Nuku Hiva

Nach einer Legende sind die Inseln Marquesas alle als Teil eines gemeinsamen Hauses erschaffen worden. Jede Insel ist entsprechend als Element dieses Gebäudes benannt. Nuku Hiva, größtes und vielleicht wichtigstes Eiland der Gruppe, wird dabei als Dach des Hauses eingeordnet.

Auch uns bietet es Schutz. Nach dem sehr rolligen Ua Huka präsentiert sich die von uns angesteuerte Nordküste von Nuku Hiva optisch im Gegenlicht zunächst monochrom, rau und ziemlich abweisend. Sobald wir bei einer der spektakulärsten Ansteuerungen unserer bisherigen Reise aber in die tiefe Bucht von Anahō hineinsteuern, wandelt sich das Bild.

Die zuvor fast drohend aufragenden steilen Felsspitzen weichen ein Stück zurück. Einzelne Sandstrände, Palmenhaine und eher sanft ansteigendes Gelände liegt zwischen dem Ankerplatz und senkrechten Basaltwänden. Das lässt die Kulisse gleichzeitig monumental und doch ausgesprochen lieblich erscheinen.

Ein Südseetraum von einem Ankerplatz!

Das Grundeisen fällt einmal mehr nahe bei der Terikah und gräbt sich auf 11 m Tiefe sofort in den Sand.

Näher zum Ufer hin sollte man nicht ankern, denn hier geht der Grund in Korallen über.

Am nächsten Tag machen wir gemeinsam mit unseren Segelfreunden einen Hike, der über den niedrigen Sattel hinweg in die Baie Haatuatua an der Ostküste der Insel führt.

In der Anlandezone für die Dinghys, am Ende eines kleinen Kanals durch das Korallenriff, werden wir freudig wiehernd begrüßt. Ein Pferd wird von seinem Besitzer gebadet, ist dafür an einer der Bojen festgebunden.

Auf dem weiteren Weg sehen wir bei den verstreuten Häusern des kleinen Dorfes noch einige weitere Pferde. Der Grund dafür ist, dass die Ortschaft nicht über eine Straße erschlossen ist. Lediglich ein mit Pferden begehbarer steiler Trail führt zur ans Straßennetz angebundenen Nachbarortschaft.

Für uns geht’s zunächst durch das Dorf und dann mal am Strand, mal etwas oberhalb auf den Felsen an der großen Bucht entlang. Jannik und Calder eröffnen dabei die “Kokosnuss-Jagd”.

Auf der anderen Seite des Sattels liegt die Farm von Roger. Er baut dort Gemüse und Obst an. Selbst Wassermelonen und herrlich rote Tomaten lächeln uns an, aber obwohl wir ausgiebig durch das Gelände streifen, treffen wir Roger nicht an. Also setzen wir unseren Weg zur Ostküste fort, wobei der Trail auf diesem Stück nicht immer ganz leicht zu finden ist und uns die Kommot Wander-App ein bisschen in die Irre führt. Dafür lockt am Ziel aber ein breiter flacher Sandstrand fernab jeglicher Bebauung und mit herrlichem Blick.

Photo credit: Jen, S/V Terikah

Leider wird durch den Südostpassat aber auch einiges an Treibgut und Müll angeschwemmt. Calder findet darunter immerhin auch eine Perlfarmboje, die jetzt die Ausrüstung der Terikah für die nicht allzu ferne Weiterfahrt zu den Tuamotus ergänzt.

Auf dem Rückweg treffen wir im Dorf dann tatsächlich auch noch auf Roger. Neben dem Anbau auf seiner Farm zieht er auch in seinem Garten Gemüse, so können wir hier unsere Frische-Vorräte doch noch aufstocken. Salat, Gurken, eine Handvoll grüner Bohnen, Auberginen, Pampelmusen Zitronen, Papaya und – allerdings aus der Tiefkühltruhe – auch Taro wandert auf die Flora und die Terikah.

Schlau wie wir sind, haben wir den Hike von Mittag bis kurz vor Sonnenuntergang gemacht, damit uns die Hitze beim Workout mal wieder so richtig schlaucht.

Selbst Jannik ist ein bisschen geschafft. 😉

Erdofen-Festmahl: Umu auf den Marquesas

Zurück in die “Stein-Zeit”. Traditionell wird zu Festen oder besonderen Anlässen das Essen auf den Marquesas (und anderen Teilen Polynesiens) in einem Erdofen mit heißen Steinen unter Luftabschluss ganz langsam gegart. Ohne Topf, vielmehr werden die Zutaten in aus Palmblättern geflochtene Körben auf die im Feuer erhitzten heißen Steine gelegt und mit Bananenblättern abgedeckt. Darüber kommt noch die zuvor aus dem zylindrischen Loch ausgehobene Erde. Und dann heißt es Warten. Rund 24 Stunden gart das Essen im hier “Umu” genannten Erdofen.

Wir haben das große Glück, an einem solchen Festmal teilnehmen zu können. Pierre von der Segelyacht “Viva“ hat es angestoßen, mindestens 20 Segler müssen zusammenkommen, dann würden Gilbert und seine Familie es in Hapatoni für uns auf traditionelle Weise durchführen. Als Festmahl, mit Wildschwein, Ziege und Tintenfisch, dazu die ebenfalls lokal typischen Beilagen wie verschieden zubereite Brotfrucht, Kokosnuss, Maniok und weiteres, zudem Poisson Cru.

