Unser nächster Ankerplatz liegt bei Bitter Guana Cay. Dieses Mal können wir westlich der Inselkette bleiben und müssen nicht durch einen Cut hinaus in den Exuma Sound und dann wieder hinein in den Schutz der Inselkette segeln. Die Bucht weist einen schönen Sandstrand, aber auch eine malerische Steilküste mit leuchtend weißen Felsen auf, kaum ist der Anker gefallen, fahren wir hinüber.
Eine Besonderheit der von Menschen unbewohnten Insel sind die hier heimischen „Northern Bahamas Rock Iguanas“, diese Felsenleguane sind eine insgesamt bedrohte Tierart, die aber auf Bitter Guana Cay in großer Zahl leben. So hat sich die Insel zu einer Attraktion entwickelt, die wegen der Nähe zu dem Touristenhotspot Staniel Cay sogar in das Programm der Tagesausflüge (wörtlich zu nehmen, ✈️) von Nassau und Miami aufgenommen wurde. Faktisch folgt daraus, dass gelegentlich kleine Motorboote von Staniel Cay herübergesaust kommen und acht bis zehn Leute auf den Strand spucken, die dann aber nach 20 Minuten schon wieder abfahren. Die meiste Zeit des Tages sind wir allerdings allein in der Bucht. Na ja, nicht wirklich allein, denn die Felsenleguane sind eben an Menschen gewöhnt und kommen auf uns zu, sobald wir den Strand betreten, selbst wenn wir sie nicht füttern.
Diese Unterart (es gibt auch noch den Allan’s Cay Iguana und den Andros Iguana) zeigt ein eher dunkles, direkt nach der Häutung leicht bläulich erscheinendes Schuppenkleid mit vielen individuellen pinkfarbenen Sprengseln vor allem auf den Wangen, dem Nasenrücken und dem Kehllappen, am Bauch und den Beinen und dem Rückenkamm. Anders als die weit verbreiteten Grünen Leguane sind ihre Rückenstacheln ziemlich klein, eher gezackte Ausformungen des wulstigen Rückenkammes und bis auf die rosa Farbe fast unauffällig.
Sie haben zwar kräftige Krallen, aber als Pflanzenfresser Zähnchen, die ihrem sonst martialischem Aussehen mit der wie blutunterlaufen scheinenden rötlichen Lederhaut der Augen zu spotten scheinen. Aber es passt auch wieder, denn sie sind friedlich, hier offensichtlich an Menschen (und Fütterung) gewöhnt und kein bisschen aggressiv, obwohl sie so urzeitlich aussehen, dass Wissenschaftler und Filmemacher sich bei ihnen Anregungen für die Rekonstruktion des Aussehens von Dinosauriern geholt haben sollen. Und sie sind mit im Normalfall unter einem Meter Gesamtlänge klein genug um nicht Angst auszulösen, als sie im knappen Dutzend aus ihren schattigen Verstecken kommen und sich auf unsere am Strand angelandeten Dinghys zu bewegen.
LeguanspurAnkerwacheoder Ankerdrache?
Übrigens finden sich bei weitem nicht alle diese Echsen am Strand ein. Als wir oben auf die Steilküste klettern, sehen wir auch dort immer wieder Felsendrachen.
In diesem Fall kein Drache, sondern ein Felsen-Ingo 😁
Das Ankern hier in den Bahamas, gerade hier in Exuma hat ein paar Besonderheiten. Klar, es ist ein Tidenrevier, aber der Tidenhub ist eigentlich nicht besonders groß. Meist sind es zwischen 60 und 80 cm, gelegentlich wird es etwa 1 m Unterschied zwischen Ebbe und Flut. Trotzdem warnt die Seekarte vor gefährlichen Bedingungen, wenn nur eine mäßige Brise von gut 10 kn (oder mehr) Wind gegen die Tidenströmung in einem Cut steht. Denn durch diese schmalen und oft auch recht flachen Öffnungen zwischen den wie eine einzige Barriere in Reihe liegenden Inseln presst sich der Tidenstrom des Wassers der riesigen Great Bahama Bank. Dabei entsteht eine kräftige Strömung.
Und die wirkt sich auch beim Ankern aus. Gerade mit unserem 2m-tiefgehenden Boot können wir im Flachwassergebiet hinter den Cays oft nur in den flussähnlich durch die Sandbänke mäandernden Prielen ankern, durch die eben auch das Wasser ein- und ausströmt. Nicht umsonst gibt es eine spezielle Ankermethode namens „Bahamian Mooring System“, bei der mit zwei Ankern (einer nach vorne, einer nach achtern, beide über den Bug) der Schwoiraum im engen Priel bei wechselnder Tiede begrenzt wird. Gut erklärt z.B. HIER.
Bisher mussten wir so allerdings noch nicht ankern, denn wenn genug Platz vorhanden ist bevorzugen wir freies Ankern mit nur einem Anker, das erleichtert auch ein schnelles Ankerauf-Manöver.
Aber: das freie Ankern führt hier gelegentlich zu befremdlich anmutenden Positionen von Anker und Ankerkette relativ zum Boot.
