Passage Fiji nach NZ, Tag 5: auf die Spitze treiben.

Da braut sich was zusammen. Diese kleine fiese Front, die sich so kurz vor unserer Ankunft scheinbar aus dem Nichts entwickelt und die sich ganz unvermittelt zwischen uns und Neuseeland drängt, sie folgt leider einem bekannten Muster.

„Easterly Punch“. So nennen die neuseeländischen Meteorologen dieses Phänomen. Ein sich überraschend schnell entwickelnder, aber auch eher kurzlebiger Ostsüdostwind. Wie ein Schlag. Zitat MetBob: „It’s a shock for the unaware“. Das kann man verstehen, denn nördlich dieser Front, da wo wir jetzt noch sind, herrschen eher schwache Winde. Die waren bei unserer Abfahrt auch noch für die letzten Meilen bis Neuseeland angesagt. Nur, der „Easterly Punch“ wartet hinter seiner scharf abgegrenzten Nordseite gleich mit Böen über 40 Knoten auf. Windstärke 9, Sturmstärke.

Ärgerlicherweise ziemlich genau da, wo wir am Sonntagmittag wären, wenn wir einfach gerade auf unserer geplanten Route weiterfahren.

So sagen es das Europäische Modell ECMWF und auch das deutsche Icon. Selbst wenn das amerikanische Wettermodell GFS recht behielte, fielen die Böen zwar etwas schwächer aus. Kämen auf diesem Kurs aber trotzdem schräg von vorn. Ebenso die Wellen, ca. 3 m hoch und alle 6 Sekunden. Das ist weit jenseits von nur unkomfortabel.

Unsere Optionen sind auch deshalb ein bisschen limitiert, weil uns ja der Schäkel des Fockfalls gebrochen ist, wir also unser kleines Vorsegel nicht benutzen können. Wir hoffen, das hier in diesem Flautenbereich beheben zu können. Auf dem offenen Ozean hoch in den Mast, das ist auch bei wenig Wind nicht ganz ohne. Die Ozeandünung schaukelt dort oben an einem 20 m langen Hebel, lässt die Mastspitze einfach ein paar Meter zur Seite schwingen. Aber: es hilft ja nichts. Also den Klettergurt an, den (Wingfoil-) Helm aufgesetzt und los. Wiebke zieht mich hinauf in die schwankende Höhe.

Bewegender Arbeitsplatz mit Aussicht

Tatsächlich hängt ein Teil des auseinander gebrochenen Schäkels noch vor dem Fall-Austritt und ich kann das Fallende wieder mit nach unten bringen.

Wir knoten einen Ersatzschäkel an, rollen die ja ohnehin schon etwas durchgesackte Fock aus und holen sie herunter, soweit es geht. Dann schneide ich den Keder des Vorsegels dort durch, wo er ausgerissen ist und sich die blockierende Schlaufe gebildet hat, nur so bekommen wir das Segel ganz herunter. Etwa fünf Zentimeter muss ich aus dem Keder herauskürzen, dann aber kann er wieder auf ganzer Vorliekslänge in die Nut der Rollanlage eingefädelt und das Segel mit dem Fall nach oben gezogen werden. Notreparatur, klar, aber wir haben wieder eine funktionsfähige Fock!

Und das eröffnet uns weitere Optionen, um mit dem Easterly Punch umzugehen: wir können wieder beidrehen, das heißt wir können nördlich der Front schlicht zwei Tage abwarten, bis sie durchgezogen ist. Oder wir können weiter nach Osten segeln und dann in die Front hinein. Der Wind und die Wellen kämen dann eher von hinten, deutlich weniger unangenehm, und mit kleinen Segeln dann handhabbar. Falls es uns doch zu viel wird, könnten wir nach Norden heraus aus der Front ablaufen oder eben beidrehen.

Ganz entschieden haben wir noch nicht, wir machen erst einmal Weg nach Ost. Auf dem Noforeignland-Track lässt sich der Haken in unserem Kurs gut erkennen. Derzeit ruhiges Segeln in schwachem Wind.

Essen: Mittags Asia-Suppe mit viel frischem Gemüse und Hackfleisch , das wir eingekocht hatten. Abends Bratkartoffeln mit Rührei und Schinken, Salat, Tomaten und Gurken. Nichts davon dürfen wir nach Neuseeland einführen, das muss jetzt alles weg.

