Whangãrei: erste Eindrücke

Wir lassen es wirklich ruhig angehen, bewegen uns zunächst kaum von der Marsden Cove Marina weg. Weil wir durchschnaufen, wirklich ankommen wollen. Aber auch auch, weil es uns hier richtig gut gefällt. Der Service, das Marina-Personal und auch die Einrichtungen selbst sind klasse. Die Waschmaschinen im Marinagebäude nutzen wir ausgiebig. Mit unserer Einschätzung sind wir nicht alleine, die Seglercommunity fühlt sich offenbar wohl hier. Viele verlängern über die ursprünglich gebuchten ersten Tage hinaus. Klar, dass dann auch eine kleine Party auf dem Grillponton nicht fehlen darf:

Erst nach ein paar Tagen im Hafen zieht es uns dann doch zumindest für einen ersten Besuch auch hinüber in die Stadt Whangārei.

Bis dahin sind es allerdings 36 km. Wir wollen ein Auto mieten, der kleine Bootsausrüster am Hafen hat wohl auch ein paar Mietwagen. Leider scheinbar nicht genug, alle sind schon weg. Aber Paul vom Bootsausrüster hilft uns trotzdem: „Nehmt einfach mein Auto, ich brauch den Wagen am Wochenende nicht und hab auch noch einen anderen.“

Und so fahren Wiebke und ich am Samstag mit Pauls Auto nach Whangārei. Die Strecke führt teils am Hātea River entlang, teils auch durch die sumpfige Mangrovenlandschaft seiner Nebenflüsse, größtenteils aber durch malerisch hügelige Wiesen, auf denen unzählige Kühe grasen. Ja, Kühe 🐄 . Neuseeland ist zwar bekannt dafür, viel mehr SCHAFE 🐑 als Einwohner zu haben. Das ist auch durchaus noch immer so, aber bei weitem nicht mehr so extrem wie früher. 1982 kamen auf jeden Einwohner statistisch 22 Schafe (es gab 70 Millionen Schafe bei etwas über 3 Millionen Menschen). Heute sind es „nur“ noch gut 23 Millionen Schafe bei gut fünf Millionen Einwohnern, also statistisch etwa 4,5 Schafe pro Einwohner. Und tatsächlich ist einer der Gründe dafür, dass viele Landwirte auf Milchwirtschaft umgestellt haben. Auf unserer Fahrt sehen wir jedenfalls weitaus mehr Kühe als Schafe, aber das kann regional sehr unterschiedlich sein. Zumal ja auch der Ort Whangārei alles andere als typisch ist für „Northland“, den Verwaltungsbezirk im Norden der Nordinsel Neuseelands. Bei einer Fläche von fast 14.000 Quadratkilometern hat Northland nämlich nur etwa 200.000 Einwohner, davon aber allein 56.000 in seiner größten Stadt, eben Whangārei. Weitere Orte mit über 10.000 Einwohnern gibt es hier nicht. Der Norden ist überwiegend dünn besiedelt und ländlich geprägt.

Zunächst fahren wir durch Whangārei hindurch und eben nördlich der Stadt ein bisschen den Berg hinauf. Unser erstes Ziel sind die Whangārei Falls, wo der Hātea River über eine Klippe 26 m in die Tiefe stürzt.

Besonders schön ist, das wir in dem angrenzenden Schutzgebiet auch gleich eine schöne Wanderung machen können. Wir wählen von mehreren Möglichkeiten wegen unserer das Wandern einfach nicht mehr gewohnten Beine den einfachen Weg am Flussufer entlang. Er ist gesäumt von Wald, der überwiegend aus Baumfarnen und Kauri besteht. Die hohen und teilweise uralten Kauri-Bäume werden von den Maori verehrt und spielen in der Mythologie der Neuseeländischen Ureinwohner eine wichtige Rolle. Von den europäischstämmigen Siedlern wurden die Kauri-Wälder aber wegen ihres hochwertigen Holzes stark dezimiert. Inzwischen stehen sie unter Naturschutz, sind aber einer anderen Bedrohung ausgesetzt. Ein Wurzelfäule verursachender Pilz führt zu Kauri-Sterben. Um den Pilz aufzuhalten, gibt es vor Waldgebieten mit Kauris Desinfektionsstationen für die Schuhe der Wanderer.

Die Wege dürfen nicht verlassen werden und keinesfalls sollte man auf die Wurzeln von Kauris treten.

