San Francisco V: Sausalito

Diesmal also schnappen wir uns das “tiefe” Bojenpaar. Bei Zero-Tide reicht es gerade so eben, dass Floras Kiel nicht auf dem Grund herumkratzt. Die versprochenen 8 Fuß sind das sicher nicht, aber egal.

Jedenfalls können wir in aller Ruhe eine weitere wunderschönen Wanderung auf Angel Island unternehmen. Diesmal geht’s um die Ostseite der Insel herum, mit Blicken Richtung San Pablo Bay, Richmond und später Berkeley.

Auch wenn das Immigration-Museum auch an diesem Tag geschlossen ist, unser Weg führt daran vorbei und so werden wir an die lebensrettende Zuflucht für die einen (in diesem Fall Deutschen) und ebenso an die wirksame Ausgrenzung anderer (in diesem Fall von Asiaten) erinnert.

An der vormals miltärisch genutzten Südspitze der Insel sehen wir vor San Francisco Downtown als Kulisse ein wohl auf Grund gelaufenes Schiff. Ein Schlepper drückt es ganz langsam seitlich von der Untiefe und nach einer halben Stunde kommt es trotz ablaufender Tide frei.

Unsere Wanderung führt uns auf dem Northern Ridge Trail zum höchsten Punkt der Insel, dem Mount Livermore. Beim Abstieg auf der anderen Seite können wir dann unser nächstes Ziel sehen. Die Richardson Bay mit Sausalito. Typisch, über den hinter dem Ort liegenden Bergrücken wälzen sich die Wolken hinüber und lösen sich dabei langsam auf.

Sausalito ist ein nur 7.500 Einwohner zählender Ort, der aber mit seinem schmucken Ortskern und den Villen am Hang sowie seiner großen Hausbootsiedlung zahlreiche Touristen anlockt. Hilfreich dafür ist auch, dass man es gut mit dem (Leih-)Fahrrad von San Francisco aus erreichen kann. Dabei führt die Strecke über die Golden Gate Bridge, die die beiden Städte verbindet. Zurück kann die regelmäßig verkehrende Fähre genommen werden.

Fähre von Sausalito nach San Francisco, da klingelt doch was? Genau, Jack Londons “Der Seewolf” von 1904 beginnt damit, dass der Protagonist Humphrey Van Weyden diese Fähre nimmt (damals gabs die Golden Gate Bridge auch noch nicht). Im dichten Nebel wird die Fähre von einem Dampfer gerammt und versenkt. Van Weyden wird vom Robbenschoner “Ghost” gerettet. Dessen intelligenter und zugleich brutaler Kapitän Wolf Larsen (der Seewolf, in der deutschen Fersehfassung von 1972 gespielt vom Kartoffel-zerdrückenden Raimund Harmstorf) ist der sozialdarwinistische Gegenpol zum humanistischen Schöngeist Van Weyden.

Auch wenn wir vor zweifelhaften Charakteren auf teilweise ziemlich herunter gekommenen Ankerliegern im hinteren Teil der Bucht gewarnt werden, bei uns geht’s zum Glück weniger dramatisch zu und der Nebel hält sich auch in Grenzen.

Wir treffen uns mit Raffi und dessen Freundin Kristin, die uns ihren schönen Ort mit seinen vielen steilen Treppen zeigen.

Raffi holt uns ein weiteres Mal mit seinem Auto ab und fährt uns aus dem sonnigen Sausalito zur Rodeo Cove westlich der Golden Gate Bridge. Das Wetter dort ist – wie so oft am Nachmittag im Brückenbereich – eher abweisend grau in grau. Trotzdem lassen sich die Surfer nicht abschrecken.

Gemeinsam mit Raffi wandern wir auf der beeindruckend hohen und schroffen Steilküste weiter.

Ein klasse Ausflug, den wir noch mit einem Besuch in der Horseshoe Bay am Fuß der Golden Gate Bridge abschließen:

Unsere Flora haben wir inzwischen an eine Boje des Sausalito Yacht Club verholt. Dort können wir die Einrichtungen des Clubs nutzen, vor allem aber können wir dort einfach und zentral mit dem Dinghy anlegen.

Interessantes Detail: Weniger als die Hälfte der Clubmitglieder hat tatsächlich ein Boot. Der Club (mit Bar und Restaurant) wird eher als erweiterte Familie, als sozialer Treffpunkt mit schöner edler Wasserlage, denn als aktiver Sportverein gesehen. Selbst die (vorhandenen) Jollen werden augenscheinlich kaum genutzt.

😉

Gibt’s doch Boote im Yachtclub?

Das geht natürlich auch anders, die Sportsegler-Szene in der San Francisco Bay ist ziemlich aktiv. Als wir von Sausalito mal wieder an den Ankerplatz bei Treasure Island verholen, zeigt der Blick zurück auf Sausalito ein Regattafeld beim Kampf um die Tonnen. Die Rolex Big Boat Series sind im St. Francis Yacht Club zu Gast:

Und auch vor Downtown gehen jetzt am Wochenspende vermehrt die Segel hoch.

Rund Vancouver Island: weitere Eindrücke von der Westküste

Verwöhn-Segeln, Flauten-Motoren, 2. Reff im Nebel. Die Küste mal schroff, mal lieblich, mal mit Sandstrand, mal mit skurriler Felsen-Landschaft. Grün und Grau. Inselwirrwarr, schnuckelige kleine Orte oder jetzt gerade die Großstadt Victoria.

