Ab durch die Mitte: Lomaiviti

Fiji gliedert sich in 14 Distrikte, aber obwohl wir schon drei Monate durch Fiji segeln, haben wir erst zwei davon besucht. Das hat mit der Weitläufigkeit Fijis, aber auch mit dem Zuschnitt der Distrikte zu tun. Allein 8 der 14 Distrikte liegen auf der Hauptinsel Viti Levu, da waren wir bisher mit Flora noch nicht. Der erste von uns besuchte Distrikt „Cakaudrove“ beinhaltet neben einem großen Teil der zweitgrößten Insel Vanua Levu in der Umgebung von Savusavu auch die Nachbarinsel Taveuni. Und der zweite von uns besuchte Distrikt „Lau“ hat zwar nur 9.600 Einwohner, aber die leben eben verteilt auf abgelegenen und über rund 400 km verstreut liegende Inseln im Osten Fijis. Da gab es viel zu entdecken.

Jetzt aber geht es in das Herz Fijis, geographisch und auch historisch. Lomaiviti heißt dieser Distrikt, der die Inselgruppe im Zentrum bezeichnet. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn Lomai bedeutet auf fijianisch Mitte/Zentrum/Inneres und Viti eben Fiji. Historisch war zudem bis 1882 Levuka auf der zu Lomaiviti gehörenden Insel Ovalau die Hauptstadt Fijis.

Das Wetterfenster ist ausnahmsweise günstig, um von Savusavu aus nach Süden in Tagesetappen durch Lomaiviti zu segeln. Unser erstes Ziel ist dabei die Insel Koro. Diese fruchtbare Vulkaninsel bietet zwar wenig guten Ankergrund, aber vor einem Resort in Nordwesten der Insel sind mehrere Mooringbojen ausgebracht. Ideal für einen Übernachtungs-Zwischenstopp, zumal kein Sevusevu erforderlich ist und die etwa 8 Euro Mooring-Gebühr gleichzeitig als Verzehrgutschein an der Bar gilt.

So hatten wir es vorher gelesen und so ist es im Prinzip auch, nur ist das Resort eigentlich noch gar nicht in Betrieb. Als wir mit dem Dinghy am ewig langen Steg des Resorts anlanden, die nur mit Angelschnur befestigte Aluleiter hinaufklettern und zur Rezeption gehen, wird das beim Näherkommen immer deutlicher. Was aus der Ferne durchaus ansehnlich schien, entpuppt sich als aktive Baustelle.

Immerhin, die Rezeptionistin gibt uns an der Bar zwei Dosenbier und wir dürfen uns auch auf dem Baustellengelände bewegen, sogar die Hängematten am Strand benutzen.

Und wir sehen mehrere der auf dieser kleinen Insel endemischen Koro-Rotglanzsittiche, einer Unterart der Pampadursittiche.

Am nächsten Morgen zieht es uns dennoch früh weiter, wir wollen den günstigen Wind für einen 45 Seemeilen langen Schlag hinunter in die Lagune von Gau nutzen. Es wird ein wunderschöner Segeltag bei bestem Wetter.

Bei der Einfahrt in die Lagune allerdings sehen wir, dass sich an einem Hügel der Insel ein Feuer entwickelt. Rauchwolken kleinerer Brände sind auf Fiji Alltag, völlig normal. Müll wird verbrannt, Felder abgeflammt. Das hier sieht anders aus, entwickelt sich weiter, läuft bei starkem Wind in beide Richtungen die Hänge hinauf.

Wir überlegen ernsthaft, ob wir weiterfahren sollen, auch wenn der Wind den Rauch von unserem Ankerplatz zum Glück fernhält.

Beim Sevusevu am nächsten Morgen (im Dorf Sawaieke sind Sonnenbrillen o.k., Rucksäcke tragen jedoch tabu) erklärt uns der Chief dann aber bei Tee und Roti, das sei kein außergewöhnliches Feuer gewesen. Ein Farmer habe nur sein Feld-Yams abgeflammt und würde jetzt die Wurzeln ernten. Alles ganz normal. Hm. Wir hatten uns wirklich Sorgen um das Dorf gemacht, das genau zwischen dem Feuer und unserem Ankerplatz liegt.

