Das Wrack auf dem Motu

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts trugen die Tuamotus auch in offiziellen Seekarten den Beinamen “Gefährliche Inseln” (Dangerous Islands). Die zahlreichen, zudem schlecht kartierten flachen Korallenriff-Inseln und die wechselhaften Strömungen machten diese Inselgruppe berüchtigt. Die genaue Positionsbestimmung war ohnehin noch schwierig per Sextant (Messung des Winkels der Sonne oder der Sterne überm Horizont, umfangreiche Berechnungen) und die flachen Inseln ließen auch kaum verlässliche Peilungen zu. Das sollte heutzutage mit Satellitennavigation und präzisen Seekarten einfacher sein, aber die scharfkantigen Riffe fordern trotzdem noch immer wieder Opfer. Auch hier auf Toau finden wir bei unserem Spaziergang über das Motu auf dem Außenriff ein Wrack am Spülsaum. Das Stahlschiff liegt wohl schon länger dort, der Rost hat den Rumpf schon zu weiten Teilen zerfressen. Platten und auch Motorteile liegen verstreut herum, erstaunlich gut erhalten unter anderem zwei Wärmetauscher.

Wie jedes Wrack ein Mahnmal, zumal sich selbst an ihnen ruhigen Tag wie heute die Wellen auf dem Riff beachtlich aufsteilen und kraftvoll brechen.

Eine Strandung auf dem Außenriff bedeutet deshalb fast immer das Ende für das Schiff. Auf dem breiten, scharfkantigen Riffdach wird der Rumpf aufgerissen und abgeraspelt, bevor höhere Wellen es irgendwann auf dem Strand dahinter ablegen. Auch an eine Bergung ist daher kaum zu denken, zumal die meisten Motus auch von der anderen Seite her für schweres Gerät kaum zugänglich sind.

Immerhin, obwohl dieses Motu unbewohnt ist, finden wir so etwas wie einen holperigen “Weg” hinüber auf die andere Seite. Ein früherer Cut hat wohl Reste eines Spülsaumes mit Korallenschutt hinterlassen. Die Bruchstücke der Korallen sind schon stark verwittert, fast an Lava erinnernd zieht sich das dunkelgraue Band durch die Buschlandschaft.

Zum Vergleich: so sieht der höher gelegene Teil des aktuellen Spülsaums aus, bei dem die angeschwemmten Korallenbruchstücke noch deutlich besser erkennbar sind:

Auf diesem Motu finden sich dazwischen nur kleine Sandflächen. Auf ihnen tummeln sich Einsiedlerkrebse in großer Zahl. Kommen wir in ihre Nähe, verschwinden sie in ihren schützenden Gehäusen und verbarrikadieren den Eingang mit ihren Krebsscheren. Nimmt man aber ein solches Schneckengehäuse hoch, zeigt sich der Einsiedlerkrebs in ganzer Pracht und kommt fast vollständig aus der Schale heraus.

Genug gewandert. Noch ein bisschen Wingfoilen, Schnorcheln, und dann ist auch schon wieder Abend. Wie schnell doch die Zeit vergeht.

Delfin-Eskorte zum Traumstrand

Es ist ein fast unwirklich stillen Morgen. Kein Plätschern am Bootsrumpf. Kaum ein Windhauch kräuselt das Wasser. Flaute am Ankerplatz. Nur die dünnen Striche der Palmen-Motus am Rande des Atolls verhindern in der Ferne, dass die See und der Himmel am Horizont ansatzlos mit einander verschmelzen.

Das Wasser ist so kristallklar, dass wir in zwölf Meter Tiefe jede Muschel und jeden kleinen Fisch erkennen. Zeit für ein Bad. Wir lassen uns ins Türkis gleiten, Hineinzuspringen käme uns schon als Störung vor, schwimmen zur vor uns ankernden Lille Venn hinüber.