Faszinierend sind aber auch die Baumfarne, sogar die hohlen Baumfarn-Stümpfe mit ihren Mustern:

Und nach der Waldwanderung geht’s dann doch in die Stadt Whangārei mit ihrem historischen Zentrum am Town Basin. Segelboote liegen hier an Schwimmstegen oder Dalben im etwas tieferen Wasser des Hātea River. Das Town Basin ist für die meisten Boote allerdings nur um Hochwasser herum zu erreichen, wobei zusätzlich die Öffunung der die Zufahrt versperrenden Klappbrücke abgepasst werden muss.

Viele andere Bereiche zeigen bei Ebbe nur noch den schlammigen Grund, die Bootshäuser scheinen dann teilweise hoch oberhalb des Wassers zu stehen. Flachgehende Boote fallen im Tidenbereich trocken.

Nicht eben einfach zu navigieren, aber doch schiffbar und eben sehr geschützt ein gutes Stück inland vom zuweilen rauhen Südpazifik entfernt.

Es sieht pittoresk aus und lässt erahnen, warum sich gerade hier dann eben doch eine schmucke Kleinstadt gebildet hat.

Tonga: Ha‘apai und weitere Vorbereitung auf Neuseeland

Das Einchecken in die Ha‘apai-Gruppe erledigen wir im Hauptort Pangai auf der Insel Lifuka. Noch ein kurzer Spaziergang durch den etwas gesichtslosen Ort: mehrere kleine chinesische Lebensmittelläden, ein Markt, auf dem allerdings kaum etwas angeboten wird, die für Tonga so typischen freilaufenden Schweine, eine verfallende Hafenmole.

Es sind für uns nicht so sehr die Ortschaften, die Tongas Charme ausmachen. Also holen wir nach den Formalitäten und dem Spaziergang gleich wieder den Anker auf. Nur eine Insel weiter geht’s, nach Uolefa, quasi einen Steinwurf entfernt und doch auch gleich in eine andere (Gefühls-)Welt.

Palmen erheben sich über einen ewig langen Sandstrand, an den Seiten säumen zwei Riffe die Bucht. Sie bieten zusätzlichen Schutz vor dem hier scheinbar dauernd präsenten Pazifik-Schwell, der immer einen Weg um die Inseln herum zu finden scheint. Und sie laden mit vielfältiger Korallenwelt zum Schnorcheln ein. Ganz besonders gefallen uns die Harlekin-Feilenfische mit ihren orangenen Flecken auf blauem Grund, die wir hier erstmals sehen.

Schnorcheln kann aber andererseits durchaus Arbeit sein. Wir kratzen weiter an Floras Unterwasserschiff herum, insbesondere auch die Nischen sollen frei von Bewuchs und Pocken sein. Das ist zum Beispiel an den Borddurchlässen und am Ruder sowie dessen Beschlägen nicht ganz einfach. Mit allen möglichen improvisierten Werkzeugen versuchen wir die Ritzen und Spalten zu reinigen. Und es fällt leider auf, dass unser CopperCoat-Antifouling in den über 6 Jahren und über 40.000 Seemeilen doch gelitten hat. Wenn man genau hinschaut kann man allerdings auf dem Bild vom letzten echten Anschliff (vor 4 Jahren in den USA) schon ein paar Macken und Unebenheiten erkennen. Angeschliffen sieht man übrigens die Kupferfarbe, die im Salzwasser dann zum grünen Kupferoxid wird. Na gut, die Überarbeitung ist jetzt umso dringender fällig und steht in Neuseeland an.

Wir beantworten den Fragebogens des neuseeländischen MPI-Ministeriums (dem auch für Biosecurity zuständigen Ministry for Primary Industries) mit Fragen wie z.B.:

  • When were the internal pipework/strainers last treated or cleaned? (Please provide a date or indicate if never treated).

Für die Fragen zur Reinigung des Unterwasserschiffes fordert uns das MPI auf, „Evidence of the last hull cleaning“ auf einen vom MPI bereitgestellten Share-file-Link hochzuladen. Wir senden aktuelle Videos vom jetzt sauberen Unterwasserschiff, dabei fallen uns die Macken aber natürlich besonders unangenehm auf.

Überhaupt nimmt uns die Vorbereitung für die Passage zum Minerva-Riff und weiter nach Neuseeland doch ein bisschen mit. Wir vergleichen die Wettermodelle mehr als ohnehin üblich, versuchen herauszufinden, ob und eventuell für wie lange ein Stop auf Minerva möglich und empfehlenswert wäre. Windy und das Departure-Planning-Tool auf PredictWind laufen heiß. Die Wettersituation ist nicht ganz einfach und die Auswahl des möglichen Abfahrtstermins bereitet uns (wie den meisten anderen Seglern hier) durchaus Kopfzerbrechen.

Schöner Ausgleich: Wingfoilen. Vielleicht sind ja die dabei anfallenden Nasenspülungen verantwortlich, aber jedenfalls wird der Kopf wieder frei.