Überhaupt, der Ankerplatz. Zwar ist die Einfahrt in die geschützte Lagune im Westen der Insel Gau recht einfach, aber trotzdem statten ihr vergleichsweise wenige Boote einen Besuch ab. Die Lagune ist fast überall über 30 m tief und steigt dann zum auch landseitig vorhandenen Korallenriff steil an. Wir ankern in der Herald Bay, hier zeigt das Satellitenbild im landseitigen Riff mehrere größere Sandflecken zwischen tiefer liegenden Bommies. Als wir näher kommen, können wir sowohl die Korallen als auch den Sandgrund auf 8 m Tiefe gut erkennen. Nach dem Manöver schnorcheln wir den Raum noch einmal ab, in dem Flora herumschwingen kann. Ganz viel Platz haben wir nicht, aber es geht und etwas besseres werden wir hier nicht finden.

Schön ist dafür, dass wir von der Bucht aus auf einem Feldweg einen herrlichen Spaziergang ins Dorf machen können. Mal mit Aussicht auf die Lagune, mal mit Papagei im Dickicht, mal sogar mit einem kleinen Bachlauf. Frei laufende Schweine mit ihren Ferkeln nutzen ihn zur Abkühlung …

… aber im Matsch des Bachufers entdecke ich noch eine gut getarnte echte Besonderheit: Schlammspringer (engl.: Mudskippers)! Die habe ich überhaupt erst einmal gesehen, das war vor über 10 Jahren in Hagenbecks Tierpark in Hamburg. Jetzt sitzen diese 10 bis 15 cm kleinen Wunder der Natur hier im Morast und auf Ästen am Ufer herum. Es sind amphibisch lebende Fische, die den Großteil ihres Lebens außerhalb des Wassers verbringen. Mit ihren Brustflossen können sie sich an Land hüpfend fortbewegen.

Noch ein paar Impressionen aus dem Dorf Sawaieke:

Wir besuchen auch noch die Schule des Ortes, hier werden Kinder bis zur 8. Klasse unterrichtet. Und auch wir lernen etwas: der Lehrer klärt uns lachend darüber auf, dass die Steine am Hang unterhalb des Schulgebäudes keineswegs für das von uns hinterfragte Notsignal S.O.S. stehen. Finanziell knapp sei man, aber nicht in Not.

Vielmehr heißt es S.D.S, Kürzel für Sawieke District School. ☺️

Von der Viani Bay nach Taveuni, Satellitennavigation und Datumslinie

Ein weiterer Ausflug steht auf dem Programm. Das hat verschiedene Gründe. Ein ganz profaner: unser Bargeldbestand an Fiji$ neigt sich dem Ende zu. Vor zwei Monaten konnten wir zuletzt an einem Geldautomaten Bargeld ziehen, das war in Savusavu. In der Lau-Gruppe war sowieso nur Bargeld gefragt, aber auch Restaurant, Ausflug und Tauchbasis hier in der Viani Bay bezahlt man besser in bar. Die Gebühren für den hier immerhin möglichen Einsatz der Kreditkarte liegen bei 3,5 bis 4 Prozent. Das ist ziemlich happig, in Fiji aber absolut üblich. Da wirkt die 1%-Gebühr am Geldautomaten dann schon wieder günstig. Außerdem locken auf Taveuni auch noch Sehenswürdigkeiten der Insel, die wir bei unserer Stipvisite bei Paradise im Süden der Insel nicht besucht haben.

