“O’zapft is” zum Kaffee und Nemo vor dem Frühstück

Ingo hat am Sonntag Geburtstag und lädt zu 16.00 Uhr auf die Easy One ein. Tja, da müssen wir uns wohl noch Geschenke einfallen lassen.

Während Wiebke aus den Tiefen der Stauräume Schwarzkirschen für eine Schoko-Kirsch-Torte zaubert, übe ich mal wieder Diamantknoten und bastele Softschäkel aus Dynema.

Wiebkes Torte wird super lecker, aber wir müssen uns dafür ein bisschen gedulden. Denn Ingo hat für seinen Geburtstag bereits in Panama ein Fässchen Weißbier gebunkert und dieses Schätzchen wird zum Anstoßen aufgemacht. “O’zapft is”. Hier in Französisch Polynesien wissen wir alle diese Delikatesse um so mehr zu schätzen.

Dazu gibt’s lecker Fingerfood, Ofenkäse und Pizza-Muffins. Der Inhalt des Fässchens erlebt den Sonnenuntergang übrigens nicht mehr. Die Torte kommt dann als Nachtisch.

Und was machen wir am Montag Morgen?

Kaffee im Bett, wie eigentlich immer. Aber schon dabei fällt auf: es ist erstaunlich ruhig. Keine Geschaukel, kein Schwappen der Wellen am Rumpf. Windstille.

Das war zwar nicht vorhergesagt, gibt uns aber die Chance, bei besten Bedingungen im Korallengarten zu schnorcheln.

Der “Jardin Du Corail” liegt zwischen den Motus TauTau und Maharare und ist eine Attraktion, zu dem vom nahen Ressort und mit Tourbooten auch von der Insel Taha’a Touristen herüberkommen. Aber nicht so früh an einem Montagmorgen, wir haben den Korallengarten fast für uns allein. Das Dinghy parken wir am Motu Maharare. Es wird empfohlen, zu Fuß zur Riffseite hinüberzugehen und dann durch den flachen Pass in die Lagune zu driften. Aber noch ist die einlaufende Strömung nicht so stark und so schnorcheln wir zunächst Richtung Riff, hinter dem in der Ferne die Silhouette von Bora Bora schemenhaft zu erkennen ist.

Der Pass zwischen den mit Palmen bestandenen Motus ist so flach, dass wir im Zickzack schwimmen müssen, um nicht gegen die empfindlichen Korallen zu stoßen. Es ist wunderschön.

Verschiedene Riffische schwimmen uns vor die Schnorchelbrille oder verstecken sich zwischen den unterschiedlichen Korallenarten.




Korallentiere können aussehen wie Stein, wie Pilze, wie Äste oder Geweihe und noch so vieles mehr. Aber es gibt noch andere ungewöhnliche Tierarten hier. Blumentiere! So wiegen sich zum Beispiel Seeanemonen in der stärker werdenden Strömung. Sie sind mit ihren giftigen Tentakeln das perfekte Zuhause für Anemonenfische wie eben die Clownfische.
Und da ist er dann auch: NEMO ! Der Trickfilm der diese Fischart bekannt gemacht hat, hat den Clownfischen nicht wirklich gut getan. Als Aquarienfische wurden sie noch populärer, obwohl der Film ja eigentlich das Gegenteil aussagt. Unzählige von ihnen wurden gefangen, obwohl sich ihre Lebenserwartung im Aquarium von 10 auf 5 Jahre halbiert . Uns sind sie lieber hier in der Natur …

… und wir sind um so glücklicher, ihnen hier zu begegnen.

Was für ein herrlicher Montagmorgen!

Dinghy-Ausflug zum Eiscreme-Baum.

Der Wind frischt auf. Vom Pool am Motu Oatara verholen wir die Flora zur tief in die Insel Raiatea einschneidende Baie Faaroa. Dort finden wir deutlich besseren Schutz vor den sich jetzt schnell aufbauenden Wellen. Auch die Easy One und die Moana gehen hier vor Anker. Denn die Bucht hat neben ihrer geschützten Lage noch mehr zu bieten: sie ist gleichzeitig die Mündung des einzigen schiffbaren Flusses in ganz Französisch Polynesien. Wobei: schiffbar ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Das Flüsschen Faaroa (manchmal auch Āpo’omā’ū bezeichnet) windet sich von der Bucht Faaroa aus etwa zwei Kilometer ins Landesinnere. Um über die vorgelagerte Barre in das Flüsschen zu gelangen, müssen wir den Außenbordmotor unserer Dinghies hochklappen. So machen es auch die flachgehenden Tourboote, die vereinzelt den Āpo’omā’ū hinauffahren. Ihr Ziel (und auch unseres) ist der kleine Bootsanleger am botanischen Garten.

Die Ausblicke auf der Fahrt dorthin sind malerisch.

Immer enger rücken die Ufer, teils müssen wir wegen überhängender Vegetation schon die Köpfe einziehen.

Der Botanische Garten ist gepflegt und hübsch angelegt mit Gewächsen aus verschiedenen Vegetationszonen der Insel.

Schade nur, dass lediglich einige wenige Schilder uns die einzelnen Bäume, Büsche und Blumen erläutern. So genießen wir im Wesentlichen die Blütenpracht der verschiedenen Helikonien (auch Hummerscheren oder Falsche Paradiesvogelblumen genannt) …

… und bewundern die Brettwurzeln der hoch wachsenden Kapokbäume. Mit den von Naturwachs überzogenen hohlen Fasern seiner Samenkapseln wurden früher Rettungsringe und Schwimmwesten gefüllt, auch heute noch gibt es auf vielen Booten Kapok-Kissen.

Aber der kleine Garten reicht uns noch nicht, um die Seglerbeine mal wieder ein bisschen im Landgang zu trainieren. Wir schließen gleich noch eine kleine Wanderung von etwa 5 Kilometern durch die Hügellandschaft am Fuß des über 1.000 m hohen Mont Toomarun an.

Ein paar Bäche wollen dabei durchwatet werden, zwischen den Steinen entdecken wir Aale und auch ca. 5 cm große Süßwassergarnelen.

Zurück an den Dinghys setzen wir vom Botanischen Garten aus nur einmal über das Flüsschen, denn am anderen Ufer liegt der Garten von André.

Der verkauft uns nicht nur ein bisschen Obst und Gemüse, unter anderem ziert mal wieder eine Bananenstaude das Achterstag der Flora. Sondern er zeigt uns auch mit großer Begeisterung, was er hier auf rund zwei Hektar Fläche so alles anbaut. Darunter ist natürlich Bekanntes wie etwa Ananas, Bananen, Papaya und so weiter, auch Kürbisse und Gurken und sogar Vanille.

Aber wir lernen auch einiges Neues dazu. So hat André verschiedene Taro-Pflanzen angebaut, darunter auch eine Sorte, bei der nicht nur die Wurzeln, sondern auch die (jungen) Blätter essbar sind.

