Arbeiten und staunen im Aquarium

So harmlos fängt es an. Ich putze mal wieder schnorchelnd das Unterwasserschiff. Wir haben zwar einen speziellen „Coppercoat“-Anstrich, der weniger Giftstoffe an die Umwelt abgibt als klassische Antifouling-Anstriche und dabei deutlich länger halten soll, aber ein leicht lösbarer grüner Schleim setzt sich trotzdem gern fest und den schrubbe ich dann eben mit einem Schwamm öfter mal weg.

Diesmal sind dann aber plötzlich Fische da, nicht nur ein paar wie unten am Bildrand zu sehen, sondern es werden immer mehr, gleich ein ganzer Schwarm Sardinen schießt um mich herum.

Der Grund zeigt sich auch gleich: erst eine und dann zwei Blaurücken-Stachelmakrelen jagen den Schwarm durch die Gegend, immer rund um den Kiel der Flora.

Interessanterweise wirkt es nicht so, als würden die Makrelen „alles geben“, um wirklich Sardinen zu erwischen (ich sehe das auch kein einziges Mal). Es scheint eher so, als wollten die Makrelen die Sardinen ärgern. Aber schaut selbst:

Jedenfalls macht das Ganze mir noch mehr Lust, hier „richtig“ Tauchen zu gehen und es nicht nur beim Schnorcheln zu belassen.

Gemeinsam mit Wiebke und Ingo betauchen wir erst einmal ein kleines Riff, dass sich in rund 6 m Tiefe quer unter dem Ankerfeld durchzieht. Ein schöner Einstieg, zumal wir unsere Tauchflaschen in der Tauchschule am Dinghydock für nur 5 € pro Flasche wieder füllen lassen können. Deshalb geht’s heute dann noch einmal los, diesmal mit dem Dinghy hinüber zu den Pigeon Islands.

Wieder statten wir der Costeau-Büste einen Besuch ab, erinnern uns an seine rote Wollmütze, bleiben diesmal aber in der Tiefe und tauchen an der Riffkante entlang. Es ist wie im Aquarium:

Viele lebendige Korallen, Schwämme, Federbüsche, Anemonen und eben auch viel Fisch.
z.B. wieder Doktorfische
hier mal einer mit einer Felsenschönheit (so heißt der schwarz-gelbe Fisch mit dem dunklen „Kussmund“
Ein Zackenbarsch, der seine Zacken auch farblich betont
ein blaugepunkteter Roter Zackenbarsch, der seine noch verbirgt
ein langgestreckter Sand-Torpedobarsch
verschiedene Feilenfische
ein Königin-Drückerfisch

und noch so vieles mehr. Leider auch dieser Indische Rotfeuerfisch hier:

Der Feuerfisch ist in der Karibik nicht heimisch und insbesondere der eingeschleppte oder aus Aquarien freigelassene Pazifische Rotfeuerfisch hat sich teilweise zu einer echten Plage entwickelt, die die heimischen Jungfische des Riffes gefährdet. Manchmal werden von den Tauchschulen regelrechte Feuerfisch-Jagden veranstaltet, um das Übermaß der invasiven Art zu reduzieren.

Aber wir entdecken auch kleine Augenschätze wie diese von Wiebke erspähte knapp 3 cm große Buckel-Flamingozunge:

Die Nacktschnecke mit den dunkel gerahmten gelben Punkten ist leicht zu übersehen, aber bei dem Namen staunt man doch und möchte eigentlich gerne wissen, wie denn nun die Zunge der scheinbar einbeinigen rosafarben Stelzenvögel wirklich aussieht, oder?

Unsere Tauchflaschen haben wir schon wieder an der Befüllstation abgegeben. Was für Revier, über wie unter Wasser!

Der Schmetterling unter den Inseln

Guadeloupe ist eindeutig der Schmetterling 🦋 unter den Inseln des Antillenbogens. Das wird schon beim Blick auf die Seekarte deutlich:

