Delfine

„Fair winds and following seas“. Genau so soll das.

Hatte ich gestern geschrieben. Und kurz danach gabˋs noch ein Sahnehäubchen obendrauf: Delfine. Hatten wir doch schon? Zum Glück ja, wunderschön z.B. am Dolphin-Day und auf der Passage nach Sizilien. Kann man aber nicht genug davon bekommen. Kaum zu glauben, welche Hochstimmung die Begegnung mit den Meeressäugern an Bord jedesmal auslöst. Und wenn sie dann noch ums Boot herumspielen und Faxen machen 😁

Filmchen dazu:

Heute sind wir nach dem Ankerstop im Süden Fuerteventuras schon sehr früh ausgelaufen, hinüber zu unserem Ziel Puerto de Mogán auf Gran Canaria sind es 80 sm. Der Wind ist wieder achterlich (wenn auch bisher meist zu leicht, um bei der Welle zu segeln), das Wetter schön und mit laufendem Motor produzieren wir auch Strom für den Wassermacher und füllen unsere Tanks, das Leitungswasser auf Lanzarote war uns zu stark mit Chlor versetzt. Delfine haben ich heute noch nicht gezeigt und die Angel ist heute scheinbar nur Dekoration, aber wir geben die Hoffnung nicht auf (sind ja noch einige Meilen und außerdem zehren wir immer noch von dem herrlichen Erlebnis gestern 😁).

Segeln und Abschied

Blauwassersegeln ist schön. Heute besonders, bei achterlichem Wind 💨, Schiebewelle, Sonnenschein.

„Fair winds and following seas“. Genau so soll das.

Und Blauwassersegeln bedeutet auch, viele spannende und völlig unterschiedliche Orte zu besuchen (wie zuletzt das blumige Madeira, das sandige Graciosa und das vulkanschwarze Lanzarote und ab morgen hoffentlich das ??? Gran Canaria). Es bedeutet, immer wieder neue Erfahrungen zu machen. Viele Menschen kennenzulernen, manchmal auch neue Freunde zu finden.

Und es bedeutet, immer wieder Abschied zu nehmen. Von Orten, aber mehr noch von Menschen. Das ist der weniger schöne Teil. Wir hatten Besuch: Wiedersehensfreude und – gefühlt nur kurz darauf – wieder Trennen. Und wir haben Segelfreunde wiedergetroffen, eigentlich schon ein paar Mal. Besonders ist es mit Doris und Christian. Kennengelernt haben wir die Crew der Dancing Pearl in Catania auf Sizilien, wiedergetroffen auf Sardinien, San Pietro, Menorca, Ibiza, in Gibraltar und jetzt auf Lanzarote. Haben herzhaft miteinander gelacht, ernste Gespräche geführt, die weit übers Segeln hinausgingen. Und wir haben uns verabschiedet. Schon oft, und jetzt schon wieder. Die beiden haben die schwere Entscheidung getroffen, ihre Reisepläne zu ändern und nicht in dem ihnen zur Verfügung stehenden Jahr über den Atlantik und zurück zu hetzen. Seitdem ist auch klar, dass unsere Reiserouten sich in nächster Zeit nicht mehr so oft kreuzen werden. Vielleicht noch einmal auf Teneriffa, hoffentlich.

Denkansätze zum Abtauchen

Hier auf Lanzarote gibt es ein Unterwassermuseum, das Muséo Atlántico Lanzarote, eigentlich eher ein Unterwasser-Skulpturenpark. Der Künstler Jason deCaires Taylor hat hier (wie auch in Grenada oder in Cancun, Mexico) lebensgroße Statuen gestaltet und am Meeresboden platziert, wobei er mit seiner Kunst auch politische und gesellschaftliche Denkanstöße gibt.

Besonders deutlich wird dies mit dem „Floß von Lampedusa“. Insbesondere im Zusammenspiel mit der daneben gestellten Gruppe, zwei gesichtslosen Menschen, die ein Selfie in Richtung des Bootes machen. Besonders zum Nachdenken anregend, wenn man selbst das Ganze ja auch gerade fotografiert. Aber auch die größte Skulptur, „Cruzando el Rubicón“ ist in ihrer Aussage deutlich. Eine große Gruppe Menschen strebt einem kleinen Tor in einem hohen Zaun zu, auch wir tauchen hindurch. Danach gibt es kein Zurück, der Rubikon ist überschritten, die Statuen auf der anderen Seite des Zauns sind anders gestaltet. Zum Teil Mischwesen etwa aus Kaktus und Mensch (am Ende gewinnt ohnehin stets die Natur, auch hier, die Statuen werden als künstliches Riff schon von Unterwasserpflanzen besiedelt). Zum Teil (in der Skulpturengruppe „Desregulado“) als Manager in Anzügen, deren „Spielzeuge“ oder Insignien sich verändert haben: Wippen aus Ölpumpen zum Beispiel oder Kravatten mit Galgenstrick-Knoten. Keine leichte Kost, wenn man sich gleichzeitig auf die Tarierung beim Tauchen konzentrieren muss 😉.