Unter den Seglern spricht sich das schnell herum, am Ende melden sich 38 Erwachsene und fünf Kinder von insgesamt 16 Booten an. Da wird es natürlich ein bisschen kuschelig in der Ankerbucht.

Besonders schön ist, dass wir schon bei der Vorbereitung dabei sein können. Hier zeigt uns Gilberts Schwager Ani schon mal das Erdloch, in dem wenig später zunächst die Steine erhitzt werden:

Danach heißt es Materialien anfertigen und Zutaten jagen. Schwein und Ziege sind schon erlegt, hier wird gerade die Ziege gestückelt:

Die Körbe dafür werden aus Palmblättern geflochten, von der Familie und freiwilligen Segler-Auzubis:

Parallel dazu begleiten Jannik und ich gemeinsam mit zwei weiteren Seglern vier Männer aus der Familie bei ihrer Jagd nach Tintenfischen.

An diesem Abend kommen dann auch unsere Freunde von der Easy-One nach ihrer Pazifikpassage von Panama und dem Einklarieren in Hiva Oa bei uns in Hapatoni an. Großes Hallo und natürlich Willkommensabend auf ihrem Schiff.

Am nächsten Tag geht’s dann um 11.00 Uhr hinüber zum Öffnen des Erdofens:

Zuerst wird die Erde weg geschaufelt, …

… dann die darunter liegende Plane und das ebenfalls zur Abdeckung eingelegte Sackleinen entfernt. Darunter kommen dann schon die Bananenblätter zum Vorschein:

Und schließlich wird der Metallkorb herausgehoben, in den der einfacheren Handhabung wegen die Garkörbe mit den Zutaten gestellt wurden:

Aus den Körben wird das Buffet befüllt und – nach einem Dankgebet und Gesang – startet das Festmahl.

Das langsame Garen im Erdofen lässt das Fleisch besonders zart und geschmacksintensiv garen. Vor allem das Ziegenfleisch (mit Kokos-Sauce) finde ich wunderbar.

Gilbert hat auch für musikalische Untermalung gesorgt, es wird ein geselliger Nachmittag.

Ganz besonders freuen wir uns außerdem, dass wir bei dem Fest neben Andrea und Ingo

auch unsere österreichischen Segelfreunde Doris und Wolf von der “Nomad” wiedertreffen.

Einfach schön. und ein ganz besonderes Erlebnis.

Fatu Hiva III: Tiki und hoch hinauf

Der wunderschöne Ankerplatz von Hanavave auf Fatu Hiva hat sich geleert, zwischenzeitlich sind wir nur noch fünf Boote hier. Unsere Nachbarn sind schon weiter gezogen, erkunden bereits andere Inseln der Marquesas, aber wir bleiben noch ein bisschen.

Einen ruhigen Tag verbringen wir einfach auf dem Schiff, genießen die einzigartige Szenerie und die verschiedenen Licht-Schatten-Spiele der Basaltmonoliten vor dem Hintergrund der steilen grünen Berghänge.

Am nächsten Tag machen wir wieder eine Wanderung. Es soll 9 km weit zu einem 450 m hohen Gipfel über der Bucht gehen, also brechen wir zeitig auf, um bei den ohnehin hohen Temperaturen nicht auch noch in die Mittagshitze zu kommen. Guter Plan, aber die Umsetzung klappt nicht so recht. Auf dem Weg durch das Dorf fällt uns ein eine mit luftigem Mesh eingehauste Plantage auf. Was mag das sein?

Der Nachbar kommt von seinem Grundstück herüber und klärt uns auf. Es ist eine von offizieller Seite angelegte Testanpflanzung von Vanille. Wird aber aus seiner Sicht nicht intensiv genug gepflegt. Und wo wir schon mal im Gespräch sind, lädt uns Henry gleich zu sich in seinen Garten ein. Wir werden der Familie vorgestellt, die auf der Terrassenwerkstatt gerade an Knochen- und Muschelschnitzereien arbeitet. Henry selbst ist eigentlich mit dem Anschleifen von Balsaltsteinen für mehrere Tiki beschäftigt.

Aber das kann jetzt ruhig warten, statt dessen werden wir mit Früchten aus dem Garten überhäuft. Neben Mango, Bananen, Papaya, Pampelmusen und Zitronen bekommen wir erstmals auch Ambarella (polynesische Goldpflaume). Henry erklärt uns, dass sie hier grün (unreif) gegessen wird, wobei die Schale nicht mitgegessen wird.

Im Gespräch erfahren wir, dass Henry eigentlich von den Gambier kommt. Hm, da waren wir ja gerade. Wen wir dort kennen? Wir berichten und es stellt sich heraus, dass Pakoi (von Aukena) sein Cousin ist. Als wir ihm die Fotos von Pakoi und uns zeigen, ist er ganz aus dem Häuschen und auch seine Frau muss sich die Bilder gleich noch einmal ansehen. Es ist eine kleine Welt.

Unsere ganzen Gartengeschenke sollen wir nicht mit auf die Wanderung nehmen, sondern erst mal da lassen und auf dem Rückweg abholen. Das Angebot nehmen wir gern an und übrigens – für die Skeptiker – auch beim Abholen wird uns kein Verkauf angeboten, sondern einfach der Fruchtberg in die Hände gedrückt.

Jetzt sind wir natürlich doch später unterwegs und es wird eine anstrengende Wanderung, obwohl der Weg auf der wenig befahrenen Straße entlang führt. Die Serpentinen ziehen sich so steil den Berg hinauf, dass wir nach einiger Zeit lieber auf der gesamten Straßenbreite im Zickzack gehen. So mindern wir die Steigung und damit das Gefühl, eine Treppe hinauf zu gehen.