Aber so wie der Schmetterling für die freie, bunte, ungezähmte Natur steht hat sich auch Gwada, wie die Insel von den Einheimischen genannt wird, ein vergleichsweise hohes Maß an Natürlichkeit bewahrt. Das gilt ganz besonders für den westlichen „Flügel“ Basse-Terre. Ein hoher Gebirgszug zieht sich von Nord nach Süd über diesen mit viel Regenwald bestandenen Inselteil, er beinhaltet im Süden mit dem 1.467 m hohen aktiven Vulkan Soufrière auch den höchsten Berg der gesamten kleinen Antillen. Grande Terre, der östliche „Flügel“ ist dagegen eher flach mit mehr landwirtschaftlich genutzten Flächen und tollen Stränden, weshalb sich auch die Hotels eher hier befinden. Genau genommen sind Basse Terre und Grande Terre jeweils eigene Inseln, zwischen ihnen liegt die natürliche Meerenge Rivière Salée. An der schmalsten Stelle nur 50 m breit und an beiden Seiten von Mangrovensumpf umgeben ist die selbst bei Niedrigwasser gut zwei Meter tiefe flussähnliche Verbindung eigentlich schiffbar. Yachten konnten bis 2013 hindurchfahren, aber seitdem sind die Klappbrücken offenbar dauerhaft geschlossen. Mit dem Dinghy kommt man noch durch, aber Segelyachten bleibt die Abkürzung nun versperrt.

Wir liegen mit der Flora auf dem Pigeon Islands Ankerplatz etwa in der Mitte der Westküste von Basse Terre. Große Hotelkomplexe gibt es hier nicht, Tourismus aber schon, schließlich befindet sich hier der Jaques Cousteau Unterwasserpark, ein Naturschutzgebiet mit tollen Tauch- und Schnochelplätzen. Die bunten Buden an Land beim Dinghydock mit der touristischen Infrastruktur von Bars, Restaurants, Verkaufsständen, Kajak- und Tauchanbietern mutet hier aber noch fröhlich karibisch improvisiert an.

Gemeinsam mit den Crews der Easy-One und der 2nd-Try.2 lassen wir die Szenerie bei einem Besuch im Restaurant auf der Klippe auf uns wirken und uns außerdem von den sich direkt neben der Terrasse sonnenden über 1 m langen Leguanen beeindrucken. Die Mini-Dinosaurier scheinen extra für die Kamera zu posieren. Dankeschön!

Danach – wir wollen das sonnige Nachmittagswetter ausnutzen – sausen wir mit den Dinghys hinüber zu den Pigeon Islands und machen an extra ausgelegten Bojen fest. Mit Schnorchelsachen geht’s ins herrlich klare Wasser und wir umrunden schnorchelnd gemeinsam die kleinere Petit Îlet. Ingo und ich statten dabei auch der auf einer Sandfläche platzierten Büste von Jaques Cousteau in gut 10 m Tiefe einen kleinen Ehrenbesuch ab. Allerdings ist sie nicht sehr spektakulär und zudem etwas ramponiert, der rechte Arm fehlt.

Toll ist aber die Unterwasserwelt um das Inselchen herum. Mal Steilwände, die weit in die Tiefe reichen, mal der flache Kanal zwischen den Inseln. Einige Korallen, Schwämme und bunte Fische, ein wirklich schöner Spot.

Hier z.B ein männlicher Grüner Papageifisch neben einem Gelben Tubenschwamm. Warum er auch Signal-Papageifisch (bzw. auf Englisch: Stoplight Parrotfish) genannt wird, erklärt sich von selbst, wenn man dazu ein Weibchen oder Jungtier sieht:

Doktorfisch, die gelbe Stelle vor der Schwanzwurzel zeigt das namensgebenden Arbeitsmittel „Skalpell“, einen hornartigen Stachel
Vieraugen-Falterfisch, ganz ohne Namenserklärung 😚

Und, und, und. Mit Ingo haben wir verabredet, heute gemeinsam tauchen zu gehen, die Flaschen sollten wir im hiesigen Tauchshop wieder füllen können. Aber im Moment ist es noch grau und verregnet, mal sehen ob der Nachmittag wieder besseres Wetter bietet.

Tauchen in Guadeloupe / Îles des Saintes

Gestern hatten wir geschnorchelt, heute gehen wir tauchen. So richtig komfortabel ist das hier in den Îles des Saintes allerdings nicht geregelt, man muss von der Tauchschule aus in voller Montur (mit aufgeschnallter Tauchflasche) über die Straße hinunter zum Strand und ins Wasser laufen. Ist nicht weit, aber auch nicht eben bequem. Dann noch ein Stückchen ums Tauchboot schwimmen, hinten hineinklettern und das Jacket mit der Flasche wieder ausziehen für die Fahrt zum Tauchspot. Wieder anziehen. Und nach dem Tauchgang das Ganze retour, nur das man jetzt erst ins brusthohe Wasser springt und dann das Jacket mit Flasche zum Anziehen ins Wasser geworfen wird. Noch etwas umständlicher, weil man jetzt ja auch noch Flossen und Maske in der Hand hält. Andere Länder, andere Sitten. Unter anderem leider auch die, keinen Rabatt zu gewähren, obwohl wir ja (bis auf Flasche und Blei) komplett unser eigenes Equipment verwenden. Trotzdem bleibt es bei 58 € je Tauchgang. Umgekehrt sehen wir das auch nicht als Argument für weitere Tauchgänge hier mit dieser Tauchschule.

