Fatu Hiva II: Hanavave und Vaieenui-Wasserfall

Urzeitlich schroff. Jurassic Parc. So präsentiert sich die in fast senkrechten Ziehharmonika-Falten aus den Tiefen des Pazifiks empor springende Basaltküste nördlich der der Hanavave-Bucht.

Aber der Blick direkt in die Ankerbucht zeigt: in der Ebene und den niedrigeren Seitentälern um den Ort Hana Vave ist es üppig grün, hier bauen die Bewohner der Marquesas seit Jahrhunderten Kulturpflanzen wie Taro, Yams, Brotfrucht und Kokospalmen an, außerdem Papaya, Süßkartoffeln, Mangos, diverse Bananensorten und vieles mehr.

An Land empfängt uns gleich ein steinernes Tiki, typisch polynesische Kunst.

Durch den kleinen Ort wandern wir zunächst zum “Restaurant” von Desiree und Jacques. Genau genommen ist es ihr ziemlich einfaches Privathaus, aber auf Vorbestellung servieren sie auf der Terrasse typische Küche der Marquesas. Sally und Simon vom Nachbarboot “Shimshal II” haben dafür gesorgt, dass heute Abend der Ofen angeworfen wird und auf seine Frage hin schließen wir uns gerne an. Da macht es dann auch nichts, dass wir den eigentlich gewünschten Tag Vorlauf nicht einhalten. Super.

Nachdem das geklärt ist, machen wir uns auf den Hike zum Wasserfall Vaieenui. Erst mal auf der Straße weiter durch den Ort, vorbei an der Kirche und kleinen, wellblechgedeckten Häusern.

Überall freilaufende Hühner und ebenso freilaufende Zicklein. Die Mutterziege ist dann meist irgendwo in der Nähe angebunden, ebenso die Schweine im Hof oder am Straßenrand.

Dazu Kokospalmen, Bananen, überhaupt alles mögliche Obst in praktisch jedem Garten, klassische Subsistenzwirtschaft. Die meisten der etwa 600 Bewohner auf Fatu Hiva sind Selbstversorger.

Es gibt keine oder eben allenfalls improvisierte Infrastruktur für die wenigen Touristen (zumeist Segler, es gibt keinen Flughafen und keinen Hafen für größere Schiffe).

In geringem Maß werden als klassische Erzeugnisse wohl noch Tapa-Rindenbaststoffe und auch Tiki-Schnitzereien hergestellt, zumeist für den Handel auf anderen Inseln und auf Kreuzfahrtschiffen. Aber auch in unserem “Privat-Restaurant” könnten wir sie am Abend kaufen.

Tatsächlich immer noch hergestellt wird Kopra. Dieses getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnüsse wird exportiert und unter anderem zu Kokosöl weiterverarbeitet. Wir sehen am Wegesrand mehrere einfache Schuppen für die Lufttrocknung der geöffneten Kokosnüsse.

Dann geht’s von der Straße ab auf einen matschigen Feldweg, in dessen Pfützen sich Braunbrustnonnen (eine Prachtfinkenart) vergnügen.

Dann ist auch der Feldweg zu Ende, ab jetzt führt ein Pfad weiter bergauf …

… durch Furten …

… vorbei an Petroglyphen …

… und kleinen Steinmännchen, die im Wald den Weg kennzeichnen …

… bis zum Vaieenui-Wasserfall.

Etwa dreieinhalb Kilometer einfache Strecke sind es bis dorthin, kaum anstrengende Kletterei, meist einfaches Wandern. Trotzdem ist es bei gut 30° im Schatten schweißtreibend, das angenehm erfrischende Bad im Pool unter dem Wasserfall ist eine Wohltat.

Nach dem Rückweg, ein bisschen Bootsarbeit und folgerichtig gleich wieder Ausruhen an Bord dann Abends unser erster “Restaurant”-Besuch seit Mexiko. Insgesamt 15 Segler von fünf Booten (🇬🇧🇸🇪🇩🇰🇳🇱🇩🇪) werden mit lokaler Küche bekocht, Getränke sind selbst mitzubringen.

Ein schönerAbend.

Abschied von Gambier

Über einen Monat sind wir schon auf den Gambier, der Abschied naht.

Wir lösen unser Versprechen ein und backen mit Tetu und Murielle eine Elsässer Guglhupf-Variante. Rezept, Kuchenform (wenn auch nicht die perfekte Guglhupf-Form) und ein paar Zutaten bringen wir mit, die übrigen Standardzutaten haben die beiden in ihrer Küche schon bereitgelegt.

Der Elsässer Hefeteig-Guglhupf wird angerührt und muss dann erst einmal ruhen. Da geht es dann mit Tetu sofort wieder in seinen Garten. Ebenso, nachdem der Kuchen dann später im Ofen ist. Tetu zeigt uns nochmal, wie man richtig mit einer Kokosnuss umgeht, sie von der schützenden weichen, faserigen Schale befreit und die innere harte Nuss öffnet und wie man die grüne Trinknuss am besten öffnet.

Und er führt uns zu den verborgenen Schätzen in seinem Garten.

Was zum Beispiel ist das hier?

So sieht die unreife Frucht aus:

Stolz führt er uns die selbst gebaute Sonnentrocknung vor, die er zum Beispiel für Bananen und Litschi nutzt.

Man merkt Tetu einfach an, wie viel Freude sein Garten und der mit Hilfe der Natur produzierte Überfluss ihm bereitet.

Zurück in die Küche, der Kuchen ist fertig: gut geworden.