Am Point de Vue ist nur Zwischenstation, es geht weiter steil bergan. Dafür werden wir aber mit herrlichen Ausblicken auf das Dorf, die Küste und die nördlich des Dorfes liegenden schroffen Felszacken belohnt.

Die Betonstraße (weiter oben Schotterstraße) schlängelt sich am Hang entlang, mehr als einmal können wir weit unter uns Flora am Ankerplatz liegen sehen.

Bei der Steigung gehen die 9 km dann aber doch ganz gut in die Beine (rauf) bzw. auf die Knie (runter), wieder an Bord sind wir rechtschaffen kaputt.

Trotzdem schafft es Wiebke noch, einen Zitronenkuchen zu backen. Heute suchen suchen wir dann noch einige aussortierte Kleidungsstücke heraus, packen ein Sortiment Stifte für Henrys Enkel und einige Stücke Zitronenkuchen dazu und gehen nochmal zu Henry, um uns mit Gegengeschenken für die polynesische Gastfreundschaft zu bedanken. Das kommt ausgesprochen gut an. Zwei von Henrys Söhnen sind gerade da, beide sprechen (wie Henry) gutes Englisch. Einer der Söhne ist Tätowierer und beide erklären uns die Bedeutung der verschiedenen klassischen Motive.

Und Henry zeigt uns, wie und mit welchen Werkzeugen er aus den Steinen Tiki herausarbeitet. Gemeinsam erläutern sie uns den religiösen und historischen Hintergrund der Tiki und welche Bedeutung Tiki für die Marquesas auch heute noch haben.

Und ohne ein weiteres Gastgeschenk – diesmal ist es selbstgefertigter Schmuck – lassen sie uns nicht gehen. Die polynesische Gastfreundschaft ist immer wieder überwältigend.

Im kleinen Dorfladen kaufen wir noch ein paar Lebensmittel, gönnen uns ein Eis. Als wir danach zurück an Bord kommen, fängt es gerade an zu tröpfeln. Dann wächst es sich zu einem fulminanten Tropenregen aus, der fast den ganzen Nachmittag anhält. Zeit für das Kochen einer asiatischen Teriyaki Gemüsepfanne mit von Henry mitgegebenen Maniok und außerdem auch noch das Backen einer wunderbaren Key Lime Pie (Wiebke).

Oder für den großen Service am Generator (Ralf). Danach zur Abkühlung eine Tropendusche auf dem Achterdeck.

Erst zum Abend klart es dann doch wieder auf.

Ist das schön hier auf Fatu Hiva!

Fatu Hiva II: Hanavave und Vaieenui-Wasserfall

Urzeitlich schroff. Jurassic Parc. So präsentiert sich die in fast senkrechten Ziehharmonika-Falten aus den Tiefen des Pazifiks empor springende Basaltküste nördlich der der Hanavave-Bucht.

Aber der Blick direkt in die Ankerbucht zeigt: in der Ebene und den niedrigeren Seitentälern um den Ort Hana Vave ist es üppig grün, hier bauen die Bewohner der Marquesas seit Jahrhunderten Kulturpflanzen wie Taro, Yams, Brotfrucht und Kokospalmen an, außerdem Papaya, Süßkartoffeln, Mangos, diverse Bananensorten und vieles mehr.

An Land empfängt uns gleich ein steinernes Tiki, typisch polynesische Kunst.

Durch den kleinen Ort wandern wir zunächst zum “Restaurant” von Desiree und Jacques. Genau genommen ist es ihr ziemlich einfaches Privathaus, aber auf Vorbestellung servieren sie auf der Terrasse typische Küche der Marquesas. Sally und Simon vom Nachbarboot “Shimshal II” haben dafür gesorgt, dass heute Abend der Ofen angeworfen wird und auf seine Frage hin schließen wir uns gerne an. Da macht es dann auch nichts, dass wir den eigentlich gewünschten Tag Vorlauf nicht einhalten. Super.

Nachdem das geklärt ist, machen wir uns auf den Hike zum Wasserfall Vaieenui. Erst mal auf der Straße weiter durch den Ort, vorbei an der Kirche und kleinen, wellblechgedeckten Häusern.

Überall freilaufende Hühner und ebenso freilaufende Zicklein. Die Mutterziege ist dann meist irgendwo in der Nähe angebunden, ebenso die Schweine im Hof oder am Straßenrand.

Dazu Kokospalmen, Bananen, überhaupt alles mögliche Obst in praktisch jedem Garten, klassische Subsistenzwirtschaft. Die meisten der etwa 600 Bewohner auf Fatu Hiva sind Selbstversorger.

Es gibt keine oder eben allenfalls improvisierte Infrastruktur für die wenigen Touristen (zumeist Segler, es gibt keinen Flughafen und keinen Hafen für größere Schiffe).

In geringem Maß werden als klassische Erzeugnisse wohl noch Tapa-Rindenbaststoffe und auch Tiki-Schnitzereien hergestellt, zumeist für den Handel auf anderen Inseln und auf Kreuzfahrtschiffen. Aber auch in unserem “Privat-Restaurant” könnten wir sie am Abend kaufen.

Tatsächlich immer noch hergestellt wird Kopra. Dieses getrocknete Fruchtfleisch der Kokosnüsse wird exportiert und unter anderem zu Kokosöl weiterverarbeitet. Wir sehen am Wegesrand mehrere einfache Schuppen für die Lufttrocknung der geöffneten Kokosnüsse.