Am Schiffsmittag: Etmal 162 sm, da hat der Code0 bis heute Morgen sehr gute Dienste geleistet, gesamt 808 sm bis Schiffsmittag. Bis jetzt sind heute noch weitere 48 sm dazu gekommen, auf direktem Weg wären es noch etwa 180 sm bis Opua in Neuseeland.

Passage Fiji nach NZ, Tag 4

Nachdem das Adrenalin der Aktion mit den Vorsegeln zunächst seine Wirkung getan hat, sackt mit etwas Abstand statt der Segel der Körper leicht durch: die schon überstanden geglaubte Seekrankheit ist zurück und ich füttere nochmal die Fische.

Dafür scheint unsere seglerische Improvisationslösung zu funktionieren. Das ist gut so, denn laut PredictWind-Vorhersage entwickelt sich bei Neuseeland ein Windband mit kräftigeren Winden und insbesondere wegen der fehlenden Fock nicht idealer Windrichtung (schräg von vorn). Nichts dramatisches, aber: je eher wir da sind, desto besser.

Immerhin, heute feiern wir Bergfest, mehr als die Hälfte der Strecke liegt im Kielwasser.

Flotte Fahrt, aber auch Wolken am Horizont. So geht’s in die Nacht:

Wir merken deutlich, dass wir den Wendekreis des Steinbocks nach Süden überquert und damit die Tropen wieder verlassen haben. Es wird deutlich kälter, lange Hosen und nachts auch Socken und Fleecedecke im Cockpit sind angesagt.

Essen: kaum der Erwähnung wert, ein paar trockene Cracker für mich, nochmal Bratkartoffeln (eigentlich meine Ration von gestern) für Wiebke.

Etmal: für diese Situation sehr gute 157 sm, gesamt 646 sm, noch etwa 410 sm zu segeln.

Passage Fiji nach NZ, Tag 3: Murphy ist ein Segler

Chaos-Tag. Die Seekrankheit ist noch da, wird aber langsam besser. Muss sie auch, denn mitten in der Nacht sackt wieder das Vorsegel durch und rutscht teilweise ins Wasser. Wir können es bergen. Es ist ein hartes Stück Arbeit, obwohl es diesmal “nur” 20 kn Wind sind und nicht 30 kn wie beim letzten Mal im April.

Nach der Erfahrung vom April laschen wir das Segel diesmal nicht an den Seezaun, sondern ziehen es gleich mit dem Ersatzgenuafall wieder hoch. Aber entweder hat es bei der Bade-Aktion schon einen kleinen Schaden am Keder bekommen oder wir beschädigen ihn beim Einfädeln. Die unteren zwei Meter gehen nicht in die Nut und das Segel lässt sich bei diesen Bedingungen auch nicht wieder herunterziehen, der Teil über den zwei Metern ist blockiert.

Unsere Notlösung: das Segel eng ins erste Reff wickeln. So können wir weitersegeln. Sechs Stunden lang. Dann ein kleiner Knall und das Segel sackt wieder durch. Offenbar ist auch der Schäkel vom Ersatzfall entweder aufgegangen oder gebrochen. Das gibt’s doch nicht: 45.000 Meilen passiert das nicht und dann gleich drei Mal hier zwischen Neuseeland und Fiji. Immerhin kann die Fock diesmal nicht ins Wasser rutschen, weil sie ja schon ein bisschen eingerollt ist.

Wir rollen sie ganz ein, da ist im Augenblick nichts zu machen. In den Mast zu gehen kommt bei diesem Geschaukel nicht in Frage.

Wir dümpeln bei 15 bis 20 kn Wind unter Groß, aber alleine ist mit diesem Segel kein Amwindkurs zu fahren und wir haben etwa 60° Windwinkel zum 600 Meilen entfernten Ziel.

Nach einiger Überlegung entschließen wir uns, den Code0 zu setzen und nur ein kleines Stück auszurollen. Das tut dem Code0 ganz sicher nicht gut, aber es balanciert das Boot so weit aus, dass wir mit einfach gerefftem Groß Kurs anlegen können und sogar wieder einigermaßen Geschwindigkeit machen.

Essen: Bratkartoffeln für Wiebke, trockene Cracker für mich.

Etmal: 155 sm, gesamt 489 sm, noch ca. 580 sm bis Marsden Cove.

Schlimm für den allerdings ohnehin schon etwas verschlissenen Code0, aber im Moment wohl unsere beste Option.

Passage von Opua nach Minerva, Tag 3

Seekrank.

Die Wellen haben nochmal zugenommen und scheinen kreuz und quer zu kommen. Dazu Böen über 30 kn. Das Groß ist st inzwischen dreimal gerefft.