Das Tauchen selbst ist dann ruhig und einigermaßen unspektakulär, wir können uns gut auf uns und unsere Tarierung konzentrieren. Besonders sind vor allem die vielen Federbüsche, über und zwischen denen der erste Teil unseres Tauchgangs verläuft.

Später, an den Felsen, machen vor allem die kleinen Dinge den Reiz aus: wir sehen mehrere Rotweiß gebänderte Scherengarnelen:

(Mit Tauchlampe beleuchtet sieht die Unterwasserwelt gleich viel bunter aus)

Und auch der (juvenile, daher noch ohne die namensgebenden Punkte nur längs- und quergestreifte) Tüpfel-Ritterfisch gefällt uns gut:

Man muss schon gut hinsehen, um trotz der überlangen Rückenflosse und der ebensolchen Schwanzflosse den eigentlichen Fischkörper zu sehen.

Ein bisschen karibisch bunten Fisch gibt’s dann auch noch, etwa diesen Blaustirn-Kaiserfisch mit einigen Jakobus-Soldatenfischen (und natürlich noch einige mehr)

oder (nicht bunt, aber fein und edel gezeichnet) diesen schönen Sandtaucher:

Wenn man erstmal unten ist, ist das Tauchen eben doch immer wieder schön 😁.

Indian River und Cabrits, Dominica

Naturerlebnistag/Tierfototag 😊

Dominica hat nicht nur ein ziemlich naturbelassenes Inselinneres, sondern zeigt sich auch von See aus hoch und grün, eben ursprünglicher als die meisten anderen Inseln hier. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum auch verschiedene Szenen der „Fluch der Karibik“-Filme hier gedreht wurden. Nun ist das Besichtigen von Drehorten um der Drehorte willen eigentlich gar nicht so unser Ding, außerdem kann man denen für „Fluch der Karibik hier kaum entgehen. So hatten wir mit Petit Tabac in den Tobago Cays schon den Ort besucht, an dem Captain Jack Sparrow von seiner meuternden Piratenmannschaft ausgesetzt wurde, hatten in der Wallilabou Bay eine Runde gedreht und waren in Titou Gorge geschwommen, beides ebenfalls Drehorte der Serie. Jetzt also der Indian River.

Der Grund für unsere Ruderbootstour auf dem Indian River ist aber ein anderer: der Fluss, der nicht mit motorisierten Booten befahren werden darf, ist nicht nur eine der Naturschönheiten Dominicas, sondern bietet wegen des vorgeschriebenen Guides auch die Gelegenheit, sich Flora und Fauna aus kundiger Quelle in Ruhe erklären zu lassen. Unser Guide Martin („Providence“) ist nach eigenem Bekunden Botaniker und lässt auch keine unserer Fragen unbeantwortet.

Zuerst geht’s gleichwohl in den Nebenarm, in dem die Zauberin Calypso ihre Hütte hat. Zwar wurde die Originalrequisite im Hurrikan Maria zerstört (wie auch ein großer Teil des Blätterdachs über dem Flüsschen), aber die Hütte wurde wieder nachgebaut und das Blätterdach über dem Fluss, tja, da ist die Natur mit Hochdruck dran.

Guide Martin (Providence) vor Calypsos Hütte

Überhaupt ist die Natur der eigentliche Hauptdarsteller hier am Indian River. Zunächst einmal beeindrucken die z.T. uralten, knorrigen Baumwurzeln, die gespiegelt im je nach Lichteinfall klar oder blau milchig erscheinenden Brackwasser des Flusses Phantasiegemälde zu malen scheinen.

Zwischen den (gefühlten) Baum-Methusalems wachsen immer wieder wilder Hibiskus mit seinen gelben, am nächsten Tag dann schon orangenen Blüten.

Dann macht uns Martin auf die Krebse aufmerksam, die sich mal im Uferschlamm gut getarnt

mal aber auch knallrot und somit gut erkennbar ziemlich zahlreich am Indian River tummeln.