Gemeinsam mit Floras Buddyboat, der SolarCoaster, machen wir die Runde um Vancouver Island komplett. Auf Noforeignland sieht unser (engerer) Track um die große Insel jetzt so aus:

Seit wir Ende April in Campbell River wieder losgefahren sind, haben wir 1.688 weitere Seemeilen in British Columbia geloggt. So langsam naht der Abschied aus Kanada, aber ein paar Wochen sind es noch. In der ersten Augustwoche ist noch ein kurzer Werftaufenthalt geplant. Ein paar Seeventile sollen getauscht und das Unterwasserschiff fit für die Fahrt nach Süden gemacht werden.

Aber noch ist es nicht ganz so weit.

Seit Hot Spring Cove haben wir noch einmal die ganze Vielfalt der wilden Westküste genießen können. Erst einmal zieht es uns wieder tief hinein in die Insel. Wir segeln in das Shelter Inlet. Dieser Fjord führt hinter Flores Island herum und versteckt ganz an seinem Nordende die schmale und erst aus der Nähe überhaupt erkennbare Einfahrt in die Bacchante Bay. Spektakulär mit ihren steilen Gebirgsflanken und den vom Logging verschonten Wälder (Strathcona Provincial Park).

Das ausgedehnte Flach im Scheitel der Bucht ist das Delta des Watta Creek. Wir erkunden ihn ein ganzes Stück mit dem Dinghy, bis das steinige Bachbett einfach zu flach wird.

Am nächsten Morgen gehts mal wieder früh raus. Wir wollen durch die Sulphur Passage östlich an Obstruction Island vorbei, das geht nur um Stillwasser herum. Wie so oft herrscht am frühen Morgen absolute Flaute. Landschaft und Wolken verdoppeln sich im Spiegel des Wassers.

Die Passage selbst ist tief, es macht also nichts aus, dass es Niedrigwasser-Still ist, sondern bietet eher den Vorteil, die sonst überspülten Felsen rechts und links des Fahrwassers erkennen zu können und durch das aufschwimmende Kelp die schmale Rinne gut sichtbar markiert zu finden.

Nachdem die Engstellen passiert sind, geht es 10 Meilen den Millar Channel hinunter, bevor wir uns bei Vargas Island um Flachstellen und Felseninseln herum in den offenen Pazifik manövrieren können. Hier wechseln sich schroffen Steinküste und ausgedehnte Sandstrände ab, während im Hintergrund schneebedeckte Berge das Panorama bilden.

Unter Gennaker segeln wir an der Küste hinunter – traumhaft der Blick auf den Gebirgszug.

Wir lassen Tofino, dass wir ja schon von Land aus besucht hatten, an Backbord liegen. Ebenso den berühmten Ganzjahres-Kaltwasser-Surferstrand Long Beach. Unser Ziel ist das etwas südlicher gelegene und weniger touristische Ucluelet.

Der tägliche Weißkopfseeadler. In Ucluelet einer von ziemlich vielen.

Genau richtig, um im Supermarkt mal wieder die Frisch-Vorräte aufzustocken und am nächsten Tag vor der Abfahrt noch einen schönen Hike auf einem Teil des West Pacific Trail zu unternehmen.

Fischotterweibchen mit Jungtier

Danach dann aber flott los: der Nebel hat sich aufgelöst. Wind ist allerdings fast keiner, unter Motor fahren wir in Richtung der Broken Island Group.

Die Broken Islands bieten reichlich geschützte Ankerplätze, allerdings auch ein Gewirr von einigen passierbaren und vielen nur für Kayaks geeigneten Passagen. Wirklich ein Labyrinth.

Am Ankerplatz treffen wir auf die „New Era“, Freunde von Melanie und Steve, die aus Port Alberni mit ihrem kleinen Motorboot hier her gekommen sind. Gemeinsam verbringen wir den Abend auf der SolarCoaster und verabreden uns für den nächsten Tag im nur wenige Meilen entfernten Bamfield. Sehr gut: bevor wir hineinkommen, angeln wir uns einmal mehr Lachs: zwei (allerdings etwas kleinere) Spring-Salmon gehen an den Haken. In Bamfield macht dann die Crew der New Era den Tourguide, Liz und Darren nehmen uns mit auf den Hike durch den schmucken Ort, weiter zum Brady Beach mit seinen imposanten Felsformationen und dem herrlichen Sandstränden. Danach ist ein Tisch im einzigen Restaurant am Ort reserviert und zum Abschluss gibts Cocktails und „Nanaimo-Bar“ Nachtisch bei Liz und Darren. Wir werden rundum verwöhnt.

Dann folgt wieder einmal Nebel-Segeln. Mal licht, mal dichter. Aber immerhin müssen wir auf dem Weg nach Port Renfrew die Maschine ganz überwiegend nicht einsetzen.

Port Renfrew ist hauptsächlich auf kleine Motorboote ausgerichtet, aber für uns Segler findet sich am äußeren Steg auch noch ein Plätzchen. Das Bild des leeren Hafens täuscht, als wir zu unserer Wanderung aufbrechen wollen, sind die Angelboote alle schon ausgelaufen.

Wir haben Glück, Hafenmeister Simon fährt uns mit seinem Auto die 4 km zum Juan de Fuca Park und holt uns sogar wieder ab. So können wir die geologischen Besonderheiten dort in aller Ruhe erwandern. Im Tidenbereich finden sich unzählige Pools, die wie Aquarien in der Felslandschaft wirken. Bei Abfahrt vom Hafen scheint die Sonne, hier aber sorgt Nebel für eine ganz besondere Stimmung.