Und obwohl das Backen ja eigentlich unser Gegengeschenk war, wir werden wie aus einem Füllhorn erneut mit dem überhäuft, was der wunderbare Garten alles hergibt: frische Kräuter, für Salate verwendbare (uns bisher unbekannte) Blätter, Chili, getrocknete Bananen und Litschi, frische grüne Bohnen,

Sternfrucht, Drachenfrucht (die Auflösung des Pflanzenrätsels von eben), Auberginen, Bananen, Bittergurke, Pampelmusen:

Drachenfrucht und Bittergurke noch mal aufgeschnitten:

Wir können uns gar nicht genug für Eure unglaubliche Gastfreundschaft bedanken, Murielle und Tetu!

Was machen wir noch hier auf Mangareva? Eine Wanderung zu den Ruinen des alten Klosterkonvents von Rikitea unterhalb der Steilwand des Mont Duff.

Die mit Steinen eingefasste tiefe Kuhle auf dem Gelände ist übrigens kein Brunnen, sondern eine Lagerkuhle für “Uru”. Hier wurde früher Brotfrucht haltbar eingelagert.

Und dann übergeben wir quasi den Staffelstab:

Unsere Segelfreundin Mareike kommt mit ihrer Moana an, ankert neben uns hier in Rikitea. Wir freuen uns riesig, dass es mit dem Treffen noch klappt, denn mit den Schiffen waren wir uns zuletzt an der amerikanischen Ostküste in Charleston begegnet und hatten dort ihren Geburtstag gefeiert, danach hatten wir uns noch einmal auf Heimatbesuch in Hamburg getroffen.

Aber während sie und ihre Crew jetzt erst mal die verdiente Entspannung nach dem Törn von Galapagos nach Gambier genießen, soll es für uns morgen mal wieder weitergehen: wir wollen in die nächste Inselgruppe aufbrechen. Die Tuamotus liegen vor uns. Wir möchten aber erst einmal nur eines der seltener besuchten südlichen Atolle dieses Archipels als Sprungbrett auf unserem Weg hoch zu den Marquesas nutzen. Von dort wird es dann später zurück in die Tuamotus gehen, dann aber in den nördlichen Teil dieser weit aufgefächerten Inselgruppe.

Etwa 450 Seemeilen lang wird der Törn zum Atoll Amanu sein, etwa drei bis vier Tage sollte das dauern.

Tschüss Gambier, es war toll bei Dir.

Die kleinen und die großen Dinge

Wir schnorcheln vor Aukena. Einmal mehr beeindrucken der Fischreichtum und der gute Zustand der vielen Korallen.

Das Riff selbst ist vielleicht etwas weniger farbenfroh als in manchen Teilen der Karibik, die Details sind es aber nicht. Zum Beispiel die Tridacna, quasi Zwerge in der Familie den Riesenmuscheln. In unterschiedlichen leuchtenden Türkis- und Blautönen strahlen die etwa 10 bis 15 cm messenden Muscheln zu uns herauf und schließen sich, wenn wir näher heran schnorcheln.

Später, beim Strandspaziergang unter Palmen, springt uns eine andere “Kleinigkeit” förmlich an.

Die winzigen Jungferngeckos sitzen oft in den Kokospalmen und nun pflücken wir ausgerechnet “seine” Nuss. Schwupp – sitzt er auf meinem Finger, lässt sich ausgiebig bewundern und springt dann auf die Kamera und weiter auf Wiebkes Fuß.

Nachdem er vor allem Mücken und kleine Spinnen jagt, wäre er eigentlich ein perfektes Haustier auf Flora, aber wir setzen ihn trotzdem lieber zurück in “seine” Palme. Mach’s gut, Kleiner.

Was dagegen richtig groß ist: die Gastfreundschaft hier in den Gambier. Wie fast auf jeder der etwas größeren Inseln des Archipels gibt es auch auf Aukena eine Kirche, trotz der nur ungefähr 30 Einwohner. Sie liegt dicht an unserem Ankerplatz, die Anfahrt über das Riff gestaltet sich aber schwierig. Doch Hilfe naht: Pakoi läuft aus seinem Garten ans Ufer und weist uns den Weg. Er legt sogar einen Zwischensprint ein, als wir ihn nicht gleich richtig verstehen. Eine mini-kleine Rinne führt zur kurzen Steinmole, gerade breit und tief genug für den Außenbordmotor, um mit einer auflaufenden Welle in den tieferen Bereich direkt vorm Ufer zu gelangen. Zum Glück gelingt das Manöver.

Gemeinsam ziehen wir das Dinghy auf den Strand und Pakoi lädt uns ein, ihm hinter seine Hütte zu folgen. So gut es unsere Französisch-Kenntnisse zulassen, unterhalten wir uns über Gott und die Welt, unsere Reise und Pakois Heim auf Aukena. Wir erfahren, dass er der alten Königsfamilie von Mangareva entstammt und der Name in seinem Pass eigentlich Antoine Kanuto Teapiki lautet.

Seit 30 Jahren lebt er hier, kümmert sich um die Kirche und um seinen Garten. Beides zeigt er uns bereitwillig. Als eine Sau mit mehreren Ferkeln aus dem Wald kommt, freut sich Pakoi. “Die war jetzt einen Monat lang weg und nun kommt sie mit ihren Kindern wieder.” Direkt neben der Kirche sehen wir am Waldrand einige weitere Schweine. Sie leben hier halbwild, dienen aber auch der Fleischversorgung.

In seinem Garten säbelt uns Pakoi mittels einer langen Bambusstange und daran befestigter Sichel frische Brotfrucht vom Baum, schenkt uns außerdem Zitronen, Pampelmusen und Bananen.

Danke schön Pakoi.

Die Gastfreundschaft hier ist immer wieder schon fast beschämend großzügig. Polynesier fühlen sich ob ihrer Kultur fast schon verpflichtet, alles stehen und liegen zu lassen, sobald ein Gast auftaucht. Man sollte also vorsichtig sein, die Gastfreundschaft nicht zu überbeanspruchen. Das fällt aber gar nicht immer leicht, zumal etwa Pakoi die Abwechslung durch den Besuch wirklich zu genießen schien, ebenso unser (wenn auch manchmal radebrechendes) Gespräch.