😊

Tonga: Nuku zum Abschied für Emma und Claas

Zum Abschied geht’s mit Emma und Claas noch einmal an einen Ankerplatz im Inneren der Vava‘u-Gruppe. Es hat immer noch recht viel Wind, wir wählen daher den Ankerplatz #8, Nuku. Der Name steht für die unbewohnte kleine Insel etwas westlich des Ankerplatzes, der eher an der etwas größeren Insel Kapa liegt.

Die beiden Inseln trennt ein flaches Riff, ideal zum Schnorcheln. Emma entdeckt sogar einen Pazifischen Feuerfisch.

Die kleine unbewohnte Insel Nuku hat einen wunderbaren Sandstrand zum Anlanden des Dinghies sowie zum Flanieren am Ufer und sie bietet mit ihren Palmen und dem hellen Türkis des Flachwassers am Riff zum Abschied noch einmal so richtig Bilderbuch-Südseekulisse.

Tschüss Ihr beiden, kommt gut wieder nach Hause. Es war richtig schön mit Euch!

Tonganisches Fest am Ankerplatz #16, Vaka‘eitu

Wir bleiben ein paar Tage am Ankerplatz vor der Insel Vaka‘eitu. Das gar nicht so kleine Eiland hat 10 Einwohner, die alle zu einer Familie gehören. Dorothy, die sich als Schwiegertochter des Familienoberhaupts vorstellt, lädt für Freitagabend zum „Tongan Feast“. Gleichzeitig soll dabei der 2. Geburtstag ihrer Tochter Haye gefeiert werden. „Je mehr Gäste, je besser.“ sagt sie. Die Segler in der Bucht lassen sich nicht lange bitten, über 30 von uns finden sich unter dem imposanten Ovava (Banyan-Baum) am Ufer ein, hier findet die Feier statt. Und natürlich gibt auch Wiedersehen unter Seglern, für uns zum Beispiel mit Mareike von der Moana und ihrer Crew, mit Annette und Jan von der Black Marlin sowie mit Judy und Todd von der Galileo.

Daniel, Dorothy‘s Mann, dreht schon das Spanferkel am langen Holzspieß über dem offenen Feuer.

Auf einer Tafel ist ein großes Buffet mit tonganischen Gerichten aufgebaut. Los geht’s aber erst, nachdem Dorothy eine Begrüßungsrede mit anschließendem Gebet gehalten hat, so ist es Tradition.

Dorothy mit Haye und Sane im Arm, im Hintergrund die Schwägerinnen Rosemary und Anne.

Und natürlich bekommt das Geburtstagskind auch Geschenke (von uns Stifte, Papier und Knetgummi).

Das Prinzessin-Kleid hält Haye selbstverständlich nicht davon ab, mit ihrem älteren Bruder und den Cousins ins Wasser zu laufen und durch den Sand zu krabbeln. Die Insel ist nunmal auch der Spielplatz. Und wenn schon mal Dinghies da sind, werden die als Spielgeräte einfach einbezogen.

Anne und Rosemary bringen nach dem Essen auch noch eine Vorführung tonganischer Tänze dar, auch offenbar vorgebildete Seglerinnen werden einbezogen (Anne gibt auf Wunsch auch tonganische Tanzkurse).

Angeregt durch das tonganische Buffet frage ich Anne am nächsten Tag nach „Pele“. Geschmacklich irgendwo zwischen Spinat und Kohl angesiedelt, werden diese Blätter einer speziellen Hibiskus-Pflanze in der tonganischen Küche sowohl gebraten als auch gekocht verwendet.

Anne hat sie reichlich in ihrem Garten angepflanzt. Verkaufen möchte sie sie nicht, aber auf Bitten der mitgelaufenen Kinder vielleicht gegen ein paar Süßigkeiten eintauschen? Ich hole vom Boot Haribo für die Kleinen. Die deutsche Süßigkeit ist ganz passend, denn der Nachname der Familie lautet Wolfgramm. Der Grabstein von Emil Otto Frederick Wolfgramm war uns schon auf dem Friedhof in Neiafu aufgefallen, er hatte sich im 19. Jahrhundert hier niedergelassen und eine Tonganerin geheiratet.

Und sonst? Wir packen nach langer Zeit mal wieder die Wingfoils aus. Seit Mai bin ich nicht mehr gefahren, ich muss mich erst mal wieder etwas eingewöhnen, aber es macht Riesenspaß. Nicht nur mir. Mit dem Dinghy ziehe ich Emma und Claas auf dem Foilboard. Erst mal im Knien. Und auf dem Strand üben wir das Handling des Wings, nicht ganz einfach bei dem ziemlich böigen Wind.

