Der Wind hier in den Tuamotus präsentiert sich aktuell ziemlich wechselhaft. Eigentlich liegen die Tuamotus im Passatwindgürtel mit seinen östlichen Winden. Jahreszeitlich bedingt schwankt der vorherrschende Wind etwas, ist von Februar bis April östlich, kommt von Mai bis November mehr aus Südost (wobei er um August herum am stärksten bläst, im Südsommer dafür schwächer), im Dezember und Januar ist typischerweise eher Nordost zu erwarten. Nur: derzeit sind über Nord auf West drehende Winde angekündigt, für das nächste Wochenende gar mit einer kräftigen WSW-Komponente. Alles andere als ideal am Südpass von Fakarava. Etwas besseren Schutz würde es im Norden von Fakarava geben, aber nicht bei WSW.
Wir entscheiden uns dafür, statt dessen zum kleineren und seltener besuchten Atoll Faaite zu segeln. Wir schaffen es, die Passage durch den Südpass und auch die Einfahrt nach Faaite mit nur geringer Strömung zu timen, dazwischen liegen ein paar Stunden herrlichstes Segeln bei wenig Welle und perfektem Segelwind.
Über die Passeinfahrt in Faaite hatten wir uns einige Gedanken gemacht, die Durchfahrt ist recht schmal und kann bis über 7 kn Strömung aufweisen. Teilweise wird geraten, notfalls in der Sackgasse links von der Durchfahrt zu ankern. Zum Glück geht alles glatt, denn als wir später mit dem Dinghy den “Notankerplatz” checken, finden wir ihn zwar tief genug, aber dicht an dicht mit Korallen bestanden.
Pass ins Faaite-AtollBlick auf den Pass aus umgekehrter Richtung
Auf der Innenseite des Passes gibt es eine vergleichsweise flache Barre (wir messen 3,7 m), aber bei diesen Bedingungen ist das unproblematisch. Und so schleichen wir an den allerdings zahlreichen Bommies vorbei in die Nordwestecke des Atolls und ankern im Schutz von gleich drei palmenbestandenen Motus.
Die Easy-One ist bei uns, Lille Venn und Free Fall kommen am nächsten Tag dazu.
Ich denke, hier werden wir es eine Zeitlang ganz gut aushalten können.
Die Nachtluft ist mild und der Wind bisher noch lau. So bleiben wir lange in der Hängematte auf dem Vorschiff, löschen irgendwann das Licht, beobachten den halb vollen Mond und den Sternenhimmel. Orion steht hoch über der Flora, Mars spielt mit Castor und Pollux im Zwilling, Jupiter gesellt sich zu Aldebaran im Stier. Am Südosthimmel ist zunächst nur das “Falsche Kreuz” auszumachen, etwas in der Nacht klettert auch das Kreuz des Südens höher über den Horizont und wird damit deutlicher sichtbar.
Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Apataki. Rajesh und Jeroen holen uns zum Schnorcheln ab, danach wandern wir am Strand entlang zum Werftgelände.
Was vom Boot aus wie strahlend heller Sandstrand aussieht, entpuppt sich allerdings größtenteils als grober Korallenschutt. Gut dass wir vorsorglich Schuhe eingepackt haben. Wunderschön ist es aber trotzdem, unter den Palmen leuchtet das Wasser in Türkis- und Blautönen, dazwischen sind bräunlich die Korallenbommies zu erkennen.
Diverse junge Schwarzspitzenhaie patrollieren im Flachwasser und sogar ein Ammenhai zeigt sich ganz nah am Strand.
Das ist schon unmittelbar neben der Slipbahn, auf der die Boote mit einem Hydraulischen Trailer aus dem Wasser gezogen werden. Es ist flach hier! Eine vertiefte Rinne können wir nicht erkennen, sie würde wohl auch schnell wieder versanden. Kein Wunder, dass für das Herausnehmen eine Tiefgangsbeschränkung von 1,9 m gilt. Dafür muss der Trailer schon ein ganzes Stück in die Lagune hineinfahren.
Jetzt am Sonntag herrscht aber ohnehin Ruhe auf dem Werftgelände.
Ein weiterer Brändi-Dog-Abend, diesmal auf der Flora. Rajesh und Jeroen bringen das Spiel mit und so langsam nehmen auch Wiebke und ich die eine oder andere taktische Finesse auf.
Für die Crew der Flora heißt es aber am nächsten Morgen: früh aufstehen. Etwa zwei Stunden brauchen wir für den Weg über die Lagune und gegen 9:00 Uhr wollen wir am Pass sein. Wir finden keine Daten zu den Strömungszeiten. Mit der Einfahrt hatte es ja wunderbar zu Stillwasser gepasst. Dabei waren wir etwas später als zur (immerhin abrufbaren) Hochwasserzeit des Nachbaratolls Arutua. Niedrigwasser in Arutua ist heute um 9:11 Uhr. Um 8:50 kommen wir am Pass an. Das sollte doch passen, oder?
Leider nein, FALSCH gedacht, so einfach ist es denn doch nicht. Zum einen sind wir etwas früh, der halbe Knoten Strom über die Lagune hat uns geschoben. Zum anderen läuft die Tide hier in Apataki bei ablaufendem Wasser offenbar kräftig nach (Niedrigwasser ist also keineswegs Stillwasser), der seit Tagen kräftige Nordostwind verstärkt das wahrscheinlich noch. Bei der Einfahrt sieht das Wasser im Pass noch glatt aus, doch im Knick zwischen der roten und grünen Tonne brodelt es, während das Wasser direkt daneben flach bleibt. Zwischenzeitig verdoppelt die Strömung Floras Fahrt auf über 10 kn, aber es gibt keine größeren Strudel oder Whirlpools, die unser Boot herumdrücken würden. Nach einem kurzen Stück Fahrt “wie auf Eiern” sind wir durch, werden nur noch mit 2 kn geschoben.
Nicht wie geplant, aber auch nicht dramatisch.
Wie auch immer, jetzt sind wir jedenfalls früh unterwegs und haben (wieder am Wind aber mit bedeutend angenehmerer Welle als vorgestern) einen richtig schönen Segeltörn. Nur gut 30 Seemeilen sollen es heute werden, es geht hinüber zum südlichen Nachbaratoll Toau.