Finde den Fehler: hier liegt der gut eingegrabene und nur seinen Schaft zeigende (Spade-)Anker bei Stillwasser neben Floras Heck, am Bug hat die Kette eine Schleife gelegt. Und hier liegen wir zwar mit dem Bug in der Strömung, gleichwohl aber hat uns der achterliche Wind gegen die Strömung über den Anker geschoben, die gesamte Ankerkette liegt in einer geraden Linie unter dem Boot durch nach hinten, die Ruckdämpfer an der Ankerkralle hängen beidseitig am Bug hinunter nach hinten gespannt.Warum dreht das Boot nicht mit dem Bug in den Wind? Wir vermuten, dass das Unterwasserschiff der Strömung beim Drehen zu viel Angriffsfäche bietet.
Nach so viel (hoffentlich zumindest für die Segler interessanten) Spezial-Kram noch eine eher skurrile Auswirkung der Tidenströmung:
Nahe an unserem Ankerplatz vor Rudder Cut Cay, einer der Privatinseln des Illusionisten David Copperfield, hat der Magier die Statue eines Konzernflügels in Originalgröße mit einer an die Klavierbank gelehnten Meerjungfrau versenken lassen, etwa vier Meter ist das Wasser hier tief. Ein wirklich bezaubernder Schnorchelspot 😉. Als wir unser Dinghy daneben verankert haben und mit Tauchflossen hinüber schwimmen wollen, kommen wir kaum gegen die Strömung an, es ist wirklich anstrengend. Ein Ausflugsboot kommt dazu, drei Touristen ohne Flossen springen ins Wasser und wollen zur Meerjungfrau hinuntertauchen, werden aber einfach an der Statue vorbeigetrieben. Das Ausflugsboot sammelt sie ein Stückchen weiter wieder ein.
Und danach: den Abend auf dem Vorschiff genießen 😌.
Aktuell freuen wir uns über schön hohe Erträge aus unseren Solarpanelen. Eigentlich kein Wunder, das Wetter ist fast durchgehend schön, die Sonne scheint, es gibt nur wenig Wolken. Und: die Sonne steht sehr hoch am Himmel, wirft Mittags nur ziemlich kurze Schatten. So ist das nunmal in den Tropen? Na ja, bis Georgetown waren wir in dieser Klimazone. Aber die Stadt liegt auf dem Wendekreis des Krebses, also auf etwa 23,5 Grad nördlicher Breite (23° 26′ 05″). Zur Sommersonnenwende am 21. Juni steht die Mittagssonne hier also genau senkrecht über der Stadt. Zwar scheint die Sonne nicht so lange wie im Sommer in Schweden, aber der Winkel ist halt perfekt (und unsere auf dem Bimini montierten Module werden ja nicht an den Winkel angepasst).
Die paar Meilen, die wir inzwischen in den Exuma weiter nach Norden gesegelt sind, ändern an unseren Solarenergieerträgen natürlich erstmal nichts, allerdings: die Tropen haben wir schon verlassen. Gefühlt ist es trotzdem heißer geworden, denn erstmals seit längerer Zeit haben wir zuletzt ein paar schwachwindige Abende erlebt (wirklich nur zum Sonnenuntergang, tagsüber war feiner raumer bis achterlicher Segelwind 😁). So sah z.B. die Easy One an unserem Ankerplatz vor Lee Stocking Cay von Bord der Flora betrachtet aus:
Lee Stocking Cay ist schon eine ganz besondere Insel. Die Anfahrt ist ein bisschen tricky, einmal mehr zeigt die Seekarte im Fahrwasser stellenweise nur exakt unseren Tiefgang an. Aber mit auflaufender Tide kommen wir unproblematisch durch und finden einen Ankerplatz direkt vor dem leicht verfallenen Anleger.
Das „Perry Institute for Marine Science“ hatte hier ein groß angelegtes Forschungszentrum errichtet, quasi ein ganzes Dorf mit eigenem Flugplatz und Hangar, Slipbahn und Bootsanleger, Wasserwerk, Labors, Werkstätten, diversen Seewasserbecken und Forschungsaquarien. Heute steht alles leer, wobei es wirkt, als wäre das „Science Center“ urplötzlich und Hals über Kopf verlassen worden. Akten liegen noch herum, Gasflaschen und Tanks verrosten, ein Pickup steht mit offener Motorhaube vor der Werkstatt. Computer und Batterien für deren unterbrechungsfreie Stromversorgung stehen in einer Ecke. Die Landebahn (Runway) ist in Teilen zugewuchert, einige Häuser sind ziemlich verfallen, andere noch recht intakt.
Irgendwie erstaunlich, zumal das Perry Institute sich die Verbesserung der Nachhaltigkeit des (maritimen) Ecosystems auf die Fahnen geschrieben hatte („… to improve the sustainability of our marine ecosystems“.
Und es gibt viele Kokospalmen, deren Nüsse ungenutzt herunterfallen, aber da können wir ein wenig Abhilfe schaffen.