Die Fahrt mit dem offenen Boot von Viani Bay führt etwa 6 Seemeilen über die Somosomo Strait nicht direkt zum Hauptort von Taveuni, sondern zum ein paar Kilometer südlich gelegenen Fähranleger Waiyevo. Obwohl das Wasser auf der Hinfahrt noch relativ glatt ist, wird es an Bord schnell feucht. Ralph und ich kauern uns auf dem Boden sitzend in den Schutz des hochgezogenen Bugs, Wiebke und Barbara schützen sich mit ihren Regenjacken und später mit einer zusätzlichen Plane.

Auf der nochmal deutlich „spritzigeren“ Rückfahrt wird die Plane zur Abdeckung von Roberts Einkäufen für sein Tauchresort benötigt, da werden die beiden dann komplett durchnässt. Als unser Gefährt nach der Hinfahrt friedlich und idyllisch neben dem Fähranleger ankert, wissen wir das natürlich noch nicht.

Robert hat uns ein Taxi für das Sightseeing organisiert und Fahrer Marc bringt uns zunächst zur Wairiki Catholic Church, einem Wahrzeichen von Taveuni. Eine weinende Maria, ein Splitter vom Kreuz Christi als Reliquie in einem Kreuz, ein kindlicher Jesus mit einer Weltkugel, auf der neben viel Wasser statt Kontinenten nur einige kleine Inseln zu sehen sind, die Kirche weist einige Besonderheiten auf. Nur eines der Seitenschiffe ist mit Bänken versehen, ansonsten zeichnet nur ein roter Läufer den Weg zum Altar über den blau wie das Meer glänzenden nackten Fußboden des Gotteshauses.

An die Kirche angeschlossen ist eine der insgesamt fünf weiterführenden Schulen der Insel. Mädchen und Jungen leben im Internat in den Räumen der ehemaligen Mission.

Die nächste Station unserer Taxitour führt uns zu einer Linie, die uns die Navigation zuletzt ein bisschen erschwert hat.

Wegen der zum Teil uralten Vermessung sind die Angaben in den Seekarten von Fiji ziemlich unzuverlässig. Wir nutzen deshalb gerne die Möglichkeit der Navigation mit Satellitenbildern. Ein Beispiel: das über die Seekarte gelegte georeferenzierte Satellitenbild zeigt, dass sich das Riff tatsächlich einen Kilometer neben der Position in der Seekarte befindet:

Aber auch die Navigation mit Satellitenbildern hat ihre Tücken, etwa wenn Wolken oder Reflektionen auf dem Satellitenfoto die Sicht teilweise verdecken. Oder wenn der „Blattschnitt“ der zusammengesetzten Einzelfotos für Irritationen sorgt. Oft lässt sich das aber vermeiden, indem wir einfach auf Satellitenfotos eines anderen Anbieters wechseln, etwa von GoogleEarth zu den Apple’s Bing oder zu den NASA-Karten auf Noforeignland. Hier auf Taveuni aber weisen alle eine mehr oder weniger breite Schnittkante auf:

Der Grund dafür (und für die Schwierigkeiten vieler Routenplanungsprogramme an diesem Ort) ist einfach. Von Nord nach Süd verläuft quer über Taveuni der 180ste Längengrad, die grundsätzliche Datumslinie. Hier könnte man eigentlich mit einem Schritt über diese Linie vom Heute ins Gestern (oder von der anderen Seite ins Morgen) springen. Taxifahrer Marc zeigt uns denn auf der Fahrt dorthin auch das „erste Kino der Erde“, das allerdings schon seit Jahren geschlossene „180th Meridian Cinema“.

Praktisch funktioniert das Hin- und Herspringen im Datum auf Taveuni allerdings ohnehin nicht, denn in ganz Fiji gilt als Normalzeit die Zeitzone UTC +12, wir sind also der Greenwich-Zeit des 0-Meridians um 12 Stunden voraus. Wäre ja auch unpraktisch, wenn östlich der Linie zum Beispiel noch Sonntagabend, westlich aber schon Montagabend wäre. Trotzdem gibt es auf dem 180sten Längengrad ein kleines Denkmal mit Schautafeln.