Außerdem wandern wir über die Insel, paddeln, schnorcheln, und bewundern den Korallengarten bei Ebbe.

Tonga, Kapa Island, #7

Nummer 7 gefällt uns richtig gut. Die besten Ankerplätze der Vava‘u-Gruppe sind (von 1 bis 42) durchnummeriert und bei den schwer aussprechbaren Namen hat sich diese Nummerierung tatsächlich als Bezeichnung durchgesetzt. Unser Platz hier an der Westseite von Kapa Island trägt die #7. Das hat den Vorteil, dass wir morgen früh von hier aus abgeholt werden können. Das Whale-Watching-Boot fährt zwar vom Hauptort Neiafu ab, sammelt aber bei Bedarf auch von den Ankerplätzen 5 bis 8 ein. Wir können also eine halbe Stunde länger schlafen.

Aber nicht nur das macht die #7 attraktiv. Der Sandstrand im Scheitel der Bucht bietet sich für das Anlanden mit dem Dinghy an. Und gleich hinter dem Strand beginnt ein Weg, wir können uns also die Beine vertreten und die Insel erkunden.

Blüten am Wegesrand werden dabei nicht nur bewundert, sondern auch gleich als Verzierung von Emmas Hut platziert.

Und auch die Tierwelt bietet neben Bekanntem (und immer wieder aufs Neue faszinierendem) wie den Flughunden und der Tonga-Taube …

… auch Neues und bisher nicht vor die Linse bekommenes wie die Schwarznacken-Seeschwalben …

… und die herrlich blau schillernden Pazifischen Eisvögel:

Aber auch zu Wasser bietet sich #7 für Exkursionen an. Wiebke und ich machen eine ausgiebige Paddeltour mit dem Kajak. Etwa drei Seemeilen weit geht es am Ufer der Bucht und pilzförmigen Inselchen entlang zur „Swallows Cave“ und zurück. Ein bisschen ungewohnt für unsere untrainierten Schultern, aber trotzdem herrlich.

So beeindruckend, dass wir am frühen Nachmittag mit Emma und Claas im Dinghy noch einmal dorthin fahren. Diesmal haben wir Schnorchelsachen dabei, die hochstehende Sonne fällt durch ein Deckenloch im Eingangsbereich, beleuchtet das Felsentor und schickt durchs Blätterdach gefilterte Strahlen durchs klarblaue Wasser bis zum Grund der Höhle, während das Wasser drumherum fast unheimlich dunkel bleibt.

Übrigens, auch ohne weitere Action lässt es sich in #7 aushalten.

Besuch in Tonga

Kaum zu fassen. Unsere Nichte Emma ist bisher nur ein einziges Mal geflogen, vor sechs Jahren hat sie uns zu Beginn unserer Langfahrt auf Sizilien besucht.

Und jetzt – inzwischen 22jährig – fliegt sie mit ihrem Freund Claas buchstäblich um die halbe Welt. Für Claas ist es die allererste Flugreise und das tatsächlich über die USA und Fiji hierher nach Tonga, wow! Die mit der langen Reise verbundene Anstrengung lassen sich die beiden jedenfalls nicht anmerken, als wir sie am Flughafen von Vava‘u abholen.

Erst einmal bleiben wir mit den beiden am Liegeplatz vor dem Hauptort Neiafu, denn für die folgenden Tage ist eher raues Wetter angesagt. Außer einigem Regen bekommen wir in der geschützten Bucht zum Glück nicht allzu viel davon ab. Außerdem gibt uns dass die Gelegenheit, den Ort Neiafu mit seinem Fruchtmarkt zu erkunden, die Flughunde zu bewundern, den Gottesdienst am Sonntag mit den traditionell festlich gekleideten Tonganern zu besuchen und auch noch eine Wanderung zur Vaimumuni-Höhle zu machen.

In der nahe am Meer gelegenen und auch mit Süßwasser gespeisten Höhle kann man ein Bad nehmen. Allerdings erwartet uns jenseits des niedrigen Eingangs ziemliche Finsternis.

Eine kurze Holztreppe führt drinnen hinunter zum Wasser. Wir haben aber zwei Taschenlampen dabei. Mit der einen erkunden Claas und ich schwimmend die Höhle, mit der anderen haben Wiebke und Emma von der Treppe aus ein wachsames Auge auf uns.

Am Dienstag hat sich das Wetter dann beruhigt und nach letzten Einkäufen bewegen wir die Flora von Neiafu weg zum ersten Ankerplatz auf Tonga. Gar nicht so weit, einfach nur kurz ums Eck (die Entfernungen in der Vava’u-Inselgruppe sind wirklich nicht sehr groß). Und trotzdem: gefühlt eine völlig andere Welt.