Ganz ungefährlich ist der Nahkontakt mit fallenden Kokosnüssen und Werkzeugen nicht und so geht es auch nicht ganz ohne körperliches Blessuren ab, aber zum Glück nichts Ernstes. Aber die Rückenprobleme kommen wohl nicht nur von der Kokosnussverarbeitung, sind aber am nächsten Morgen schon wieder deutlich abgeklungen.
Und so können wir uns durch die schmale Rinne und das Flachwassergewirr wieder auf den Weg machen und weitere Inseln der Exuma erkunden. Mit unserem Tiefgang geht es erst einmal außen herum weiter.
Danke für das Daumendrücken. Nur ein kurzes Update: wir sind durch den Comer Channel unbeschadet durchgekommen, es war ein wunderbares Erlebnis.
Timing und Wetterfenster passen perfekt, wir können praktisch die gesamten 23 sm vom Ankerplatz bei Water Cay (Ragged Islands/Jumentos) bis zum Wegepunkt westlich des Comer Channel segeln, die meiste Zeit sogar unter Gennaker. Pünktlich zwei Stunden vor Hochwasser sind wir dort (= eine halbe Stunde vor Hochwasser Nassau). Die Tidenreviersegler mögen jetzt müde lächeln, aber für uns alte Ostseesegler ist es aufregend, bei einem Tidenhub von nur etwa 60 cm durch eine 12 sm lange unbetonnte Flachwasserpassage mit einer Kartentiefe von zum Teil weniger als unserem Bootstiefgang (2 Meter) zu fahren.
Aber wie berechnet haben wir tidenbedingt durchgängig mehr Wasser als in der Seekarte angegeben und wir schaffen es ohne Grundberührung hinüber nach Long Island, wo wir jetzt in der Thompson Bay ankern.
Der relativ schwache Wind kommt ausnahmsweise mal nicht aus Ost, sondern aus südlichen Richtungen, so dass wir auch nicht gegen eine Welle anfahren müssen, zudem ist das benötigte Hochwasser heute kurz nach Mittag, die Passage erfolgt also bei bester Sicht. Es finden sich aber ohnehin nur wenige Steine oder Korallenköpfe entlang der Route über das Flach, der Sandgrund schimmert fast durchgängig in einem fast unwirklich hellen Türkis.
Übrigens (mit Gruß an Kerstin) sind alle Bilder dieses Beitrags unbearbeitet und ohne Filter aufgenommen! Die Segel haben wir aber vor dem Comer Channel weggerollt und erst nach den ganz flachen Stellen wieder gesetzt.
Die versprochenen Bilder für die letzten beiden Beiträge folgen, sobald ich sie in Gänze sortiert habe 😌.
Kurz vor Flamingo Cay haben wir mal wieder Angelglück: eine schöne King Mackerel geht an den Haken. Während Wiebke schon den Ankerplatz ansteuert, schaffe ich es gerade noch rechtzeitig, den Fang unterwegs zu filetieren. Der Ankergrund in Flamingo sieht gut aus, erweist sich dann jedoch als etwas tückisch, eine dünne Schicht Sand über Fels. Wir wechseln den Platz, aber auch in der zweiten Bucht ist es kaum besser. Unser Spade hakt seine Spitze in einen Felsen, aber optimal geht anders. Die Easy One liegt etwas weiter drinnen in der Bucht, aber dort wird es schon eng. Der Anker der Amalia hat auch nur etwas Sand über dem Fels aufgeschoben. Für die Nacht ist aber wenig Wind angesagt, der Ankeralarm ist gesetzt, es muss so gehen. Tut es auch. Ein neugieriger und selbstbewusster Bullenhai erschreckt uns und ein amerikanisches Nachbarboot bei Ankerabschnorcheln.
Im Scheitel der Bucht liegt ein weißer Sandstrand, dahinter liegt einmal mehr ein Salzsee. Schön ist die Wanderung von diesem Strand über die Insel zur Nordbucht mit ihrem türkisfarbenem leuchtenden Flachwasser. Ebenfalls mit tollem Strand, von dem dort in der Seekarte verzeichneten Flugzeugwrack ist allerdings nicht mehr viel zu finden. Wir wandern über kippelige scharfkantige Korallenfelsen weiter an die Ostküste und lassen von dort aus die Drohne steigen.
Zurück in unserer Ankerbucht gehts mit dem Dinghy nicht direkt auf die Flora, sondern erst einmal in eine Höhle etwas weiter südlich. Sie ist (außer bei Hochwasser) gut mit dem Beiboot zu befahren und durch die Löcher in der Decke fallen Lichtstrahlen hinein, je nach Sonnenstand leuchtet auch der Sandboden in der Einfahrt und macht ein ganz besonderes Licht.
Und natürlich machen wir auch noch ein paar Schnorchelausflüge, immer wieder herrlich in dem klaren Wasser.
