Nelson’s Dockyard

Natürlich schauen wir uns English Harbour nicht nur mit der Drohne an. Die historischen Stätten liegen dicht beieinander, da kann man durch die Werftanlagen schon mal ganz gemütlich schlendern. In einem der historischen Gebäude ist das Dock Yard Museum (und die Nationalparkverwaltung) untergebracht. Das Gebäude ist schön renoviert, aber die Ausstellung begeistert uns nicht. Schnell verlassen wir das Museum wieder, zumal uns drinnen Mücken überfallen und uns insbesondere die Beine ordentlich zerstechen. Vor dem Museum steht übrigens eine „Royal Palm“ (Königspalme), die Queen Elizabeth 1966 dort bei einem Besuch gepflanzt hat. Beide sind immer noch im Dienst ☺️.

Dass es Nelson hier nicht leicht hatte habe ich ja im Frühjahr hier schon beschrieben. Er würde sich vermutlich im Grab umdrehen wenn er wüsste, dass Jahrhunderte später ein kluges Marketing-Team die Schiffsreparaturwerft „Antigua Naval Dockyard“ nach ihm benannt hat. Aber wer weiß, vielleicht haben die vergangenen Jahre ja auch milder gestimmt. Zu Lebzeiten jedenfalls war er auf die Bewohner der Insel (sowohl die menschlichen als auch die Mosquitos!) nicht sehr gut zu sprechen. Aber immerhin trägt jetzt ein UNESCO-Weltkulturerbe seinen Namen.

Das Wahrzeichen von Nelson’s Dockyard sind die Boat House Pillars, auf denen früher das Segelloft ruhte. Durch den kleinen Kanal wurden auf Langbooten die unhandlichen Segel herangebracht und nach oben in das Segelloft gewuchtet.

Die Salty Dawg organisieren eine „Rum in the Ruins“- Führung durch Teile dieses Areals, das als eines der größten Freilichtmuseen der Karibik gilt. 1889 von der Royal Navy aufgegeben, wurde es von den „Friends of English Harbours“ renoviert und 1961 wiedereröffnet. Neben der Geschichte des Hafens kommt bei der Führung auch die des Rums nicht zu kurz, zwei Rumpunsch und eine Pur-Verkostung sind auch dabei 🤪.

Aber anders als noch im Frühjahr gibt’s dafür dieses Mal beim Hike hinauf auf Shirley Height keine Rumpunsch-Belohnung, lediglich mein wegen der unchristlichen (aber weniger heißen und deshalb sinnvollen) Startzeit morgens um 7.00 Uhr mitgenommener Kaffee fließt durch die durstige Kehle.

Mit den Crews von „Escape„ und „San Giulio“ erklimmen wir den bekannten Aussichtspunkt und wandern dann weiter über den Klippenpfad zurück zum Galleon Beach.

Eine wirklich wunderschöne Tour. Überhaupt, Galleon Beach. Schon ein paar mal sind Wiebke und ich jetzt morgens mit dem SUP aus dem Inneren Hafen hinaus zu diesem Strand in der vorderen Freeman’s Bay gepaddelt, um die SUPs dort an eine kleine Boje zu binden und zu Schwimmen oder zu Schnorcheln. Frühsport halt.

Schön auch, dass sich dort an den Fragmenten alter „Hurrikan-Ketten“ gerne kleine Fische sammeln. Diese Kettenreste sind eine Herausforderung für das Ankern in der Bucht, aber eine Attraktion für Tierwelt und damit auch für uns Schnorchler.

Noch eine Woche bis zum 1. Advent.

Wirklich?

Wetterverschlechterung

Das schöne Spätsommerwetter ist erstmal vorbei. Auf unserer Fahrt vom Cuckold Creek zum Mill Creek etwas südlich der Mündung des Potomac hatten wir noch Sonne, allerdings keinen Wind. Am nächsten Tag können wir zwar die ganze Strecke bis nach Deltaville wunderbar segeln, das aber bei deutlich kälterem und regnerischen Wetter. Kein Problem, für irgendetwas muss das mitgeschleppte Ölzeug ja schließlich auch gut sein.