Mit Ralph besprechen wir, kurz nach Mittag im Pass tauchen zu gehen. Fein, dann können wir vorher noch mit dem Dinghy hinüber zu den Motus im wildromantischen Flachwasserbereich westlich des Passes fahren. Die Korallenriffe und die ausgreifenden Sandbänke dort machen den Besuch praktisch nur an stillen Tagen wie heute möglich.

Tatsächlich wären es Luftlinie vom Ankerplatz nur etwa anderthalb Meilen dorthin, durch die erforderlichen Umwege ist es allerdings fast die doppelte Strecke. Aber die lohnt sich, zumal uns die Slalomfahrt um die Bommies durch eine unerwartete tierische Begleitung versüßt wird.

Wir haben bisher in Französisch Polynesien erstaunlich wenige Delfine gesehen, hier aber begrüßt uns einer, kommt so nahe zu unserem Dinghy heran, dass wir im flachen Wasser seinen Schatten auf dem Sandgrund erkennen können.

Und das Beste: er bleibt bei uns, schwimmt mit etwas Abstand vor unserem Dinghy her, lässt sich zurück fallen, überholt wieder und schwimmt voraus, als wolle er uns durch das Labyrinth der Korallenbommies lotsen.

Erst kurz vor den Sandbänken der Motus verlässt er uns. Als es selbst mit schon angeklapptem Außenbordmotor zu flach wird, ankern wir Florecita und waten hinüber.

Ein tropischer Inseltraum empfängt uns und wir haben dieses abgelegene Idyll ganz für uns allein.

Verwöhnprogramm auf Fakarava

Restaurantbesuche sind derzeit selten für uns. Kein allzu großes Wunder, schließlich sind wir auf den Tuamotus ja zumeist doch in ziemlich abgelegenen Ecken unterwegs und die Bordküche auf der Flora … mmmh.

Aber das Fakarava-Atoll ist eben ein bisschen touristischer. Das hat den Vorteil, dass zum Beispiel in der Havaiki Lodge auch dieser von uns fast schon vergessene Luxus angeboten wird, sich gegen (vertretbare) Bezahlung einfach an einen Tisch zu setzen und sich fertig zubereitete Speisen servieren zu lassen. Das Ganze auch noch mit herrlichem Ausblick. Und nicht mal den Abwasch müssen wir erledigen.

Das gönnen wir uns gleich zweimal, erst allein und dann noch einmal mit Jill und Michael von der Gerty. Schließlich müssen wir auf Fakarava die Wartezeit bis zur Ankunft des Versorgungsschiffs überbrücken. Dann aber sind die bordeigenen Vorräte auch wieder mit Frischwaren aufgefüllt, eine Bananenstaude baumelt am Achterstag, die Kühlschränke und Obstnetze sind gut gefüllt.

Noch ein letzter (vorerst) Spaziergang durch den Ort Rotoava und ein bisschen über die Insel. Schnuppern an üppig blühenden Bougainvillea, sich vom Flaschenbaum und bunten Perfarmbojen-Bäumen irritieren lassen …

…und mit der Schaukel schon mal auf die anstehende Amwind-Passage nach Tahanea vorbereiten.

Tschüss, Fakarava.

So wird Kopra gemacht – eine weitere wundervolle Begegnung auf Fakarava

Die Herstellung von Kopra ist uns auf unserer Reise schon mehrfach begegnet. Insbesondere auf den Marquesas fielen uns immer wieder flache überdachte Gestelle auf, die zum Trocknen von Kopra dienen. Die kleinen Inseln (Motus) in den Atollen der Tuamotus sind oft nicht dauerhaft bewohnt, trotzdem finden sich dort oft einfache Hütten, die nur als temporäre Unterkünfte für die Bewirtschaftung der Plamenhaine dienen – eben um Kopra zu machen.

Was ist das überhaupt- Kopra?