Der Wind ist um 30° nördlicher gesprungen, das ist unschön, denn nun segeln wir am Wind. War allerdings auch von allen Wettermodellen so vorhergesagt.

Demnach sollte sich die Windrichtung ab morgen wieder langsam verbessern.

Wiebke hält sich gut, ich muss beim Zähneputzen dann doch spucken. Immerhin sind danach meine Kopfschmerzen weg.

Zur Nacht kommt noch Regen dazu. Die Wolken verdecken meistens auch den Mond. Es fühlt sich an, als würden wir auf einem bockenden Bronco-Pferd durch die stockdunkle Nacht jagen. Einer von uns hält die Zügel, der andere versucht auf dem Rodeopferd zu schlafen. Alle drei Stunden wechseln wir uns ab. Obwohl, immerhin bleiben wir trocken. Die an die Bordwand klatschenden Dwarslöper schicken zwar Wasserfontänen Richtung Cockpit, aber die aufgebaute Kuchenbude hält sie draußen. Erstmal.

Irgendwann explodieren die Wellen so an der Bordwand, dass sich doch auch Wasser durch den Schlitz zwischen Sprayhood und Kuchenbude ins Cockpit ergießt. Immerhin bleibt die Bank auf der Leeseite trocken.

Die dauernden Schwallwasser-Schläge setzen leider auch den Fenstern zu. Die Dichtungen scheinen unter der Tropensonne doch gelitten zu haben, Tropfen füllen die Handtücher, die wir hinter die Gardinen gestopft haben.

Am Morgen (immerhin bei Tageslicht) bricht dann der erst drei Jahre alte Schäkel des in Hawaii erneuerten Fockfalls. Kleine Ursache, große Wirkung. Das Segel rutscht nach unten und teilweise auch ins Wasser. Es ist bei 25 kn Wind und drei Meter Welle eine ziemliche Plackerei, die Fock wieder an Bord zu ziehen und provisorisch an der Seereling zu sichern.

Ein Ersatzgenuafall ist im Mast zwar geriggt, bei den unveränderten Bedingungen wollen wir das Segel aber nicht neu einfädeln und hoch ziehen, weil es gefährlich schlagen könnte und vielleicht auch in Fetzen ginge.

Mit dem Groß allein können wir bei diesem Seegang aber die Höhe nicht halten. Wir beißen in den sauren Apfel und motorsegeln erstmal Richtung Minerva.

Shit happens. es gibt solche Tage.

Etmal 143 Seemeilen, gesamt 463 Seemeilen, noch gut 300 Seemeilen bis Minerva. Wir hoffen, dass der Wind wie angesagt wieder auf etwas südlicher als Ost dreht.

Essen: Knäckebrot, für Wiebke sogar mit Belag.

Passage Opua nach Minerva, Tag 2

Schnelles Segeln, allerdings werden die Wellen höher und leider auch steiler. Etwa 2 bis 2,5 m hoch rollen sie seitlich an, die meisten laufen unter der Flora hindurch und wiegen sie hin und her. Immer mal wieder ist aber auch ein Dwarslöper dazwischen, der mit voller Wucht an die Bordwand klatscht und uns ordentlich durchschüttelt.

Diese Bedingungen lassen dann auch bei Wiebke und mir ein flaues Gefühl im Magen aufkommen. Nicht dramatisch, aber eben auch nicht schön. Wir nehmen eine Seekrankheitstablette, und wir liegen viel, schlafen viel.

Ein unbekanntes fiependes Geräusch im Mastbereich schreckt uns auf, es entpuppt sich nach einiger Suche als Fehlalarm des Wassermelders in der Bilge am Mastfuß.

Mehr Sorge macht uns danach bei einer besonders widrigen Welle ein Knarz- oder Durchrutschgeräusch in der Steuerung. Die Nullstellung des Steuerrads scheint sich dabei verstellt zu haben. Kein großer Spaß, bei diesen Bedingungen die Achterkoje auseinander zu nehmen und den Quadranten freizulegen. Muss aber sein. Die Klemmschrauben am Ruderschaft scheinen aber fest zu sein. Wir wechseln vom Lewmar auf den Furuno-Autopiloten und bisher ist das Geräusch nicht wieder aufgetreten. Das müssen wir uns aber wohl in Ruhe am nächsten Ankerplatz noch einmal genauer anschauen.

Etmal 169 Seemeilen, gesamt bisher 320 Seemeilen. Noch zu Segeln bis Minerva ca. 490 Seemeilen.