Auch auf die verschiedenen Vögel werden wir hingewiesen. Obwohl wir früh am Morgen schon um 7.00 Uhr aufgebrochen und als erstes Boot auf dem Fluss unterwegs sind, scheinen uns allerdings recht wenige Vögel (und auch wenige Insekten) unterwegs zu sein. Trotzdem, wir bekommen verschiedene Kolibris, inseltypische Tauben und sogar einen schönen Bananaquit zu sehen, aber da war ich mit der Kamera nicht schnell genug. Länger Modell gestanden haben mir zum Glück mehrere Grünreiher

und der seltenere Mangrovenreiher:

und ein Amerikanisches Teichhuhn bei der Morgentoilette.

Im Garten der Bar am Umkehrpunkt zeigt uns Martin diverse der hiesigen Obst- und Gemüsepflanzen, darunter neben verschiedenen Bananenarten und den allgegenwärtigen Mango- und Papayabäumen z.B. auch Kurkuma, Mandelbäume und Passionsfrucht und er geht auch auf die in Dominica typischen Zubereitungen ein.

Im Garten entdecke ich auch noch ein schönes Exemplar der Dominica-Baumeidechse Zanndoli, das gerade seinen Kehllappen zeigt:

Fast zweieinhalb Stunden dauert die eigentlich nicht sehr weite Tour, aber die Zeit vergeht schnell. Martin bringt uns zurück zur Flora, der Taxiservice ist im Preis von 50 EC$ je Person inbegriffen. So machen wir am Nachmittag – wiederum gemeinsam mit Andrea und Ingo noch eine Wanderung im Cabrits National Park auf der Nordseite unserer Ankerbucht beim alten englischen Fort Shirley. Und auch hier sehen wir eine nur auf Dominica heimische Echse, die mit bis zu 40 cm Gesamtlänge um einiges größere Dominica Ameiva:

Obwohl recht kräftig ist sie leider auch ziemlich scheu, meist verzieht sie sich schnell ins Unterholz. Genau so verhalten sich auch die diversen kleinen und für den Menschen harmlosen Antillen-Schlanknattern, die wir ab und zu doch mal zu sehen bekommen:

Da loben wir uns doch die Einsiedlerkrebse, die sich hier im bergigen Wald in großer Zahl finden, von fingernagelklein und quirlig bis faustgroß und fürs Foto stillsitzend:

Nebenbei: einen tollen Überblick auf den Ankerplatz hat man von den höheren teilweise wildromantisch überwucherten ehemaligen Stellungen auf den Cabrits auch:

Und noch ein Tip: sowohl für die Cabrits als auch für den Indian River ist die dominikanische Nationalparkabgabe zu zahlen, das war an den Wasserfällen und beim Hike ins Valley of Desolation auch schon der Fall. Man kann Tagestickets kaufen, aber spätestens ab dem dritten Tag lohnt das ebenfalls erhältliche Wochenticket für 12 (US)$ bzw. 32,04 EC$.

Tal der Zerstörung

Was für ein Name: Tal der Zerstörung / Valley of Desolation. Und ausgerechnet da wollen wir hin? Na ja, eventuell sogar noch ein bisschen weiter, zum Boiling Lake, zum kochenden See. Aber das ist extrem ambitioniert, es sind dann rund 20 km Bergwanderung. Los geht’s jedenfalls am Einstieg in die Lavaschlucht Titou Gorge. Anders als vorgestern haben wir diesmal keine Tour gebucht, sondern nehmen mit Andrea und Ingo gemeinsam den Bus, der um 9.00 von Roseau aus Richtung Laudat fährt. Es kostet nur 4 EC$ (etwa 1,30 €) pro Person, 5 EC$, wenn man sich wie wir direkt nach Titou Gorge kutschieren lässt. Um 18.00 Uhr soll der letzte Bus zurück fahren, Abfahrt dann allerdings an der Haltestelle in Laudat. Die Hinfahrt klappt wunderbar, um halb zehn beginnen wir unsere Wanderung.

Und die Tour hat es diesmal wirklich in sich. Am Einstieg werden wir noch einmal angesprochen: Ihr braucht einen Guide, das geht nicht ohne. Wir haben zwar gegenteiliges gelesen, fragen ihn aber trotzdem noch nach seinem Preis. “Special offer”: 60EC$ pro Person, also für uns vier über 90 US$. Zuviel, zumal der Weg gut erkennbar scheint. Und tatsächlich werden wir den Guide auf dem Weg zum Valley of Desolation zu keiner Zeit vermissen. Möglicherweise wäre das auf dem letzten Stück zum Boiling Lake anders, weil die Erdkruste dort extrem dünn ist, aber so weit gehen wir (wie wir jetzt wissen) heute eh nicht.