Das weiße innere Fleisch der Kokosnüsse ist frisch gegessen sehr nahr- und schmackhaft, kann auch zu Kokosmilch, Kokosraspeln, Snacks und Ähnlichem genutzt werden. Vor allem aber enthält es einen hohen Anteil von gesättigten Fettsäuren, weshalb es in großen Mengen zu Kokosöl und Kokosfett weiterverarbeitet wird. Für die Verwendung in Lebensmitteln, aber auch für pharmazeutische und kosmetische Zwecke. Das erfolgt aber typischerweise in einem industriellen Prozess, in Französisch Polynesien zentral auf Tahiti. Da es ziemlich unpraktisch wäre, die voluminösen Kokosnüsse dorthin zu verschiffen, gibt es direkt bei den Plantagen einen Vorprozess, in dem aus den Nüssen in aufwändiger Handarbeit das weiße Nährgewebe entnommen und getrocknet wird. Die so gewonnene Kopra wird dann in 25 kg Säcke verpackt und von den Versorgungsschiffen der Inseln als Rückfracht nach Tahiti gebracht.

Wie das genau funktioniert erklärt uns Jakob. Wir treffen ihn, als wir auf einem Spaziergang zufällig an dem Kokospalmenhain hinter seinem Haus vorbeikommen. Bereitwillig, geduldig und freundlich zeigt er uns den Prozess, nimmt sich viel Zeit für uns.

Verwendet werden die braunen, trockenen Kokosnüsse mit viel Fruchtfleisch, nicht die grünen Trinknüsse mit viel Kokoswasser und wenig Fleisch. Jakob bevorzugt die größeren, aber langsamer wachsenden klassischen Arten. Nach sieben Jahren tragen diese Palmen die ersten Nüsse. Neuere Hybridsorten tragen früher (etwa nach 5 Jahren) , dann allerdings kleinere Kokosnüsse.

Zunächst einmal müssen die Kokosnüsse an einem Platz zusammengesammelt werden. Statt sich zu bücken werden die Kokosnüsse dazu typischerweise mit einem Werkzeug aufgepickt, das einem Holzstab mit Enterhaken am Ende ähnelt. Dieser wird dann kräftig und doch kunstvoll gegen einen anderen Stock geschlagen, so dass die Kokosnuss in hohem Bogen zielgenau an den Sammelort fliegt.

Dort werden die Nüsse dann mit einem gezielten Axthieb halbiert.

Die halbierten Nüsse werden zunächst mit der Schale nach oben (vor Regen geschützt) zwischengelagert, aber zumeist noch am selben Tag weiterverarbeitet.

Mit einem an einen S-förmig gebogenen Stechbeitel erinnernden Werkzeug wird dann mit einer einzigen fließenden Bewegung das Kokosfleisch aus der Nusshälfte herausgetrennt.

Die so gewonnene Kopra wird dann – je nach Wetter – noch mindestens eine Woche sonnengetrocknet, luftig aufgeschichtet in den regengeschützten und aufgebockten Trockengestellen. Danach wird die Kopra in Säcke gepackt und mit dem nächsten Versorgungungsschiff nach Papeete geschickt. Die Bezahlung richtet sich nach der Qualität, wofür auch der Trocknungsgrad wichtig ist.

Reich werden kann man davon bei der erforderlichen Handarbeit nicht, eine wichtige Einnahmequelle auf den abgelegenen Inseln Französisch Polynesiens ist das Herstellen von Kopra aber noch immer.

Die Kokosfasern der trockenen Hülle werden andernorts manchmal noch wie früher als Füllmaterial für Matratzen verwendet. Jakob aber kompostiert sie, insbesondere für die Vanille, die er ebenfalls anbaut.

Natürlich: Trink-Kokosnüsse hat Jakob auch. Bei der Hitze tut das richtig gut.

Von uns etwas annehmen möchte er aber nicht. Er sei froh, uns seine Kultur näherbringen zu können und Gastfreundschaft gehöre elementar dazu. Wir sind einmal mehr zutiefst beeindruckt. Das ganze wohlgemerkt auf Fakarava, wo auch heute wieder wie schon in den vergangenen Tagen ein Kreuzfahrtschiff für eine Tagesvisite in der Bucht ankert.

Toau: zum False Pass von der “falschen” Seite

Wir bleiben im Toau-Atoll. Zur Feier des Valentinstags – bietet sich einfach an – laden Heike und Jürgen auf dem deutschen Katamaran “Valentin” ein.