Essen: Wiebke schafft es, trotz der Bedingungen noch einen Hühnernudeltopf zu kochen.

Passage Opua nach Minerva, Tag 1

Um 9.15 Uhr haben wir einen Termin beim Zoll zum Ausklarieren. Das Online-Formular (C2B, Advanced Notice of Departure) dazu mussten wir schon vor der Terminvereinbarung per Email einreichen, dazu Passkopien,Bootspapiere und ein aktuelle Foto vom Schiff.

Beim Ausklarieren geht es dann alles ganz schnell. Ein paar Fragen, das Abgeben des gelben Zettels der Mehrwertsteuerbefreiung für alle bootsrelevanten Einkäufe und Dienstleistungen (TIE) und schon wünscht man uns gute Reise.

👋

Diese Mischung zwischen etwas Wehmut beim Abschied und der Vorfreude auf die kommende Reise berührt uns jedes Mal aufs Neue. Auch an diesem Morgen beim Aufwachen geht uns das so und wir sprechen darüber. Ein neuer Abschied, ein neuer Start.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten.“ (aus dem Gedicht Stufen von Hermann Hesse).

Um 9:30 legen wir ab, motoren ein kleines Stück durch den Veronika-Channel aus dem Waikare Inlet. Als wir an Russel vorbei sind, öffnet sich die Bucht etwas und der Wind reicht gerade eben so zum Segeln. Ganz langsam schiebt sich die Flora aus der Bay of Islands hinaus. Jayne und James mit der Scout schließen motorsegelnd zu uns auf. Als am Ausgang der Bay of Islands der Wind zunimmt und die Segel richtig füllt, können wir so noch gegenseitig Fotos von unseren Booten beim Abschied aus Neuseeland machen.

Wir haben beide das Ziel Minerva.

Der erste Nachmittag ist dann wunderherrliches Code0-Segeln bei Traumwetter.

Zum Abend wechselt die Scout auf den Solent, wir auf die Fock. Aber über die Nacht wird der Abstand zwischen unseren Booten trotzdem größer und so können wir die Scout heute nicht mehr sehen. Trotzdem gut, sie in der Nähe zu wissen.

In den ersten 24 Stunden haben wir 135 Seemeilen zurückgelegt, bis zum Schiffsmittag heute 151 Seemeilen.

Essen: Hähnchen in Pilz-Sahnesoße mit Brokkoli.

Auf zur „Bay of Islands“ in Neuseeland

Eines der beliebtesten und bekanntesten Segelreviere Neuseelands ist die „Bay of Islands“ an der Nordostküste der Nordinsel. Etwa 20 km schneidet sie ins Landesinnere hinein, wird dabei bis zu 16 km breit. Trotz dieser überschaubaren Ausmaße weist sie offiziell 144 Inseln auf. Bei dieser Zählweise müssen offenbar neben kleinsten Inselchen auch größere Felsen eingeflossen sein. Dennoch bieten sieben größere Inseln und eine Vielzahl sich vom Festland in die Bucht hinein erstreckender Halbinseln so viele Buchten und damit Ankerplätze, dass sich bei jeder Windrichtung ein geschütztes Plätzchen finden lässt.

Außerdem findet sich mit dem Örtchen Opua in der Bay of Islands Neuseelands nördlichste Gelegenheit zum Ein- und Ausklarieren. Damit bietet es sich förmlich an, in der Bay of Islands auf ein Wetterfenster für den Absprung nach Fiji zu warten.

Whangārei Harbour verabschiedet uns mit einem kräftigen Schauer, aber als wir die Whangārei Heads passiert haben, klart es dann auf.

Und so wird es ein richtig schöner Segeltag. Zwar segeln wir meist hoch am Wind an der Ostküste hinauf, aber wegen des ablandigen Windes baut sich keine starke Welle auf. So war das geplant, fein, wenn es auch eintrifft. Unser Tagesziel ist die gut 52 Seemeilen entfernte Bucht Whangamumu.

Ein Traum. Die Bucht in der zerklüfteten Küste bietet in ihrer Südwestecke die Einfahrt in eine nochmals besser geschützte zweite Bucht.

