Sag Harbor

Sag Harbor liegt auf der South Fork, also dem südlichen schmalen Ausläufer von Long Island, der vielleicht besser als „die Hamptons“ bekannt ist. Die Ortschaften der Hamptons sind bekannt für ihre eleganten Häuser, Sag Harbor macht da keine Ausnahme. Zumeist mit Holzschindeln verkleidet, mal extravagant, mal schlicht, immer aber extrem teuer (Lage, Lage, Lage).

Eigentlich ist Sag Harbor ein alter Walfangort. Dessen Geschichte wird im hiesigen Walfangmuseum auch recht anschaulich erläutert, obwohl wegen Covid das Gebäude noch geschlossen ist. Ein Teil der Ausstellung wurde deshalb kurzerhand auf wetterfeste Plane gedruckt und in den Garten des Museums, rund um das von einer Art Carport geschützte Walfangboot verlagert.

Wale finden sich denn auch allenthalben in dem Städtchen, auf T-Shirts, und Kissen, an Hauswänden oder auf Dächern, als Geschäftsbezeichnungen und so weiter. Es gibt sogar eine eigene Walfängerkirche.

Wir unternehmen mehrere schöne Spaziergänge durch den Ort, die eigentlich geplante Fahrradtour lassen wir wegen der Hitze (so um 30 Grad) ausfallen und gönnen uns dafür ein Eis ;-).

Aber dafür haben wir um so mehr Zeit, um gemütlich durch den Ort zu streifen.

An einer der Hauswände sind diverse Fischerbojen dekoriert. Diese kleinen, bei auch nur etwas Welle kaum noch sichtbaren Markierungen werden in der gleichen historischen Form auch noch heute benutzt, finden sich zuhauf in den flachen Buchten hier und sorgen für eine nochmal erhöhte Aufmerksamkeit beim Navigieren. Bisher sind wir davon verschont geblieben, uns eine Fischerleine einzufangen. Hoffentlich bleibt das so!

Greenport

In der Orient Bay treffen wir David von der amerikanischen Hallberg-Rassy-Rassy 40 “Flight”. Er ist extra aus Greenport hergekommen, rudert von der Flight herüber und versorgt uns mit Tips für diesen Teil von Long Island rund um das zwischen North Fork und South Fork (Hamptons) gelegene Shelter Island und für unsere Weiterfahrt. Dafür hat er extra seine Seekarten mitgebracht, außerdem Gastgeschenke. Wow. Leider muss er am Abend noch wieder weiter, aber wir verbringen ein paar schöne gemeinsame Stunden.

Und dann das: hatten wir uns zuletzt noch über die amerikanische Gastfreundschaft gefreut, kommt gleich wieder jemand daher und versucht das Gegenteil zu beweisen. Das Örtchen “Orient” hat unserer Ankerbucht den Namen gegeben, aber besuchen dürfen wir es nicht. Auf den Grundstücken überall Schilder mit “No trespassing”, im kleinen Yachthafen keinerlei Dinghysteg sondern nur der wenig freundliche Hinweis: Keine Kurzzeitlieger!

Wir sprechen ein Mitglied des Yachtclubs an. Knappe Antwort: “Nein”, fremde Dinghys sind nicht vorgesehen. Wo wir anlanden könnten? Keine Ahnung, vielleicht da ganz weit hinten, am Strand. O.k., wer uns nicht will hat uns nicht verdient (so formuliert es Michael).

Also gehen wir gleich wieder ankerauf und verholen ein paar Meilen weiter vor den etwas größeren Ort Greenport. und dort sieht es zu unserem Glück wieder anders aus, es gibt ein ausgewiesenes Dinghydock nahe zur Innenstadt:

Schon auf dem Weg in die Stadt lassen wir uns aufhalten: Lobster Rolls locken uns ins urige Sterlington Deli bzw. dann auf deren Außenterrasse. Ein Glücksgriff: nicht nur kommt die Bedienung von der Insel Föhr und hat deshalb mit dem versehentlichen Denglisch unserer Bestellung keinerlei Probleme, auch der Lobster im Brioche-Brötchen ist superlecker und mit außergewöhnlich reichlich Lobsterfleisch überhäuft.