Als wir gegen Mittag zurück im Hafen ankommen, hat auch hier der Nebel Einzug gehalten. Unter Radar segeln wir aus der Bucht heraus, denn trotz Nebel weht es ordentlich.

Ziel ist die Becher Bay an der Südspitze von Vancouver Island, rund 40 Meilen weiter im Westen, wir können also den Wind ganz gut gebrauchen, denn wegen der Tide in der Streit of Juan de Fuca können wir erst am frühen Nachmittag aufbrechen. Zum Glück lichtet sich der Nebel nach ein paar Stunden, vor dem Wind rauschen wir dahin.

Am Abend erwartet uns am Ankerplatz eine Überraschung: Melanie hat an unseren 24. Hochzeitstag gedacht und verwöhnt uns mit einer Apple Pie.

Bei der Weiterfahrt nach Victoria bleiben wir heute von dem hier so häufigen Nebel sogar ganz verschont. Nur drüben auf der amerikanischen Seite der Strait zeigt sich etwas Hochnebel.

Und jetzt: zur Abwechslung mal Großstadt. Wir sind gespannt auf Victoria.

Um Cape Scott zur Westküste von Vancouver Island

Die Westküste von Vancouver hat den Ruf, besonders schön und wild zu sein. Die von uns bereits besegelten anderen Küstenstreifen von BC haben ja bereits mit diesen Reizen nicht gerade gegeizt. Wenn es also stimmt, dass insbesondere der Norden von Vancouver Islands Westküste dem noch ein i-Tüpfelchen aufsetzen kann, dann müssen wir da wohl hin.

Allerdings gilt hier – mehr noch als ohnehin sonst in BC – der Vorbehalt: wenn das Wetter es zulässt! Den der Weg führt um die Nordwestspitze von Vancouver Island, das berüchtigte Cape Scott.

Zunächst einmal gilt es, überhaupt in dessen Nähe zu kommen. Ruhiges Wetter ist angesagt, das ist gut. Wir tasten uns heran, indem wir vom Maze Inlet aus über das breite Rivers Inlet und Kelp Head herum erst einmal nach Millbrook Cove im Smith Sound segeln. Und trotz der Vorhersage können wir tatsächlich segeln – wenn auch zwischenzeitlich sehr gemächlich. Aber in dem sich nur langsam auflösenden Nebel ist das nicht das Schlechteste.

Beim nächsten Schlag gilt es dann, die Queen Charlotte Strait zu queren und unseren Absprungort auf Hope Island zu erreichen. Dort – in Bull Harbour – können wir das Timing für die Passage der Nahwitti Bar anpassen. Wieder können wir einen größeren Teil der Strecke segeln, weil erneut etwas mehr Wind ist als vorhergesagt.

Steintroll in der Einfahrt zum Naturhafen Bull Harbour
Strand mit reichlich Treibholz und von der Brandung rund geschliffenen Steinen. Das klackernde Geräusch der rollenden zumeist mindestens Hühnerei-großen Kiesel in den zurück weichenden Wellen bleibt uns im Ohr, es ist bis zum Ankerplatz zu hören.
Strand und Wellen von oben

Seekarten und Törnführer sparen nicht mit Warnhinweisen für diese flache Barre, über die das Wasser mit bis zu 5 kn strömt. Da man den nach Westen setzenden Ebbstrom in Richtung Cape Scott benötigt, allerdings praktisch immer von Westen her die Pazifikdünung anrollt, sollte die Nahwitti Bar bei Slack Tide / Stillschweigen überquert werden.

Für uns und unser Buddyboat SolarCoaster heißt das: früh um 5:30 Anker auf. Dankenswerterweise ist diesmal wirklich kein Wind. So kommen wir gut über die Barre und können im spiegelglatten Wasser trotz morgendlichem Dunst neben vielen Wasservögeln (darunter Nashornalke) und Seeottern auch zahlreiche Buckelwale beobachten.

Nashornalke / Rhinoceros Auklets
BuckelwalFluke
Buckelwale um SolarCoaster herum

Bella Bella und umzu.

Auf der Fahrt nach Bella Bella machen wir noch in der Strom Cove Station. Der Ankerplatz liegt nahe am breiten Seaforth Channel. Zweimal sind wir hier schon vorbei gesegelt, diesmal bleiben wir über Nacht. Wir verziehen uns in die hintere Ecke. Dort liegen wir gut geschützt und mit Blick auf mehrere kleine Wiesen am Waldrand. Solche Ankerplätze haben den Vorteil, dass wir dort oft Wildleben beobachten können. Hier sind es diesmal zwar keine Bären oder Hirsche, dafür zeigen sich zwei Kanada-Kraniche und starten dann mit durchdringenden und so charakteristischen Schreien genau in unsere Richtung.

Und auch auf der Weiterfahrt am nächsten Morgen dauert es nicht lange bis zum ersten Stop. Gleich vor der Bucht liegt im sonst meist über hundert Meter tiefen Seaforth Channel eine Flachstelle. Wir lassen Flora treiben und angeln auf etwa 25 m. Unfassbar, zwei mal werfen wir die Angel aus, beide Male ist ein Kelp-Greenling dran, sobald wir die Leine vom Grund wieder ein bisschen aufgeholt haben.

Dann kann’s ja jetzt in den Hafen gehen. Am Leuchtturm Dryad Point motoren wir vorbei, ein weiteres Beispiel für die selbst an ganz abgelegenen Orten mit Leuchtturmwärtern besetzten, wunderbar in Schuss gehaltenen Leuchttürme hier in BC.

