Diesel tanken auf Galápagos

Vor dem nächsten, noch nicht gleich aber eben doch bald anstehenden seeeehr langen Schlag wollen wir unseren Dieseltank wieder füllen. Der Ultimate gehts genauso.

O.k., eine Bootstankstelle mit Ponton oder Kai gibt es nicht, es gibt ja nicht einmal einen Fähranleger. Die kleine Fähre nach Santa Cruz ankert wie wir im Naturhafen, die Fahrgäste werden dann mit dem Taxiboot hinüber gebracht. Einen Dinghysteg gibts übrigens auch nicht, die Dinghys würden ja auch gleich von den Seelöwen besetzt werden, das will keiner.

Ich hatte schon gelesen, dass das Betanken aus Fässern bzw. großen Kanistern erfolgt. Immerhin müssen wir den Diesel nicht mit unseren 20-Liter-Ersatzkanistern von der Straßentankstelle holen, das wäre bei den benötigten 200 l doch ein ziemlicher Aufwand. Aber sollen wir aus den Fässern erst in Kanister umfüllen und von da aus in den Bootstank? Oder direkt per Schüttelpumpe (aber da wäre jedenfalls der Schlauch unserer Pumpe vielleicht etwas kurz)?

Wir fragen unseren Agenten Danny, ob wir das besser hier auf San Christobal oder vor dem Ausklarieren in Santa Cruz machen sollten. Klare Antwort: weit besser hier, hier sei es zertifiziert und und durch den geringeren Schwell auch einfacher. Und er beruhigt uns auch hinsichtlich des Vorgangs.

Tatsächlich funktioniert das Betanken dann viel einfacher und unproblematischer als gedacht. Danny organisiert es und kommt mit einem Wassertaxi voller großer Kanister (jeder fasst 16 Gallonen, also etwa 60 Liter) längsseits an die Flora.

Eine mobile Dieselpumpe hat er auch dabei. Der Diesel wird aus den Fässern (durch einen Filter) in einen durchsichtigen Schlauch gepumpt, der wiederum in einer ganz normalen Zapfpistole endet.

Drei große blaue Kanister (3 x 16 Gallonen) und einmal extra abgefüllte 5 Gallonen werden ratzfatz umgepumpt und unser vorher halb leerer Tank ist wieder randvoll mit Diesel. Super.

Der ganze Tankvorgang einschließlich Lieferservice kostet 253 US$ für die 200 Liter, also bei heutigem Umrechnungskurs 229 Euro bzw. 1,145 € pro Liter 😊.

Stützen gegen das Vergessen

Die Wellen im Delaware-River halten uns noch ein bisschen in Lewes fest. Bis zum Eingang in den Chesapeake-Delaware-Canal müssen wir gut 50 sm den Fluss hinauf, der sich hier unten aber eher als eine bis zu 40 km breite Meeresbucht präsentiert.

Etwa 25 kn Wind aus Nordnordost haben wir, der Fluss geht nach Nordwest hinauf, eigentlich segelbar. Bloß, die Strömung im Fluss beträgt bis zu drei Knoten und wechselt tidenbedingt, wir müssen also mit auflaufender Tide hoch. Wind gegen Strom, aber nur schräg, nur ein bisschen also, das könnte doch gehen? Wir machen einen Versuch. Als wir um den äußeren Breakwater herumkommen, werden wir unsanft daran erinnert, dass es nicht geht! Wilde Kabbelsee, vielleicht auch noch verstärkt durch den Schwell des Hurrikans Teddy weit draußen auf dem Atlantik. Alle Naselang läuft eine Welle komplett bis zu unserer Windschutzscheibe durch. Umdrehen. Zurück hinter dem zweiten Breakwater ankern wir wieder am gleichen Platz in ruhigem Wasser.

Und die Salzwasserflecken auf der Vorschiffskoje erinnern uns zusätzlich daran, dass sich die Dichtung des Vorschiffsluks (auf Lanzarote erneuert) an der Schnittstelle einen kleinen Spalt weit geöffnet hat und Schwallwasser jetzt einen Weg hindurch findet. 😖

Na gut, der verlängerte Ankeraufenthalt (für die nächsten beiden Tage sind keine besseren Bedingungen vorhergesagt) bietet ja Gelegenheit, sich der Sache anzunehmen. Und wenn wir schon bei Schiffsarbeiten sind, fällt uns gleich noch mehr ein. Ein Check im Motorraum, Ölstand, Seewasserfilter, Kühlwasser. Ah, die Handpumpe für den Dieseltank. Der sollte doch auch mal wieder kontrolliert werden 😊.