Blöder ist allerdings Zeta, der mittlerweile zum Hurrikan angewachsene 27. tropische Sturm des Jahres. Die 21 in alphabetischer Reihenfolge vergebenen Vornamen sind schon lange durch (Q, U, X, Y und Z werden nicht benutzt), seitdem werden die Stürme dieses Jahres mit den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. Nach Alpha, Beta, Gamma, Delta und Epsilon nun also der sechste Buchstabe: Zeta. Damit ist der Rekord aus dem Jahr 2005 eingestellt, weiter musste man (bisher) nicht. Hurrikan Zeta tobt jetzt zwar weit weg im Golf von Mexiko, aber nach dem voraussichtlichen Landfall bei New Orleans werden seine immer noch starken Überbleibsel uns wohl noch diese Woche hier in der Chesapeake Bay besuchen. Auf Windy sieht das in der Vorhersage so aus:

Es könnte also Windstärke 9 auf uns zukommen, da sollten wir gut geschützt liegen.

Und auch der eigentlich am 2. November geplante Absprung zu den Bahamas wird sich wie es aussieht wohl verschieben.

Aber Warten auf das richtige Wetterfenster gehört zum Langfahrtsegeln nun mal dazu und wir haben ja den Luxus, Zeit zu haben, auch noch etwas Luft bis unser US-Visum abläuft.

Und so ganz ungelegen kommt es uns gar nicht, die Abfahrt noch etwas hinauszuschieben, denn ganz vorbei ist die Hurrikansaison eben noch nicht und unsere Versicherung möchte uns ja auch erst ab Mitte November in den Bahamas sehen. 😊

Glücksmomente

„Wolken fließen in mein Leben, nicht mehr um Regen heran zu tragen oder Sturm anzukündigen, sondern um Farbe in meinen Sonnenuntergangshimmel zu bringen.“

Der Literaturnobelpreisträger von 1913, Rabindranath Tabore, hat diese Zeilen geschrieben. Im englischsprachigen Original dieses ersten asiatischen Nobelpreisträgers überhaupt klingt es noch schöner, einfacher, weniger gestelzt: „Clouds come floating into my life, no longer to carry rain or usher storm but to add color to my sunset sky.“

Und so sah unser Himmel über dem Cuckold Creek gestern Abend aus:

Wir sind überwältigt. Da kann man schon mal Poesie bemühen.

Und heute morgen setzen sich die Glücksmomente fort. Als wir aus dem Cuckold Creek in den Patuxent River einbiegen, sehen wir am Ufer Adler 🦅.

Konnten wir im Juni in der Chesapeake Bay noch auf fast jedem zweiten Seezeichen Fischadler beim Brüten bzw. der Aufzucht ihres Nachwuchses beobachten, sind die Nester jetzt alle verlassen, wir sehen wir fast gar keine Fischadler mehr. Die meisten verlassen nämlich schon im September, Nachzügler neuerdings allerdings manchmal erst im November ihre Sommerreviere. Sie ziehen gen Süden. Kommt uns bekannt vor 😉, auch wenn die Fischadler in der Regel bis hinunter nach Kolumbien, Venezuela oder gar Brasilien wandern. Einige streifen nur bis in den Süden der USA und in letzter Zeit bleiben ein paar wenige sogar ganz im Süden der Chesapeake Bay.

Also jetzt im Herbst in den Bäumen keine der etwas kleineren Fischadler, sondern diesmal entdecken wir zu unserer Freude wirklich die noch größeren und hier deutlich selteneren amerikanischen Wappenvögel. Weißkopfseeadler.

Gerne genau hinsehen um den versteckten zweiten zu entdecken. 🤓

Und noch Jungtiere dazu (die charakteristischen weißen Köpfe und Schwanzfedern ebenso wie die gelben Schnäbel und Augen entwickeln sich erst im Alter von 3 bis 4 Jahren).

Oxford, MD

In Oxford bleiben wir ein bisschen. Zum einen steht Papierkram an (unter anderem muss ich endlich die Steuererklärung erledigen). Das macht nicht nur fröhlich. Zum anderen können wir aber unsere Stimmung ganz wunderbar mit herrlichen Spaziergängen durch den Ort wieder aufhellen. Die Farbenpracht des Indian Summer speziell mit seinem von Grün in Rot wechselnden Ahorn, die gepflegten Häuser und Gärten, die Ausblicke aufs Wasser, Blütenpracht und Herbstdekoration mit Kürbissen allenthalben.

Und – na klar – es geht mit Riesenschritten auf Halloween zu. Auch das ist nicht zu übersehen.

