Wie – das erste Adventskalendertürchen geht gerade auf und wir feiern schon das skandinavische Lucia-Lichterfest? Falls ja, dann jedenfalls irgendwie anders 😁.
Wir ankern gefühlt im Monument Valley,
tatsächlich aber vor der Südwestseite der unbewohnten Insel Santa Luzia. Gegenüber des kleinen Felseninselchens Ilhéu Zinho zieht sich ein breiter, wunderbar feinsandiger Strand die ganze Bucht entlang. Als wir ankommen, liegt nur ein einziges weiteres Boot in der Bucht, kurz vor Sonnenuntergang kommt ein drittes hinzu. Beide sind am nächsten Morgen schon früh wieder verschwunden. Wir aber bleiben, haben wir uns doch einen Landgang auf der Insel vorgenommen. Santa Luzia macht das dem Besucher allerdings nicht leicht: obwohl der Strand in Lee (*1) der Insel gelegen ist, blasen hier fortwährend Williwaws (*2) aus den Tälern heraus. Zudem gibt sich die See zwar ruhig und wir rollen auch nicht übermäßig vor Anker, aber die Dünung brandet trotzdem in beeindruckenden Wellen auf den Strand. Das Dinghy würde bei diesen Wellen große Gefahr laufen umzukippen. Nicht nur dass wir dann unfreiwillig baden würden, der Außenbordmotor des Beibootes mag solche Taucheinheiten gar nicht.
Also bleibt nur, FREIWILLIG Baden und an Land zu schwimmen. Kamera, Handtuch und trockene Klamotten kommen in einen Drybag (*3), Flossen und Taucherbrille an und dann los.
Und tatsächlich erwischt uns kurz vorm Strand eine brechende Welle so, dass Wiebke fast eine Flosse (kann sie gerade noch retten) und ganz ihre Taucherbrille verliert (finde ich aber gleich wieder). Alles gut gegangen.
Wir erkunden ein wenig die Gegend und ganz ausgiebig den Strand. Exklusiver geht’s nicht, den kilometerlangen Sandstrand haben wir ganz für uns alleine.
Und wir sehen uns in der Einschätzung bestätigt, den Landgang besser nicht mit dem Beiboot versucht zu haben:
Zurück an Bord (klappt unproblematisch) genießen wir einen ruhigen Nachmittag mit selbstgebackenem Kuchen. Dann kommen Fischer vorbei, denen wir zwei Juwelen-Zackenbarsche abkaufen, das Abendessen ist also auch gesichert 😄.
(*1) windabgewandte Seite
(*2) scheinbar aus dem Nichts kommende Fallböen mit bis zu doppelter Stärke des eigentlich herrschenden Windes
(*3) quasi ein Sack aus Lkw-Plane, der wasserdicht zusammengerollt und verschlossen werden kann
Wir sind in Afrika. Geographisch war das schon auf Madeira und auf den Kanaren der Fall, aber beide Inselgruppen gehören zur Europäischen Union und fühlen sich auch europäisch an.
Ganz anders die Kapverden. Die Atmosphäre im Örtchen Palmeira auf der Insel Sal unterscheidet hat sich so deutlich von den bisher besuchten Orten, das der Wechsel in den afrikanischen Kulturkreis quasi ins Auge springt.
Dreh- und Angelpunkt (ja, Wortspiel) Palmeiras ist der Hafen. Hier landen die Fischer mit ihren zumeist kleinen bunten Booten täglich ihren Fang an, der dann vor Ort in Eimern und Plastikwannen sortiert, verkauft oder aufgeteilt oder zu einem Teil sogar gleich weiterverarbeitet wird (nämlich gesalzen und auf großen Tischen getrocknet).
Und hier am Hafen wird auch gespielt und gebadet, hier findet sich ein einfaches aber superleckeres Fischrestaurant, hier gibt’s improvisierte Bars, in denen geklönt und diskutiert wird und die die auf den Kapverden unverzichtbare Musik zur entspannten Atmosphäre beisteuern.
