Tag 2 der Passage zu den Cook Inseln

Zwischenstopp auf Maupiha‘a. Wir haben zwar in Bora Bora ausklariert und sind zu den Cook Inseln aufgebrochen, aber eine kleine Komplikation gibt es dann doch noch. Der Dieselgenerator quittiert den Dienst mit der Fehlermeldung „Motor Temp“. Die Nachschau unter der Schallschutzhaube zeigt eine ziemliche Sauerei: offenbar ist Salzwasser herumgespritzt und auf dem heißen GehĂ€use verkrustet. Sieht nach einem heftigen Problem mit der Seewasserpumpe des Generators aus.

Das ist doppelt blöd. Zum einen haben wir dafĂŒr kein Ersatzteil, zum zweiten kommt der Defekt zur Unzeit, weil ja auch ein Teil unserer Solarpanel derzeit nicht einsatzfĂ€hig ist. Stromsparmodus ist angesagt. Dramatisch ist das nicht, die KĂŒhlschrĂ€nke bleiben an, der Autopilot auch. Immerhin haben wir noch 500 WP an Solar, den Windgenerator und natĂŒrlich zur Not auch noch die Lichtmaschine vom Motor.

Wir machen einen Zwischenstopp auf Maupiha‘a, einem kleinen Atoll etwa 130 Seemeilen westlich von Bora Bora. Der Generator wird soweit möglich von der Salzverkrustung befreit und der Schaden nĂ€her begutachtet. Das Problem könnte von einem Defekt der Dichtung an der Welle der Seewasserpumpe herrĂŒhren, nĂ€heres lĂ€sst sich so noch nicht sagen. Auch nicht, ob FolgeschĂ€den durch Überhitzung aufgetreten sind.

Hilft ja jetzt nix. Zur Ablenkung genießen wir das wunderschöne Maupiha‘a.

Morgen geht’s dann gleich wieder weiter. Der mit nur zwanzig Metern Durchfahrtbreite extrem enge und ziemlich strömungsreiche Pass wird uns hoffentlich genauso problemlos wieder aus dem Atoll herauslassen, wie wir (bei drei Knoten Gegenstrom) hereingekommen sind.

Und dann sollten es etwa 60 Stunden Fahrt bis nach Aitutaki auf den Cook Inseln sein, sofern alles glatt lĂ€uft. Wind- und Wellenvorhersage sehen gut aus. Wegen des Stromsparmodus wird das Starlink meistens aus sein, Positionsupdates (und natĂŒrlich auch BlogbeitrĂ€ge) können sich also eventuell ein bisschen verspĂ€ten.

Bora Bora #2: Sehr positiv ĂŒberrascht!

Jetzt sind wir schon ein paar Tage auf Bora Bora.

Neben Tahiti ist es wohl die bekannteste SĂŒdsee-Insel. Die Tourismus-Branche vermarktet sie als DIE romantische Honeymoon-Location schlechthin, allerdings zugleich als ungemein exklusiv und entsprechend als eines der kostspieligsten Urlaubsziele im SĂŒdpazifik. Die Overwater-Bungalows – angeblich hier auf Bora Bora „erfunden“ – liegen pro Nacht inzwischen deutlich im vierstelligen Euro-Bereich.

Da haben wir im Inwater-Bungalow „Flora“ also schon mal ziemlich viel Geld gespart. Die Preise fĂŒr die praktisch obligatorischen Moorings sind nĂ€mlich nicht so unverschĂ€mt. Umgerechnet zahlen wir zu dritt etwa 230 Euro pro Woche, etwa 11 Euro am Tag pro Person. Klar, fĂŒr ankerverwöhnte Langfahrer summiert sich das bei lĂ€ngerem Aufenthalt ganz schön auf, aber ob es von einer Stipvisite abhalten sollte?

Nach allem, was wir vorher so ĂŒber die Insel gehört und gelesen haben, fĂŒrchten wir ein Super-Edel-Luxus-Inselchen mit Jet-Ski-und Tour-Boat-Gewusel, permanentem Hubschrauber-LĂ€rm und Schicki-Micki-Boutiquen. Reservierung fĂŒr den Bojenplatz sehr empfohlen.

Wollen wir da wirklich hin?