Zunächst durch den Regenwald stapfen wir den steilen, aber meist wieder mit Stufen aus Aststücken versehenen Pfad bergauf. Zwischendurch sind einige matschige und rutschige Passagen zu bewältigen, zum Teil geht auch über kleine Flüsschen oder in halb trockenen Bachbetten entlang, wobei der Weg eigentlich immer gut erkennbar bleibt. Anstrengend ist es trotzdem und nachdem wir einige Regenwaldrücken überwunden haben geht es auf einem schmalen Berggrat weiter in die Höhe, jetzt aber ohne das vor der sengenden Sonne schützende Blätterdach. Wasser und Snacks haben wir genug dabei, aber wir benötigen es auch.

Auf der höchsten Stelle bei 950 m gibt es eine Rast und wir lassen die Drohne fliegen. Es wird noch eine Zeit auf dem Grat wieder etwas bergab gehen und dann Steil hinunter ins Tal der Zerstörung. Und auch den kochenden See können wir in der Ferne schon dampfen sehen, aber das ist doch noch ein ganzes Stück entfernt.

Der Abstieg ins Valley of Desolation ist dann der kniffligste Teil unserer Tour. Auf teilweise rutschig lehmigem Grund und über glitschige Steine müssen wir recht steil hinunter, aber auch das ist machbar.

Und dann sind wir da: eine lebensfeindlich anmutende Szenerie breitet sich vor uns aus. Es riecht schwefelig, Pflanzen werden rar, hier und da steigt Dampf aus der Erde und in den Bächen blubbert und kocht es.

Im Bild lässt sich das gar nicht so gut wiedergeben, aber Ihr könnt ein kleines Video von unserer Tour ansehen: Video Valley of Desolation.

Wir sind glücklich, es hierher geschafft zu haben, aber auch schon ein bisschen platt, also machen uns hier auf den Rückweg. Am Ende werden wir über 17 km gewandert sein und dabei über 190 Stockwerke Höhenunterschied erklommen haben.

Eingeschlossen sind allerdings die 1,5 km Straße nach Laudat, die wir nach einem weiteren erfrischenden Bad in Titou Gorge (und einem kalten Bierchen) auf dem Weg zur Bushaltestelle gelaufen sind. Ein Bus kommt trotzdem nicht. Zwar hatte uns der Busfahrer auf der Hinfahrt versichert, die letzte Rückfahrt sei um 18.00, aber nach längerer Wartezeit nehmen wir dann doch ein vorbeikommendes Taxi zurück Richtung Flora. Wobei sich Taxi und Bus hier eigentlich nur im Preis (etwas) unterscheiden. Beides sind Kleinbusse, in beiden gibt es weitere Mitfahrer. Unserer (im Taxi) erklärt uns, heute sei schließlich Samstag. Und wenn der Fahrer des Busses keine Fahrgäste hinauf in die Berge habe, komme er halt nicht. Andere Länder – andere Sitten. Aber gut zu wissen 😁

Auf Wiedersehen, Martinique.

Wir haben ausklariert, kennen aber inzwischen einige erfahrene Antillen-Cruiser, die sich diese Prozedur regelmäßig sparen, jedenfalls solange sie nicht Saint Lucia oder TT (Trinidad und Tobago) bereisen. Ab und zu wird halt wieder in Martinique oder Guadeloupe ein- und ausklariert und dann kann es wieder weitergehen. Wir dagegen halten uns (jedenfalls bisher) an das formal vorgeschriebene Prozedere. Hier in St. Pierre ist es zudem simpel: in der Touristeninformation im Gebäude der alten Handelskammer direkt am Strand gibt’s einen Computer, man gibt die Daten selbst ein, druckt es aus, bekommt einen Stempel, das war’s.

Die alte Handelskammer, renoviert aber schon wieder mit Patina.

Wir machen noch eine Abschiedswanderung zur Rumdestillerie Depaz. Die Anfänge dieser Habitation reichen bis ins Jahr 1651 zurück. Und ein bisschen zurück versetzt fühlen wir uns auch auf der Wanderung dorthin. In St. Pierre geht es zunächst noch an den weniger oft besuchten Ruinen eder alten Fort-Kirche und der Heilanstalt vorbei.