Nebenbei öffnet uns André auch noch Trink-Kokosnüsse, macht uns Naturlöffel zum Ausschaben des weichen Kokosfleisches, und er zeigt uns seine Konstruktion einer Wildschwein-Falle, mit der er sich auf Jagdausflügen in die Berge mit Fleisch versorgt.

Besonders spannend sind für Wiebke und mich aber die Früchte des für uns neuen “Eiscreme-Baums”. Von dem hat André tatsächlich ebenfalls verschiedene Sorten angebaut.

Die Bäume sind auch als “Pacay” oder “Inga” bekannt, oder eben als Eiscreme-Bohnenbaum.

Die Fruchte ähneln einer überdimensionierten Bohne. Sie enthalten mehrere Samen, die jeweils einzeln von einem fluffig-faserigen Fruchtfleisch umhüllt sind, das in Geschmack und Textur tatsächlich an Softeis erinnert.

Lecker!

😋

Am Pool, im Pool, auf dem Pool!

Es beginnt nicht so richtig gut. Die Zerhackerpumpe des achteren WCs gibt den Geist auf, es steht also mal wieder eine echte Sch…-Reparatur an.

Ich lenke mich erst einmal mit einem Drohnenflug ab und es kommt, wie es kommen muss. Bedienfehler, Absturz am dicht bewaldeten Bergrücken. Oh nein! Das ist meine gute Drohne. Der Fernbedienung kann ich immerhin noch die letzte Position der Drohne entnehmen, aber das war über ziemlich unwegsamen Gelände.

Gemeinsam mit Wiebke, Andrea und Ingo wird eine zünftige SAR-Mission (Search and Rescue) gestartet. Die Ausrüstung umfasst neben der Fernbedienung (die der Drohne ein Piepsen entlocken sollte) auch Taschenlampe, Machete (für dichtes Unterholz) und Fernglas (falls sie noch oben in einer Astgabel hängt). Außerdem festes Schuhwerk.

An der letzten GPS-Position orientiert, fragen wir in einem Haus nach, ob wir durch den Garten in den dahinter liegenden Berghang einsteigen dürfen. Das wird uns zum Glück erlaubt und so klettern wir zu viert mit jeweils etwas Abstand den steilen und ziemlich rutschigen Hang hinauf.

Kaum zu fassen: da liegt sie.

Allerdings ist sie beschädigt, zumindest die Aufhängung des Gimbals ist gebrochen.

Um es abzukürzen: die Reparatur des WC ist aufwändig, weil der Ersatzmotor des gleichen Herstellers andere Dimensionen hat und wir mit den Befestigungen ziemlich improvisieren müssen. Aber immerhin, am Ende funktioniert es. Die versuchte Notreparatur der Drohne misslingt allerdings, die müssen wir wohl zur Herstellerreparatur einschicken.

Müssen wir jetzt etwa jeden Berg hinaufklettern um ein Übersichtsfoto von unseren Booten am Ankerplatz zu bekommen?

Machen wir bei einem weiteren Dinghyausflug zu den Marae Taputapuatea mit einer Wanderung hoch zum Pointe Atiapiti und es ist schön. Aber zum Glück habe ich ja auch noch die Dji-Mini-III-Drohne als Backup.

Und mit der entstehen dann diese Aufnahmen von unserem nächsten Ankerplatz vor dem Motu Oatara (im Hintergrund liegt Huahine):

Wir ankern an der Kante zum tiefen Wasser, aber der Anker liegt bereits auf dem sandigen Flach. Hier ist es (vom Dinghy aus mit dem Handlot zuvor gemessen) nur wenig tiefer als unsere Flora mit ihren 2 m Tiefgang benötigt, insofern trauen wir uns nicht weiter auf die kilometerbreite Sandflächen herauf. Aber es ist ein Traum, bei diesem ruhigen Wetter hier zu liegen. In der Sonne zaubern die kleinen Wellen helle Swimmingpool-Muster auf den Sandgrund, ein leuchtend türkises Schwimm-Paradies. Bei Herumschwoien bleibt dann gerade so die berühmte Handbreit unterm Kiel der Flora. Wenn sie sich bei Niedrigwasser ganz sanft den Bewuchs unterm Kiel wegschubbert, auch nicht schlecht.

Kein Wind, keine Welle. Und diese unfassbaren Farben:

Zum Sundowner-Abendessen lädt uns die Easy One ein, es gibt super leckere Pizza vom Heckgrill mit Pizzastein. Mit Christina und Uwe findet sich dazu auch die Crew der Diamond Sea ein. Wir drei Crews kennen uns schon aus der gemeinsamen Corona-Zeit mit etwa zehn Booten in der kleinen Carlisle Bay auf Antigua.

Kaum zu glauben: Mareike mit ihrer Moana, die im März 2020 auch in der Carlisle Bay dabei war, kommt am nächsten Tag auf Raiatea an. Und mit der Wasabi von Andrea und Hans-Jörg liegt ein weitere deutsches Boot in der Nachbarbucht.

Nebenbei: so päsentiert sich der aufgehende Vollmond über dem Motu Oatara:

Das schwarze Auge von Hotopuu, die Marae von Taputapuatea und die Perlen von Raiatea

Wir segeln von Moorea nach Raiatea. 90 Seemeilen, also ein Übernacht-Törn. Um 15.00 gehen wir ankerauf in Vaipahu, am nächsten Morgen um 09.00 Uhr nehmen wir in der tiefen Bucht von Hotopuu eine Mooringboje direkt neben der Easy One.

Dicht hinter uns beginnt der Flachwasserbereich, aber wir liegen auf 29 m Wassertiefe, da sind wir für die (kostenlose) Boje durchaus dankbar, obwohl wir sonst lieber auf unseren eigenen Anker vertrauen.

Die Baie Hotopuu ist wunderschön, das Ufer von Palmen gesäumt, hinter denen sich – wie in den Gesellschaftsinseln typisch – spitz gezackte Berge gen Himmel strecken. An der Nordseite der Bucht gibt es einen steilen Felsabbruch. Es wirkt, als schaue jemand aus dem Berg auf die Bucht herunter und weiter durch den Pass Teavamoa hinaus in die Ferne des Ozeans.

Polynesischen Götter werden normalerweise als etwas angesehen, was in der Natur vorkommt, sich aber mit seinen Fähigkeiten weit über seinen Ursprung hinaus erhebt.

Das passt, denn auf der anderen Seite dieses Berges liegt die Baie Opoa mit dem als UNESCO Weltkulturerbe anerkannten Taputapuatea. Raiatea (RA’IĀTEA) gilt als das Zentrum des Polynesischen Dreiecks, manchmal auch als polynesischen Oktopus dargestellt, dessen Tentakel bis nach Neuseeland, Hawai’i und der Osterinsel ausgreifen.