Schon vor der Ankunft relativiert sich manches. Auf unsere WhatsApp-Nachricht an BoraBora Mooring Services bekommen wir selbst am Samstagabend sofort eine Antwort. Kein Problem, reichlich Moorings frei. Vielleicht war es gut, dass wir bis nach dem Etappenstart der World-ARC-Flotte gewartet haben, vielleicht wÀre aber auch ohnehin etwas frei gewesen.

Die Haupt(-einkaufs-)straße des InselstĂ€dtchens Vaitape bietet tatsĂ€chlich einige Souvenirshops, Bars, Restaurants und SĂŒdsee-Perlen-Boutiquen, aber von Schicki-Micki-Passagen ist das dann doch denkbar weit entfernt:

Und ja, es gibt Tourboote und Jetskis.

Fairerweise halten sie aber offenbar – anders als etwa in Moorea – meist gebĂŒhrenden Abstand. Das ist auch vergleichsweise leicht möglich, die Lagune um die Insel bietet reichlich Platz. Auch fĂŒr uns, die Bojenfelder sind mit großzĂŒgigen AbstĂ€nden gesetzt und unseres ist nur spĂ€rlich belegt, zeitweise liegen nur ganze drei Boote hier.

Auch zum Wingfoilen gibt es reichlich Raum und Gelegenheit, Elisa tastet sich da mit ersten Übungen mit dem Wing auf dem Paddelboard und spĂ€ter auch auf dem Foilboard langsam ebenfalls heran.

Was uns aber am allermeisten fasziniert, ist die traumhafte Landschaft hier auf Bora Bora.

Seit unserer Anfahrt haben wir die Hauptinsel fast ganz umrundet, zum Teil außerhalb, zum Teil innerhalb des Atolls.

Der hochaufragende Berg Otemanu prÀsentiert sich dabei und auch je nach Lichteinfall immer wieder neu, immer wieder auf andere Weise beeindruckend. Der vulkanische Ursprung Bora Boras ist unverkennbar. Naturgewalt und Naturschönheit.

Dazu Farben der Lagune, das saftige GrĂŒn der Palmen, das Weiß der Brandung und das tiefblaue Wasser des Ozeans drum herum.

Ja, nur so wird man als Insel wohl zu dem exemplarischen Beispiel des SĂŒdseetraums.

Bora Bora mit Hindernissen. Probleme mit den Pumpen.

Es ist ein chaotisches Auf und Ab wie bei den brechenden Wellen auf dem Riff. Eigentlich wollten wir schon lÀngst in Bora Bora sein. Aber nein, zunÀchst mal hat die Technik etwas dagegen.

Die vordere Toilette (in Elisas Bad) macht seltsame GerĂ€usche. Sollte die Zerhackerpumpe etwa wieder den Geist aufgeben? Das wĂ€re blöd, im Moment haben wir dafĂŒr keinen Ersatz mehr an Bord. Bevor ich das WC auseinandernehme (eine Sch
-Arbeit!) prĂŒfe ich sicherheitshalber, ob die Duschabsaugpumpe funktioniert, die bei der zu erwartenden Sauerei immerhin den flĂŒssigen Sumpf im Bad trockenlegen wĂŒrde. Das gibt’s doch nicht. Vor ein paar Tagen hat sie noch funktioniert, jetzt verweigert sie den Dienst. Diese einfache Pumpe ist eigentlich extrem unanfĂ€llig. Aber, hilft ja nix:

Bootsyoga ist fĂ€llig, um die hinten im unteren Schrankfach versteckte Pumpe abzubauen. Auseinandernehmen, sĂ€ubern, zusammensetzen, mit weiterem Bootsyoga wieder einbauen. Funktioniert wieder. Ok, dann können wir uns jetzt ums WC kĂŒmmern. Erst mal den Schlauch zwischen Zerhackerpumpe und Seeventil ausbauen. Der endet im gleichen Schrank und der ist ja jetzt jedenfalls schon mal leer gerĂ€umt. Hm, ein paar kleinere Verstopfungen, immerhin nicht ganz dichtgesetzt. Außenbords ausschlagen, durchspĂŒlen, sieht wieder frei durchgĂ€ngig aus. Nach Einbau hört sich das Bordklo auch wieder besser an, aber Tropfen an der Zerhackerpumpe sorgen trotzdem noch fĂŒr Bedenken. Kriegen wir auf Raiatea vielleicht Ersatz? Immerhin gibt es einen kleinen BootsausrĂŒster-Laden. Nur: der hat Sonntags natĂŒrlich nicht offen.