Und auch sonst gefällt uns Greenport richtig gut. Lebendig, aber nicht nur touristisch, leckeres Eis, gute Einkaufsmöglichkeiten. Zum Abend hin reißt auch wieder der Himmel auf und wir bekommen einen traumhaften Sonnenuntergang am Ankerplatz.

Connecticut: Kulissenwechsel

Nur einmal kurz über den Sund gesegelt, schon gibt’s statt langer Sandstrände und Dünen felsige Granitinseln mit Holzhäusern drauf. Schärenlandschaft.

Dänemark 🇩🇰 nach Schweden 🇸🇪, Gilleleje nach Hallands Väderö, Anholt nach Öckerö? Ja, auch. So kannten wir das bisher. Jetzt lernen wir, das Gleiche gilt auch für New York 🇺🇸 nach Connecticut 🇺🇸, Long Island nach Thimble Islands.

Es ist, als hätte man im Theater einmal kurz geblinzelt und die Kulissenschieber hätten – schwupp – auf die nächste Szene, den nächsten Aufzug gewechselt.

Was die Thimble Islands (wörtlich übersetzt: Fingerhut-Inseln) von ihren schwedischen Verwandten unterscheidet: Landgang ist schwierig bzw. zumeist nicht gestattet. Die Inseln sind im Privatbesitz und die Schilder mit “No trespassing” allgegenwärtig. Macht uns aber nichts aus, wir sind froh, überhaupt nach Connecticut reisen zu können. Die obligatorische Anmeldung per Telefon bei der Coast & Border Patrol ist insofern spannend, als Connecticut gerade wegen Covid eine obligatorische zweiwöchige Quarantäne für die Einreise aus diversen anderen Bundesstaaten verkündet hat. Darunter ist Maryland wo wir ja vor weniger als zwei Wochen noch waren. Andererseits, jetzt kommen wir aus New York State. Wie auch immer, wir haben jedenfalls keinerlei Problem.

Und so schlängeln wir uns zwischen halbüberspülten Felsbrocken und Inselchen hindurch an eine der Stellen, die wir als Ankerplatz ausgemacht haben. der Revierführer strotzt nur so vor “Caution!”, aber die Einfahrt ist gut betont und nicht allzu schwierig. Die Wahl des Ankerplatzes ist allerdings wegen einiger auf dem Grund liegender Kabel und wegen der vielen privaten Bojen etwas knifflig. Wir finden einen Platz (wenn auch mit begrenztem Schwoiraum) und im zweiten Versuch hält der Anker in dem schlammigen, muscheldurchsetzten Grund.

Kurz darauf zeigt sich die amerikanische Gastfreundschaft. Ein Motorboot löst sich von einer Mooring und kommt bei uns vorbei. Der Skipper informiert uns über am Abend zu erwartende heftige “Thunderstorms” (Gewitterböen) und bietet uns an, an die von ihm freigemachte kräftige Mooring zu gehen, die seinem Verein gehört. Machen wir.

Endlich ist das Wasser auch wieder klarer. Ich schwimme ausgiebig, auch wenn der Einstieg bei einer Wassertemperatur von 24 Grad uns nach der Karibikverwöhnung frisch erscheint 😉.

Zum Abendessen gibt’s auf der Überfahrt frisch gefangenen Bluefish (Blaubarsch). Danach kommt George von der neben uns an der Boje liegenden Saber 38 herüber und versorgt uns mit Tips für die Gegend, sowohl was Ziele angeht als auch hinsichtlich der Tidennavigation hier, die mit rund zwei Meter Tidenhub und kräftigen Strömungen in den Engstellen nicht ganz ohne ist.

Lange bleiben kann George nicht, dass Gewitter ist tatsächlich schon im Anmarsch, wird dann aber nicht so schlimm wie befürchtet. Trotzdem sind wir froh, an die Mooring gewechselt zu haben, um die herum Flora in den Böen bei wechselnden Strömungen einige Pirouetten dreht.