Es galt einst als religiöses Zentrum Polynesiens. Die heiligen Orte dieser Insel waren Pilgerstätten. Hier wurden Häuptlinge geweiht, hier hielten die höchsten Priester Dialog mit den Göttern, versuchten sie mit Opfergaben günstig zu stimmen. Taputapuatea soll übersetzt “Opfer aus dem Ausland” bedeuten, wobei die freundlichere Interpretation des Namens aussagt, das Menschen von weit her kamen, um hier Opfer zu erbringen. Unzweifelhaft wurden den Göttern der einheimischen Polynesier (Maohi) hier aber auch zeremonielle Menschenopfer dargebracht.

Mit dem Dinghy fahren wir ums Eck und können an einem kleinen Steg direkt vor dem Heiligtum festmachen. Die klassischen zeremonielle Bauten der Maohi sind von niedrigen Mauern umgebene, mit Steinen eher grob gepflasterte rechteckige Plätze, Marae genannt. Die Marae dürfen nicht betreten werden, sie sind zeremoniellen Veranstaltungen (oder mancherorts auch touristischen Vorführungen) vorbehalten.

Die Lage der über 1.000 Jahre alten verschiedenen Marae in Taputapuatea ist traumhaft, mit Blick auf das Meer. Einige verwitterte Schautafeln geben Auskunft über die historische Bedeutung und die kultische Nutzung der einzelnen Flächen und in einem Häuschen am Parkplatz erhalten wir ein Lageplan-Faltblatt aber insgesamt bleibt es ohne eine inspirierende Führung doch eher schlicht für ein Weltkulturerbe und den wichtigsten religiösen Ort der polynesischen Kultur.

Der Funke springt auf uns jedenfalls nicht so recht über. Es ist schon ein wenig bezeichnend, dass der polynesische Oktopus mit seinem mythischen Zentrum Havai’i hier auf Raiatea ein bisschen lieblos auf die Wand eines Generatorhäuschens gemalt ist und die Straßenlaternen vor Ort ausnahmslos zersplitterte Glaskuppeln haben. Offenbar auch nicht erst seit kurzem:

Eine spannende Begegnung haben wir dann aber doch noch: am Ufer fällt uns ein Baum mit seltsam anmutenden Früchten auf.

Es ist eine Barringtonia, deren Besonderheit ihre Giftigkeit insbesondere für Fische ist. Die Maohi vermengten die zerkleinerte Frucht mit Muschelfleisch. Fische, die diese Köder fressen, treiben zeitweise bewegungsunfähig an der Oberfläche und können dort von den Fischern eingesammelt werden, ohne das ihr späterer Verzehr für die Menschen giftig wäre.

Der nächste Dinghyausflug führt uns zwischen Riffkante und Inselufer entlang um die Südostspitze von Raiatea herum. Am Steg des Cruiser-freundlichen Opoa Beach Hotel halten wir an, parken die Dinghies und reservieren einen Tisch am Strand für das Mittagessen. Eigentlich möchten wir von hier aus etwa 6 km zu einer Perlfarm wandern, aber davon wird uns abgeraten. Wir sollen doch lieber das Dinghy nehmen, dann könnten wir auch die Farm draußen in der Bucht und nicht nur den Shop besuchen. Vom Hotel aus wird unser Besuch gleich bei der Perlfarm angemeldet.

Tatsächlich erweist sich das als gute Idee. Die Fahrt in dem geschützten inneren Fahrwasser geht flott und die Landschaft ist über die Maßen beeindruckend.

An der auf Stelzen in die Lagune hineingebauten Hütte der Perlfarm werden wir von Landry, dem Eigentümer, sehr freundlich empfangen. Bei der (kostenlosen) Privat-Führung erklärt er uns, dass er die Perlfarm vor acht Jahren gegründet hat und die Hütte hier an der Grenze zwischen flachem und tiefem Wasser errichten durfte, weil sein Haus in der Bucht am Ufer steht.

Landry erklärt uns die Abläufe auf der Farm. Etwas überraschend ist, das hier in Raiatea nicht ausreichend Larven für Perl-Austern für eine eigene Zucht vorhanden sind. Die Perlfarmen hier beziehen deshalb junge “Baby-Muscheln” von den Tuamotus. Sie ziehen diese dann weiter auf, bis sie groß genug sind für die eigentliche Perlen-Produktion.

Auf der (kleinen) Farm mit nur fünf Angestellten wird hier draußen nur vom frühen Morgen bis etwa 11.00 Uhr gearbeitet, wenn die Temperaturen noch etwas niedriger sind, die Austern erleiden dadurch in ihrer Zeit außerhalb des Wassers weniger Stress.

Das Entnehmen der Perlen und das Einsetzen eines neuen Nukleus zeigt uns dann Landry’s japanischer Mitarbeiter:

Beide nehmen sich Zeit für uns und beantworten geduldig unsere Fragen. Nur auf unsere Nachfrage hin bringt uns Landry dann auch an Land zum kleinen Schmuckgeschäft der Perlfarm.

Tja, sowohl Wiebke als auch Andrea finden etwas 😉.

Danach geht’s mit den Dinghies zurück zum Opoa Beach Hotel für unser Mittagessen am Strand. Als wir ankommen, haben wir das Restaurant noch ganz für uns.

Das bleibt aber nicht lange so, die sehr gute Küche mit regionalen Zutaten (und das tolle Ambiente) spricht offenbar nicht nur uns an.

Barfuß wuselt der freundlichen Service über den Strand und tischt uns Köstlichkeiten auf.

So lässt es sich wohl aushalten an einem Montagmittag. Und auf dem Rückweg erkunden wir mit dem Dinghy (und dem Handlot) schon mal mögliche Ankerplätze auf den flachen türkisen Sandflächen hinterm Riff. Für die kommenden Tage, ist nämlich sehr ruhiges Wetter vorausgesagt, da könnte das klappen.

Eine schöne Überraschung gibt’s dann auch noch. Ingo hatte Landry gefragt, ob er auf der Perlfarm Verwendung für die aussortierte alte Ankerkette der Easy One hätte oder sonst jemanden wüsste, dem er sie überlassen kann. Nach etwas Überlegung kommt Landry bei uns am Ankerplatz vorbei. Typisch polynesisch: Geschenk und Gegengeschenk. 100 m Ankerkette wandern in Landrys Boot, dafür wechselt ein wunderschönes Armband auf die Easy One.

Endlich wieder unterwegs

Kräftiger, melodischer und doch auch leicht kratziger Vogelgesang lässt uns schon vor Sonnenaufgang aufwachen. In den Takelagen der Boote um uns herum und natürlich auch auf Flora hocken unzählige Rotsteißbülbüls. Sie übertönen mit ihren Dämmerungsrufen selbst die auch in der Großstadt Papeete überall präsenten und ebenfalls lautstarken den erwachenden Morgen herbei krähenden Hähne.

