Abschied und zurück nach Fakarava

Es ist mal wieder einer von diesen traurigen Abschieden, die zu den Cruiser-Freundschaften einfach dazugehören. Ingo und Andrea von der Easy-One bleiben (mit Heike und Jürgen von der Valentin und Silke von der Ocean Maiden) in Toau.

Wir aber verlassen dieses „deutsche Dorf“, segeln nach Fakarava. Schließlich wollen wir Katrin auch noch den Ort Rotoava, den herrlichen Südpass und die traumhafte Ankerbucht Hirifa zeigen, bevor sie uns Mitte nächster Woche schon wieder verlässt.

In Rotoava kaufen wir noch ein bisschen ein, schlendern durch den Ort, zeigen Katrin die Kirche mit ihrem Muschelkettenschmuck, den polynesischen Holzschnitzereien und den Auster-Perlmuttverzierungen.

Und natürlich darf auch der so typisch polynesische Blumenschmuck im Haar nicht fehlen. Vor der Kirche treffen wir auch Poline wieder. Sie erklärt uns hinsichtlich der Blumen, traditionell sei hier keine Aussage (verheiratet oder nicht) damit verbunden, hinter welchem Ohr die Blume getragen werde.

Von Rotoava aus segeln wir längs durch das Atoll hinunter zum Südpass.

Der Ankerplatz zeigt sich aber so rollig, dass wir gleich nach Hirifa weiterfahren und dort für die Nacht ankern. Zwar ist es am nächsten Tag etwas ruhiger, trotzdem fahren wir mit Flora nur für eine Stipvisite zum Südpass. Bei zwei Driftschnorchelgängen zeigt sich der Südpass von seiner besten Seite, Katrin ist ebenso angetan wie wir.

Nachdem ich die leicht verhakte Ankerkette freigeschnorchelt habe (auf 13m, wenn es noch tiefer gewesen wäre, hätte ich doch meine Tauchausrüstung rauskramen müssen) fahren wir für die Nacht dann aber wieder zurück an den gut geschützten Ankerplatz von Hirifa.

Dort kann ich ausgiebig wingfoilen, Wiebke und Katrin sind dafür mit den Paddelboards unterwegs …

…, schwimmen, und sie erkunden den Strand an der Südspitze von Hirifa.

Die Tage verfliegen, am Mittwoch ist Katrins Zeit an Bord der Flora schon wieder um. Immer diese Abschiede.

Toau: zum False Pass von der “falschen” Seite

Wir bleiben im Toau-Atoll. Zur Feier des Valentinstags – bietet sich einfach an – laden Heike und Jürgen auf dem deutschen Katamaran “Valentin” ein.

Am nächsten Tag verlassen wir dann aber den Ankerplatz am Coral Garden und fahren gemeinsam mit der Easy-One innerhalb des Atolls nach Norden. Trotz der vielen Bommies gestaltet sich das zunächst erstaunlich einfach, denn ein Tonnenstrich schlängelt sich noch ein ganzes Stück in diese Richtung. Er führt zu einer bereits vor Jahren aufgegebenen Perlfarm. Bis zu 100 Menschen sollen hier einmal gearbeitet haben, obwohl nur ungefähr 20 auf Toau leben.

Die Hafenanlage der ehemaligen Perlfarm ist noch gut erkennbar, allerdings sind die Stege und auch Teile der Mole doch schon ziemlich rott.

Wir ankern vor der Anlage und statten ihr lieber mit dem Dinghy einen Besuch ab. Haie patrouillieren im flachen Hafenwasser, sonst ist niemand da. Materialien der Perlfarm, etwa die Gitter für die Austern, liegen in Stapeln herum. Manches mutet wildromantisch an, gespültes Geschirr auf einer rostigen Außenspüle, ab und zu kommt sicher noch jemand vorbei. Aber fast alle Gebäude sind stark verfallen. Es ist immer wieder spannend, solche “Lost Places” zu besuchen.

Nach dem Stop geht es aber für uns noch weiter gen Norden. Der Tonnenstrich endet allerdings, der Plotter zeigt nur gestrichelte Linien und den Vermerk “Uncharted“. Auf der weiteren Fahrt müssen wir uns den Weg per Satellitenbild-Navigation suchen.

Katrin am Ruder beim Slalom durch die Bommies.

Klappt aber gut und so erreichen wir bald unseren Ankerplatz in der Nordecke des Toau-Atolls. Er liegt dicht nordöstlich des False Pass, aber – wie der Name schon sagt – hinaus aus dem Atoll kommen wir dort mit der Flora nicht. Der Pass ist eine Sackgasse, das Ende zur Lagune hin ist mit einem sehr flachen Korallenriff versperrt.

Macht aber nichts. Zum einen waren wir ja schon von der anderen Seite im False Pass und haben dort an einer der Bojen gelegen. Zum anderen sind wir hier in die Nordspitze des Atolls auch gekommen, um vor einem vorhergesagten kräftigen Nordwestwind gut geschützt zu sein. Und so ist es auch. Am Sonntag und Montag bläst es meist mit über 20 kn, aber hier baut sich trotzdem keine fiese Welle auf.