Die Frachtschiffmole des Hafens bietet außerdem den hier vor Anker liegenden Yachten Schutz gegen die mit großer Wucht anbrandenden Wellen des Atlantiks. Kaum zu glauben, wie ruhig wir hier liegen während wir vom Boot oder vom Strand aus beobachten können, wie in unmittelbarer Nähe Brecher mit weit abwehender Gischt ans Ufer schlagen und den lokalen Surfern herausfordernde Bedingungen bieten.
Im Ort selbst wird ebenfalls deutlich, dass wir die europäische Komfortzone verlassen haben. Es gibt zum Beispiel kein Wasserleitungsnetz. Einzelne neuere Häuser haben Druckwasseranlagen, bei einigen anderen sehen wir Wassertanks auf dem Dach. In beiden Fällen müssen die Wasserspeicher durch Tanklaster aufgefüllt werden. Die Mehrzahl der überwiegen einfachen Häuser mit Flachdächern versorgen sich mit Frischwasser, indem sie per Schubkarre in großen Kanistern Wasser aus dem örtlichen „Fontenário“ holen. Für ein paar Cent pro Liter kann an dieser Zapfstelle Frischwasser (aus der Meerwasserentsalzungsanlage) gekauft werden, dass ebenfalls per Tanklaster dorthin angeliefert wurde.
Der Komfort, ja Luxus, den unser Boot uns bietet wird uns vor einem solchen Hintergrund um so deutlicher.
Die Liebe der Menschen hier zu bunten Farben zeigt sich oft in der Kleidung, aber vor allem auch in vielen Wandmalereien und überhaupt den wann immer möglich leuchtend angestrichenen Häusern.
Und ja, auch die Einkäufe werden gelegentlich auf dem Kopf nach Hause getragen.
Kaum aus dem Hafen von Gomera, viel Wind und Welle. Ich steuere von Hand. Wie erwartet hält es aber nicht lange an. Im Windschatten von Teneriffa nimmt beides ab, wir riggen unsere Pasatbesegelung. Zur Nacht rollen wir den Code0 weg. Meine erste Wache in der Nacht ist nicht schön. Wind und Welle haben wieder deutlich zugenommen, Wolken sind auf gezogen. Als die Sonne ganz untergegangen ist, wird es stockdunkel. Ein komisches Gefühl im Finsteren durch die Welle zu preschen. Wir machen 3-Stunden-Wachen. Meine erste Wache beginnt um 6 Uhr abends. Eigentlich oft erst gegen 7, wenn Ralf sich bis kurz vor 9 Uhr hingelegt. Als ich um Mitternacht wieder hoch komme ist es schon besser, der Mond lugt ab und zu hinter dichten Wolken hervor, es ist nicht mehr stockdunkel. Um 3 Uhr nachts löst Ralf mich ab, ich darf nochmal 3 Stunden schlafen, bevor ich um 6 Uhr morgens dann wieder übernehme. Das Aufstehen ist Überwindung, aber eigentlich nicht schlimm. Gewöhnt man sich schnell dran. Auch der zweite Tag und die zweite Nacht sind von Wolken geprägt. Immer wieder Sprühregen. Es ist kalt. Viel kälter als auf den Nachtwachen im Mittelmeer und auch auf der Fahrt nach Gomera. Skiunterwäsche, dicke Skisocken, Segel-Latzhose, Fleecejacke, Windstoperjacke, Mütze. Und draußen noch die Fleecedecke bis zum Kinn hochziehen. Auch tagsüber bleibt es bei Jeans und Pulli. Die dritte Nacht wird schön. Ich habe die Wachen mit Sonnenuntergang, Mondaufgang und Sonnenaufgang.