Das ist auf unserer Hallberg-Rassy 43 eigentlich eine feine Sache. Im Motorraum gibt es eine Handpumpe, mit der Diesel aus dem Sumpf am tiefsten Punkt des unter den verschraubten Bodenbrettern im Salon montierten Dieseltanks gefördert werden kann. Wenn sich (Kondens-)Wasser oder Verschmutzungen im Tank befinden oder die gefürchtete Dieselpest zugeschlagen hat und einen zähen Schlamm aus Mikroorganismen im Dieseltank bildet, würde man das bei der mit der Handpumpe heraufgeförderten Probe (zumindest mit einiger Wahrscheinlichkeit) feststellen. Ein Blick ins Wartungslogbuch bestätigt: schon wieder zu lange nicht kontrolliert. Erstmal die Niedergangstreppe abbauen, den Teppich hochnehmen, Kontolldeckel im Fußboden auf, Ventil für die Handpumpe öffnen. Welches der sechs war es gleich? Zum Glück sind sie beschriftet.

“Drain Fuel Tank” öffnen, dann in den Motorraum und pumpen. Ein bisschen heller Diesel aus dem Schlauch fließt ins Glas, dann wird das Pumpen schwer und nix kommt mehr. Verstopft? Etwa Dieselpestplocken? 😨

Nachdenken. Da war doch letztes Mal auch irgendwas? Irgendwann fällt der Groschen. Ein zweites Absperrventil sitzt versteckt unterhalb der Pumpe, ohne Knebel, nur mit einem Schraubenzieher zu bedienen, wie Chief Jan herausgefunden hatte, als wir die Pumpe wegen Festsitzens austauschen mussten, der Vorbesitzer hatte sie wohl auch nicht allzuoft benutzt. Das war mir blöderweise schon wieder entfallen.

Schlitz quer: Ventil geschlossen

Nochmal soll mir das nicht passieren, also muss gleich der Etikettierer dran:

Wie man sieht, sind im Motorraum schon andere Etiketten angebracht. Der ein oder andere mag das für übertrieben halten, aber z.B. die Neun❗️Seeventile im Motorraum möchte ich im Notfall nicht erst zuordnen müssen und auch die vier Wasserpumpen im Motorraum (Frischwasser, WC, Duschwanne, Bilgepumpe) sind mit Labeln versehen (im Bad im Vorschiff sind noch ein paar weitere).

Übrigens fördert die Handpumpe dann zum Glück nur Diesel, aber trotzdem eine Überraschung: er ist rosa gefärbt. Hm. Aus englischen Yachtzeitschriften ist mir die Steuerproblematik um “Red Diesel” in Erinnerung, in Deutschland das Färben von Heizöl aus gleichem Grund, wobei das auch einen anderen Schwefelgehalt und andere Additive haben sollte. Wie sieht es in den USA aus? Der Diesel ist an den Bootstankstellen nicht billiger als an den Straßentankstellen, wenngleich mit zumeist weniger als 3$ pro US-Gallone (=3,78 Liter) deutlich günstiger als in Deutschland. Und doch, das Prinzip ist das Gleiche. “Dyed Diesel”, also (rot) gefärbter Diesel, wird an den Bootstankstellen verkauft und ist “not to be used for on-road vehicles”. Wieder was gelernt.

Und im Hinterkopf die Fragen, ob wohl in Europa Yachten Ungemach droht, die in den USA mit “Dyed Diesel” betankt und z.B. per Frachter zurück über den Atlantik gebracht wurden. Oder wann durch Nachtanken mit ungefärbtem Diesel der Art Farbstich wieder verschwindet ⁉️.