Und noch etwas ganz anderes fällt uns auf: diverse große Schmetterlinge genießen ebenfalls die herbstliche Blütenpracht. Darunter viele der prächtigen schwarz-orangenen etwa handtellergroßen Monarchfalter. Mit denen hat es eine besondere Bewandnis: es sind Wanderfalter, die sich wie wir jetzt im Herbst in den Süden aufmachen. Die meisten überwintern in der mexikanischen Sierra Nevada. Wir nehmen es einfach mal als ein gutes Zeichen.

Flora liegt derweil aber noch wunderbar geschützt am Ankerplatz mitten im Ort.

Und es kommt noch besser: am zweiten Abend gesellen sich Helena und Steve mit Floras Schwesterschiff Amalia zu uns.

Ganz anders sieht die Szenerie allerdings heute morgen aus. Pottendicker Nebel hat sich über die Bucht gelegt. Außerdem ist Flaute.

Also geht es erst einmal unter Motor hinaus. Der Nebel hält sich auch noch als Wind aufkommt und wir endlich segeln können, nur ganz zögerlich setzt sich die Sonne durch.

Es ist trotzdem herrliches Segeln ohne große Schräglage, Wiebke backt sogar einen Spanischen Mandelkuchen und zum Kaffee haben wir tatsächlich blauen Himmel.

Wieder unterwegs.

Das fühlt sich gut an. Der Morgennebel in Herrington verzieht sich schnell. Die Ölabsaugpumpe steht nach dem Motorölwechsel gestern noch draußen, also erledigen wir gleich noch den Ölwechsel bei der Hochdruckpumpe des Watermakers. Geht mit 0,2 l Ölvolumen ziemlich fix, und ich kann jetzt das Altöl in der Annahmestelle der Marina abgeben.

Noch auschecken, auf dem Nachbarsteg von Helena und Steve verabschieden, oh wie praktisch, Glen von der “Cloudy Bay” ist auch gerade dort und schenkt uns zum Abschied ein Chartbook der Exumas. Umarmungen fallen wegen Social Distancing leider aus. Und los geht’s. Es fühlt sich ein bisschen so an als würden wir in eine neue Segelsaison starten, dabei waren wir (und Flora) weniger als drei Wochen an Land.

Aber jedenfalls lässt es sich gut an. Schöner Segelwind und meist blauer Himmel für unseren Schlag hinüber auf die andere Seite der Chesapeake Bay (Eastern Shore).

Und auch die Seevögel vor Flora sind ein gutes Zeichen. Fisch! Die Angel rauscht aus, kaum dass sie drin ist. Zum ersten Mal überhaupt in der Chesapeake Bay haben wir Angelglück, es schwimmt aber auch viel weniger Seegras herum und verfängt sich am Haken. Statt dessen: ein schöner Striper (Striped Bass/Felsenbarsch) 😃. Den gibt’s gedämpft mit asiatischem Gemüse (frischer Koriander, Pak Choi und Möhren, Wiebke hat vorgesorgt) auf Reis.

Nachdem wir uns gerade von den Engländern verabschiedet haben mutet es irgendwie komisch an, uns zwischen den Tageszielen Oxford und Cambridge entscheiden zu sollen. Aber hinter dem schiefen Leuchtturm von Sharps Island fällt die Entscheidung für Oxford.

Nach Eisgang-Schaden aufgegeben: Sharps Island Lighthouse. Die Insel selbst ist inzwischen sogar ganz untergegangen.

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in Oxford an. Ein paar Boote ankern schon nördlich des Ortes, aber wir möchten noch den Naturhafen des Town Creek erkunden und wir haben Glück. Der Ankerplatz zwischen den Bootsstegen bietet zwar nur begrenzt Platz, aber wir haben ihn ganz für uns allein.

Und das Abendspektakel möchte nicht hinter dem des Morgens zurück stehen, der Mond steht zwischen flammenden Wolken am Himmel. Was für ein Tag.

Der Bart der Chesapeake & Cabrio die Zweite

Die UV-Strahlung setzt allem an Bord ziemlich zu. Na klar wenn man sich quasi im Dauersommer und zumeist in den Tropen oder Subtropen bewegt ist das keine große Überraschung.

Ein (leider) ganz gutes Beispiel dafür ist die Hülle unseres Rettungskragens. Vor erst gut einem Jahr in Italien gekauft, hat die Hülle nicht nur ihre Farbe von dunkelblau nach „blassgraublau gescheckt“ verändert, sondern leider auch ihre sonstige Erscheinungsform. Sackartig, mehrfach gerissen und zerfleddert, Reißverschlüsse fest. Immerhin könnte man den Kragen wohl inzwischen herausreißen, ohne die Reißverschlüsse zu öffnen 😖. Trotz des Kaufs in Italien beim Marineausstatter offensichtlich nicht für Langfahrt geeignet, muss leider neu.