Die etwa Buntspecht-großen Schreihälse sind so zahlreich, dass man sie für eine heimische Art halten könnte. Tatsächlich aber stammt sie aus Indien. Einige wenige Exemplare wurden hier und auf anderen Inseln ausgesetzt. Keine gute Idee, Rotsteißbülbüls finden sich inzwischen in den Top 100 der die heimische Natur beeinträchtigenden invasiven Arten.

Das frühe Erwachen aber kommt uns heute ganz gut zu pass, denn wir wollen Flora noch seeklar machen. So können wir zeitig aus der Marina auschecken und Floras Leinen am Steg lösen, bevor noch Korallen an unserem Ruderblatt wachsen. Hört sich übertrieben an? Ein paar Boote hier können schon damit dienen, auch am Schwimmsteg und selbst an manchen Mooringleinen finden sie sich schon, bilden im klaren Wasser ein Refugium für kleine und kleinste Tropenfische.

Endlich geht es wieder weiter, wenn auch nur die gut 20 Seemeilen hinüber nach Moorea, dass wir vom Hafen aus schon sehen können.

Es bleibt aber nicht so ruhig, wie das vor dem Hafen liegende riffgeschützte Bojenfeld es erscheinen lässt. In der Düse zwischen Tahiti und Moorea erhoffen wir uns eigentlich guten achterliche Segelwind. Statt dessen: wenig Wind genau von vorn. Genau entgegengesetzt zur Vorhersage. Dazu noch eine unangenehme, über zwei Meter hohe Kreuzsee, die sich erst beruhigt, als wir um die Nordostecke von Moorea biegen.

Aber der Anblick des wunderschön gelegenen Ankerplatzes am Eingang der Opunohu Bay auf Moorea lässt die schaufelige Überfahrt schnell vergessen.

Wunderbar geschützt hinterm Riff schwebt wenig später auch die Flora über türkisem Wasser.

Mit Blick auf den von Palmen gesäumten Sandstrand, was will man mehr? Ach ja, direkt neben uns ankert Mareike mit ihrer Moana. Jan von der australisch geflagten Akasha zaubert auf der Moana leckere Thunfisch-Bowls (zu denen wir immerhin frisches Gemüse besteuern können). Mareike mixt Painkiller, wir bringen eine Apfel-Spekulatius-Mandel-Creme als Nachtisch. Was für eine schöner “Willkommen-zurück-auf-Moorea”-Abend.

Phänomenal.

Wir sind wieder auf der Flora. Der Weg dorthin: Montag morgen um 10.00 Uhr bringt uns Chief Jan zum Flughafen in Hamburg. Wir checken unser Gepäck ein, wider Erwarten gehen beide großen Taschen und auch die beiden großen Trecking-Rucksäcke als normales Gepäck (kein Sperrgepäck) durch. Um 12.15 Uhr der Flieger nach Paris, dort wie geplant relativ langer Aufenthalt, erst am Abend geht es weiter. Was für ein Phänomen: den ganzen Rest der Reise fliegen wir praktisch durch die Nacht. Sowohl die 11 Stunden nach Los Angeles als auch die nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt weiteren 9 Stunden nach Papeete sind eine einzige, fast dreiundzwanzigstündige Nacht. Die Erddrehung und daraus folgend die zwölfstündige Zeitverschiebung machen es möglich. Wir schlafen dadurch recht viel auf diesen Flügen. Genau zum Sonnenaufgang kommen wir in Papeete an.

Bei der Einreise gibt’s zum Glück kein Problem mit dem Zoll und so sind wir kurz darauf mit unserem ganzen Kram schon an der Flora.

Nicht nur, dass sie unversehrt auf uns wartet (schon das eine große Erleichterung 😅). Obwohl wir quasi mit leeren Taschen nach Deutschland geflogen sind, bringen wir tatsächlich fast alles in den eigentlich schon vollen Schränken und Schapps unseres Bootes unter. Es erinnert ein bisschen an Hermine Grangers magische Handtasche, als wir Gegenstand um Gegenstand verstauen, obwohl doch eigentlich kein Platz mehr frei zu sein scheint. Lediglich das neue Wingfoil samt Board wandet erst einmal unausgepackt mit Tasche ins Vorschiff.

Sehr schön: die Persenning-Spezialisten von “Sellerie Marine” in Papeete haben in unserer Abwesenheit sowohl die neuen Cockpit-Poster als auch die Befestigung für zusätzliche Solarpanele auf dem Bimini fertiggestellt und am Tag vor unserer Ankunft aufs Boot gebracht. Kleinere Optimierungen erledigen sie dann direkt am nächsten Tag, wir sind begeistert.

Die Kabel muss ich noch anschließen, aber dafür erst eine neue Borddurchführung installieren.

Am Tag nach unserer Ankunft sollte sich am Himmel eigentlich ein Naturphänomen in Form einer ringförmigen Sonnenfinsternis zeigen. Frühmorgens versteckt sich die Sonne in der Taina Marina allerdings noch hinter den hohen Bergen von Tahiti, als sie über den Gipfeln auftaucht ist es bereits zu spät. Schade.

Das nächste Phänomen ist dann allerdings noch weniger erfreulich für uns. Wir füllen die Frischwassertanks auf, duschen. Und stellen dann leider fest, dass das Filtergehäuse des Carbonfilters im Frischwasserkreislauf undicht ist. Wieso geht das in Abwesenheit (und bei abgestelltem Frischwasserkreislauf) in einer definitiv frostfreien Umgebung kaputt? Nicht ärgern, nur wundern.

Der erste Trip aus der Marina Taina in die Stadt Papeete führt also zu den Bootsausrüstern. Tatsächlich finde ich ein fast identisches 10 Zoll Filtergehäuse, wie das alte “Made in Italy” und dunkelblau, optisch ziemlich identisch. Leider muss ich an Bord dann feststellen, dass es das wohl schon war mit den Gemeinsamkeiten. Die Halterung passt nicht, ich muss die (zum Glück enthaltene) neue montieren. Bootsyoga im Motorraum. Die Anschlussgewinde für die Wasserleitung haben ebenfalls eine andere Größe. Zurück in die Stadt, Adapter kaufen. Bei der Montage eines der Whale-Verbindungsstücke (Whale Stecksystem) zu fest angezogen: knack, nach fest kommt lose. Zum Glück Ersatz an Bord. Mit Adapter passen jetzt aber die festen alten Plastikrohre nicht mehr, sie sind jetzt gut einen Zentimeter zu kurz. Ersatz als Meterware und ein Spezialschneider dafür ist an Bord, allerdings in den Tiefen des Vorschiffs, das dafür komplett leer geräumt werden muss. Murphy’s Law. Aber am Ende wird alles gut. Ist es noch nicht gut, ist es halt noch nicht das Ende.