So kann ich ein bisschen Wingfoilen üben …

… bis der Wing platzt. Grrr 😖.

Das ist nicht so ideal, denn neben der inneren Bladder hat auch die Nylonhülle des Wings einiges abbekommen.

Ein professioneller Reparatur-Service ist hier nicht zu haben, aber ob wir diesen Schaden beheben können? Mit unserer Haushalts-Nähmaschine kommen wir an einige Stellen nicht heran, obwohl wir natürlich die Hauptnaht des Schlauches aufgetrennt haben. Also erst mal schön mit der Hand flicken, dann Spinnaker-Repair-Tape drauf und dieses ebenfalls per Hand annähen. Zum Glück können wir für die längeren Nähte dann auch die Maschine einsetzen.

Die Kaschierung der Hauptnaht geht dann wieder nur per Hand, die Aufgabe habe ich morgen noch vor mir.

Daneben ist aber auch noch Zeit, Katrin und auch Wiebke hinterm Dinghy auf dem Foilboard kniend zu ziehen. Beide kommen tatsächlich “ins Fliegen “. Schnorcheln gehen wir auch.

Und wir statten Valentine und Gaston am False Pass einen Besuch ab. Die beiden haben ihr Heim zu einer Cruiser-Institution entwickelt. Sie bieten zum Beispiel Lobsteressen an, verkaufen in der offenen Koch-Hütte aber auch Perlen und Muschelketten. Gaston zeigt uns derweil, wie er Noni-Saft herstellt.

Waren wir auf dem Hinweg noch ausgestiegen, um das Dinghy mit hochgeklapptem Motor über besonders flache Stellen des Riffs zu ziehen, zeigt uns Gaston jetzt für den Rückweg eine verwinkelte und nicht betonte Dinghy-Passage, indem er mit seinem Boot vor unseren Dinghies herfährt. Wir lassen den Tracker mitlaufen, sonst könnten wir die Durchfahrt auch beim nächsten Besuch auf keinen Fall finden.

Erst einmal aber segeln wir zurück in den Süden des Atolls. Vorbei am Coral Garden und hinunter in die Südost-Ecke von Toau.

Sundowner am Strand mit unseren Freunden von der Easy-One und der Valentin: ein Dienstagabend im Atoll.

Besuch an Bord

Unsere liebe Freundin Katrin kommt mit dem Flugzeug in Fakarava an. Eine praktische Angelegenheit auf diesem Atoll: wir können Katrin einfach mit Florecita abholen, der Flughafen hat einen eigenen Dinghysteg.

Am nächsten morgen segeln wir nach Toau. 15 Seemeilen herrliches Code0-Segeln und auch der Pass in Toau ist dieses Mal absolut friedlich. Zwar haben wir dreieinhalb Knoten mitsetzende Strömung, aber bei dem leichten achterlichen Wind baut sich im Pass absolut keine Welle auf. Nur kurz um die Ecke und wir ankern am Coral Garden. Na klar, gleich mal Schnorcheln. 🤿

Kein schlechter Start.

Und es wird sogar noch besser. Am nächsten Tag hat Andrea Geburtstag. Sektfrühstück mit hausgemachtem Pastazie-Mandeleis an selbst gemachtem Schokolikör auf der Easy-One, so kann der Tag wohl beginnen.

Die eigentliche Feier verlegt das Geburtstagskind dann nachmittags an den Strand, zur Dämmerung hin verlagert es sich ins Wasser:

Geburtstagskind mit Geburtstagsgeschenken

Wow. Was für ein herrlicher Tag.

Und heute?

Katrin, Wiebke, Andrea und Ingo gehen Schnorcheln, Heike und Jürgen von der Valentin, und Bruna und Roberto von der Saude Eterna sowie ich tauchen. Gemeinsam fahren wir mit den Dinghies durch den großen Pass hinaus und dort ins Wasser. Dann geht’s an der Außenseiten der Insel zwischen den Pässen am steilen Dropoff entlang, bevor wir uns von der Tide wieder in den kleineren Pass hineinspülen lassen.

Auffällig ist das stellenweise extrem häufige Vorkommen des Dornenkronenseesterns an diesem Außenriff. Dornenkronenseesterne sind wunderschön anzuschauen, zumal ihre Form und Symmetrie fast an Schneeflocken erinnert:

Aber sie haben auch ihre Schattenseiten. Ihre Dornen sind giftig und können bei Menschen schmerzhaften und zu Komplikationen neigende Stichverletzungen hervorrufen. Also besser nicht anfassen! Vor allem aber schädigen sie die ohnehin schon geschwächten Korallenriffe, denn sie ernähren sich ausschließlich von Steinkorallen. Bei massenhaftem Auftreten hinterlassen sie deshalb praktisch tote Riffe, die sich nur extrem langsam wieder erholen können.

Mancherorts, etwa am australischen Great Barrier Reef, wurden sie daher mit Giftinjektionen in ihre Arme bekämpft. Das ist umstritten, immerhin kommen massenhafte Invasionen dieser Seesterne in natürlichen Zyklen vor. Allerdings haben sich die Abstände dieser Zyklen zuletzt erheblich verkürzt, sodass die Gefahr für einige Riffe deutlich größer geworden ist.