Präsidententage auf Long Island: Ruhe und Aufregung

So aufregend New York und die Passage durch Hell Gate gewesen sein mögen, so beruhigend (überwiegend jedenfalls) sind die nächsten Tage im Long Island Sound.

Es ist zumeist fast windstill und so motoren wir, abgesehen von gelegentlichem Leichtwindsegeln eher zur Abwechslung als zum Vorankommen.

Unser erstes Ziel ist Port Washington, nur etwa 10 sm westlich von Hell Gate auf dem zum Staat New York gelegenen Long Island. Diese fast 200 km lange Insel zieht sich von der City New York aus nach Osten und trennt dadurch eine Meerenge ab, auf deren gegenüber liegender Seite sich an New York die Bundesstaaten Connecticut und Rhode Island anschließen. Long Island ist Sommerfrische und beliebter Wohnort für wohlhabende New Yorker, insbesondere die im Südosten der Insel liegenden Hamptons (South Hampton, Bridge Hampton und East Hampton) mit ihren Stränden sind dafür bekannt. Aber auch an der Nordküste der Insel finden sich unfassbar viele, mal mehr, mal weniger geschmackvolle “Residenzen”. Schlendert man aber durch die Orte, sind doch die meisten Häuser eher normal groß. Auffällig ist wie sich der Stil verglichen etwa mit Cape May oder der Chesapeake Bay verändert hat. Traditionell sind hier Holzschindeln (shingles), nicht nur auf den Dächern sondern auch an damit verkleideten Fronten. Allerdings sind sie häufig an den nicht ganz so exquisiten Häusern nicht mehr wirklich aus dem Naturmaterial, sondern aus Kunstoff.

In der tiefen Bucht von Port Washington sind mehrere Marinas beheimatet, aber es gibt auch große Bojenfelder. Ankern außerhalb der Bojenfelder ist ebenfalls erlaubt, allerdings ist der Weg mit dem Dinghy zum Ort dann recht weit. Wir haben aber Glück: zusätzlich zu den üblichen weißen Bojen sind auch gelbe Gästebojen ausgelegt, deren Benutzung für die ersten beiden Tage hier sogar kostenfrei ist. 😁

An unserem nächsten Stop, 30 sm weiter östlich und wiederum in einer tief eingeschnittenen Bucht gelegen, ist das leider anders. 50,00 $ pro Nacht kostet die Boje hier, immer noch deutlich günstiger als der etwa dreimal so teure Platz am Steg, was hier schon günstig ist. Außerdem ist der Shuttle-Service im Bojenpreis schon inbegriffen.

Port Jefferson (wie Port Washington nach einem frühen Präsidenten benannt) lockt uns außerdem mit einer hafeneigenen “Laundry”, also mehreren Waschmaschinen und Trocknern, was unsere kleine 3,5 kg Bordwaschmaschine entlasten soll. Das Bootsshuttle setzt uns dort mit unserer Wäsche ab und – grrr 😖, wegen Covid ist das Häuschen, in dem sich auch die Sanitäranlagen befinden, leider GESCHLOSSEN.

Wir google ein bisschen auf dem Handy und finden heraus, dass sich etwa zwei Meilen weiter die Hauptstraße hinauf ein offener Münzwaschsalon befindet. Das (Uber-) Taxi bringt uns hin:

Großzügig, sauber und preiswert. Fein. Bloß blöd, dass wir feststellen müssen: Greg hat sein Handy im Uber liegen lassen. Die Kontaktaufnahme erfolgt über die Uber-App, wir bekommen zwar nicht die Nummer des Fahrers, werden aber verbunden. Allerdings gestaltet sich die Kommunikation schwierig, sein Englisch ist doch ziemlich limitiert. Immerhin, er hat das Handy. Wir warten zwei Stunden am Waschsalon auf ihn, aber er erscheint nicht, weitere Anrufversuche scheitern. Als es schon dunkel ist, machen Wiebke und ich uns auf den Heimweg, ergattern auch noch das Shuttleboot und können die später (ohne Handy) heimkommenden Greg und Michael mit dem Dinghy abholen. Zurück an Bord kriegen wir doch noch mal den Fahrer ans Telefon und eine weitere Dinghyfahrt später hat Greg sein Handy wieder. Spätestes Bord-Dinner um 23.00, HAPPY END. 😎

