Las Perlas, die Perleninseln

Für den Absprung zu den Galapagos bieten sich die Perlas an, denn auf der Pazifikseite bildet die Küste von Panama vor Panama Stadt eine große (etwa 100 sm) fast halbkreisförmigere Bucht, in deren Mitte eben die Perleninseln liegen.

Ihren Namen bekamen sie von den spanischen Eroberern, denn die Ureinwohner der Inseln trieben Handel mit ertauchten Muschelperlen. Nicht mehr sehr lange allerdings, denn bereits 1515, nur zwei Jahre nach ihrer Entdeckung, raubten die Spanier die Inselgruppe aus und ermordeten oder verschleppten die Bevölkerung. Erst drei Jahre später kam ein Teil zurück auf die Inseln um – nunmehr versklavt- wieder nach Perlen zu tauchen.

Der heutige Reichtum der Inseln liegt eher in den unzähligen Sandstränden. Etwa 200 Inseln weist die Inselgruppe auf (je nachdem, wie viele der vorgelagerten Felsen als eigene Insel gezählt werden lesen wir von 183 bis 238). Die allermeisten sind noch immer unbewohnt, aber in den letzten Jahrzehnten hat den Archipel mehr und mehr erschlossen. Obwohl im Bauhaus noch nicht vermerkt, gibt es inzwischen sogar eine Marina (auf der Isla Pedro Gonzales), mindestens zwei weitere sind in Planung, beide in Verbindung mit Luxusressorts.

Die meisten Sandstrände verändern ihr Erscheinungsbild mehrfach täglich, verschwinden fast ganz, tauchen wieder auf. So auch auf Contadora, unserem ersten Ankerstop in den Perlas. Der Tidenhub von rund vier Metern lässt uns vor einem wunderbar breiten Strand ankern, von dem einige Stunden später fast nichts mehr zu sehen ist.

Contadora ist ist eine der besterschlossenen Inseln der Gruppe, weist einen Flugplatz und Fährverbindungen auf. Wir sehen nur gepflegte Villen und Ressorts, der Luxus ist greifbar, wohl auch durch die relative Nähe zu Panama Stadt. Interessant ist, dass hier wie auch auf einigen anderen Inseln derzeit viele Bäume kahl wirken. Am Winter kann es so nah am Äquator kaum liegen, eher schon an der sich jetzt langsam dem Ende nähernden Trockenzeit (Mitte Dezember bis Mitte April).

Unser nächster Ankerplatz zwischen der Isla Chapera und der Isla Mogo Mogo wirkt ganz anders. Zwar haben wir auch hier (bei Ebbe) breite Sandstrände, zwischen denen felsige Abschnitte für Unterteilungen sorgen, aber außer einem Gebäude der Aeronaval in der nächsten Bucht ist vom Boot aus und selbst mit der Drohne keine weitere Bebauung sichtbar.

In den Perlas haben wir uns mit der Crew der Ultimate verabredet. Susan und Holger hatten wir in den San Blas kennengelernt. Sie wollen mit ihrer Hallberg-Rassy 45 ebenfalls nach Galapagos, da bietet sich das Buddyboating natürlich an.

Passt perfekt, dass wir auf der Fahrt zu unserem nächsten (und letzten) Ankerplatz in den Perlas einen schönen Bigeye Jack (Großaugen-Stachelmakrele) fangen, die reicht heute Abend für uns vier.

Auch wenn der Himmel an unserem letzten Tag in Panama ein bisschen dunstig ist, die Ankerbucht im Osten von Pedro Gonzales macht uns den Aufbruch nicht eben leicht.

Ebbe
Flut

In den Las Perlas und überhaupt an der Pazifikküste Panamas könnten wir noch so vieles entdecken. Andererseits freuen wir uns auf die Galapagosinseln und auch auf die Passage dahin. Etwa eine Woche sollte die Fahrt dauern, zumindest für die erste Hälfte verspricht der Wetterbericht sogar segelbaren Wind. Das ist keine Selbstverständlichkeit für diese Strecke, also gilt es, dieses Wetterfenster zu nutzen.

Ab morgen werden wir dann also erst einmal nur über Iridium-Satellit erreichbar sein, drückt uns die Daumen für eine gute Passage.

Panama, die andere Seite

Wow. Manchmal müssen wir uns noch kneifen. Wirklich wahr, wir sind im Pazifik. 😊

Die Webcams der Kanalbehörde haben so ihre Tücken, als ich es probiert habe, funktionierten sie scheinbar nicht und das haben mir auch andere so gespiegelt. Aber mein Kollege Christopher aus Hamburg hat’s irgendwie geschafft und uns ein Bild der Flora in der zweiten Schleusenkammer der Gatun-Schleusentreppe geschickt, ganz lieben Dank dafür!

Erstmal nur eine Nacht ankern wir an der Punta Calebra vor Isla Flamenco am Ausgang des Panamakanals. Dann fahren wir hinüber zu einer der vorgelagerten Inseln. Nicht zu den Las Perlas, das wäre mit gut 30 sm bei der herrschenden Windstille zu weit und ohnehin wollen wir mit unserem Besuch ja auch noch Panama Stadt anschauen. Aber einmal quer durch die vielen auf Reede wartenden Schiffe bis zur nur sieben Meilen entfernten Insel Taboga, das geht schon.

Hier lassen wir es gemütlich angehen, baden im deutlich kühleren (aber immer noch 23 Grad warmen) Pazifikwasser, laufen durch den kleinen bunten Ort. Am Wochenende sind die Sandstrände hier sehr beliebt, vor allem die schmale Landzunge hinüber zum vorgelagerten Inselchen Morro de Taboga, Ausflügler kommen von Panama Stadt mit der Fähre oder ihren Booten herüber, Jet Skis und andere Lärmspielzeuge sollen für ordentlich Alarm sorgen. Jetzt unter der Woche spürt man davon nichts, es wirkt angenehm verschlafen, obwohl wir am Horizont die Hochhaus-Skyline von Panama Stadt sehen.