Drumherum fast nur Natur, lediglich ein paar unauffällige Ruinen einer alten Walfangstation am Ufer. Das müssen wir uns natürlich ansehen. Ein Hinweisschild erläutert, dass früher Wale in die innere Bucht getrieben wurden, die dann mit einem Netzt abgesperrt wurde. Bis zu 10 Wale im Jahr konnten dann mit Harpunen erlegt werden. In der Walfangstation wurde der Walspeck dann zu Öl verarbeitet. In späteren Jahren (Anfang des 20. Jahrhunderts) gab es dann ein dampfbetriebenes Harpunierschiff, mit dem außerhalb der Bucht gejagt wurde. Bis zu 50 Wale im Jahr wurden damit erlegt und ebenfalls zur Weiterverarbeitung in die Bucht gebracht. Ein paar rostige Maschinenteile, die aus Beton gegossenen Kochstellen und ein von der Natur schon fast zurückerobertes ehemaliges Maschinenhaus sind noch zu sehen.

Wir wandern noch ein kleines Stückchen weiter zu einem Wasserfall mit Dusch- und Badebecken. In die andere Richtung verläuft ebenfalls ein schmaler Wanderpfad, der aber nach 100 Metern schon wieder endet (für uns, abgesperrt ist es nicht). Nur noch fußbreit läuft er am steilen Hang entlang weiter, den Rest hat offenbar kürzlich ein Erdrutsch mitgenommen. Auch die übrigen Hänge um die Bucht herum weisen vielfach die Narben frischer Erdrutsche auf. Ob das Vaianu war oder schon die starken Regenfälle davor?

Wie auch immer, der Schönheit von Whangamumu tut es keinen Abbruch.

Wir würden gerne noch bleiben, aber ab übermorgen ist kräftiger Nordwestwind angesagt, nicht eben ideal für unsere weitere Route. Deshalb geht es nach diesem herrlichen Zwischstopp schon am nächsten Morgen weiter nach Norden, nun wirklich zur Bay of Islands.

Wieder können wir wunderbar segeln.

Wir segeln sogar einen Kringel um die unverkennbare Landmarke am Cape Brett, das von uns so getaufte halbversunkene Mammut (die Insel Motukokako, besser bekannt als „Hole in the Rock“).

Fotosession am 148 m hohen Mammut 🦣:

Cape Brett markiert zugleich den Eingang in die Bay of Islands, die Halbinsel des Caps ist die Nordostspitze der Bucht. Wir biegen also am Mammut links ab. Unser erstes Ziel in der BOI (Bay of Islands, viele Kiwis lieben offenbar Abkürzungen) ist gleich deren größte Insel: Urupukapuka (die Maorí ziehen den Abkürzungen offenbar Dopplungen vor).

Wir wissen bis dahin noch nicht so recht was uns erwartet, aber Segelfreunde hatten uns von der Bay of Islands viel vorgeschwärmt.

Und so sieht unsere erste Ankerbucht aus, die Urupukapuka Bay:

Noch am Abend machen wir einen ersten kleinen Hike auf der Insel, am nächsten Morgen gleich einen zweiten, deutlich längeren. Die Wanderpfade auf Urupukapuka sind gut markiert. Sie führen kreuz und quer über das etwa drei Quadratkilometer große Eiland, manchmal unmittelbar an den Abgründen der steilen Klippen entlang, hinab zum Strand einer Bucht und wieder hinauf auf die Klippen. Mal über Schafweiden, dann wieder durch dichte niedrige Wälder aus Südseemyrthe. Das etwas weichere Manuka und das härtere Kanuka werden auch Teebaum genannt. Aus dem Nektar machen die Bienen den berühmten Hanuka-Honig. Wir sind erstaunt, das diese Bäume jetzt im Herbst noch Blüten tragen.

Ganz verlustfrei geht der Hike nicht ab. An Wiebkes linker Sandale löst sich die Sohle. Barfuß weiter? Aber nein, Notreparaturen sind wir ja gewohnt: ein Haarband wird geopfert und für den Rest des Hikes hält das ganz tatsächlich auch.

Die Aussichten auf der Wanderung sind phänomenal.

Was aber fast noch beeindruckender ist und diesen Hike ganz besonders macht: Urupukapuka ist – wie einige andere Inseln in der BOI – seit 2008 offiziell „mammal pest free island“. Alle vom Menschen eingeführten für die heimische Tierwelt schädlichen Säugetiere (wie Mäuse und Ratten, aber auch Katzen und Hunde) gibt es auf Urupukapuka nicht mehr. Die heimische Tierwelt kann sich hier wieder erholen und wurde zum Teil auch extra wieder angesiedelt. Kiwi-Vögel sehen wir zwar nicht (Kunststück, wir sind ja tagsüber unterwegs). Was aber deutlich auffällt, ist der fast überall präsente melodische Gesang der Tui. Das hatten wir bisher so noch nirgends in Neuseeland. Es braucht ein bisschen, ehe wir die eher scheuen Vögel auch entdecken. In der Ferne sieht man sie manchmal auf einem erhöhten Zweig, bei Annäherung verstecken sie sich aber gerne im dichten Geäst der Manuka oder anderer Bäume. In deren Schatten fallen ihr dunkles Gefieder und die weißen Federpuschel am Halsansatz dann kaum auf. Im Sonnenlicht dagegen entfaltet das Federkleid seine eigentliche Pracht.