Aber neben den Dornenkronen sehen wir bei diesem Tauchgang dann doch noch einiges mehr. Eine kleine Auswahl:

Für Wiebke und Katrin war der einstündige Schnorchelgang offenbar noch nicht Sport genug für den Tag. Sie legen auch noch eine ausgiebige Tour auf den Paddelboards drauf, bietet sich bei den fast windstillen Bedingungen aber ja auch an.

Zur Erholung dann Hängematte auf dem Vorschiff.

Andrea kommt übrigens noch um einiges später von ihrer eigenen Paddeltour zurück. Immerhin aber noch, bevor die Venus mit dem Ankerlicht der Easy-One um die Wette strahlt:

Uns geht’s gut.

Zurück nach Fakarava

Wie verabredet gehen wir und auch die Easy-One bereits um 5.00 Uhr ankerauf. Der Pass lässt sich bei zwei bis drei Knoten einlaufendem Gegenstrom unproblematisch und ohne großes Geschaukel passieren. Danach wird es ein schöner Segeltag mit unserem blauen Gennaker. Allerdings macht uns das Großsegel Probleme. Grund ist – hoffentlich – das elektronische Sicherungspanel am Kartentisch. Das hat uns ja schon die Motorraumbelüftung und die Kühlschränke (inzwischen überbrückt) lahmgelegt, heute früh lässt sich nun auch der Schalter für die elektrische Rollanlage im Mast nicht mehr einschalten. Ärgerlich aber, wenn das Panel denn wirklich die Ursache ist, vorrübergehend. Ein neues Panel hatten wir bei Hallberg-Rassy bestellt, Katrin wird es nächste Woche mitbringen.

Es führt aber jedenfalls dazu, dass wir das Großsegel nur im Notbetrieb mittels der dafür vorgesehenen Handkurbel bewegen können. Die Mechanik im Seldén-Mast ist etwas tricky und die Kurbelei ziemlich aufwändig: zehn Umdrehungen an der Kurbel bringen eine halbe Umdrehung des Profils für das Großsegel im Mast. Beim Ausrollen kann man sich vom Wind helfen lassen, aber das Einrollen geht unfassbar langsam vonstatten. Anstrengend. Theoretisch würde ein 1/2-Zoll-Adapter auf dem Akkuschrauber helfen, aber bei diesem erstem Mal erledigen wir das Ganze sicherheitshalber komplett manuell. Ist allerdings beim Einrollen vor Fakarava wirklich schweißtreibend, aber immerhin, es funktioniert.

Gegen 15.00 haben wir den Ankerplatz hinter dem Südpass erreicht, auch hier war die Passdurchfahrt unproblematisch, diesmal mit 2 kn mitsetzendem Strom.

Während die Easy-One einige Tage hier bleiben möchte, wollen wir am nächsten Tag weiter zum Hauptort des Fakarava-Atolls, dem 30 Seemeilen weiter nördlich gelegenen Dorf Rotoava. Am dortigen Flughafen wird Katrin ankommen, bis dahin wollen wir noch Proviant einkaufen und die Wäsche waschen lassen. Für uns geht’s also nach nur einer Übernachtung weiter, allerdings nicht, ohne vorher noch einmal den Südpass zu besuchen. Driftschnorchelgang mit Andrea für Wiebke, Tauchgang mit Ingo für mich.

Obwohl es schon mein insgesamt siebter Tauchgang hier ist, begeistert der Südpass doch immer wieder aufs Neue. Dieses Mal ist besonders viel Fisch unterwegs, Großaugenbrassen und Langnasen-Doktorfische sehen wir zuhauf, auch ein Adlerrochen lässt sich blicken.

Auffällig sind auch die die ziemlich großen (bis 75 cm) Titan-Drückerfische. Sie bewegen sich meist ohne Einsatz der Schwanzflosse fort, sondern vielmehr durch wellenartiges Pulsieren der Rücken- und der Afterflosse. Bei ihnen muss man allerdings sehr achtsam sein, insbesondere die Weibchen können in der Brutzeit agressiv werden. In einem auf der Spitze stehenden Kegel um ihr Nest herum greifen sie dann andere Fische an und versuchen auch Taucher und Schnorchler zu verjagen. Bei ihrem ziemlich massigen Gebiss gelingt ihnen das recht eindrucksvoll. Am besten verzieht man sich dann nicht nach oben, sondern seitlich aus dem Kegel heraus.

Und natürlich dürfen an der Wall of Sharks auch die Haie nicht fehlen. Wir sehen viele Graue Riffhaie, diverse Weißspitzenhaie liegen malerisch auf dem Grund oder auf Sandflecken herum. Vereinzelt findet sich auch mal ein Silberspitzenhai und im Uferbereich sind natürlich Schwarzspitzenhaie unterwegs.

Ingo legt sich unten auf den Grund und beobachtet einen Weißspitzenhai, der sich gerade Gebiss und Kiemen putzen lässt…

… Andrea filmt schnorchelnd am Paddelboard:

Tja, und dann geht es für uns erst einmal hoch nach Rotoava. Morgen soll dort das Versorgungsschiff ankommen, das ist bei der geplanten Verproviantierung ein Termin, denn wir nicht verpassen wollen.