Wir bleiben noch eine Nacht länger, backen Brot, kochen lecker, faulenzen in der Hängematte. Wandern auf den Cerro de Cruz, ganz schön anstrengend zwar, aber wir werden mit einem tollen Blick über den Ort, die Bucht, die Reede und eben hinüber zur Festlandsküste belohnt.

Und dieser Blick zeigt dann tatsächlich ein ganz anderes Bild von Panama, als wir es uns bisher etwa in Bocas del Toro oder den San Blas gemacht haben.

Panamakanal – das volle Paket

Um 3:30 klingelt der Wecker. Um 4:00 funke ich wie vorgeschrieben „Christobal Signal Station“ auf Kanal 12 an, um ihnen meine Position durchzugeben und mitzuteilen, dass wir dort auf den Advisor warten. Aber Christobal Signal ist offenbar gut vorbereitet, denn bevor ich die Details loswerden kann wird mir schon gesagt, der Advisor sei bereits zu uns unterwegs, die Position offenbar über AIS bekannt.

Und tatsächlich fährt kurz darauf eine Art Lotsenboot vierkant auf unsere Steuerbordseite zu. Es ist noch stockfinster, wir haben die Decksbeleuchtung eingeschaltet und die Relingsdurchlässe geöffnet, aber letzteres ist jedenfalls überflüssig. Der Advisor springt auf Höhe der Wanten an Deck, weil er sich dort sicherer festhalten kann.

Und dann gehts auch gleich los. Anker auf, An den Wracks hinter den Flats vorbei ins Fahrwasser der Großschifffahrt. Unter der Puente Atlántico hindurch zur ersten Schleusentreppe, den Gatun Locks.

Es wird langsam hell, als wir die Schleusen erreichen. Anders als von mir befürchtet, scheint die Eintages-Variante also doch kein Schleusen in Dunkelheit zu bedeuten, denn die Ausfahrt aus der letzten Schleuse ist für 17:30 geplant, wenn denn alles glatt geht.

Wir drehen noch ein paar Kreise und warten darauf, dass der Autotransporter „Pleiardes Spirit“ vor uns in die erste Schleusenkammer einfährt. Ein ziemliches Spektakel, denn er hat die Maximalbreite für diese Schleuse und berührt auf beiden Seiten fast die Schleusenwände.

Und er macht ordentlich Welle: in der Spitze strömt das Wasser (bei seiner Ausfahrt) mit 5,3 kn an unserem mit vier Leinen festgemachten Boot vorbei.

Mit vier Leinen? Ja, denn die Vorhersage unseres Agenten, wir würden wohl als mittleres von drei Booten im Päcken geschleust, bewahrheitet sich nicht. Allein fahren wir hinter der wasserwirbelnden Schrankwand in die Schleuse, die Affenfäuste fliegen aufs Vordeck und Wiebke, Veronica, Justus und Jan haben als Linehandler ordentlich zu tun, nachdem das Schleusentor sich geschlossen hat.

Halten und immer wieder Durchholen. Neun Meter geht es nach oben, dann fahren wir in die zweite Schleusenkammer. Dazu werden die schweren Panamaleinen oben von den Pollern und wieder an Deck genommen, bleiben aber an den dünnen (zu Anfang mit den Affenfäusten herüber geworfenen Leinen) befestigt. Oben auf der Schleuse gehen die Kanalarbeiter mit den dünnen Leinen in der Hand parallel zu unserem Boot zur nächsten Schleusenkammer. „Walk the Line“ kommt einem in den Sinn.

Drei Schleusenkammern bewältigen wir so und 26 m weiter oben fahren wir dann in den Gatunsee. Wow.

Ganz viel Grün an den fast überall unbebauten Ufern des aufgestauten Rio Chagres, der einen großen Teil des Panamakanals ausmacht. Dazwischen nach den Regenfällen der letzten Zeit auch immer würden das rosa oder lila leuchtende Blütenmeer von Palisanderbäumen (Jacaranda).

Kleine und ausgreifendere Inseln, die die gut betonnte Fahrrinne ziemlich kurvenreich machen. Und reichlich Großschifffahrt natürlich auch.

Unser Advisor Ivan fragt nach einem „warmen Frühstück“ Rührei und Schinken kommt auch bei der übrigen Crew nach dem frühen Aufstehen gut an. Und Ivan fragt nach unserer höchstmöglichen (Dauer-)Reisegeschwindigkeit. Wenn wir schneller wären könnten wir auch die nächsten Schleusen wieder mit dem gleichen Autotransporter bewältigen und sogar noch früher als bisher vorgesehen auf der Pazifikseite ankommen. Für ihn wäre es sicher auch hilfreich, denn sein Arbeitstag hat noch zwei Stunden vor unserem begonnen. 7 1/2 Knoten können wir sicher schaffen und das sollte dann auch reichen. Also blasen wir den Turbo unseres Volvo mal wieder ein bisschen frei. Wir kommen gut voran, nur einmal müssen wir vor der Engstelle des Gaillard Cut kurz warten, um ein entgegenkommendes großes Kreuzfahrtschiff der Neo-Panamax-Klasse durchzulassen.

Hier wurde der Panamakanal durch einen 95 m hohen Sattel des Gebirgszuges gegraben, der Nord- und Südamerika miteinander verbindet, eine der aufwändigsten Stellen beim Bau des Kanals. Für den Abtransport der riesigen Abraummengen wurde eigens eine Eisenbahn gebaut.