Toau hat einen Pass im weiter entfernten Südosten der Insel. Wir entscheiden uns aber für die “Anse Amyot” im Norden der Insel. Auch die Anse Amyot wird durch eine Lücke im Riff angesteuert, nur ist es eine Sackgasse. Eine Weiterfahrt in die Lagune wird durch eine ausgedehnte Korallenbank verhindert. Unter den englischsprachigen Seglern ist die Anse Amyot deshalb als “False Pass” (Falscher Pass) von Toau bekannt.
Mehrere kostenlose Mooringbojen sind hier ausgelegt. Derzeit sind allerdings einige davon zwecks Wartung eingezogen. Auf Noforeignland sehen wir, dass die Indioko bereits dort ist. Wir schreiben sie über die Chat-Funktion an und prompt kommt die Antwort. Derzeit liegen sie als einziges Boot dort, vier Bojen sind noch frei. Super.
Kurz nach Mittag laufen wir in die Anse Amyot ein. Durchs Riff führt ein schmales, etwa 8 m tiefes Fahrwasser, dass schräg zur Küste verläuft. Richtbaken zeigen den Weg an, auch wenn die innere mal wieder gerichtet werden müsste.
Die Bucht selbst ist dann wieder über 20 Meter tief.
Für uns erweist sich “False Pass” sich als genau richtig. Es gefällt uns, zur Abwechslung mal wieder einen kurzen Schlag von nur ein paar Stunden zwischen den Inseln zu segeln. Gegen Wind und Wellen liegen wir hier gut geschützt und zudem haben wir einen herrlichen Blick sowohl in die Lagune und auch hinaus auf den offenen Pazifik.
False Pass / Anse Amyot: Blick nach innenFalse Pass / Anse Amyot: Blick über die Korallenbank nach außen
Und auch das Schnorcheln an der Korallenbank begeistert uns.
Leichte bis mittlere Winde vorhergesagt? Böen bis 28 kn hatten wir eigentlich nicht erwartet. Aber wenn man unterwegs ist, ist man unterwegs.
Bei schönen 14 kn hoch am Wind beginnt die Passage von Tikehau aus fast perfekt. Nur fast, denn der Windwinkel passt nicht ganz. Wir können unser eigentliches Ziel Fakarava nicht direkt anliegen, müssen also kreuzen.
Das verlängert natürlich auch die Strecke erheblich. Dazu kommt, dass sich wie vorausgesagt zum Abend hin relativ schnell zunehmender Südschwell bemerkbar macht. Im Zusammenspiel mit der Windsee aus Ostnordost entwickelt sich eine ziemlich kabbelige Welle.
Die kräftigen Böen tun ein übriges. Aber immerhin: unsere Dyneema-Taljen am defekten hydraulischen Achterstagspanner halten, auch wenn wir durch den etwas geringeren Zug mehr Durchhang im Vorstag haben und ein bisschen weniger Höhe laufen können. Etwas mehr Belastungstest als wir uns vorgestellt haben, aber so ist es nun mal. Das Großsegel im zweiten Reff sind wir trotzdem ganz flott unterwegs.
Photo courtesy: Barbara, SY Lille Venn
Um dem Schwell etwas auszuweichen, machen wir einen Schlag auf dem anderen Bug und kreuzen dann zwischen den Atollen Arutua und Kautua weiter auf. Diese beiden Atolle haben keinen mit der Flora befahrbaren Pass und können deshalb von uns nicht angelaufen werden. Erst Apataki bietet sich dafür an. Und so ändern wir den Plan, statt Fakarava heißt das Ziel jetzt Apataki. Lille Venn ist oben um Arutua herumgegangen und entscheidet sich für den Nordpass. Wir laufen dagegen in den Südpass von Apataki ein und ankern am weit und breit einzigen Inselchen. Auf einer Länge von fast 10 Seemeilen gibt es nur dieses eine Motu auf dem Südriff. Von See aus ist das Atoll aus dieser Richtung deshalb mit den Augen fast nur an der Brandung auszumachen. Dann ist man allerdings meist schon gefährlich nahe dran.
Die My Motu gesellt sich kurz danach zu uns. Die Brise flaut zum Abend hin ab und wir liegen recht ruhig, obwohl das Motu gegen Ost nur ein bisschen Schutz bietet. Am nächsten Morgen allerdings frischt der Wind deutlich auf und dreht nördlicher. Jetzt baut sich auch im Atoll schnell eine kräftige Welle auf. Unsere Boote zerren am Ankergeschirr und machen Bocksprünge.
Nur ein schnelles Frühstück, dann ist es Zeit für einen Wechsel des Ankerplatzes. Wir verholen in die Südostecke des Atolls. Von dort aus erstreckt sich ein längeres Motu nach Nordwesten, das sollte uns deutlich besseren Schutz gewähren.
Bei der Annäherung bietet sich dann ein etwas skurriler Anblick. Aus dem Palmenhain wächst ein Mastenwald:
Tatsächlich bietet Apataki die einzige uns bekannte Möglichkeit, in den Tuamotus ein Segelboot auf einen Landstellplatz herausnehmen zu lassen. Allerdings wohl mit der Einschränkung, dass der Tiefgang des Bootes nicht über 1,9 m liegen darf. So finden sich denn hier auf dem hinter Palmen versteckten Werftgelände auch fast nur Katamarane und kleinere Segelboote oder solche mit aufholbarem Kiel.
Wer sein Schiff hier (z.B. für einen Heimaturlaub) einlagert, muss übrigens mit dem Wassertaxi die 10 Seemeilen hinüber zum kleinen Ort am Südpass fahren und von dort den nahen Flughafen für die Weiterreise nutzen.
Der Ankerplatz bietet tatsächlich gegen den Ostnordostwind recht guten Schutz und wartet zudem noch mit einem schönen Sandstrand auf.
Ein paar Wetter-Querelen bekommen wir allerdings auch geboten. Vielleicht ist der Wettertest für das Achterstag ja doch noch nicht ganz abgeschlossen ?!?