Tahanea

Es wird ein wunderschöner Segeltag. Wir starten mit Schwachwind und Code0, …

… wechseln dann aber bei zunehmendem Wind irgendwann auf die Fock. Zwischenzeitig zwei Reffs ins Groß. Um uns herum tauchen immer mehr Schauerwolken auf, einige ziemlich so imposant, dass die hinter uns segelnde Easy-One kaum davor auszumachen ist:

Tatsächlich aber verschonen die Schauerwolken sowohl uns als auch die Easy-One, erst in der Ansteuerung auf den Pass von Tahanea bekommen wir ein paar wenige Tropfen ab, dürfen zum Ausgleich aber einen wunderschönen gleich doppelten Regenbogen bewundern, mit herrlich sichtbarem dunklerem Bereich zwischen Regenbogen und Nebenregenbogen (Alexanders dunkles Band):

Wir ankern hinter dem Motu direkt zwischen dem Nordpass und dem breiteren Hauptpass, durch den wir ins Atoll gefahren sind.

Wir schnorcheln am folgenden Tag in beiden Pässen, fahren mit dem Dinghy bei einlaufender Tide hinaus und lassen uns durch den Pass zurück in die Lagune treiben. Besonders gut gefällt uns die Nordseite des Nordpasses. Am äußeren Ende zeigen bockende Wellen starke Verwirbelungen an, aber danach ist die Strömung auf dieser Seite nicht so stark. Der dicht an dicht mit Korallen bestandene Nordrand bietet in 3 bis 5 Metern Tiefe eine vielfältige Korallenlandschaft, die es in sich hat. Der Fischreichtum ist immens und das klare einlaufende Wasser lässt die ganze Palette der Farben auch richtig zur Geltung kommen.

Ein gutes Beispiel sind die bis zu 80 cm groß werdenden Buckelkopf-Papageifische. Diese sind eigentlich an allen halbwegs gesunden Riffen im Südpazifik zu finden und in sofern ein bekannter Anblick. Aber selten strahlen die Farben so wie hier.

Eine Besonderheit bei den meisten Papageifischarten, so auch beim Buckelkopf-Papageifisch: es handelt sich um Hermaphroditen. Nach einer Jugendphase entwickeln sich zunächst fast alle zu Weibchen. Später im Lebenszyklus wandelt sich dann ein größerer Teil zu Männchen um. Und nicht nur das: in jeder der Phasen zeigen diese Fische auch ein völlig unterschiedliches Farbkleid.

Weiblicher Buckelkopf-Papageifisch
Männlicher Buckelkopf-Papageifisch

Die vorderen Zähne sind übrigens zu den Platten eines schnabelartigen und ständig nachwachsenden Beißwerkzeugs umgebildet, mit dem die Papageifische einen niedrigen Pflanzenbewuchs auf den Korallen regelrecht abgrasen. Dabei schaben sie auch erhebliche Mengen von Korallenkalk ab, den sie zügig wieder ausscheiden. Dann allerdings fein gemahlen – als den Sand, den wir an den Palmenstränden so lieben. Kein Scherz, ein ausgewachsener Buckelkopf-Papageifisch produziert so bis zu 90 kg feinsten Sand pro Jahr.

Wir sehen noch verschiedene andere Papageifische:

Aber natürlich nicht nur die.

Griesgrämig dreinschauender Lippfisch
Falterfisch
Camouflage-Zackenbarsch im Versteck
Imperator-Kaiserfisch

Jedenfalls ist der Drift-Schnorchelgang im Nordpass von Tahaneha für uns einer der insgesamt schönsten Schnorchelgänge bisher, und das will schon etwas heißen, denn da kommen mittlerweile doch so einige zusammen.

Eine etwas alberne Frage wird nebenbei auch beantwortet: wieso heißt die Farbe von Wiebkes Tauchmaske eigentlich „Coral“?

Faaite. Ein weniger besuchtes Atoll.

Der Wind hier in den Tuamotus präsentiert sich aktuell ziemlich wechselhaft. Eigentlich liegen die Tuamotus im Passatwindgürtel mit seinen östlichen Winden. Jahreszeitlich bedingt schwankt der vorherrschende Wind etwas, ist von Februar bis April östlich, kommt von Mai bis November mehr aus Südost (wobei er um August herum am stärksten bläst, im Südsommer dafür schwächer), im Dezember und Januar ist typischerweise eher Nordost zu erwarten. Nur: derzeit sind über Nord auf West drehende Winde angekündigt, für das nächste Wochenende gar mit einer kräftigen WSW-Komponente. Alles andere als ideal am Südpass von Fakarava. Etwas besseren Schutz würde es im Norden von Fakarava geben, aber nicht bei WSW.

Wir entscheiden uns dafür, statt dessen zum kleineren und seltener besuchten Atoll Faaite zu segeln. Wir schaffen es, die Passage durch den Südpass und auch die Einfahrt nach Faaite mit nur geringer Strömung zu timen, dazwischen liegen ein paar Stunden herrlichstes Segeln bei wenig Welle und perfektem Segelwind.