Am nächsten Tag verlassen wir dann aber den Ankerplatz am Coral Garden und fahren gemeinsam mit der Easy-One innerhalb des Atolls nach Norden. Trotz der vielen Bommies gestaltet sich das zunächst erstaunlich einfach, denn ein Tonnenstrich schlängelt sich noch ein ganzes Stück in diese Richtung. Er führt zu einer bereits vor Jahren aufgegebenen Perlfarm. Bis zu 100 Menschen sollen hier einmal gearbeitet haben, obwohl nur ungefähr 20 auf Toau leben.

Die Hafenanlage der ehemaligen Perlfarm ist noch gut erkennbar, allerdings sind die Stege und auch Teile der Mole doch schon ziemlich rott.

Wir ankern vor der Anlage und statten ihr lieber mit dem Dinghy einen Besuch ab. Haie patrouillieren im flachen Hafenwasser, sonst ist niemand da. Materialien der Perlfarm, etwa die Gitter für die Austern, liegen in Stapeln herum. Manches mutet wildromantisch an, gespültes Geschirr auf einer rostigen Außenspüle, ab und zu kommt sicher noch jemand vorbei. Aber fast alle Gebäude sind stark verfallen. Es ist immer wieder spannend, solche “Lost Places” zu besuchen.

Nach dem Stop geht es aber für uns noch weiter gen Norden. Der Tonnenstrich endet allerdings, der Plotter zeigt nur gestrichelte Linien und den Vermerk “Uncharted“. Auf der weiteren Fahrt müssen wir uns den Weg per Satellitenbild-Navigation suchen.

Katrin am Ruder beim Slalom durch die Bommies.

Klappt aber gut und so erreichen wir bald unseren Ankerplatz in der Nordecke des Toau-Atolls. Er liegt dicht nordöstlich des False Pass, aber – wie der Name schon sagt – hinaus aus dem Atoll kommen wir dort mit der Flora nicht. Der Pass ist eine Sackgasse, das Ende zur Lagune hin ist mit einem sehr flachen Korallenriff versperrt.

Macht aber nichts. Zum einen waren wir ja schon von der anderen Seite im False Pass und haben dort an einer der Bojen gelegen. Zum anderen sind wir hier in die Nordspitze des Atolls auch gekommen, um vor einem vorhergesagten kräftigen Nordwestwind gut geschützt zu sein. Und so ist es auch. Am Sonntag und Montag bläst es meist mit über 20 kn, aber hier baut sich trotzdem keine fiese Welle auf.

So kann ich ein bisschen Wingfoilen üben …

… bis der Wing platzt. Grrr 😖.

Das ist nicht so ideal, denn neben der inneren Bladder hat auch die Nylonhülle des Wings einiges abbekommen.

Ein professioneller Reparatur-Service ist hier nicht zu haben, aber ob wir diesen Schaden beheben können? Mit unserer Haushalts-Nähmaschine kommen wir an einige Stellen nicht heran, obwohl wir natürlich die Hauptnaht des Schlauches aufgetrennt haben. Also erst mal schön mit der Hand flicken, dann Spinnaker-Repair-Tape drauf und dieses ebenfalls per Hand annähen. Zum Glück können wir für die längeren Nähte dann auch die Maschine einsetzen.

Die Kaschierung der Hauptnaht geht dann wieder nur per Hand, die Aufgabe habe ich morgen noch vor mir.

Daneben ist aber auch noch Zeit, Katrin und auch Wiebke hinterm Dinghy auf dem Foilboard kniend zu ziehen. Beide kommen tatsächlich “ins Fliegen “. Schnorcheln gehen wir auch.

Und wir statten Valentine und Gaston am False Pass einen Besuch ab. Die beiden haben ihr Heim zu einer Cruiser-Institution entwickelt. Sie bieten zum Beispiel Lobsteressen an, verkaufen in der offenen Koch-Hütte aber auch Perlen und Muschelketten. Gaston zeigt uns derweil, wie er Noni-Saft herstellt.