Trotzdem, wir verholen von Taha‘a nach Raiatea. Sind gleich Montag frĂŒh beim BootsausrĂŒster, aber der hat kein passendes Ersatzteil, kann auch nicht kurzfristig aus Papeete eins fĂŒr unsere elektrische Toilette besorgen. Dann halt nicht. Ein Schlechte-Laune-Tag. Wir kaufen noch ein paar Lebensmittel im gut sortierten Supermarkt ein, dann folgt der nĂ€chste Startversuch nach Bora Bora.

Weit kommen wir nicht. Es ist dann doch schon wieder etwas spĂ€ter geworden und als auch noch schlechtes Wetter aufzieht und gleichzeitig die Frischwasserpumpe ihren Dienst einstellt, legen wir uns kurzerhand bei der Perlfarm im SĂŒdwesten von Taha’a an eine Boje. Die nĂ€chste Pumpe! Diesmal im Motorraum. Zum GlĂŒck stellt sich heraus, dass nur der Vorfilter der Pumpe ein kleines Leck hat und Luft zieht. Ersatz ist an Bord, dieses Problem scheint erledigt. Wir schnaufen erstmal durch. Tut uns ganz gut und zum Abend schaut sogar die Sonne wieder heraus. Ein gutes Zeichen?

Scheinbar ja, denn am nĂ€chsten Tag hat sich das Wetter spĂŒrbar gebessert. Statt in strömendem Regen segeln wir nun bei bestem Gennakerwetter die rund dreißig Meilen von hier sĂŒdlich um Bora Bora herum zum dortigen Pass und weiter zum Bojenfeld am Motu Toopua.

Das Riff um Bora Bora prÀsentiert sich dabei durchaus imposant 



 aber die Passdurchfahrt ist dann völlig unproblematisch und der Ankerplatz einfach traumhaft.

Angekommen auf Bora Bora. Geht doch.

Nachtfahrt nach Ra‘iātea, Bootsarbeit und Blauwassertraum

Der Plan steht: um vier Uhr nachmittags wollen wir aus der Cooks Bay in Moorea auslaufen. Eine Nachtfahrt hinĂŒber nach Ra‘iātea, etwa 100 Seemeilen. Das sollte eine nach der Vorhersage gĂŒnstigen Wind und auch gute Wellenbedingungen bedeuten. So hat es Elisa in ihrer eigenstĂ€ndigen Planung herausgearbeitet und es deckt sich mit dem, was Wiebke und ich den Wetterberichten entnommen haben. Fein.

Nur: um zwei Uhr nachmittags schalten wir die Instrumente ein. Keine Anzeige auf Logge (Gechwindigkeitsmesser fĂŒr die Fahrt durchs Wasser) und ebenfalls keine Anzeige auf dem Lot (Tiefenmesser). Nur Striche. Immerhin, die Windanzeige funktioniert, gibt allerdings nur den scheinbaren Wind an. Auch auf dem Plotter und dem Bordcomputer kommen keine NMEA-Daten vom Airmar-Tridata-Geber an (er misst eigentlich zudem auch die Wassertemperatur). Könnte am Kabel liegen, also irgendwo zwischen Vorschiff und den Anzeigen. Oder der Geber ist der ÜbeltĂ€ter, bloß haben wir den erst vor zwei Jahren in Kanada ausgetauscht, weil die Temperaturanzeige verrĂŒckt spielte. Hm, hilft ja nix. Bekommt Elisa gleich einen weiteren Einblick ins praktische Boots(arbeits)leben, es ist natĂŒrlich auch nicht der Erste in ihrer Zeit hier an Bord.

Also das vorderste Bodenbrett losschrauben, sonst kommen wir an die NMEA-Verkabelung des Gebers nicht heran. Zum GlĂŒck habe ich den alten Geber noch aufbewahrt. Allerdings gut versteckt im Vorschiff unter Elisas Koje. Also wird das gesamte Schiff erstmal ins Chaos gestĂŒrzt.

Nachdem der alte Geber herausgekramt ist, schließe ich ihn erst einmal trocken an den NMEA-Backbone an, drehe am Paddelrad und 
 bekomme eine Geschwindigkeit auf der Anzeige. Tiefe noch nicht, aber der Geber ist ja auch noch nicht im Wasser.