Den Tagesabschluss bietet jedenfalls ein gemütlicher Abend mit Rajesh und Jeroen auf der My Motu mit Chili-Diner und Brändi-Dog-Spielen. Dankeschön!
Auf Tahiti warten wir ein paar Tage auf das nächste Wetterfenster und brechen dann auf Richtung Tikehau im Nordwesten der Tuamotus. 170 Seemeilen sind das, wir rechnen mit 26 bis 30 Stunden. Von Südwesten schiebt sich ein Schlechtwettergebiet mit stärkeren Winden hoch, dem wir ein bisschen davonfahren wollen, also lichten wir schon um 6.00 Uhr morgens den Anker. Funken die Port/Air-Control an und erhalten die Freigabe, vor der Landebahn durchzufahren. Ziemlich nah sind die Flieger trotzdem:
Beim Durchfahren des Hafengebiets von Papeete passiert uns eine große Schule Delfine, wenig später kreuzen mehrere Buckelwale unseren Kurs. Was für ein Tagesbeginn.
Aus dem Windschatten von Tahiti müssen wir herausmotoren, aber dann wird es herrliches Segeln bei etwa halbem Wind und zunehmend achterlicher anrollender Welle. Und es kommt noch besser: wir haben Angelglück und fangen zum ersten Mal einen Wahoo:
Mitten in einem kleinen Schauer, ok, aber da beißen Fische ja angeblich auch am besten. In die Nacht hinein geht es mit etwa 20 Knoten Wind, allerdings werden die Böen jetzt doch langsam stärker.
Wir gehen mit dem Großsegel ins zweite Reff, etwas später vorsorglich ins dritte. Keine schlechte Idee, am Ende werden es Schauerböen bis 28 Knoten. Mit dieser Besegelung sind wir da gut aufgestellt.
Mitten in der Nacht holt mich dann allerdings Wiebke aus dem Schlaf. Ein Schock-Moment: das Achterstag (also der Draht, der den Mast nach hinten hält) ist völlig lose, der daran kardanisch aufgehängte Radar schwingt wild hin und her. Die Mastspitze wippt vor und zurück, entsprechend kommt auch das Vorstag (was den Mast nach vorne hält) ins Schlackern. Ein erster Check zeigt, dass der hydraulische Achterstagspanner seinen Druck verloren hat. Wir pumpen neuen Druck auf, aber der geht schnell wieder verloren. Also bergen wir erst einmal die Segel, setzen die Großschot und die Dirk durch. Dadurch bekommen wir etwas mehr Ruhe in den Mast, aber das reicht noch nicht. Unser Rigg mit nur wenig gefeilten Salingen benötigt Zug auf dem Achterstag. Als weitere (Not-)Maßnahme setzen wir das Spifall und das Ersatz-Genuafall auf den Achterklampen fest. Damit haben wir zwei starke Leinen von der Mastspitze zum Achterschiff geführt und über die Mastwinschen dicht geholt. Das bringt Entlastung und die Mastspitze wackelt jetzt kaum noch, obwohl die See mit 1,5 bis zwei Meter hohen Wellen die Flora jetzt ordentlich durchschaukelt.
Zum Glück sind mit der Gerty und der My Motu zwei bekannte Schiffe ganz in unserer Nähe. Wir informieren sie per Funk über unsere Situation und obwohl sie uns jetzt nicht direkt helfen können tut es gut. Falls doch der Mast von oben kommen würde, wäre Hilfe nahe.
Aber der Mast bleibt oben, wir motoren die restlichen 35 Seemeilen bis zum Pass ohne weitere Probleme (wenn auch unter ziemlicher Anspannung). Kurz nach dem Hellwerden verlässt uns dann auch der Boobie, der erst auf unserem Bimini und dann auf dem Solarpanel als blinder Passagier mitgereist ist und uns zum Dank auf beiden großflächig weiße ätzende Flecken hinterließ.
Als wir den Pass gegen 8.00 Uhr erreichen, kommt uns schon Ralph von der Lille Venn im Dinghy entgegen. Auch er hat über den Funk von unserem Problem erfahren und beglückwünscht uns zur heilen Ankunft. Dann berichtet er, dass wir perfekt zu Stillwasser angekommen sind und zeigt uns mit dem Dinghy vorausfahrend den Weg durch den uns ja noch unbekannten Pass. Wunderbare Begrüßung nach der nächtlichen Aufregung!
Am Ankerplatz holen wir erst einmal eine Mütze Schlaf nach. Danach ersetzen wir die Nothalterung aus den beiden Fallen durch eine stark untersetzte Taljenkonstruktion aus extrem reißfester Dyneemafaser, mit der wir den hydraulischen Achterstagspanner überbrücken.
Damit ist der Mast erst einmal vernünftig gesichert und wir können in Ruhe prüfen, ob (und evtl. mit welchen zu beschaffenden Teilen) der Spanner repariert werden kann oder ob er komplett ersetzt werden muss. Beides könnte allerdings hier in den Tuamotus schwierig und logistisch aufwändig werden.
Am Bojenplatz hinter dem Motu Aito Schnorcheln wir noch einmal beim Außenriff.
Es wird ein toller Schnorchelgang mit Fischen wie großer Grüner Moräne, Feuerfischen, großen gelben und kleinen, dafür unfassbar farbigen Kofferfischen:
Anschließend motoren wir von Taha’a nach Raiatea und tanken Flora dank des in Tahiti erworbenen Zertifikats unsere Flora umsatzsteuerfrei voll. Danach segeln wir hinüber nach Huahine.
Ja, tatsächlich, wir segeln. Der wenige Wind zwischen 4 und 7 in steht uns zwar genau auf die Nase, aber eine ganze Zeit lang kreuzen wir unter Code0 trotzdem tapfer dagegen an. Aber als dann die Bootsgeschwindigkeit bei weiter abnehmendem Wind doch dauerhaft unter 2 Knoten fällt, muss der Volvo ran und einen Teil des gerade erworbenen Diesels gleich wieder verbrennen.