Außerdem sehen wir erstmals die relativ kleinen endemischen Neuseelandpiper:

Zudem weitere endemische Vogelarten wie die meisenartigen Neuseeland-Fantails (Pīwakawaka) und die neuseeländischen Austerfischer.

Und natürlich, im weichen Abendlich besonders farbenfroh, die neuseeländischen Purpurhühner, hier Pūkeko genannt.

Ein elementar anderes, aber ebenfalls tierisches Begrüßungsgeschenk in der Bay of Islands gibt es am Abend an der Flora:

Delfine kommen in unsere Ankerbucht, erjagen sich ihr Abendbrot und spielen anschließend ganz dicht um die Boote herum.

Was für ein Empfang. Erster Eindruck: hier lässt es sich aushalten. ☺️

Leinen wieder los!

Der Wecker würde um 6.00 Uhr klingeln, aber wir sind schon kurz vorher wach. Es geht endlich wieder los, unsere Segelsaison startet.

Kurz nach dem Morgenhochwasser laufen wir um 6.45 aus, der Hatea River ist für uns allenfalls etwa bis zur halben Tide befahrbar, jedenfalls müssen wir bis dahin den Kawaka Point vor der Halbinsel Onerahi passiert haben. Weiter flussabwärts ist es dann auch bei Ebbe tief genug. Klappt heute wunderbar, das Wetter spielt auch mit. Mehrere schöne Regenbögen, aber nur ein klitzekleiner Schauer auf den 10 Seemeilen zum Ankerplatz in der Munro Bay.

Eigentlich könnten wir bei dem vorwiegend achterlichen Wind auch segeln. Stattdessen brummt durchgehend der Motor, denn wir wollen die Antriebswelle (genau genommen deren präzise Ausrichtung) in verschiedenen Drehzahlbereichen des Motors ausgiebig testen. Durch die erneuerten Motorfüße sowie das neue Wellenlager und die neue Wellendichtung musste die Ausrichtung von Motor und Antriebswelle neu abgestimmt werden. Wirklich überprüfen lässt sich dass erst in Fahrt und so arbeiten wir uns auf diesem ersten kurzen Törn durch die verschiedenen Lastbereiche. Zum Glück gibt es keine Auffälligkeiten, das „alignment“ scheint in Ordnung zu sein.

Die Munro Bay hat eine relativ seichte Zufahrt, typisch für das mit Sandbänken durchzogene aufgefächerte Flussdelta des Hatea, wird aber an drei Seiten flankiert von den hügeligen Ausläufern der Whangārei Heads. Damit bietet sie auch gegen die aktuell in Böen kräftigen Westwinde recht guten Schutz. In der Munro Bay ankert schon die Freydis (eine Malö 46) unserer australischen Freunde Paula und Jim. Das passt, so können wir gemeinsam mit dem Dinghy am flachen und bei Ebbe trocken fallenden Scheitel der Bucht anlanden und einen schönen Spaziergang machen.

Es ist erstmal nur ein kurzes Wiedersehen, denn unsere Wege werden sich morgen schon wieder trennen, bevor wir uns hoffentlich in Fiji wieder treffen. Die beiden möchten ein Stückchen weiter nach Süden segeln. Wir dagegen haben entschieden, das kurze passende Wetterfenster zu nutzen, um in nördliche Richtung zur Bay of Islands aufzubrechen.

Vorkehrungen für Ex-Zyklon Vaianu

Ein Thema dominiert derzeit die Nachrichten hier in Neuseeland:

Bei vielen Kiwis werden Erinnerungen an den Zyklon Gabrielle wach, der im Februar 2023 Neuseeland traf, 11 Tode verursachte und immense Schäden anrichtete. Nicht nur die brutalen Winde, sondern vor allem die mit Gabrielle einhergehenden sintflutartigen Regenfälle sorgten unfassbare 140.000 dokumentierte Erdrutsche und in der Folge auch für zum Teil tagelange Stromausfälle, längere Zeit gesperrte Straßen und zerstörte Brücken.