Nassau-Grouper
Bunte Papageifische, blaue Doktorfische (mit gelbem Skalpell an der Schwanzwurzel) und kleine blaue Cromis (Riffbarsche)
Gut getarnter Southern Stingray
und unser erster Jamaika-Stechrochen
Unsere nächste Station soll Water Cay sein, unterwegs fangen wir erstmalig Yellowtail-Snapper (sehr lecker in Butter mit Butterlimettensoße und Vier-Länder-Kürbis-Reis. Außerdem machen wir auf dem Weg nach Water Cay gleich zwei Zwischen-Ankerstops in freiem Wasser. Es locken Blue Holes und die Gelegenheit bei dem ruhigen Wetter ist günstig. Wieder gemeinsam mit Easy-One und Amalia ankern wir in unfassbar türkisfarbenem Wasser zunächst vor einem herzförmigen Blue Hole, das wirklich dunkelblau aus der Tiefe heraufzuleuchten scheint.
Zusammen schnorcheln wir sechs einmal den Riffrand entlang. Zwei kleine Riffhaie begrüßen uns kurz, ziehen sich aber schnell wieder in die dunkle Tiefe zurück. Überrascht werden wir von einem großen Schwarm Big-Eye-Jacks (Großaugen-Stachelmakrelen) die meisten mindestens einen halben Meter lang. Sie ziehen im Blue Hole ihre Runden und lassen sich von uns nicht stören, allerdings haben wir ja auch keine Pole-Spears dabei.
Nur eine Meile weiter das nächste Blue Hole, der nächste Ankerstop. Dieses Sinkloch ist kleiner im Durchmesser und auch nur rund 20 m tief, wir können beim Schnorcheln durchgängig den Grund erkennen. Das Blau leuchtet etwas heller, dafür ist aber der gesamte Rand fast durchgängig mit schönen Korallen bewachsen und es gibt entsprechend viele bunte Rifffische und auch Schwarmfisch zu bewundern. Auch hier wieder ganz herrliches Schnorcheln.
Was für ein Tag.
Am nächsten Morgen läuft Amalia früh aus, Steve und Helena müssen einiges erledigen und brauchen dafür Internet, sie segeln ab in Richtung Exumas. Wir anderen bleiben noch etwas auf Water Cay, genießen die spektakuläre Felsenkulisse am Ankerplatz und das ruhige, glatte Wasser. Endlich mal wieder werden die SUP aufgeblasen und wir paddeln herum. Wiebke kann wieder mal Yoga auf dem Board machen.
Einige Fischer nutzen die Bucht offenbar, um ihren Fang zu sortieren und zu putzen, es gibt also vermehrt Haie. So auch, als wir das nahe liegende dritte Blue Hole vor Water Cay mit dem Dinghy besuchen, bis auf die erstaunlich vielen Haie ist es eher unspektakulär und lädt nicht zum längeren Schnorcheln ein, nur eine kurze Runde um das Loch gemeinsam mit Ingo, wobei wir einen der Haie offenbar so erschrecken, dass er den Schnellgang einschaltet und hakenschlagend die Flucht ergreift.
Morgen wollen dann auch wir die Ragged Islands verlassen. Den Ausgang im Norden über die flache Comer Passage in Richtung Westküste Long Island und Südspitze Exumas können wir mit unserem Tiefgang von zwei Metern allerdings nur um Hochwasser herum passieren. Wir kalkulieren ein paar Mal und schalten auch noch unseren Chief (in Personalunion Shore Crew) ein, der uns per Satelliten-Email unsere Überlegungen und Informationen zum Tidenverlauf bestätigt. Also geht es morgen früh los, denn um 11:30 also etwa zwei Stunden vor Hochwasser wollen wir am 23 sm entfernten Startwegepunkt der Passage sein.
Drückt uns die Daumen.
Dieser Beitrag wird per Iridium-Satellit übermittelt, die Fotos werde ich nachreichen (ist hiermit passiert, ich hoffe, das Warten hat sich gelohnt). Kommentare können wir erst wieder freischalten (bei Erstkommentar) oder beantworten, wenn wir wieder Empfang haben.
Was ist eigentlich die Mehrzahl (oder Meerzahl?) von Türkis? Die Wasserfarben hier in den Bahamas mit ihren oft unglaublich intensiv leuchtenden verschiedenen Nuancen lassen uns jeden Tag aus Neue staunen. Wie geht das? Sonne und Sand, Wassertiefen, verstreute Seegraswiesen im klaren Wasser, Korallen. O.k., das erklärt die Möglichkeit (oft auch Notwendigkeit) der Augapfel-Navigation. Aber die Strahlkraft der Farben und ihren Zauber erklärt es nicht. Vielleicht ist es gerade das nicht ganz greifbare, geheimnisvolle, was besonders an diesen augenschmeichelnden und fast unwirklich erscheinenden Farben fasziniert und die Reflexionen des Lichts so viel Freude bereiten lässt.
Ausnahmsweise beginnt der Tag heute mit einigen Wolken, wir kommen spät aus den Federn und trotz schon hoch stehender Sonne blitzen die Farben im Flachwasser um unseren Ankerplatz bei Double Breasted Cay nur gelegentlich auf. Das ändert sich aber, als wir uns gemeinsam mit der Amalia hinüber in die naheliegende Bucht von Johnson Cay verholt haben. Die Wolkenlücken werden immer größer und der helle Sandstrand scheint fast gleißend weiß.