Für die Fahrt in den Passe Avapehi auf Huahine allerdings kommt uns das ruhige Wetter sehr zu Gute. Obwohl nur einseitig betonnt, ist die Einfahrt völlig problemlos. Leider kann man das Gleiche nicht von unserem ersten Bojenplatz auf Huahine sagen. Kaum haben wir an der (öffentlichen) Boje festgemacht, kommt von Land aus ein selbst ernannter Blockwart im Auslegerkanu angepaddelt und ruft uns überaus barsch zu, Übernachten sei hier nicht möglich. Wir bleiben freundlich und er ändert seine Meinung: na gut, eine Nacht geht. Aber Morgen sollen wir weiter. Das wollen wir ohnehin.
Der nächste Morgen beginnt dann wundervoll: Völlige Windstille. Spiegelglatte See hinter dem Riff. Die Doppelinsel Huahine (Huahine Nui und Huahine Iti sind nur mit einer kleinen Brücke verbunden) präsentiert sich wie auf einer Glasplatte.
Am Ufer spiegeln sich die Palmen hinterm Sandstrand und die Morgensonne.
Der Blick in die andere Richtung lässt am Horizont noch Raiatea und Taha’a erkennen.
Was für eine Idylle. Aber nicht mehr lang. Denn als wir noch vor dem Frühstück an der nahen Insel Schnorcheln gehen kommt – na wer wohl – der Blockwart angepaddelt. Er brüllt sofort los: “Go! Five minutes! Go!” Als ich ihn auf Französisch nach dem Grund frage, droht er mir Prügel mit dem Paddel an, außerdem kündigt er an, die Flora von der Muring loszuschneiden. Ich halte die GoPro hoch und teile ihm (zugegeben auch nicht mehr ganz ruhig) mit dass er gefilmt wird und und wir das gerne gemeinsam mit der Gendarmerie diskutieren können. Er dampft ab in Richtung der Flora. Unterwegs trifft er Andrea von der Easy One auf dem Paddleboard. Auch die wird unhöflich zum sofortigen Verschwinden aufgefordert. Aber sie weiß ihn besser zu nehmen. Als sie ihn fragt, warum er so unhöflich ist, lenkt er ein und sagt, Schnorcheln sei schon noch ok. Aber danach sollten sie fahren.
Andrea bringt ihm nach dem Schnorcheln ein Stück Kuchen vorbei und siehe da: jetzt erklärt er, die Easy One könne auch noch eine weitere Nacht bleiben (was sie aber gar nicht wollen). Eine mehr als ärgerliche Mischung von Gutsherrenart und Chauvinismus, über die sich auf Noforeignland und bei Active Captain weitere Beispiele zu diesem Typen finden. Sicher kein Aushängeschild für Huahine. Aber eben leider auch kein Einzelfall, insbesondere auf den Gesellschaftsinseln.
Nach dem Frühstück wechseln wir den Bojenplatz und verholen etwa 3 Seemeilen weiter nach Süden. Meine Laune ist noch ziemlich getrübt. Aber sie bessert sich schlagartig bei meiner Sporteinheit, als das Foilen (gezogen vom Dinghy) diesmal endlich deutlich besser klappt.
Es bläst ganz ordentlich. Die letzten Tage meistens mit deutlich über 20 Knoten, also etwa Windstärke 6. Selbst am recht gut geschützten Zufluchtsort in der Baie Apu baut sich da eine unangenehme Welle auf. Zusätzlich ziehen kräftige Regenschauer durch.
Zwischendurch ist es auch mal trocken, wir machen einen Spaziergang am Ufer der Bucht. Am Wegesrand finden sich interessante Pflanzen wie etwa Buntnesseln …
… und Cat Whisker (Katzen-Barthaar):
Beide übrigens aus der gleichen Unterfamilie der Lippenblütler, zu der auch Salbei, Basilikum, Thymian, Bohnenkraut, Minze, Oregano, Lavendel und Zitronenmelisse gehören. Das googeln wir natürlich erst später. Vielleicht hätten wir zumindest mal an den Blättern reiben sollen?
Aber während die Crews von Easy One und Diamond Sea noch bis zum nächsten Ort (und Supermarkt) weiterwandern, kehren wir schon nach drei Kilometern um und machen uns im einsetzenden Regen auf den Rückweg.
Das ist schließlich genau das richtige Wetter, um mal wieder in den Motorraum zu krabbeln und einen kleinen Service am Volvo und am Generator zu machen. Bei der Gelegenheit wechsele ich auch die Opferanode im Kühlkreislauf, die wir in den USA zusätzlich hatten einbauen lassen. Im Original hat unser Volvo-Penta D2-75 zu unserem Erstaunen keine zu wechselnden Opferanoden im Motor. Das scheint uns schade zu sein, denn nach dem Erscheinungsbild der Anode macht sie sehr wohl ihre Arbeit und opfert sich eben für die edleren Metallteile im Seewasserkühlungsbereich des Motors auf:
Wie zur Belohnung lassen nach zwei etwas ruppigen Tagen der Wind und die Wellen soweit nach, dass wir von unserem Bojenplatz in der Baie Apu weiter an der Südwestküste von Taha’a nach Norden fahren können.
Wir segeln im etwa 40 Meter tiefen Wasser zwischen der Küste der von Tälern tief eingeschnitten grünen Hügellandschaft der Insel Taha’a und dem türkisen Sandstreifen am äußeren Riff.
An den meisten Stellen ist der türkisfarbene Sandbereich deutlich zu flach, als dass wir dort mit den 2m Tiefgang der Flora hineinfahren und ankern könnten. Erst am Motu TauTau finden wir einen etwa drei Meter tiefen Bereich. Sogar fast ohne Korallen-Bommies, perfekt zum Ankern. Und noch dazu mit wunderbarem Blick hinüber zu von hier nur etwa 10 Seemeilen (20 km) entfernten Bora Bora.
Mal sehen, vielleicht wird uns ja sogar ein Sonnenuntergang hinter dieser Postkarteninsel der Südsee beschert.