Im kleinen Resort-Hafen Shearwater tanken wir Diesel, waschen in der Hafen-Münzwäscherei unsere Wäsche, kaufen im überschaubaren Supermarkt schon etwas ein. Aber dann nehmen wir doch das Wassertaxi hinüber nach Bella Bella. Nördlich von Port Hardy gibt es in der Küstenregion auf den nächsten etwa 400 Kilometern (Luftlinie) bis Prince Rupert nur ganz wenige kleine Ortschaften. Sieht man von Bella Coola ab, das etwa 100 km den Fjord hinauf auf dem Festland von BC liegt und als einziger der kleinen Orte Straßenanbindung hat, bleiben nennenswert eigentlich nur Hartley Bay (knapp 200 Einwohner), Klemtu (etwa 500 Einwohner) und eben Bella Bella mit etwa 1.000 Einwohnern.

Der Empfang dort ist allerdings wenig herzlich.

Das Schild ist zwar nicht mehr gültig, aber offenbar hat es niemand für nötig befunden, es von der Anlegebrücke des Taxibootes zu entfernen. Und der Ort selbst wirkt dann auch trotz einiger Totems, eines bemalten Langhauses (mit Schild “closed”) und einiger weniger kleiner Läden nicht wirklich wie das “buzzing center”, als das es der Törnführer beschreibt. Immerhin, der Supermarkt in diesem “Hauptort” ist ordentlich sortiert, wir freuen uns, unsere Frische-Vorräte aufstocken zu können.

Sogar Rhabarber bekommen wir, daraus zaubert mir Wiebke Rhabarber-Baiser-Kuchen. 😋

Zurück nach Shearwater brauchen wir nicht mit dem Taxi-Boot zu fahren, Irene und Cress nehmen uns auf ihrer ChitChat mit. Die beiden sind Bekannte von unseren Segelfreunden Melanie und Chris (die ja noch etwas länger auf Haida Gwaii geblieben sind). Eileen und Cris holen uns später auch noch zum Sundowner auf der “Go Halainn” von Sharon und Blair ab, es wird ein netter Abend. Der Gegenbesuch am nächsten Morgen auf der Flora führt dann dazu, dass ich doch tatsächlich ein vielstimmiges “Happy Birthday” gesungen bekomme.

Unser nächster Ankerplatz ist Discovery Cove, nur einen Katzensprung weiter nördlich. Und trotzdem: er vermittelt das Gefühl völliger Abgeschiedenheit. Hinter der schmalen Einfahrt öffnet sich die Bucht wie zu einem Binnensee mit einer Vielzahl idyllischer, gut geschützter Ankerplätze. Wir sind trotzdem allein dort. Obwohl so nah bei Bella Bella, es ist doch ein bisschen abseits der ausgetretenen Wege. Nördlich nehmen die meisten Boote entweder die (innere) Passage durch den Finlayson Channel oder den (etwas offeneren) Weg durch den Laredo Sound. Nur wenige erkunden die Sackgassen der diversen Fjorde östlich dieser beiden Routen. Und das Wetter mit Nieselregen trägt sicher zusätzlich dazu bei, dass derzeit der ein oder andere Umweg vermieden wird.

Uns gefällt es hier. Und auch der folgende, gleich hinter den Troop Narrows gelegene Ankerplatz ist trotz des eher grauen Wetters wieder richtig schön, …

… besonders wenn bei dramatisch wolkenverhangenem dunklem Himmel der weit und breit einzige Sonnenstrahl genau den Weg zur Flora findet:

😊

Blau in Grau.

Nebel. Als wir um 5 Uhr morgens den Anker hochnehmen, bescheint das morgenwarme Licht der Sonne die Spitzen der Berge um die Ikeda Cove. Aber kaum streckt Flora ihre Bugnase aus der Bucht, wird die Sicht auf die Sonne von Nebel fast verschluckt, durch diffuses Licht hindurch ist sie kaum mehr als zu erahnen. Na gut, „patches of fog“ hatte der kanadische Wetterbericht angesagt. Also Radar an und durch. Immerhin ist genügend Wind für den Gennaker und so setzen wir die blaue Blase.

Der Gennaker soll uns helfen, die gut 100 sm über die Hecate Strait einigermaßen flott zu bewältigen, obwohl der Wind zumindest für die erste Hälfte eher schwach vorhergesagt ist.

Zunächst scheint sich die Sonne doch langsam durch das schwammige Grau zu brennen …

… aber: zu früh gefreut. Die Nebelsuppe wird wieder dichter und bleibt uns leider auch den ganzen Tag erhalten. Klamme feuchtkalte Luft auf der ganzen Passage.

Wenigstens stimmt die Windvorhersage. Abgesehen von einer guten Stunde Motorfahrt am Nachmittag reicht es durchgehend zum Segeln, gegen Abend frischt die Brise dann sogar etwas auf. Trotzdem, unseren Ankerplatz erreichen wir erst nach Mitternacht. Dass wir uns im Dunkel hinein tasten spielt eigentlich keine Rolle, der Nebel ist nämlich auch jetzt noch ziemlich dick. Sicht null, das Radar ist gefragt. Aber die Einfahrt in den schmalen Day Island Ankerplatz ist schnurgerade und damit kein großes Problem.

Heute empfängt uns auch nach langem Ausschlafen erst mal gleich wieder dunstiges Grau:

Aber anders als gestern setzt sich die Sonne dann durch. Als wir aus der Ankerbucht fahren, liegen (außer der direkt hinter uns) nur weit voraus auf unserem Weg noch eine Nebelbank, die sich als wir auf sie zu segeln immer weiter zurück zieht und schließlich ganz auflöst.