Blau und Grün mischen sich mal wie verlaufende Schlieren eines Aquarells, mal grenzen sie sich mit scharfer Kante gegeneinander ab.
Und wir sind auf der Flora mittendrin.
Natürlich müssen wir hier die Welt auch unter Wasser erkunden, die Farborgie in blau und grün setzt sich auch beim Schnorcheln fort.
Eine große Blaurückenstachelmakrele begleitet einen Stachelrochen
Zum Nachmittag verholen wir ein Stückchen weiter nach Norden an die Westküste von Raccoon Cay und ankern dort in der Spanish Wells Bay. Weil es mit den vielen Inselchen ein etwas unübersichtlich wird, hier mal unser Track auf der elektronischen Seekarte. In den Bahamas sind die Rasterkarten von Explorer Charts (in der App Aqua Map) nach unserer Erfahrung präziser als die Vektorkarten des sonst von uns bevorzugten Navionics:
Nur eine Bucht weiter (mit dem Dinghy, es ist dort zu flach für Flora) findet sich dicht am Strand eine geologische Besonderheit, die wir bisher noch nicht zu Gesicht bekommen haben, die aber in den Bahamas relativ häufig ist: ein „Blue Hole“. In diesem Fall an Land nur 20 m hinter dem Strand gelegen, oft aber auch auf See. Blue Holes sind tiefe, meist kreisrund oder leicht ovale, mit Wasser gefüllte Löcher. Oft wirken sie, als hätte ein Landschaftsdesigner mit einem riesigen Bohrer ein senkrechtes Loch in das Kalk- (bzw. Korallen-)gestein gebohrt. Wie tief? Völlig unterschiedlich, das tiefste bekannte und vermessene Blue Hole schafft es auf über 300 m, das zweittiefste ist das „Deans Blue Hole“ auf Long Island hier in den Bahamas ist immerhin 202 m tief. Oft verbirgt sich in der Tiefe eine größere Höhle unter dem senkrecht abfallenden Einstieg, denn Blue Hole sind durch Auswaschung entstandene Sinklöcher in porösen Küstensaumriffen. Das Blue Hole hier auf Raccoon Cay eher flach, aber gleichwohl beeindruckend. Nur – Blau ist es nicht. Selbst bei strahlendem Sonnenschein wirkt es eher wie die grüne Pupille eines Auges. Vielleicht liegt es an Algen, möglicherweise ist auch die Tiefe einfach nicht ausreichend um beim vom hellen Grund reflektierten Sonnenschein alles außer dem blauen Licht zu absorbieren. Mystisch wirkt es trotzdem.
Der Ankerplatz hier vor Hog Cay ist schön, aber auch ziemlich seicht. Klar, man könnt noch weiter draußen ankern, aber dann ist es auch wieder welliger.
Und so liegen wir hier mit unsern zwei Metern Tiefgang auf etwa zweieinhalb Meter Wassertiefe. Plus etwa 60 cm Tide. Bei Flut sehr komfortabel, bei Ebbe etwas weniger, zumal wenn wegen (gerade gewesenem) Vollmond und Windkonstellation die Ebbe nochmal 20 cm niedriger ausfällt.
Ein Barrakuda past immer noch zwischen Floras Kiel und den Sandgrund
Der Check beim Schnorcheln ergibt nicht nur, dass es trotzdem noch passt, sondern auch ein paar nette Fischbegegnungen. Neben dem Barrakuda zeigt sich auch ein kleiner gehörnter Kofferfisch (Kuhfisch) mit prachtvollen blauen Streifen (die er erscheinen und verschwinden lassen kann) direkt am Boot.
Was diesen Ankerplatz aber ganz besonders macht ist die Seglergemeinschaft hier. Mit den befreundeten Booten sowieso, aber auch mit einigen anderen Cruisern, wir werden nach einer Corona-Befragung sogleich in den Yachtclub aufgenommen 😉.
Klar, die Boote und mit ihnen deren Crews wechseln, aber einige bleiben auch sehr lange hier. Wie z.B. Rita und Will mit ihrem amerikanischen Motorkatamaran. Sie kommen seit gut 20 Jahren regelmäßig hierher (“spätestens zum Valentinstag, dann gibt’s eine Party mit den Einheimischen von Ragged Island”) und bleiben dann auch jeweils länger hier liegen. Die deutsche Crew-Flagge an Backbord zeigt, dass die beiden ihrer Wurzeln in Deutschland haben. Und weil mit der Invia, der Easy-One und der Flora ungewöhnlicherweise gleich drei deutsche Boote hier liegen, laden die beiden uns für einen abendlichen Snack (und Schnack) auf ihr Schiff.
Auch außergewöhnlich: eine unbewohnte Insel mit “Clubhaus” am Strand.
Perfekt als Treffpunkt für den Sundowner oder – wie heute Abend – für ein Potluck, bei dem jeder etwas für das gemeinsame Essen mitbringt. Zudem mit zwei Feuerstellen ausgestattet. Südlich die Müllverbrennung als notwendiges Übel und nördlich …
… der Lagerfeuerplatz für die gemütliche Runde.