Die Wolken haben sich verzogen. Schon bei Sonnenuntergang zeigen sich Venus, Jupiter und Saturn. Der Sternenhimmel wird immer deutlicher. In meiner zweiten Wache geht nach Mitternacht der Mond auf. Er liegt auf dem Rücken, wie eine Schale. In der dritten Wache geht gegen halb acht morgens die Sonne auf. Ich höre nachts ein Hörbuch, damit vergeht die Zeit schnell. Oder höre Musik, die Orchestersuiten von Bach nachts bei Wind und Welle, Grieg zum Sonnenaufgang, schön. Ansonsten passiert nicht viel. An Lesen kann ich bei dem Wellengang frühestens ab dem vierten Tag denken. Wir essen auch nicht viel. Morgens eine Scheibe trockenes Brot zum Kaffee, dann jeder eine halbe Kaki oder einen halben Apfel und ein paar Nüsse. Ich hatte Reis vorgekocht, davon mache ich am ersten Tag eine schnelle Tomatensuppe, die reicht auch noch für den zweiten Tag. Eventuell noch eine Scheibe Brot oder Knäcke mit Käse, ein paar Kekse, mehr brauchen wir nicht. Am dritten Tag Nudeln mit Pesto, am vierten Tag Reissalat mit Tomaten und Gurke, am fünften Tag den Rest Nudeln.
Ich bin gespannt, wie es auf der Atlantiküberquerung wird.
Wir haben rund 600 Liter Frischwasser in unseren Tanks, wobei wir das zwar zum Duschen, Kochen und Zähneputzen verwenden, aber nicht als Trinkwasser. In manchen Häfen wäre das von der Qualität des Leitungswassers her durchaus möglich, in anderen wird einem davon klar abgeraten.
Außerdem können wir mit unserem “Watermaker” (*1) wirklich gut schmeckendes Trinkwasser aus dem salzigen Meerwasser produzieren, etwa 50 l pro Stunde. Allerdings, das ist der Haken, braucht der Watermaker dabei dann ziemlich viel Strom, etwa 38 Amps. Zur Einordnung: ein Stunde Trinkwasser produzieren verbraucht etwa die Hälfte dessen, was unsere Solarpanel an einem schönen sonnigen Tag produzieren.
Nun könnten wir natürlich mit der Lichtmaschine des Motors oder (effektiver, wenn wir nicht sowieso motoren müssen) mit unserem Dieselgenerator Strom produzieren und dann damit Trinkwasser produzieren. Allerdings sind auch unsere Dieselvorräte begrenzt (rund 400 l). Und einen “Dieselmaker” haben wir eben nicht 😉.
Das führt dazu, dass wir für die lange Passage von den Kanaren über die Kapverden bis in die Karibik zusätzlich ziemlich viel in Flaschen oder größeren Gebinden von bis zu 8 l, das ist hier in Spanien durchaus üblich, abgefülltes Trinkwasser gekauft und an Bord verstaut haben.
Dafür haben wir uns vornehmlich sonst ungenutzte Stauräume unter den Bodenbrettern ausgesucht, teilweise haben wir diese mit extra angebrachten Trennbrettern separiert, damit Staugut nicht gegen die dort eingebauten Seeventile (*2) rutschen kann und die Ventile immer erreichbar bleiben.
Und wie viel ist nun “ziemlich viel”? In unserem Fall etwas mehr als 250 Liter. Ganz grob so kalkuliert: zu zweit für 8 Wochen je 1,5 Liter am Tag (8 x 7 x 1,5 l x 2 = 168 l); dazu Jan ab den Kapverden für 5 Wochen (4 x 7 x 1,5 = 52,5 l), zusammen also 220,5 l, plus ein bisschen Reserve (Besuch auf den Kapverden?). So sieht das aus:
Unterm Durchgang im VorschiffUnterm PantryfußbodenUnterm Durchgang ins AcherschiffUnterm Fußboden Achterkabine (unser Schlafzimmer)5 x 8 l Flaschen im SchrankSchrank 1 im vorderen Bad (oops, da hat sich ein Butternusskürbis mit hineingeschmuggelt)Schrank 2 im vorderen Bad (unter dessen unterm Brett sind auch noch Flaschen)Dusche im vorderen Bad 😊
Tja, so isses jetzt. Jedes Fleckchen wird genutzt. In den bisher für Gäste freigehaltenen Schapps (*3) haben wir Lebensmittel gestaut. Aber bis Jan auf den Kapverden zusteigt, werden wir schon wieder Platz frei gefuttert und frei gesüffelt haben 😋.