Waren wir auf dem Hinweg noch ausgestiegen, um das Dinghy mit hochgeklapptem Motor über besonders flache Stellen des Riffs zu ziehen, zeigt uns Gaston jetzt für den Rückweg eine verwinkelte und nicht betonte Dinghy-Passage, indem er mit seinem Boot vor unseren Dinghies herfährt. Wir lassen den Tracker mitlaufen, sonst könnten wir die Durchfahrt auch beim nächsten Besuch auf keinen Fall finden.

Erst einmal aber segeln wir zurück in den Süden des Atolls. Vorbei am Coral Garden und hinunter in die Südost-Ecke von Toau.

Sundowner am Strand mit unseren Freunden von der Easy-One und der Valentin: ein Dienstagabend im Atoll.

Besuch an Bord

Unsere liebe Freundin Katrin kommt mit dem Flugzeug in Fakarava an. Eine praktische Angelegenheit auf diesem Atoll: wir können Katrin einfach mit Florecita abholen, der Flughafen hat einen eigenen Dinghysteg.

Am nächsten morgen segeln wir nach Toau. 15 Seemeilen herrliches Code0-Segeln und auch der Pass in Toau ist dieses Mal absolut friedlich. Zwar haben wir dreieinhalb Knoten mitsetzende Strömung, aber bei dem leichten achterlichen Wind baut sich im Pass absolut keine Welle auf. Nur kurz um die Ecke und wir ankern am Coral Garden. Na klar, gleich mal Schnorcheln. 🤿

Kein schlechter Start.

Und es wird sogar noch besser. Am nächsten Tag hat Andrea Geburtstag. Sektfrühstück mit hausgemachtem Pastazie-Mandeleis an selbst gemachtem Schokolikör auf der Easy-One, so kann der Tag wohl beginnen.

Die eigentliche Feier verlegt das Geburtstagskind dann nachmittags an den Strand, zur Dämmerung hin verlagert es sich ins Wasser:

Geburtstagskind mit Geburtstagsgeschenken

Wow. Was für ein herrlicher Tag.

Und heute?

Katrin, Wiebke, Andrea und Ingo gehen Schnorcheln, Heike und Jürgen von der Valentin, und Bruna und Roberto von der Saude Eterna sowie ich tauchen. Gemeinsam fahren wir mit den Dinghies durch den großen Pass hinaus und dort ins Wasser. Dann geht’s an der Außenseiten der Insel zwischen den Pässen am steilen Dropoff entlang, bevor wir uns von der Tide wieder in den kleineren Pass hineinspülen lassen.

Auffällig ist das stellenweise extrem häufige Vorkommen des Dornenkronenseesterns an diesem Außenriff. Dornenkronenseesterne sind wunderschön anzuschauen, zumal ihre Form und Symmetrie fast an Schneeflocken erinnert:

Aber sie haben auch ihre Schattenseiten. Ihre Dornen sind giftig und können bei Menschen schmerzhaften und zu Komplikationen neigende Stichverletzungen hervorrufen. Also besser nicht anfassen! Vor allem aber schädigen sie die ohnehin schon geschwächten Korallenriffe, denn sie ernähren sich ausschließlich von Steinkorallen. Bei massenhaftem Auftreten hinterlassen sie deshalb praktisch tote Riffe, die sich nur extrem langsam wieder erholen können.

Mancherorts, etwa am australischen Great Barrier Reef, wurden sie daher mit Giftinjektionen in ihre Arme bekämpft. Das ist umstritten, immerhin kommen massenhafte Invasionen dieser Seesterne in natürlichen Zyklen vor. Allerdings haben sich die Abstände dieser Zyklen zuletzt erheblich verkürzt, sodass die Gefahr für einige Riffe deutlich größer geworden ist.

Aber neben den Dornenkronen sehen wir bei diesem Tauchgang dann doch noch einiges mehr. Eine kleine Auswahl:

Für Wiebke und Katrin war der einstündige Schnorchelgang offenbar noch nicht Sport genug für den Tag. Sie legen auch noch eine ausgiebige Tour auf den Paddelboards drauf, bietet sich bei den fast windstillen Bedingungen aber ja auch an.