Wie uns Rita erzählt, wurde das Ganze (auf einer der Valentinstagfeiern) von der Inhaberin des kleinen Supermarktes auf Ragged Island angestoßen und – von den Seglern finanziert – auch organisiert und umgesetzt. Es hat sogar den letzten Hurrican ziemlich unbeschadet überstanden.
Heute Mittag machen Wiebke und ich einen weiteren Hike, diesmal geht es auf die Südseite von Hog Cay. Erst einmal müssen wir dafür mit Florecita in die nächste Bucht fahren und dort anlanden. damit haben wir den ersten Strand unseres „Three-Beach-Hike“ schon erreicht.
Halbmondförmig zieht er sich vom Lobster Hole Point bis Hog Point. Ganz am Ende weist ein Turnschuh auf einem Stock auf den Einstieg in den Pfad durchs Gebüsch hin, ein Stückchen weiter hängt grünes Fischernetz an einem Ast. O.k., also wieder die Treibgut-Kennzeichnung. Ohnehin ist es hier nur ein kurzes Stück hinüber zur House Bay, unserem nächsten Strand.
Hier gehen wir erst ein Stück in die „falsche“ Richtung, um den Kokospalmen einen Besuch abzustatten. Trotz einiger Bemühungen können wir aber keine Kokosnuss ergattern.
Der „richtige“ Weg führt dann am Ende des Strandes einfach ohne Kennzeichnung über das Korallengestein weiter und nach etwas Suchen finden wir auch den Einstieg in die nächste Querung. Diesmal geht es durch einen weitgehend ausgetrockneten flachen Salzsee hinüber zur Black Rock Bay im Südosten.
Und dann nach einem weiteren Strandabschnitt quer hinüber zum Strand am Ausgangspunkt, wobei dieser Abschnitt erst mit dichtem Buschwerk und dann mit einem eher offenen Bereich voller niedriger Fächerpalmen aufwartet. Eine schöne, abwechslungsreiche Wanderung.
Kaum wieder an Bord, kommen Steve (Amalia), Mike (Dark‘N Stormy) und Matt (Tuebor) mit dem Dinghy vorbei und fragen, ob ich mit zum Spearfishing komme. Wir hatten gestern darüber gesprochen. Habe ich zwar noch nie gemacht, aber klar, die Gelegenheit zum Ausprobieren lasse ich mir nicht entgehen. Der andere Steve (Zulu) ist auch dabei und zu fünft wechseln wir besser auf dessen großes Dinghy. Spearguns (Harpunen mit Pistolengriff) sind in den Bahamas nicht erlaubt, nur Hawaiian Slings (Harpunen mit zwillenähnlicher Abschusstechnik) und Polespears, mit denen wir unterwegs sind. Im Prinzip Speere mit einer Gummischlinge am Ende, die man mit der Hand am Speer entlang nach vorne zieht und dadurch spannt. Die einfachen Varianten werden auch gerne zum Lobsterfischen verwendet, allerdings ist seit Anfang April in den Bahamas Schonzeit für Lobster. Beim Lobsterfischen sind die Speere aus meiner Sicht ohnehin nicht ideal, da man erst nachdem Speeren feststellt, ob man ein eiertragendes Weibchen erlegt hat, das man sonst zurückgesetzt hätte. Deshalb ist das in einigen Ländern auch verboten, in den Bahamas allerdings nicht. Für uns sind Fische das Ziel. Tatsächlich kann ich sogar einen schönen Hogfish erwischen, nicht schlecht für mein erstes Spearfishing. Ein bisschen tricky ist, dass ich den Fisch erst zurück auf der Flora filetieren kann. Da ich die Fischabfälle nicht am Ankerplatz über Bord geben möchte (um keine Haie anzulocken) mache ich es in unserer Fischkiste und fahre anschließend mit dem Dinghy hinaus um die Reste wegzuwerfen und Kiste, Messer und Schneidbrett zu reinigen.
Flora ausnahmsweise mal wieder mit weggeklapptem Bimini, weil eine Front mit stürmischem Wind (8 Bft) angekündigt war. Es blieb zum Glück bei 7 Bft und die Nacht war deutlich ruhiger als erwartet.
Das Dinghy ist unser Lastesel, Kurzstrecken- und Flachwasserspediteur und Autoersatz. Bevor wir auf Langfahrt gegangen sind war uns zwar klar, dass wir es viel mehr als bis dato brauchen würden, aber die wirkliche Wichtigkeit und Nutzungsintensität erschließt sich erst unterwegs.
Auch heute nutzen wir es wieder ausgiebig, obwohl doch eigentlich eine Wanderung auf dem Plan steht. Wird auch gemacht, nur müssen wir erst einmal zum Startpunkt kommen. Der liegt nämlich ein gutes Stück den Mangrovenfluss Cano Hondo hinauf. Die Mündung in die Bahía de San Lorenzo ist breit und weist viele Verästelungen auf, prompt fahren wir zunächst ein Stück in den falschen Flussarm hinein. Als wir in dem träge dahinfließenden matschig braunen Mangrovenwasser gerade umgekehrt sind, treffen wir unsere schweizer Seglerfreunde Martina und Daniel von der Vairea.