Wir versuchen, an die Kultur von Geschenk und Gegengeschenk wenigstens etwas anzuknüpfen. Als kleine Geste kommen wir später mit dem Dinghy noch einmal zurück und bringen selbst gebackenen Mandelkuchen vorbei.

Verstecken zu Ostern

Fast drei Wochen sind wir nun schon auf den Gambier und fast die ganze Zeit hatten wir schönes und ruhiges Wetter. Pünktlich zum Osterfest zieht allerdings im Südosten von uns ein Tiefdruckgebiet auf, das auch unser Feiertagswetter beeinflusst. Für die nächsten Tage ist Wind aus Südost mit kräftigen Böen angekündigt.

Der Ankerplatz vor Rikitea auf Mangareva ist zwar durch die vorgelagerten Riffe geschützt, aber aus Südost können Wind und Welle doch einigen Anlauf nehmen. Für die Lagune bei Taravai gilt das Gleiche. Wir beschließen deswegen, uns auf der anderen Seite von Taravai in einer geschützten Nordwestbucht zu verstecken (blauer Punkt).

Die Nordwestseite von Mangareva bietet sich nur scheinbar ebenfalls an, sie ist aber ziemlich dicht an dicht mit Perlfarmen belegt.

Macht aber nichts: hier in der Baie Anganui liegen wir nicht nur wunderbar geschützt, sondern zudem auch ausnehmend schön.

Inzwischen hat sich noch die Adiona zu uns in diese schöne Bucht verholt. So können wir mit unseren kanadischen Segelfreunden Maggie und Scott Ostern feiern. Die beiden haben uns gleich schon mal bei der Kokosnuss-Ernte geholfen und dann zu Erdbeer-Margaritas auf ihren Kat eingeladen.

Für die vorbei gebrachten Bananen-Muffins können wir uns dann heute mit einem Guglhupf Elsässer Art revanchieren. Den hat Wiebke quasi als Testlauf für das Backen bei Tetu und Murielle ausprobiert.

😚

Sowieso schon SEHR lecker, aber mit der selbst gemachten Guaven-Marmelade – einfach ein Gedicht!

Wir wünschen Euch allen ein schönes Osterfest.

Das Versorgungsschiff kommt … und alles ist anders! Diesel tanken und Brotfrucht backen.

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen. Jeannette und Jeroen wollen das Wetterfenster nutzen, um von den Gambier nach Tahiti zu segeln. Die Route führt südlich an den Tuamotus entlang. Da sie ja ihren Motor nicht benutzen können, wäre eine Flaute ziemlich gefährlich, durchgehend ausreichend Segelwind ist aber für die nächste Woche angesagt. Verständlich, dass sie sich das nicht entgehen lassen wollen. Aber eben auch schade, weil wir dadurch nur zwei gemeinsame Wochen in den wunderschönen Gambier hatten.

Wir nehmen sie noch einmal in Schlepp und ziehen sie von Taravai aus zum Westpass, dann nehmen sie die Segel hoch und werfen die Schleppleine los.

Tschüss Ihr beiden Lieben, gute und sichere Reise.

Wir bleiben noch in Gambier, Für uns geht’s zurück nach Rikitea. Da hat inzwischen die Nukuhau am Pier festgemacht. Sie ist das ältere der beiden Versorgungsschiffe, die die Insel etwa alle drei Wochen anlaufen. Das andere Versorgungsschiff, die modernere Taporo VIII, sehen wir draußen auf der Reede vor Rikitea ankern. Klar, an der kurzen Pier kann immer nur eins der Schiffe festmachen. Die beiden gehören verschiedenen Gesellschaften und sind auf gegenläufigen Routen durch die Inselwelt Französisch Polynesiens unterwegs, ohne dass sich die beiden Gesellschaften terminlich absprechen. Der „Fahrplan“ ist sowieso eher eine Schätzung. Im Bürgermeisteramt hatte man uns letzte Woche noch gesagt, ein Schiff käme am Mittwoch, das nächste am Samstag. Nun kamen beide kurz hintereinander am Sonntagabend an. Es ist aber selten, dass sich ihre Ankunft überschneidet. In diesem Fall hat die Taporo VIII Pech gehabt und muss zwei Tage warten. So lange dauert es nämlich, bis die Nukuhau mittels ihrer traditionellen Ladebäume ihre überwiegend aus Stückgut bestehende Fracht entladen und die neu aufgenommene Ladung gestaut hat.

Es ist eine kleine Zeitreise in die Vor-Container-Schifffahrt, die wir da beobachten können. Insbesondere das Entladen der vielen Fässer ist faszinierend:

Für uns ist auch Fracht dabei. Es gibt nämlich bisher keine Tankstelle in den Gambier. Der Container am Bauhof auf Mangareva soll dem Vernehmen nach wohl einmal diese Funktion haben, ist aber bisher nicht in Betrieb genommen.

In sofern bietet das Versorgungschiff für uns die einzige Möglichkeit, den Dieselvorrat der Flora wieder aufzufüllen. Das Prozedere dazu ist allerdings ungewöhnlich.

Zunächst einmal: abgegeben wird der Diesel nur in ganzen Fässern zu je 200 Liter. Der Preis ist in Ordnung, 31.000 CFP-Franc (auch XPF abgekürzt), umgerechnet etwa 260 Euro, also 1,30 Euro pro Liter. Die für ausländische Yachten in Tahiti gegebene noch günstigere Möglichkeit des steuerfreien Tankens gibts hier allerdings nicht.