New York, New York

Das ist New York:

Beide Bilder sind vom gleichen Standpunkt im New Yorker Hafen aufgenommen, nur die Blickrichtung ist unterschiedlich. Das erste zeigt den Blick über den Buttermilk Channel hinweg zu den Containerbrücken in Brooklyn, das zweite den Blick genau entgegengesetzt hinüber zum Finanzdistrikt an der Südspitze von Manhattan mit den Fährterminals im Vordergrund.

Wir sind nicht das erste Mal in New York, und trotzdem sind wir wieder überrascht von den Gegensätzen, die in diesem Schmelztiegel wie selbstverständlich nebeneinander zu finden sind. Und obwohl wir ursprünglich gedacht hatten, wir würden nur eine Nacht an der Freiheitsstatue ankern und dann ohne Landgang weiterfahren, die Anziehungskraft der Stadt ist dann doch zu groß. Wir lassen das Dinghy zu Wasser und fahren die gut anderthalb Meilen den Hudson River hinauf und hinüber in den North Cove Yacht Harbour in Manhattan.

Gegen Gebühr von einem Dollar je Stunde (pro Fuß Länge) können wir Florecita dort parken. Und so machen wir uns zu Fuß auf, die sonntäglich und Corona-bedingt ziemlich leere Stadt zu erkunden. Was sofort auffällt ist, dass praktisch alle auch auf der Straße Gesichtsmasken tragen.

Durch das neue Brookfield Place Center hindurch gelangen wir unterirdisch gleich zu einem architektonischen Leckerbissen. Der direkt am World Trade Center gelegene neue Umsteigebahnhof der PATH-Pendlerzüge zur U-Bahn wurde 2016 eröffnet. Die „Oculus“ genannte Haupthalle wurde vom spanischen Architekten Santiago Calatrava gestaltet (unter anderem hat er auch das Auditorium de Tenerife in Santa Cruz und den Turning Torso im schwedischen Malmö entworfen). Was fotografisch besonders reizt, ziemlich sicher werden wir die großzügige, halb unterirdische Halle kaum noch einmal so leer erleben:

Auch von außen ist die Station außergewöhnlich und Aufsehen erregend:

Gleich nebenan liegen an der Stelle der durch die Terroranschläge am 11. September 2001 eingestürzten Zwillingstürme zum einen das Ground-Zero-Denkmal und zum anderen das (mit Antenne) 541 m hohe neue World Trade Center:

Aber wir wollen nicht bei den Hochhäusern im Finanzdistrikt bleiben, sondern spazieren zu Fuß nordwärts die Insel Manhattan hinauf. Dabei kommen wir zunächst nach Tribeca, weiter durch Soho und nach Greenwich Village bevor wir über andere Straßen wieder zurück schlendern.

Natürlich gibt’s die typischen Feuerleitern und auch die ebenso markanten Wassertanks auf den Dächern zu sehen:

Das (nicht nur dem Namen nach) winzige Restaurant im rosafarbenen Altbau und im Gegensatz dazu der verschachtelte neue Mega-Wohnturm, New York bietet viel. Auch viel Grün übrigens, wir verschnaufen in kleinen Parks und laufen sogar an „Urban Gardening“-Schrebergärten mitten in den superteuren In-Stadtteilen vorbei:

Wo wir schon mal an Land sind: noch ein bisschen einkaufen bei Whole Foods für unser Abendessen. Als wir zurück auf Flora sind, haben wir 15.000 Schritte auf dem „Taxameter“, nicht schlecht bei Temperaturen von gut 30 Grad. Chillen an Bord, das haben wir uns wahrlich verdient. Aber schön war es wieder, wir diskutieren wie es wohl wäre, einige Zeit in NY zu leben.