Unser nächster Ankerplatz liegt im Nordwesten von Raiatea. Um dorthin zu gelangen, fahren wir innerhalb des Riffes nach Norden. Wir passieren unter Segeln den Hauptort Utoroa und melden uns per Telefon bei der Flughafensicherheit. Boote mit einer Masthöhe über 20 m sind dazu verpflichtet, weil der an der Nordpitze der Insel liegende Flughafen von einem Sperrgebiet und einer weiteren Sicherheitszone umgeben ist. Aber wir bekommen freie Fahrt signalisiert und segeln durch die Tearearahi-Passage zwischen zwei innerhalb der Lagune liegenden Riffen hindurch zum Ankerplatz im Nordwesten von Raiatea.
Gegenüber liegen mehrere Marinas und – eine Seltenheit in Französisch Polynesien – es gibt sogar die Möglichkeit, selbst größere Boote an Land zu stellen. Und entsprechend gibt es auch maritime Infrastruktur wie einen Bootsausrüster. Für uns noch wichtiger: auch die Möglichkeit, gegen Gebühr unseren Müll loszuwerden und zudem eine Wäscherei.
Mit polynesischen Charme auf einer überdachten Terrasse eingerichtet, können wir hier unsere Bordwäsche vormittags abgeben und nachmittags gewaschen, getrocknet und gefaltet wieder abholen. Kein ganz billiger Service, für die zu 3/4 gefüllte Ikea-Tasche Wäsche sind umgerechnet etwa 36 Euro fällig.
Nach ein paar Nächten auf dem schönen, wenn auch grenzwertig flachen und bei Wind etwas unruhigen Ankerplatz verholen wir die Flora zum Ankerplatz am Motu Aito.
Dort liegen wir hinter dem Riff geschützt auf komfortablen 6 m Wassertiefe mitten im Türkis. Außerdem ist es von hier nur eine kurze Dinghyfahrt hinüber nach Utoroa. Wir versorgen uns mit frischen Lebensmitteln, finden selbst Mozzarella (unsere Basilikumpflanze aus Moorea gedeiht an Bord erstaunlich gut).
Nach einem zweiten Frühstück geht’s dann wieder Anker auf und das kurze Stück hinüber zu Raroias Zwillingsschwester Taha’a. Die beiden Inseln sind von einem gemeinsamen Außenriff umgeben, wir brauchen also auf der Überfahrt die Lagune nicht zu verlassen, müssen uns nur zwischen den inneren Riffen hindurchschlängeln.
Allerdings wird uns dieses Durchschlängeln durch die Tücken der Technik etwas erschwert. Als wir den Plotter hochfahren, hat der alle Detailkarten verloren und zeigt Floras Position nur noch in einem grob skizzierten Übersichtsbild statt der Seekarte. Keine Tiefenangaben und beim Hereinzoomen auch keine zusätzlichen Details.
Für die Nichtsegler: das ist so, als ob man sich im Auto vom Navi zu einer abgelegenen Ecke in einer unbekannten Stadt führen lassen hat und zu Beginn der geplanten Rückfahrt das Navi streikt.
Die praktische Lösung des Problems ist für Autofahrer und uns Segler übrigens ganz ähnlich: wir greifen zum Mobiltelefon/iPad und navigieren damit. Also erstmal kein großes Problem, aber doch ein überraschendes.
Die Überprüfung in den Tiefen des Menüs unseres Furuno-Plotters ergibt, dass die Seekarten zwar noch da sind, aber gesperrt. So, als hätten wir sie nicht gekauft. Hm. Die Email an unseren Händler in Kanada wird dann aber prompt beantwortet. Seine Recherche ergibt, das letzte Furuno-Update sei fehlerhaft. Er kann uns auch einen Workaround aufzeigen und wir können die Seekarten wieder auf den Bildschirm holen.
Hat sich der Schlingel von Plotter doch einfach ohne unser Wissen im Internet ein Update heruntergeladen. Den Internetzugang sperren wir ihm natürlich gleich, auch diese Einstellung findet sich in den Tiefen des Furuno-Menüs. Wir wissen ja schließlich nicht, ob er sonst auch heimlich mit einem befreundeten Plotter (oder einer Waschmaschine) irgendwo in Japan chattet.
Unser nächster Liegeplatz in der Baie Apu im Süden von Taha’a ist dann so ganz anders als unsere vorigen: wir liegen an einer Boje in dunklem, rund 40 m tiefem Wasser.
Neben uns die Easy One, vor uns die Diamond Sea. Mindestens ein Teil der kostenlosen Bojen des Bojenfeldes gehört wohl der örtlichen Perlfarm. Bei unserem Landgang statten wir dann dieser Perlfarm gemeinsam einen Besuch ab. Für keinen von uns ist es der erste Besuch einer Perlfarm, für uns ist es der Dritte, aber wir werden sehr positiv überrascht. Auch wenn der eigentliche Prozess der Perlenzucht natürlich der gleiche ist, erfahren wir auch diesmal wieder einiges Neues und auch die Präsentation ist wieder anders und sehr ansprechend.
So wird uns zum Beispiel erstmals an einer geöffneten Perl-Auster genau gezeigt, wo die Tasche für den Nukleus hineingeschnitten wird. Außerdem können wir an einer aufgeschnittenen Perle sehen welche Schichtdicke die Perle um den Nukleus aufgebaut hat.
Und auch der Klassifizierungsablauf und die Besonderheiten bei der Schmuckherstellung je nach Klassifizierung der Perlen wird uns anschaulich nahegebracht. Noch dazu in einer schönen Umgebung, quasi im Wohnzimmer des Hauses.
Nach der Präsentation wandern wir noch ein bisschen weiter die Straße entlang, haben immer wieder schöne Ausblicke.
Auf dem Rückweg lockt uns der intensive Duft von Vanille auf das Grundstück von Jeremy, der uns bereitwillig seine Vanilleproduktion erklärt.
Er überrascht uns damit, dass die Netze über den Vanillepflanzungen nicht etwa der Vogel- oder Insektenabwehr wegen aufgehängt werden, sondern lediglich die Licht- bzw. Schattenverhältnisse für die Vanillepflanzen verbessern. Und er zeigt uns, wie die einzelnen manuellen Befruchtungen der Vanilleblüten erfolgen.
Wieder was gelernt.