Zur Erholung dann Hängematte auf dem Vorschiff.

Andrea kommt übrigens noch um einiges später von ihrer eigenen Paddeltour zurück. Immerhin aber noch, bevor die Venus mit dem Ankerlicht der Easy-One um die Wette strahlt:

Uns geht’s gut.

Poline – Faszination tahitianischen Gesangs

Zugegeben, vor allem wegen der wunderbaren Gesänge zieht es uns immer mal wieder in die Kirchen hier in Französisch Polynesien. Wie zuletzt auf Faaite besuchen wir deshalb auch hier auf Fakarava den Gottesdienst am Sonntagmorgen. Das Einsingen vor dem eigentlichen Beginn gefällt uns besonders gut. Leider haben wir dieses Mal aber nicht so viel Glück mit dem eigentlichen Gottesdienst. Die Predigt ist auf Französisch, wir verstehen also immerhin ab und zu einiges davon. Aber statt der bisher erlebten Pfarrer, die in freundlich melodischem Polynesisch ihre Gemeinde mitzunehmen wussten, erwischen wir dieses Mal einen wütenden, aggressiven Prediger mit drohendem Tonfall. „Es gibt nur diese eine, richtige Kirche“ verstehen wir. Na ja, möglicherweise wäre es für uns richtiger in der anderen Kirche ein paar Häuser zurück, an der wir unterwegs vorbeigekommen sind. Wie auch immer, ich möchte mir den Sonntag nicht verderben lassen und gehe hinaus.

Das erweist sich als Glücksfall, denn direkt gegenüber der Kirche, unter einem Baum am Ufer der Lagune und mit Blick auf die Flora, treffe ich auf Poline.

Die ältere Dame mit den blitzenden Augen spricht mich auf französisch an, wechselt nach meiner Antwort aber gleich ins Englische. Nicht nur ihr fließendes Englisch ist beeindruckend. Sie strahlt Lebenslust aus, Freude, Eleganz, vor allem aber eine Anmut, die ihrem doch gehobenen Alter zu spotten scheint. Wirklich, sie ist 84 Jahre alt? geboren 1940. Wow.

Poline fragt mich nach unserer Reise und kommt dann selbst ins Erzählen. Mit 15 Jahren hat sie Fakarava verlassen, um fortan als Sängerin und Botschafterin polynesischen Musik um die Welt zu reisen. Ein Ausschnitt ihrer Musik ist auf ihrem Album Tahiti Matamua Poline zum Beispiel auf Spotify zu finden:

„Tahiti, Goldene Zeiten“

Ganz offenbar ist sie viel herumgekommen, sie erzählt begeisternd, mit viel Verve und einem ansteckenden Lachen. Ja, man spürt die Spuren des Alters, manches wiederholt sich, gelegentlich lässt ihre Erinnerung sie im Stich. Dann aber wieder blitzen ihre Augen auf, die zarte, zerbrechlich wirkende Gestalt streckt sich, unterstreicht ihre Geschichten mit grazilen Bewegungen. Zugleich natürlich und elegant.

Wiebke und Andrea sind dazugekommen, setzen sich zu uns unter den Baum.

Mehr noch als von ihren Reisen erzählt Poline über Fakarava. Ob wir es auch so wunderbar finden? So schön ist es hier, dass sie am Ende einfach zurückkommen musste. Hierher, wo es nicht viel gibt und doch mehr, als man wirklich braucht. Hierher, auf ihr Land, das schon das Land ihrer Mutter und Großmutter war.

Ich frage Poline, was ihr an der polynesischen Musik besonders gefällt. Sie überlegt kurz und fängt dann als Antwort einfach an zu singen.

Ohne Zweifel ein weiterer magischer Moment unserer Reise.

Māuruuru. Von Herzen Danke, Poline.