So ähnlich läuft es auch mit der Montage des von Lewmar reparierten und nach Hamburg geschickten Autopiloten. Dieser “Mamba-Drive” ist unser Zweit-Autopilot, auf den wir umschalten können. Der Antrieb im Motorraum ist schnell montiert, aber beim elektrischen Anschluss hakt es dann.

Die Kabel passen einfach nicht. Zwei der vier Kabel reichen nicht aus dem Motorraum hinaus, aber dort sind keine Anschlüsse. Das kann doch nicht sein! Beim Detailstudium der bei der Demontage gemachten Fotos kommt die Erleuchtung: Lewmar hat bei der Reparatur die beiden bei der Originalmontage offenbar verlängerten Kabel gekappt. Da muss man erst einmal drauf kommen. Kabel wieder verlängert, jetzt passt es wieder und besteht auch den ersten Funktionstest.

Langweilig wird es auch bei den nächsten kleineren Bootsarbeiten (neue Steckdosen, Endstücke Vorhangschienen austauschen, Knöpfe am Gasherd erneuern etc.) nicht, aber so ist das nunmal. Und noch mehr Kleinkram wartet, dafür haben wir ja schließlich die Ersatzteile mitgebracht.

Was liegt sonst noch an? Einkaufen. Papeete bietet in ganz Französisch Polynesien die besten Möglichkeiten zur Verproviantierung. Und da wir ja noch mehr als ein halbes Jahr vor allem die abgelegeneren Inseln besuchen wollen, ist einiges an Vorrat gefordert. Der Hyper U und auch der große Carrefour werden mehrfach besucht und erleichtern unsere Reisekasse. Dafür sinkt Floras Wasserpass tiefer ein. Besonders freut uns, dass wir im “Maxi”-Markt vergleichsweise preiswerte Großpackungen von Kirkland/Costco finden: Nüsse (sogar Paranüsse), Mandeln, Mandelmehl, Trockenfrüchte, Müsliriegel und einiges mehr können wir dort einkaufen.

Mit dem Einkaufen allein ist es allerdings nicht getan, Fleisch und Hack wollen auch noch eingekocht werden, um ohne Einfrieren haltbar zu sein:

Und das Wetter? Ziemlich viel Wind und Welle derzeit. Unser Liegeplatz im offenen Hafen der Taina Marina ist eigentlich nur durch das weiter draußen vorgelagerte Riff geschützt. An dem aber bricht sich die Brandung jetzt so hoch, wie wir es vorher noch nicht gesehen hatten. Insbesondere bei Flut schaukelt Flora deshalb auch hier im Hafen ganz ordentlich.

Aber am Montag könnte sich ein Wetterfenster ergeben, um nach Moorea zu segeln und dort hinter der Insel ein paar Tage Schutz zu finden. Und dann würden wir gerne erst einmal weitersegeln nach Huahine, bevor es dann von dort in die Tuamotus gehen soll.

Phänomenale Aussichten 😎.

Das Gute und das Nicht-so-Gute.

Wir fangen mal mit den guten Nachrichten an. Wir haben tatsächlich kurzfristig einen Hafenplatz in der Taina Marina und auch einen Flug nach Deutschland bekommen (auch wenn der Preis für letzteren ziemlich unverschämt ist). Aber entschieden ist entschieden. Schon Freitag früh fliegen wir los, sollen Samstagabend in Hamburg ankommen.

Bevor wir die Cook’s Bay auf Moorea verlassen, präsentiert sie sich anders als am Vortag dann noch einmal von ihrer Sonnenseite:

Und nicht nur deshalb war es eine gute Entscheidung, hier einen Zwischenstopp einzulegen. Ballerten uns am Vortag der Wind und die Wellen noch genau auf die Nase, können wir jetzt wunderschön segeln. Auch wenn es nur 20 Seemeilen sind, wir genießen den Törn zurück nach Tahiti sehr. Beste Segelbedingungen, außerdem können wir noch mal den Code0 lüften und trocknen. In seiner Stautasche am Seezaun ist das Segel mit dem Flora-Logo in den letzten Tagen doch auch immer mal wieder nass geworden und für unsere geplante Abwesenheit wollen wir ihn lieber unter Deck stauen.

Zunächst mal geht es an den Ankerplatz am Flughafen, einen der wenigen offiziellen Ankerplätze Tahitis. Ist durchaus gut gefüllt, aber wir finden noch einen guten Platz gleich neben unseren Freunden Barbara und Ralph. Auf deren Lille Venn gibt es ein Fest- und Abschiedsessen.

Am nächsten Morgen wollen sie nach Moorea aufbrechen. Eigentlich. Ein Elektrowurm legt die Ankerwinsch der Lille Venn lahm. Bei der Suche kann ich (gemeinsam mit Jeroen von der My Motu) mehr oder weniger nur moralische Unterstützung und Handlangerdienste bieten, aber am Ende seiner systematischen Suche findet Ralph die versteckte Schwachstelle im Kabel.

Beim Dinghy-Cruisen durchs Ankerfeld begleitet und dann eine Weile ein Adler-Rochen, im klaren Wasser ist auch sein Schatten auf dem Sandgrund klar auszumachen.

Nachdem die Lille Venn mit Verspätung dann doch Richtung Moorea aufgebrochen ist, sagen Wiebke und ich “Hallo” bei der “Wasabi”, die mit deutscher Flagge ganz in unserer Nähe ankert. Sie laden uns zum Sundowner ein, wir haben einen schönen Abend mit Andrea und Hans-Jörg und nicht nur das. Hans-Jörg bietet uns an, am nächsten Tag mit ihm im Jeep den Dirt Track durch die Berge über die Inselmitte von Tahiti zu nehmen. Lassen wir uns natürlich nicht entgehen und es wird ein unvergessliches Erlebnis.

Mit diversen Fluss-Durchfahrten, einem „Tropfsteinhöhlen“-Tunnel, zum Teil an steilen Hängen entlang führt die zumeist einspurige, nur teilbefestigte Piste einmal durch das fast unbewohnte Zentrum der gebirgigen Insel. Schlaglöcher satt, aber ebenso Wasserfälle, Seen und atemberaubende Ausblicke im Gebirge. Das Wetter spielt ganz gut mit. Klar hängen Wolken in den Bergen, aber meist haben wir gute Sicht. Es regnet nur einmal kurz, zum Teil können wir sogar das Targa-Dach abnehmen.

Am Abend treffen wir uns dann zu sechst in einem der Restaurants an der Taina Marina. Zu Andrea, Hans-Jörg und uns beiden kommen noch Nora und Ralf von der Barbarella dazu, wieder ein schöner Abend.