Aber auch dem Boot selbst setzen die Bedingungen sichtbar zu. Der blaue Streifen im Gelcoat der Flora kreidet aus und wird scheckig, auch wenn das eher ein lediglich optischer Makel ist.

Flora bei Abfahrt in 🇬🇷

Inzwischen sah es leider so aus, dass neben dem stumpfen Gelcoat und dem besonders leidenden blauen Streifen auch der „braune Bart der Chesapeake“ am Bug ziemlich deutlich erkennbar war:

Aber die angekündigte Wellnesskur für Flora zeigt erste glänzende Erfolge der Schönheitsfarm:

Mir ist schon klar, dass es ein bisschen luxuriös erscheint, wenn wir solche Arbeiten machen LASSEN und gleichzeitig auch noch selbst von unseren Freunden mit ihrer Gastfreundschaft verwöhnt werden, sowohl kulinarisch durch Michaels ausgezeichnete Küche als auch z.B. mit Cabrioausfahrten in ihrem uns zur Verfügung gestellten MX5. Ja, das ist es wohl. Aber wir gönnen es uns ganz bewusst, genießen es, cruisen bei wunderbarem Spätsommerwetter durch die leicht gewellte Landschaft von Maryland (hier immer als MD abgekürzt). Noch im Pendler-Einzugsgebiet von Washington D.C. zeigt uns MD vergleichsweise weniger Felder als die anderen von uns besuchten Südstaaten wie etwa Virginia und dafür deutlich mehr Pferdekoppeln mit ihren typischen Holzzäunen.

Und – gerade in dieser Jahreszeit wunderschön – es gibt eben auch reichlich Laubwald hier in MD. In den USA muss man sich als Deutscher erst daran gewöhnen, dass der Wald zumeist nicht öffentlich zugänglich ist und auch größere nicht waldwirtschaftlich bewirtschaftete Wälder in privater Hand mit einem deutlichen „NO TRESPASSING“ potentiellen Spaziergängern ihre Unwillkommenheit deutlich machen. Aber: Es gibt eben neben den großen bekannten US-Nationalparks auch viele kleine State Parks und in denen sind Spaziergänge und Hikes (oft auf gut beschilderten Routen) möglich. Mit dem kleinen Zweisitzer-Cabrio fahren wir diesmal hinaus nach Sunshine (wirklich 🌞!) und weiter zum Patuxent River Watershed Park. Und wenn die Covid-Beschränkungen auch den eigentlich geplanten Heimflug ausfallen lassen, so kommen auch wir „Sommersegler“ doch in den Genuss, mit den Füßen in trockenem Laub rascheln zu können, die Farbenpracht und den wunderbaren Geruch eines vorsichtig den Herbst begrüßenden Laubwaldes so richtig auszukosten.

Im Fluss

Vier Tage haben wir jetzt an unserem Ankerplatz vor Lewes verbracht. Ruhige Tage (wenn man von dem ruppigen Wasser beim Weiterfahrt- Versuch gleich am ersten Tag absieht).

Gut geschützt hinter der inneren Mole werden wir am Morgen tatsächlich vom Prusten der Delfine geweckt, die ums Boot herum spielen, jagen oder einfach nur einen Familienausflug machen, ohne von der Flora besondere Notiz zu nehmen.

Wir nutzen die Zeit für kleinere Bootsarbeiten, bringen ausgerissene Druckknöpfe am Teppich neu an, säubern den Motorraum von den öligen Schaumstoffresten des Luftfilters unseres Volvos (der muss jetzt eine Zeitlang mit offenem Ansaugrohr arbeiten, was kein Problem sein dürfte, ein verbesserter Dauerluftfilter ist schon auf dem Postweg). Die Vorräte werden durchgesehen, Ersatzteile online bestellt (Postadresse Greg und Michael) nochmal am Vorluk nachgearbeitet. Ganz viel relaxt. Der Mittwochsregatta des örtlichen Yachtclubs zugeschaut, schließlich haben wir einen Logenplatz: es geht rund um den Breakwater und am Leuchtturm muss der Spi weg, auf der anderen Seite des Breakwaters folgt die Kreuz zurück. Und wir haken noch mal bei der Werft in der Chesapeake Bay nach, bei der wir ein Auskranen und einen Landeplatz für zwei Wochen angefragt hatten. Im zweiten Telefonat haben wir Erfolg, ja, schon nächste Woche können wir raus. O.k., dann machen wir uns also doch mal auf den Weg 😉.