Blau in Blau.

😊

Cruising Haida Gwaii

Die Haida Nation gilt als kämpferisch. 1985 stellten sie das einmal mehr unter Beweis, wenn auch diesmal auf friedliche Weise. Mit Sitzblockaden erkämpften sie einen Stop des intensiven Holzeinschlags auf Lyell Island und weiteren Teilen von Haida Gwaii durch die großen Logging-Gesellschaften. Die hatten zwar von der kanadischen Regierung ausgestellte Einschlag-Lizenzen, aber die Haida betrachten das gesamte Gebiet als ihr eigenes Territorium. Die Blockierer wurden verhaftet, aber die Aktionen brachten Aufmerksamkeit: der Fokus der Öffentlichkeit richtete sich auf drohende Vernichtung wesentlicher Kulturgüter der Haida sowie des uralten Baumbestandes durch eine nicht wirklich als nachhaltig zu bezeichnende Holzwirtschaft. Letztlich war der friedliche Protest erfolgreich. Fast das gesamte südliche Haida Gwaii wurde 1988 zum „Gwaii Haanas National Park Reserve and Haida Heritage Site“ erklärt. 1.470 Quadratkilometer groß und mit einigen Besonderheiten. So verweist das „Reserve“ auf die Nutzungsrechte der lokalen indigenen Völker, außerdem erfolgt die Verwaltung wegen der noch immer umstrittenen Besitzrechte gemeinsam durch die kanadische Regierung und den „Council of the Haida Nation“. Straßen gibt’s in Gwaii-Haanas übrigens keine. 😊

Mit dem Protest einher oder von diesem jedenfalls verstärkt ging auch eine Wiederbelebung der auch nach außen getragenen indigenen Kultur. Beispielhaft dafür steht das traditionelle Langhaus, das 1985 im Protestcamp errichtet wurde. An seiner Seite wurde zur Würdigung der Proteste und der erfolgreichen Zusammenarbeit 2013 der seit Jahrzehnten erste monumentale, neu geschnitzte „Legacy Pole“ aufgestellt.

Wir melden uns über Funk bei den Haida-Watchman an und besuchen von Murchison Island aus kommend diesen historischen Ort an der Windy Bay / Hlk‘yah GawGa.

Eine andere Besuchergruppe ist gerade dort. Da nur maximal 12 Besucher vor Ort sein sollen werden wir gebeten, zunächst auf der anderen Seite der Bucht die Jahrhunderte alte Spruce (Fichte) zu besichtigen. Das passt gut, denn dort können wir uns einer geführten kleineren Gruppe anschließen, sehr informativ für uns, zumal Guide James spannend und unterhaltsam auch über die Geschichte des Protests berichtet.

Danach lösen wir uns von der Gruppe und machen einen wunderbaren Spaziergang um die Bucht herum durch den Urwald hin zum von den Protestlern errichteten Langhaus, genannt “Looking Around and Blinking”.

Legacy Pole voller Symbolik, z.B. die untergehakt sitzenden Protestler (in Gummistiefeln) mit einem barfüßigen Ahnen in ihrer Mitte.

Den nur bei gutem Wetter geeigneten Tagesankerplatz der Windy Bay (sic!) verlassen wir dann wieder und segeln – unseren alten Kurs kreuzend – herrlich unter Gennaker bis in die Sac Bay. Hier treffen wir Melanie und Chris mit ihrer “Solar Coaster” wieder. Die beiden Kanadier hatten wir schon im Crescent Inlet und in Murchinson Cove jeweils kurz gesprochen, hier verbringen wir erstmals mehr Zeit miteinander, verstehen uns richtig gut und werden auch die nächsten Tage jeweils die gleichen Ankerplätze wählen (und uns unterwegs gegenseitig fotografieren).

Flora, Foto Courtesy: Melanie & Chris

In der Sac Bay können wir neben den Sitka-Hirschen erstmals auch Kanada-Kraniche am Ufer beobachten (und ihren charakteristischen Schrei hören).

Am nächsten Tag gehts weiter zum Matheson Inlet.

Solar Coaster, eine Bavaria 32
Flora in der Abendsonne im Matheson Inlet

Der Weg um Burnaby Island herum zu unserem nächsten Ankerplatz Bag Harbour hält eine Überraschung bereit: überwiegend segeln wir zwar bei bestem Wetter, aber von See her schiebt sich eine Nebelbank heran.

So dicht, der Blick auf die Solar Coaster wird glatt verschluckt:

Oder eben, aus der Perspektive von Melanie und Chris, die Flora:

Aber zum Glück können wir den Nebel nach Rundung des Kaps hinter uns lassen, das Radar wieder aus machen und zudem von der Fock auf den Code0 wechseln.

Bag Harbour liegt am Südausgang der Dolomite Narrows, die Burnaby Island mit ihrem schmalen Durchfluss zur Insel machen. Oder jedenfalls zur Teilzeit-Insel, den die Narrows fallen bei starker Ebbe trocken. Wir bleiben einen Tag und erkunden die Narrows mit dem Dinghy. Danach sind wir sehr froh, die Durchfahrt nicht mit Flora versucht zu haben. Zwar würde die Wassertiefe bei Hochwasser wohl gerade so eben ausreichen, aber eben nur in der Fahrrinne. Die aber windet sich zwischen scharfkantigen Felsen hindurch und wird nur durch wenige Peilmarken an Land gekennzeichnet.