Dann geht’s von der Straße ab auf einen matschigen Feldweg, in dessen Pfützen sich Braunbrustnonnen (eine Prachtfinkenart) vergnügen.

Dann ist auch der Feldweg zu Ende, ab jetzt führt ein Pfad weiter bergauf …

… durch Furten …

… vorbei an Petroglyphen …

… und kleinen Steinmännchen, die im Wald den Weg kennzeichnen …

… bis zum Vaieenui-Wasserfall.

Etwa dreieinhalb Kilometer einfache Strecke sind es bis dorthin, kaum anstrengende Kletterei, meist einfaches Wandern. Trotzdem ist es bei gut 30° im Schatten schweißtreibend, das angenehm erfrischende Bad im Pool unter dem Wasserfall ist eine Wohltat.

Nach dem Rückweg, ein bisschen Bootsarbeit und folgerichtig gleich wieder Ausruhen an Bord dann Abends unser erster “Restaurant”-Besuch seit Mexiko. Insgesamt 15 Segler von fünf Booten (🇬🇧🇸🇪🇩🇰🇳🇱🇩🇪) werden mit lokaler Küche bekocht, Getränke sind selbst mitzubringen.

Ein schönerAbend.

Abschied von Gambier

Über einen Monat sind wir schon auf den Gambier, der Abschied naht.

Wir lösen unser Versprechen ein und backen mit Tetu und Murielle eine Elsässer Guglhupf-Variante. Rezept, Kuchenform (wenn auch nicht die perfekte Guglhupf-Form) und ein paar Zutaten bringen wir mit, die übrigen Standardzutaten haben die beiden in ihrer Küche schon bereitgelegt.

Der Elsässer Hefeteig-Guglhupf wird angerührt und muss dann erst einmal ruhen. Da geht es dann mit Tetu sofort wieder in seinen Garten. Ebenso, nachdem der Kuchen dann später im Ofen ist. Tetu zeigt uns nochmal, wie man richtig mit einer Kokosnuss umgeht, sie von der schützenden weichen, faserigen Schale befreit und die innere harte Nuss öffnet und wie man die grüne Trinknuss am besten öffnet.

Und er führt uns zu den verborgenen Schätzen in seinem Garten.

Was zum Beispiel ist das hier?

So sieht die unreife Frucht aus:

Stolz führt er uns die selbst gebaute Sonnentrocknung vor, die er zum Beispiel für Bananen und Litschi nutzt.

Man merkt Tetu einfach an, wie viel Freude sein Garten und der mit Hilfe der Natur produzierte Überfluss ihm bereitet.

Zurück in die Küche, der Kuchen ist fertig: gut geworden.

Und obwohl das Backen ja eigentlich unser Gegengeschenk war, wir werden wie aus einem Füllhorn erneut mit dem überhäuft, was der wunderbare Garten alles hergibt: frische Kräuter, für Salate verwendbare (uns bisher unbekannte) Blätter, Chili, getrocknete Bananen und Litschi, frische grüne Bohnen,

Sternfrucht, Drachenfrucht (die Auflösung des Pflanzenrätsels von eben), Auberginen, Bananen, Bittergurke, Pampelmusen:

Drachenfrucht und Bittergurke noch mal aufgeschnitten:

Wir können uns gar nicht genug für Eure unglaubliche Gastfreundschaft bedanken, Murielle und Tetu!

Was machen wir noch hier auf Mangareva? Eine Wanderung zu den Ruinen des alten Klosterkonvents von Rikitea unterhalb der Steilwand des Mont Duff.

Die mit Steinen eingefasste tiefe Kuhle auf dem Gelände ist übrigens kein Brunnen, sondern eine Lagerkuhle für “Uru”. Hier wurde früher Brotfrucht haltbar eingelagert.

Und dann übergeben wir quasi den Staffelstab:

Unsere Segelfreundin Mareike kommt mit ihrer Moana an, ankert neben uns hier in Rikitea. Wir freuen uns riesig, dass es mit dem Treffen noch klappt, denn mit den Schiffen waren wir uns zuletzt an der amerikanischen Ostküste in Charleston begegnet und hatten dort ihren Geburtstag gefeiert, danach hatten wir uns noch einmal auf Heimatbesuch in Hamburg getroffen.

Aber während sie und ihre Crew jetzt erst mal die verdiente Entspannung nach dem Törn von Galapagos nach Gambier genießen, soll es für uns morgen mal wieder weitergehen: wir wollen in die nächste Inselgruppe aufbrechen. Die Tuamotus liegen vor uns. Wir möchten aber erst einmal nur eines der seltener besuchten südlichen Atolle dieses Archipels als Sprungbrett auf unserem Weg hoch zu den Marquesas nutzen. Von dort wird es dann später zurück in die Tuamotus gehen, dann aber in den nördlichen Teil dieser weit aufgefächerten Inselgruppe.

Etwa 450 Seemeilen lang wird der Törn zum Atoll Amanu sein, etwa drei bis vier Tage sollte das dauern.

Tschüss Gambier, es war toll bei Dir.

Die kleinen und die großen Dinge

Wir schnorcheln vor Aukena. Einmal mehr beeindrucken der Fischreichtum und der gute Zustand der vielen Korallen.

Das Riff selbst ist vielleicht etwas weniger farbenfroh als in manchen Teilen der Karibik, die Details sind es aber nicht. Zum Beispiel die Tridacna, quasi Zwerge in der Familie den Riesenmuscheln. In unterschiedlichen leuchtenden Türkis- und Blautönen strahlen die etwa 10 bis 15 cm messenden Muscheln zu uns herauf und schließen sich, wenn wir näher heran schnorcheln.