Also den neueren Geber ziehen (dabei kommt ein wenig Wasser in die Bilge) und den alten wieder einbauen. Funktioniert, bis auf die Anzeige der Wassertemperatur, aber die ist entbehrlich. Alles wieder aufrÀumen. Abfahrt dann immerhin trotzdem um 16.15 Uhr. Puh.

DafĂŒr wird es dann aber wie erhofft eine wunderbare Nachtfahrt. Mit HeranfĂŒhren von Elisa an die Nachtwachen, mit gutem Segelwind und ĂŒberwiegend mit Sternenhimmel (ja, wir sehen den RĂŒckgrat-Gecko trotz Vollmond in voller Schönheit).

Und unser neuer Ankerplatz im SĂŒdosten von Ra‘iātea sorgt ebenfalls fĂŒr Begeisterung:

Das Paddelboard wird aufgeblasen. Ausgiebig geschnorchelt, gesprungen, geschwommen. Und relaxt.

Auch Bootsleben. 😎

Schon wieder Abschied: von unseren Freunden und von den Tuamotus

Seit ĂŒber drei Jahren segeln wir jetzt schon im Pazifik, im MĂ€rz 2022 hat Flora den Panamakanal passiert. Danach ging es ĂŒber Galapagos und Hawai’i zum bisher nördlichsten Punkt unserer Reise, nach Alaska. Und jetzt sind wir schon seit einem guten Jahr in Französisch Polynesien, im MĂ€rz 2024 kamen wir auf dem Gambier-Archipel und damit der bisher sĂŒdlichsten von uns bereisten Region an.

Und jetzt? Ein wenig bleiben wir noch in Französisch Polynesien, aber nach einem knappen halben Jahr in den flachen Atollen der Tuamotus heißt es, von einer weiteren Inselgruppe Abschied zu nehmen. Es ist schön, dass wir unseren Freunden Karen und Steve vorher noch ein paar Highlights der Tuamotus zeigen können.

Von Fakarava aus geht’s zunĂ€chst hoch nach Toau.

Herrliches sportliches Segeln und dann ebenso wunderbares Schnorcheln im Coral Garden.

Ein Hike zum Außenriff mit seinen Tide-Pools, in denen wir bei Ebbe herumwaten, Seesterne, Krebse und Fische beobachten, darunter gleich mehrere MurĂ€nen.

Das Wetter spielt mit, auch zurĂŒck nach Fakarava und durch die Lagune hinunter zum SĂŒdpass können wir segeln. Ein Tauchgang an der Wall of Sharks fĂŒr Steve und mich, 



 Driftschnorcheln fĂŒr Karen und Wiebke. Und am nĂ€chsten Tag noch zwei weitere SchnorchelgĂ€nge im SĂŒdpass fĂŒr uns vier, einmal auf der West-, einmal auf der Ostseite. Beide haben ganz unterschiedliche Reize und beide sind einfach fantastisch.

Ganz nebenbei darf Elektriker Steve bei uns an Bord natĂŒrlich auch arbeiten, er hatte mehrfach danach gefragt.

Erfolgreich kĂŒmmern wir uns gemeinsam um ein Problem mit unserem EmpirBus-System (natĂŒrlich im schwer zugĂ€nglichen Knotenpunkt unter unserer SpĂŒle) und um den Austausch der Kondensatoren unseres Generators, der zuvor die Spannung nicht mehr konstant halten wollte.

ZurĂŒck im Hauptort Rotoava treffen wir bei einem unserer SpaziergĂ€nge auch Jakob wieder, der uns gleich erkennt. Bereitwillig zeigt er auch Karen und Steve noch einmal den Prozess der Kopra-Herstellung und er lĂ€sst es sich auch nicht nehmen, uns wieder mit frischen TrinknĂŒssen zu versorgen.

Überhaupt, Rotoava mit seinen freundlichen Bewohnern und den herrlichen Blicken auf die Lagune macht uns den Abschied nicht leicht.

Aber es hilft ja nichts. Die kurze Urlaubszeit unserer Freunde ist um, mit dem Dinghy bringen wir Karen und Steve zum Flughafen.