Tag 1 Passage Bahamas USA

Ob wir durch den Tankstop in Clarence Town nun ausgecheckt sind oder nie eingecheckt haben ist egal: ab jetzt geht es nordwärts Richtung USA. Nochmalige Rückfrage bei Salty Dawg ergibt, dass in den beiden von uns angestrebten Häfen Beaufort und Norfolk das Cruising Permit auch bei direkter Anreise aus den USVI bisher nie ein Problem gemacht hat. Gut.
Heute segeln wir erstmal bei feinem Halbwind wieder die 40 sm hoch nach Conception Island. Ein kräftiger Biss unterwegs und ein zehnminütiger Kampf, dann kommt der Fisch doch noch vom Haken frei. Tja. Aber nicht lange später meldet sich Steve über Funk: er hat eine Golddorade reingezogen. Er tröstet uns, wahrscheinlich hätten wir sie müde gemacht. Jedenfalls reicht sie für die Crews beider Boote.
Helena und Steve entnehmen ihrem PredictWind-Wetterbericht, dass morgen ein Wetterfenster für die Passage aufgeht. Nach unserem Bericht von Wetterwelt hätten wir dagegen zwar erst guten Wind, dann aber Montag 35 kn auf die Nase. Mal sehen, welche der Entwicklungen sich bewahrheitet. Wir werden morgen jedenfalls erstmal weiter Richtung Norden gehen, glauben aber bisher nicht dass das schon der Absprung sein wird.
Für alle Fälle backen wir mal wieder ein Brot und füllen den Wassertank und die Batterien.

HOCH UND HINAUS

Am Samstag spät in der Nacht treffen unsere Freunde Christian und Maria ein. Maria plant, bis zu den Kanaren auf Flora mitszusegeln. Die beiden kommen direkt vom Charterurlaub in den Kykladen, haben also eine kleine Europa-Odyssee hinter sich. Der Sonntag gestaltet sich eher ruhig, außer dass wir das Großsegel tauschen und das neue Groß aus Hydranet einziehen.

Montag nutzen wir erstmal den Mietwagen, mit dem die beiden von Málaga hergekommen sind und widmen uns noch einmal unserer fast leeren griechischen Gasflasche. Tatsächlich bekommen wir sie auch hier nicht befüllt, ABER die verrostete Stahlflasche wird kostenfrei gegen eine Aluflasche gleicher Größe mit Butangas getauscht. Aus dem Baumarkt besorgen wir noch den passenden „Clip-on“-Regulatoraufsatz, schließen alles auf Flora an und: es funktioniert! Außerdem erledigen wir mit dem Auto auch gleich noch einen größerer Verproviantierungseinkauf.

Am Nachmittag erkunden wir dann „the upper rock“, also den Felsen von Gibraltar, der steil bis auf 426 m ansteigt. Er ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse, mit militärisch motivierten Höhlensystemen aus verschiedenen Kriegen, aber auch mit imposanten Tropfsteinhöhlen.

Aber noch viel mehr ist „The Rock“ natürlich bekannt für die einzige in Europa frei lebende Affenpopulation. Die Berberaffen (Macaca Silvanus) sind zutraulich bis dreist. Sofern man etwas dabei hat, was sie als Futter erkennen, wird von ihnen auch überfallartig der Rucksackreisverschluss geöffnet oder das Auto angesprungen, ansonsten aber sind sie friedlich.

Vom Kamm aus können wir den Blick in fast alle Richtungen genießen, auf dem Rückweg dann auch über die Landebahn des Flughafens hinüber bis zu unserem Boot im Hafen von La Línea.

Im modernen Teil Gibraltars im Vordergrund beschließen wir den Abend im Ocean Village, einem Kneipen-, Restaurant- und Kasinodorf am Hafen.

Und heute morgen ging’s dann früh los:

(Foto Credit: Christian) erst einmal günstig volltanken im zollfreien Gibraltar und dann drei Stunden nach Hochwasser Gibraltar hinaus. Eine große Schule Delphine empfängt uns in der Bucht und mit bis zu zweieinhalb Knoten mitsetzendem Strom werden wir quasi durch die Meerenge und vorbei an Europas südwestlichstem Festlandspunkt Tarifa gespült.

Wir sind auf dem ATLANTIK!

Bis zum Cabo Roche (Conil) können wir vor dem Wind (zumeist Schmetterling) segeln, zum Teil müssen wir das Groß dabei allerdings bis ins zweite Reff nehmen. Der Wind hat seit Gibraltar mit uns mitgedreht. Jetzt ist er leider eingeschlafen aber wir haben es auch nicht mehr allzu weit bis zu unserem Tagesziel Cádiz.