Man bezahlt in einer kleinen vorübergehend auf der Pier errichteten Hütte. Dafür durfte ich allerdings bereits 90 Minuten anstehen, denn in der Hütte wird praktisch sämtliche ein- und ausgehende Fracht verwaltet. Die Quittung gibt man Louis, dem Tankwart. Der reicht sie weiter auf das Schiff, woraufhin vom Schiff aus 200 Liter Diesel in eines der vier Fässer auf der Pier umgefüllt werden.

Ist man an der Reihe, wird dann aus dem Fass in die – hoffentlich mitgebrachten – Kanister mittels Schwerkraft-Handpumpe umgefüllt. Das dauert.

Zwischen den Skippern der Boote ist reichlich Absprache gefordert. Wer braucht wieviel Diesel? Also wer ordert wie viele Fässer, kann abgeben oder nimmt dazu? Und in welcher Reihenfolge soll getankt werden, damit die Dieselkanister möglichst oft von verschiedenen Booten genutzt werden können?

Für uns ist es einfach. Unser 400-Liter-Tank ist fast halb leer, wir benötigen 180 l Diesel. Also ein Fass kaufen und jemanden finden, der uns 20 Liter abnimmt sowie möglichst ein paar Kanister leiht (wir haben nur zwei eigene 20l Dieselkanister). Klappt. Die erste Rutsche machen wir mit 3 Kanistern, dann mit 5, dann zum Abschluss 2. An Bord dann durch den Racor-Trichterfilter (mit Wasserabscheider und Sieb) in den Einfüllstutzen und das Additiv gegen Dieselpest nicht vergessen. Da ich mich dazwischen natürlich jedesmal neu hinten anstellen muss, ist es eine Tagesaufgabe. Um 9:30 hatte ich mich in die Schlange zum Bezahlen eingereiht, irgendwann kurz nach 16.00 ist es geschafft und wir sind um eine interessante Betankungserfahrung reicher.

Eigentlich hätten wir einen ganz anderen Termin gehabt, nämlich mit Tetu und diesmal auch seiner Frau Murielle. Als wir zuletzt bei ihm waren hatte er uns angeboten, dass die beiden uns eine andere Zubereitung der Brotfrucht zeigen. Bisher hatten wir sie geschält und zerteilt wie Kartoffeln in Wasser gekocht. Wir überlegen schon, dass Wiebke allein hingeht, aber dann treffe ich Tetu in der Warteschlange auf der Pier. Wenn das Versorgungsschiff kommt, treffen sich hier eben alle. Tetu muss einige Sachen zur Verschiffung aufgeben, unsere Brotfrucht-Verabredung verschieben wir einfach auf den nächsten Tag.

Als wir mit einem selbst gebackenen Kuchen bei Murielle und Tetu aufkreuzen, rufen uns die beiden hoch auf den Hang in ihrem riesigen Garten. Der Blick von dort ist atemberaubend schön:

Und die Brotfrüchte?

Die beiden haben ein Feuer gemacht und die Brotfrüchte komplett mit Schale in die heiße Glut gelegt. Ein paar Mal gedreht und gewendet, bleiben die Uru (wie Tetu die Brotfrucht nennt) etwa 30 bis 40 Minuten in der Feuerstelle. Dann rupft Tetu ein paar große Blätter vom nächsten Baum und mit ihnen als Topflappen holt er die Früchte aus der Glut.

Dann löst er mit einem Messer die gegarte Uru aus ihrer verkohlten Schale.

Den goldgelben Ball wickelt er zum Warmbleiben in Alufolie und gibt ihn uns mit. Lecker. Spannend ist, dass die Brotfrucht bei dieser Garmethode eine andere Konsistenz entwickelt. Faseriger, fast ein bisschen wie zartes Hähnchenfleisch mit (sehr rauchigem) Kartoffelgeschmack.

Und auch mit anderen Früchten werden wir wieder reich beschenkt.

Was wir für die beiden tun können? Tetu fragt, ob wir ihm zeigen können, wie man einen Guglhupf-Kuchen macht. Seine Großmutter aus dem Elsass habe den immer gebacken, es ist eine Kindheitserinnerung. Er besorgt die Zutaten, wir haben immerhin eine Topfkuchenform an Bord.

Na dann bis nächste Woche in Eurer Küche, Murielle und Tetu!

Taravai

“Keinesfalls das sonntägliche BBQ auf Taravai verpassen.” Darin sind sich die meisten Segler einig, wenn sie in den letzten 13 Jahren die Gambier besucht haben. Solange veranstalten nämlich Valerie und Hervé bereits das wöchentliche Grill-Potluck in ihrem Garten direkt am Angonoko-Ankerplatz an der Insel Taravai. Sie sind Ikonen der Gastfreundschaft.

Nur – in diesem Jahr haben die beiden beschlossen eine Pause einzulegen, um sich mehr der Renovierung ihrer Kirche widmen zu können. Gleich bei unserer Ankunft in Rikitea hören wir diese (für uns erst einmal traurige) Neuigkeit.

Zwei Wochen sind wir inzwischen in den Gambier. Da erreicht uns die freudige Nachricht: an diesem Sonntag machen die beiden eine Ausnahme. Na dann: fast alle Boote machen sich auf nach Taravai. Auch wir, sogar schon am Freitag. Geplant ist, dass wir die Fidelis in Schlepp nehmen. Wir stellen die Leinenverbindung her, auf der Fidelis wird der Anker eingeholt. Dann kommt plötzlich das Signal “Stop”. Die Kette hängt irgendwo fest, wir müssen abbrechen. Wir manövrieren ein bisschen herum, versuchen Fidelis nach Absprache durch Ziehen in die eine oder andere Richtung frei bekommen. Klappt aber nicht. Also erst mal alles retour, wir lösen die Verbindung und Ankern erneut. Jeroen holt seiner Tauchausrüstung hervor und schafft es tatsächlich, trotz schlechter Sicht in 17 m Tiefe die mehrfach um ein Hindernis gewickelte Ankerkette zu befreien.