(*1) einem Echotec 260 DML1 für unser 12 Volt Bordstromsystem
(*2) Seeventile sind mit einem Hebel verschließbare Durchlässe in der Schiffswand. An diese Seeventile sind die Schläuche angeschlossen, durch die entweder Salzwasser in das Schiff (z.B. zur Motorkühlung oder zur Klospülung) oder Brauchwasser aus dem Schiff hinaus (z.B. aus den Wasch- oder Spülbecken) gelangen soll.
(*3) Schapp = Schrank, Spind oder Schubfach an Bord. Die Bodenfächer sind übrigens in unserem ursprünglichen Stauplan noch nicht berücksichtigt.
An der Südspitze von Gran Canaria hatten wir ja schon bei der Überfahrt langen hellen Sandstrand und Dünenlandschaft beobachtet. Playa Inglés und Maspalomas, die touristischen Hochburgen für die vielen Sonnenanbeter, die auf diese Insel pilgern. Rund 4,5 Millionen sollen es jährlich sein, davon rund ein Fünftel und damit der größte Anteil Deutsche. Vom Parkhaus aus geht’s erst einmal auf der Promenade am Naturschutzgebiet der Lagune „La Charca“ (einfach nur: der Teich) entlang, die vielen Wasservögeln als Brutplatz dient. Sie begrenzt zugleich die mit knapp zehn Quadratkilometern gar nicht mal so kleine Sandwüste nach Westen.
Am Palm Beach Hotel beim Leuchtturm biegen wir ostwärts auf den breiten Strand ab und können von jetzt ab wählen, ob wir die Dünen rauf und runter klettern oder bequem am flachen Strand entlang schlendern. Gerade war Neumond, also Springtide (besonders hohes Hochwasser, besonders niedriges Niedrigwasser). Deutlich zu spüren war das am Kletteraufwand von unserem Boot hinauf auf die Kaimauer bzw. dem Fahstuhleffekt bei Hochwasser. Hier am Strand macht es sich so bemerkbar, dass der Beachvolleyballplatz zwischen den Dünen noch immer unter Wasser steht, obwohl er weit hinter dem längst wieder trockenen Strandstreifen liegt.
Baden ist gar nicht so einfach, Wiebke und ich machen es trotzdem und es ist herrlich, aber immer mal wieder spült uns eine meterhohe Welle den feinen Sand überall hin oder zieht uns glatt die Beine weg 😉.
Am nächsten Tag wollen wir uns ein bisschen die Inselhauptstadt Las Palmas de GC ansehen. Um noch etwas von der Markthalle zu haben fahren wir früh los, sind dann aber von ihr nicht sehr beeindruckt. Das obere Stockwerk ist komplett geschlossen, Obst- und Gemüse-, Fleisch- und Fischstände buhlen nur im Erdgeschoss um die nicht sehr zahlreichen Kunden. Zwei Sachen sind gleichwohl interessant: zum einen scheint das Fischangebot sich zumindest jetzt doch deutlich von dem in spanischen Festlandsmarkthallen zu unterscheiden. Wir finden hier – wie übrigens auch in den Frischfisch-Bedientheken der hiesigen Supermärkte – keinen fangfrischen Thunfisch oder Schwertfisch am Stück. Lediglich von dem kleineren Bonito sehen wir ein paar Exemplare. Zum zweiten hinterlässt die Transatlantic-Segelregatta ARC sogar hier ihre Spuren. Ein Fleischstand wirbt mit dem Logo der ARC und auf Segler zugeschnittenen Servicediensten.