Kurz hinter dem Gaillard Cut dann die Pedro Miguel Schleuse. Jetzt geht es bergab, und da fahren die Yachten vor der Großschifffahrt ein. Dieses Mal ist es tatsächlich ein Dreier-Päckchen. Gemeinsam mit der norwegischen „Escape“ machen wir rechts und links an der „Nomadica“ aus St. Helena fest. Schon im Päckchen, wird die Wartezeit vor der Schleuse mit dem Mittagessen verkürzt. Ein „man‘s meal“ mit Fleisch müsse es für den Advisor sein, hatte der Agent im Vorfeld mindestens dreimal betont, das sei neben dem ebenfalls zur Verfügung zu stellenden „botteled water“ (gekauft, keine unversiegelten Flaschen mit Wassermacherwasser) ganz wichtig.

Wiebke zaubert eine Paella mit extra viel Hähnchen und Ivan strahlt übers ganze Gesicht. Wir auch.

Nach der Pedro Miguel Schleuse löst sich das Päckchen wieder auf und über den Miraflores See fahren wir das kurze Stück zu den beiden letzten, miteinander verbundenen Miraflores-Schleusen.

Überraschung: hier erwartet uns die dritte Variante der Schleusung: zwei Schlepper bugsieren die Pleiardes Spirit an die rechte Einfahrtseite, wo sie mit Drahtseilen von Lokomotiven gehalten werden. Die Spezialloks übernehmen im Prinzip die Aufgabe unserer Linehandler und der „Walk the Line“-Kanalarbeiter. Jetzt aber fährt einer der Schlepper vor uns in die Schleusenkammer, die Nomadica macht längsseits an ihm fest, wir ebenfalls längsseits an der Nomadica. Toll, denken wir, bei dieser Schleusung brauchen unsere Linehandler garnicht zu arbeiten.

Das stimmt auch erst einmal, aber das Päcken muss nach der ersten Schleusenkammer aufgelöst werden, der Schlepper und die Boote fahren einzelnd in letzte Schleusenkammer und dort muss das Päckchen neu gebildet werden. Klappt auch, nur sind wir als drittes und letztes Boot noch nicht fest, als die Pleiardes Spirit in diese letzte Schleusenkammer einfährt. Da sie die ganze Schleusenbreite ausfüllt und natürlich auch einigen Tiefgang hat, entsteht dabei eine extrem kräftige Strömung, die uns ohne Chance auf sinnvolle Kurskorrektur achtern auf die beiden anderen Boote drückt. Erst nachdem der Autofrachter kurz hinter uns auf seiner endgültigen Position festgemacht hat, können wir uns aus dieser misslichen Lage wieder befreien. Zum Glück hat die Flora außer einem kleinen aber eben doch ärgerlichen Abplatzer im Gelcoat keinen weiteren Schaden davon getragen, die anderen Boote sind komplett unbeschädigt.

Ein kräftiger Schauer begleitet die Aktion und dauert auch noch an, als sich gegen 15:30 die massiven Tore der Schleuse öffnen und wir in den Pazifik einfahren. Was für ein Moment.

Der „friedliche“ zeigt sich dann aber auch gleich versöhnlich, bei strahlendem Sonnenschein geben wir die geliehenen Leinen und Fender am Balboa Yachtclub ab und fahren dann weiter zu unserem ersten Ankerplatz im neuen Ozean. jetzt sind wir auf der Sonnenuntergangsseite von Panama 😎. Pazifik.

Panamakanal: Es geht los!

Am Sonntag und damit einen Tag früher als angekündigt klopft es morgens am Boot: die Leinen und Fender für die Kanalpassage werden angeliefert.

Man benötigt für die Kanalpassage 4 Leinen, die 125 ft lang und 7/8 Inch dick (38,1 m lang, 22,2 mm dick) sein müssen. Gemeinsam mit 8 dicken Kugelfendern haben wir die Leinen über unseren Agenten für 75 Dollar gemietet, weil wir derartige Ausrüstung nicht permanent auf der Flora mitschleppen. Warum? So sieht es aus, wenn Wiebke eine der vier Leinen in der Hand hält:

Wir machen das Schiff klar, nicht nur für die Passage, sondern auch für unsere Gäste. Zur Kanalpassage kommt unser Patenkind Justus mit Freundin Veronika eingeflogen, außerdem unser Freund und „Chief“ Jan. Alle drei landen am Nachmittag in Panama City und kommen abends gemeinsam im Taxi hier in der Shelter Bay an.

Damit sind wir vollzählig, denn die Bestimmungen für den Kanal schreiben neben dem Kapitän 4 „Linehandler“ vor, die sich mit den langen Leinen abkämpfen müssen. Ganz so schlimm wird es aber hoffentlich nicht werden, denn aller Voraussicht nach werden wir die Schleusen im Päckchen zusammengebunden mit zwei weiteren Booten passieren und in diesem Fall müssen nur jeweils zwei Linehandler auf den beiden äußeren Booten wirklich arbeiten während die anderen hoffentlich uneingeschränkt die Passage genießen können.

Susan von der Ultimate bringt uns noch eine Kokusnuss mit guten Wünschen für die Passage vorbei, wir bauen die Solarpanele vom Bimini ab und decken das feste Solarpanel auf den Davids jedenfalls mit Yogamatten. Für einen letzten Riggcheck vorm Pazifik zieht mich Jan noch mal die 20 m hoch in den Mast. Veronika sichert, Wiebke und Justus sind in der Zwischenzeit noch einmal in Colón einkaufen.

Es geht jetzt etwas schneller als geplant, denn statt der erhofften Zweitagespassage, bei der wir erst morgen Nachmittag losgefahren wären und dafür eine Nacht an der Boje im Gatunsee verbracht hätten, geht es jetzt für uns schon morgen um 4:30 los.