Crews von Vairea und Easy-One
Die zeigen uns nicht nur den richtigen Weg, sondern geben uns auch den guten Tip, am eigentlichen Aussteigepunkt noch ein kleines Stückchen vorbei zu fahren. Dort soll es gelbe Vögel geben, die direkt über dem Flüsschen kunstvolle runde Nester flechten. Webervögel? Die sind aber eigentlich in Afrika zu Hause.
Ein guter Anlass, noch etwas länger das enger (und flacher) werdende Mangrovengeschlängel hinauf zu fahren. Wir müssen den Außenborder schon etwas hochrasten, um nicht an den Wurzeln auf dem Grund anzuschlagen. Aber es lohnt sich. Am rechten Ufer zeigt sich eine Lichtung, erst ein paar Palmen, dann eine Wiese. Und in den Büschen an deren Rand nisten tatsächlich Webervögel, Dorfweber, die schon 1791 auf Hispaniola eingeführt wurden und hier heimisch geworden sind (nachträglich ergoogeltes Besserwissen).
Die kugelig bis nierenförmigen Nester mit einem unten liegenden Einflugloch bauen sie aus langen Fasern, die sie zuvor mit ihrem Schnabel geschickt von den viel dickeren Palmblättern abziehen. Und dann weben sie daraus die oft in enger Nachbarschaft mit anderen Webervögelnestern hängenden fragilen Bauten.
Dorfwebervogelmännchen am noch unfertigen Nest
Zurück am Austeigepunkt schließen wir die Dinghys an eine Palme und gehen los. Nur ein kleines Stück weiter erwartet uns schon die nächste Überraschung. Wirken schon die bewachsenen Felsinseln hier in Los Haitises ein bisschen asiatisch, wird der Eindruck durch die am Rand der Mangroven des Nationalparks angelegten Reisfelder noch mal deutlich verstärkt. Die hatten wir hier irgendwie nicht erwartet. Und erst recht nicht, dass aus dem Reis plötzlich wilde Truthähne auftauchen und zu Balzen beginnen.
Das Eco-Ressort, das als nächstes auf unserem Weg liegt sieht interessant aus und kann besichtigt werden. Aber wir sind schon spät dran und lassen es links liegen, denn Wiebke hat auf ihrer Kommot-Wander-App eine zwar nicht schwierige aber eben doch längere Route für heute ausgesucht.
Ein kleiner Pfad zweigt vom Feldweg ab, unser Einstieg. Ein paar hundert Meter weiter dann das Aha-Erlebnis: aus der Kulturlandschaft jenseits des Nationalparks geht es wieder hinein in Los Haitises, mit WOW-Effekt. Wir stehen auf einer Anhöhe, links vor fällt uns eine steile Kalkwand zig Meter in die Tiefe, ein lehmig rot-braunder Trampelpfad windet sich zwischen Palmen und Büschen ins Tal hinunter. Kein Wunder, dass hier Teile von Jurassic Park gedreht sein sollen.
Und die Wanderung geht abwechslungsreich weiter:
Es ist zwar der gleiche (manchmal kaum erkennbare) Pfad hin und zurück und es wartet kein Wasserfall, keine Höhle oder ähnliches auf uns, aber es sind acht Kilometer wunderschöne Wanderung. Mal finden sich Kakaobäume mit reifen und überreifen Früchten, mal dichter Farn auf Lichtungen, mal klassischer Urwald. Mehrmals auch Pflanzen, die einen starken Jasmin-Duft verbreiten.
Und wir entdecken den Nationalvogel der Dominikanischen Republik, in der Landessprache Cigua Palmera genannt, auf deutsch heißt er leicht abfällig „Palmschwätzer“. Aber die charakteristischen Warnlaute des endemischen Vogels sorgen z.B. dafür, dass bestimmte Bussarde ihre Nester gern über denen der Palmschwätzer errichten.
Zurück bei den Dinghys gehts bei noch niedrigerem Wasserstand durch die Mangroven zurück Richtung Ankerplatz. Diverse Reiher sitzen auf den trockengefallenden Wurzeln und spähen nach Beute. Wir sehen Silberreiher, Kleine Blaureiher und Krabbenreiher (im englischen poetischer als Yellow Crowned Night Heron bezeichnet, die langen gelben Schmuckfedern im Nacken zeigen die Paarungszeit an).
Unter Segeln gleiten wir am nächsten Morgen an der grün-buckeligen Landschaft vorbei, verlassen die Bahia de San Lorenzo und suchen uns einen einsamen Ankerplatz nur wenige Meilen weiter westlich. Geschützt von den Cayos de los Pajaros, den Inseln der Vögel. Das passt doch.
Und wer könnte einem solchen Ankerplatz schon widerstehen:
Nach unserer wunderbaren Begegnung mit den Buckelwalen fahren wir in die Bahía San Lorenzo, wo wir im Nationalpark “Los Haitises” 5 Tage Ankern dürfen (dafür hatten wir uns ja zuvor in Samaná das Despacho besorgt).