Und wir? Ein kurzes Wetterfenster fĂŒr die Fahrt nach Papeete tut sich auf, danach soll ein System weit im SĂŒden hohe Wellen und einigen Regen zu uns hinaufschicken. Noch am Nachmittag lichten wir den Anker. TschĂŒss Tuamotus, es geht westwĂ€rts. TatsĂ€chlich können wir nach anfĂ€nglichem Motoren durch die erste Nacht fast die gesamte Strecke herrlich segeln, selbst die Squalls verschonen uns weitgehend und bescheren uns nur ein paar schöne Regenbögen.

Erst in der zweiten Nacht, bei der Ansteuerung von Tahiti, verschlechtert sich das Wetter zusehends.

Im Morgengrauen begrĂŒĂŸt uns Papeete dann mit Weltuntergangsstimmung. Kaum am Ankerplatz angekommen will es dann auch gar nicht mehr aufhören zu regnen.

Gutes Timing.

Wieder zur Wall of Sharks, aber erst einmal Marlin!

Der Wecker klingelt um kurz nach fĂŒnf. FrĂŒh raus, das passt gut mit der Tide im Pass von Tahanea und es gibt uns außerdem genĂŒgend Zeit, um bei Tageslicht in Fakarava anzukommen.

TatsĂ€chlich können wir praktisch die gesamte Strecke von etwas ĂŒber 50 Seemeilen wunderbar segeln, grĂ¶ĂŸtenteils unter Gennaker. Am Anfang klassisch, zwischendurch auch mal ohne Großsegel, am Ende dann Schmetterling mit Gennaker und Groß.

Ein traumhafter Segeltag. Einziger Wermutstropfen: wieder kein Fisch gefangen.

Das allerdings erweist sich als nicht so tragisch. Die parallel segelnde Freefall verkĂŒndet in unserer WhatsApp-Gruppe: Fisch fĂŒr alle! Sie haben einen knapp unter 2.5 Meter langen Marlin an Bord gezogen.

Photo credit: Theresa, SV Freefall

Kein Wunder, dass sie plötzlich etwas langsamer geworden und als letzte beim Ankerplatz am SĂŒdpass ankommen. Allerdings hat sich Joe beim Ausnehmen an der Hand verletzt, Hilfe beim Filetieren wĂ€re also gewĂŒnscht.

Das ĂŒbernehme ich doch gerne und ich bekomme es auch gerade noch vor dem Dunkelwerden hin. Der schon kopflose Marlin auf dem Heck der Freefall:

Die Wall of Sharks muss also noch etwas warten. Allerdings versammeln sich einige Haie hinter der Freefall, obwohl wir die AbfĂ€lle natĂŒrlich extra in großer Entfernung vom Ankerplatz entsorgen. Allein das SauberspĂŒlen des Hecks sorgt schon dafĂŒr, dass die nĂ€chsten beiden Tage niemand von Bord der Freefall aus ins Wasser gehen möchte. 20 Haie direkt am Schiff zĂ€hlt Joe. Flora liegt nur 100 m weiter vor Anker, aufgeregte Haie zeigen sich bei uns aber zum GlĂŒck nicht.

😉

Manta. Schnorcheln und Tauchen am Außenriff und im Pass von Tahanea

Wir sind mal wieder auf dem Sprung. Aber bevor wir erneut nach Fakarava aufbrechen, segeln wir zunĂ€chst durch die Lagune von Tahanea zurĂŒck zum Ankerplatz am Pass.

Kaum ist der Anker gefallen, steht auch schon die nĂ€chste Verabredung. Gemeinsam mit den Crews der ebenfalls zum Pass gefahrenen Lille Venn, My Motu und Freefall wollen wir am Außenriff und im Pass Schnorcheln (Wiebke) bzw. Tauchen (Ralf). Also schnell die Tauchsachen raussuchen, zusammenbauen, und dann werden wir auch schon abgeholt. Was fĂŒr ein Service.

Der Tauchgang am steil abfallenden Außenriff (Drop off) ist ruhiger als erwartet. Haie sehen wir erstaunlicherweise nur relativ wenige. DafĂŒr begegnet mir zum ersten Mal ein Boomerang-DrĂŒckerfisch und auch den hier recht hĂ€ufigen Flammen-Zwergkaiserfisch bekomme ich erstmals vernĂŒnftig vor die Linse der GoPro-Unterwasserkamera. Auch schön: in 12 Meter Tiefe am Außenriff finden sich See-Anemonen und konsequenterweise auch Clownfische. Nemo.