Tja, und heute verlegen wir Flora dann in die Taina Marina. Wir melden uns wie gewünscht 10 Minuten vor der Einfahrt per Funk an. Das Anlegen muss dann aber erstmal warten, die Mitarbeiter der Marina klarieren von ihrem Motorboot aus und schnorchelnd erstmal einige Mooringleinen, eine Viertelstunde kreisen wir vor dem Hafen. Aber dann klappt das Manöver trotz ordentlich Wind ganz gut. Mit derzeit drei Heckmooringleinen und dem Bug zum halbhohen Schwimmsteg liegt Flora hoffentlich sicher.

Aufklarieren, Wäsche waschen in der Marina-Laundry, Hafenformalitäten und dann erste Vorbereitungen, um das Boot für einige Wochen allein zu lassen. Der Wassermacher muss für die Zeit der Nichtbenutzung „gepickelt“ werden, sonst leidet die Membran. Dazu wird ein Biozid (Metabisulfite) in 10 Litern Wasser aufgelöst, die dann von der Pumpe in die Membran gespült werden. Eigentlich. Nur leider springt die elektrische Hochdruckpumpe des Wachermachers nicht an. Gestern hatte sie noch einwandfrei funktioniert, heute: kein Mucks. Grrr. So wird aus der schnell zu erledigenden Routineaufgabe eine aufwändige Fehlersuche. Ist es der Schalter? Ein Kabel? Die Pumpe selbst? Müßig zu erwähnen, dass das Schaltpanel im Bad im Schrank, die Pumpe in der Ecke unter der Achterkoje und die Kabel quasi überall zwischen Batterie, Sicherungskasten, durch den Motorraum und die Badezimmerschränke hindurch verbaut sind. Machen wir vor der Abfahrt halt nochmal richtig Chaos im Boot. Der Fehler ist übrigens bisher noch nicht gefunden, morgen geht die Suche weiter. Immerhin konnten wir (mit etwas Fern-Hilfe durch Chief Jan) heute den Schalter als Übeltäter schon mal ausschließen.

Minenfeld oder Sternenhimmel? Atoll-Navigation in Raroia/Tuamotus.

Wir sind in den Tuamotus angekommen. Der letzte Teil der dreitägigen Passage war wunderschön, herrlicher Segelwind, relativ ruhige See, blauer Himmel, Sonnenschein. Und ein Sonnenaufgang zum Innehalten und Niederknien:

Wir legen tatsächlich eine Pause ein, denn trotz drittem Reff im Großsegel und sogar gereffter Fock sind wir ein bisschen zu früh vor Raroia. Erst gegen 9:00 Uhr soll Hochwasser im Pass sein, bis dahin müsste die Tide auflaufen. Stillwasser oder leicht ablaufende Tide wäre ideal für die Einfahrt in die Lagune.

Also drehen wir bei. Für Nichtsegler: dieses Manöver ist eigentlich für Starkwind und entsprechende Wellen gedacht, um sich eine Ruhepause zu verschaffen, etwas zu Essen zu kochen, eine Böe durchziehen zu lassen oder ähnliches. Mit dichtgeholten Segeln geht das Boot durch den Wind, danach gibt man sofort Gegenruder und setzt das Steuer fest. Die Fock steht dann back (bekommt also den Wind von der falschen Seite). Dadurch stabilisieren die Segel das Boot, sorgen aber kaum für Vortrieb. Das Boot driftet nur ganz langsam ab.

Jetzt, bei nur 10 kn Wind, müssen wir ein bisschen mit den Segelgrößen vor Vorsegel und Groß spielen, bis wir eine passende Einstellung gefunden haben, aber es klappt.

Flora parkt praktisch ein und wir können den Sonnenaufgang und den langsam blauer werdenden Himmel ausgiebig bewundern.

Etwa eine Stunde lang treiben wir so dahin, dann zeigt das AIS die “Elin” (zufällig ein Schwesterschiff der Flora) bei der Einfahrt in den Pass an, vor dem sie schon einige Zeit gewartet hatte. Eigentlich wäre es noch 2 Stunden zu früh dafür, aber die Elin wird im Pass deutlich langsamer statt schneller. Also schon ablaufendes Wasser? Auf die Tidenzeiten ist hier wirklich kein Verlass, zu leicht können lokale oder wettertechnische Besonderheiten die Zeiten durcheinander wirbeln.

Na dann los. Abgesehen von den Brechern auf dem Riff direkt neben der Fahrrinne macht der Pass einen befahrbaren Eindruck und tatsächlich haben wir nur kurzzeitig 3 kn Gegenstrom. Dann sind wir drin in unserer ersten Lagune der Tuamotus. Das Aufatmen muss aber noch warten, die Anspannung bleibt erst einmal hoch.

Der Grund dafür sind die Korallenköpfe (auch “Bommies” genannt), mit denen die meisten Lagunen der Tuamotus gespickt sind, auch die Lagune von Raroia. Die (aktuelle) C-Map Timezero-Seekarte auf unserem Furuno-Plotter ist ist übrigens hier völlig unbrauchbar, sie zeigt in der Lagune lediglich eine gestrichelte graue Fläche an.

Spannend ist dagegen ein Satelliten-Blick auf Raroia, etwa bei Google Earth:

Was auf den ersten Blick wie ein Sternenhimmel oder die Hautzeichnung eines Walhais wirkt, ist in Wirklichkeit ein navigatorisches Minenfeld. Fast alle der weißen Punkte in der Lagune sind Bommies, ein paar kleine Wolken sind auch dabei. Die Korallenköpfe sind deshalb so hell und sichtbar auf dem Satellitenfoto, weil sie aus der Tiefe bis dicht unter die Wasseroberfläche ragen, drüber fahren mit dem Segelboot unmöglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass jetzt am frühen Morgen die noch tiefstehende Sonne nicht hilfreich ist, um Bommies vom Steuerstand des Bootes aus zu erkennen. Und, dass der Ankerplatz im Nordosten liegt (zur Erinnerung: wir sind auf der Südhalbkugel, die Sonne wandert von Ost über Nord nach West)! Oh, hatte ich erwähnt, dass der Wind pünktlich zur Einfahrt auf gut 20 Knoten hochgegangen ist?

So zeigen sich Bommies in natura (Bilder von heute aus Raroia):

Mit der Sonne im Rücken, gut zu sehen trotz Wellen:

Mit einer Wolke vor der Sonne und eher seitlich, na ja:

Gegen die Sonne, keine Chance:

Sind wir also Glücksritter oder Hasardeure, wenn wir da trotzdem durchfahren?

Wir meinen: nein. Woran liegt’s?

Satellitenbilder lassen sich dankenswerterweise auch zur Navigation verwenden. Das Satellitenoverlay bei Navionics auf unseren iPads zeigt die Bommies in der Seekarte sehr gut an (und anders als etwa Sandbänke verlagern die langsam wachsenden Korallenköpfe ihre Position eher selten).