Nachtwanderung und Palmendiebe

Nachtwanderung. Mit Taschenlampen bewaffnet durch die Dunkelheit streifen. Schatten von Bäumen, die sich zu bewegen scheinen, die gespitzten Ohren lauschen auf das Geraschel huschender Kreaturen im Unterholz.

Wann haben wir so etwas zuletzt gemacht? Auf Klassenfahrt? Ist jedenfalls Ewigkeiten her. Die von einem Guide geführte Tour im nächtlichen Dschungel von Costa Rica kommt in den Sinn, die leuchtenden Augen von Spinnen (weiß), Baumfröschen (rot) und – von uns nicht gesehen – Katzen wie dem Ozelot oder gar Jauguar (grün). Aber das Gefühl dort war anders. Auch ein Abenteuer, aber eben mit Guide.

Hier auf Tahanea ist es eher der Klassenfahrt-Modus. Wir verabreden uns, brechen bei Neumond in stockdunkler Nacht um 9:00 abends (Sailor’s Midnight) mit zwei Dinghies auf zum übernächsten Motu.

Am mondlosen Himmel leuchten nur die Sterne, die Milchstraße bildet ein grandioses Panorama, davor lassen sich die Konturen der Palmen erahnen.

Schon die Anfahrt in der Finsternis ist eine Herausforderung, denn auch im Schein der starken Taschenlampe sind die Bommies in Ufernähe erst sehr spät zu erkennen. Wir schleichen in Slalomfahrt zum Strand. Große Löcher im Korallenschutt deuten darauf hin, dass wir dort eine gute Chance auf Palmendiebe habe.

Und deshalb sind wir hier. Palmendiebe, auch Kokoskrabben genannt, gehören wie Garnelen, Hummer und Langusten zu den Zehnfußkrebsen. Sie werden allerdings deutlich größer, die Spannweite der Beine kann einen Meter betragen. Sie sind die größten landlebenden Krabben. Aber wieso Palmendieb? Sie klettern tatsächlich auf Bäume. Ihre Scheren sind so kräftig, dass sie damit die hier so reichlich vorhandenen Kokosnüsse öffnen können und dann das weiße Fruchtfleisch fressen. Wer sich schon einmal mit Machete oder Messer an einer Kokosnuss versucht hat, weiß, dass er sich vor der Kneifkraft dieser Scheren (über 3.000 N pro cm2, etwa viermal soviel wie die Beißkraft eines Wolfes!) in Acht nehmen sollte.

Tagsüber halten sie sich verborgen, erst Nachts kommen sie zum Fressen aus Felsspalten und Sandlöchern heraus.

Neben ihrer immensen Größe beeindrucken sie auch mit ihren farbenprächtigen Panzern. Die Körperfarbe variiert stark, blau, violett, türkis, orange, braun und helles Ocker sind in unterschiedlichen Kombinationen vertreten.

Wenn man wie wir das Glück hat, dass während der Beobachtung ein Regenschauer niedergeht, leuchten die Farben ihrer Panzer im Schein der Taschenlampen umso mehr.

Auch das Klettern auf Bäume können wir beobachten:

Die Palmen müssen dabei nicht schräg stehen, auch senkrechte oder gar überhängende Passagen sind für Palmendiebe kein Problem.

Aber auch auf dem Boden sind diese wie aus der Zeit gefallenen Geschöpfe beeindruckend. So sehr, dass wir die erst mit 5 bis 6 Jahren geschlechtsreifen Tiere nicht für den Kochtopf einsammeln, sondern einfach nur bestaunen.

Weibchen mit Paket befruchteter Eier am Hinterleib

Neben den Palmendieben sind am Strand natürlich noch weitere Krabben unterwegs. So sehen wir “Yellow Nipper” (Blasse Strandkrabben), Abolineatus und natürlich eine Vielzahl von Einsiedlerkrebsen. In einer frühen Wachstumsphase schützen übrigens auch Kokoskrabben ihren (später zumeist unter den Körper geklappten) Hinterleib durch Schneckengehäuse, im jugendlichen Alter manchmal auch durch Kokosnussschalen.