Also kann es doch losgehen und wir ziehen die Fidelis die etwa sechs Meilen hinüber zu Mangarevas Nachbarinsel Taravai.

Ein bisschen knifflig ist allerdings die Anfahrt von Taravai, zumal im Schlepp. Der Ankerplatz ist von einem Riff geschützt, dass keinen echten Pass hat. Man muss über das Riff. Wäre doppelt blöd, wenn wir jetzt auflaufen, die geschleppte Fidelis kann schließlich schlecht stoppen. Allein mit der oft geforderten “Eyeball-Navigation” wird das hier übrigens nichts. Eine tiefe Einfahrt zeigt sich dem Auge einfach nicht. Allerdings weisen wohl zumeist drei an Backbord zu lassende Perlfarmbojen den besten Weg über das Riff.

Sicherheitshalber haben wir außerdem Wegepunkte in unseren Plotter eingegeben. Die SY Pitufa hat sie auf ihrer sehr lesenswerten Webseite veröffentlicht. Ganz lieben Dank für diesen Service. Das Wasser auf dem Riff ist so klar, scheinbar müssten wir jeden Moment mit dem Kiel die Korallen rammen und aufsetzen. Aber die Mindesttiefe nach unserem Lot ist 3 m, wir kommen sicher in die Lagune und Ankern auf 17 m Tiefe.

Einmal drin ist es ein weiterer absolut traumhafter Ankerplatz.

Sieben feste Einwohner hat Taravai derzeit, die wenigen Häuser gruppieren sich um die alte, deplatziert groß wirkende Kirche.

Aus der Distanz sieht sie, abgesehen vom Gerüst am Turm, ganz in Ordnung aus. Als wir sie uns näher ansehen wird aber klar, dass Hervé hier auf jeden Fall eine ganze Menge Arbeit vor sich hat.

Am Samstag machen wir einen Strand- und Schnorcheltag. Das Riff direkt am Ankerplatz bietet sich an und wir werden nicht enttäuscht.

Auch der feine Sandstrand auf Taravai eben nördlich des Örtchens gefällt uns richtig gut. Müßig zu erwähnen, dass wir ihn ganz für uns allein haben, wenn man von den im seichten Wasser patrouillierenden Baby-Schwarzspitzenhaien absieht.

Die eigentliche Krönung kommt allerdings am Sonntag. Das BBQ von Valerie und Hervé entpuppt sich als Potluck der Superlative mit sehr entspannten Seglern, einigen Einheimischen aus Rikitea, mit Speisen aus aller Welt und eben mit wunderbaren Gastgebern. Petanque, Volleyball, Schwimmen und Paddeln gibts noch On Top.

Wiebke mit Peter und Hervé

Also, wenn es denn stattfindet: keinesfalls das sonntägliche BBQ bei Valerie und Hervé auf Taravai verpassen.

Glück gehabt. ☺️

Gratwanderung und Früchte

Unser zweiter Hike auf Mangareva geht nicht ganz so hoch hinaus wie der erste. Trotzdem starten wir wieder früh. Gut, denn so können wir uns erstmal beim Bäcker mit frischen Baguettes versorgen.

Ein kleines Stück weiter zeigt uns ein unscheinbares Schild an der Dorfstraße den Eingang zum “Chemin Traversier de Kirimoro”. Der Weg scheint durch einen Privatgarten zu führen. Am Zaun entlang zum hinteren Grundstücksteil und dann geht’s den Berg hinauf in den Wald hinein. Kirimoro ist ein kleines Dörfchen auf der Westseite von Mangareva und der Weg würde quer über den Inselrücken dort hinüber führen. Wir entscheiden uns aber, oben auf dem Bergrücken nach links abzubiegen und auf dem Grat entlang Richtung Süden zu wandern.

Es ist ein herrlicher Trail. In weiten Teilen sehr gut zu gehen und vom Kamm aus mit tollen Blicken zu beiden Seiten hinunter in die Buchten.

Zwei Steilstücke mit Kletterseilen geben dem Ganzen noch ein bisschen zusätzliche Würze, ohne dass es aber allzu anstrengend wird.

Mit alles in allem etwa zwei Stunden ist dieser Trail auch deutlich kürzer als unser Hike auf den Mont Duff (wo wir mit dem Umweg fast 6 Stunden unterwegs waren). Allerdings schließen die Wege aneinander an, wer mag, kann also nach Bedarf verlängern. Für mich ergibt sich die Verlängerung diesmal etwas unfreiwillig. Ich habe unterwegs meine Sonnenbrille verloren, wahrscheinlich ziemlich am Anfang. Als wir zurück in Rikitea sind, hänge ich also noch eine Schleife dran und finde das gute Stück tatsächlich auch wieder.

Das gibt mir außerdem Gelegenheit, auf der Dorfstraße auch noch ein kleines Stückchen weiter zu gehen und dem dort aufgestellten Tiki einen Besuch abzustatten. Tikis sind Holz- oder Knochenschnitzereien oder Steinmetzarbeiten, die einen ganz wesentlichen Bestandteil der polynesischen Kultur bilden. Sie zeigen eine stilisierte Menschengestalt, mit der eine spirituelle und kulturelle Kraft verbunden wird. Geschichtlich sollen sie bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und ursprünglich von den Marquesas ausgegangen sein.

Der Stil dieser in ganz Polynesien (also von Neuseeland bis Hawai’i (Ki’i) und zur Osterinsel mit ihren Moai) verbreiteten Skulpturen ist je nach Region oder sogar Insel inzwischen sehr unterschiedlich.