Später, beim Strandspaziergang unter Palmen, springt uns eine andere “Kleinigkeit” förmlich an.

Die winzigen Jungferngeckos sitzen oft in den Kokospalmen und nun pflücken wir ausgerechnet “seine” Nuss. Schwupp – sitzt er auf meinem Finger, lässt sich ausgiebig bewundern und springt dann auf die Kamera und weiter auf Wiebkes Fuß.

Nachdem er vor allem Mücken und kleine Spinnen jagt, wäre er eigentlich ein perfektes Haustier auf Flora, aber wir setzen ihn trotzdem lieber zurück in “seine” Palme. Mach’s gut, Kleiner.

Was dagegen richtig groß ist: die Gastfreundschaft hier in den Gambier. Wie fast auf jeder der etwas größeren Inseln des Archipels gibt es auch auf Aukena eine Kirche, trotz der nur ungefähr 30 Einwohner. Sie liegt dicht an unserem Ankerplatz, die Anfahrt über das Riff gestaltet sich aber schwierig. Doch Hilfe naht: Pakoi läuft aus seinem Garten ans Ufer und weist uns den Weg. Er legt sogar einen Zwischensprint ein, als wir ihn nicht gleich richtig verstehen. Eine mini-kleine Rinne führt zur kurzen Steinmole, gerade breit und tief genug für den Außenbordmotor, um mit einer auflaufenden Welle in den tieferen Bereich direkt vorm Ufer zu gelangen. Zum Glück gelingt das Manöver.

Gemeinsam ziehen wir das Dinghy auf den Strand und Pakoi lädt uns ein, ihm hinter seine Hütte zu folgen. So gut es unsere Französisch-Kenntnisse zulassen, unterhalten wir uns über Gott und die Welt, unsere Reise und Pakois Heim auf Aukena. Wir erfahren, dass er der alten Königsfamilie von Mangareva entstammt und der Name in seinem Pass eigentlich Antoine Kanuto Teapiki lautet.

Seit 30 Jahren lebt er hier, kümmert sich um die Kirche und um seinen Garten. Beides zeigt er uns bereitwillig. Als eine Sau mit mehreren Ferkeln aus dem Wald kommt, freut sich Pakoi. “Die war jetzt einen Monat lang weg und nun kommt sie mit ihren Kindern wieder.” Direkt neben der Kirche sehen wir am Waldrand einige weitere Schweine. Sie leben hier halbwild, dienen aber auch der Fleischversorgung.

In seinem Garten säbelt uns Pakoi mittels einer langen Bambusstange und daran befestigter Sichel frische Brotfrucht vom Baum, schenkt uns außerdem Zitronen, Pampelmusen und Bananen.

Danke schön Pakoi.

Die Gastfreundschaft hier ist immer wieder schon fast beschämend großzügig. Polynesier fühlen sich ob ihrer Kultur fast schon verpflichtet, alles stehen und liegen zu lassen, sobald ein Gast auftaucht. Man sollte also vorsichtig sein, die Gastfreundschaft nicht zu überbeanspruchen. Das fällt aber gar nicht immer leicht, zumal etwa Pakoi die Abwechslung durch den Besuch wirklich zu genießen schien, ebenso unser (wenn auch manchmal radebrechendes) Gespräch.

Wir versuchen, an die Kultur von Geschenk und Gegengeschenk wenigstens etwas anzuknüpfen. Als kleine Geste kommen wir später mit dem Dinghy noch einmal zurück und bringen selbst gebackenen Mandelkuchen vorbei.

Verstecken zu Ostern

Fast drei Wochen sind wir nun schon auf den Gambier und fast die ganze Zeit hatten wir schönes und ruhiges Wetter. Pünktlich zum Osterfest zieht allerdings im Südosten von uns ein Tiefdruckgebiet auf, das auch unser Feiertagswetter beeinflusst. Für die nächsten Tage ist Wind aus Südost mit kräftigen Böen angekündigt.

Der Ankerplatz vor Rikitea auf Mangareva ist zwar durch die vorgelagerten Riffe geschützt, aber aus Südost können Wind und Welle doch einigen Anlauf nehmen. Für die Lagune bei Taravai gilt das Gleiche. Wir beschließen deswegen, uns auf der anderen Seite von Taravai in einer geschützten Nordwestbucht zu verstecken (blauer Punkt).

Die Nordwestseite von Mangareva bietet sich nur scheinbar ebenfalls an, sie ist aber ziemlich dicht an dicht mit Perlfarmen belegt.

Macht aber nichts: hier in der Baie Anganui liegen wir nicht nur wunderbar geschützt, sondern zudem auch ausnehmend schön.

Inzwischen hat sich noch die Adiona zu uns in diese schöne Bucht verholt. So können wir mit unseren kanadischen Segelfreunden Maggie und Scott Ostern feiern. Die beiden haben uns gleich schon mal bei der Kokosnuss-Ernte geholfen und dann zu Erdbeer-Margaritas auf ihren Kat eingeladen.

Für die vorbei gebrachten Bananen-Muffins können wir uns dann heute mit einem Guglhupf Elsässer Art revanchieren. Den hat Wiebke quasi als Testlauf für das Backen bei Tetu und Murielle ausprobiert.

😚

Sowieso schon SEHR lecker, aber mit der selbst gemachten Guaven-Marmelade – einfach ein Gedicht!

Wir wünschen Euch allen ein schönes Osterfest.