Bei mittlerem Wasserstand lassen wir uns mit Florecita von der auflaufenden Tide hindurch treiben, wobei wir zwischzeitig den Außenbordmotor schon hoch klappen und mit den Paddeln die Richtung halten müssen. Zurück geht es gegen die Strömung bei etwas mehr Wasser dann schon unter Motor.

Besonders schön ist, dass wir bei der Anfahrt einen kurzen Blick auf zwei große Rundkopfdelfine erhaschen (leider kein Foto) und zudem direkt an der Durchfahrt einen Adlerhorst entdecken.

Eine lange Leichtwindkreuz gegen die auflaufende Tide führt uns heute bei herrlichem Wetter in die Ikeda Cove, unserer vielleicht letzten Station hier auf Haida Gwaii. Wir werden wohl irgendwann in den nächsten Tagen – passenden Wind vorausgesetzt – den Sprung zurück über die Hecate Strait machen.

Wegen der ganzen Ortsbezeichnungen hier nochmal unsere Buchten-Bummel-Route durch Gwaii-Haanas bei Noforeignland:



Crescent Inlet: Schutz vor dem Starkwind

Wir machen uns auf in Richtung Gwaii Haanas, legen aber noch zwei Zwischenstationen ein. Wegen des für Dienstag vorhergesagten Starkwindes segeln wir am Sonntag erst einmal gut 50 sm hinunter nach Thurston Harbour und am nächsten Tag dann weiter in das sehr gut geschützte Crescent Inlet.

Wie man auf unserem Noforeignland-Track sehr schön sehen kann, nehmen wir dafür nicht den kürzesten Weg, sondern genießen mit dem Umweg durch die schmale Dana Passage das herrliche Segelwetter auf diversen Kursen durch die wunderschöne Landschaft. Am Ende werden es immerhin 28 sm.

Der zwischen den Fjorden liegende Gebirgsrücken zieht sich hier bis auf rund 1.000 m Höhe.

Es geht also zumeist vom Wasser aus ziemlich steil nach oben. Kein Wunder, dass wir immer mal wieder die Spuren zum Teil äußerst heftiger Erdrutsche an den Hängen erkennen. Zuletzt im Jahr 2012 hat unter Haida Gwaii zudem die Erde heftig gebebt (Stärke 7,7 auf der Richter-Skala).

Aber nicht überall sind die Ufer so steil. Im Scheitel des Crescent Inlet liegt ein immenses „Mud flat“, dass sich fast einen Kilometer lang in den Fjord hineinschiebt. Vom Ankerplatz aus steigt der Grund schnell von etwa 10 m an und zieht sich auf nur noch etwa einem Meter einige Hundert Meter weiter bis zu dem Bereich, der dann bei Ebbe ganz trocken fällt und in eine sumpfige Salzwiese übergeht.

Toll ist, dass wir in diesem Uferbereich – wenn auch leider aus einiger Entfernung – häufig einen Schwarzbären sehen können. Er grast gemächlich die Wiese ab oder scheint manchmal auch im Ufersaum nach Krebsen und Muscheln zu suchen. Die Schwarzbären auf Haida Gwaii stellen eine besondere Unterart dar, die sich von anderen Schwarzbären unterscheidet. So ist der „Haida Gwaii black bear“ nicht nur besonders groß, sondern hat vor allem längere und noch kräftigere Kiefer. Jetzt, bevor die Beeren reif sind, ernähren sie sich von Gras, Kräutern, Farnen und ähnlichem Grünzeugs, aufgelockert wird die Diät eben durch Muscheln und Krebse. Im Herbst folgt dann das Festmahl: Lachs.

In Thurston Harbour hatten wir auch „Bären“, allerdings die bekanntesten Vertreter aus der Familie der Kleinbären. Unsere kanadischen und amerikanischen Freunde mögen jetzt stöhnen, aber obwohl die eigentlich nur in Nordamerika heimischen Waschbären inzwischen auch in Deutschland als invasive Spezies unterwegs sind und auch dort in Städten Mülltonnen nach Essbarem durchwühlen, wir hatten die dämmerungsaktiven Tiere bisher noch nicht vor die Kamera bekommen. Die Freude wird durch das Wissen gedämpft, dass Waschbären auch auf Haida Gwaii ursprünglich nicht vorkamen und erst in den 1940er Jahren eingeführt wurden, der Pelze wegen. Seitdem haben sie sich – insbesondere für die brütenden Vögel – zu einer auf manchen Inseln für einige Vogelarten bestandsgefährdenden Plage entwickelt.

Aber wenn ein Waschbär in der Gezeitenzone Steine umdreht und sich dabei auch von dem Fotografen im Dinghy nicht stören lässt, sieht er zumindest doch ganz possierlich aus.

😉

Geisterstadt und Kryptowährung

Ocean Falls, am Ende des Cousins Inlet gelegen, ist eine Geisterstadt. Der Törnführer Wagooner empfiehlt sie trotzdem als “favorite destination”, es sei eine “busy ghost town”. Mal sehen.

Die Fahrt den Fisher Channel hinauf nach Norden ist jedenfalls wunderschön, zumal uns anfangs auch günstiger Segelwind beschert wird.

Unter Gennaker zieht Flora den halben Tag lang den Fjord hinauf, dann allerdings lässt der Wind immer mehr nach, dafür nehmen die Wolken zu.

Die Einfahrt in das viel schmalere Cousins Inlet mit seinen steilen Bergwänden wirkt dann schon ein bisschen wie der Seeweg nach Mordor, als wollten wir zum Schicksalsberg im Herrn der Ringe.

