, den wir auf Antigua und Barbuda bisher gemacht haben.

Und hier einfach noch ein paar Eindrücke von dem Ankerplatz und der Gegend:

Sinnvolles auf Antigua

Keine großen Änderungen, wir warten noch auf die Wassermacherteile. Immerhin: Julien von Watermaker Services hat den eigentlichen Übeltäter (den zugerosteten gewinkelten Fitting) ersetzt, ebenso einen Endstopfen des Rohrs der Mebran, der durch den Überdruck scheinbar einen Haarriss bekommen hat.

Den Wassermacher habe ich jetzt testweise wieder eingebaut, er funktioniert und leckt nicht. Allerdings muss der (rostende) Fitting zwischen Hochdruckpumpe und Membran noch getauscht werden, der sollte Anfang nächster Woche eintreffen. Wir werden dann auch die Membran tauschen, vorsorglich wegen der sich auch dort absetzenden Rostteilchen sowie des entstandenen Überdrucks und weil die alte Membran ohnehin kurz vor dem Ende der empfohlenen Einbauzeit (5 bis 7 Jahre) ist. Lieber ein bisschen vor der Zeit als demnächst in vielleicht unpassender Gegend danach suchen zu müssen. Jedenfalls muss ich Membrangehäuse und Schläuche dazu nochmal aus- und dann wieder einbauen.

Die Wartezeit auf die Teile nutzen wir bei etwas durchwachsenem Wetter für einen weiteren Hike hier auf Antigua. Die vom Pigeon Beach gar nicht weit entfernte Windward Bay sah im Vorbeisegeln verlockend aus, ihr möchten wir gerne einen Besuch abstatten. Wiebkes Hiking-App „Komoot“ weist auch einen Pfad dahin aus, aber schon bevor er von der Straße abgehen soll, versperrt uns eine Schranke den Weg. Hier scheint es nur Privatresidenzen zu geben. Wir nehmen nochmal den Middelground Trail zwischen Falmouth und English, den wir schon ein paar Mal gewandert sind. Wie so oft begegnen uns einige wilde Ziegen, derzeit häufig mit Lämmern. Es ist schon erstaunlich, wie genüsslich sie die Blätter von dem stacheligen niedrigen Dornenbuschwerk abzupfen.

Anders als sonst biegen wir diesmal aber nahe des höchsten Punktes ab in Richtung des Anwesens auf der Südspitze des Middelground. Direkt vor der Umzäunung des Anwesens führt dann ein Pfad zum Kliff am Snapper Point, dem südlich der Einfahrt zu English Harbour gelegenen Kap.

Erosion oder die Wellen früherer Zeiten haben hier in heute luftiger Höhe über dem Wasser höhlenartige Einbuchtungen und Überstände geschaffen, die heute wohl hauptsächlich noch den Ziegen als Wetterschutz dienen, ihre zahlreichen Hinterlassenschaften deuten jedenfalls darauf hin.

Auf dem felsigen Grund des Kliffs finden sich viele Kakteen, und nicht nur die Ziegen scheinen stachelresistent zu sein. Kleine und unglaublich flinke Eidechsen klettern auf ihnen herum, als wären die Dornen Steighilfen.

Ich kann mich zwar kaum sattsehen, aber irgendwann kehren wir Snapper Point doch den Rücken zu und finden hinter dem Anwesen tatsächlich auch einen Weg hinunter zum Strand in der Windward Bay. Der erweist sich allerdings als wenig badetauglich, ein felsiges Riff beginnt unmittelbar an der Wasserlinie und zieht sich den ganzen Strand entlang. Keine Chance für den in der Bucht ankernden Dreimaster, hier mit seinem Dinghy anzulanden. Aber immerhin können sie vielleicht den Schnorchel-Lehrpfad nutzen, auf dessen 12 Stationen auf dem Riff ein Schild am Strand hinweist.

Am Abend gibt’s für uns gemeinsam mit der Crew der „escape“ ein superleckeres Essen im unbedingt empfehlenswerten wenn auch höherpreisigen „5 Senses“ in Falmouth. Küche und Bar und Location sind top. Nicht die „Pre-Hispanic-Soup“ entgehen lassen, sie spricht wirklich alle Sinne an!

Heute morgen sollte der Wecker auf halb sieben stehen. Die ersten Ruderer der Talisker-Atlantic-Challange werden ankommen und wir wollen sie begrüßen. Aber dazu kommt es nicht, die beiden haben sich nochmal ordentlich in die Riemen gelegt und laufen schon gegen 5 Uhr im Dunkeln in English Harbour ein, nach über 2.700 sm Rudern von San Sebastián auf La Gomera. Neue Rekordzeit für den Zweier „Row4Cancer“ mit Mark Slats und Kai Wiedmer: 32 Tage, 22 Stunden und 13 Minuten. Unfassbar! In den nächsten Tagen (und Wochen) werden noch weitere Teilnehmer im Ziel erwartet, vielleicht bekommen wir ja einen anderen Zieleinlauf mit.