Später am großen Yachthafen von Las Palmas treffen wir die Crew der Segelyacht Morangie wieder. Wir haben die beiden jungen US-Amerikaner Maggie und Sam in einer Ankerbucht vor Sardinien kennengelernt, sie haben für das nächste halbe Jahr eine ähnliche Route wie wir. Jetzt ankern sie neben dem ARC-Hafen. Es ist schön, bei einem Kaffee mit ihnen zu schnacken, zu erfahren, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist und wie sich die weitere Reiseplanung konkretisiert.
Danach geht’s für uns hinauf in die Berge, diesmal ins Zentrum der Insel. Zunächst fahren wir hoch in das Örtchen Teror, das auf gut 500 m Höhe liegt. Hier soll die Jungfrau Maria (die deshalb wenn auch erst 1912 zur Schutzheiligen der Insel erklärt wurde) im Jahr 1481 in einem Pinienbaum einigen Bewohnen der Insel erschienen sein. Das liegt somit immerhin noch zwei Jahre vor der endgültigen Eroberung der Insel durch die Spanier, die diesem Wunder mit einer Basilika am Ort, Wallfahrten und jährlichen Feierlichkeiten gedenken.
Der Ort ist schön renoviert und viele Häuser weisen noch die ehemals hier auf den Kanaren so typischen Holzbalkone auf. Wunderschön ist auch der Vorplatz der Basilika, auf dem ein uralter riesiger Lorbeerbaum Schatten spendet.
Wir suchen uns ein kleines Café am Platz und genießen die empfohlenen Süßspeisen: Mandeltorte, Schokobrownie und vor allem Polvito Uruguayo (ein Keksbrösel-Sahne-Schaumgebäck), LECKER!
Auf der Weiterfahrt sehen wir neben zunehmend mehr Grün und wunderschönen hochgewachsenen Eukalyptus-Alleebäumen an der Straße auch bis hoch zum Gipfel immer wieder die Folgen der schlimmen Brände, die Gran Canaria im August getroffen haben.
Aber zum Glück ist nicht der ganze Nationalpark betroffen, weite Teile der Kiefernwälder sind intakt geblieben und auch viele Maronenbäume haben überlebt, wenngleich einige Stämme Brandschäden aufweisen und auch die Esskastanien selbst zum Teil (ob nun wegen der Feuer oder der allgemeinen Trockenheit) nicht alle voll ausgereift scheinen.
Als wir das Wahrzeichen Gran Canarias, den in über 1800 m Höhe aufragenden Basaltfelsen Roque Nublo (=Wolkenfels) erreichen, steht die Sonne schon tief und Dunst fängt an, sich über die herrliche Szenerie zu legen.
Auf der anderen Seite des Gebirges wechselt sofort wieder die Pflanzenwelt und über unzählige Serpentinen und vorbei an immer karger werdenden Schluchten fahren wir hinunter nach Maspalomas und im Dunkeln weiter nach Puerto de Mogán.
Schön, dass wir diese anderen Seiten von Gran Canaria auch noch entdecken durften, schließlich segeln wir jetzt schon wieder weiter. Wir freuen uns auf Teneriffa 😊.
Dienstagabend haben uns Eike und seine Kollegin Lara besucht, wir hatten einen sehr schönen Abend bei uns an Bord.
Noch dazu hatte Eike unter anderem unsere neue Lichtmaschine im Gepäck hergeschleppt und deshalb wurde es auch ein sehr schöner Mittwochmorgen. Der Mechaniker erschien, hatte unseren Regler und nicht mehr reparable Lichtmaschine dabei, baute den Regler und die neue LiMa ein und siehe da: unser Bootsmotor kann wieder die Batterien laden. 😀
Wir waren glücklich und haben das am Abend ausgiebig auf einem Zug durch Alicantes Altstadt mit Tinto de Verano hier, Vermouth dort und abschließend einem weiteren Besuch in einer Arrocería (also einem Reis-Restaurant) mit Rotwein gefeiert. Wie der Name andeutet, gab es auch ein wenig Schinken 😊.