Hinzu kommt: wir sind ja nicht die ersten, die sich hier hinein tasten. Die gelbe Linie ist ein Track anderer Segler. Wir folgen ihr nicht sklavisch, aber sie bietet eine gute Orientierung. Wer unseren Track (als GPX-Datei) haben möchte, möge sich einfach bei uns melden.

Tipp: man kann in Navionics auch gut vorab im Satellitenoverlay eine Route erstellen (dabei Wolkenzonen meiden) und speichern. Die lässt sich dann auch ohne Satellitenoverlay nutzen, was manchmal besser zu erkennen ist. Mit Internetempfang (Starlink?) lässt sich auch direkt in Google Earth navigieren. Wer lieber in zuvor heruntergeladenen Satellitenbildern navigiert, kann das in OpenCPN tun. Das läuft allerdings nicht auf dem iPad, dort funktioniert aber zum Beispiel SeaIQ (ist unser Backup).

Die Fahrt durch Raroia zum Ankerplatz hat jedenfalls problemlos geklappt, wir konnten zu den einzelnen Bommies jeweils einen Sicherheitsabstand von geschätzt mindestens 40 m einhalten. Das Minenfeld ist ein bisschen entschärft.

Auf Noforeignland findet sich ja unsere gesamte Reiseroute, dort sieht unser Track vom Beidrehen bis zum Ankerplatz in Raroia so aus:

Am Ankerplatz gibt es noch eine kleine Herausforderung, das erste “Floaten” der Ankerkette mit den Perlfarmbojen aus den Gambier. Klappt aber dank der vorbereiteten Karabiner zum Einklicken in die Kette ganz gut.

Nebenbei, auch das Abschnorcheln des Ankers wird ein besonderes Erlebnis, denn Raroia hält ein tierisches Begrüßungskomitee für uns bereit:

Wir zählen bis zu 8 Schwarzspitzenhaie gleichzeitig direkt an der Flora. Und das, bevor wir den unterwegs gefangenen Skipjack-Tuna für das Abendessen zubereitet haben (mit Kartoffelspalten, Rotkohl-Sternfrucht-Salat und Mangochutney).

Lässt sich aushalten hier. Mit Sandstrand, Palmen, türkisfarbenem Wasser und überhaupt: leuchtenden Farben. Wow.

Und jetzt gerade gibt’s übrigens einen tollen Sternenhimmel. ÜBER der Lagune.

😊

Nuku Hiva: Anse Hakatea (Daniels Bay) und Kokosnuss-Schulung 🥥

Ein paar Stunden schönes Segeln, dann sind wir von Ua Pou zurück auf Nuku Hiva. Wir entscheiden uns für Hakatea, eine der geschütztesten Ankerbuchten des Reviers. Aber nicht nur das zeichnet sie aus.

Die Einfahrt in die Bucht offenbart eine atemberaubende Schönheit der wild zerklüfteten Landschaft.

Die eigentliche Ankerbucht ist dabei durch die Halbinsel so gechützt, das wir von Floras Ankerplatz aus rundherum Land sehen. Draußen bricht sich der Schwell, drinnen liegt unser Schiff ruhig wie seit den Gambier nicht mehr.

Das Dörfchen an der westlichen Bucht bietet ein kleines Restaurant und die Möglichkeit, Obst zu kaufen. Wie schon in der Baie de Controleur liegen die wenigen Häuser allerdings an einem kleinen Fluss, dessen Mündung eine Barre aufweist. Sie kann nur um Hochwasser herum mit dem Dinghy befahren werden und auch das nur am äußeren Rand, ganz nahe an den Felsen. Wir holen Ingo und Andrea von der Easy One ab und probieren es. Direkt neben uns bricht sich die Brandung auf der Barre, aber wir kommen durch. Im Flüsschen ist es dann sofort herrlich ruhig.

Wir fahren noch ein Stück weiter Richtung Ort, dann binden wir Florecita an einer Palme fest und gehen zu Fuß weiter. Es ist fast unwirklich malerisch.

Beim dritten Haus treffen wir auf Kua. Wir fragen sie nach dem Weg, sind aber schon am Ziel. Gemeinsam mit ihrem Mann Te’iki betreibt sie ein kleines Gartenrestaurant und verkauft auch Früchte.

Te’iki fragt uns, ob wir ihm helfen können, sein Boot aus dem Wasser zu ziehen. Na klar. Also gehen Jannik, Ingo und ich mit Te’iki rüber zum Fluss, während Wiebke und Andrea mit Kua Früchte aussuchen.

Te’iki watet zum kleinen Motorboot und schiebt es ans Ufer, dort ziehen wir es dann mit einer Seilwinde über zuvor platzierte Baumstammrollen in den Garten. Hört sich einfacher an als es ist, das Ausbalancieren und manuelle Bedienen der Seilwinde ist recht aufwändig. Am Ende wird das Boot dann mit den Seitenteilen eines alten Bettes verkeilt. Fertig.

Zurück am Haus haben Wiebke und Andrea inzwischen eine ganze Schubkarre mit frischen Früchten wie Bananen, Papaya, Mango, Sternfrucht und Pampelmusen gefüllt. Ein paar Kräuter (Basilikum) gibt’s obendrauf.

Dann bekommt Jannik von Te’iki eine Kokosnuss-Schulung, er erinnert ihn vielleicht an seinen ungefähr gleichaltrigen Sohn, der in Tahiti in der Schule ist.

Zunächst einmal: wie wählt man die Kokosnuss aus, welche sind besonders gut? Und dann das entscheidende: wie öffnet man die Nuss vernünftig, schnell und ohne große Sauerei?

Jannik wird ausführlich eingewiesen, danach muss er (den Te’iki jetzt “Le Professeur” nennt) es uns erklären und zeigen.

Aber damit nicht genug. Als nächstes zeigt uns der Hausherr, wie das Kokosfleisch richtig aus den Teilen der Nuss herausgeschabt wird. Jannik soll sich auf das Schab-Brett mit der angeschraubten Metallspitze setzen und los geht’s. Immer wieder wird korrigiert: Fußstellung, Handhaltung, Bewegungsablauf.

Dann schabt der “Professeur” fleißig, Te’iki zupft derweil die Kokosfasern aus den Resten der Nuss-Hülle. In sie hinein gibt er das geschabte Kokosfleisch, wringt das Ganze mit den Händen über einer halben Kokos-Schale aus und lässt uns die so gewonnene leckere konzentrierte Kokosmilch kosten.

Ingo darf auch ran beim Auswringen.