Aber nicht die Ring-Geister Nazgûl erwarten uns, sondern ein gut gepflegtes Public Dock und ein versöhnlich stimmender Regenbogen.

Der abendliche Gang führt uns durch die Geisterstadt Ocean Falls und am Staudamm (mit Überlauf-Wasserfall) vorbei zum oberhalb der Ruinenstadt gelegenen großen Süßwassersee.

Geisterstadt und Staudamm zur Stromerzeugung, wie passt das überhaupt zusammen?

Ocean Falls steht exemplarisch für viele Ortschaften in abgelegen Küstenabschnitten der Region Pacific Northwest. Sie entwickelten sich um Arbeit gebende Fabriken herum, oft Lachsverarbeitungsanlagen / Canneries, Minen oder – wie hier – Holzverarbeitung. Solange, wie diese eben existieren. Ocean Falls war sogar eine echte “Company Town”. Von 1906 bis 1912 wurde hier eine Papier- und Zellstoff-Fabrik errichtet, lange Jahre die größte in ganz British Columbia. Der Grund für die Ansiedlung war neben den scheinbar unerschöpflichen Holzvorräten der Gegend das Potential an durch Wasserkraft zu gewinnendem elektronischem Strom für die energieintensive Produktion. In der Abgeschiedenheit errichtete die Firma gleich eine ganze Stadt einschließlich der Arbeitersiedlung, Schulen, Krankenhaus und später sogar einem 400-Zimmer-Hotel, bis zu 3.900 Menschen lebten hier.

1973 aber schloss das Unternehmen die inzwischen unrentabel gewordene Fabrik. Die Provinzverwaltung kaufte der Firma Crown-Zellerbach die Stadt für einen symbolischen Preis ab und betrieb die Fabrik noch bis 1980 weiter, aber das hielt den Niedergang zur Geisterstadt nur kurzfristig auf.

Der Staudamm und mit ihm die Stromproduktion durch Turbinen aber existiert noch. Zwar ist die Anlage nicht an das große kanadische Stromnetz angeschlossen, aber neben Ocean Falls werden auch die beiden etwa 35 km Luftlinie entfernt liegenden Ortschaften Bella Bella und Shearwater mit zusammen gut 1.000 Einwohnern nur mit Strom aus dieser Anlage versorgt.

Welche Kapriolen es nach sich zieht, wenn derartig überschießende Produktionskapazitäten für Strom vorhanden sind, aber keine Einspeisung in ein überregionales Netz erfolgen kann: in Ocean Falls hat sich ein Bitcoin-Mining-Unternehmen angesiedelt, das mit dem aus der Überkapazität günstig erhältlichen Strom auf ihrer Rechnerfarm Blöcke zur Blockchain hinzufügt und so Kryptowährung “schürft”.

Trotzdem: knapp über 20 Einwohner hat Ocean Falls heute und sieht dabei so aus, wie eine Geisterstadt aus dem letzten Jahrhundert wohl aussehen muss:

Fast noch intakt und eher wildromantisch wirken da die historischen Holzhäuser am Hafen:

Damals wie heute: die Einwohner von Ocean Falls bezeichnen sich selbst als „Rain People“, was wohl ein ziemlich bezeichnendes Licht auf die Niederschlagshäufigkeit vor Ort wirft, die Wolken bleiben an den umgebenden hohen Bergen schlichtweg hängen.

Das gilt auch für den etwas abseits liegenden Nebenort Martin Valley, in dem noch mehrere Einfamilienhäuser bewohnt sind und in Schuss gehalten werden. Wir wandern in einer Regenpause dort hin (der versprochene Pub ist allerdings derzeit nach Eigentümerwechsel geschlossen). Und auf dem Rückweg erwischt uns natürlich der wieder einsetzende Regen.

Aber da hinten, am Eingang des Fjords, da wird es doch etwas heller. Ob da die Lichtelben wohnen?Jedenfalls fahren wir morgen in diese Richtung.

Um Cape Caution herum

Um zu den zentralen und nördlichen Küstenbereichen von British Columbia zu gelangen, muss Cape Caution passiert werden. Der Name (übersetzt Kap Vorsicht ⚠️) verrät schon, dass dieser Törn nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Die Inside-Passage, die sich ja eben durch den Schutz vorgelagerter Inseln auszeichnet, hat hier eine offene Flanke. Auf gut 30 sm Länge rollt die Dünung des Pazifiks ungebremst herein. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Felsen, mal als Inseln, mal als knapp unter der Wasseroberfläche lauernde Untiefen. Dazu kommen die starken, durch die Felsen verwirbelten Gezeitenströme. Und gemeiner Weise ist genau diese Ecke auch noch eine ausgemachte Wetter-Küche und Wetter-Scheide.

Kapitän Vancouver hätte sein Schiff Discovery fast verloren, als es etwas südlich von hier im August 1792 auf einen Unterwasserfelsen lief, zudem lief innerhalb eines Tages mit der Chatham wenige Meilen entfernt auch das zweite Schiff der Expedition auf. Beide konnten mit Mühe wieder flott gemacht werden. Kein Wunder also, dass Vancouver dem Kap diesen Namen gab.

Gegen 3 bis 4 kn Tide anzufahren, macht wenig Freude. Andererseits kommt der vorherrschende Wind im Sommer hier aus Nordwest, genau der Richtung in die wir fahren müssen, um Cape Caution zu runden. Wenn wir aber die Tide mit uns haben, steht sie genau gegen den Nordwestwind. Das wäre Wind gegen (kräftigen) Strom, also ebenfalls zu vermeiden.