Ein paar hundert Meter weiter hält das Taxi erneut, diesmal wegen einer natürlichen Attraktion. Die Bäume am „Garden Island Resort“ hängen voller Flughunde. Wir dürfen aufs Gelände und die großen Fledertiere ganz aus der Nähe betrachten.

Sie lassen sich von uns überhaupt nicht stören, hängen einfach ab, kitzeln ihre Nachbarn, bohren in der Nase oder machen ein Nickerchen.

Und auch unsere nächste Station hat es tierisch in sich. Es geht zu Waitavala Natural Waterslide. Ein Bachlauf schießt hier zwischen rundgeschliffenen Felsen den Berg hinunter. Insbesondere nach stärkerem Regen kann man diese natürliche Rinne auf eigene Gefahr als Wasserrutsche benutzen, angesichts der Absätze mit ihren Wasserfällen in einigen Bereichen sicher kein ganz ungefährlicher Spaß.

Wir beschränken uns denn auch lieber auf eine Wanderung durch den Wald an der Rinne entlang.

Und wir bekommen noch eine Belohnung, im Geäst über uns zeigt sich eine nur auf Fiji und dort nur auf Vanua Levu und eben Taveuni vorkommende Papageienart, die etwa 40 cm großen Pompadursittiche.

Im diffusen Gegenlicht des Blätterdaches kommt ihr buntes Federkleid mit der rotbraunen Brust und den grünblauen Flügeln nicht voll zur Geltung (im Englischen heißen sie Red Shining Parrot), beeindruckend ist es aber auch so schon.

Als wäre das nicht genug, belohnen wir uns nach dem „Geld tanken“ im Hauptort Somosomo noch ein weiteres Mal. Ein deutscher Auswanderer betreibt mit seiner italienischen Frau eine Bio-Landwirtschaft auf Taveuni. Aus den selbst angebauten Früchten produzieren die beiden unter anderem auch eigenes Speiseeis bzw. Sorbet, für das sie in Somosomo einen kleinen Verkaufsstand unterhalten. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Lecker!

Matthew und die karibischen Farben

Matthew Town führt zwar “Stadt” im Namen, ist aber eigentlich ein mittleres Dorf. Schachbrettartig angelegt, eine Hauptstraße führt vom Leuchtturm durch das Dorf zum Flugplatz und weiter zur großen Saline. Es gibt ein paar Restaurants, einen kleinen Supermarkt, eine Bank. Und sogar ein kleines Gesundheitszentrum.

Wir wandern erst einmal zum Leuchtturm. Das 1870 in Betrieb genommene Feuer leuchtet (entgegen der Angaben in der Seekarte und im Internet) inzwischen nicht mehr.

Als wir hinaufsteigen (die Tür steht offen) sehen wir auch warum. Lampe und Linse fehlen völlig. Überhaupt ist der Zustand drinnen einigermaßen marode.

Ein paar der Holzstufen wurden ersetzt, eine fehlt völlig, weil auch ihre Aufnahme weggerostet ist.

Aber oben angekommen gibt’s eben einen tollen Ausblick über die Insel.

Wie der Leuchtturm wirkt auch der Rest des Ortes ein bisschen verlassen, aber die wenigen Menschen, die wir treffen sind super zuvorkommend und nett. Ein vorbeifahrender Truck hält an und fragt, ob wir mitfahren wollen. Autos machen bereitwillig Platz, die Fahrer grüßen freundlich auch uns Fremde.

Der Bankautomat spuckt für uns kein Geld aus, aber der Security-Mitarbeiter erklärt uns, was wir morgen für die Geldauszahlung in der Bank mitbringen müssen, nämlich neben der Kreditkarte ZWEI Ausweise (Pass und Führerschein), sonst gibt’s nichts. Gut zu wissen und so läuft es dann auch.

Zwei Bars am Strand sind noch zu bzw. werden gerade hergerichtet. Das Ambiente spricht schon mal an, auch wenn die Natur die wirklich tollsten Farben zusteuert.