Aber erstmal entscheiden wir uns für einen Ortswechsel. Knappe vier Meilen geht es weiter in die gegenüber Falmouth doch deutlich kleinere und ruhigere Carlisle Bay, die uns im letzten Frühjahr während des Lockdown schon so gut gefallen hatte. Kein einziges AIS-Signal zeigt sich da derzeit, das ist doch quasi eine Einladung. Und tatsächlich, als wir um die Ecke biegen ist die Carlisle Bay tatsächlich völlig leer. Wir fahren weit hinein und lassen den Anker fallen. Lediglich ein Strandkat vom Hotel im Scheitel der Bucht dreht seine Runden. Horizontal und vertikal, aber kentern gehört zum Strandkat-Üben ja nunmal dazu.

Aber während ich die Drohne startklar mache, kommen doch noch ein paar weitere Boote dazu, am Nachmittag auch die Tairua mit Ute und Russ, die wir schon in Barbuda und hier auf Antigua in Falmouth getroffen haben. Fein, dann können wir unseren frischgebackenen Kuchen ja doch wieder in netter Gesellschaft verputzen.

Lazy days in Falmouth

Die Bootsarbeit ruht und wir mit ihr. Wir warten auf Teile für den Wassermacher, aber die muss Julian in Trinidad bestellen. Soll eine Woche dauern, mal sehen.

Es ist ein bisschen irritierend, aber aus unerfindlichen Gründen hat jemand beim Einbau des Watermakers (für den Vorbesitzer der Flora, wahrscheinlich weil der Monteur nicht auf die Teile aus Trinidad warten wollte 😡) nicht die Original Edelstahlfittinge verwendet, sondern an jeweils einem Ende der beiden Hochdruckschläuche einen einfachen Stahlfitting. Der zum Bedienpanel führende Hochdruckschlauch weist hinter dem Panel verborgen dann an dem 90-Grad Stahlfitting gleich noch einen zweiten 90-Grad-Winkel auf, diesmal zur Abwechslung aus Bronze. Nicht gut.

Rückseite des Wassermacher-Bedienpanels

Eines der Stahlfittinge ist zugerostet, der Druck hat sich dann eben einen anderen Weg raus gesucht. Die Membran hat es wohl auch erledigt, aber die hätte ohnehin demnächst getauscht werden müssen.

Also warten wir halt auf die Teile, auch das gehört zum Langfahrtsegeln typischerweise dazu. Ist auch nicht weiter wild, es ist ja schön hier auf Antigua und es treibt uns derzeit kein Jahreszeitenwechsel und keine drohende Starkwindsaison. Im Gegenteil, die BVI als eines der nächsten potentiellen Ziele sind ohnehin noch dicht, die werden wir also auslassen müssen.

Warten wollen wir aber nicht weiter im Hafen und so verholen wir an einen Ankerplatz. Allerdings nicht ohne noch einen herrlichen Hike vom Galleon Beach über den Carpenter Trail und weiter bis zum „The Blockhouse“ zu machen, alten Festungsanlagen der Engländer oben auf der Steilküste an der Südspitze der Insel.

Am nächsten Morgen geht es dann aber von der Antigua Slipway Marina (wo wir noch unseren 600 Liter Wassertank vollgetankt haben) um die Ecke nach Falmouth Harbour und dort ankern wir vor Pigeon Beach. Die „escape“ ist schon da und wir entdecken noch einige weitere Salty Dawgs und ein paar andere bekannte Schiffe.

Das Wasser ist dieses Mal klarer als wir es bisher bei unseren Besuchen hatten und so paddeln wir mit den SUPs zum vorgelagerten Riff und Schnorcheln dort ausgiebig. Abends dann treffen wir in der Strandbar „Catherine‘s Café“ Annemarie und Volker.

Und heute: ausschlafen (ist ja Wochenende), schwimmen, ein bisschen am Unterwasserschiff schrubben, im Internet stöbern und versuchen, den Sturm auf das Kapitol und den restlichen Trump-Wahnsinn zu verarbeiten, die von Jutta geteilten „um die Ecke gedacht“-Zeiträtsel lösen, Brot backen, Drohne fliegen (kleines Video HIER), Hängematte, lecker kochen.

Und auf Flora den faulen Tag genießen 😌.

Barbudas wilder Osten

An einen ganz besonderen Ankerplatz auf Barbuda haben wir uns bisher noch nicht gewagt, das soll sich jetzt ändern. Spanish Point liegt im Südosten der Insel, die Navionics-Seekarte hält (in den kleineren Zoomstufen) für die Einfahrt folgende Hinweise bereit:

“Entrance can only be used between the hours of 0900 and 1400 by experienced reef pilots with a good lookout stationed in the rigging.”

“Owing to incomplete surveys around the island it is possible, that uncharted dangers exist. Mariners are advised to navigate with caution and only in good light conditions.”

Und für unsere Anfahrt herüber von Cocoa Point zusätzlich: “This area is encumbered by numerous coral heads …” There is no single course that will lead through this area. Put a man in the rigging and eyeball.”