Auf der „Natur“-Seite des Zauns zeigen sich übrigens auch weitaus mehr Fische. Blöd nur, ausgerechnet auf diesem Tauchgang einen neuen Fotofilter an der GoPro auszuprobieren und die Aufnahmen nur so „na ja“ werden zu lassen. Grrr.

Übrigens heißt die Marina Rubicón wahrscheinlich nicht nach dem italienischen Fluss, den Cäsar mit seinen Truppen so bedeutungsvoll überschritten hat, sondern nach dem historischen Ort Rubicón, der als erster von den Europäern auf den Kanaren errichtet wurde und (wahrscheinlich) nach den im Abendlicht rötlich (rubicundus) wirkenden Vulkanbergen benannt wurde. Trotzdem hat uns das Wortspiel bezüglich des Unterwasserzaunes und auch die offensichtliche Bezugnahme auf Manriques Kunst (Kaktusgarten und Kunst-Natur/Natur-Kunst) wie das gesamte Muséo Atlántico sehr gefallen.

Und zwei tolle Nachrichten haben uns heute erreicht:

Sönke hat es geschafft, durch persönliche Ansprache im Marinabüro einen Platz für die Flora auf Gran Canaria (Puerto Mogán) zu reservieren, auf unsere Kontaktaufnahmeversuche aus der Ferne hatte man dort schlicht nicht reagiert. Aber da Wiebkes Mutter am Samstag auf Gran Canaria landet, war ein Marinaplatz für uns wichtig.

Aus Hamburg hat uns Bernd Bilder der am Hamburger Wahrzeichen, dem Michel, angebrachten Stiftertafel geschickt, als Abschiedsgeschenk der ADS-Kollegen ist dort für uns eine Widmung angebracht worden.

Ganz lieben Dank!

Ich seh´ schwarz

Neben dem Blau des Himmels und dem Weiß der Häuser ist schwarz hier auf Lanzarote die deutlich vorherrschende Farbe. Der Lavaboden der Insel zeigt sich häufig sehr dunkel. Streckenweise fahren wir mit unserem Mietwagen durch Landschaft, die wie Stein gewordene schorfig verbrannte Riesenhaut oder frisch umgebrochener, dann aber sofort versteinerter Marschboden wirkt.

Aber an anderer Stelle hat der schwarze Boden – jetzt feiner gemahlen – auch sein Gutes. Lanzarote verfügt kaum über nennenswerte Grundwasservorkommen und ist zudem extrem regenarm. Die Trinkwasserversorgung wird heute aufwendig über Meerwasserentsalzungsanlagen sichergestellt, die Landwirtschaft musste sich also früh etwas Besonderes einfallen lassen. Zum Beispiel den Trockenfeldanbau. Und der funktioniert z.B. im Weinbaugebiet La Geria so:

Feiner schwarzer Aschesand, sogenannter Lapili, bildet eine dicke Deckschicht über dem fruchtbaren aber eben trockenen Vulkanboden. Am Lapili kondensiert die Nachtfeuchtigkeit und sinkt nach unten. Der Weinstock wird in einer künstlichen tiefen Mulde des Lapili gepflanzt, die zusätzlich noch von einer halbrunden und ohne Mörtel aufgeschichteten Lavasteinmauer gegen den Wind und die dadurch bedingte Austrocknung geschützt wird. Hektarertrag: nicht der Rede wert. Wahnsinnig viel Handarbeit? Ja! Wird seit Generationen so gemacht.

Meine Cuisine Elke und ihr Freund Uli sind zu Besuch, mit ihnen erkunden wir Lanzarote. Wir besuchen das bekannte Weinbaugebiet, die Feuerberge des Timanfaya-Nationalparks, wo thermische Anomalien in Erdlöchern von wenigen Metern Tiefe schon Temperaturen von einigen hundert Grad Celsius entstehen lassen. Uns Besuchern wird das eindrucksvoll mit sich selbst entzündenden Dornlattichbüschen demonstriert, Moses und der brennende Dornbusch lassen grüßen, aber der Timanfaya-Nationalpark hat für die Montaña del Fuego stattdessen trotzdem ein Teufelchen als Logo gewählt.