Wie damals Gabrielle war jetzt auch Vaianu zwischenzeitlich ein Zyklon der Kategorie drei. Zum Glück für die tropischen Inselgruppen ging er zwischen Vanuatu und Fiji hindurch, Landfall wird Vaianu dann Samstag/Sonntag (hoffentlich schon deutlich abgeschwächt) in Neuseeland machen.

Wieso eigentlich abgeschwächt? Tropische Wirbelstürme (je nach Region Hurrikan, Taifun oder Zyklon genannt) benötigen Wassertemperaturen von über 26,5° Celsius, um zu entstehen. Der „Treibstoff“ dieser Wirbelstürme ist die sehr warme und sehr feuchte Luft, das Aufsteigen großer Mengen verdunstenden Wassers. Das Wasser kondensiert dann in der kälteren Höhenluft, wobei enorme Mengen an Energie freigesetzt werden. Das erklärt auch die immensen Regenmengen, die diese Wirbelstürme mit sich bringen.

Jetzt im Südhalbkugel-Herbst (wo der April dem Oktober der Nordhalbkugel entspricht) ist das Wasser um Neuseeland herum nicht mehr ganz so warm, insbesondere im Süden.

Aktuell sieht die Temperaturverteilung so aus:

In Orkanstärke bläst Vaianu daher schon jetzt nicht mehr. Wirklich entspannen kann Neuseeland deswegen aber noch nicht. Zu groß, zu mächtig ist das System noch. Mehr als deutlich wird das auf den aktuellen Satellelitenaufnahmen:

Und noch immer schiebt der Sturmwirbel Wassermassen vor sich her, die sich zur Höhe dreistöckiger Gebäude auftürmen. Für die Küste vor Whangārei werden bis zu 9 m hohe Wellen vorhergesagt.

Vor allem aber wird befürchtet, dass die starken Regenfälle bei den ohnehin von vorangegangenen Tiefdruckgebieten durchfeuchteten Böden an steileren Hängen erneut starke Erdrutsche auslösen könnten.

Unmittelbar von solchen „Landslides“ betroffen dürften wir auf der Flora hier im Hafen von Whangārei zum Glück nicht sein. Um unseren Liegeplatz herum gibt es eher sanfte Hügel. Hinsichtlich etwaiger Stromausfälle wären wir auf unserem Boot ja ohnehin autark. Vorräte haben wir eingekauft. Heute gilt es also, Flora so sturmsicher wie möglich zu vertäuen. Außerdem bauen wir das Bimini ab, um die Windlast zu verringern, sichern die Segel doppelt, füllen den Frischwassertank auf, laden die Batterien voll und nehmen die Starlinkantenne ab (sie funktioniert mit Einschränkungen auch im Boot).

Und jetzt heißt es abwarten.

Und … warme Socken stricken, weil der Wind über Süd herumdrehen und kalte Luft hier heraufschaufeln wird. Ganz klassisch, Wiebke strickt rosa Socken, ich blaue.

Refit der Flora in Neuseeland

„Refit“, das trifft es eigentlich ganz gut. Es war einfach mal wieder an der Zeit, unserer Flora eine Kur zu gönnen, sie wieder richtig fit zu machen. Seit fast sieben Jahren leben wir auf dem Boot, die vielen Jahre unterwegs haben Spuren hinterlassen. Klar, wir haben unterwegs immer wieder, eigentlich laufend, an ihr gearbeitet. Aber insbesondere die letzten Jahre in den etwas abgelegeneren Ecken des Pazifik haben für einen gewissen Service-Stau gesorgt. Zuletzt (und auch nur kurz) aus dem Wasser gekrant hatten wir das Schiff ja in Kanada. Neuseeland ist – was Ersatzteilversorgung und auch maritimen Service angeht – ein ausgesprochen guter Ort dafür, diesen Stau abzuarbeiten. Trotz der guten Infrastruktur hat das am Ende deutlich länger gedauert als zunächst veranschlagt, das war ja in den letzten Beiträgen bereits Thema. Aber ein Blick auf die Gesamtliste erklärt das schon ein bisschen.