Also verlassen wir schon heute Abend die Marina und ankern auf den „Flats“, wo unser Advisor morgen in aller Frühe zusteigen wird.

Wenn die Webcams funktionieren, könnt ihr uns am 8.3.2022 in den Kanalschleusen beobachten. Wir werden hoffentlich so zwischen 6 und & Uhr hiesiger Zeit in den Gatun-Schleusen sein (zwischen 12 und 14 Uhr in 🇩🇪), theoretisch sollten wir zwischen 16 und 17 Uhr hiesiger Zeit (22 bis 23 Uhr in Deutschland 🇩🇪) in den Miraflores Schleusen. Das kann sich aber auch verschieben. Wer trotzdem schauen möchte, hier der Link:

https://multimedia.panama-canal.com

Mola, Bananen, Kokosnüsse (und Inseln wie auf der Fototapete)

Der Ankerplatz vor Green Island ist gut besucht, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen haben sich etwa 10 Segelboote eingefunden:

Das ist leicht verständlich, denn der Platz ist sehr geschützt. Er liegt quasi in der zweiten Reihe, weiter draußen halten die Cayos Coco Bandero schon einiges ab, der verbleibende Schwell wird vom inneren Riff direkt bei Green Island dann noch einmal zusätzlich aufgehalten. Und so liegt die Flora auf einer fast glatten Wasserfläche. Ententeich, wir blasen sogar die SUPs auf und paddeln auf ihnen einmal um die Insel. Auch das Schnorcheln ist in dem wenig bewegten Wasser mit seinen vielen lebenden Korallen und bunten Rifffischen toll, nachdem wir denn erst einmal die richtige Stelle mit steil abfallendem Riff gefunden haben.

Nicht zuletzt wohl wegen der vielen Ankerlieger stellt sich auch weiterer “Besuch” ein, auch wenn die mit ihren Kanus vorbeikommenden Kunas hier natürlich zu Hause sind. Molas werden uns von dem ersten Boot angeboten. Wir haben schon ein paar, aber Venancios Molas hat uns Andrea (von der Akka) besonders ans Herz gelegt. “Master Mola Maker!” Außerdem hatten wir auf den Lemon Keys Venancios Bruder getroffen, Venancio spricht uns gleich mit unseren Namen an.

Als einer von nur ganz wenigen Männern unter den Mola-Künstlern ist er seit über dreißig Jahren eine Ausnahme von der Regel, dass die Molas von Frauen gefertigt werden. Es ist kein reines Verkaufsgespräch. Venancio zeigt sich interessiert und auch wir erfahren einiges über ihn und seine Familie, z.B dass sie mit 18 Familienmitgliedern im Haus seiner Mutter leben und alle in Hängematten schlafen. Nur eine Schwester lebt in Panama-Stadt, die gesamte übrige Familie lebt in Guna Yala.

Quasi nebenbei wird Floras Cockpit zur Galerie, eine Mola nach der anderen bekommen wir gezeigt. Nur wenige schaffen es auf unsere “Vielleicht”-Shortlist (denken wir). Aber dann werden es doch mehr und mehr.

Als wir am Ende die “Shortlist” ausbreiten, ist das Cockpit doch wieder voll.

Die Besonderheit bei den handwerklich aufwändigen Mola besteht darin, dass die verschiedenen Farben im Wesentlichen aus den übereinander liegenden verschiedenfarbigen Stoffen in Durchbrüchen herausgearbeitet werden. Nur feine Details werden danach noch aufgestickt. Je kleiner die Zieselierungen, je mehr Ecken und Winkel, je mehr Farben, um so aufwändiger. Gar nicht so einfach, sich zu entscheiden und in die Preisverhandlung einzusteigen. Aber wir haben die Worte anderer Segler noch im Ohr, sie bereuten nur, nicht noch mehr gekauft zu haben. Also unterstützten wir die lokale Wirtschaft 😊. Acht Mola wechseln den Besitzer.

Das nächste Kanu hat die leckeren Kuna-Brötchen im Angebot, das ist dann billiger (vier Stück ein Dollar).

Und dann kommen Bananen:

Diese hier ähneln eher den auch in Deutschland immer beliebter werdenden “Baby-Bananen”. Sie sind nur ungefähr fingerlang und haben eine deutlich dünnere Schale.

Für fünf Dollar hängt kurz darauf eine kleine halbe Staude an unserem Windgeneratormast. Wobei, das geht nur einen Tag gut, solange sie noch grün sind. Wenn sie reif werden, finden auch Vögel und Fledermäuse Interesse an den Früchten.

Auch uns schmecken sie richtig gut, sehr süß, überhaupt nicht mehlig, und bei dieser Sorte mit einer leichten Zitrusnote.

Beim Lobsterkanu machen wir diesmal den Fehler, unsere Tauchtausche (=Netztasche) hinunter zu reichen und den Lobster nicht selbst hineinzustecken. Die Tasche hängen wir erstmal außenbords ins Wasser. So stellen wir erst am Abend fest, das man uns ein eiertragendes Weibchen verkauft hat. Gut für die Lobsterdame, die sich in wiedererlangter Freiheit jetzt nur eine neue Höhle in ungewohnter Umgebung suchen muss. Künftig: Augen auf beim Lobsterkauf!

Was an uns vorbeigeht, aber nicht an Susan und Holger auf der Ultimate: das Kokosnuss-Kanu. Durch ein Missverständnis kaufen sie gleich zweimal mehrere Kokosnüsse, ein Glück für uns. Mit Machete, Tupperdosen und Kleinwerkzeugen wie Messer und Löffel geht es zu viert hinüber nach Green Island und das Kokosnuss-Schlachten beginnt. Am Strand, stilecht unter Palmen. Und in alten Klamotten oder Badesachen, weil Kokosnusswasser ziemlich schwer entfernbare Flecken machen kann.