Auch die Vogelwelt zeigt uns mal wieder eine wunderbare Seite: wir entdecken tatsächlich die ersten wild lebenden Papageien seit wir in der Karibik sind. Hatten wir viel früher und häufiger erwartet, aber um so schöner, dass es jetzt dock klappt. Zumal es wieder einmal eine endemische Art ist, der “Bahamas-Papagei”.

Als Zugabe gibt’s noch einen Fischadler (Osprey) am Strand

und den kleinsten auf den Bahamas heimische Raubvogel, einen Buntfalken (nahe verwandt mit unserem Turmfalken):

Eine große Population an Flamingos lebt zudem im Inselinneren am Lake Rosa. Aber nachdem uns der Immigration-Officer eröffnet, wir könnten auch vorzeitig den vorgeschriebenen 5-Tage-Test absolvieren (nämlich fünf Tage nach dem PCR-Test in der Dominikanischen Republik und nicht wie offiziell verkündet 5 Tage nach Einreise), begeben wir uns gleich zum Test in dem immerhin flamingorosa-farbenen Gesundheitszentrum.

Mit dem (zum Glück wiederum negativen) Testergebnis, das per Email innerhalb von zwei Minuten nach dem Test da ist, sind wir jetzt frei, uns innerhalb der Bahamas zu bewegen. Vorher mussten wir täglich eine Gesundheitsmeldung online ausfüllen, brauchten also Internet. Aber jetzt können wir auch an abgelegene Stellen, wie erstmal die Man-O-War-Bay auf Great Inagua und dann das Hogsty Reef, wo wir keinen Empfang haben werden.

Vielleicht können wir aber den ein oder anderen Bericht (ohne Fotos) per Iridium hochladen.

Immer noch Guadeloupe: noch mehr Tauchen, Vögel und Bootsarbeit

Das Tauchen wird uns hier so einfach gemacht, es ist die wahre Freude. Nur eine kurze Dinghyfahrt, schon sind wir am Tauchplatz. Mit Ingo betauche ich am Vormittag das Wrack der Franjack. Der kleine wohl ehemals dänische Frachter wurde im Hurrikan Hugo 1989 von der Besatzung aufgegeben und letztlich 1996 als künstliches Riff und Tauchplatz hier versenkt. Am Rande des Ankerplatzes kennzeichnen zwei Bojen das Wrack. Wir machen das Dinghy an einer davon fest und lassen uns in die Tiefe gleiten.

Etwa 20 m unter uns sind die Umrisse erkennbar und mit jedem Meter hinab wird der Frachter deutlicher sichtbar. Obwohl die Lichtverhältnisse an diesem eher bewölkten Morgen nicht toll sind fasziniert uns der einerseits gut erhaltene und anderseits auch schon reichlich bewachsene Frachter so sehr, dass wir nach dem Tauchgang noch im Neoprenanzug die Tauchflaschen zum Wiederbefüllen wegbringen und an Nachmittag, diesmal zusammen mit Wiebke, einen weiteren Tauchgang an der Franjack machen.

Mit dem jetzt etwas besseren Licht genießen wir auch die vielen Fische (hier Blaustreifengrunzerfische im Vordergrund und viele Goldstreifengrunzer hinten). Und wir trauen uns in den (oben auf großer Breite extra geöffneten) Maschinenraum des Schiffes hinunter, in dem die (gereinigte, also von Öl und Betriebsmitteln befreite) Hauptmaschine vor sich hinrostet.

Am nächsten Tag könnn wir uns nicht recht lösen und so schnorcheln Wiebke und ich noch ein bisschen, bevor wir der Easy-One nach Deshaies folgen, wo am Freitag Abend ein Karnevalsumzug stattfinden soll.

Auch dabei lassen sich wieder tolle Dinge entdecken, etwa dieser Bunte Spiralröhrenwurm (auch Tannenbaumwurm genannt) auf einer Kleinen Sternkoralle. Die „Tannenbäume“ sind dabei die außen liegenden Kiemen des Wurmes.