Ein anderer Spaziergang führt uns in Rikitea zu Tetu. Daniela von der Yelo hatte uns in La Paz eindringlich ans Herz gelegt, auf Mangareva unbedingt Tetu und Murielle zu besuchen und liebe Grüße von ihr auszurichten. Machen wir natürlich gerne. Tetu seinerseits lädt uns sofort ein und führt uns durch seinen riesigen Garten – eigentlich fast schon ein Park – gefüllt mit allen möglichen Nutzpflanzen.

Sei es dieser Anattostrauch für seine Bienen (er ist auch Imker),

Paprika und Chili …

… oder vor allem eben Obstbäume in unfassbarer Zahl, wie hier die Guaven, die er uns gleich im Überfluss abpflückt.

Schwer beladen kehren wir zur Flora zurück, nicht ohne von Tetu auch noch für nächste Woche eingeladen worden zu sein. Dann möchte er uns gemeinsam mit seiner Frau zeigen, wie man am besten mit der uns bisher eher fremd gebliebene Brotfrucht umgeht.

So sieht Flora aus, nachdem wir Tetus Geschenke auf ihrem Heck ausgebreitet haben:

Mangos, Passionsfrucht, Pampelmusen, Zitronen, Chili und jede Menge Guaven. Nur die Gurke haben wir im Geschäft gekauft, Gemüse ist auf den Gambier ungleich weniger verbreitet als Früchte.

Danke, Tetu. Wir werden versuchen, uns nächste Woche irgendwie zu revanchieren. Geschenk und Gegengeschenk, so ist es üblich in Französisch Polynesien. Gar nicht so einfach bei einer solch überwältigenden Großzügigkeit.

Tag 23 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Französisch Polynesien. Warum eigentlich Gambier?

Französisch Polynesien. Sinnbild der SÜDSEE. Traumziel für Segler. Spätestens seit den eng mit der Südsee verbundenen Abenteuern der französischen Segelikone Bernard Moitessier. 1965 brach er hier die geplante Weltumsegelung ab, segelte um Kap Horn herum direkt nach Frankreich zurück und schrieb darüber den Segelbestseller „Kap Horn – der logische Weg“. Noch mehr zum Sehnsuchtsort machte er Französisch Polynesien, als er 1968/69 (nach Seetagen am Kap Horn und mit dem schnelleren Schiff als der spätere Gewinner Robin Knox-Johnston) in aussichtsreicher Position liegend das Golden Globe Race abbrach, nachdem er schon fast rund um den Globus gesegelt war. Nach Rundung von Kap Horn richte er den Bug nicht etwa nach Norden zum Ziel, sondern weiter nach Osten, wiederum südlich an Afrika (Kap der Guten Hoffnung) und Australien (Kap Leeuwin) vorbei. Durch eineinhalbfache Weltumsegelung in die Südsee nach Tahiti. „Vielleicht auch, um meine Seele zu retten.“ Er verarbeitete es in seinem Bestseller „Der verschenkte Sieg“.

Beide Moitessier-Bücher hatte Wiebkes Vater in seiner Bibliothek, Wiebke hat sie schon mit 16 verschlungen, ich dann erst einige Jahre später. Mit Sicherheit haben sie einen Keim für unsere eigene Reise gesetzt.

Und natürlich wurde der Mythos der Südsee auch von anderen Seglern und Künstlern befeuert. Robert Louis Stevenson und Jack London als Segler und Schriftsteller, als Maler natürlich allen voran Paul Gaugin.

Aber natürlich ist die Südsee mehr als Französisch Polynesien und Französisch Polynesien viel mehr als nur die wohl bekanntesten Inseln Tahiti und Bora Bora. Ja was denn eigentlich?

Zunächst mal: Französisch Polynesien (kurz FP) ist französisches Überseegebiet. Innenpolitisch in weitem Umfang selbstverwaltet, aber mit von Frankreich bestimmter Außen- und Sicherheitspolitik sowie französischem Justizsystem und Erziehungswesen.

Dieser Status hat für EU-Europäer viele Vorteile, denn obwohl FP weder zur EU noch zum Schengen-Raum zählt, gelten für uns viele Regeln analog, wir dürfen z.B. anders als etwa die US-Amerikaner ohne aufwändiges „Long Stay Visa“ bis zu 18 Monate bleiben. Das ist Klasse, denn das mitten zwischen Südamerika und Australien gelegene FP ist riesengroß und ziemlich vielfältig. Zur groben Orientierung: wir sind ja Europa-zentrierte Karten und einen ebensolchen Blick auf den Globus gewohnt. Aber jetzt ist der Blick auf (aus dieser Perspektive) die Rückseite des Globus gefragt. Da sieht man zunächst fast nur Wasser. Und mittendrin:

FP wird durch fünf Inselgruppen mit 118 größeren Inseln und Atollen und unzähligen kleinen Inselchen (Motu) gebildet.

Ein Größenvergleich, um etwas deutlicher zu machen, auf wie großer Fläche sich die Inseln verteilen: so sieht es aus, wenn FP flächengleich auf Europa liegt: von Dublin bis Rom, nach Rumänien hinein und bis nördlich von Stockholm würde sich die Ausdehnung erstrecken.