Heute morgen haben wir das gute Hafen-WLAN genutzt, um mit dem LiMa-Lieferanten per Computer-Fernwartung (TeamViewer) die Einstellungen des Mastervolt-Reglers für die LiMa anzupassen. Und das war gut so. Es stellte sich nämlich heraus, dass die LiMa doch noch nicht komplett angeschlossen war. Zwar lieferte sie Strom, aber noch nicht alle zur optimalen Steuerung nötigen Informationen. Also durfte ich ein weiteres Kabel aus den Tiefen des Kabelbaums pulen („ein weißes Kabel suchen“), auch das noch mit dem Regler verbinden und siehe da: jetzt wird nicht nur die Temperatur sondern auch die Drehzahl der LiMa an den Regler gemeldet und die entsprechenden Grenzen konnten eingestellt werden. Das sollte hoffentlich der neuen LiMa ein längeres Leben bescheren 🤞.
Im Augenblick darf sie sich aber noch ausruhen, wir haben bei schönen Segelwind das Cabo de Santa Pola schon passiert und laufen am Wind in Richtung Mar Menor.
Wir sind in Alicante, genauer gesagt im Real Club de Regatas de Alicante. Wir haben uns gleich für eine ganze Woche hier im Hafen eingebucht, für uns ziemlich ungewöhnlich. Der Grund dafür ist unsere Lichtmaschine, die leider den Geist aufgegeben hat. Nachdem sie schon eine Weile herumzickte, hatten wir eigentlich gehofft sie hier reparieren lassen zu können. Leider ist sie wohl vollständig hinüber.
Zum Glück trifft uns das aber nicht unvorbereitet: wir hatten schon eine eigentlich nur als Backup gedachte neue Lichtmaschine in Auftrag gegeben (sie musste ja für die Lithium-Batterien und damit an den externen AlphaPro-Regler angepasst werden). Die neue LiMa wurde nach Burgwedel geschickt, von wo sie unser Freund Eike Dienstag mitbringt. Eike arbeitet derzeit immer Dienstags bis Donnerstags in Valencia und wollte uns deshalb hier in Spanien besuchen. Passt natürlich prima, ein bisschen Flickzeug für unser leicht angeschlagenes Dinghy bringt er auch noch mit 😉.
Genießen wir also bis dahin Alicante und umzu.
Und Alicante ist wirklich schön. Nicht nur dass die Stadt reichlich Restaurants, Cafés, Cervezerias und Bars bietet und zudem einen sehr gepflegten und gleichzeitig lebendigen Eindruck macht, allein schon für die vielen Palmen und Ficus-Bäume im Stadtbild könnte man Alicante lieben. Palmen säumen viele der Boulevards bzw. Avenidas, so auch die marmorgepflasterte Promenade hier am Hafen.
Und wunderschöne Plätze wie diesen an der alten Post (scheint im Hintergrund durch):
Samstag am frühen Morgen noch mit wenig Leuten, wir wollten aber gerne zeitig in der Markthalle sein:
Schon von außen beeindruckend, aber noch mehr drinnen, zumal es eben keine Touristenpräsentation ist, sondern eine wirklich von der Bevölkerung genutzte Markthalle. Zwei Ebenen, unten hauptsächlich Fisch und Obst/Gemüse, oben überwiegend Fleisch/Wurst.
Zur Abwechslung mal kein Schwertfischbild vom Markt, sondern der Blick in einen Obst- und Gemüsewald:
Auch wir haben ein bisschen eingekauft, aber hier noch nicht nicht sehr viel. Das kam später.
Vielmehr haben wir uns fürs Wochenende günstig (Tip von Eike) ein Auto gemietet und sind erst mal raus aufs Land gefahren. Zunächst in den kleinen Ort Banyeres de Mariola, wo wir die Burg besichtigt und uns mit dem kleinen Auto durch die super engen Gassen gequetscht haben. Interessant zu sehen, dass hier in der Gegend viele Kirchen blaue Ziegeldachkuppeln haben, ich habe noch nicht herausgefunden, was es damit auf sich hat, jedenfalls ist es sehr auffällig.