Weiter geht es hinunter ans Meer, wo die See mal an steil empor springende schwarze Felsen schlägt, in die für uns extra Besucherbalkone eingelassen sind, mal aber auch Surfern herrliche Brandungswellen vor sandigen Stränden bietet.

Manchmal zaubert es sogar Farbspiele wie den grünen See hinter dem schwarzen Sandstrand bei El Golfo.

Schwarz war auch die Gummidichtung für unser Vorluk (also das Fenster über der Vorschiffskoje). Jedenfalls ursprünglich mal. Inzwischen war sie eher Undichtung und zudem vom eingedrungenen Salz ziemlich grau geworden. Elke und Uli hatten vom Spezialhändler SVB aus Bremen eine neue Dichtung mitgebracht. Zwischen den Ausflügen auf Lanzarote war also mal wieder Handwerken angesagt.

⚠️ Gäste werden übrigens gnadenlos eingebunden ⚠️.

Der Rahmen des Lewmar-Luks ist geteilt und mit ein paar kleinen technischen Gemeinheiten versehen, aber: wir haben das gemeinsam hingekriegt und das Luk ist wieder dicht! Wasserstrahltest bestanden.

Dann also wieder Inselerkundung. 😊 Und dabei kommt man auf Lanzarote an einem Künstler auf keinen Fall vorbei. Wir besuchen das César Manrique Museum der gleichnamigen Fundación, den von ihm gestalteten Kaktusgarten und den ebenfalls von Manrique umgesetzten Aussichtspunkt Mirador Del Rio ganz im Norden der Insel. Neben vielem anderen ist besonders beeindruckend, wie Manrique immer wieder eine Einheit zwischen Umgebung, Natur und seinem Werk schafft, sei es bei den in Lavablasen eingebetteten Räumen seines Hauses, bei dem zudem die Lavafelsen gleichsam durch das Fenster hineingelassen werden, dem amphitheatrisch anmutenden Kaktusgarten In einem ehemaligen Steinbruch oder dem in die Steilwandkuppe eingelassenen Restaurant und Aussichtspunkt mit Blick hinüber nach La Graciosa. Manrique selbst prägte dafür den Ausdruck „Kunst-Natur/Natur-Kunst“.

Und so schafft es Manrique nebenbei auch, dass Lanzarote künstlerisch bei all dem Schwarz dann manchmal eben doch recht bunt daherkommt.

Crewwechsel und erfolgreiche Reparatur

Elke und Uli sind angekommen. Die erste Nacht mussten sie noch mit der Hafentoilette klarkommen, das andere Klo an Bord hinter unserer Achterkajüte wollten sie trotz Aufforderung nicht benutzen.

Aber: beim größeren Schiffsausrüsterladen in Arrecife habe ich doch tatsächlich eine passende Ersatztoilette gefunden. Jetzt gibt’s also wieder zwei funktionierende an Bord 😊. Haben wir gleich mit einem schönen Abendessen in der Stadt gefeiert, mit Blick auf die fast trockenfallende Lagune mit ihren vielen kleinen Bötchen.

Heute dann Atlantiksegeln, unser neuer Besuch stand dem durchaus mit sehr gemischten Gefühlen entgegen, aber alles ging gut:

Und wir sind gut hier in der Marina Rubikon ganz im Süden von Lanzarote angekommen.

Ins Klo gegriffen

Man kann unserer Johnson Elektrotoilette im Vorschiff ja eventuell zu Gute halten, dass sie so lange durchgehalten hat (wenn auch am Ende nur nach Ermuntertung durch leichte Schläge auf das Zerhackerpumpengehäuse), bis unsere Mitseglerin Maria nach vier schönen gemeinsamen Wochen wieder abgereist ist.

Jetzt allerdings hat sie den Geist komplett aufgegeben. Ich erspar Euch die Zwischendurch-Arbeitsbilder. Das schmutzige Ergebnis ist jedenfalls, dass die Pumpe vom Hersteller bestenfalls lausig abgedichtet war. Und damit SCHROTT!

Den Einbau einer hier in Arrecife zu erwerbenden manuellen Toilette haben wir länger erwogen, trotz des heutigen Nationalfeiertags sogar ein entsprechendes (offenes) Geschäft gefunden, aber trotzdem erstmal wieder verworfen. Die Verankerungsschrauben müssten neu gesetzt werden, wir kommen aber kaum an den schmalen Spalt, in dem die Kontermuttern unterzubringen wären. Grrrr.