Über die Passeinfahrt in Faaite hatten wir uns einige Gedanken gemacht, die Durchfahrt ist recht schmal und kann bis über 7 kn Strömung aufweisen. Teilweise wird geraten, notfalls in der Sackgasse links von der Durchfahrt zu ankern. Zum Glück geht alles glatt, denn als wir später mit dem Dinghy den “Notankerplatz” checken, finden wir ihn zwar tief genug, aber dicht an dicht mit Korallen bestanden.

Pass ins Faaite-Atoll
Blick auf den Pass aus umgekehrter Richtung

Auf der Innenseite des Passes gibt es eine vergleichsweise flache Barre (wir messen 3,7 m), aber bei diesen Bedingungen ist das unproblematisch. Und so schleichen wir an den allerdings zahlreichen Bommies vorbei in die Nordwestecke des Atolls und ankern im Schutz von gleich drei palmenbestandenen Motus.

Die Easy-One ist bei uns, Lille Venn und Free Fall kommen am nächsten Tag dazu.

Ich denke, hier werden wir es eine Zeitlang ganz gut aushalten können.

Die Nachtluft ist mild und der Wind bisher noch lau. So bleiben wir lange in der Hängematte auf dem Vorschiff, löschen irgendwann das Licht, beobachten den halb vollen Mond und den Sternenhimmel. Orion steht hoch über der Flora, Mars spielt mit Castor und Pollux im Zwilling, Jupiter gesellt sich zu Aldebaran im Stier. Am Südosthimmel ist zunächst nur das “Falsche Kreuz” auszumachen, etwas in der Nacht klettert auch das Kreuz des Südens höher über den Horizont und wird damit deutlicher sichtbar.

Falsch im richtigen und richtig im falschen Pass

Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Apataki. Rajesh und Jeroen holen uns zum Schnorcheln ab, danach wandern wir am Strand entlang zum Werftgelände.

Was vom Boot aus wie strahlend heller Sandstrand aussieht, entpuppt sich allerdings größtenteils als grober Korallenschutt. Gut dass wir vorsorglich Schuhe eingepackt haben. Wunderschön ist es aber trotzdem, unter den Palmen leuchtet das Wasser in Türkis- und Blautönen, dazwischen sind bräunlich die Korallenbommies zu erkennen.

Diverse junge Schwarzspitzenhaie patrollieren im Flachwasser und sogar ein Ammenhai zeigt sich ganz nah am Strand.

Das ist schon unmittelbar neben der Slipbahn, auf der die Boote mit einem Hydraulischen Trailer aus dem Wasser gezogen werden. Es ist flach hier! Eine vertiefte Rinne können wir nicht erkennen, sie würde wohl auch schnell wieder versanden. Kein Wunder, dass für das Herausnehmen eine Tiefgangsbeschränkung von 1,9 m gilt. Dafür muss der Trailer schon ein ganzes Stück in die Lagune hineinfahren.

Jetzt am Sonntag herrscht aber ohnehin Ruhe auf dem Werftgelände.

Ein weiterer Brändi-Dog-Abend, diesmal auf der Flora. Rajesh und Jeroen bringen das Spiel mit und so langsam nehmen auch Wiebke und ich die eine oder andere taktische Finesse auf.

Für die Crew der Flora heißt es aber am nächsten Morgen: früh aufstehen. Etwa zwei Stunden brauchen wir für den Weg über die Lagune und gegen 9:00 Uhr wollen wir am Pass sein. Wir finden keine Daten zu den Strömungszeiten. Mit der Einfahrt hatte es ja wunderbar zu Stillwasser gepasst. Dabei waren wir etwas später als zur (immerhin abrufbaren) Hochwasserzeit des Nachbaratolls Arutua. Niedrigwasser in Arutua ist heute um 9:11 Uhr. Um 8:50 kommen wir am Pass an. Das sollte doch passen, oder?

Leider nein, FALSCH gedacht, so einfach ist es denn doch nicht. Zum einen sind wir etwas früh, der halbe Knoten Strom über die Lagune hat uns geschoben. Zum anderen läuft die Tide hier in Apataki bei ablaufendem Wasser offenbar kräftig nach (Niedrigwasser ist also keineswegs Stillwasser), der seit Tagen kräftige Nordostwind verstärkt das wahrscheinlich noch. Bei der Einfahrt sieht das Wasser im Pass noch glatt aus, doch im Knick zwischen der roten und grünen Tonne brodelt es, während das Wasser direkt daneben flach bleibt. Zwischenzeitig verdoppelt die Strömung Floras Fahrt auf über 10 kn, aber es gibt keine größeren Strudel oder Whirlpools, die unser Boot herumdrücken würden. Nach einem kurzen Stück Fahrt “wie auf Eiern” sind wir durch, werden nur noch mit 2 kn geschoben.

Nicht wie geplant, aber auch nicht dramatisch.

Wie auch immer, jetzt sind wir jedenfalls früh unterwegs und haben (wieder am Wind aber mit bedeutend angenehmerer Welle als vorgestern) einen richtig schönen Segeltörn. Nur gut 30 Seemeilen sollen es heute werden, es geht hinüber zum südlichen Nachbaratoll Toau.