Adlerauge Wiebke erspäht sogar einen noch ganz kleinen Oktopus, der unter den Stacheln eines Seeigels Schutz gesucht hat und der bei Annäherung flott die Farbe wechselt, da lassen wir ihn lieber in Ruhe bevor er Panik bekommt.

In Lee von Guadeloupe motoren wir gut 10 sm weiter in die schöne und recht tief eingeschnittene Bucht von Deshaies.

Gemeinsam mit der Crew der Easy-One wandern wir hoch zum oberhalb des Ortes liegenden botanischen Garten. Und endlich sehen wir auch Papageien. Auf Dominica hatten wir noch vergeblich nach dem dortigen Wappenvogel und irgendwie ja auch Symbol der Karibik Ausschau gehalten. Hier im botanischen Garten gibt es einige, wobei die Mehrzahl in (betretbaren) Volieren gehalten wird, nur die Gelbbrustaras scheinen sich frei bewegen zu können. Aber erstmal entdecken wir die etwas kleineren Allfarb-Loris.

Übrigens sehen wir – selbst hier im botanischen Garten mit seinen vielen Blüten – auffallend wenige Insekten auf den bisher besuchten karibischen Inseln. O.k., einige Planzen werden offenbar von Kolibris bestäubt, aber trotzdem. Bienen, Wespen oder auch nur Fliegen sind zumindest bisher selten, zu unserem Glück allerdings auch Moskitos. Bei letzteren hoffen wir allerdings, das es so bleibt. Die kleine Anolis hier sieht das vermutlich anders 😉:

An Flamingos und diversen, bei uns als Zimmerpflanzen gehaltenen, hier aber mindestens buschgroßen tropischen Gewächsen vorbei kommen wir schließlich zu den Gelbbrustaras.

Und wo wir schon bei Gelbbrust sind: der auf diesen Inseln so typische etwa Sperling-große Zuckervogel (Bananaquit) lässt sich auch endlich von mir ablichten, in einer Ecke des Gartenrestaurants, in der wir die einheimischen Biere testen:

Oh, ohne etwas Bootsarbeit wäre das Ganze ja wohl langweilig und so beschert uns Flora mal wieder eine Überraschung: Vor dem Ankerauf-Manöver an den Pigeon Islands schaltet Wiebke die Sicherungen ein. Ein paar Minuten später rattert plötzlich die elektrische Backbord-Genuawinsch los, aber zum Glück ohne das ein Schot auf ihr belegt ist. Nach anfänglicher Verwirrung schalten wir erstmal schnell die Sicherung aus. Die Untersuchung ergibt dann, das Wasser in den porös gewordenen Tastschalter eingedrungen ist und einen Kurzschluss verursacht. Wir hatten ein ähnliches Problem schon einmal in Griechenland mit dem Fußschalter der Ankerwinsch. Damals begann die Winsch überraschend damit, die Ankerkette einzuholen, während wir auf dem Nachbarboot waren 😬. Zum Glück war damals Mitsegler Jan noch an Bord. Seitdem sind die Sicherungen aus, wenn wir die Winschen nicht benötigen (nicht wie vorher an, um schnell reagieren zu können). Derart vorgewarnt haben wir jetzt Ersatzschalter an Bord und so kann ich das Problem hier in Deshaies einigermaßen schnell beheben. Das Kabel des Original-Lewmar-Schalters ist allerdings so knapp verlegt, dass ich dann doch zunächst die Deckenverkleidung im Durchgang zum Achterschiff abnehmen muss um die neue Verbindung dort herzustellen.

Der eingebaute Ersatzschalter auf dem Backbord-Cockpitsüll. Hoffentlich bleibt er länger wasserdicht, den Test durch den morgendlichen Regenschauer hat er schon mal bestanden.

Und nach getaner Arbeit lässt sich der Sonnenuntergang hinter unserem Ankerfeld umso besser genießen 😊.