Das besondere Highlight dieses Tauchgangs allerdings wartet im Pass auf uns. Ein Manta mit etwa drei Meter Spannweite gleitet gegen die Strömung ganz gemÀchlich auf mich zu und nahe an mir vorbei.

Nicht die erste Begegnung mit solchen elegant unter Wasser fliegenden Riesen, aber auch dieses Mal wieder ein magischer Moment.

Morgen soll es dann frĂŒh losgehen Richtung Fakarava, Stillwasser im Pass von Tahanea ist kurz vor 06.00 Uhr. ⏰

Kreuz nach Tahanea

Wir machen uns auf nach Tahanea. Schon wieder? 78 Atolle gibt es in den Tuamotus, aber nur weniger als 20 von ihnen haben gut befahrbare PĂ€sse und werden hĂ€ufiger von Segelbooten angelaufen. Mehrere stehen noch auf unserer Wunschliste, aber bisher haben wir tatsĂ€chlich erst 8 Atolle der Tuamotus besucht. Einige allerdings mehrfach. Fakarava, Toau und eben Tahanea. Das es uns jetzt schon wieder dorthin zieht hat mehrere GrĂŒnde. Zum einen gefĂ€llt uns dieses unbewohnte Atoll einfach ausnehmend gut. Das Wasser ist auch in der Lagune meistens herrlich klar, in den gleich drei PĂ€ssen lĂ€sst es sich wunderbar schnorcheln. Es finden sich markante Riffformationen (wie etwa die “7”) und die mit Palmen bestandenen Motus bieten guten Schutz gegen die vorherrschenden Winde, außerdem sind die Bedingungen zum Wingfoilen einfach Klasse. Tahanea ist also ganz sicher eines unserer Lieblingsatolle.

Das wir jetzt schon wieder nach Tahanea segeln (und dabei auf der Strecke auch noch Aratika und Kauehi links liegen lassen) hat aber vor allem einen Grund: wir wollen unsere Freunde von der Lille Venn unbedingt noch wieder treffen, bevor sie sich deutlich frĂŒher als wir auf den weiteren Weg nach Westen machen.

Einen Tag verschieben wir die Fahrt noch, zu viele Gewitter sind angesagt. Dann aber sieht die Vorhersage fĂŒr den 84 Seemeilen langen Törn recht gut aus. Mit dem prognostizierten Ostnordost sollten wir ab der Nordspitze von Fakarava eigentlich direkten Weg nach Tahanea segeln können. EIGENTLICH.

TatsĂ€chlich aber weigert sich der Wind, auf die ihm zugedachte Richtung zu drehen und bleibt auf OstsĂŒdost. Da unser Ziel in Richtung SĂŒdost liegt können wir eben nicht den geraden Weg segeln, sondern mĂŒssen gegen eine frische Brise und die entsprechenden Wellen aufkreuzen. Außerdem werden es so 112 Seemeilen, das morgendliche Stillwasser im Pass von Tahanea, nachdem wir unsere Abfahrtszeit ausgerichtet haben, können wir nicht erreichen.

Eine Nachtfahrt ist es ohnehin, wir versuchen also, dann eben zum Mittagshochwasser am Pass zu sein.

Immerhin: wir sehen zwar Wetterleuchten am Horizont, aber ein Gewitter erwischt uns nicht. Auch von Squalls werden wir weitgehend verschont. Nur einmal erwischt uns solch eine turbulente Wolke. Ziemlich genau zu Sonnenuntergang.

Sie scheint uns auch noch hÀmisch anzugrinsen. Dieser Lichteffekt ist um so erstaunlicher, als nicht das helle Licht durch die Wolke hindurch scheint. Ganz im Gegenteil, die Sonne geht gleichzeitig gerade auf der anderen Seite der Flora unter:

Wie auch immer, einen Augenblick spĂ€ter springt die WindstĂ€rke um 10 kn nach oben und Flora holt trotz vorsorglichem zweitem Reff ordentlich ĂŒber.

Keineswegs der optimale Beginn fĂŒr die Nacht und hoch am Wind durch Wellen bolzen ist halt auch nicht eben der Lieblingskurs fĂŒr die Freiwache, aber abgesehen von dem erforderlichen Zickzack-Kurs kommen wir dann doch einigermaßen gut durch.