Toau hat einen Pass im weiter entfernten Südosten der Insel. Wir entscheiden uns aber für die “Anse Amyot” im Norden der Insel. Auch die Anse Amyot wird durch eine Lücke im Riff angesteuert, nur ist es eine Sackgasse. Eine Weiterfahrt in die Lagune wird durch eine ausgedehnte Korallenbank verhindert. Unter den englischsprachigen Seglern ist die Anse Amyot deshalb als “False Pass” (Falscher Pass) von Toau bekannt.

Mehrere kostenlose Mooringbojen sind hier ausgelegt. Derzeit sind allerdings einige davon zwecks Wartung eingezogen. Auf Noforeignland sehen wir, dass die Indioko bereits dort ist. Wir schreiben sie über die Chat-Funktion an und prompt kommt die Antwort. Derzeit liegen sie als einziges Boot dort, vier Bojen sind noch frei. Super.

Kurz nach Mittag laufen wir in die Anse Amyot ein. Durchs Riff führt ein schmales, etwa 8 m tiefes Fahrwasser, dass schräg zur Küste verläuft. Richtbaken zeigen den Weg an, auch wenn die innere mal wieder gerichtet werden müsste.

Die Bucht selbst ist dann wieder über 20 Meter tief.

Für uns erweist sich “False Pass” sich als genau richtig. Es gefällt uns, zur Abwechslung mal wieder einen kurzen Schlag von nur ein paar Stunden zwischen den Inseln zu segeln. Gegen Wind und Wellen liegen wir hier gut geschützt und zudem haben wir einen herrlichen Blick sowohl in die Lagune und auch hinaus auf den offenen Pazifik.

False Pass / Anse Amyot: Blick nach innen
False Pass / Anse Amyot: Blick über die Korallenbank nach außen

Und auch das Schnorcheln an der Korallenbank begeistert uns.

Wettertest für das Achterstag: von Tikehau nach Apataki

Leichte bis mittlere Winde vorhergesagt? Böen bis 28 kn hatten wir eigentlich nicht erwartet. Aber wenn man unterwegs ist, ist man unterwegs.

Bei schönen 14 kn hoch am Wind beginnt die Passage von Tikehau aus fast perfekt. Nur fast, denn der Windwinkel passt nicht ganz. Wir können unser eigentliches Ziel Fakarava nicht direkt anliegen, müssen also kreuzen.

Das verlängert natürlich auch die Strecke erheblich. Dazu kommt, dass sich wie vorausgesagt zum Abend hin relativ schnell zunehmender Südschwell bemerkbar macht. Im Zusammenspiel mit der Windsee aus Ostnordost entwickelt sich eine ziemlich kabbelige Welle.

Die kräftigen Böen tun ein übriges. Aber immerhin: unsere Dyneema-Taljen am defekten hydraulischen Achterstagspanner halten, auch wenn wir durch den etwas geringeren Zug mehr Durchhang im Vorstag haben und ein bisschen weniger Höhe laufen können. Etwas mehr Belastungstest als wir uns vorgestellt haben, aber so ist es nun mal. Das Großsegel im zweiten Reff sind wir trotzdem ganz flott unterwegs.

Photo courtesy: Barbara, SY Lille Venn

Um dem Schwell etwas auszuweichen, machen wir einen Schlag auf dem anderen Bug und kreuzen dann zwischen den Atollen Arutua und Kautua weiter auf. Diese beiden Atolle haben keinen mit der Flora befahrbaren Pass und können deshalb von uns nicht angelaufen werden. Erst Apataki bietet sich dafür an. Und so ändern wir den Plan, statt Fakarava heißt das Ziel jetzt Apataki. Lille Venn ist oben um Arutua herumgegangen und entscheidet sich für den Nordpass. Wir laufen dagegen in den Südpass von Apataki ein und ankern am weit und breit einzigen Inselchen. Auf einer Länge von fast 10 Seemeilen gibt es nur dieses eine Motu auf dem Südriff. Von See aus ist das Atoll aus dieser Richtung deshalb mit den Augen fast nur an der Brandung auszumachen. Dann ist man allerdings meist schon gefährlich nahe dran.

Die My Motu gesellt sich kurz danach zu uns. Die Brise flaut zum Abend hin ab und wir liegen recht ruhig, obwohl das Motu gegen Ost nur ein bisschen Schutz bietet. Am nächsten Morgen allerdings frischt der Wind deutlich auf und dreht nördlicher. Jetzt baut sich auch im Atoll schnell eine kräftige Welle auf. Unsere Boote zerren am Ankergeschirr und machen Bocksprünge.

Nur ein schnelles Frühstück, dann ist es Zeit für einen Wechsel des Ankerplatzes. Wir verholen in die Südostecke des Atolls. Von dort aus erstreckt sich ein längeres Motu nach Nordwesten, das sollte uns deutlich besseren Schutz gewähren.