Und deshalb verlassen wir die wunderschönen Broughtons, als sich ein kurzes Wetterfenster von zwei Tagen Südwind ankündigt. Wir machen einen “Provision Run”, fahren dafür nach Port Hardy hinüber an die Nordspitze von Vancouver Island und laufen – um es wörtlich zunehmen – zweimal zum Supermarkt und schwer bepackt wieder zur Flora. Außerdem nutzen wir den Aufenthalt, um in der Laundry unsere Wäsche zu waschen. Und unsere Freunde Lynn und Wulf lassen es sich nicht nehmen, extra noch mal 5 Stunden Auto zu fahren um uns zu besuchen und eine kleine Tüte Elektroschalter vorbei zu bringen (die waren einen Tag nach unserer Abfahrt bei ihnen eingetrudelt).

Public Dock in Port Hardy, von dort machen wir den ersten Gang zum “Save on Foods”-Supermarkt.
Marina und Fischereihafen. Hier ist die Münzwäscherei, also starten wir von hier aus auch den zweiten Marsch zum Supermarkt. Der Rest des Ortes präsentiert sich nicht so richtig vorzeigenswert.

Verproviantiert wie für eine Ozeanüberquerung geht es dann los. Hört sich übertrieben an, stimmt aber. Denn nördlich von Port Hardy gibt es bis Prince Rupert an der Grenze zu Alaska kaum noch größere Ortschaften und damit Versorgungsmöglichkeiten. Kleinere Supermärkte schon mal (z.B. in Bella Bella), aber dorthin müssen die Lebensmittel natürlich auch (teuer) verschifft oder eingeflogen werden.

Noch am späten Nachmittag legen wir ab, um uns für den Schlag um Cape Caution eine etwas bessere Ausgangsposition zu verschaffen. Etwa 13 Meilen nördlich von Port Hardy schlüpfen wir durch die schmale Einfahrt zwischen Staples Island und Kent Island und ankern dort – mitten in der hier 12 sm breiten strömungsreichen Queen Charlotte Strait – wie auf einem klitzekleinen Waldsee.

Schon um 6 Uhr früh fädeln wir uns abermals durch das Nadelöhr der westlichen Zufahrt, lassen die Walker-Island-Gruppe im Morgenlicht hinter uns und nutzen die jetzt mitlaufende Tide für die Passage um Cape Caution. Raumer bis achterlicher Wind und eine nur mäßige Dünungswelle bescheren uns einen wunderschönen Segeltag.

Es läuft so gut, dass wir an unserem ursprünglichen Zielankerplatz in der Fury Cove (die uns im letzten Herbst so gut gefallen hatte) einfach vorbeisegeln und noch 10 sm weiter fahren. Den Green Island Ankerplatz müssen wir uns ausnahmsweise mit anderen Booten teilen, das gute Wetterfenster war wohl nicht nur uns aufgefallen.

☺️

P.S.: Unsere aktuelle Position und auch die gesamte bisherige Route könnt Ihr auf Noforeignland (weiterhin auf der Webseite oder neu auch in der APP) abrufen.

Downwind zu den Harmony Islands und Fußballfelder auf dem Wasser

Irgendwann reißen wir uns doch von dem wunderschönen Prideaux Haven im Desolation Sound los. Wie so oft gibt die Wettervorhersage den Ausschlag: ein bewölkter Tag ohne Wind und dann Nordwestwind. Passt super, um uns Richtung Princess Luisa Inlet aufzumachen.

Erster Zwischenstopp ist der Ankerplatz bei den Copeland Islands. Vor der Malaspina-Halbinsel gelegen, bieten sie sozusagen das Sprungbrett für das Eintauchen in das Inselwirrwarr des Desolation Sounds. Oder in unserem Fall eben für die (hoffentlich nur vorläufige) Ausfahrt.

Am nächsten Tag ist die Sonne wieder da und mit ihr der angesagte Nordwestwind. So laufen wir vor dem durchaus frischen Wind die breite Malaspina Strait hinunter nach Südosten.

Vor uns erscheint auf unserem Kurs in der Entfernung eine braune Masse auf. Beim Näherkommen wird deutlich, es ist ein etwa Fußballfeld-großes Floß aus Baumstämmen. Gezogen von einem vergleichsweise kleinen Schlepper mit nur etwa eineinhalb Knoten Geschwindigkeit.

Ein kleines Stück später, da sind wir schon in das Jervis Inlet eingebogen, das auch der Schlepper im Namen führt, ein zweiter Schlepper mit einem ähnlichen Logging-Floß.

Der Fjord schneidet etwa 50 Seemeilen in das Landesinnere hinein. Eigentlich ist Saltery Bay kurz hinter dem Eingang des Fjords unser Tagesziel. Wir legen auch kurz am Public Dock an, aber kaum sind die Leinen fest, werfen wir sie auch schon wieder los. Trotz Vorsaison ist das Dock dicht belegt, aber entweder mit kleinen Angelbooten oder mit verlassen wirkenden Seglern. Dann doch lieber noch etwas weiter, es ist ja noch früher Nachmittag. Diese Entscheidung erweist sich als Glücksgriff, denn so landen wir für die Nacht im Hotham Sound, einem der vielen Nebenarme des großen Fjordes. Zunächst statten wir noch dem beeindruckenden Freil Lake Fall einen Besuch ab …

… und ankern dann nur ein kleines Stückchen weiter hinter der kleinen Inselgruppe der Harmony Islands.

Harmony Islands. Passend benannt. 😍