Was uns auffällt: der gerade neu gestrichene dunkelrote Leuchtturm am Ankerplatz trägt den doch sehr prosaischen Namen “Delaware Breakwater East End Lighthouse”. Auch der weiße Leuchtturm auf dem äußeren Breakwater ist mit “Harbor of Refuge Lighthouse” eher beschreibend benannt. Nur, was sollen wir dann davon halten, wenn das nächstfolgende Leuchtfeuer im Fluss “Brandywine” heißt? 😊

Maine: Herausforderungen und Belohnungen

Lobsterpots. Hatte ich schon erwähnt, ich weiß. Aber sie gehören zu Maine, wie die leckeren Blaubeeren, die Kiefern, die Tide und …

der Nebel.

Annemarie und Volker mit der Escape kommen nach Bar Harbor. Wir freuen uns, sie hier nochmal zu treffen, denn sie wollen noch etwas weiter nach Norden und wir bummeln von hier ab wieder in Richtung Süden. Wir verbringen einen schönen Abend zusammen.

und am nächsten Morgen können wir die Escape im mystischen Morgennebel fotografieren. Erst als sich der Nebel etwas weiter gelichtet hat, machen wir uns dann auf den Weg. Im Slalom, na klar, wegen der Lobsterpots (siehe oben).

Ziel ist eigentlich Stonington, aber wir entscheiden uns kurzerhand um, als uns immer mal wieder Nebelbänke doch sehr auf die Pelle rücken. Swans Island lockt mit einem geschützten Ankerplatz, also biegen wir ab und der Anker fällt in der Mackerel Cove im Norden der Insel, wobei wir uns weit hinein tasten und hinter Roderick Head verkriechen, denn heute Nacht soll es kräftiger wehen.

Morgens dann … weiße Suppe. Das Tuten der Fähre und das Tuckern einiger Fischerboote dringt durch den Nebel. Umdrehen, weiterschlafen. Das hilft zumindest etwas. Die Blaubeerpfannkuchen helfen dann noch etwas 😋.

Als das Ufer längere Zeit sichtbar bleibt machen wir uns dann auf den Weg, diesmal wirklich nach Stonington. Wir haben Glück, unterwegs reißt die Nebeldecke auf und als wir im „Schärengarten“ vor Stonington ankommen, lacht die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Wirklich vieles erinnert uns hier an Schweden, wenngleich die ohnehin berüchtigte „Schären“-Navigation um die Komplikationen einer Tide von knapp 4 Metern und eben der LOBSTERPOTS erschwert ist. Andererseits:

Man möchte sich kugeln vor Freude 😁

Am späten Nachmittag lassen wir das Florecita ins Wasser und fahren hinüber in die Stadt. Stonington liegt auf Deer Island, neben der Lobsterfischerei findet hier auch der Abbau von (rosafarbenem) Granit statt, der z.B. für die Brooklyn Bridge genutzt wurde und ebenso für die Grabstätte von John F. Kennedy und Jackie auf dem Ehrenfriedhof in Arlington. Eine Statue am Dinghydock weist auf den Granitabbau hin.

Der Ort selbst ist dagegen ganz stark von der Fischerei geprägt. Touristen scheinen sich nur wenige hierher zu verirren, aber uns gefällt das Städtchen gerade deshalb ausgesprochen gut.

Einen schönen Buchladen finden wir auch.

Bloß die Einkaufsmöglichkeiten im Supermarkt sind eher bescheiden, dafür bietet er aber Unterschlupf vor dem heftigen Gewitter:

Die Kissen im Cockpit sind inzwischen wieder trocken 😉. Schließlich wurden wir heute morgen zu unserer Freude wieder von der Sonne am blauen Himmel geweckt, konnten den trotz Kelp (eine dickblättrige lederzähe große Alge) super haltenden Spade-Anker hochholen,

und uns auf den Weg zum nächsten tollen Ankerplatz machen. Auf Empfehlung der Escape Crew ist es diesmal Seal Bay auf Vinalhaven Island nur 8 sm westlich. Die können wir hoch am Wind segeln (wobei Slalom hoch am Wind eigentlich eine Sonderdisziplin sein sollte), bei allerdings bis zu 30 kn scheinbarem Wind eine schräge Angelegenheit. Die wieder belohnt wird, sogar gleich doppelt:

Ebbe
Flut

Bar Harbor

Von den 4.617 Inseln des Bundesstaates Maine ist “Mount Desert Island“ die mit Abstand größte. Zudem bietet sie mehrere gute Naturhäfen, darunter mit dem 9 km langen und 40 m tiefen Somes Sound den einzigen Fjord der US-Ostküste und vor allem dem durch zwei natürliche Barren und mehrere Inseln geschützten “Bar Harbor”. Für den entscheiden wir uns.