Die Paddelboards und das Kanu werden aufgeblasen, damit lässt sich die schöne Ankerbucht wunderbar erkunden. Bilderbuch mit Sandstrand und Palmen. Muscheln sammeln, Schnorcheln im klaren Wasser.

Südsee eben. 😎

Zurück in Apia, Samoa

Der Monat „Heimaturlaub“ ist so schnell vergangen, der Rückflug nach Apia steht an. Am allerletzten Tag kommt noch der Glaser und wechselt das obere Fenster im Bad aus. Die innere Scheibe der Dreifachverglasung war ohne äußere Einwirkung einfach gesprungen. Handwerker alten Schlages mit nettem Humor und mit einer klassischen Werkzeugkiste, wie ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe.

Sehr schön, ist das zum Abschluss auch noch erledigt.

Am nächsten Morgen bringt uns Jan zum Flughafen, wir steigen ins erste von vier Flugzeugen auf dieser Rückreise zur Flora.

eher: Tschüss

Immerhin: auf dem mit etwa 12 Stunden Flug längsten Teilstück von Frankfurt nach Singapur haben wir richtig viel Beinfreiheit:

Sechs Stunden Aufenthalt in Singapur, wir nutzen die Zeit, um ein Juwel zu besuchen. Direkt am, eigentlich fast im Changi Airport, liegt nämlich zwischen den Terminals 1-3 das „Jewel“. Etwa 22.000 qm groß, erinnert das runde, in Fassade und Dach von über 9.000 Glasstücken eingefasste Gebäude tatsächlich an ein in Facetten geschliffenes Juwel. 💎

Auf fünf Ebenen bietet es Shopping und Food-Plazas, vor allem aber beinhaltet es in seiner Mitte einen großen Park rund um den weltgrößten Indoor-Wasserfall, der vom Dach aus rund 40 m in die Tiefe stürzt. Selbst die den Park durchquerende Flughafenbahn wirkt da klein. Und manche Gäste machen vor der Kulisse des Wasserfalls ziemlich imposante Dehnübungen zwischen den Flügen …

Für uns geht’s danach in einem 10stündigen Flug weiter nach Fiji. Nochmal ein paar Stunden Aufenthalt. Wie schon in Singapur 🇸🇬 grüßt auch in Fiji 🇫🇯 am Flughafen ein Schild mit unserem Nachnamen darauf …

😜

Endlich in Apia angekommen, haben wir bei der Einreise nach Samoa noch ein Einzelgespräch mit dem Zoll gewonnen. Das Aufgabegepäck wird nämlich bei der Einreise noch einmal durchleuchtet. Ist das eine Nähmaschine da in ihrem Gepäck? Bitte machen sie das doch mal auf. Und was ist das da? Kondensatoren für unseren Generator. Und das? Ersatzteile für unser WC.

Wir werden aufgeklärt, dass wir das eine Woche vorher beim Zoll hätten anmelden müssen. Wäre für Yachten in Transit zollfrei, nur eine Gebühr von 20 Tala (etwa 6,50 €) für die Bearbeitung würde anfallen.

Samoanisch freundlich: Sollen wir doch bitte beim nächsten Mal beachten. Das versprechen wir. Und gut ist.

Mit dem Taxi geht’s zur Marina und nach 43 Stunden Reise um die halbe Welt sind wir zurück auf der Flora. Besonders schön ist, dass die Gesundheit auf der Rückreise keine Zicken mehr gemacht hat.

Tja, und jetzt?

Irgendwofür haben wir die ganzen Ersatzteile ja mitgeschleppt. Beide WCs funktionieren inzwischen wieder, der Heißwasserboiler auch. Dort war übrigens nicht wie vermutet der Heizstab der Übeltäter, lediglich das Termostat musste ich tauschen. Und auch die neue Wasserpumpe im Generator ist eingebaut. Sieht goldig aus, ist aber trotz ihres Preises nur Messing.

Blut und Schweiß und Fluchen waren involviert, es ist also eine echte Bootsarbeit. So muss das wohl.

Angekommen und glücklich.

So weit, so gut. Nach der OP in Hamburg, Tsunami-Warnung im Pazifik

Uns geht es gut. Ich habe die Operation an der Prostata und die paar stationären Tage im Krankenhaus gut überstanden, die Rekonvaleszenz ist inzwischen so weit, dass ich kaum noch eingeschränkt bin

Wir genießen die Zeit mit der Familie, die Besuche von Freunden und natürlich auch einfach den Aufenthalt in unserer schönen Heimat.

