New York, New York

Das ist New York:

Beide Bilder sind vom gleichen Standpunkt im New Yorker Hafen aufgenommen, nur die Blickrichtung ist unterschiedlich. Das erste zeigt den Blick über den Buttermilk Channel hinweg zu den Containerbrücken in Brooklyn, das zweite den Blick genau entgegengesetzt hinüber zum Finanzdistrikt an der Südspitze von Manhattan mit den Fährterminals im Vordergrund.

Wir sind nicht das erste Mal in New York, und trotzdem sind wir wieder überrascht von den Gegensätzen, die in diesem Schmelztiegel wie selbstverständlich nebeneinander zu finden sind. Und obwohl wir ursprünglich gedacht hatten, wir würden nur eine Nacht an der Freiheitsstatue ankern und dann ohne Landgang weiterfahren, die Anziehungskraft der Stadt ist dann doch zu groß. Wir lassen das Dinghy zu Wasser und fahren die gut anderthalb Meilen den Hudson River hinauf und hinüber in den North Cove Yacht Harbour in Manhattan.

Gegen Gebühr von einem Dollar je Stunde (pro Fuß Länge) können wir Florecita dort parken. Und so machen wir uns zu Fuß auf, die sonntäglich und Corona-bedingt ziemlich leere Stadt zu erkunden. Was sofort auffällt ist, dass praktisch alle auch auf der Straße Gesichtsmasken tragen.

Durch das neue Brookfield Place Center hindurch gelangen wir unterirdisch gleich zu einem architektonischen Leckerbissen. Der direkt am World Trade Center gelegene neue Umsteigebahnhof der PATH-Pendlerzüge zur U-Bahn wurde 2016 eröffnet. Die „Oculus“ genannte Haupthalle wurde vom spanischen Architekten Santiago Calatrava gestaltet (unter anderem hat er auch das Auditorium de Tenerife in Santa Cruz und den Turning Torso im schwedischen Malmö entworfen). Was fotografisch besonders reizt, ziemlich sicher werden wir die großzügige, halb unterirdische Halle kaum noch einmal so leer erleben:

Auch von außen ist die Station außergewöhnlich und Aufsehen erregend:

Gleich nebenan liegen an der Stelle der durch die Terroranschläge am 11. September 2001 eingestürzten Zwillingstürme zum einen das Ground-Zero-Denkmal und zum anderen das (mit Antenne) 541 m hohe neue World Trade Center:

Aber wir wollen nicht bei den Hochhäusern im Finanzdistrikt bleiben, sondern spazieren zu Fuß nordwärts die Insel Manhattan hinauf. Dabei kommen wir zunächst nach Tribeca, weiter durch Soho und nach Greenwich Village bevor wir über andere Straßen wieder zurück schlendern.

Natürlich gibt’s die typischen Feuerleitern und auch die ebenso markanten Wassertanks auf den Dächern zu sehen:

Das (nicht nur dem Namen nach) winzige Restaurant im rosafarbenen Altbau und im Gegensatz dazu der verschachtelte neue Mega-Wohnturm, New York bietet viel. Auch viel Grün übrigens, wir verschnaufen in kleinen Parks und laufen sogar an „Urban Gardening“-Schrebergärten mitten in den superteuren In-Stadtteilen vorbei:

Wo wir schon mal an Land sind: noch ein bisschen einkaufen bei Whole Foods für unser Abendessen. Als wir zurück auf Flora sind, haben wir 15.000 Schritte auf dem „Taxameter“, nicht schlecht bei Temperaturen von gut 30 Grad. Chillen an Bord, das haben wir uns wahrlich verdient. Aber schön war es wieder, wir diskutieren wie es wohl wäre, einige Zeit in NY zu leben.