Rund um den vorletzten Jahrhundertwechsel entdeckten Amerikas Superreiche die Insel für sich, nachdem zuvor Maler den Ort populär machten (und wohl auch etwas verklärten). Die Rockefellers, Fords, Vanderbilts, Astors und Carnegies hatten Sommersitze hier. Einige davon wurden bei einem verheerenden Waldbrand 1947 zerstört. Was aber blieb, sind die “Carriage Roads”, feste Schotterwege, die für Vergnügungsfahrten mit den Kutschen durch die großen von Seen durchzogenen Waldgebiete der Insel angelegt wurden. Heute sind sie herrliche Radwander- und Reitwege, die kreuz und quer durch den Arcadia-Nationalpark führen.

Und so mieten wir uns Fahrräder und erkunden auf einer 37 km langen Tour mit viel bergauf und bergab einen Teil der Insel.

Fototapete, das kommt uns mehrfach in den Sinn:

Und nicht nur die Landschaft gefällt uns gut. Die rund 23 Grad, die wir hier im Moment tagsüber so haben, machen die durchaus anstrengende Tour gut erträglich. Neben den vielen malerischen Ausblicken sorgen Streifen-Backenhörnchen für zusätzliche Kurzweil, immer wieder flitzen sie über den Weg, bleiben dann manchmal am Rand sitzen und scheinen uns so zu beobachten wie wir sie:

Strahlend blauer Himmel und sommerlich grün, auch wenn sich ganz vereinzelt schon erste Herbstfarben zeigen, so absolut nicht ihrem Namen entsprechend wüstenartig präsentiert sich uns auf dieser Tour Mount Desert Island.

Ganz anders dagegen der Blick hinaus am nächsten Morgen: die Farben sind weg, verschluckt vom Nebel, der in dichten Schwaden herumwabert und die morgendliche Stille noch zu verstärken scheint.

Sicher an der Boje liegend ist das ein faszinierender Anblick, aber jetzt durch die dichten Felder der Lobsterpots motoren zu müssen möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Anfangs kann ich kaum das Boot an der Nachbarmooring ausmachen, das gestern Abend noch zum Anfassen nahe schien. Aber dann setzt sich gaaaaanz langsam die Sonne immer mehr durch, brennt erste kleine Löcher in die graue Suppe, lässt manchmal schon den blauen Himmel über den vielen Booten in der Nebelbank erahnen.

Schön, dass heute die Sonne gewonnen hat (ist hier wohl nicht immer so 😉). Wir schnappen uns das Dinghy und fahren an Land, denn heute ist Farmers Market, also eine gute Chance für uns auf Wildheidelbeeren aus Maine, die wir im Supermarkt leider nicht bekommen. Die von Jill in Boothbay Harbor geschenkten Heidelbeeren haben uns verwöhnt und angefixt, seitdem sind wir auf der Suche nach den kleinen aber intensiv schmeckenden Blaubeeren. Und tatsächlich, wir müssen zwar dafür einmal quer durch den Ort aber es lohnt sich, wir finden nicht nur die Wildblaubeeren, sondern auch noch weitere lokale Köstlichkeiten wie etwa hausgemachten Ahornsirup.

Segel-Eindrücke in Maine

Wir sind schwer beeindruckt von Maine. Warum? Wieder schwer (zu beschreiben).

Die Landschaft, die Menschen, die Tide, die Ankerplätze, das Segeln. O.k., ab und zu auch die Herausforderungen der Lobsterpots. Ich mache es mir heute einfach mal leicht und poste nur ein paar Bilder und (da wir unsere Drohne ziemlich aktiv eingesetzt haben) den Link zu einem kleinen Video. Eindrücke halt.

Landschaft
Lobsterpots in der Anfahrt
Belohnung: Blubber Island bei Port Clyde
Genießen
Weitersegeln
Anders als gestern bleibt der Abendschauer diesmal über dem Festland
Neue Ankerbucht: Marshal Island

Und das Video: Hier 😊.