Das Versorgungsschiff kommt … und alles ist anders! Diesel tanken und Brotfrucht backen.

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen. Jeannette und Jeroen wollen das Wetterfenster nutzen, um von den Gambier nach Tahiti zu segeln. Die Route führt südlich an den Tuamotus entlang. Da sie ja ihren Motor nicht benutzen können, wäre eine Flaute ziemlich gefährlich, durchgehend ausreichend Segelwind ist aber für die nächste Woche angesagt. Verständlich, dass sie sich das nicht entgehen lassen wollen. Aber eben auch schade, weil wir dadurch nur zwei gemeinsame Wochen in den wunderschönen Gambier hatten.

Wir nehmen sie noch einmal in Schlepp und ziehen sie von Taravai aus zum Westpass, dann nehmen sie die Segel hoch und werfen die Schleppleine los.

Tschüss Ihr beiden Lieben, gute und sichere Reise.

Wir bleiben noch in Gambier, Für uns geht’s zurück nach Rikitea. Da hat inzwischen die Nukuhau am Pier festgemacht. Sie ist das ältere der beiden Versorgungsschiffe, die die Insel etwa alle drei Wochen anlaufen. Das andere Versorgungsschiff, die modernere Taporo VIII, sehen wir draußen auf der Reede vor Rikitea ankern. Klar, an der kurzen Pier kann immer nur eins der Schiffe festmachen. Die beiden gehören verschiedenen Gesellschaften und sind auf gegenläufigen Routen durch die Inselwelt Französisch Polynesiens unterwegs, ohne dass sich die beiden Gesellschaften terminlich absprechen. Der „Fahrplan“ ist sowieso eher eine Schätzung. Im Bürgermeisteramt hatte man uns letzte Woche noch gesagt, ein Schiff käme am Mittwoch, das nächste am Samstag. Nun kamen beide kurz hintereinander am Sonntagabend an. Es ist aber selten, dass sich ihre Ankunft überschneidet. In diesem Fall hat die Taporo VIII Pech gehabt und muss zwei Tage warten. So lange dauert es nämlich, bis die Nukuhau mittels ihrer traditionellen Ladebäume ihre überwiegend aus Stückgut bestehende Fracht entladen und die neu aufgenommene Ladung gestaut hat.

Es ist eine kleine Zeitreise in die Vor-Container-Schifffahrt, die wir da beobachten können. Insbesondere das Entladen der vielen Fässer ist faszinierend:

Für uns ist auch Fracht dabei. Es gibt nämlich bisher keine Tankstelle in den Gambier. Der Container am Bauhof auf Mangareva soll dem Vernehmen nach wohl einmal diese Funktion haben, ist aber bisher nicht in Betrieb genommen.

In sofern bietet das Versorgungschiff für uns die einzige Möglichkeit, den Dieselvorrat der Flora wieder aufzufüllen. Das Prozedere dazu ist allerdings ungewöhnlich.

Zunächst einmal: abgegeben wird der Diesel nur in ganzen Fässern zu je 200 Liter. Der Preis ist in Ordnung, 31.000 CFP-Franc (auch XPF abgekürzt), umgerechnet etwa 260 Euro, also 1,30 Euro pro Liter. Die für ausländische Yachten in Tahiti gegebene noch günstigere Möglichkeit des steuerfreien Tankens gibts hier allerdings nicht.

Man bezahlt in einer kleinen vorübergehend auf der Pier errichteten Hütte. Dafür durfte ich allerdings bereits 90 Minuten anstehen, denn in der Hütte wird praktisch sämtliche ein- und ausgehende Fracht verwaltet. Die Quittung gibt man Louis, dem Tankwart. Der reicht sie weiter auf das Schiff, woraufhin vom Schiff aus 200 Liter Diesel in eines der vier Fässer auf der Pier umgefüllt werden.

Ist man an der Reihe, wird dann aus dem Fass in die – hoffentlich mitgebrachten – Kanister mittels Schwerkraft-Handpumpe umgefüllt. Das dauert.

Zwischen den Skippern der Boote ist reichlich Absprache gefordert. Wer braucht wieviel Diesel? Also wer ordert wie viele Fässer, kann abgeben oder nimmt dazu? Und in welcher Reihenfolge soll getankt werden, damit die Dieselkanister möglichst oft von verschiedenen Booten genutzt werden können?

Für uns ist es einfach. Unser 400-Liter-Tank ist fast halb leer, wir benötigen 180 l Diesel. Also ein Fass kaufen und jemanden finden, der uns 20 Liter abnimmt sowie möglichst ein paar Kanister leiht (wir haben nur zwei eigene 20l Dieselkanister). Klappt. Die erste Rutsche machen wir mit 3 Kanistern, dann mit 5, dann zum Abschluss 2. An Bord dann durch den Racor-Trichterfilter (mit Wasserabscheider und Sieb) in den Einfüllstutzen und das Additiv gegen Dieselpest nicht vergessen. Da ich mich dazwischen natürlich jedesmal neu hinten anstellen muss, ist es eine Tagesaufgabe. Um 9:30 hatte ich mich in die Schlange zum Bezahlen eingereiht, irgendwann kurz nach 16.00 ist es geschafft und wir sind um eine interessante Betankungserfahrung reicher.