Außerdem gibt es auch einiges zu erledigen. Steuererklärung, Bankangelegenheiten und so etwas. Ersatzteile fürs Boot bestellen. Dann auch den Kauf eines Autos. Wenn wir zwischendurch in Deutschland waren, konnten wir bisher das Auto von Wiebkes Mama nutzen. Das hat allerdings jetzt keinen TÜV mehr bekommen und eine Reparatur ist wirtschaftlich unsinnig. Also haben wir beschlossen, das Ganze jetzt umgekehrt zu machen: wir kaufen ein Auto und wenn wir nicht in Deutschland sind, kann Uschi es nutzen.

VW nennt die Farbe „Makena“. Wir sagen „Südsee-Metallic“!

Die Probefahrten und der Autokauf gehen eigentlich ganz flott, die Anmeldung war allerdings eine Herausforderung. Die Wartezeiten beim Straßenverkehrsamt bis zum obligatorisch online zu vereinbarenden Termin sind lang. Zu lang für uns. Die komplett online durchzuführende Internet-Zulassung ist die andere Option, aber auch die hat ihre Tücken. Der sechseinhalb Jahre alte Personalausweis ist zum Glück bereits für das Online-Verfahren geeignet, aber wie war nochmal das Passwort? Wir haben ihn schließlich nie für ein solches Verfahren genutzt. Zwei Apps sind zu laden, unsere Anmeldeversuche schlagen trotz inzwischen erinnertem richtigen Passwort mehrfach fehl. Wir bleiben aber hartnäckig, malträtieren auch den Chat (sinnlos) und die Helpline des Straßenverkehrsamtes (wo wir tatsächlich jemanden ans Telefon bekommen). Am Ende sind wir erfolgreich. Wir können ein Zulassungsschreiben ausdrucken, das vorerst ins Auto zu legen ist. Die Papiere, Siegel und TÜV-Plakette sollen in den nächsten Tagen zugeschickt werden, letzteres muss dann von uns auf das Kennzeichen geklebt werden. Da haben sich die Abläufe in den letzten Jahren doch sehr geändert, wir merken einmal mehr, dass wir schon längere Zeit unterwegs sind.

Zwischendurch ein Schreckmoment: nach einem extrem starken Erdbeben im Nordpazifik wird für den gesamten Pazifik (auch für Samoa) eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Mehrere Segelfreunde weisen uns darauf hin, einige Boote verlassen vorsorglich die Bucht von Apia und fahren aufs offene Meer. Wir können natürlich nichts anderes tun als abzuwarten und zu hoffen, dass Flora nichts passiert. Gut 12 Stunden braucht die Flutwelle, um über den Pazifik hinunter nach Samoa zu laufen. Nach 6 Stunden erreicht sie die Papua Neuguinea, nach 8 Stunden Hawai‘i. Da stellt sich bereits heraus, dass die Tsunami-Wellen deutlich geringer ausfallen als zunächst befürchtet. In Samoa treten dann tatsächlich keine Schäden auf, wir können erleichtert durchatmen.

Ein längerer Stromausfall im Haus, ein Wasserschaden in unserem Keller nach einem Rohrbruch und nach dessen Reparatur Schwierigkeiten bei der Heißwasserversorgung unserer Wohnung halten uns trotzdem ein bisschen auf Trab. Auch zu Hause hört das Reparieren also nicht auf. Aber das lässt sich alles regeln (am letzten Teil sind wir noch dran). Jedenfalls ist es gut, das wir vor Ort sind.

Die Ersatzteile für Flora sind inzwischen eingetroffen, in zwei Wochen fliegen wir ja auch schon wieder zurück zum Boot.

Zeit, um noch ein wenig Hamburg und Norddeutschland zu genießen. Mit Freunden die Kunsthalle, Restaurants und die Wochenmärkte zu besuchen oder einfach durch die Stadt zu bummeln. Und mit dem neuen Auto über Land an schon abgeernteten Kornfeldern voller Störche zu Uschi zu fahren.

Schön!

Busse in Samoa

Öffentliche Verkehrsmittel in Samoa sind preiswert. Für Taxifahrten innerhalb von Apia gilt als Standard-Fahrpreis 5 Tala, das sind umgerechnet 1,56 Euro. Noch günstiger geht es mit dem Bus. Da kostet die innerstädtische Fahrt zwischen 0,5 und 3 Tala (bezahlt wird – passend! – beim Aussteigen. Farbenfroher ist es auch, den die Busse hier in Samoa sind bunt:

Und nicht nur das. Die Aufbauten auf dem LKW-Chassis sind aus Holz gefertigt. Es gibt einige wenige modernere (und zumeist kleinere) Busse, ansonsten sind die auffälligen und etwas antiquarisch anmutenden Gefährte der absolute Standard.