Noch einen weiteren Tag verbringen wir vor Green Island, schnorcheln, fahren die Stand Up Paddleboards und nutzen das leidlich gute Internet, um in den Spanisch-Lektionen bei Duolingo deutlich voranzukommen (bin im September angefangen und jetzt fast durch). Das macht die Kommunikation hier doch deutlich einfacher.

Und dann gehen wir ankerauf, nur um uns kurz darauf wieder in den Coco Bandero an einen einsameren Ankerplatz zu legen. Diesmal wählen wir die westlichere Inselgruppe, außer der Flora ist nur ein anderes Boot dort. Der Schutz der Insel Orduptarboat direkt hinter im Außenriff ist zwar nicht ganz so gut, es hat etwas mehr Schwell, aber der breite Sandstrand der Insel, das Rauschen der Brandung und die Farben des Riffs wiegen das locker auf.

Ein Kanu ist bisher noch nicht vorbei gekommen. Auch so:

Pura Vida.

Fremdsegeln in den Lemon Cays. Was Einbäume so alles können!

Einbaum-Kanus sind uns hier in Panama bisher häufig begegnet. Schon bei der Einfahrt nach Bocas del Toro hatten wir Fischer in diesen traditionellen Booten gesehen, an den Ankerplätzen dort gehörten sie zum vertrauten Bild. Gelegentlich kam einer zur Flora, bot z.B. selbstgefangene Krebse an.

Hier in Guna Yala scheinen die langen, schlanken und tatsächlich aus einem ausgehöhlten Baum gefertigten Kanus sogar noch häufiger zu sein. Ganze Kuna-Familien sind in ihnen unterwegs. Schon mehrfach kam ein Kanu angepaddelt und wir wurden gebeten, ob wir die Handys der Insassen laden könnten. Machen wir natürlich gerne, Solar und Wind geben uns reichlich Strom und der ist auf diesen kleinen Inseln hier echte Mangelware, Solarpanele oder gar Windgeneratoren können sich die Kuna zumeist schlicht nicht leisten.

Die Einbäume werden in der Regel mit aus Brettern geschnittenen, manchmal mit Schnitzereien verzierten Paddeln bewegt, in Flachwasserbereichen mit einer ebenfalls hölzernen Stange gestakt. Und wenn der Wind es zulässt, werden sie auch gesegelt.

Zumeist wird ein kleines Vorsegel und ein deutlich größeres Sprietsegel am unverstagten, Mast gefahren, der einfach durch ein Loch in ein eingeklemmtes Brett gesteckt wird. Gesteuert wird mit einem nur von Hand gegen die Bordwand gedrückten Paddel. Beeindruckend, dass das mit den schmalen kippeligen und bauartbedingt fast kiellosen Kanus überhaupt möglich ist.

Wir haben den Liegeplatz gewechselt, ein paar Meilen weiter in die Lemon Cays verholt. Ein Wirrwarr kleiner palmenbestandener Inselchen mit Riffen drumherum und dazwischen. Als wir uns auf Nuinudup (Dup heißt Insel auf Kuna) die Beine vertreten, kommt Justino mit seinem Sohn Fredi mit dem von Justino selbstgebauten Ulu (=Kanu auf Kuna) angepaddelt. Die beiden laden gerade ihre Handys auf der Flora. Justino fragt auf spanisch „Ein bisschen Spielen?“ und baut bei den etwa zwanzig Knoten Wind den Mast auf. Und er zeigt uns stolz sein buntes Segel, dass ihm ein amerikanischer Freund geschenkt hat „Ulu Sail Project“ und der Name der Sponsoryacht sind mit Edding darauf vermerkt.

Und schon sausen sie los, einmal quer über den Ankerplatz hinüber nach Banedup und wieder zurück.

Wir scherzen noch, dass Wiebkes Outfit gut zum Segel passt, da kommt auch schon die Frage, ob wir mal mitsegeln wollen? Na klar. Einzeln, ok. Und los gehts, für mich als Passagier zumindest bei Wende oder Halse mehr liegend als sitzend aber immer mit tollem Blick auf die Action:

Bei dem Wind ist das Ulu sportlich unterwegs. Und Justino ist sozusagen gleichzeitig das lebendige Want (das den Mast seitlich stützt und aufrecht hält) und zugleich das Ausreitgewicht, das für die Balance des Kanus sorgt. Fredi steuert und bedient gelegentlich die Großschot. Beide haben sichtlich Spaß.

Den habe ich auch. Und nach mir Wiebke 😁.

Was für eine Gaudi. Und ja, selbstverständlich bekommen die beiden von uns später einige Dollar für dieses Spektakel zugesteckt. Sie können es gut gebrauchen, ebenso wie ein paar unserer ausgetauschten und als Ersatz immer noch mitgeführten Leinen, Stifte und Papier. Für die Kuna auf den kleinen Inseln ist eigentlich alles knapp.

Was für ein Tag.

Pura Vida.

Was für Bären? Ein weiterer tierischer Hike in Panama

Für Abwechslung ist in Shelter Bay gesorgt. Nach zuletzt so vielen schönen sonnigen Tagen beginnt erst mal Schauerwetter und damit (bei den Temperaturen hier auch nachts) das beliebte Spiel “Fenster auf / Fenster zu”. Der Mittwoch ist dann total verregnet.

Dafür bietet allerdings das SPSN in der Lounge der Marina eine Info-Veranstaltung an. Die Abkürzung steht für South Pacific Sailing Network, Stephanie und Andy bringen eine sehr informative und kurzweilige (aber lange dauernde) Präsentation über die Inseln von den Marquesas bis Neuseeland.

Und wir treffen uns einige Male mit Cris und Ruedi von der schweizerischen “Pasito”, schnacken oder spielen.