Nun kann man “experienced reef pilot” ja naturgemäß nur werden, wenn man es probiert 🙂 , die Lichtverhältnisse stimmen, die Sonnenbrillen sind polarisiert und an die Uhrzeit halten wir uns selbstverständlich. Ich steige sogar zwischenzeitlich mal auf den Baum, aber die Kommunikation mit Wiebke ist von der Position aus (mit aufgebautem Bimini) nicht ideal. Statt “Mann im Mast” verwenden wir deshalb wieder das Auge des Satelliten. Bing hat in diesem Fall das bessere Bild als Google Earth und in der Ovitalmap-App heruntergeladen lassen sich die Korallenköpfe tatsächlich gut erkennen.

Bei der Fahrt herüber von Cocoa Point haben wir nie weniger als 7 m Wasser, müssen nur eine lang gezogene Kurve fahren, allzu schwierig ist es nicht, nur einmal lassen wir uns von etwas Bewuchs auf dem Sand irritieren und schlagen einen kleinen Haken. Erst unmittelbar vor Spanish Point messen wir einmal 3,5 m, da können wir aber auch schon längst die Muscheln in dem hellen Sand unter Flora zählen. Am Ankerplatz selbst (den wir uns zunächst mit nur zwei anderen Schiffen teilen müssen) sind es dann wieder 4 m Wassertiefe.

Und warum das Ganze? Na, zunächst mal deshalb:

Und außerdem bietet sich Spanish Point an, um von hier aus die raue Atlantikseite Barbudas zu erwandern. Wie im Westen gibt es auch hier kilometerlange Sandstrände, zudem ein paar Stücke felsige Steilküste. Anders als auf der sanften Karibikseite aber bricht sich hier die lange Dünung des Atlantiks krachend über den vorgelagerten Riffen und rollt trotzdem noch in schäumenden Wellen die Stände hinauf. Es gibt keine Hotels oder sonstigen Herbergen auf der Atlantikseite, der einzige Ort Codrington ist über die Lagune und die einzige Hauptstraße eher nach Westen, Süden und Norden angebunden. Die wirklich lesenswerte Website barbudaful.net schreibt dazu: “Nur eine Hauptstraße in verschiedenen baufälligen Zuständen führt vom Fluss im Süden zur Two Foot Bay im Norden der Insel.”

Tatsächlich treffen wir auf unserer längeren Wanderung im Osten Barbudas überwiegend am Strand entlang und auf auf einem unbefestigten Sandweg zurück durch das sonst schwer durchdringbare Inselinnere keinen einzigen Menschen.

Unschön ist, dass hinter der ersten Stranddüne Unrat sammelt, also da, wo bei stärkerem Wind die Wellen auch noch hinschlagen. Na klar, hier an der Ostküste wird mehr Müll angeschwemmt und außerdem auch nicht eingesammelt oder weg gekehrt. Auffällig dabei scheint, dass es sich hier anders als etwa auf Bildern von der Festlandküste Mittelamerikas ganz überwiegend nicht um privaten Plastik-Hausmüll handelt, sondern um irgendwie mit Fischerei verbunden Kram. Netzreste, Fragmente von Bottichen und Körben, Netzbojen und auch eine Unzahl von Ölkannistern.

Allerdings findet sich auch schönes Strandgut, etwa mit Strandschnecken besetztes Schwemmholz.

Mit etwas Sucherei finden wir eine gangbare Passage durch das Dickicht aus Gestrüpp und Kakteen zwischen dem Strand und dem ein Stück landeinwärts verlaufenden fast zugewucherten „Weg“.

Nur ein einzelner Wildesel begegnet uns auf dem Rückweg:

Was für ein Ankerplatz! Nachts können wir jetzt bei Vollmond wirklich die Beschaffenheit des Ankergrunds erkennen und von Bord aus die Ankerkette im Sand liegen sehen. Der Mond zaubert Lichtreflexe auf den Grund wie in einem Schwimmbad 😁.

Kleines Video dazu gibt’s HIER.

Warum Barbuda?

Warum segelt eigentlich irgendwer nach Barbuda? Das habe ich mich beim ersten Blick auf die Seekarte gefragt. Die rund 24 km lange und 14 km breite Insel ist überwiegend flach (höchster “Berg” 42 m!), hat mit Codrington nur einen einzigen, ausweislich des Revierführers aber nicht sehenswerten Ort sowie insgesamt deutlich unter 2.000 Einwohner. Es gibt viele Flachs und Riffe, aber keine richtig gut geschützten tief einschneidenden Ankerbuchten, Häfen sowieso nicht. Man ist auf Ostwinde (die aber ja auch vorherrschen) angewiesen, um einigermaßen gut und schwellarm zu liegen.

Also warum?

Zum Beispiel darum:

Und nein, wir waren auf unserem langen Strandspaziergang nicht ganz alleine. Wir haben tatsächlich EINE andere Seglercrew getroffen.