Touristen wird empfohlen, frühmorgendliche sowie Feierabendfahrten zu vermeiden, denn typischerweise werden die Sitzplätze mehrfach genutzt, sind alle Plätze vergeben, nimmt der Samoaner halt Platz auf dem Schoß eines anderen Fahrgastes (wobei alte Leute und Touristen nach Möglichkeit wohl verschont werden sollen). Und auch Schulbeginn- und Schulschluss-Fahrten sollte man meiden, die Busse sind dann ohnehin rappelvoll und die Stapelbildung hat schon stattgefunden.

Bushaltestellen braucht man übrigens nicht extra suchen, die Busse werden einfach irgendwo auf der Strecke durch Winken angehalten. Andererseits gibts auch keine wirklichen Fahrpläne, hier auf Upolu fahren sie je nach Strecke im Abstand von zwischen etwa einer halben bis zu zwei Stunden, auf der Nachbarinsel Savai‘i können es auch mal drei Stunden sein.

Die anderswo für Busse typische haarsträubende Fahrweise bei ohrenbetäubender Musik mussten wir hier in Samoa dafür bisher nicht feststellen.

Was sich allerdings auf vielen der Busse findet, sind farbige, geflügelte Kühlerfiguren:

Und da schließt sich der Kreis zu den Taxis, denn auch die sind häufig mit solchen Skulpturen aufgepeppt.

Mitfahren ist wie wennste fliechst?!

Samoa mit Elisa

Wir kommen auf Samoa an und haben das Gefühl, dass die Uhr tickt. Nur drei Tage haben wir noch gemeinsam mit Elisa hier, dann fliegt unser Patenkind schon wieder ab. Wie schnell doch sieben Wochen vergehen.

Entsprechend packen wir die Tage ziemlich voll. Am Montag bringen wir zunächst Wäsche weg und erkunden dann zu Fuß die Stadt. Der eigentliche Innenstadtbereich von Apia ist klein, wir lassen uns treiben, streifen durch die Nebenstraßen.

Was auf Anhieb auffällt: die schier unglaubliche Anzahl an Kirchen. Schon bei unserer Anfahrt mit dem Boot war das von See aus auffällig, zumal die blaue Kathedrale im Scheitel der Bucht von Apia die Skyline prägt. Sie wurde als Ersatz des nach dem schweren Erdbeben von 2009 abgerissenen Wahrzeichens der Stadt, der alten weißen Kathedrale, an gleicher Stelle errichtet und 2014 fertiggestellt.

Wir schauen uns die Kathedrale auch von innen an. Im blankpolierten Boden spiegeln sich die bunten Glasfenster, ansonsten dominiert Holz. Leider bleibt uns die Bedeutung der gemalten Personen in der Rotunde unklar. Der Christusfigur gegenüber sitzt eine Frau. Die übrigen Sitzenden tragen zumeist eine Ula Fala, die traditionelle rote, aus Pandanuss-Samen gefertigte Ehrenkette für hochgestellte samoanische Personen.

Wir kommen bei unserem Spaziergang noch an zig anderen Kirchen vorbei. Gefühlt kommen in Samoa auf je drei Häuser eine Kirche. Im Ernst, die Kirchendichte ist kaum zu glauben. Nicht alle, aber doch recht viele sind in sehr gutem Zustand und verglichen mit den Häusern der Umgebung recht pompös. Es gibt aber auch Gegenbeispiele.

Ein zweites großes Gebäude war uns schon bei der Anfahrt aufgefallen:

Es ist das Regierungsgebäude Samoas, auch das Immigration Office befindet sich hier. Und auch diesem Gebäude statten wir bei unserem Rundgang einen Besuch ab. Wir können dort nämlich unsere gestempelten Pässe sowie die Bootspapiere abholen.

Die auffällige „Haube“ auf dem Gebäude symbolisiert übrigens ein „Fale“ bzw. dessen traditionelle Dachform. Ein Fale ist ein Wohn- oder auch Versammlungshaus. Ursprünglich palmblattgedeckt und komplett ohne Wände auf Holzsäulen ohne Metallverbinder errichtet, haben heute viel Fale eine von Wänden umgebene, abgetrennte Ecke und sind zumeist mit Wellblech gedeckt. Als große Versammlungsstätten sieht man sie in jedem Dorf, auf dem Land oft auch noch als Wohnhäuser.

Die kleinere Version dieser Gebäude, Faleo‘o genannt, bezeichnet, dienen als Küchenhäuser, Abstellräume oder als kleine Strandhäuser.

Wir nutzen eines der letzteren, als wir am nächsten Tag mit dem Mietwagen hinüber auf die andere Inselseite von Upolu fahren.

Dort besuchen wir den To-Sua Oceantrench, ein Sinkhole bzw. eine Doline. Im Prinzip eine Höhle mit eingestürztem Dach. Mit der Besonderheit, dass sie (wie den Cenoten in Mexiko) eine unterirdische Verbindung zum nahen Ozean aufweist und ein nur über eine steile Holztreppe zu erreichendes wunderbares Naturschwimmbad ist.

Die Fahrt dorthin und auch die Weiterfahrt führt durch die Berge im Zentrum von Upolu. Zum Teil ziehen sich Plantagen an den Hängen entlang, wo es steiler wird weidet Vieh auf Bergwiesen. Die höheren Grate sind dafür aber meist zu schroff. Hier fangen sich die Wolken und sorgen dafür, dass Samoa so üppig grün ist.

Die Niederschläge führen in dem steilen Gelände zu zahlreichen Wasserfällen. Wir besuchen die Sopoga Falls, eines der Wahrzeichen Samoas, das auch den 20-Tala-Schein ziert.

Die jetzt tief hängenden Wolken sorgen aber auch dafür, dass wir im Nebel (bzw.. eben in den Wolken) nach Apia zurückkehren, wo dann auch prompt wieder die Sonne scheint.

Abperlende Tropfen auf einem Taro-Blatt

Und was machen wir in Apia? Na ja, in der Stadt natürlich: shoppen! Klingt langweilig? Nicht wirklich. Es gibt sogar ein weiteres „erstes Mal“ für mich: mit fast 60 Jahren kaufe ich meinen ersten eigenen Rock!

Nicht nur hier in Samoa, auch in Tonga und Fidji tragen Männer traditionell Rock. Es ist nicht zwingend notwendig, wird aber als Anerkennung der lokalen Traditionen gesehen, wenn sich Gäste bei offiziellen Anlässen (in Fidji zum Beispiel beim erforderlichen Antrittsbesuch beim lokalen Chief) entsprechend kleiden. Jetzt habe ich dafür also schon mal vorgesorgt. Als wir abends im Restaurant essen gehen, werden Wiebke und Elisa mit „Hello“, ich (im Rock) aber mit dem samoanischen „Talofa“ begrüßt. Auch irgendwie nett. Im Stadtbild von Apia sind die Männerröcke eine ganz normale Erscheinung, auch bei Uniformen. Das gilt bei Jugendlichen auch für die hier üblichen Schuluniformen.

Und natürlich gilt es erst recht für touristische Veranstaltungen wie die Siva-Afi Feuer-Show mit samoanischem Buffet. Vor über zwanzig Jahren aus einer Initiative für Straßenkinder hervorgegangen, hat sich die Veranstaltung um Feuertanz, traditionellen samoanischen Tanz und typische samoanische Küche zu einem Standard in Apia entwickelt.

Die Männerröcke hier sind allerdings dem sportlichen Erfordernis angepasst und deutlich kürzer als die bis über die Knie reichende „Straßenversion“.

Kulturell geht es für uns auch am nächsten Tag weiter. Im „Cultural Village“, einer Art Museumsdorf gleich neben dem Regierungsgebäude, nehmen wir an einer Führung teil. Samoanische Musik, aktives Flechten eines Tellers aus Pandabuss-Palmenblättern, samoanische Küche einschließlich der Demonstration eines Umu-Erdofens, Kokosnussöffnen und Kokosmilchherstellung sowie Vorführung traditioneller samoanischen Schnitzerei stehen auf dem Programm. Außerdem dürfen wir bei Tätowierung zusehen. In einem heiligen und mit besonderen Tabus versehenen Fale (unter anderem: nicht fotografierenund keine Kopfbedeckung) wird nach alter Sitte mit einem kleinen gezackten Kamm tätowiert, der mit einem Holzstöckchen immer wieder tintengetränkt in die Haut geschlagen wird. Auch wenn der Kamm heute mit Metallspitzen aus Titan versehen ist, bleibt es eine sehr schmerzhafte Prozedur. Dies gilt umso mehr, als die samoanischen Tattoos sehr flächig und dunkel sind. Der Übergang vom Jungen zum Mann wird traditionell durch ein Tattoo gezeigt, dass vom unteren Rücken über die Hüfte bis hinunter zu den Knien reicht.

Heute Morgen heißt es dann extrem früh aufstehen, schon um 2:30 Uhr fahren wir mit dem Mietwagen los. Zwar ist Faleolo, der Internationale Flughafen von Samoa, nur etwa 30 km entfernt. Trotzdem ist es fast eine Stunde Fahrt bis dorthin.

Und schon verlässt uns Elisa wieder. Die genau sieben Wochen mit ihr sind so schnell vergangen. Dankeschön Elisa, es war toll mit Dir.