Wir melden uns auch zum Mittagessen an, aber dafür müssen wir zuerst das Dinghy zurück zum Schiff bringen, ansonsten würden wir damit wegen der fortgeschrittenen ablaufenden Tide nicht mehr aus dem Fluss kommen. Also zur Flora in Hakatea (auf die bei Cruisern geläufigere Bezeichnung Daniels Bay ist Te’iki nicht gut zu sprechen) und eine Zeitlang später dann auf einem anderen Weg wieder ins Dörfchen. Diesmal beachen wir Florecita am Strand unserer Ankerbucht, ein kurzer Hike führt von dort zurück ins Dorf. Dafür müssen wir aber erstmal den Einstieg entlang des felsigen Ufers finden und in einer Furt durch den Fluss waten. Und dann Mittagessen im Gartenrestaurant von Kua und Te’iki. Es gibt Thunfisch mit Basilikum-Knoblauch-Marinade, frittierte Brotfrucht-Spalten und grünen Papaya-Salat. Délicieuse.

😋

Und das kommt dabei raus, wenn Jannik Smileys auf die Pampelmusen malt:

😂

Ua Pou

Mit einem Zwischenschritt über die Baie de Controleur segeln wir zur nächsten Insel der Marquesas: Ua Pou. Unterwegs fangen wir endlich mal wieder einen Thunfisch. Perfekte Größe für uns, etwa 90 cm lang und damit beim Hereinholen noch vernünftig zu handhaben, gleichzeitig aber mit fast zwei Kilogramm Filet auch für drei Personen ausreichend für mehrere Hauptmahlzeiten und trotzdem noch im Kühlschrank unterzubringen.

Trotz der auffällig gelben Flossen ist das übrigens kein Gelbflossen-Thunfisch, sondern ein Großaugen-Thunfisch. Beim Gelbflossen-Thunfisch wären die gelbe Zweite Rückenflosse (Dorsal Fin) und die Afterflosse wesentlich länger, schmaler und sichelförmiger (ähnlich der Brustflossen, nur eben gelb).

So oder so, wir machen gleich am ersten Abend dreierlei vom Fisch daraus: Sushi, Sashimi und zart angebratenes Thunfischfilet.

Die Überfahrt nach Uta Pou ist dann durchaus sportlich, kräftige Böen bis 28 kn pfeifen durch die Meerenge zwischen Nuku Hiva und Ua Pou. Eine kleine Fähre geht nahe an uns vorbei. Die Gischt an ihrem Bug illustriert den Zustand der See recht gut:

Aber unser Kurs ist nur etwas vorlicher als Halbwind, in weniger als 4 Stunden haben wir die 28 Seemeilen der Passage bewältigt.

Im Windschatten von Ua Pou beruhigt sich auch der Seegang.

Allerdings ist der Ankerplatz von Hakahetau dafür bekannt, dass hier fast immer Schwell hinein steht. Die Easy One ist schon seit zwei Tagen da und Andreas Schilderungen sind ziemlich abschreckend: “Wiederlich und zermürbend” war die Beschreibung am ersten Tag, “Mies und echt räudig” am zweiten. Nach der Wetterlage müsste es inzwischen eigentlich besser sein, aber …

Die hohen Basaltkegel auf dieser Insel zeigen sich schon von weitem. Sie sind die Magma-Schlote längst erodierter Vulkane und geben Ua Pou ein unverwechselbares Gesicht. Bis über 1.200 m ragen sie empor, die höchste Erhebung der Marquesas. In der Legende, nach der alle Inseln der Marquesas Teile eines Hauses sind, stellt Ua Pou (= zwei Säulen) die geschnitzten Pfeiler dar, die das Dach tragen. Ein nahe liegendes Bild.

Wir schaffen es, noch rechtzeitig in der Ankerbucht von Hakahetau anzukommen um unsere Schweizer Freunde Barbara und Ralph mit ihrer “Lille Venn” zu erwischen. Die sind zwar schon auf dem Sprung zur Weiterreise im ihren Gästen, aber wir haben – gemeinsam mit Andrea und Ingo von der “Easy One” – noch einen wundervollen Abend, von Barbara aufs Leckerste bekocht. Es ist so schön, die beiden nach drei Jahren endlich wieder getroffen zu haben.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

Früh am nächsten Morgen sind die Schweizer verschwunden. Mit Andrea und Ingo machen wir uns auf zu unserer ersten Wanderung auf Ua Pou. In der Noforeignland-App sehen wir, dass wir nahe am Dinghydock (gegen Gebühr von ca 5 $) unseren Müll abgeben können. Eine gute Gelegenheit, denn das ist auf den Marquesas nicht überall möglich. Beim Bezahlen kommen wir mit Eveline ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass sie (in 4. Generation) die Bürgermeisterin des Tals ist. Als wir nach den Pflanzen in ihrem Garten fragen, die über an Stangen aufgespießten Kokosnussschalen ranken, zeigt sie uns ihren Vanille-Anbau. Und damit nicht genug, sie erklärt uns auch, wie nach der Ernte mit den Schoten verfahren werden muss und schenkt uns zum Abschied sogar einige Vanilleschoten. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel der polynesischen Gastfreundschaft.

Jetzt aber los auf die Wanderung, immerhin haben wir uns gleich zwei Ziele vorgenommen. Zuerst machen wir uns auf den Weg zu Schoko-Manfred.

Der an der Elbe bei Boitzenburg aufgewachsene Deutsche hat sich nach einem ziemlich bewegten Lebenslauf hier niedergelassen und eine kleine Schokoladenmanufaktur aufgebaut. Auch wenn er seine Rezeptur und die Konstruktion seiner selbstgebauten speziellen Kakaobohnenmühle inzwischen verkauft hat, ist ein Besuch bei ihm auf seinem abgelegenen Grundstück oben im Wald quasi ein Muss, sofern man sich vom bekanntermaßen zotigen Humor von Schoko-Manfred nicht abschrecken lässt.

Andrea und Ingo waren zwar schon da, kommen aber trotzdem wieder mit. Andrea hat sogar extra ihren selbst gemachten Schoko-Likör mitgebracht. Lecker!

“Schoko-Manfred” mit keimenden Kakaobohnen

So richtig Stimmung kommt aber trotzdem nicht auf. Manfred und seine Frau wirken müde. Wir ertragen die abgedroschenen (erwartet) derben Witze und kosten die leckere Manufaktur-Schokolade, von der dann auch einige Tafeln auf die Flora wandern.

Unser nächstes Ziel ist umso stimmungsvoller. Auf einem jetzt viel kleineren Pfad wandern wir zum Hakahetau- Wasserfall.

Ein erfrischendes Bad in dem wunderschönen Kessel, in den der Wasserfall hineistürzt ist ein zusätzlicher Lohn dieses Hikes.

Photo credit: Ingo, SY Easy One

Und dann zurück zum Ankerplatz. Ein bisschen Schwell ist schon noch da, o.k.

Aber inzwischen lassen sich die Bedingungen wirklich gut aushalten und mal ganz ehrlich, wie genial ist denn eigentlich dieser Blick?