Bei der Annäherung bietet sich dann ein etwas skurriler Anblick. Aus dem Palmenhain wächst ein Mastenwald:

Tatsächlich bietet Apataki die einzige uns bekannte Möglichkeit, in den Tuamotus ein Segelboot auf einen Landstellplatz herausnehmen zu lassen. Allerdings wohl mit der Einschränkung, dass der Tiefgang des Bootes nicht über 1,9 m liegen darf. So finden sich denn hier auf dem hinter Palmen versteckten Werftgelände auch fast nur Katamarane und kleinere Segelboote oder solche mit aufholbarem Kiel.

Wer sein Schiff hier (z.B. für einen Heimaturlaub) einlagert, muss übrigens mit dem Wassertaxi die 10 Seemeilen hinüber zum kleinen Ort am Südpass fahren und von dort den nahen Flughafen für die Weiterreise nutzen.

Der Ankerplatz bietet tatsächlich gegen den Ostnordostwind recht guten Schutz und wartet zudem noch mit einem schönen Sandstrand auf.

Ein paar Wetter-Querelen bekommen wir allerdings auch geboten. Vielleicht ist der Wettertest für das Achterstag ja doch noch nicht ganz abgeschlossen ?!?

Den Tagesabschluss bietet jedenfalls ein gemütlicher Abend mit Rajesh und Jeroen auf der My Motu mit Chili-Diner und Brändi-Dog-Spielen. Dankeschön!

Nächtlicher Schreck – aber der Mast steht noch

Auf Tahiti warten wir ein paar Tage auf das nächste Wetterfenster und brechen dann auf Richtung Tikehau im Nordwesten der Tuamotus. 170 Seemeilen sind das, wir rechnen mit 26 bis 30 Stunden. Von Südwesten schiebt sich ein Schlechtwettergebiet mit stärkeren Winden hoch, dem wir ein bisschen davonfahren wollen, also lichten wir schon um 6.00 Uhr morgens den Anker. Funken die Port/Air-Control an und erhalten die Freigabe, vor der Landebahn durchzufahren. Ziemlich nah sind die Flieger trotzdem:

Beim Durchfahren des Hafengebiets von Papeete passiert uns eine große Schule Delfine, wenig später kreuzen mehrere Buckelwale unseren Kurs. Was für ein Tagesbeginn.

Aus dem Windschatten von Tahiti müssen wir herausmotoren, aber dann wird es herrliches Segeln bei etwa halbem Wind und zunehmend achterlicher anrollender Welle. Und es kommt noch besser: wir haben Angelglück und fangen zum ersten Mal einen Wahoo:

Mitten in einem kleinen Schauer, ok, aber da beißen Fische ja angeblich auch am besten. In die Nacht hinein geht es mit etwa 20 Knoten Wind, allerdings werden die Böen jetzt doch langsam stärker.

Wir gehen mit dem Großsegel ins zweite Reff, etwas später vorsorglich ins dritte. Keine schlechte Idee, am Ende werden es Schauerböen bis 28 Knoten. Mit dieser Besegelung sind wir da gut aufgestellt.

Mitten in der Nacht holt mich dann allerdings Wiebke aus dem Schlaf. Ein Schock-Moment: das Achterstag (also der Draht, der den Mast nach hinten hält) ist völlig lose, der daran kardanisch aufgehängte Radar schwingt wild hin und her. Die Mastspitze wippt vor und zurück, entsprechend kommt auch das Vorstag (was den Mast nach vorne hält) ins Schlackern. Ein erster Check zeigt, dass der hydraulische Achterstagspanner seinen Druck verloren hat. Wir pumpen neuen Druck auf, aber der geht schnell wieder verloren. Also bergen wir erst einmal die Segel, setzen die Großschot und die Dirk durch. Dadurch bekommen wir etwas mehr Ruhe in den Mast, aber das reicht noch nicht. Unser Rigg mit nur wenig gefeilten Salingen benötigt Zug auf dem Achterstag. Als weitere (Not-)Maßnahme setzen wir das Spifall und das Ersatz-Genuafall auf den Achterklampen fest. Damit haben wir zwei starke Leinen von der Mastspitze zum Achterschiff geführt und über die Mastwinschen dicht geholt. Das bringt Entlastung und die Mastspitze wackelt jetzt kaum noch, obwohl die See mit 1,5 bis zwei Meter hohen Wellen die Flora jetzt ordentlich durchschaukelt.

Zum Glück sind mit der Gerty und der My Motu zwei bekannte Schiffe ganz in unserer Nähe. Wir informieren sie per Funk über unsere Situation und obwohl sie uns jetzt nicht direkt helfen können tut es gut. Falls doch der Mast von oben kommen würde, wäre Hilfe nahe.

Aber der Mast bleibt oben, wir motoren die restlichen 35 Seemeilen bis zum Pass ohne weitere Probleme (wenn auch unter ziemlicher Anspannung). Kurz nach dem Hellwerden verlässt uns dann auch der Boobie, der erst auf unserem Bimini und dann auf dem Solarpanel als blinder Passagier mitgereist ist und uns zum Dank auf beiden großflächig weiße ätzende Flecken hinterließ.

Als wir den Pass gegen 8.00 Uhr erreichen, kommt uns schon Ralph von der Lille Venn im Dinghy entgegen. Auch er hat über den Funk von unserem Problem erfahren und beglückwünscht uns zur heilen Ankunft. Dann berichtet er, dass wir perfekt zu Stillwasser angekommen sind und zeigt uns mit dem Dinghy vorausfahrend den Weg durch den uns ja noch unbekannten Pass. Wunderbare Begrüßung nach der nächtlichen Aufregung!