Und hier, im ursprünglichen Herz des Ortes nahe des Flüsschens La Roxelane, laufen auch heute noch die Hennen mit ihren Küken auf der Straße und lange am Straßenrand abgestellte Schrottautos werden einfach von Blütenpracht überwuchert.

Aus St. Pierre heraus wandern wir über Feldwege weiter Richtung Destillerie. Es riecht wie im Sommer auf den Feldern in Niedersachsen, aber statt Weizen, Roggen und Gerste sehen wir links und rechts des ungeteerten Wirtschaftsweges Zuckerrohr, Zuckerrohr und Zuckerrohr.

Die Habitation Depaz liegt mit ihrem restaurierten Herrenhaus malerisch am Hang des Mont Pelée, dessen Ausbruch sie zwischenzeitlich auch völlig zerstörte.

Hier können wir uns die Produktionsanlagen anschauen (und natürlich probieren und kaufen 😊).

Auf dem Rückweg können wir ein weiteres Mal (wie schon am Herrenhaus Depaz) Kolibris beobachten und diesmal gelingt es mir auch, einen der kleinen hin und her schwirrenden Minivögel abzulichten. Anders als im botanischen Garten ist es ein nur bis zu 4 gr. leichter Antillenhaubenkolibri, dessen Federkleid hier wie paillettenbesetzt im Sonnenlicht leuchtet.

Weil wir uns wieder über Feldwege zurück zum Schiff bewegen und dabei naturgemäß etwas planlos unterwegs sind, laufen wir zudem noch beim “Centre de Descouverte des Sciences et de La Terre” vorbei. Trotz des völlig leeren Parkplatzes gehen wir zum Eingang, es ist tatsächlich offen und der (englische) Audioguide gibt uns einen wirklich interessanten Einblick in die Details und Hintergründe der vulkanischen Aktivität insbesondere des Mont Pelée und der Geschehnisse im Mai 1902.

Zum passenden Abschluss des schönen Tages hat Andrea auf der Easy-One am Abend zur Kürbissuppe geladen.

Heute haben wir jetzt aber doch den Haken aus dem Grund vor St. Pierre gezogen und segeln jetzt in Richtung Dominica.

Wandern auf den Mont Pelée

Wie die allermeisten Inseln des Antillenbogens ist auch Martinique vulkanischen Ursprungs. So ist denn auch Martiniques höchster Berg der 1.397 m hohe Vulkan Mont Pelée (kahler Berg). So richtig kahl sieht er dennoch nicht aus, wobei fast immer Wolken den zwar nicht baumbestandenen, aber eben doch grün bewachsenen Gipfel umgeben.

Der Vulkan ist seit 1932 nicht mehr aktiv, hat aber 1902 bei einem verheerenden Ausbruch die damalige Inselhauptstadt St. Pierre vollständig zerstört und fast alle Bewohner getötet. Das Drama hatte sich damals zwar mit Eruptionen und Aschewolken längere Zeit angekündigt, der Gouverneur der Insel hatte aber eine Evakuierung aus logistischen und wohl auch politisch taktischen Gründen (eine Wahl stand unmittelbar bevor) abgelehnt. Er ließ vielmehr verbreiten, St. Pierre sei absolut sicher, was Bewohner umliegender Dörfer dazu bewog, dort Schutz zu suchen. Aus der Stadt Flüchtende ließ er durch Soldaten an der Ausfahrtstraße nach Fort de France aufhalten und zurückschicken.

An Himmelfahrt 1902 entwich dem Mont Pelée dann aber nicht in erster Linie ein Lavafluss, sondern ein pyroklastischer Strom, eine bis zu 800 Grad heiße Glutwolke, die unfassbar schnell mit mehreren hundert km/h den Berg herabschoss. Nur drei Überlebende sind dokumentiert, davon zwei im Stadtzentrum, ein Schuster und ein Gefängnisinsasse, den den die dicken Mauern seines Kerkers überleben ließen. Die dritte dokumentierte Überlebende, ein junges Mädchen, hatte sich mit dem Boot in einer etwas außerhalb liegende Meereshöhle versteckt. Die übrigen Einwohner, geschätzt rund 30.000 Menschen, wurden bei diesem nach Opferzahlen schlimmsten Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts getötet.