Trotzdem, heute geht’s dann früh raus, denn die Tide diktiert für den nächsten Teil unserer Route den Start. Wir wollen den East River hinauf in den Long Island Sound fahren. Das bedeutet, zunächst unter einem weiteren Wahrzeichen von New York hindurchzufahren, nämlich der Brooklyn Bridge. Die 1883 fertiggestellte von massiven Steintürmen mit Spitzbogenportalen getragene doppelstöckige Hängebrücke verbindet Manhattan mit Brooklyn. Weiter geht es unter der ebenfalls sehr markanten Manhattan Bridge und dann der Williamsburg Bridge hindurch (EselsBRÜCKE für die Reihenfolge laut Revierführer: BMW=Brooklyn/Manhattan/Williamsburg).

Dann folgt das navigatorisch aufregenste Teilstück, die Passage westlich der langgestreckt im East River liegenden Insel Roosevelt Island und des danach an der Einmündung des Harlem Rivers liegenden berüchtigten „Hell Gate“. Ursprünglich von dem als erstem Europäer hier bei offenbar mitsetzendem Strom hindurch navigierenden Holländer Adriaen Block „HelleGat“ (Gute Passage) getaufte Durchfahrt glänzt nämlich mit Tidenströmen von bis zu 5 kn. Man sollte also gut planen, wann man hier an- bzw. durchkommt. Laut Revierführer setzt auflaufendes Wasser hier nach Nordosten Richtung Long Island Sound, also wollen wir mit der Flut hindurch. Niedrigwasser ist laut der empfehlenswerten App „Tides USA“ um 6.45 Uhr. Tatsächlich schiebt uns die Strömung mit in der Spitze 4,7 kn vorwärts, der Motor hat also nicht allzu hart zu arbeiten. Die Steuerfrau dagegen schon, denn die Strudel und Verwirbelungen sind nicht nur sicht- sondern auch spürbar. Trotzdem: mit der richtigen Tide muss man vor dieser Passage keine Angst haben. Respekt aber schon.

Und nebenbei bietet auch diese Passage wunderbare Blicke auf New York.

So etwa am Gebäude der vereinten Nationen (UN) mit der vom Fluss aus sichtbaren Statue „Schwerter zu Pflugscharen“ und mit wiederum sehr unterschiedlichen Gebäuden.

Suchbilder: das quadratische Bild ist jeweils in dem größeren Bild zu finden 😉

Den Text an der Statue habe ich allerdings ergänzt, denn die Grafik dieser bildhauerischen Interpretation eines Bibelzitates hat als Logo in meiner Jugend meine geliebte Jeansjacke geziert.

New York: Jetzt aber richtig

Nachdem gestern Abend ja erstmal die Ankunft gefeiert wurde, jetzt noch mal deutlich ausführlicher:

Wir sind superfroh, angesichts der Regenfront erst mal nach Sandy Hook abgelaufen zu sein und dafür dann am nächsten Tag bei Kaiserwetter in den Hafen von New York einzulaufen.

Dafür müssen wir uns zunächst mal durch die vielen Muschelfischer in der Sandy Hook Bay hindurchschlängeln, die mit speziellen Metallkäschern an langen Stangen und offenbar harter körperlicher Arbeit die Muschelbänke abernten. Mit pumpenden Bewegungen von Oberkörper und Armen am T-förmigen Griff wird das Gerät über den Grund gezogen und dann ins Boot geleert.

Ein Stück weiter Richtung NY sind es dann unzählige Angelboote, die uns zur Slalomfahrt nötigen. Der Fischreichtum zeigt sich aber auch in den an der Oberfläche springenden Schwarmfischen (wir vermuten Menhaden) und den vielen Delfinen in der Bucht.