Trotzdem, heute geht’s dann früh raus, denn die Tide diktiert für den nächsten Teil unserer Route den Start. Wir wollen den East River hinauf in den Long Island Sound fahren. Das bedeutet, zunächst unter einem weiteren Wahrzeichen von New York hindurchzufahren, nämlich der Brooklyn Bridge. Die 1883 fertiggestellte von massiven Steintürmen mit Spitzbogenportalen getragene doppelstöckige Hängebrücke verbindet Manhattan mit Brooklyn. Weiter geht es unter der ebenfalls sehr markanten Manhattan Bridge und dann der Williamsburg Bridge hindurch (EselsBRÜCKE für die Reihenfolge laut Revierführer: BMW=Brooklyn/Manhattan/Williamsburg).

Dann folgt das navigatorisch aufregenste Teilstück, die Passage westlich der langgestreckt im East River liegenden Insel Roosevelt Island und des danach an der Einmündung des Harlem Rivers liegenden berüchtigten „Hell Gate“. Ursprünglich von dem als erstem Europäer hier bei offenbar mitsetzendem Strom hindurch navigierenden Holländer Adriaen Block „HelleGat“ (Gute Passage) getaufte Durchfahrt glänzt nämlich mit Tidenströmen von bis zu 5 kn. Man sollte also gut planen, wann man hier an- bzw. durchkommt. Laut Revierführer setzt auflaufendes Wasser hier nach Nordosten Richtung Long Island Sound, also wollen wir mit der Flut hindurch. Niedrigwasser ist laut der empfehlenswerten App „Tides USA“ um 6.45 Uhr. Tatsächlich schiebt uns die Strömung mit in der Spitze 4,7 kn vorwärts, der Motor hat also nicht allzu hart zu arbeiten. Die Steuerfrau dagegen schon, denn die Strudel und Verwirbelungen sind nicht nur sicht- sondern auch spürbar. Trotzdem: mit der richtigen Tide muss man vor dieser Passage keine Angst haben. Respekt aber schon.

Und nebenbei bietet auch diese Passage wunderbare Blicke auf New York.

So etwa am Gebäude der vereinten Nationen (UN) mit der vom Fluss aus sichtbaren Statue „Schwerter zu Pflugscharen“ und mit wiederum sehr unterschiedlichen Gebäuden.

Suchbilder: das quadratische Bild ist jeweils in dem größeren Bild zu finden 😉

Den Text an der Statue habe ich allerdings ergänzt, denn die Grafik dieser bildhauerischen Interpretation eines Bibelzitates hat als Logo in meiner Jugend meine geliebte Jeansjacke geziert.

New York: Jetzt aber richtig

Nachdem gestern Abend ja erstmal die Ankunft gefeiert wurde, jetzt noch mal deutlich ausführlicher:

Wir sind superfroh, angesichts der Regenfront erst mal nach Sandy Hook abgelaufen zu sein und dafür dann am nächsten Tag bei Kaiserwetter in den Hafen von New York einzulaufen.

Dafür müssen wir uns zunächst mal durch die vielen Muschelfischer in der Sandy Hook Bay hindurchschlängeln, die mit speziellen Metallkäschern an langen Stangen und offenbar harter körperlicher Arbeit die Muschelbänke abernten. Mit pumpenden Bewegungen von Oberkörper und Armen am T-förmigen Griff wird das Gerät über den Grund gezogen und dann ins Boot geleert.

Ein Stück weiter Richtung NY sind es dann unzählige Angelboote, die uns zur Slalomfahrt nötigen. Der Fischreichtum zeigt sich aber auch in den an der Oberfläche springenden Schwarmfischen (wir vermuten Menhaden) und den vielen Delfinen in der Bucht.

Dann geht’s unter der Staten Island und Brooklyn verbindenden Verrazano-Narrows-Bridge hindurch in den Hafen von New York. Und ja, es ist ein äußerst lebendiger Hafen, mit Großschifffahrt, Schubverbänden, viel Fährverkehr, Frachtern auf Reede, geparkten Schuten, jeder Menge kreuzender oder abzweigender Fahrwasser mit entsprechender Betonnung, mehreren einmündenden Flüssen, dazu regem Sportbootverkehr und erstaunlich vielen Jetskis. Dazu reichlich Polizei- und Coastguardboote und – um die Wuselei komplett zu machen – diversen tieffliegenden Hubschraubern. Trotzdem beschert uns Covid einen mutmaßlich wesentlich ruhigeren Hafen als sonst üblich. Kreuzfahrer fehlen komplett, ebenso die Besucherboote für Liberty Island 🗽 und Ellis Island. Das macht sich für uns um so mehr bemerkbar, als wir ja genau zwischen diesen beiden Inseln ankern.