Apropos Lernen: auch beim nachmittäglichen Sporteinsatz auf dem Foilboard (gezogen hinter dem Dinghy) mache ich – wenn auch von eleganter Haltung weit entfernt, meine persönliche Technik hat auch Tücken – ganz langsam erste Fortschritte …
… und die vielen Nasenspülungen mit Salzwasser sind sicher sehr gesund!
Wir segeln von Moorea nach Raiatea. 90 Seemeilen, also ein Übernacht-Törn. Um 15.00 gehen wir ankerauf in Vaipahu, am nächsten Morgen um 09.00 Uhr nehmen wir in der tiefen Bucht von Hotopuu eine Mooringboje direkt neben der Easy One.
Dicht hinter uns beginnt der Flachwasserbereich, aber wir liegen auf 29 m Wassertiefe, da sind wir für die (kostenlose) Boje durchaus dankbar, obwohl wir sonst lieber auf unseren eigenen Anker vertrauen.
Die Baie Hotopuu ist wunderschön, das Ufer von Palmen gesäumt, hinter denen sich – wie in den Gesellschaftsinseln typisch – spitz gezackte Berge gen Himmel strecken. An der Nordseite der Bucht gibt es einen steilen Felsabbruch. Es wirkt, als schaue jemand aus dem Berg auf die Bucht herunter und weiter durch den Pass Teavamoa hinaus in die Ferne des Ozeans.
Polynesischen Götter werden normalerweise als etwas angesehen, was in der Natur vorkommt, sich aber mit seinen Fähigkeiten weit über seinen Ursprung hinaus erhebt.
Das passt, denn auf der anderen Seite dieses Berges liegt die Baie Opoa mit dem als UNESCO Weltkulturerbe anerkannten Taputapuatea. Raiatea (RA’IĀTEA) gilt als das Zentrum des Polynesischen Dreiecks, manchmal auch als polynesischen Oktopus dargestellt, dessen Tentakel bis nach Neuseeland, Hawai’i und der Osterinsel ausgreifen.
Es galt einst als religiöses Zentrum Polynesiens. Die heiligen Orte dieser Insel waren Pilgerstätten. Hier wurden Häuptlinge geweiht, hier hielten die höchsten Priester Dialog mit den Göttern, versuchten sie mit Opfergaben günstig zu stimmen. Taputapuatea soll übersetzt “Opfer aus dem Ausland” bedeuten, wobei die freundlichere Interpretation des Namens aussagt, das Menschen von weit her kamen, um hier Opfer zu erbringen. Unzweifelhaft wurden den Göttern der einheimischen Polynesier (Maohi) hier aber auch zeremonielle Menschenopfer dargebracht.
Mit dem Dinghy fahren wir ums Eck und können an einem kleinen Steg direkt vor dem Heiligtum festmachen. Die klassischen zeremonielle Bauten der Maohi sind von niedrigen Mauern umgebene, mit Steinen eher grob gepflasterte rechteckige Plätze, Marae genannt. Die Marae dürfen nicht betreten werden, sie sind zeremoniellen Veranstaltungen (oder mancherorts auch touristischen Vorführungen) vorbehalten.
Die Lage der über 1.000 Jahre alten verschiedenen Marae in Taputapuatea ist traumhaft, mit Blick auf das Meer. Einige verwitterte Schautafeln geben Auskunft über die historische Bedeutung und die kultische Nutzung der einzelnen Flächen und in einem Häuschen am Parkplatz erhalten wir ein Lageplan-Faltblatt aber insgesamt bleibt es ohne eine inspirierende Führung doch eher schlicht für ein Weltkulturerbe und den wichtigsten religiösen Ort der polynesischen Kultur.
Der Funke springt auf uns jedenfalls nicht so recht über. Es ist schon ein wenig bezeichnend, dass der polynesische Oktopus mit seinem mythischen Zentrum Havai’i hier auf Raiatea ein bisschen lieblos auf die Wand eines Generatorhäuschens gemalt ist und die Straßenlaternen vor Ort ausnahmslos zersplitterte Glaskuppeln haben. Offenbar auch nicht erst seit kurzem:
Eine spannende Begegnung haben wir dann aber doch noch: am Ufer fällt uns ein Baum mit seltsam anmutenden Früchten auf.
Es ist eine Barringtonia, deren Besonderheit ihre Giftigkeit insbesondere für Fische ist. Die Maohi vermengten die zerkleinerte Frucht mit Muschelfleisch. Fische, die diese Köder fressen, treiben zeitweise bewegungsunfähig an der Oberfläche und können dort von den Fischern eingesammelt werden, ohne das ihr späterer Verzehr für die Menschen giftig wäre.
Der nächste Dinghyausflug führt uns zwischen Riffkante und Inselufer entlang um die Südostspitze von Raiatea herum. Am Steg des Cruiser-freundlichen Opoa Beach Hotel halten wir an, parken die Dinghies und reservieren einen Tisch am Strand für das Mittagessen. Eigentlich möchten wir von hier aus etwa 6 km zu einer Perlfarm wandern, aber davon wird uns abgeraten. Wir sollen doch lieber das Dinghy nehmen, dann könnten wir auch die Farm draußen in der Bucht und nicht nur den Shop besuchen. Vom Hotel aus wird unser Besuch gleich bei der Perlfarm angemeldet.
Tatsächlich erweist sich das als gute Idee. Die Fahrt in dem geschützten inneren Fahrwasser geht flott und die Landschaft ist über die Maßen beeindruckend.
An der auf Stelzen in die Lagune hineingebauten Hütte der Perlfarm werden wir von Landry, dem Eigentümer, sehr freundlich empfangen. Bei der (kostenlosen) Privat-Führung erklärt er uns, dass er die Perlfarm vor acht Jahren gegründet hat und die Hütte hier an der Grenze zwischen flachem und tiefem Wasser errichten durfte, weil sein Haus in der Bucht am Ufer steht.
Landry erklärt uns die Abläufe auf der Farm. Etwas überraschend ist, das hier in Raiatea nicht ausreichend Larven für Perl-Austern für eine eigene Zucht vorhanden sind. Die Perlfarmen hier beziehen deshalb junge “Baby-Muscheln” von den Tuamotus. Sie ziehen diese dann weiter auf, bis sie groß genug sind für die eigentliche Perlen-Produktion.