(Erstellt mit http://www.thetruesize.com)

Die bekanntestesten und touristisch erschlossensten Inseln Tahiti (wo über 70 % der Bevölkerung lebt) und Bora Bora gehören zur nordwestlichen Inselgruppe der Gesellschaftsinseln. Wegen ihrer Lage laufen von Osten kommende Langfahrtsegler diese Inselgruppe meist als letzte in FP an. Weniger bekannt und (wenn man nicht mit dem eigenen Boot anreist) auch schwieriger zu erreichen sind die vier anderen Inselgruppen von FP:

Die Marquesas liegen rund 1.400 km nordöstlich von Tahiti, relativ nahe am Äquator. Auf der Blauwasserroute wird diese Gruppe meist als Erste in FP angelaufen, weil sie von Panama, den Galapagosinseln oder auch Mexiko aus am einfachsten zu erreichen ist. Inseln im Marquesas-Archipel sind zum Beispiel das durch Paul Gaugin bekannt gemachte Hiva Oa oder auch Nuku Hiva. Wie fast alle Inseln in FP sind die Marquesas vulkanischen Usprungs. Hier ragen tatsächlich noch die Vulkanberge direkt aus dem Ozean. Anders als auf den Gesellschaftsinseln sind die steilen grün bewachsenen Berge noch nicht wieder abgesunken und somit auch nicht durch an den Rändern durch beim langsamen Absinken wachsende Korallenriffe geschützt. Die spektakuläre Landschaft mit den oft in Wolken gehüllten hohen Bergspitzen wird der Segler daher häufig von eher schaukeligen Ankerplätzen aus betrachten, das Anlanden mit dem Dinghy ist wegen des Schwells oft eine knifflige Sache. Dafür bieten sich aber tolle Wanderungen an den fruchtbaren Hängen, wo die Einwohner auch im Überfluss Obst und Gemüse anbauen.

Zwischen Gesellschaftsinseln und Marquesas liegen die Tuamotus. Obwohl ebenfalls vulkanischen Ursprungs, präsentiert sich diese Inselgruppe völlig anders. Keine Berge, die Vulkane selbst sind im Laufe der Erdgeschichte schon längst wieder versunken. Statt dessen: Atolle. Die am Rand der langsam versinkenden Vulkankegel emporwachsenden Korallen haben um den ehemaligen Vulkan jeweils einen Kranz von einem Riff gelegt. Die höchste Erhebung misst oft nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. 76 dieser Atolle bilden das Tuamotu-Archipel. Manche haben einen befahrbaren Pass, manche gleich mehrere, manche gar keinen. Durch den Pass zwängen sich auch die Wassermassen, es gibt also häufig in dieser Enge eine starke Strömung. Kommt man aber dort hindurch mit dem Segelboot in die flache Lagune, warten dort (je nach Wind) ruhige Ankerplätze im Inneren des Ringriffs. Palmenbestandene Sandinselchen machen hier das Idyll aus.

Die Austral-Inseln, manchmal auch Tubai-Inseln genannt, bilden das vierte Archipel in FP. Diese südlichste Inselgruppe wird von Seglern selten angelaufen, schlicht und ergreifend weil sie eben fernab der typischen Route liegt. Sie liegt über einem immer noch aktiven Hotspot und bietet 6 Eilande, darunter sowohl ungeschützte Vulkaninseln als auch Atolle, je nach Alter des Vulkans.

Tja, und dann bleiben noch die Gambier. Im Südosten von FP gelegen, aber nicht ganz soweit südlich wie etwa Rapa in den Austral-Inseln. 1.800 km ostsüdöstlich von Tahiti, etwa 1.600 km südsüdöstlich der Marquesas. Ein bisschen abseits der typischen Blauwasser-Route, aber mit etwas Aufwand eben doch noch ganz gut erreichbar. Jedenfalls dann, wenn man diese Inselgruppe als Einstieg wählt. Bedingt durch die in FP vorherrschenden Südost-Passatwinde wird es nämlich deutlich schwieriger, wenn man die Gambier von einer der anderen Inselgruppen aus anlaufen möchte. Und was macht die Gambier aus? 26 Inseln umfasst diese diamantförmige Inselgruppe. Zum Teil liegen sie als flache Erhebungen auf dem schützenden Riff, zum Teil liegen sie innerhalb der Lagune und ragen als Teile des ehemaligen Kraterrandes bis 440 m hoch hinauf in die Höhe. Das verspricht die verlockende Kombination aus geschützten Ankerplätzen, Riffen zum Schnorcheln und Bergen zum Wandern. Zudem soll hier die Heimat der schönsten dunklen Südseeperlen sein und – weil seltener besucht – gelten die Bewohner als besonders freundlich und aufgeschlossen.

Schön ist natürlich auch, das von hier aus der Besuch der Tuamotus, der Marquesas und am Ende auch der Gesellschaftsinseln seglerisch ganz gut machbar sein sollte.

Und deshalb haben wir uns trotz der etwas weiteren Anreise mit einem gegenüber den Marquesas etwas höher am Wind gelegenen Kurs (von Mexiko) für die Gambier-Inseln als unser erstes Ziel in FP entschieden.

So sieht Google Earth die Gambier:

Und jetzt sind wir gespannt. 🤩

Noch eine Nacht, morgen früh sollten wir ankommen. Wir haben durch ein Reff die Fahrt etwas verlangsamt, damit wir nicht bei Dunkelheit am Pass ankommen.

Etmal: 107 sm, gesamt bisher auf dieser Passage 2.962 sm, es verbleiben noch 83 sm bis zur Ansteuerung des Westpasses durch das Riff der Gambier, dann weiter zwischen Taravai und Mangareva hindurch bis zum Ankerplatz vor dem Hauptort Rikitea auf Mangareva.

Essen: Gebratener Rainbow-Runner mit Kartoffeln und Salat (ja, der Eisberg-Salat ist immer noch gut!).

Tag 22 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Ein Kessel Buntes.

Wind- und wettermäßig bekommen wir heute einiges geboten. Schwachwindsegeln, kurze Motorpassagen, kräftige Böen, aber auch zeitweise herrliches Segeln, alles ist dabei. Außer – dreimal auf Holz geklopft – Gewitter. Wir scheinen es ganz gut abgepasst zu haben.