Und dann weiter durchs Gebirge und einige Landschaftsschutzgebiets bis in die flachere und kargere Region Kastilien-La Mancha, die sich nördlich anschließt an die Region Valencia (zu der auch Alicante gehört).
Windmühlen, gegen die Cervantes Don Quichotte als vermeintliche Riesen mit ihren langen Armen ankämpfen könnte gibt es heute wieder reichlich und sie sind größer geworden. Moderne Windkraftanlagen finden sich zuhauf auf den etwas höheren Kämmen der Hügelketten der Mancha. Sonst gibt’s dort aber nicht ganz viel, weshalb wir das Auto auch noch für einen Großeinkauf genutzt haben, schließlich naht so langsam Gibraltar und damit der erste längere Törn im Atlantik, jetzt also doch ein paar Vorräte mehr 😉 (unser bisher größter Bon, hat die Bevorratungspanik uns jetzt doch noch erwischt?).
Ganz nebenbei: offensichtlich sind wir wirklich in Spanien, denn wir haben auf unserer Autofahrt auch den obligatorischen Osborne-Stier gesehen:
Die Geschichte dieser Werbe-Stiere und ihres Einzugs in die Spanien-Symbolik ist übrigens auch ein tolles Beispiel dafür, was Gesetzgebung bewirkt (und was eben nicht).
Vor der Abreise haben mich viele gefragt, wie wir das mit dem Einkaufen für die lange Reise machen. Ich habe allen versichert, dass es in Italien und Spanien auch Supermärkte gibt und wir deshalb nicht in Griechenland das Schiff für Monate ausrüsten müssen 😉. Aber ein paar Dinge wie Kaffee, Nudeln, Pesto, Reis, Dosenthunfisch bunkern wir natürlich schon. Wir habe feststellen müssen, dass frische Milch bei diesen Temperaturen sinnlos ist und haben nun immer ausreichend H-Milch an Bord. Milchkaffee morgens ist lebensnotwendig und für mich außerdem, besonders bevor wir auslaufen, etwas zu essen. In Griechenland war das meist Joghurt mit frischen Früchten, in Italien war Naturjoghurt kaum zu bekommen. Dann gibt es normalerweise Müsli. Für die Tage an denen es schnell gehen soll, haben wir immer ausreichend Müsliriegel an Bord. Und für zwischendurch ausreichend Nüsse und Salzstangen o.ä.
Aber grundsätzlich kochen wir frisch. In Catania hat uns z.B. ein netter Franzose selbstgefangenen Thunfisch geschenkt. Also geschenkt oder selbst gefangen: Ab in die Pfanne, etwas Salat dazu, fertig.
Vor Nachtfahrten und längeren Törns bereite ich ein, zwei Sachen vor, so dass wir sie unterwegs nur aufwärmen können und nicht lange unter Deck schnippel müssen. Für die Überfahrt von Sizilien nach Sardinien gab es Kartoffel-Tomaten-Paprika-Suppe und einen Couscous-Salat mit Möhren, Staudensellerie, Rotkohl, Erdnüssen und Hühnchen.
Dafür haben wir einen super Tip umgesetzt, den ich in einem anderen Blog gelesen habe. In vielen Supermärkten gibt es frische, fertig gegrillte Brathähnchen zu kaufen. Das haben wir in Palermo gemacht, Ralf hat alles gepult und wir haben das Fleisch vakuumverpackt und ab in den Kühlschrank. Das hält ein paar Tage. Mit der zweiten Portion gab es dann eine asiatische Currysuppe.
Kartoffeln und Bohnen halten auch lange. Ergänzt mit kleinen Sardinen aus der Dose, Parmesan und getrockneten Tomaten auch lecker.
Unseren kleinen Wok haben wir auch dabei. Der wird auf dem Gasherd super heiß und so gibt es Bratreis mit Ei und Bohnen.
Manchmal gehen wir natürlich auch essen. Vorgestern gab es Tapas und Cañas (kleine Bier) in einer Cervecería (einfache Kneipe). Gestern dann ein x-Gänge Menü im einzigen Sterne-Restaurant von Alicante. So lecker!