Etwas makaber mutet die weitere Geschichte des überlebenden Häftlings an. Drei Tage nach dem Unglück wurde der damals 25jährige verletzt gefunden und nach seiner Genesung begnadigt. Dennoch verbrachte er sein restliches Leben quasi hinter Gittern, denn fortan trat er auf dem amerikanischen Festland im Zirkus auf. Als „einziger Überlebender von St. Pierre“ erzählte er aus einer nachgebauten Gefängniszelle heraus, wie er den Vulkanausbruch überlebt hatte.

Heute, nach fast 90 Jahren Inaktivität, führen mehrere Wanderwege auf den Mont Pelée hinauf. Wir entscheiden uns für den westlichen Aufstieg „Grande Savanne“, der in rund 700 m Höhe an einem improvisierten Parkplatz am Ende eines sehr steilen geteerten Feldweges beginnt. Die Idee ist, das die Westseite weniger häufig wolkenverhangen ist und damit zumindest beim Aufstieg bessere Chancen auf gute Ausblicke gewähren könnte. Da wir ja noch den Mietwagen haben, holen wir in St. Pierre Karin und Reinhard ab, die inzwischen dort mit ihrer „2nd try.2“ vor Anker liegen (sie waren vorher unser Nachbar am Ankerplatz in Fort de France).

Erst geht noch schön schattig durch den Wald bergauf, aber bald werden die Bäume kleiner und weichen dann niedrigem Buschwerk.

Wir haben großes Glück, es bleibt trocken und wir sehen nur über uns am Gipfel immer wieder Wolkenfetzen durchziehen, die ins Tal hinabfallen und sich dann schnell auflösen. Aber es wird auch anstrengender: bis hinauf zu dem auf etwa 1.150 m verlaufenden Caldera-Rundweg sind es etwa 440 Höhenmeter, aber die sind auf etwa 3,5 km Strecke zu überwinden. Zeitweise ist es wie Treppensteigen mit nur sporadisch vorhandenen Stufen, manchmal ist Klettern über die Steine angesagt. Ich finde ja, 440 Höhenmeter hört sich nicht nach allzu viel an. Das iPhone sagt, wir hätten 130 Stockwerke erklommen. Die Treppen zu unserer Wohnung im vierten Stock in Hamburg gut 30 mal hoch und wieder runter, hm. Das Empire State Building hat 102 Stockwerke. Doch, 440 Höhenmeter steil hinauf ist doch eine ganze Menge.

Aber es gibt auch flachere Abschnitte, in denen wir die tollen Ausblicke genießen können. Was für ein Panorama.

Tatsächlich schaffen wir es bis zum Rundwanderweg am Calderarand, wandern dort auch noch ein Stück entlang, aber dann erreichen uns doch die Wolken. Voraus wird die Sicht schlechter und wir möchten den steilen Rückweg auch lieber im Trockenen bewältigen, wir sind eh schon geschafft genug.

Aber glücklich!

Und heute? Haben wir ebenfalls den Anker in Fort de France gelichtet und Flora hier hinüber nach St. Pierre verholt.

Christmas Winds

Es bläst. Ziemlich kräftig sogar. Und es schauert. Regelmäßig. Weil es etwa 28 Grad warm ist heißt dass: Fenster auf – Fenster zu / mache eine typische Handbewegung. Aber das hat auch seine schönen Seiten, ein Tag mit weniger als drei Regenbögen 🌈 scheint hier in Fort de France derzeit ein verlorener Tag zu sein.

Dass es so bläst und schauert ist eigentlich sogar der Grund, warum wir hier in der Hauptstadt Martiniques vor Anker liegen. Denn die Wetterberichte hatten das bereits eine Woche vorher zuverlässig angekündigt, also hatten wir uns darauf eingestellt und in der tiefen geschützten Bucht rechtzeitig ein Plätzchen gesucht.

Das Wetterphänomen hat in der Karibik sogar einen Namen: „Christmas Winds“. Die Weihnachtswinde halten sich zwar nicht nicht so recht an das namensgebende Kalenderdatum, aber sie treten im Dezember / Januar ziemlich regelmäßig jedes Jahr auf und äußern sich darin, dass die aus östlicher Richtung wehenden Passatwinde sich für einen Zeitraum von ein paar Tagen bis zu einer Woche deutlich verstärken und dann insbesondere zwischen den Inseln des Antillenbogens auch eine fiese See stehen kann. Meistens scheinen die südlicheren Inseln zwischen Trinidad und Saint Lucia stärker betroffen zu sein, aber zumindest in diesem Winter hat es den Norden kräftig erwischt und auch zwischen Martinique und Domenica sind für heute wieder Böen von 35 kn angesagt.