(Mexican Train Domino)

Oder von Bord der Pasito aus das Krokodil im Hafenbecken beobachten. Hm, Schnorchelnd das Unterwasserschiff reinigen fällt für uns hier wohl aus. Ruedi hat sich davon allerdings nicht beirren lassen.

Heute aber ist es wieder richtig sonnig, wir schnüren die Wanderschuhe und bewegen mal wieder die Beine. Direkt an der Marina beginnt der Urwald, oft hören wir die Brüllaffen. Also wollen wir mal versuchen, ob wir sie auch zu sehen bekomme.

Bis zur ehemaligen amerikanischen Armeeanlage “Battery Stanley” ist der Weg gut, danach allerdings führt nur noch ein Pfad weiter.

Direkt hinter der Battery Stanley sehen wir tatsächlich die erste Affenfamilie. Allerdings sind es keine Brüllaffen, sonder Panama-Kapuziner-Affen, die hier durch die Bäume toben und uns mit herunterfallenden abgebrochenen Ästen auf sich aufmerksam machen.

Einmal mehr ist der weitere Pfad anfangs gut zu erkennen, diesmal bis wir zum ersten Mal das Meer erreichen. Ein kleiner steiniger Strand, ok. Aber nachher lockt schließlich eine größere Bucht mit Sandstrand, Badesachen haben wir dabei, also weiter. Allerdings wird es jetzt kniffliger, aber wir sind ja schon ganz gut geübt. Der Trampelpfad führt jetzt zumeist am Hochwasser-Spülsaum des Meeres entlang. Hört sich einfach an, ist es aber nicht, wenn Mangroven vorgelagert sind. Diese Salzwasser vertragenden Pflanzen verlagern den Spülsaum nämlich so, dass wir die Küste nicht mehr sehen, aber über die Wurzeln der Mangroven klettern müssen und trotzdem immer mal wieder durch knöcheltiefes Matschwasser waten. Da sind wir allerdings schon so weit, dass Umkehren auch keine Option ist.

Und noch eine weitere unschöne Erscheinung verbirgt sich im Wort Spülsaum, die wörtliche nämlich. Hier, mitten im Mangovenwald, findet sich eben auch ein breiter Streifen angeschwemmter Plastikflaschen, Flipflops, Ölkanister, Netzbojen und eben alles, was leider so an Plastikabfällen im Meer schwimmt. Grrr.

Als wir endlich den Sandstrand erreichen, lädt dieser nicht eben zum Baden ein. Diesmal ist es nicht angeschwemmter Plastikmüll. Der ist vermutlich auch da, wird aber vollständig überdeckt durch den sich derzeit in der Bucht sammelnden Sargassum-Seetang. Ein dicker Wall bedeckt den Strand, davor schwappt es braun in den Wogen hin und her.

Das war wohl nichts. Immerhin führt der Rückweg größtenteils über leicht begehbare Straße (wenn man von dem Teil absieht, auf dem wir eine völlig überwucherte Querstraße bis hin zu einem mit Kette verriegelten Tor gehen und wieder zurück müssen).

Aber hey, die Belohnungen für die Matschwanderung kommen schon noch. Und was für welche:

Als erstes erspäht Wiebke in den Bäumen einen dunklen Fleck im Gegenlicht. Ein Faultier? Nein, aber fast noch besser, ein naher Verwandter davon, den wir bisher noch nie gesehen haben. Ein Ameisenbär! Nicht blau wie Elise bei Paulchen Panther, auch nicht so tapsig, aber unververkennbar mit seiner langen Röhrenschnauze, dem vergleichsweise kleinen Mund und den runden Ohren.

Und dem langen Schwanz, den er zum Greifen verwendet und hier zur Sicherung um den dickeren Ast geschwungen hat:

Nicht ohne Grund, denn während wir ihn beobachten, knackt einer der dünnen Äste weg, aber davon lässt er sich nicht beeindrucken und futtert unbeirrt weiter die Ameisen oder Termiten auf dem Ast.

Als wir irgendwann doch weitergehen, sehen wir nur kurze Zeit später auch die erhofften Brüllaffen. Allerdings sind sie gerade ganz still, ist vielleicht besser für unsere Ohren.

Und auch das ist noch nicht das Ende. Unten auf dem Waldboden läuft ein Nasenbär. Anders als der Ameisenbär ist er nicht mit dem Faultier, sondern eher mit Mardern verwandt, aber auch er hat einen deutlichen “Gesichtserker”.

Und so kommen wir nach der Wanderung zwar sehr matschig, aber eben auch SEHR GLÜCKLICH wieder in der Shelter Bay an. Erstmal duschen und baden. Da war ja noch das Krokodil? Dann eben Pool.

Pura Vida.

Tulum und Cenotes Sac Ac Tún

Wenige Maja-Tempelanlagen sind direkt am Meer errichtet, insbesondere auch weil die Frischwasserversorgung schwieriger ist, wenn in den notwendigen Cenotes das Salzwasser durch das poröse Kalkgestein sickert und sich unter das Süßwasser schiebt. Eine der wichtigen und bekannten Stätten dieser ungewöhnlichen Art ist Tulum, etwa zwei Stunden Autofahrt südlich unseres Hafens Puerto Morelos. Wobei, diese Fahrt geht auf der gut ausgebauten Carretera 307 durch das Touristenzentrum Playa del Carmen und durchgängig küstennah entlang der „Riviera Maya“ mit ihren luxuriösen Hotelanlagen. Kein Wunder also, wenn der Tempel in Tulum die Touristenmassen anzieht.

Von der Wasserseite sieht das noch ganz passabel aus. Moment, wieso von der Wasserseite? Auf unserer Anfahrt stauen wir uns zunächst durch den Ort und dann auf einem Strandweg in Richtung der Maya Ruinen.

Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Die Coop der Pescadores bietet ein Stück zurück einen kostenpflichtigen Parkplatz, von dem aus man zu den Ruinen laufen und sich in die Schlange vorm Eingang einreihen kann. Oder (Geschäftsmodell) man lässt sich von den Fischern wasserseitig die Tempelanlage zeigen und schnorchelt danach noch etwas am vorgelagerten Riff. Überredet 😚.

Wobei Schnorcheln mit vorgeschriebenen Schwimmwesten schon ganz schön befremdlich ist. Bei dem Betrieb der hier herrscht ist es aber wahrscheinlich so, dass ohne die Schwimmwesten alle naselang ein auftauchender Schnorchler überfahren würde, oder man müsste jedem eine Taucherboje mitgeben, für ungeübte wohl wenig praktikabel. Immerhin, wir sehen neben einigem Rifffisch einen großen Rochen, Jan sogar eine Schildkröte. Und eine Erfrischung ist es allemal.

Der eigentliche Hit komm allerdings später. Auf dem Rückweg von Tulum machen wir einen Abstecher zu den Cenotes Sac Ac Tún. An mehreren anderen Cenotes führt der Feldweg vorbei, unter anderem an der bekannten und touristisch gut erschlossenen Cenote Dos Ojos. Der große Parkplatz und das Restaurant hier sind gut gefüllt, aber ein paar Kilometer Holperstraße weiter beim Einstieg in Sac Ac Tún sieht es anders aus. Es ist so wenig los, dass wir vier von Guide Alberto sogar eine Privatführung bekommen, was normalerweise einen heftigen Aufpreis bedeuten würde.

Auch hier sind Schwimmwesten obligatorisch, bei der über eine Stunde langen Tour in dem (relativ) auftriebsarmen Süßwasser aber auch ganz angenehm. Das Höhlensystem Sac Ac Tún ist riesig, wohl eines der größten verbundenen Systeme weltweit. Wir erkunden natürlich nur einen kleinen Teil davon, sind aber trotzdem völlig fasziniert.

Dabei ist es gar nicht so leicht festzumachen, was genau an den Cenotes uns so begeistert. Das Schwimmen durch ein System von Tropfsteinhöhlen mit unfassbar klarem Wasser, die Licht- und Schatteneffekte über und unter Wasser, hervorgerufen durch ein paar installierte Lampen und die Taschenlampe, mit der Alberto uns den Weg zeigt. Und durch die gelegentlichen, zumeist nur kleinen Deckendurchbrüche, die etwas Tageslicht einfallen lassen. Das Urtümliche, Geheimnisvolle, die Abgründe (die verbundene Höhle Blue Abyss, von der wir nur den tief unter Wasser liegenden Eingangsspalt sehen, geht bis auf über 70 m in die Tiefe).

Abwechseln geht es durch vergleichsweise große Höhlen und schmale Gänge, bei denen wir uns zwischen den Stalaktiten hindurchschlängeln und achtgeben müssen, uns nicht den Kopf zu stoßen. Mal können wir stehen, meist aber sieht der Boden im glasklaren Wasser zwar nah aus, ist aber doch unerreichbar für die Füße. Catfish, also Welse, finden sich in größerer Zahl, aber auch einige andere Fischarten haben sich an die überwiegend dunklen Höhlen angepasst.

Wie Saugnäpfe ragen Baumwurzeln von der Decke in die Höhle hinein, verdicken sich und enden kurz über der Wasseroberfläche.

Ziemlich geflashed und auch ein wenig heruntergekühlt kommen wir nach einer guten Stunde wieder ans Tageslicht. Wow 🤩.

Zurück an Bord heißt es (viel zu früh) langsam Abschied nehmen von unserer Crew Catalina und Jan. Dabei gibts vor deren obligatorischem COVID-Antigentest noch einen ordentlichen Aufreger: ich bekomme Fieber, einen rauen Hals, fühle mich schlapp. Ein COVID-Selbsttest bleibt aber negativ und auch die Tests der beiden sind negativ. Pffff, das hätte kompliziert werden können.

Aber selbst auf Langfahrt ist man vor einer standardmäßigen Erkältung nicht gefeit (ist allerdings die erste in den zweieinhalb Jahren), wenn man im durchgeschwitzten T-Shirt die Klimaanlage des Autos aufdrehen muss, damit die Scheiben nicht beschlagen.

Pura Vida.

Bürokratie und Unterwelt

Mit dem TIP stand ja noch eine weitere Formalität aus, obwohl wir bereits einklariert sind. In Mexiko ist es nämlich so, dass wir für das Boot eine “temporäre Importbewilligung” benötigen (auf Englisch: Temporary Import Permit), wenn Flora denn länger als 14 Tage im Land bleiben soll. Wir sind vorgewarnt, was den formalen Aufwand angeht. Originale und Kopien von allen Papieren der Einklarierung und des Reisepasses, ein frei formuliertes Antragsschreiben (auf Spanisch), das idealerweise auch Angaben zur Motornummer unseres Bootsdiesels sowie ein Foto des Schiffes und der Motornummer beinhalten soll, Außerdem einen Eigentumsnachweis für das Dinghy, auch hier möglichst mit Dinghynummer und Außenbordmotornummer. Das wurde jedenfalls bei einem befreundeten Boot verlangt, die hatten es nicht mit und mussten einen neuen Termin machen. Haben wir alles gemacht, die Kopien in der beim Einklarieren bewährten Weise als auf dem Borddrucker ausgedrucktes Handyfoto.

Dann telefonisch (zwischen 13.00 und 13.30!) einen Termin vereinbaren, mit der Fähre nach Cancún fahren, zum Büro der dortigen Capitanía gehen. Ich bin zu früh, muss warten, obwohl sonst niemand da ist. Aber Termin ist Termin, ist ja auch o.k.