Also erstmal einen Ersatzmotor für die Zerhackerpumpe bestellt. Zunächst muss die andere Toilette im Achterschiff genügen. Im Vorschiff bis dahin:

Karg ist nicht farblos! Montaña Amarilla

Da hatte ich in meinem vorigen Post doch geschrieben, La Graciosa sei karg und habe ihren Anmuts-Namen wohl quasi aus einem spätmittelalterlichen Marketingversuch heraus erhalten. Und dann das:

Der Wetterbericht sagt einen Sonne-Wolken-Mix voraus, es wird nicht so heiß, beste Voraussetzungen für eine Wanderung auf den Montaña Amarilla, den „gelben Berg“. Der liegt in der Südwestecke von La Graciosa, nicht weit von unserem Ankerplatz entfernt, an der Tauchern und Badenden vorbehaltenen Nachbarbucht. Google Earth wird befragt, lässt einen Rundwanderweg erahnen und liefert in der 3D-Ansicht ein beeindruckendes Bild des erloschenen Vulkankraters, dessen Nordwestseite offenbar bei einer Eruption weggesprengt wurde.

Also die Wanderschuhe an und los? Nein, natürlich nicht. Erstmal müssen wir ein ganzes Stück durch den losen Dünensand, das geht besser barfuß.

Aber schon jetzt zeigt sich, warum der gut 170 m hohe Berg nach einer Farbe benannt ist: die vom Meer angeknabberte Südseite präsentiert sich in einem Mix aus gelbem und rotem Tuffgestein und scheint gerade bei diesem Wetter manchmal regelrecht zu leuchten. Und was für ein Kontrast mit dem gelegentlich knalligen Blau des Himmels oder des Meeres, dem hellen Sand von sowohl Strand als auch manchen Dünen und dem Türkis der flacheren Buchten.

Jetzt mit Wanderschuhen geht’s auf einem zwar unbeschilderten aber meist gut erkennbaren Pfad über loses Geröll hinauf zum Grat des Vulkankraters.

Fantastische Ausblicke über den „Rio“ hinüber nach Lanzarote, über die Buchten und die Ankerlieger, hinunter zum Dorf Caleta del Sebo und auch nach Norden über La Graciosa hinweg zu den anderen Inseln des Naturschutzgebietes Archipelago Chinijo.

Und wie den Farben angepasst, hat sich bei unserer Rückkehr zur Flora eine kleine Palmtaube auf dem Heck unseres Bootes niedergelassen. Schön, ganz viele Tiere haben wir auf La Graciosa sonst leider nicht entdecken können und irgendwie kommt das von meinen Eltern und unserem Grundschuldirektor früh mit vogelkundlichen Wanderungen geweckte Naturinteresse offenbar immer wieder durch 😉.

Heute wollen wir trotzdem unseren herrlichen Ankerplatz verlassen und hinüber nach Lanzarote segeln. An die Ostseite zum Hauptort Arrecife. Zur Abwechslung mal wieder Stadt.

Die Anmutige

La Graciosa, also die Anmutige, die Liebreizende. So hat der normannische Seefahrer Jean IV. de Béthencourt die Insel 1402 benannt, als er Anfang des 14. Jahrhunderts die Kanaren unter der Krone Kastiliens kolonialisierte und christianisierte.

Man darf wohl davon ausgehen, dass nicht seine poetische Ader diese Namensgebung für die nördlichste heute bewohnte Kanareninsel beeinflusste, sondern vielmehr sein Bestreben, die karge Insel ohne Süsswasserquellen für die von ihm gewünschten nachfolgenden Siedler attraktiv erscheinen zu lassen.

Und doch, wenn man in den „Rio“, die nur rund einen Kilometer breite Meerenge zwischen dem hier dunklen und bis zu 400 m steil aufragenden Lanzarote im Süden und der hügeligen, hellsandigen Dünenlandschaft La Graciosas im Norden einbiegt, scheint die Namensgebung nicht mehr so abwegig. Zumal die Trinkwasserversorgung inzwischen durch eine Pipeline von Lanzarote hinüber auch gesichert ist 😉.

Angekommen am Ankerplatz in der Playa Francesca auf La Graciosa

Es gibt keine befestigten Straßen auf der fast 9 km langen und bis zu 4 km breiten Insel, nur einige wenige Sandpisten. Wir ziehen Florecita hoch auf den Strand, es gibt etwa zwei Meter Tidenhub und wir wollen vermeiden, die frisch reparierte Heckspiegel/Boden-Verbindung des Dinghys bei auflaufender Flut durch Hin und her schubbern in den Wellen wieder aufzuscheuern. Dafür haben wir jetzt endlich die Räder aus dem Vorschiff geholt und ans Beiboot geschraubt, sie lassen sich herunterschwenken. „Klappt“ ganz gut 😊. Hätten wir früher ausprobieren sollen.