Unser Zickzack-Kurs von Fakarava nach Tahanea auf MarineTraffic

TatsĂ€chlich schaffen wir es auch noch, nur wenig nach Stillwasser am Pass von Tahanea anzukommen und ohne Probleme in die Lagune einzulaufen. Barbara und Ralph heißen uns herzlich willkommen, bevor Wiebke und ich mit einem ausgedehnten Mittagsschlaf die etwas unruhigen Freiwachen der Nacht wieder ausgleichen.

Es fĂŒhlt sich richtig gut an, wieder in Tahanea zu sein!

Abschied und zurĂŒck nach Fakarava

Es ist mal wieder einer von diesen traurigen Abschieden, die zu den Cruiser-Freundschaften einfach dazugehören. Ingo und Andrea von der Easy-One bleiben (mit Heike und JĂŒrgen von der Valentin und Silke von der Ocean Maiden) in Toau.

Wir aber verlassen dieses „deutsche Dorf“, segeln nach Fakarava. Schließlich wollen wir Katrin auch noch den Ort Rotoava, den herrlichen SĂŒdpass und die traumhafte Ankerbucht Hirifa zeigen, bevor sie uns Mitte nĂ€chster Woche schon wieder verlĂ€sst.

In Rotoava kaufen wir noch ein bisschen ein, schlendern durch den Ort, zeigen Katrin die Kirche mit ihrem Muschelkettenschmuck, den polynesischen Holzschnitzereien und den Auster-Perlmuttverzierungen.

Und natĂŒrlich darf auch der so typisch polynesische Blumenschmuck im Haar nicht fehlen. Vor der Kirche treffen wir auch Poline wieder. Sie erklĂ€rt uns hinsichtlich der Blumen, traditionell sei hier keine Aussage (verheiratet oder nicht) damit verbunden, hinter welchem Ohr die Blume getragen werde.

Von Rotoava aus segeln wir lĂ€ngs durch das Atoll hinunter zum SĂŒdpass.

Der Ankerplatz zeigt sich aber so rollig, dass wir gleich nach Hirifa weiterfahren und dort fĂŒr die Nacht ankern. Zwar ist es am nĂ€chsten Tag etwas ruhiger, trotzdem fahren wir mit Flora nur fĂŒr eine Stipvisite zum SĂŒdpass. Bei zwei DriftschnorchelgĂ€ngen zeigt sich der SĂŒdpass von seiner besten Seite, Katrin ist ebenso angetan wie wir.

Nachdem ich die leicht verhakte Ankerkette freigeschnorchelt habe (auf 13m, wenn es noch tiefer gewesen wĂ€re, hĂ€tte ich doch meine TauchausrĂŒstung rauskramen mĂŒssen) fahren wir fĂŒr die Nacht dann aber wieder zurĂŒck an den gut geschĂŒtzten Ankerplatz von Hirifa.

Dort kann ich ausgiebig wingfoilen, Wiebke und Katrin sind dafĂŒr mit den Paddelboards unterwegs …


, schwimmen, und sie erkunden den Strand an der SĂŒdspitze von Hirifa.

Die Tage verfliegen, am Mittwoch ist Katrins Zeit an Bord der Flora schon wieder um. Immer diese Abschiede.

Toau: zum False Pass von der “falschen” Seite

Wir bleiben im Toau-Atoll. Zur Feier des Valentinstags – bietet sich einfach an – laden Heike und JĂŒrgen auf dem deutschen Katamaran “Valentin” ein.

Am nĂ€chsten Tag verlassen wir dann aber den Ankerplatz am Coral Garden und fahren gemeinsam mit der Easy-One innerhalb des Atolls nach Norden. Trotz der vielen Bommies gestaltet sich das zunĂ€chst erstaunlich einfach, denn ein Tonnenstrich schlĂ€ngelt sich noch ein ganzes StĂŒck in diese Richtung. Er fĂŒhrt zu einer bereits vor Jahren aufgegebenen Perlfarm. Bis zu 100 Menschen sollen hier einmal gearbeitet haben, obwohl nur ungefĂ€hr 20 auf Toau leben.

Die Hafenanlage der ehemaligen Perlfarm ist noch gut erkennbar, allerdings sind die Stege und auch Teile der Mole doch schon ziemlich rott.