Am Ankerplatz holen wir erst einmal eine Mütze Schlaf nach. Danach ersetzen wir die Nothalterung aus den beiden Fallen durch eine stark untersetzte Taljenkonstruktion aus extrem reißfester Dyneemafaser, mit der wir den hydraulischen Achterstagspanner überbrücken.

Damit ist der Mast erst einmal vernünftig gesichert und wir können in Ruhe prüfen, ob (und evtl. mit welchen zu beschaffenden Teilen) der Spanner repariert werden kann oder ob er komplett ersetzt werden muss. Beides könnte allerdings hier in den Tuamotus schwierig und logistisch aufwändig werden.

Wechselbad der Gefühle

Am Bojenplatz hinter dem Motu Aito Schnorcheln wir noch einmal beim Außenriff.

Es wird ein toller Schnorchelgang mit Fischen wie großer Grüner Moräne, Feuerfischen, großen gelben und kleinen, dafür unfassbar farbigen Kofferfischen:

Anschließend motoren wir von Taha’a nach Raiatea und tanken Flora dank des in Tahiti erworbenen Zertifikats unsere Flora umsatzsteuerfrei voll. Danach segeln wir hinüber nach Huahine.

Ja, tatsächlich, wir segeln. Der wenige Wind zwischen 4 und 7 in steht uns zwar genau auf die Nase, aber eine ganze Zeit lang kreuzen wir unter Code0 trotzdem tapfer dagegen an. Aber als dann die Bootsgeschwindigkeit bei weiter abnehmendem Wind doch dauerhaft unter 2 Knoten fällt, muss der Volvo ran und einen Teil des gerade erworbenen Diesels gleich wieder verbrennen.

Für die Fahrt in den Passe Avapehi auf Huahine allerdings kommt uns das ruhige Wetter sehr zu Gute. Obwohl nur einseitig betonnt, ist die Einfahrt völlig problemlos. Leider kann man das Gleiche nicht von unserem ersten Bojenplatz auf Huahine sagen. Kaum haben wir an der (öffentlichen) Boje festgemacht, kommt von Land aus ein selbst ernannter Blockwart im Auslegerkanu angepaddelt und ruft uns überaus barsch zu, Übernachten sei hier nicht möglich. Wir bleiben freundlich und er ändert seine Meinung: na gut, eine Nacht geht. Aber Morgen sollen wir weiter. Das wollen wir ohnehin.

Der nächste Morgen beginnt dann wundervoll: Völlige Windstille. Spiegelglatte See hinter dem Riff. Die Doppelinsel Huahine (Huahine Nui und Huahine Iti sind nur mit einer kleinen Brücke verbunden) präsentiert sich wie auf einer Glasplatte.

Am Ufer spiegeln sich die Palmen hinterm Sandstrand und die Morgensonne.

Der Blick in die andere Richtung lässt am Horizont noch Raiatea und Taha’a erkennen.

Was für eine Idylle. Aber nicht mehr lang. Denn als wir noch vor dem Frühstück an der nahen Insel Schnorcheln gehen kommt – na wer wohl – der Blockwart angepaddelt. Er brüllt sofort los: “Go! Five minutes! Go!” Als ich ihn auf Französisch nach dem Grund frage, droht er mir Prügel mit dem Paddel an, außerdem kündigt er an, die Flora von der Muring loszuschneiden. Ich halte die GoPro hoch und teile ihm (zugegeben auch nicht mehr ganz ruhig) mit dass er gefilmt wird und und wir das gerne gemeinsam mit der Gendarmerie diskutieren können. Er dampft ab in Richtung der Flora. Unterwegs trifft er Andrea von der Easy One auf dem Paddleboard. Auch die wird unhöflich zum sofortigen Verschwinden aufgefordert. Aber sie weiß ihn besser zu nehmen. Als sie ihn fragt, warum er so unhöflich ist, lenkt er ein und sagt, Schnorcheln sei schon noch ok. Aber danach sollten sie fahren.

Andrea bringt ihm nach dem Schnorcheln ein Stück Kuchen vorbei und siehe da: jetzt erklärt er, die Easy One könne auch noch eine weitere Nacht bleiben (was sie aber gar nicht wollen). Eine mehr als ärgerliche Mischung von Gutsherrenart und Chauvinismus, über die sich auf Noforeignland und bei Active Captain weitere Beispiele zu diesem Typen finden. Sicher kein Aushängeschild für Huahine. Aber eben leider auch kein Einzelfall, insbesondere auf den Gesellschaftsinseln.

Nach dem Frühstück wechseln wir den Bojenplatz und verholen etwa 3 Seemeilen weiter nach Süden. Meine Laune ist noch ziemlich getrübt. Aber sie bessert sich schlagartig bei meiner Sporteinheit, als das Foilen (gezogen vom Dinghy) diesmal endlich deutlich besser klappt.

Ohne Stürze geht es natürlich trotzdem nicht ab.

Wechselbäder.