Und dann geht’s durch die Dünenlandschaft hinüber zum „Hauptort“ der Insel, dem 700-Einwohner-Örtchen Caleta del Sebo. Tatsächlich gibt es im Norden noch Pedro Barba mit 15 Häusern als zweiten Ort.

Caleta Del Sebo, im Hintergrund die dunklen Berge Lanzarotes

Wir trinken eine Caña (kleines Bier) in einem der erstaunlich vielen Cafés/Bars/Restaurants des Örtchens, decken uns in einem speisekammergroßen Supermarkt mit frischem Obst und Gemüse ein und wandern am Strand zurück zu unserer Ankerbucht.

Seidenreiher am Strand
und sind rechtzeitig vor Sonnenuntergang zurück.

Ist das nicht schön?

Ja, das ist nicht schön. Liebes Tagebuch: MERKEN: Längere Törns mit einem AWA von 60-80 Grad (Wind schräg von vorn), 2m Atlantikwelle von der Seite und 20+ Kn Wind sind zum 🤢. Selbst, wenn man dann mit 178 sm in 24 Stunden einen neuen Flora-Rekord aufstellt und insgesamt nur 36,5 Stunden für die 270 sm braucht.

Gast Maria ist so seefest, dass sie das Vorschiff unterwegs mit Erwachsenenwindeln in Petersburger Hängung auskleidet. Hatten wir vorher extra zu diesem Zweck besorgt, weil die Vorluksdichtung ihren Job nicht mehr macht und Abkleben von außen nicht den gewünschten Erfolg brachte. Muss eine neue Dichtung her, dieser Törn hat das sehr deutlich gezeigt.

Oder nicht mehr Am-Wind-Segeln 😉

Licht am Ende der Tunnel

Funchal ist schön, vom Hafen aus kann man das Zentrum, die Oberstadt und auch das alte Fischer- und Handwerkerviertel „Zona Velha“, also die Altstadt gut zu Fuß erreichen. Letzterer war zuletzt etwas heruntergekommen, während die beiden erstgenannten Stadtteile gut in Schuss gehalten wurden. Das rief 2011 eine Gruppe Künstler auf den Plan, die die engen Gassen rund um Funchals älteste Straße Rua de Santa Maria wieder beleben wollten. Etwa 200 Türen und Tore verzierten sie und tatsächlich, Galerien und dann auch Restaurants entdeckten die zuvor (und teilweise auch noch heute) bröckelnden Gebäude neu und das Viertel ist heute wieder sehr belebt, vor allem Abends.

Das vorletzte Türbild zeigt übrigens eines der hiesigen Freibäder. Haben wir auch genutzt, soweit es der Wellengang zuließ. Der Hurrikan Lorenzo ging ja über die Azoren und damit weit an uns vorbei. Trotzdem war er auch hier zu spüren, nicht als Wind, wohl aber in den Wellen. Etwa zweieinhalb bis drei Meter Dünungswelle rauschte noch bis hierher nach Madeira. Im nach Westen offenen Hafen von Porto Santo brach sogar mitten in der Nacht ein Fingersteg ab. Als die Wellen wieder abgeebbt waren sahen die Naturschwimmbäder hier so aus:

Natürliche helle Sandstände gibt’s auf Madeira nicht, hin und wieder werden vor Hotels zwischen Buhnen extra welche aufgeschüttet. Hm. Im Nordwesten der Insel gibt’s in Porto Moniz noch ein besonderes Seewasser-Freibad, das wir auch besucht haben, kostenlos übrigens:

In Porto Moniz haben wir auch erstmals die Bacalhau-Produktion (Stockfisch) live gesehen.

Für uns lag es auf dem Weg zu unserer dritten Levadawanderung, diesmal eben im feuchteren Norden. Wir wurden nicht enttäuscht 😉:

Außerdem konnte ich auf der Wanderung die Fotopirsch auf das kleine Madeira-Goldhähnchen (etwa so klein wie ein Zaunkönig) glücklich abschließen:

Zurück ging es quer durch die Insel. Das darf man durchaus wörtlich nehmen, gefühlt fuhren wir eine größere Strecke in Tunneln als im Freien. Wirklich, auf den rund 51 Kilometern fuhren wir durch 31 oft mehrere Kilometer lange Tunnels.

Mit zum Teil wunderschönen Ausblicken, wie hier (allerdings auf dem Hinweg) auf den Farol de Ponta do Pargo.

Leider war es das fürs erste mit Madeira. Jetzt geht’s gleich los Richtung Kanaren. Wir planen 40-50 Stunden Überfahrt. 😊