Wobei – durchaus spannend – die Windvorhersage sich typischerweise auf eine Höhe von 10 m bezieht. Der Segeldruckpunkt unseres Bootes mag auf dieser Höhe sein, das Anemometer unseres Windmessers misst aber auf über 20 m Höhe und zeigt deshalb häufig mehr Wind an als angesagt.

Verursacht wird das Phänomen der Christmas Winds übrigens dadurch, dass das Hochdruckgebiet über Bermuda (die Schwester des Azorenhochs) sich weiter nach Süden bis auf etwa 25-30 Grad N verlagert. Meist schwächt es sich dabei leicht ab, aber da es eben näher an die äquatornahen Tiefdruckgebiete (und die Karibik) heranrückt, liegen die Isobaren näher beieinander und der Gradientwind wird stärker.

Sich über das Wetter zu ärgern macht selten Sinn. 😉

Mitte der Woche soll das Wetter wieder stabiler werden, weniger windig und dafür sonniger. Abwarten und Tee trinken. Wir haben sogar noch ein bisschen von dem passenden da.

Pelikan-Tag

Es fing ganz anders an. Der Morgen in der Tyrell-Bay, wo wir gestern nach Grenada 🇬🇩 einklariert haben, begann mit ausgiebigem Schnorcheln. Wir haben direkt neben einem zum schwimmenden Seezeichen (Untiefentonne Nord) umfunktionierten Boot geankert. Also flugs mal dahin geschnorchelt und die gleich zwei Wracks unter dem gelben Unikum erkundet.

Danach haben wir dann eine Bucht weiter nach Norden verholt und liegen jetzt ganz wunderbar vor der kleinen palmenbestandenen Insel Sandy Island.

Und als wenn das noch nicht traumhaft genug wäre, liefern uns die hier zahlreichen Pelikane (zugleich die ersten, die wir sehen) eine Flug- und Jagdshow sondergleichen. Es gibt riesige Schwärme kleiner Fische am Riff nahe der Insel und die Pelikane bedienen sich. Sie segeln über dem Wasser, stürzen sich dann plötzlich senkrecht in die Tiefe und führen dabei die putzigsten Verrenkungen durch, um ihre Beute nicht aus den Augen zu verlieren.

Dabei schießen sie auch direkt neben uns ins Wasser und bieten uns ebenso spektakuläre Ansichten, wenn sie zu ihrer nächsten Runde starten.

Beach-Dinner

Eigentlich hätten wir heute dann doch mal weiter segeln wollen, aber 1. haben wir gestern mit den Crews der Amalia of London (Steve 🇬🇧 und Helena 🇵🇹 ) und der Anushka (Marc und Annie 🇫🇷) Silvester gefeiert, Lobster vertilgt und bei uns auf dem Boot danach noch gemeinsam “Dinner for one” geguckt. Da haben wir heute dann doch etwas länger geschlafen.

Und 2. haben wir dabei die Einladung für ein Beach-Dinner mit weiteren Seglern erhalten, insbesondere der Ariel IV – Crew Eric und Birgitta 🇸🇪 und noch einigen mehr. Marc hat dafür schon mal Austern angekündigt, wir konnten nicht widerstehen. Und so gab es ein großes Dinghy-Treffen auf der Landzunge am Turtle-Beach mit viel Schnacken (unter anderem haben wir Nils, Andrea und Noah von der Marzemino 🇩🇪 getroffen, die mit ihrer Bavaria 31 auf Atlantikrunde sind).

Und mit Dunkelwerden haben wir uns etwas windgeschützter in die Ecke verholt, die Decken ausgebreitet, getafelt und den Humor der anderen Crews genossen, die sich schon aus Surinam kennen. Ariel hat die Welt schon umsegelt, Anushka ist von den Seychellen über Madagaskar, Südafrika, St. Helena und Brasilien hierher gesegelt, Amalia ist nach ihrer Atlantiküberquerung 2018 nun schon die zweite Saison in der Karibik. Wir sind hier die Frischlinge.

Oh, und nicht zu vergessen: auch die Naturerlebnisse reißen nicht ab. Gestern z.B. ist doch glatt beim Schnorcheln ein gefleckter Adlerrochen elegant und ohne einen einzigen “Flügelschlag” unter uns durchgeflogen:

Adlerrochen