An die Screenshots von http://www.windy.com habt Ihr Euch ja inzwischen gewöhnt. Hier der von gestern Nachmittag in der Einstellung Gewitter:

Und so sieht’s im Satellitenbild aus:

Und von Bord aus:

Das Schöne daran: die Vorhersage der Meteorologen tritt ein, das Band löst sich bei unserer Annäherung ganz langsam vor uns auf, die Reste ziehen ab. Sehr schön. Was bleibt, sind natürlich einige Schauer, Winddreher und auch ein bisschen Kabbelsee, vor allem in der Nacht. Und heute können wir entgegen der Erwartung eines ausgeprägten Schwachwindgebietes wiederum (jedenfalls bisher) auch immer wieder längere Abschnitte segeln, bei babyblauem Himmel vor uns und tiefblauem Ozean (und einer dunkelgrauen Wolke hinter uns).

Das Sahnehäubchen: Angelglück. Wiederum schlagen beide Ruten gleichzeitig an, wir sind offenbar durch einen Fischschwarm gesegelt. Ein Fisch geht uns vom Haken, aber direkt darauf schlägt die gleiche Rute wieder an während ich jetzt mit der anderen Angel beschäftigt bin. Interessanterweise scheint es ein gemischter Schwarm zu sein. Zunächst holen wir einen Rainbow-Runner an Bord …

… der zweite Fang ist ein Großaugen-Thunfisch:

Und am nassen Deck kann man erkennen, dass während des Filetierens ein Schauer einsetzt. das lässt sich aber bei diesen Temperaturen gut verkraften.

😊

Etmal 105 sm, gesamt auf dieser Passage bisher 2.855 sm, noch 194 sm bis zur Ansteuerung der Gambier.

Essen: Thai-Curry mit Süßkartoffeln, Möhren und unserem eingekochten Hähnchenfleisch. Damit haben wir von allen unseren ersten Einkochversuchen aus La Paz jetzt mindestens einmal probiert und es jeweils für gut befunden. Es kann also weiter eingekocht werden.

Tag 19 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Alles Blau, aber nicht blau machen.

Rekord Etmal (so wenig hatten wir noch nie): 80 sm, gesamt auf der Passage bisher 2.593 sm, noch knapp 500 sm bis zur Ansteuerung des Westpasses zum Gambier Archipel.

Gestern mussten wir noch extra Reffs einbinden, um langsam unterwegs zu sein. Heute erledigt die Natur die Drosselung der Geschwindigkeit: der Wind ist fast komplett weg. Flora dümpelt unter Vollzeug durch die blaue Blase. Und weil wir ja gar nicht schneller sein wollen, genießen wir das Bummel-Segeln mit selten mehr als 3 kn.

Ein Tag zum „blau machen“ ist es aber trotzdem nicht. Die Flaute will schließlich genutzt sein, um sich das Unterwasserschiff mal anzusehen, zumal am Heckspiegel vom Deck aus erste Entenmuscheln sichtbar sind.

Also Segel weg, Taucherbrille und Flossen her. Mitten auf dem Ozean hinein in das ein paar tausend Meter tiefe unendliche Blau. Unser Freund Uwe vergleicht es mit einem Weltraumspaziergang von der Raumkapsel aus und ein bisschen abenteuerlich fühlt es sich tatsächlich an, raus aus der gewohnten Welt. Allerdings ist ja auch ein Weltraumspaziergang für die Astronauten zumeist ein Arbeitseinsatz mit erschwerten Bedingungen in der Schwerelosigkeit.

Und schon auf der Badeleiter gibt’s den Schock. Da sind nicht nur ein paar Entenmuscheln im Spülbereich um den Wasserpass, eher sieht es aus wie eine Aufzuchtstation:

Und dann der Entenmuschelwald darunter:

Vielleicht ist unser Coppercoat am Ende seiner Wirkzeit angelangt. Es wurde immerhin schon vor neun Jahren aufgebracht, vor nun 5 Jahren haben wir es aufarbeiten und vier weitere Schichten auftragen lassen. Oder aber die Entenmuscheln sind bei ihrem Haftgrund komplett unempfindlich. Eventuell ist auch eine Kombination von beidem. Das Unterwasserschiff klettert auf Floras Projektliste jedenfalls nach oben.

Wie auch immer, ich rücke Floras unerwünschten Unterwasser-Mitseglern mit einem Schaber (Eiskratzer aus dem Autozubehör) auf die Pelle. An einem mittschiffs befestigten Seil halte ich mich fest, schäle die Biester ab. Lediglich Reste der Kalkfüßchen bleiben noch kleben, um die kann ich mich dann aber irgendwo am Anker mal kümmern.

Der kleine Schwarm Fische scheint ein bisschen traurig, als nach einer Dreiviertelstunde sein Versteck weitgehend verschwunden ist, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Das soll ein Unterwasserschiff sein und kein Unterwasserriff.

Wiebke hüpft auch noch mal in das weite Blau:

Dann nehmen wir die Segel wieder hoch und dümpeln weiter Richtung Gambier.

Ach ja, das ruhige Wetter hat natürlich noch weitere Vorteile. Ich komme tatsächlich dazu, mit dem Sextant etwas zu üben – das Gerät wie empfohlen hin und her schwenkend – die Sonne auf die Kimm zu setzen und einen Wert abzulesen.

Eigentlich wäre der nächste Schritt jetzt der Versuch der Ermittlung einer Mittagsbreite und dann der Versuch der Bestimmung der Mittagslänge aus zwei gleichen Höhen. Weil ich aber kein nautisches Jahrbuch dabei habe, muss ich das wohl noch auf später verschieben und erstmal weiter die Handhabung üben.

Essen: super leckere Fisch-Tacos (die absolut besten hier vor Ort!) unter Verwendung der letzten grünen Paprika.

Heute Morgen außerdem Rührei mit Chorizo und Schinken zum Frühstück.