Auf der (kleinen) Farm mit nur fünf Angestellten wird hier draußen nur vom frühen Morgen bis etwa 11.00 Uhr gearbeitet, wenn die Temperaturen noch etwas niedriger sind, die Austern erleiden dadurch in ihrer Zeit außerhalb des Wassers weniger Stress.
Das Entnehmen der Perlen und das Einsetzen eines neuen Nukleus zeigt uns dann Landry’s japanischer Mitarbeiter:
Beide nehmen sich Zeit für uns und beantworten geduldig unsere Fragen. Nur auf unsere Nachfrage hin bringt uns Landry dann auch an Land zum kleinen Schmuckgeschäft der Perlfarm.
Tja, sowohl Wiebke als auch Andrea finden etwas 😉.
Danach geht’s mit den Dinghies zurück zum Opoa Beach Hotel für unser Mittagessen am Strand. Als wir ankommen, haben wir das Restaurant noch ganz für uns.
Das bleibt aber nicht lange so, die sehr gute Küche mit regionalen Zutaten (und das tolle Ambiente) spricht offenbar nicht nur uns an.
Barfuß wuselt der freundlichen Service über den Strand und tischt uns Köstlichkeiten auf.
So lässt es sich wohl aushalten an einem Montagmittag. Und auf dem Rückweg erkunden wir mit dem Dinghy (und dem Handlot) schon mal mögliche Ankerplätze auf den flachen türkisen Sandflächen hinterm Riff. Für die kommenden Tage, ist nämlich sehr ruhiges Wetter vorausgesagt, da könnte das klappen.
Eine schöne Überraschung gibt’s dann auch noch. Ingo hatte Landry gefragt, ob er auf der Perlfarm Verwendung für die aussortierte alte Ankerkette der Easy One hätte oder sonst jemanden wüsste, dem er sie überlassen kann. Nach etwas Überlegung kommt Landry bei uns am Ankerplatz vorbei. Typisch polynesisch: Geschenk und Gegengeschenk. 100 m Ankerkette wandern in Landrys Boot, dafür wechselt ein wunderschönes Armband auf die Easy One.
Wir fangen mal mit den guten Nachrichten an. Wir haben tatsächlich kurzfristig einen Hafenplatz in der Taina Marina und auch einen Flug nach Deutschland bekommen (auch wenn der Preis für letzteren ziemlich unverschämt ist). Aber entschieden ist entschieden. Schon Freitag früh fliegen wir los, sollen Samstagabend in Hamburg ankommen.
Bevor wir die Cook’s Bay auf Moorea verlassen, präsentiert sie sich anders als am Vortag dann noch einmal von ihrer Sonnenseite:
Und nicht nur deshalb war es eine gute Entscheidung, hier einen Zwischenstopp einzulegen. Ballerten uns am Vortag der Wind und die Wellen noch genau auf die Nase, können wir jetzt wunderschön segeln. Auch wenn es nur 20 Seemeilen sind, wir genießen den Törn zurück nach Tahiti sehr. Beste Segelbedingungen, außerdem können wir noch mal den Code0 lüften und trocknen. In seiner Stautasche am Seezaun ist das Segel mit dem Flora-Logo in den letzten Tagen doch auch immer mal wieder nass geworden und für unsere geplante Abwesenheit wollen wir ihn lieber unter Deck stauen.
Zunächst mal geht es an den Ankerplatz am Flughafen, einen der wenigen offiziellen Ankerplätze Tahitis. Ist durchaus gut gefüllt, aber wir finden noch einen guten Platz gleich neben unseren Freunden Barbara und Ralph. Auf deren Lille Venn gibt es ein Fest- und Abschiedsessen.
Am nächsten Morgen wollen sie nach Moorea aufbrechen. Eigentlich. Ein Elektrowurm legt die Ankerwinsch der Lille Venn lahm. Bei der Suche kann ich (gemeinsam mit Jeroen von der My Motu) mehr oder weniger nur moralische Unterstützung und Handlangerdienste bieten, aber am Ende seiner systematischen Suche findet Ralph die versteckte Schwachstelle im Kabel.
Beim Dinghy-Cruisen durchs Ankerfeld begleitet und dann eine Weile ein Adler-Rochen, im klaren Wasser ist auch sein Schatten auf dem Sandgrund klar auszumachen.
Nachdem die Lille Venn mit Verspätung dann doch Richtung Moorea aufgebrochen ist, sagen Wiebke und ich “Hallo” bei der “Wasabi”, die mit deutscher Flagge ganz in unserer Nähe ankert. Sie laden uns zum Sundowner ein, wir haben einen schönen Abend mit Andrea und Hans-Jörg und nicht nur das. Hans-Jörg bietet uns an, am nächsten Tag mit ihm im Jeep den Dirt Track durch die Berge über die Inselmitte von Tahiti zu nehmen. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen und es wird ein unvergessliches Erlebnis.
Mit diversen Fluss-Durchfahrten, einem „Tropfsteinhöhlen“-Tunnel, zum Teil an steilen Hängen entlang führt die zumeist einspurige, nur teilbefestigte Piste einmal durch das fast unbewohnte Zentrum der gebirgigen Insel. Schlaglöcher satt, aber ebenso Wasserfälle, Seen und atemberaubende Ausblicke im Gebirge. Das Wetter spielt ganz gut mit. Klar hängen Wolken in den Bergen, aber meist haben wir gute Sicht. Es regnet nur einmal kurz, zum Teil können wir sogar das Targa-Dach abnehmen.
Am Abend treffen wir uns dann zu sechst in einem der Restaurants an der Taina Marina. Zu Andrea, Hans-Jörg und uns beiden kommen noch Nora und Ralf von der Barbarella dazu, wieder ein schöner Abend.
Tja, und heute verlegen wir Flora dann in die Taina Marina. Wir melden uns wie gewünscht 10 Minuten vor der Einfahrt per Funk an. Das Anlegen muss dann aber erstmal warten, die Mitarbeiter der Marina klarieren von ihrem Motorboot aus und schnorchelnd erstmal einige Mooringleinen, eine Viertelstunde kreisen wir vor dem Hafen. Aber dann klappt das Manöver trotz ordentlich Wind ganz gut. Mit derzeit drei Heckmooringleinen und dem Bug zum halbhohen Schwimmsteg liegt Flora hoffentlich sicher.