Wir ankern vor der Anlage und statten ihr lieber mit dem Dinghy einen Besuch ab. Haie patrouillieren im flachen Hafenwasser, sonst ist niemand da. Materialien der Perlfarm, etwa die Gitter fĂŒr die Austern, liegen in Stapeln herum. Manches mutet wildromantisch an, gespĂŒltes Geschirr auf einer rostigen AußenspĂŒle, ab und zu kommt sicher noch jemand vorbei. Aber fast alle GebĂ€ude sind stark verfallen. Es ist immer wieder spannend, solche “Lost Places” zu besuchen.

Nach dem Stop geht es aber fĂŒr uns noch weiter gen Norden. Der Tonnenstrich endet allerdings, der Plotter zeigt nur gestrichelte Linien und den Vermerk “Uncharted“. Auf der weiteren Fahrt mĂŒssen wir uns den Weg per Satellitenbild-Navigation suchen.

Katrin am Ruder beim Slalom durch die Bommies.

Klappt aber gut und so erreichen wir bald unseren Ankerplatz in der Nordecke des Toau-Atolls. Er liegt dicht nordöstlich des False Pass, aber – wie der Name schon sagt – hinaus aus dem Atoll kommen wir dort mit der Flora nicht. Der Pass ist eine Sackgasse, das Ende zur Lagune hin ist mit einem sehr flachen Korallenriff versperrt.

Macht aber nichts. Zum einen waren wir ja schon von der anderen Seite im False Pass und haben dort an einer der Bojen gelegen. Zum anderen sind wir hier in die Nordspitze des Atolls auch gekommen, um vor einem vorhergesagten krĂ€ftigen Nordwestwind gut geschĂŒtzt zu sein. Und so ist es auch. Am Sonntag und Montag blĂ€st es meist mit ĂŒber 20 kn, aber hier baut sich trotzdem keine fiese Welle auf.

So kann ich ein bisschen Wingfoilen ĂŒben 



 bis der Wing platzt. Grrr 😖.

Das ist nicht so ideal, denn neben der inneren Bladder hat auch die NylonhĂŒlle des Wings einiges abbekommen.

Ein professioneller Reparatur-Service ist hier nicht zu haben, aber ob wir diesen Schaden beheben können? Mit unserer Haushalts-NĂ€hmaschine kommen wir an einige Stellen nicht heran, obwohl wir natĂŒrlich die Hauptnaht des Schlauches aufgetrennt haben. Also erst mal schön mit der Hand flicken, dann Spinnaker-Repair-Tape drauf und dieses ebenfalls per Hand annĂ€hen. Zum GlĂŒck können wir fĂŒr die lĂ€ngeren NĂ€hte dann auch die Maschine einsetzen.

Die Kaschierung der Hauptnaht geht dann wieder nur per Hand, die Aufgabe habe ich morgen noch vor mir.

Daneben ist aber auch noch Zeit, Katrin und auch Wiebke hinterm Dinghy auf dem Foilboard kniend zu ziehen. Beide kommen tatsĂ€chlich “ins Fliegen “. Schnorcheln gehen wir auch.

Und wir statten Valentine und Gaston am False Pass einen Besuch ab. Die beiden haben ihr Heim zu einer Cruiser-Institution entwickelt. Sie bieten zum Beispiel Lobsteressen an, verkaufen in der offenen Koch-HĂŒtte aber auch Perlen und Muschelketten. Gaston zeigt uns derweil, wie er Noni-Saft herstellt.

Waren wir auf dem Hinweg noch ausgestiegen, um das Dinghy mit hochgeklapptem Motor ĂŒber besonders flache Stellen des Riffs zu ziehen, zeigt uns Gaston jetzt fĂŒr den RĂŒckweg eine verwinkelte und nicht betonte Dinghy-Passage, indem er mit seinem Boot vor unseren Dinghies herfĂ€hrt. Wir lassen den Tracker mitlaufen, sonst könnten wir die Durchfahrt auch beim nĂ€chsten Besuch auf keinen Fall finden.

Erst einmal aber segeln wir zurĂŒck in den SĂŒden des Atolls. Vorbei am Coral Garden und hinunter in die SĂŒdost-Ecke von Toau.

Sundowner am Strand mit unseren Freunden von der Easy-One und der Valentin: ein Dienstagabend im Atoll.