Über zwei Stunden sind wir unterwegs. Erlebnis Nachtwanderung.

Ingo und Andrea (Easy-One), Teresa (Freefall), Wiebke und Ralf (Flora), Jeroen (My Motu), Ralph (Lille Venn), Rajesh (My Motu)

Beach fun on Tahanea

Das Motu, hinter dem wir hier im unbewohnten Tahanea-Atoll ankern, bietet sich für einen Beach-Nachmittag geradezu an.

An der Südspitze des Motus gibt es eine Feuerstelle, eine Hängematte aus Netz ist an einem schattigen Platz daneben aufgehängt.

Wir bringen noch unsere eigene Hängematte mit, außerdem einige Strandspiele wie Boccia und Frisbee. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, alle bringen etwas mit. 5 Boote (Lille Venn, Easy-One, Freefall, Skylark und Flora) liegen in der Bucht, alle Crews sind dabei. Wie fast immer bei solchen Gelegenheiten wird es ein wunderbarer, entspannter Nachmittag.

Auch die mit Steinen und großen Seeschnecken-Gehäusen eingefassten Feuerstelle wird genutzt.

Nach Sonnenuntergang geht’s dann aber doch recht flott zu den Dinghies. Noch schnell das Feuer löschen und aufs Boot, um diese Zeit werden die stechenden oder beißenden Plagegeister dann so richtig aktiv, das Feuer scheint sie nicht wirklich abzuschrecken (oder vielleicht müssten wir uns selbst räuchern).

Wie auch immer, an Bord haben wir bisher erstaunlich wenig Probleme damit gehabt, selbst in Alaska (wir hatten anderes befürchtet) und eben auch hier in Französisch Polynesien. Das interne Mosquitonetz über dem Bett haben wir tatsächlich das letzte Mal in Italien aufgebaut.

Über fünfeinhalb Jahre ist das her. Unseretwegen kann das Netz gerne weiter ungenutzt im Schapp bleiben.

Weihnachtsgrüße aus Fakarava und Anstoßen auf “Flora”

Vor der Weihnachtsparty (Ralf noch mit Gesichtsstoppeln) machen wir unseren Weihnachtsspaziergang am Sandstrand von Hirifa auf Fakarava.

“und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann”

Mit insgesamt 8 Crews aus mindestens 6 Nationen und 4 Religionen feiern wir dann am Heiligabend auf der Lille Venn von Barbara und Ralph. Jeder bringt etwas fürs Buffet mit und es wird wunderbar.

(Photo courtesy Rajesh, SV My Motu, der deshalb leider nicht auf dem Foto ist))

Wir singen Weihnachtslieder (Stille Nacht sogar mehrsprachig) und es gibt auch Geschenke. Das Wichteln mit Würfelspiel zur Vergabe der Präsente kommt prächtig an.

Es wird ein herrlicher langer Weihnachtsabend.

Am ersten Weihnachtstag telefonieren wir gerade mit Wiebkes Mama zu deren Geburtstag, als mehrere WhatsApp von Andrea aufploppen. Als wir nach dem Telefonat die Sprachnachricht abhören, fragt Andrea hörbar aufgeregt, ob wir bitte ganz schnell rüber zur Easy-One kommen können?

Also flugs ins Dinghy und rüber, was ist da los?

Absolut nichts Schlimmes zum Glück, ganz im Gegenteil. Eine Flasche Sekt steht auf dem Cockpittisch. Und so feiern wir ein ganz besonderes Christkind: Andrea ist zum zweiten Mal Oma geworden und (was auch Andrea vorher nicht wusste), der Name ihrer neugeborene Enkelin ist “Flora”. Wenn das kein Grund zum Anstoßen ist!

Am Weihnachtsnachmittag gibt es dann ein Seglertreffen am Strand. Mit Boccia, Beach-Tennis, Abkühlen im Türkis,

Slackline …

Jeroen machts vor
Beschwingte Omi Andrea auf der Slackline

… und natürlich einfach viel Klönschnack.

Weihnachten auf Fakarava, so sieht’s (bisher) aus.