Aufklarieren, Wäsche waschen in der Marina-Laundry, Hafenformalitäten und dann erste Vorbereitungen, um das Boot für einige Wochen allein zu lassen. Der Wassermacher muss für die Zeit der Nichtbenutzung „gepickelt“ werden, sonst leidet die Membran. Dazu wird ein Biozid (Metabisulfite) in 10 Litern Wasser aufgelöst, die dann von der Pumpe in die Membran gespült werden. Eigentlich. Nur leider springt die elektrische Hochdruckpumpe des Wachermachers nicht an. Gestern hatte sie noch einwandfrei funktioniert, heute: kein Mucks. Grrr. So wird aus der schnell zu erledigenden Routineaufgabe eine aufwändige Fehlersuche. Ist es der Schalter? Ein Kabel? Die Pumpe selbst? Müßig zu erwähnen, dass das Schaltpanel im Bad im Schrank, die Pumpe in der Ecke unter der Achterkoje und die Kabel quasi überall zwischen Batterie, Sicherungskasten, durch den Motorraum und die Badezimmerschränke hindurch verbaut sind. Machen wir vor der Abfahrt halt nochmal richtig Chaos im Boot. Der Fehler ist übrigens bisher noch nicht gefunden, morgen geht die Suche weiter. Immerhin konnten wir (mit etwas Fern-Hilfe durch Chief Jan) heute den Schalter als Übeltäter schon mal ausschließen.
Wir stecken ein bisschen fest. Wissen nicht so recht, wie wir am besten weitermachen. Nachdem wir lange überlegt und dann die Reservierung für Neuseeland gemacht hatten, schien erst einmal alles entschieden und das fühlte sich gut an.
Aber dann schleicht sich doch wieder die vorher schon erwogene Alternative in unsere Köpfe. Doch noch eine weitere Saison in Französisch Polynesien? Doch statt im Dezember jetzt schon Ende August mal wieder nach Hause fliegen? Zu Wiebkes Geburtstag und zu meinem Abi-Treffen zu Hause zu sein wäre klasse. Wir klären mit unserer Versicherung was geht (und zu welchen Bedingungen).
Dieses Jahr wird ein La Niña Jahr, tropische Stürme im Südpazifik sind deutlich unwahrscheinlicher. Gegen rund 40 % Aufschlag wären wir auch in der Zyklonsaison hier versichert, wenn wir auf See sind oder das Boot auf einem spezielle Anforderungen erfüllenden Lagerbock an Land steht. Letzteres ist allerdings praktisch nicht machbar, da solche „aus einem Stück gefertigten“ Lagerböcke hier nicht verwendet werden. Bliebe nur die einzelne Approbation des Lagerbocks durch die Versicherung, scheint ebenfalls nicht sehr praktikabel. Aber wenn wir jetzt schon nach Hause flögen, wären wir vor November wieder da und an Bord. Hm. Wir erkundigen uns nach Hafenplätzen, aber auch das erweist sich als schwierig. Also bleiben wir (planerisch) weiter in der Schwebe. Untypisch für uns, ungewohnt.
Egal. Nach zwei teuren Wochen in Papeete, diversen Erledigungen, mit wieder funktionierendem AIS und Watermaker verlassen wir den schön ruhigen Ankerplatz von Arue. Dort wurden wir zwar geduldet, im Büro des Yachtclubs wies man uns aber schon auf verschärfte Regeln und Kontrollen ab August hin. Der Bojenlieger direkt neben uns ist zurück, es wird also auch eng.
Wir holen den Anker auf, fahren Richtung Point Venus. Aber die drei Kats dort liegen bei dem Wind recht unruhig. Wir drehen ab und entschließen uns, direkt hinüber nach Moorea zu segeln. Das sind nur ungefähr 20 Seemeilen, allerdings derzeit hoch am mit 20 bis 25 kn blasenden Wind.
So wird es eine flotte, wenn auch etwas raue Überfahrt, drei Reffs im Groß und die Fock.
Abschied von Tahiti… aber da sieht man schon Moorea.
Beim Näherkommen zeigt sich dann, trotz anfänglich noch grauen Himmels, die landschaftliche Schönheit von Moorea.
Die tief in die Nordküste eingeschnittene Bucht von Opunohu ist schon aus der Entfernung gut auszumachen, mehrere riesige Superyachten (mit eigenen Hubschraubern an Bord) zeigen den Standort an.
Etwas näher sehen wir dann auch die Wellen über dem Saumriff brechen und dahinter gut geschützt den unseren anvisierten Ankerplatz.
Sieht voll aus, aber natürlich findet sich noch ein Plätzchen.
Interessant ist, dass wir auf der Überfahrt und auch hier am Ankerplatz größere Teppiche von piksigen Algen herumtreiben sehen. Sie ähneln Sargassum, allerdings sehen wir nicht die für diese in der Karibik verbreitete Alge typischen Blasen (edit: doch, wir haben jetzt auch die Blasen entdeckt, es scheint eine Sargassum-Art zu sein).
Am nächsten Tag ist der Wind fast weg, die Algen auch. Eine der Superyachten ist abgefahren, dafür liegt jetzt der kleine Kreuzfahrer „Paul Gaugin“ (318 Gäste) an seinem Platz.
Davor liegt die 86 Meter lange Segelyacht „Aquijo“, sie kann mit ihrer 17-köpfigen Crew nur bescheidene 12 Gäste aufnehmen und ist in der Nebensaison für eine halbe Million Euro pro Woche zu chartern.
Tja, und dann sind da die glücklichen Eigner aus aller Welt mit ihren kleineren Booten, die ihren Törnplan selbst bestimmen können (sich dafür aber auch wie Eingangs beschrieben ein bisschen mehr Gedanken machen müssen beziehungsweise dürfen).
Die Traumkulisse von Moorea ist für alle dieselbe ☺️.