Dann geht’s unter der Staten Island und Brooklyn verbindenden Verrazano-Narrows-Bridge hindurch in den Hafen von New York. Und ja, es ist ein äußerst lebendiger Hafen, mit Großschifffahrt, Schubverbänden, viel Fährverkehr, Frachtern auf Reede, geparkten Schuten, jeder Menge kreuzender oder abzweigender Fahrwasser mit entsprechender Betonnung, mehreren einmündenden Flüssen, dazu regem Sportbootverkehr und erstaunlich vielen Jetskis. Dazu reichlich Polizei- und Coastguardboote und – um die Wuselei komplett zu machen – diversen tieffliegenden Hubschraubern. Trotzdem beschert uns Covid einen mutmaßlich wesentlich ruhigeren Hafen als sonst üblich. Kreuzfahrer fehlen komplett, ebenso die Besucherboote für Liberty Island 🗽 und Ellis Island. Das macht sich für uns um so mehr bemerkbar, als wir ja genau zwischen diesen beiden Inseln ankern.

Das allerdings erst, nachdem wir gleich bei unserer Ankunft mit der SY Escape ein gegenseitiges Fotoshooting unserer Boote unter Segeln vorgenommen haben. Annemarie und Volker wollen nämlich gerade aufbrechen, schade, aber immerhin passt es perfekt und wir werden uns hoffentlich schon bald im Long Island Sound wiedersehen. Aber dadurch haben wir diese tollen Fotos der Flora bekommen (und sie auch ein paar ganz gute der Escape 😉):

Das anschließende Feiern hält uns aber nicht davon ab, noch ein paar Abend- und Nachtfotos der Kulisse an unserem Ankerplatz zu machen:

Und weil ich mich nicht sattsehen kann, gleich noch ein paar frühe Fotos von heute morgen (“The City never sleeps!) vor und zum Sonnenaufgang über Manhattan:

New York

Angekommen im “Big Apple”, auf eigenem Kiel. Wir ankern direkt an der Freiheitsstatue mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Ein ausgewiesener offizieller Ankerplatz, nur 150 m Sicherheitsabstand zur Freiheitsstatue sind einzuhalten und man soll sich bei Traffic Control per UKW-Funk auf Kanal 12 anmelden. Haben wir gemacht und wurden willkommen geheißen. Wir sind das einzige Boot auf diesem Ankerplatz. Fühlt sich irre an.

Deshalb gibt’s auch nur ein paar schnelle Bilder, wir feiern jetzt nämlich erstmal 😁 🥂.

New York will uns noch nicht

Erst mal hält uns die Windvorhersage zurück. Wie Uwe mal so schön formulierte: “Schipper mit Tiet hätt jümmer goden Wind”. Nordwind für den Schlag von Cape May nach New York? Warten wir halt noch.

Ostwind, über Südost auf Süd drehend ist die Vorhersage für den nächsten Tag, geht doch ☺️!

120 sm sind zu bewältigen, dass wird für unsere Gäste Greg und Michael die erste Nachtfahrt überhaupt. Aber der Wind soll die ganze Zeit unter 20 Knoten bleiben und hält sich auch daran. Die beiden bleiben trotzdem nicht ganz unbeeindruckt von den Atlantikwellen.

Auf Höhe von Atlantic City findet sich kurz vor der Dämmerung ein weiterer Gast bei uns ein. Höchst ungewöhnlich (wir sind schon auf 39 Grad Nord) segelt ein junger Weißbauchtölpel ein paar elegante Runden um Flora und lässt sich dann auf dem Burgkorb nieder. Die eigentlich nur in den Tropen beheimateten etwa gänsegroßen Vögel werden wohl gelegentlich von Stürmen auch in andere Gebiete verweht, aber das hier ist doch schon sehr weit und das Verhalten lässt auch auf Erschöpfung schließen, denn nach einer weiteren Runde ruht er sich nochmals auf dem Seitenschiff aus und putzt sein zerzaust wirkendes Gefieder.

Der Balanceakt auf dem Süllbord währt dann aber auch nicht sehr lange. Noch vor der Nacht macht er sich wieder auf den Weg.