Eigentlich hätten wir einen ganz anderen Termin gehabt, nämlich mit Tetu und diesmal auch seiner Frau Murielle. Als wir zuletzt bei ihm waren hatte er uns angeboten, dass die beiden uns eine andere Zubereitung der Brotfrucht zeigen. Bisher hatten wir sie geschält und zerteilt wie Kartoffeln in Wasser gekocht. Wir überlegen schon, dass Wiebke allein hingeht, aber dann treffe ich Tetu in der Warteschlange auf der Pier. Wenn das Versorgungsschiff kommt, treffen sich hier eben alle. Tetu muss einige Sachen zur Verschiffung aufgeben, unsere Brotfrucht-Verabredung verschieben wir einfach auf den nächsten Tag.

Als wir mit einem selbst gebackenen Kuchen bei Murielle und Tetu aufkreuzen, rufen uns die beiden hoch auf den Hang in ihrem riesigen Garten. Der Blick von dort ist atemberaubend schön:

Und die Brotfrüchte?

Die beiden haben ein Feuer gemacht und die Brotfrüchte komplett mit Schale in die heiße Glut gelegt. Ein paar Mal gedreht und gewendet, bleiben die Uru (wie Tetu die Brotfrucht nennt) etwa 30 bis 40 Minuten in der Feuerstelle. Dann rupft Tetu ein paar große Blätter vom nächsten Baum und mit ihnen als Topflappen holt er die Früchte aus der Glut.

Dann löst er mit einem Messer die gegarte Uru aus ihrer verkohlten Schale.

Den goldgelben Ball wickelt er zum Warmbleiben in Alufolie und gibt ihn uns mit. Lecker. Spannend ist, dass die Brotfrucht bei dieser Garmethode eine andere Konsistenz entwickelt. Faseriger, fast ein bisschen wie zartes Hähnchenfleisch mit (sehr rauchigem) Kartoffelgeschmack.

Und auch mit anderen Früchten werden wir wieder reich beschenkt.

Was wir für die beiden tun können? Tetu fragt, ob wir ihm zeigen können, wie man einen Guglhupf-Kuchen macht. Seine Großmutter aus dem Elsass habe den immer gebacken, es ist eine Kindheitserinnerung. Er besorgt die Zutaten, wir haben immerhin eine Topfkuchenform an Bord.

Na dann bis nächste Woche in Eurer Küche, Murielle und Tetu!

Taravai

“Keinesfalls das sonntägliche BBQ auf Taravai verpassen.” Darin sind sich die meisten Segler einig, wenn sie in den letzten 13 Jahren die Gambier besucht haben. Solange veranstalten nämlich Valerie und Hervé bereits das wöchentliche Grill-Potluck in ihrem Garten direkt am Angonoko-Ankerplatz an der Insel Taravai. Sie sind Ikonen der Gastfreundschaft.

Nur – in diesem Jahr haben die beiden beschlossen eine Pause einzulegen, um sich mehr der Renovierung ihrer Kirche widmen zu können. Gleich bei unserer Ankunft in Rikitea hören wir diese (für uns erst einmal traurige) Neuigkeit.

Zwei Wochen sind wir inzwischen in den Gambier. Da erreicht uns die freudige Nachricht: an diesem Sonntag machen die beiden eine Ausnahme. Na dann: fast alle Boote machen sich auf nach Taravai. Auch wir, sogar schon am Freitag. Geplant ist, dass wir die Fidelis in Schlepp nehmen. Wir stellen die Leinenverbindung her, auf der Fidelis wird der Anker eingeholt. Dann kommt plötzlich das Signal “Stop”. Die Kette hängt irgendwo fest, wir müssen abbrechen. Wir manövrieren ein bisschen herum, versuchen Fidelis nach Absprache durch Ziehen in die eine oder andere Richtung frei bekommen. Klappt aber nicht. Also erst mal alles retour, wir lösen die Verbindung und Ankern erneut. Jeroen holt seiner Tauchausrüstung hervor und schafft es tatsächlich, trotz schlechter Sicht in 17 m Tiefe die mehrfach um ein Hindernis gewickelte Ankerkette zu befreien.

Also kann es doch losgehen und wir ziehen die Fidelis die etwa sechs Meilen hinüber zu Mangarevas Nachbarinsel Taravai.

Ein bisschen knifflig ist allerdings die Anfahrt von Taravai, zumal im Schlepp. Der Ankerplatz ist von einem Riff geschützt, dass keinen echten Pass hat. Man muss über das Riff. Wäre doppelt blöd, wenn wir jetzt auflaufen, die geschleppte Fidelis kann schließlich schlecht stoppen. Allein mit der oft geforderten “Eyeball-Navigation” wird das hier übrigens nichts. Eine tiefe Einfahrt zeigt sich dem Auge einfach nicht. Allerdings weisen wohl zumeist drei an Backbord zu lassende Perlfarmbojen den besten Weg über das Riff.

Sicherheitshalber haben wir außerdem Wegepunkte in unseren Plotter eingegeben. Die SY Pitufa hat sie auf ihrer sehr lesenswerten Webseite veröffentlicht. Ganz lieben Dank für diesen Service. Das Wasser auf dem Riff ist so klar, scheinbar müssten wir jeden Moment mit dem Kiel die Korallen rammen und aufsetzen. Aber die Mindesttiefe nach unserem Lot ist 3 m, wir kommen sicher in die Lagune und Ankern auf 17 m Tiefe.

Einmal drin ist es ein weiterer absolut traumhafter Ankerplatz.

Sieben feste Einwohner hat Taravai derzeit, die wenigen Häuser gruppieren sich um die alte, deplatziert groß wirkende Kirche.

Aus der Distanz sieht sie, abgesehen vom Gerüst am Turm, ganz in Ordnung aus. Als wir sie uns näher ansehen wird aber klar, dass Hervé hier auf jeden Fall eine ganze Menge Arbeit vor sich hat.