Der Nationalpark umfasst ein über 800 Quadratkilometer großes Karstgebiet mit zumeist steilen Kalksteinkuppen über nur wenig wasserdurchlässigem Vulkangestein. Das Regenwasser sammelt sich deshalb in unterirdischen Seen und Flüssen und tritt in Karstquellen zu Tage. Vor allem aber führt es zu einer Vielzahl von Höhlen im Gestein und zu einer von Land eher schwer zugänglichen, inselreichen und sehr speziellen Landschaft.
Erst einmal gondeln wir vom Ankerplatz aus mit dem Dinghy zwischen den unwirklich wie mit Bärten aus Moos behangenen Inselpilzen herum. Pelikane und Silberreiher sitzen in großen Gruppen in den Bäumen und auf den Felsen.
Wir biegen in einen kleinen Flusslauf zwischen dichten Mangroven ein und finden am Ende einen Anleger, an dem wir die Dinghys festmachen können. Dort zahlen wir auch 100 Pesos (etwa 1,50 €) Eintritt in den Nationalpark und dürfen einen kurzen Fußmarsch weiter die erste Höhle besichtigen. Alleine, ein kleines Touristenboot legt gerade ab als wir ankommen.
Ein bisschen den Berg hinauf durch den Wald und dann öffnet sich die Felswand vor uns. Beleuchtet ist die Höhle nur durch die Eingänge und ein paar Löcher in der Decke (da entstehen auch die Fotos, Blitzlicht ist verboten), weite Teile dazwischen sind völlig oder ziemlich dunkel, Taino-Zeichnungen finden sich an den Wänden. Indiana Jones lässt grüßen.
Weil es so eindrucksvoll ist, fahren wir danach gleich weiter zu einem anderen Höhlensystem, diesmal nur knapp über dem Meeresspiegel und direkt am Ufer gelegen.
Aber auch hier verzweigt mit mehreren Räumen und sogar (im dunklen hinteren Teil) mit einem unterirdischen See.
Abends wagen wir uns noch einmal zu viert mit unserem Dinghy Florecita in die Mangroven, nachdem es bereits stockdunkel ist. Den Weg müssen wir uns mehr oder weniger ertasten, denn unsere eigene Lichtlosigkeit ist Programm: auch hier finden sich viele Dinoflagellate im Wasser, es leuchtet, wenn wir die Paddel oder die Hände darin bewegen. Und über uns funkelt der Sternenhimmel, es ist total still. Wunderschön.
Wenn es für die Dominikanische Republik eine Windregel gibt, dann wohl die, dass die Brise nachts und am Morgen eher flauer ist und dann wieder zunimmt. Angesichts der spiegelglatten See entscheiden wir uns daher heute, mit den Dinghys die etwa drei Seemeilen hinüber zur Cayo Levantado zu flitzen. Diese Insel soll für einen der Bacardi-Werbespot als Kulisse gedient haben. Wir haben den Hit von Kate Yanai im Ohr, als wir auf den palmenbestandenen Strand zusteuern.
Allerdings, was aus der Entfernung so klischeehaft dem Karibikbild entspricht, erfüllt eben auch manches Karibik-Vorurteil. Noch während wir die Dinghys vorm Strand verankern wird uns eine Massage angeboten, unter den Palmen stehen (leere) weiße Liegen in Reih und Glied. Hinter den Palmen verbirgt sich ein Hotel, der Strand wird von Ausflugsbooten aus Santa Bárbara de Samaná regelmäßig angefahren. Auch wenn es jetzt hier relativ leer ist, so richtig wohl fühlen wir uns nicht.
Wir holen den Anker wieder auf und fahren hinüber zum „Mainland“, suchen uns dort eine kleine Bucht. Weniger türkises Wasser, weil vorgelagert im Wasser nicht flacher Sand sondern korallenbesetztes Riff zu finden ist. Da kommen unsere mitgebrachten Schnorchelsachen doch noch zum Einsatz.
Sandstrand nur vorn zwischen den beiden Felsen, dahinter ist es Kies. Dafür ist es schön einsam. Yoga am Strand.
Und als Zugabe bekommen wir wieder mal einen endemischen Vogel zu sehen: ein Haiti-Specht (gibt’s nur auf der Insel Hispaniola und ihren kleinen Nebeninseln) brütet in der Palme gleich hinter uns.
Nach einem ausgiebigen Picknick geht’s zurück zur Flora, da frischt der Wind tatsächlich auch schon wieder auf und die Dinghyfahrt wird etwas welliger. Ein kleines bisschen hatten wir gehofft, vielleicht auch wieder Buckelwale zu sehen, aber diesmal lässt sich hier keiner blicken.
Erst am Abend auf dem Malecón und beim dort an einer der kleinen Buden mit Blick auf den Ankerplatz genossenen Sundowner sehen wir wieder welche 😉, wenn auch eher als Zeichen dafür, wie wichtig die Wale für den Tourismus hier in der Stadt und der Region sind.