Auch bei uns die Frage nach dem Dinghy, die wir aber ja parieren können. Dann aber: die Kopien gefallen ihr nicht. Es sei zwar alles erkennbar, aber wenn sie das jetzt kopieren und weiterschicken würde, könnten Informationen verloren gehen. So ginge das nicht. Außerdem sei das Papier der Kopien zu groß (es ist DIN A4), das passt nicht in ihre Akten. Es müsste gut einen Zentimeter kürzer sein. Wir diskutieren. Ich bitte um eine Schere. Nein, hat sie nicht. Außerdem würden dann Informationen verloren gehen. Nein, nur Rand.

Am Ende reißt sie mit angelegtem Lineal von jeder Kopie ein Stückchen weg, ich bezahle meine 60 US$ Gebühr und bekomme mein Temporary Import Permit.

Puuuh. 😳

Jetzt dürfen wir uns mit Flora frei in Mexiko bewegen. Flora dürfte sogar bis zu 10 Jahre hier bleiben. Soll sie aber nicht. Wir feiern ein bisschen mit den Crews der Freydis (brauchte mehrere Anläufe fürs TIP) und der Amalia (TIP steht noch aus).

Und dann trennen sich leider unsere Wege mal wieder, denn wir wollen mit unserer Crew bei dem günstigen Wind etwas weiter nach Süden segeln.

Es wird ein schöner, flotter Törn nach Puerto Morelos, wir machen in der El Cid Marina fest. Und auch Fest, Silvester an Bord 🎆, so schön, dass die beiden da sind.

Neujahr gehts mit dem Mietwagen zu unserer erste Cenote. Hier im Norden der Halbinsel Yucatan gibt es unzählige Cenotes. Im Grunde sind sie ganz eng verwandt mit den Blue Holes, die uns in den Bahamas so fasziniert haben.

Die Cenotes hier sind ebenfalls ausgewaschene Karsthöhlen, oft unterirdisch zu weitreichenden Wassersystemen verbunden, mit Öffnungen in der Höhlendecke, die oft als Einstieg dienen. Die von uns besuchte „7 Bocas“ hat gleich sieben Öffnungen, die meisten klein, eine aber mit etwa 20 m Durchmesser. Die Cenote soll 150 m tief gehen, hineinspringen vom Rand ist erlaubt (und einer von uns macht das auch 😉). Das Gefühl ist schon sehr besonders, in das dunkle Loch der Cenote hinunterzusteigen und dann in das von unten (über die unterseeische Verbindung zum großen Loch) mystisch blau leuchtende Süßwasser zu gleiten.

Manche der Höhlen sind luftig, andere lassen nur wenig Luft über unseren Köpfen. Zwei der sieben Höhlen sind sogar nur für (Geräte-)Taucher erreichbar, die lassen wir heute aus.

(Photo Credit Jan)
(Photo Credit Jan)

Faszinierend ist aber auch der Blick unter Wasser, wo sich die größeren Stalaktiten von der Höhlendecke weiter fortsetzen.

Oder auch der Blick in die andere Richtung, nach oben zu einer der sieben „Bocas“, also Öffnungen, wörtlich übersetzt aber „Münder“.

Die Mayas übrigens verehrten die Cenotes als heilige Quellen, nutzten sie als Trinkwasserbrunnen. Sie sahen in ihnen aber zugleich auch Eingänge zum Sitz der Götter der Unterwelt und verwendeten sie auch als religiöse Opferstätten.

Mit den „7 Bocas“ haben wir ein glückliches Händchen. Jedenfalls heute am Neujahrstag ist sie ganz überwiegend von Mexikanern besucht, Familien mit jung und alt haben sich ein Picknick mitgebracht und genießen den allerdings auch etwas abgelegenen Ort, der aber eben extra Picknickstellen mit palmgedeckten offenen Hütten bietet und an dem sich keine Massen durchschieben.

Splash. Und Pura Vida.

Work & travel

Seit Fort Lauderdale findet sich ja vorübergehend unser Chief Engineer Jan auf der Crewliste. Bei der Arbeit am “Geweih”, der Rückflussleitung der Einspritzdüsen des Volvo-Penta Dieselmotors, hatte ich ihn schon gezeigt.

Zeit also, auch mal sein Arbeitszimmer vorzustellen 😉:

Übrigens, das Weitwinkelobjektiv lässt Floras Motorraum um einiges größer erscheinen. Man muss schon so schlank sein wie Jan (und sich trotzdem noch ordentlich verbiegen), um zwischen Diesel und Generator hockend an der Einspritzung arbeiten zu können.

Und: ja, es hat geklappt, keine neuen Dieselpfützen mehr in der Motorbilge. also Zeit für neue Projekte:

Den abgestürzten Plotter durch Hard-Reset wiederbeleben und alles neu einstellen …
Die Umlenkblöcke von Großschot und Ausholer auseinandernehmen …
… auch wenn dafür die Deckenverkleidungen im Bad und in der Achterkoje ebenfalls weg müssen …
… sich so hartnäckig durch all die verkorksten Menüstrukturen und Einstellungen von Furuno-Plotter (mit Installationswizzard 🤣) und Autopilot wühlen, bis endlich auch die Steuerung nach Windwinkel funktioniert …
die USB-Steckdose am Niedergang erneuern und eine weitere zwischen den Sesseln im Salon einbauen, damit auch dort Telefone, iPads, eReader, Kameras etc. geladen werden können.

Und noch einiges mehr. Danke, Jan. Echt Urlaub auf der Flora, oder?

Aber natürlich gehts auch manchmal anders, hier auf der Isla Mujeres:

Und heute Abend kommt Catalina 😉. Dann wird’s allerdings enger im Vorschiff.

Pura Vida.