Über Wilmington nach Charleston

Wenn der Wind passt, wollen wir es nutzen. Die “Norder” mischen sich hier zu dieser Jahreszeit immer wieder mal in die Wettervorhersage. Sie bringen kalte Luft mit sich und äußerst fiese Wellen im Golfstrom. Aber eben auch Rückenwind auf unserem Weg nach Süden, jetzt, wo wir uns zwischen den Golfstrom und die Ostküste der USA gesetzt haben und somit eher günstige nach Süd setzende Neerströme nutzen können.

Für die Nacht auf Samstag ist ein kurzer Norder angekündigt. Den ganzen Tag haben wir schwachen Südwind, aber tatsächlich, um 20.30 Uhr springt unser Windgenerator an, gleichzeitig dreht sich Flora um 180 Grad. Na dann los! Wir tasten uns im Dunkel aus der schönen Ankerbucht am Cape Lookout, setzen die Segel und Rauschen durch die Nacht. Wilmington/Wrightsville Beach ist unser Ziel, eine der gar nicht mal so vielen “Class A”-Einfahrten an der US-Ostküste, die auch bei ungünstigeren Wetterbedingungen mit unserem Tiefgang angelaufen werden können. Aber das ist heute gar nicht wichtig, es wird eine wunderbare schnelle und trotzdem recht ruhige Überfahrt. Frisch, aber die aufgebaute Kuchenbude hilft. Mit Sonnenaufgang kommen wir an.

Wrightsville Beach liegt auf einer schmalen Insel, im Grunde wieder eine Nehrung, die die dahinter liegende flache Insellandschaft vom Meer trennt. Auf der Nehrung stehen dicht an dicht Strandvillen. Geankert wird im Kanal dazwischen.

Für uns wird es allerdings nur ein kurzer Stop. Eine Nacht bleiben wir dort, tanken noch in der Marina, dann gehts am nächsten Morgen früh los und weiter nach Süden, wobei wir erst ein ganzes Stück weit um das Cape Fear herum ausholen müssen. Kein Norder mehr, aber westnordwestliche Winde, die uns erst einmal schräges aber schönes Amwindsegeln bescheren, abwechseln mit Fock oder Code0. Zum Abend hin schläft der Wind (etwas früher als vorhergesagt) ein. Aber zuvor dürfen wir noch ein ganz besonderes Erlebnis genießen: Delfine begleiten uns und spielen um die Flora, während wir in den Sonnenuntergang segeln.

Nun sind Delfine am Boot immer klasse, aber diese Begegnung im letzten Büchsenlicht hat für uns schon eine ganz besondere Magie. Ein Video davon (besser als das Foto) findet sich HIER.

Und nach einer durchmotorten Nacht kommen wir am Morgen in Charleston an. South Carolina, aus Maryland kommend nach Virginia und North Carolina der dritte der Südstaaten im engeren Sinne, also derjenigen sklavenhaltenden “konföderierten” Staaten, die sich 1860/1861 von der Union losgesagt hatten.

Und noch mehr als zuvor in Virginia und North Carolina wird hier in Charleston das vielleicht von “Vom Winde verweht” und “Fackeln im Sturm” geprägte Südstaatenbild bedient. Kein Wunder, denn die auf einer Halbinsel zwischen dem Ashley River und dem Cooper River gelegene Stadt war mit ihrem Naturhafen im ausgehenden 17. und frühen 18. Jahrhundert die wesentliche Drehscheibe des Sklavenhandels. Die Plantagenbesitzer ließen sich hier am Atlantik prächtige Stadthäuser bauen, um der Sommerhitze in der Ozeanbrise etwas zu entgehen.

Noch heute prägt die Architektur mit großzügigen überdachten Terrassen und vielen Säulen vielerorts das Stadtbild. Ganz sicher trägt zum Südstaatenklischee auch das weit verbreitete “Spanish Moss” bei. Das manchmal auch als Louisianamooss oder Feenhaar bezeichnete Bromeliengewächs hängt oft dicht an dicht in den Bäumen, so als ob diese mit den Bärten von ZZ-Top konkurrieren wollten 😉.

Mit Steve und Helena von der Amalia erkunden wir die Stadt, laufen kreuz und quer durch die vielen kleinen Straßen und finden die ungewohnte Kombination von reichlich Palmen und viel Herbstlaub (und natürlich dem Spanish Moss). Und wir feiern auf der Moana den Geburtstag von Mareike. Schön, hier am Ankerplatz mit viel Tide und Strömung im Fluss gleich mehrere befreundete Crews wiederzutreffen.

Pura Vida.

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