Am Samstag machen wir einen Strand- und Schnorcheltag. Das Riff direkt am Ankerplatz bietet sich an und wir werden nicht enttäuscht.

Auch der feine Sandstrand auf Taravai eben nördlich des Örtchens gefällt uns richtig gut. Müßig zu erwähnen, dass wir ihn ganz für uns allein haben, wenn man von den im seichten Wasser patrouillierenden Baby-Schwarzspitzenhaien absieht.

Die eigentliche Krönung kommt allerdings am Sonntag. Das BBQ von Valerie und Hervé entpuppt sich als Potluck der Superlative mit sehr entspannten Seglern, einigen Einheimischen aus Rikitea, mit Speisen aus aller Welt und eben mit wunderbaren Gastgebern. Petanque, Volleyball, Schwimmen und Paddeln gibts noch On Top.

Wiebke mit Peter und Hervé

Also, wenn es denn stattfindet: keinesfalls das sonntägliche BBQ bei Valerie und Hervé auf Taravai verpassen.

Glück gehabt. ☺️

Gratwanderung und Früchte

Unser zweiter Hike auf Mangareva geht nicht ganz so hoch hinaus wie der erste. Trotzdem starten wir wieder früh. Gut, denn so können wir uns erstmal beim Bäcker mit frischen Baguettes versorgen.

Ein kleines Stück weiter zeigt uns ein unscheinbares Schild an der Dorfstraße den Eingang zum “Chemin Traversier de Kirimoro”. Der Weg scheint durch einen Privatgarten zu führen. Am Zaun entlang zum hinteren Grundstücksteil und dann geht’s den Berg hinauf in den Wald hinein. Kirimoro ist ein kleines Dörfchen auf der Westseite von Mangareva und der Weg würde quer über den Inselrücken dort hinüber führen. Wir entscheiden uns aber, oben auf dem Bergrücken nach links abzubiegen und auf dem Grat entlang Richtung Süden zu wandern.

Es ist ein herrlicher Trail. In weiten Teilen sehr gut zu gehen und vom Kamm aus mit tollen Blicken zu beiden Seiten hinunter in die Buchten.

Zwei Steilstücke mit Kletterseilen geben dem Ganzen noch ein bisschen zusätzliche Würze, ohne dass es aber allzu anstrengend wird.

Mit alles in allem etwa zwei Stunden ist dieser Trail auch deutlich kürzer als unser Hike auf den Mont Duff (wo wir mit dem Umweg fast 6 Stunden unterwegs waren). Allerdings schließen die Wege aneinander an, wer mag, kann also nach Bedarf verlängern. Für mich ergibt sich die Verlängerung diesmal etwas unfreiwillig. Ich habe unterwegs meine Sonnenbrille verloren, wahrscheinlich ziemlich am Anfang. Als wir zurück in Rikitea sind, hänge ich also noch eine Schleife dran und finde das gute Stück tatsächlich auch wieder.

Das gibt mir außerdem Gelegenheit, auf der Dorfstraße auch noch ein kleines Stückchen weiter zu gehen und dem dort aufgestellten Tiki einen Besuch abzustatten. Tikis sind Holz- oder Knochenschnitzereien oder Steinmetzarbeiten, die einen ganz wesentlichen Bestandteil der polynesischen Kultur bilden. Sie zeigen eine stilisierte Menschengestalt, mit der eine spirituelle und kulturelle Kraft verbunden wird. Geschichtlich sollen sie bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und ursprünglich von den Marquesas ausgegangen sein.

Der Stil dieser in ganz Polynesien (also von Neuseeland bis Hawai’i (Ki’i) und zur Osterinsel mit ihren Moai) verbreiteten Skulpturen ist je nach Region oder sogar Insel inzwischen sehr unterschiedlich.

Ein anderer Spaziergang führt uns in Rikitea zu Tetu. Daniela von der Yelo hatte uns in La Paz eindringlich ans Herz gelegt, auf Mangareva unbedingt Tetu und Murielle zu besuchen und liebe Grüße von ihr auszurichten. Machen wir natürlich gerne. Tetu seinerseits lädt uns sofort ein und führt uns durch seinen riesigen Garten – eigentlich fast schon ein Park – gefüllt mit allen möglichen Nutzpflanzen.

Sei es dieser Anattostrauch für seine Bienen (er ist auch Imker),

Paprika und Chili …

… oder vor allem eben Obstbäume in unfassbarer Zahl, wie hier die Guaven, die er uns gleich im Überfluss abpflückt.

Schwer beladen kehren wir zur Flora zurück, nicht ohne von Tetu auch noch für nächste Woche eingeladen worden zu sein. Dann möchte er uns gemeinsam mit seiner Frau zeigen, wie man am besten mit der uns bisher eher fremd gebliebene Brotfrucht umgeht.

So sieht Flora aus, nachdem wir Tetus Geschenke auf ihrem Heck ausgebreitet haben:

Mangos, Passionsfrucht, Pampelmusen, Zitronen, Chili und jede Menge Guaven. Nur die Gurke haben wir im Geschäft gekauft, Gemüse ist auf den Gambier ungleich weniger verbreitet als Früchte.

Danke, Tetu. Wir werden versuchen, uns nächste Woche irgendwie zu revanchieren. Geschenk und Gegengeschenk, so ist es üblich in Französisch Polynesien. Gar nicht so einfach bei einer solch überwältigenden Großzügigkeit.