  • Motor: große Inspektion, neue Motorfüße, neuer Turbolader, Einspritzdüsen geprüft, neuer Wärmetauscher, neues Motorinterface zum NMEA 2000 Netzwerk, neuer Anlasser (bisheriger als Ersatzteil, getauscht)
  • Antriebswelle: neues Wellenlager, neue Wellendichtung
  • Getriebe: Ölwechsel und Filterwechsel, Aquadrive-Kupplung ausgebaut und überprüft
  • Schaltung: neuer Schalthebel an der Steuersäule
  • Dieselgenerator: Instandsetzung nach Ausfall. Verstopftes Auspuffknie gereinigt, ebenso Wärmetauscher und Wasserabscheider, Kühlflüssigkeit erneuert, Ausgleichstank für Kühlflüssigkeit neu verlegt, neue Auspuffschläuche
  • Borddurchlässe und Seeventile: 23 Borddurchlässe (davon 17 im Unterwasserschiff) auf TrueDesign Kompositborddurchlässe umgestellt
  • Fäkalientanks: beide Schwarzwassertanks durch neu gefertigte Edelstahltanks ersetzt, diverse Leitungen und Ventile ebenfalls erneuert
  • Segel: vom Segelmacher durchgesehen, UV-Schutz an Fock und Großsegel erneuert, Großsegelunterliek repariert
  • Solarpanel: zwei zusätzliche Panel je 100 Wattpeak auf den Davids (zusätzlich zu dem 430 WP Panel, dafür neuen Aluminiumrahmen schweißen lassen. Zwei der vier 100 WP Panel auf dem Bimini erneuert
  • Bimini: repariert, neue Fensterfolie für den Blick in die Segel, nachgenäht und Klett erneuert
  • Navigationsinstrumente: Neuer Monitor am Kartentisch für den Bordcomputer, ORCA Navigation (ORCA Core und Display) ergänzt
  • Unterwasserschiff komplett überarbeitet, Schadstellen heruntergeschliffen und neu aufgebaut, über alles eine Epoxi-Sperrschicht und 5 neue Schichten Epoxi-Coppercoat
  • Sämtliche Polster im Salon, am Kartentisch und Sitz in der Achterkoje neu bezogen, Umbau der „Runden Ecke“ im Salon auf eckig
  • Waschmaschine neu (im vorderen Bad, Camec II 4 KG)
  • Wasserhähne und Dusch-Armaturen in beiden Bädern neu
  • Herd/Backofen neu (Kardanik in altem Herd war ausgerissen, zudem neu: Grillfunktion)
  • Ocean-Air Rollos repariert, mit neuen Verdunklungsstoffen und neuen Mückennetzen versehen
  • Gardinen im Achterschiff erneuert (selbst genähte Verdunklungsgardinen)
  • Laufendes Gut: Großsegelausholer erneuert
  • Wassermacher: Ölwechsel, Fitting neu eingedichtet, neue Membran (deren Einbau erfolgt aber erst, wenn wir wieder in klarem Meerwasser sind)
  • Bugstrahlruder: neue Propeller, neues Antifouling im Tunnel
  • Kielnaht erneuert
  • Anoden: neue Zinkanoden an Welle, Propeller, Bugstrahlruder und Kühlschrank (Kühlungen in den Bordduchlässen der Küchenspüle)
  • Gelcoat: kleinere Schäden im Bereich des Hecks repariert
  • Rumpf poliert (über der Wasserlinie)
  • Spiegel in beiden Bädern neu

Eine kleine Auswahl mit Vorher-, Chaos- und Nachher-Fotos:

Die Spiegel sind übrigens nach einer kleiner Irrversendung quer durch Neuseeland heute erst hier angekommen. Egal, besser spät als nie und wir sind ja noch hier. Letzteres allerdings nur, weil quasi in der Nachbarschaft Zyklone (so wird ein Hurrikan auf der Südhalbkugel genannt) unterwegs sind. Die Zyklonsaison dauert im Südpazifik regulär noch bis Ende April. Erst danach wollen wir uns Richtung Fiji aufmachen. Denn jetzt sieht es in den Tropen nördlich von Neuseeland so aus: während nordöstlich von Australien der tropische Zyklon Maila fast stationär seine Runden dreht, steuert der tropische Zyklon Vaianu gerade an Fiji vorbei südwärts Richtung Neuseeland. Dabei wird er sich über dem kälteren Wasser abschwächen (derzeit ist Vaianu in der Kategorie 3 eingestuft), aber nach bisheriger Prognose erwarten wir in Neuseeland zum Wochenende schlechtes Wetter mit extremen Regenfällen und sehr starken, in der Richtung drehenden Winden. Da bleiben wir lieber noch ein wenig hier im gut geschützten Whangārei etwa 30 Kilometer flussaufwärts der Küste.

Nebenbei sind wir Dauergast in den großen Supermärkten von Whangārei und stocken jetzt auch schon die langfristigen Proviantvorräte auf Flora für die kommende Saison wieder auf.