Das allerdings erst, nachdem wir gleich bei unserer Ankunft mit der SY Escape ein gegenseitiges Fotoshooting unserer Boote unter Segeln vorgenommen haben. Annemarie und Volker wollen nämlich gerade aufbrechen, schade, aber immerhin passt es perfekt und wir werden uns hoffentlich schon bald im Long Island Sound wiedersehen. Aber dadurch haben wir diese tollen Fotos der Flora bekommen (und sie auch ein paar ganz gute der Escape 😉):

Das anschließende Feiern hält uns aber nicht davon ab, noch ein paar Abend- und Nachtfotos der Kulisse an unserem Ankerplatz zu machen:

Und weil ich mich nicht sattsehen kann, gleich noch ein paar frühe Fotos von heute morgen (“The City never sleeps!) vor und zum Sonnenaufgang über Manhattan:

New York

Angekommen im “Big Apple”, auf eigenem Kiel. Wir ankern direkt an der Freiheitsstatue mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Ein ausgewiesener offizieller Ankerplatz, nur 150 m Sicherheitsabstand zur Freiheitsstatue sind einzuhalten und man soll sich bei Traffic Control per UKW-Funk auf Kanal 12 anmelden. Haben wir gemacht und wurden willkommen geheißen. Wir sind das einzige Boot auf diesem Ankerplatz. Fühlt sich irre an.

Deshalb gibt’s auch nur ein paar schnelle Bilder, wir feiern jetzt nämlich erstmal 😁 🥂.

New York will uns noch nicht

Erst mal hält uns die Windvorhersage zurück. Wie Uwe mal so schön formulierte: “Schipper mit Tiet hätt jümmer goden Wind”. Nordwind für den Schlag von Cape May nach New York? Warten wir halt noch.

Ostwind, über Südost auf Süd drehend ist die Vorhersage für den nächsten Tag, geht doch ☺️!

120 sm sind zu bewältigen, dass wird für unsere Gäste Greg und Michael die erste Nachtfahrt überhaupt. Aber der Wind soll die ganze Zeit unter 20 Knoten bleiben und hält sich auch daran. Die beiden bleiben trotzdem nicht ganz unbeeindruckt von den Atlantikwellen.

Auf Höhe von Atlantic City findet sich kurz vor der Dämmerung ein weiterer Gast bei uns ein. Höchst ungewöhnlich (wir sind schon auf 39 Grad Nord) segelt ein junger Weißbauchtölpel ein paar elegante Runden um Flora und lässt sich dann auf dem Burgkorb nieder. Die eigentlich nur in den Tropen beheimateten etwa gänsegroßen Vögel werden wohl gelegentlich von Stürmen auch in andere Gebiete verweht, aber das hier ist doch schon sehr weit und das Verhalten lässt auch auf Erschöpfung schließen, denn nach einer weiteren Runde ruht er sich nochmals auf dem Seitenschiff aus und putzt sein zerzaust wirkendes Gefieder.

Der Balanceakt auf dem Süllbord währt dann aber auch nicht sehr lange. Noch vor der Nacht macht er sich wieder auf den Weg.

Leider ziehen am Morgen dicke Wolken auf und just als wir der Silhouette von New York näher kommen, die Wolkenkratzer von Manhattan hinter dem Vergnügungspark von Coney Island und den dunklen Fassaden von Brooklyn sich einzeln aus dem Dunst herauszuschälen beginnen, da verdichten sich die Wolken schon dramatisch, bescheren uns einen Wolkenbruch und verschlucken den Blick auf die Häuserschluchten.

Auch gut. Machen wir halt einen Schlenker, ankern hinter Sandy Hook und fahren morgen in den Big Apple.

Segler mit Zeit hat ja vielleicht auch besseres Wetter 😉.