Leider ziehen am Morgen dicke Wolken auf und just als wir der Silhouette von New York näher kommen, die Wolkenkratzer von Manhattan hinter dem Vergnügungspark von Coney Island und den dunklen Fassaden von Brooklyn sich einzeln aus dem Dunst herauszuschälen beginnen, da verdichten sich die Wolken schon dramatisch, bescheren uns einen Wolkenbruch und verschlucken den Blick auf die Häuserschluchten.

Auch gut. Machen wir halt einen Schlenker, ankern hinter Sandy Hook und fahren morgen in den Big Apple.

Segler mit Zeit hat ja vielleicht auch besseres Wetter 😉.

Cape May

„Ältester Badeort der Nation“. Ohne Superlativ scheint ja kaum ein Ort der USA auszukommen. Nun ist Cape May ja ohnehin schon südlichster Ort in dem Bundesstaat New Jersey, prominent auf einer Halbinsel im Mündungsdelta des Delaware River gelegen oder – wenn man so will – durch den vom Westen aus dem Fluss heraus angelegten Cape-May-Kanal inzwischen schon auf einer Insel gelegen. Nach Norden hin schließt sich bis Sandy Hook in der Bucht vor New York ein langgestrecktes Nehrungsgebiet mit Stränden zum Atlantik und einem dahinter liegenden Flachwassergürtel an. Wie auch immer, wir können leider wegen unserer Masthöhe nicht durch den Cape-May-Kanal fahren, sondern müssen einen größeren Umweg um die Flachs vor dem Ort machen und durch das Inlet an der Atlantikseite den kleinen Ankerplatz hinter der Nehrung anlaufen.

Aber das lohnt sich allemal, denn der 1620 gegründete Ort hat sich bereits im 18. Jahrhundert tatsächlich zu einer Sommerfrische für die wohlhabenden Bürger aus New York und Philadelphia entwickelt. Vor allem aber: viele der viktorianischen Villen aus vergangener Zeit wurden erhalten. Holzhäuser im Gingerbread (Zuckerbäcker-)stil und Pastellfarben, das macht Cape May bis heute aus und führt dazu, dass in guten Ferienzeiten 100.000 Urlauber dort wohnen, obwohl der Ort nur gut 4.000 ganzjährige Bewohner verzeichnet.

Selbst in Covid-Zeiten scheinen die meisten Bed&Breakfast sowie Pensionen besetzt zu sein. Aber es gibt auch Ausnahmen – warum nur 😉

Egal, wir halten uns an das in der Fußgängerzone gefundene Motto und bleiben einen Tag hier vor Anker. Morgen soll es dann weiter Richtung New York gehen.

Kanalbrücken – Fotosession

Wir stoppen in Chesapeake City kurz nach der Einfahrt in den C&D Canal. Der „Chesapeake and Delaware Canal“ ist nur 14 Meilen lang und verbindet den Elk River im Norden der Chesapeake Bay mit dem Delaware River, ermöglicht so also eine Abkürzung von rund 300 sm auf dem Weg vom Elk River nach Cape May.

Der Ankerplatz in Chesapeake City ist tricky und neigt zur Versandung, außerdem fehlt die rote Tonne (die in der Mitte der Einfahrt liegen sollte, die Grüne ist an die Ostseite der Pier gemalt. Wir gehen gegenüber an die Spundwand vor dem Restaurant „Schaefers“. Der dortige Hafenmeister versorgt uns mit vielen Tips für die Weiterfahrt. Er rät uns, zwei Stunden vor Hochwasser abzulegen, um die Strecke nach Cape May bestmöglich (strömungsgünstig) zu bewältigen. Klar, machen wir. Blöd ist nur, dass Hochwasser in Chesapeake City am nächsten Morgen bereits um 06.10 ist. Das Abendhochwasser ist uns zu spät, dann wäre es eine komplette Nachtfahrt den Delaware River hinunter. Also heißt es: morgens um 04.00 los.

Das führt aber dazu, dass wir auf unserer Fahrt nach Cape May in New Jersey die Brücken über den C&D Canal (Maryland und Delaware) in beinahe magischem Licht des sich langsam erhellenden Nachthimmels zu sehen bekommen: