Glück im Unglück

Das neue Jahr startet für die Flora mit einem intensiven Rigg-Check. Hier am Ankerplatz in Hirifa im Südosten von Fakarava ist es inzwischen schön ruhig geworden. Der Wind hat auf Nordost gedreht und abgenommen, also bauen sich hier auch keine Wellen mehr auf. Perfekt, um sich für eine Überprüfung des stehenden Gutes mal wieder in den Mast ziehen zu lassen. Selbst bei nur mäßiger Welle schaukelt es dort oben in 20 Meter Höhe doch ziemlich.

Jetzt bei glattem Wasser aber ist es einfacher. Und das muss es auch sein, denn ärgerlicherweise gibt es mal wieder einen Schaden im Rigg. Eines der Wanten weist gebrochene bzw. aus der Pressung gerissene Kardeele auf.

Hm, nicht gut. Reparieren kann man das Want nicht, es muss mitsamt der auf den Draht aufgepressten Beschläge gewechselt werden. Da kommen Erinnerungen an Hawai’i auf. Damals hatte unser Check in Honolulu einen ähnlichen Schaden im Hauptwant ergeben. Wegen der speziellen “Ballcup and Stemball”-Verbindungen musste dazu der Mast gelegt werden. Diesmal allerdings sind wir nicht in einer Metropole, sondern fernab von jeglichen Riggern und Schiffsausrüstern vor Anker in einem Südseeatoll.

Betroffen ist das D3, ein kleineres Diagonalwant zwischen der zweiten Saling und dem Mast unterhalb der dritten Saling, also ziemlich weit oben im Mast.

Und das ist zugleich auch großes Glück im Unglück, denn exakt dieses Want haben wir als Ersatzteil dabei. Was total unwahrscheinlich klingt, hat einen ganz einfachen Grund. In Hawai’i wollten wir nicht nur das betroffene Hauptwant, sondern gleich alle Wanten (Drähte, die den Mast seitlich fixieren) und Stagen (Drähte, die den Mast nach vorne und hinten halten) erneuern, zumal ja ohnehin der Mast heruntergenommen werden musste. Der Rigger war zugleich Vertragshändler unseres Mast- und Wantenherstellers Seldén, er konnte fast alle Wanten und Stagen vor Ort mit Originalteilen herstellen. Für uns ein Riesenglück, denn dadurch verzögerte sich unsere Abreise von Hawai’i nur um etwa zwei Wochen und wir konnten die ja ohnehin kurze Saison in Alaska doch noch genießen.

Fast alle hieß damals, dass wir nur die D3-Wanten nicht ersetzen konnten. Es sind die dünnsten in unserem Rigg (nur 7 mm, die V1-Hauptwanten z.B. sind 12 mm) und die entsprechenden Beschläge wären frühestens einen Monat später eingetroffen, zusätzlich gab es laut dem Rigger wohl auch NachCovid-Lieferkettenprobleme.

Was uns heute gerettet hat: wir haben sie damals trotzdem bestellt, der Rigger hatte sie uns ein halbes Jahr später nach Kanada nachgeschickt. Seitdem lagen sie im Vorschiff, bei den regelmäßigen Rigg-Kontrollen sahen die D3-Wanten unauffällig aus – bis auf heute! Zusätzliches Glück: für den Tausch der D3 muss der Mast nicht gelegt werden.

Also tauschen wir sie hier am Ankerplatz. Andrea von der Easy-One übernimmt die Sicherungsleine (Spifall), Wiebke winscht mich mit der Dirk in den Mast.

Das D3 wird erst an der Saling losgeschraubt (die Werkzeuge sind zusätzlich mit Leinen gesichert) und dann am Mast ausgehakt. Danach lasse ich es an einem Tampen herunter, ziehe das neue hoch und baue es ein. Gleich noch das zweite D3 auf der Backbordseite und: Fertig ✔️.

Wir nehmen das auch als Bestätigung dafür, dass es richtig war, in Honolulu nicht nur das V1 zu tauschen, sondern das gesamte Stehende Gut anzugehen. Flora hat inzwischen auf unserer Langfahrt seit Juni 2019 über 39.000 Seemeilen im Kielwasser und damit wurde dem Rigg doch auch schon einige Belastungen aufgebürdet. Gut zu wissen, dass jetzt wirklich das gesamte Stehende Gut erneuert wurde.

Frohes Neues Jahr!

Achterstagspanner

Kaum zu glauben. Dank Uwes Einsatz in Hamburg und trotz zwischenzeitlichem Streik der Flughafenfeuerwehr von Air Tahiti ist der neue hydraulische Achterstagspanner schon letzte Woche in Fakarava angekommen. Der Spediteur Gondrand in Tahiti hatte ihn ratz fatz durch den Zoll. Nach den Erfahrungen anderer Cruiser hier in Französisch Polynesien funktioniert das nicht immer so schnell, insbesondere bei zollfreien Ersatzteilen für durchreisende Boote wie uns (Boat in Transit). Wegen des Streiks hatten wir noch einige Emails mit Gondrand, ob ein Weiterversand nach Fakarava per Schiff oder Flugzeug besser wäre.

Gestern Nachmittag sind wir mit Flora in Fakarava angekommen. Heute Morgen erstmal die leere Propangasflasche zum Befüllen und die Wäsche zur Laundry gebracht. Auskunft der Locals war, erst nach Mittag zum Flughafen zu fahren, vorher sei er nicht besetzt, weil erst nachmittags eine Maschine ankommt.

Um 13.00 Uhr dann also mit dem Dinghy zum Flughafen. Ja, da gibt’s tatsächlich einen Dinghyanleger.

Dinghysteg, Flughafengebäude im Hintergrund

Der Parkplatz am Flughafen ist komplett leer, aber eine Dame geht zum Hintereingang. Ich spreche sie an, wohin ich mich wenden müsse, um ein eingeflogenes Paket abzuholen. Sie fragt nach meinem Namen und kurz darauf halte ich die 1,20 m lange, 8 kg schwere Pappröhre schon in der Hand.

Neu (noch verpackt) und alt

Das hat ja schon mal super geklappt. Und der Einbau?

Das gute neue Stück

Blöderweise kommt der neue hydraulische Achterstagspanner ohne Einbauanleitung an. Die Suche auf der Hersteller- und auf der Händlerseite hilft leider auch nicht weiter.

Unser Problem ist, dass der Kolben im gelieferten Achterstagspanner ganz eingeschoben ist, normalerweise zieht er sich erst durch das Pumpen des Hydrauliköls zusammen und bringt dadurch Spannung auf das Achterstag (also den Draht, der den Mast nach hinten abspannt). Das lösen der Druckschraube bringt aber nichts, Druck ist offenbar noch nicht aufgebaut. Glücklicherweise sagt die Bedienungsanleitung unseres (alten/defekten) Holmatro-Achterstagspanners, dass zum Ersteinbau der Kolben manuell herausgezogen werden muss. Das wird für den Nachfolger von Reckmann dann ja hoffentlich auch gelten. Von Hand gezogen, bewegt sich der Kolben allerdings kaum. Wir bauen den Spanner am unteren Beschlag ein und ziehen das obere Ende (und damit den Kolben) bei geöffneter Druckschraube mit der Dirk über die Mastwinsch vorsichtig auf Länge. Danach können wir auch den oberen Beschlag am Achterstag befestigen und die Druckschraube schließen. Jetzt anpumpen und …

… Funktioniert!

Floras Rigg ist wieder auf Stand, lässt sich wieder trimmen. Und uns fallen ein paar Steine vom Herzen.

Abschied von Tikehau

Vom Ankerplatz am Garten Eden geht’s zurück Manta-Putzerstation am Motu Mauu. Dieses Mal fahren wir nicht mit dem Dinghy hinüber, sondern mit der Flora.

Auf dem AIS sehen wir, dass dort bereits ein Boot ankert. Es ist die India, ein kanadisch geflaggter Stahlschoner. Das Boot und den französischen Eigner Olivier haben wir schon in Sausalito in der San Francisco Bay und dann nochmal wieder in La Paz in Mexiko getroffen. Wir ankern neben ihnen und es gibt ein großes Hallo!

Das klitzekleine Motu mit der aufgegebenen Perlfarm auf dem deutlich größeren Riff bietet guten Wellenschutz und eine wildromantische Kulisse.

Vielleicht auch ein bisschen morbide, aber auf alle Fälle mit tollen Farbkontrasten.

Die Manta-Putzerstation liegt dem Ankerplatz gegenüber hinter der schmalen Spitze des Motus und natürlich statten wir ihr auch diesmal einen Besuch ab. Die Sicht ist an diesem Morgen allerdings nicht ganz so gut, das Wasser etwas aufgewühlter, aber wir haben wieder Glück: mit einer Manta-Sichtung.

Jeroen und Rayes, die etwas später dort schnorcheln, können sogar gleich drei Mantas im Formationsflug an sich vorbeiziehen lassen. Aber wir sind auch so mehr als zufrieden, ein solch majestätisches Tier zu sehen ist immer wieder ein Gänsehaut-Erlebnis.

Bei hochstehender Sonne fahren wir dann weiter nach Westen zum Tonnenstrich, biegen ab ins Fahrwasser Richtung Pass. Raus soll es aber erst morgen früh gehen, eine Nacht bleiben wir noch in Tikehau.

Direkt nördöstlichlich des Passes Tuheiava gibt es einen Ankerplatz, der durch ein fast Omega-förmiges Riff auch gegen den sich in der Lagune aufbauenden Ost-Schwell recht guten Schutz bietet.

Zeit, nochmal die Spielzeuge zu nutzen, bevor sie für die anstehende Passage Richtung Fakarava unter Deck verstaut werden müssen. Ralph leiht mir sein größeres 6qm-Wing, aber leider reicht für mich der Wind trotzdem nicht ganz zum Foilen. Dann halt Stand- und Langsamfahrt-Training.

Mit Ralph fahren Wiebke und ich noch per Dinghy durch den Pass, parken das Beiboot draußen an einer Boje und schnorcheln ein wenig. Ein riesiger Schwarm von bestimmt über tausend durchaus nicht kleinen Fischen ist etwa 20 m unter uns am Grund zu sehen. Die Fische stehen so dicht, dass ich sie zuerst überhaupt nicht als einzelne Tiere erkenne. Nur an den Rändern und wenn Bewegung hineinkommt wird es deutlicher.

Auf der Rückfahrt schnorcheln wir noch an einer Fischfalle im Pass. Sie scheint nicht mehr in Betrieb zu sein. Dennoch dreht ein grauer Riffhai in der Falle seine Runden. Vermutlich freiwillig, denn die Öffnung ist riesig.

Zurück zum Boot und alles klar machen für die vermutlich etwa anderthalbtägige Passage. Ganz sicher sind wir noch nicht, vielleicht biegen wir auch vorher nach Rangiroa oder Toau ab. Nach der Vorhersage wird es ein Amwindkurs bei leichten bis mittleren Winden werden, vielleicht müssen wir auch kreuzen. Das würde dann allerdings einen Zwischenstopp auf einer der anderen Atolle vor Fakarava wahrscheinlicher machen.

Für Flora wird es auch ein Test, wie die Stützkonstruktion für den schwächelnden Achterstagspanner unter Segeln funktioniert. Neben der bisherigen Talje aus 8 mm Dyneema habe ich jetzt noch eine weitere Talje aus 10 mm Dyneema geriggt. Doppelt hält (hoffentlich) besser.

Am Pool, im Pool, auf dem Pool!

Es beginnt nicht so richtig gut. Die Zerhackerpumpe des achteren WCs gibt den Geist auf, es steht also mal wieder eine echte Sch…-Reparatur an.

Ich lenke mich erst einmal mit einem Drohnenflug ab und es kommt, wie es kommen muss. Bedienfehler, Absturz am dicht bewaldeten Bergrücken. Oh nein! Das ist meine gute Drohne. Der Fernbedienung kann ich immerhin noch die letzte Position der Drohne entnehmen, aber das war über ziemlich unwegsamen Gelände.

Gemeinsam mit Wiebke, Andrea und Ingo wird eine zünftige SAR-Mission (Search and Rescue) gestartet. Die Ausrüstung umfasst neben der Fernbedienung (die der Drohne ein Piepsen entlocken sollte) auch Taschenlampe, Machete (für dichtes Unterholz) und Fernglas (falls sie noch oben in einer Astgabel hängt). Außerdem festes Schuhwerk.

An der letzten GPS-Position orientiert, fragen wir in einem Haus nach, ob wir durch den Garten in den dahinter liegenden Berghang einsteigen dürfen. Das wird uns zum Glück erlaubt und so klettern wir zu viert mit jeweils etwas Abstand den steilen und ziemlich rutschigen Hang hinauf.

Kaum zu fassen: da liegt sie.

Allerdings ist sie beschädigt, zumindest die Aufhängung des Gimbals ist gebrochen.

Um es abzukürzen: die Reparatur des WC ist aufwändig, weil der Ersatzmotor des gleichen Herstellers andere Dimensionen hat und wir mit den Befestigungen ziemlich improvisieren müssen. Aber immerhin, am Ende funktioniert es. Die versuchte Notreparatur der Drohne misslingt allerdings, die müssen wir wohl zur Herstellerreparatur einschicken.

Müssen wir jetzt etwa jeden Berg hinaufklettern um ein Übersichtsfoto von unseren Booten am Ankerplatz zu bekommen?

Machen wir bei einem weiteren Dinghyausflug zu den Marae Taputapuatea mit einer Wanderung hoch zum Pointe Atiapiti und es ist schön. Aber zum Glück habe ich ja auch noch die Dji-Mini-III-Drohne als Backup.

Und mit der entstehen dann diese Aufnahmen von unserem nächsten Ankerplatz vor dem Motu Oatara (im Hintergrund liegt Huahine):

Wir ankern an der Kante zum tiefen Wasser, aber der Anker liegt bereits auf dem sandigen Flach. Hier ist es (vom Dinghy aus mit dem Handlot zuvor gemessen) nur wenig tiefer als unsere Flora mit ihren 2 m Tiefgang benötigt, insofern trauen wir uns nicht weiter auf die kilometerbreite Sandflächen herauf. Aber es ist ein Traum, bei diesem ruhigen Wetter hier zu liegen. In der Sonne zaubern die kleinen Wellen helle Swimmingpool-Muster auf den Sandgrund, ein leuchtend türkises Schwimm-Paradies. Bei Herumschwoien bleibt dann gerade so die berühmte Handbreit unterm Kiel der Flora. Wenn sie sich bei Niedrigwasser ganz sanft den Bewuchs unterm Kiel wegschubbert, auch nicht schlecht.

Kein Wind, keine Welle. Und diese unfassbaren Farben:

Zum Sundowner-Abendessen lädt uns die Easy One ein, es gibt super leckere Pizza vom Heckgrill mit Pizzastein. Mit Christina und Uwe findet sich dazu auch die Crew der Diamond Sea ein. Wir drei Crews kennen uns schon aus der gemeinsamen Corona-Zeit mit etwa zehn Booten in der kleinen Carlisle Bay auf Antigua.

Kaum zu glauben: Mareike mit ihrer Moana, die im März 2020 auch in der Carlisle Bay dabei war, kommt am nächsten Tag auf Raiatea an. Und mit der Wasabi von Andrea und Hans-Jörg liegt ein weitere deutsches Boot in der Nachbarbucht.

Nebenbei: so päsentiert sich der aufgehende Vollmond über dem Motu Oatara:

Wandern auf Moorea und Wassermacherarbeiten

Unsere letzte Wanderung auf Moorea (noch vor dem Heimaturlaub) hatten wir ja leider wegen meiner Beinverletzung vorzeitig abbrechen müssen.

Jetzt holen wir die große Runde dieses Spaziergangs nach. Das Wetter passt gut, durch die Wolken ist es nicht so heiß, aber von Regen bleiben wir auf der Wanderung verschont.

Der Weg führt am Rand der steilen Berge langsam hügelauf zunächst durch Wald und dann durch weite Ananasfelder.

Anderen Wanderern begegnen wir nicht, aber über die Feldwege holpern hin und wieder Trucks mit Arbeitern in die Felder. Mit der Machete kämpfen sie sich durch die Plantagen mit den harten stacheligen Ananaspflanzen. Wir sehen sie nicht bei der Ernte, vielmehr kappen sie dem Knöterich ähnelnde Pflanzen, die die Ananasfelder überwuchern.

Wunderschön ist, dass wir die farbenfrohe Entwicklung der Ananas in allen Stadien bestaunen können. Die zu den Bromeliengewächsen zählende Pflanze bildet zunächst Blütenstände aus, bei denen aus rötlichen Hochblättern mehrere blau-lilane Einzelblüten herausschauen.

Aus diesen Blütenständen entwickelt sich dann die eigentliche Ananas-Frucht.

Zunächst noch grün, zur Reife hin wechselt die Fruchtfarbe ins goldgelbe und die charakteristischen Schopfblätter am oberen Ende der Frucht prägen sich stärker aus.

Es ist faszinierend, durch diese Kulturlandschaft zu wandern, die sich am flacheren Saum der steilen Bergklippen entlangzieht.

Als wir langsam etwas höher hinauf kommen, wechseln auch die angebauten Pflanzen. Unser Weg führt uns durch eine Bio-Farm.

Neben natürlich Bananen, Limetten und Pampelmusen sehen wir am Wegesrand unter anderem

Kaffee
Kakao
Stachelannonen (Sauersack)
Noni
und Papaya.

Zwischendurch führt unser Weg aber auch immer wieder durch Waldstücke und lässt uns durch Bäche waten.

Eine herrliche Wanderung von gut 8 Kilometern.

Zurück am Boot wartet noch etwas Arbeit. Der Wassermacher soll nach der Pause wieder in Betrieb genommen werden. Das wäre eigentlich ganz einfach: die Konservierungsflüssigkeit ausspülen, noch etwas laufen lassen und es könnte wieder Trinkwasser produziert werden.

Eigentlich. Aber zunächst mal fördert die Zubringerpumpe deutlich zu wenig Wasser. Das ist vergleichsweise einfach zu lösen, der Filter am Seeventil (etwas unglücklich im Motorraum zwischen Motor und Generator versteckt) hat sich mit einer festen Kruste ziemlich zugesetzt. Wir bauen ihn aus, reinigen ihn in Essiglösung und Herausforderung 1 ist gelöst. Zeit für Problem 2: jetzt spritzt beim Einschalten ein Wasserstrahl hinter dem Bedienpanel des Wassermachers hervor. Also Panel ausbauen und die Quelle lokalisieren.

Die Rostspuren zeigen, dass dieses Problem wohl schon etwas länger bestand und nur jetzt schlimmer geworden und dadurch aufgefallen ist. Tatsächlich hat die Druckanzeige an der Schraubverbindung ein kleines Loch. Glück im Unglück: die Anzeige hat zudem auch langsam etwas von ihrer Glycerinfüllung verloren. Ich hatte deshalb in Papeete ein Ersatzteil gekauft. Das kann ich jetzt einbauen (natürlich nur, nachdem wir einmal mehr das Vorschiff leer geräumt haben, um a den Stauraum heranzukommen).

Aber fein, der Wassermacher funktioniert wieder.

😅

Phänomenal.

Wir sind wieder auf der Flora. Der Weg dorthin: Montag morgen um 10.00 Uhr bringt uns Chief Jan zum Flughafen in Hamburg. Wir checken unser Gepäck ein, wider Erwarten gehen beide großen Taschen und auch die beiden großen Trecking-Rucksäcke als normales Gepäck (kein Sperrgepäck) durch. Um 12.15 Uhr der Flieger nach Paris, dort wie geplant relativ langer Aufenthalt, erst am Abend geht es weiter. Was für ein Phänomen: den ganzen Rest der Reise fliegen wir praktisch durch die Nacht. Sowohl die 11 Stunden nach Los Angeles als auch die nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt weiteren 9 Stunden nach Papeete sind eine einzige, fast dreiundzwanzigstündige Nacht. Die Erddrehung und daraus folgend die zwölfstündige Zeitverschiebung machen es möglich. Wir schlafen dadurch recht viel auf diesen Flügen. Genau zum Sonnenaufgang kommen wir in Papeete an.

Bei der Einreise gibt’s zum Glück kein Problem mit dem Zoll und so sind wir kurz darauf mit unserem ganzen Kram schon an der Flora.

Nicht nur, dass sie unversehrt auf uns wartet (schon das eine große Erleichterung 😅). Obwohl wir quasi mit leeren Taschen nach Deutschland geflogen sind, bringen wir tatsächlich fast alles in den eigentlich schon vollen Schränken und Schapps unseres Bootes unter. Es erinnert ein bisschen an Hermine Grangers magische Handtasche, als wir Gegenstand um Gegenstand verstauen, obwohl doch eigentlich kein Platz mehr frei zu sein scheint. Lediglich das neue Wingfoil samt Board wandet erst einmal unausgepackt mit Tasche ins Vorschiff.

Sehr schön: die Persenning-Spezialisten von “Sellerie Marine” in Papeete haben in unserer Abwesenheit sowohl die neuen Cockpit-Poster als auch die Befestigung für zusätzliche Solarpanele auf dem Bimini fertiggestellt und am Tag vor unserer Ankunft aufs Boot gebracht. Kleinere Optimierungen erledigen sie dann direkt am nächsten Tag, wir sind begeistert.

Die Kabel muss ich noch anschließen, aber dafür erst eine neue Borddurchführung installieren.

Am Tag nach unserer Ankunft sollte sich am Himmel eigentlich ein Naturphänomen in Form einer ringförmigen Sonnenfinsternis zeigen. Frühmorgens versteckt sich die Sonne in der Taina Marina allerdings noch hinter den hohen Bergen von Tahiti, als sie über den Gipfeln auftaucht ist es bereits zu spät. Schade.

Das nächste Phänomen ist dann allerdings noch weniger erfreulich für uns. Wir füllen die Frischwassertanks auf, duschen. Und stellen dann leider fest, dass das Filtergehäuse des Carbonfilters im Frischwasserkreislauf undicht ist. Wieso geht das in Abwesenheit (und bei abgestelltem Frischwasserkreislauf) in einer definitiv frostfreien Umgebung kaputt? Nicht ärgern, nur wundern.

Der erste Trip aus der Marina Taina in die Stadt Papeete führt also zu den Bootsausrüstern. Tatsächlich finde ich ein fast identisches 10 Zoll Filtergehäuse, wie das alte “Made in Italy” und dunkelblau, optisch ziemlich identisch. Leider muss ich an Bord dann feststellen, dass es das wohl schon war mit den Gemeinsamkeiten. Die Halterung passt nicht, ich muss die (zum Glück enthaltene) neue montieren. Bootsyoga im Motorraum. Die Anschlussgewinde für die Wasserleitung haben ebenfalls eine andere Größe. Zurück in die Stadt, Adapter kaufen. Bei der Montage eines der Whale-Verbindungsstücke (Whale Stecksystem) zu fest angezogen: knack, nach fest kommt lose. Zum Glück Ersatz an Bord. Mit Adapter passen jetzt aber die festen alten Plastikrohre nicht mehr, sie sind jetzt gut einen Zentimeter zu kurz. Ersatz als Meterware und ein Spezialschneider dafür ist an Bord, allerdings in den Tiefen des Vorschiffs, das dafür komplett leer geräumt werden muss. Murphy’s Law. Aber am Ende wird alles gut. Ist es noch nicht gut, ist es halt noch nicht das Ende.

So ähnlich läuft es auch mit der Montage des von Lewmar reparierten und nach Hamburg geschickten Autopiloten. Dieser “Mamba-Drive” ist unser Zweit-Autopilot, auf den wir umschalten können. Der Antrieb im Motorraum ist schnell montiert, aber beim elektrischen Anschluss hakt es dann.

Die Kabel passen einfach nicht. Zwei der vier Kabel reichen nicht aus dem Motorraum hinaus, aber dort sind keine Anschlüsse. Das kann doch nicht sein! Beim Detailstudium der bei der Demontage gemachten Fotos kommt die Erleuchtung: Lewmar hat bei der Reparatur die beiden bei der Originalmontage offenbar verlängerten Kabel gekappt. Da muss man erst einmal drauf kommen. Kabel wieder verlängert, jetzt passt es wieder und besteht auch den ersten Funktionstest.

Langweilig wird es auch bei den nächsten kleineren Bootsarbeiten (neue Steckdosen, Endstücke Vorhangschienen austauschen, Knöpfe am Gasherd erneuern etc.) nicht, aber so ist das nunmal. Und noch mehr Kleinkram wartet, dafür haben wir ja schließlich die Ersatzteile mitgebracht.

Was liegt sonst noch an? Einkaufen. Papeete bietet in ganz Französisch Polynesien die besten Möglichkeiten zur Verproviantierung. Und da wir ja noch mehr als ein halbes Jahr vor allem die abgelegeneren Inseln besuchen wollen, ist einiges an Vorrat gefordert. Der Hyper U und auch der große Carrefour werden mehrfach besucht und erleichtern unsere Reisekasse. Dafür sinkt Floras Wasserpass tiefer ein. Besonders freut uns, dass wir im “Maxi”-Markt vergleichsweise preiswerte Großpackungen von Kirkland/Costco finden: Nüsse (sogar Paranüsse), Mandeln, Mandelmehl, Trockenfrüchte, Müsliriegel und einiges mehr können wir dort einkaufen.

Mit dem Einkaufen allein ist es allerdings nicht getan, Fleisch und Hack wollen auch noch eingekocht werden, um ohne Einfrieren haltbar zu sein:

Und das Wetter? Ziemlich viel Wind und Welle derzeit. Unser Liegeplatz im offenen Hafen der Taina Marina ist eigentlich nur durch das weiter draußen vorgelagerte Riff geschützt. An dem aber bricht sich die Brandung jetzt so hoch, wie wir es vorher noch nicht gesehen hatten. Insbesondere bei Flut schaukelt Flora deshalb auch hier im Hafen ganz ordentlich.

Aber am Montag könnte sich ein Wetterfenster ergeben, um nach Moorea zu segeln und dort hinter der Insel ein paar Tage Schutz zu finden. Und dann würden wir gerne erst einmal weitersegeln nach Huahine, bevor es dann von dort in die Tuamotus gehen soll.

Phänomenale Aussichten 😎.

Heimaturlaub

Es klappt. Nach längerer Fehlersuche stellt sich heraus, dass der Elektrowurm gar keiner ist. Weder Kabel noch Schalter sind Schuld, dass der Watermaker nicht funktioniert. Wieso haben wir das nicht gleich gemerkt? Weil unser Multimeter einen Defekt hat. Es zeigt fälschlich an, dass keine Spannung am Watermaker anliegt. Tut sie aber doch, was ich erst herausfinde, nachdem ich von den Davits Stromkabel zum Watermaker lege, der aber trotzdem keinen Mucks tut. Misstrauisch geworden, messe ich mit einem anderen Multimeter. O.k., dann liegt das Problem im Watermaker selbst. Ich baue den Elektromotor aus, der die Hochdruckpumpe antreibt. Wir wechseln dessen Kohlebürsten und er schnurrt wieder. Problem gelöst.

Chaos in der Achterkoje. Der Watermaker ist im Stauraum unterm Bett eingebaut. Da muss erstmal alles raus.

Ausgebauter Elektromotor

… und dessen Kohlebürsten. Links die beiden Übeltäter, rechts die Ersatzteile.

Nachdem alles wieder eingebaut ist, können wir den Wassermacher konservieren. Unserer Abfahrt steht nichts mehr im Weg, wir können beruhigt nach Hamburg fliegen.

Ein vorerst letzter schöner Sonnenuntergang über Moorea:

Und früh am nächsten Morgen geht’s per Taxi zum Flughafen von Papeete.

Zur Info: das (ziemlich internationale) Wort Information hat 11 Buchstaben, seine tahitianische Übersetzung 16. Mehr als die Hälfte davon sind A. Es gehört schon einiges dazu, in einem Wort mit 16 Buchstaben neunmal den Buchstaben A unterzubringen:

Man muss Französisch Polynesien einfach lieben. Wir sagen trotzdem erstmal Tschüss 👋 (auf tahitianisch: nana),

… genießen in der Wartezeit noch einen Abschiedskaffee im Freiluft-Wartebereich am Terminal …

… und dann geht’s los.

Chief Jan holt uns in Hamburg vom Flughafen ab. Der nächste Freiluft-Kaffee ist dann schon auf unserer Dachterrasse in Winterhude nach knapp 30 Stunden Reisezeit. Hört sich lang an. Oder der aber vielleicht auch kurz, wenn man bedenkt, dass wir für die Reise NACH Papeete ja über fünf Jahre gebraucht haben.

Schön, mal wieder im anderen Zuhause zu sein.

😁

Ka.. und Hack-Tag

Ab und zu erwischen wir einen gebrauchten Tag. Das ist so einer.

Der Morgen beginnt damit, dass die achtere Toilette nicht richtig abpumpen will. Kommt nicht plötzlich, aber jetzt ist definitiv Zeit, mehr zu tun als mit Kalklöser zu spülen. Die erste Aufgabe des Tages ist also eine der beliebtesten an Bord überhaupt. Die Schläuche vom WC abbauen, das „Joker-Valve“ genannte Rückschlagventil säubern oder tauschen und in diesem Fall noch etwas mehr.

Der Schlauch zum Abpumpen hat sich bis auf einen Bruchteil seines Durchmessers mit Kalkstein zugesetzt. Der muss raus, mechanisches Schlagen auf den Schlauch ist die bewährte Methode dafür.

Nachdem alles wieder eingebaut ist und funktioniert, setzen wir das Großsegel im zweiten Reff und stecken Floras Nase aus der Bucht. Nicht lang danach rollen wir das Segel wieder ein. Wind um die 20 kn war angesagt, aber am Südkap von Tahuata werden wir regelrecht verprügelt. Kapeffekt wie aus dem Buche. Böen bis 40 kn, dazu 3 bis 4 Meter Welle. Nicht genau von vorn, aber eben doch in einem spitzen Winkel.

Als wir endlich ums Kap rum sind, kommen Wind und Wellen immer noch schräg von vorn, nur auf dem anderen Bug. Flora macht das prima, aber ein Vergnügen ist es trotzdem nicht. Erst etwa 5 Meilen später können wir endlich segeln und die Bedingungen werden etwas moderater.

Nur stellen wir fest, dass wir uns mehrere Befestigungen unserer Kuchenbude (Cockpitzelt) abgerissen haben, ein blöder Bedienfehler. Und unter Deck hat sich eine Schüssel so unglücklich unter den Wasserhahn geschoben, dass der Wasserfluss ausgelöst wurde. Zwar ins Becken der Spüle, aber wir haben etwa 200 Liter kostbares Frischwssser durch den Abfluss gejagt. Wie dämlich.

Ein schöner Mahi Mahi an der Angel scheint die Unglückssträhne versöhnlich zu beenden.

Aber als wir kurz darauf endlich in Atuona auf Hiva Oa ankommen, ist der Ankerplatz vor der Mole komplett untauglich. Die dort liegenden Boote machen Bocksprünge und Schaukelübungen, dass es uns schon vom Zuschauen schlecht wird.

Hinter der Mole ist es nur etwas ruhiger, aber natürlich rappelvoll. Wir zwängen uns in eine Lücke, stecken weniger Kette als gewohnt und eigentlich gewünscht und kommen so tatsächlich keinem unserer Nachbarn ins Gehege (nahe aber schon). Das bedeutet Ankerwache für die Nacht, einer von uns ist stets im Cockpit und wach.

Warum das alles?

Jetzt kommt das Gute! Wir bekommen Besuch. Unser Patenkind Jannik hat den langen Flug (Frankfurt/Paris/Los Angeles/Papeete/Hiva Oa) auf sich genommen und wir holen ihn hier ab.

Auf den ziemlich gebrauchten Tag folgt also ein nagelneuer, sehr schöner.

Abschlepp-Aktion vor der Ankunft: Tag 24 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Landfall mit Hindernissen

Die letzte Nacht vor der Ankunft beginnt mit einem Schock. Allerdings für Jeanette und Jeroen sicher mehr als für uns. Mit Beginn der Dämmerung erhalten wir einen Anruf von unserem Buddyboat. Die etwas hinter uns liegende Fidelis hat einen Getriebeschaden, der Motor ist nicht einsetzbar.

Es sind noch gut 40 sm bis zur Ansteuerung der Riffdurchfahrt, derzeit ist – wenn auch nur leichter – Segelwind. Also vereinbaren wir, dass wir zunächst ein Reff einbinden, damit sie weiter zu uns aufschließen können. Falls möglich, wollen wir die Boote bis kurz dem Pass segeln. Dann soll Flora die Fidelis in Schlepp nehmen. Allerdings ist weiter abnehmender Wind vorhergesagt. Für den Abend unseres Ankunftstages allerdings kündigen sich kräftige Gewitter an, allzu spät sollten wir nicht dort sein.

Bis 4.00 Uhr segeln wir, dann ist völlige Flaute. Noch gut 20 sm bis zum Pass. Fidelis ist jetzt aber nur noch 2 Meilen von uns entfernt. Über Funk vereinbaren wir den Versuch, doch bereits in der Dunkelheit eine Schleppverbindung herzustellen. Eigentlich möchte ich die Zugkraft mit einem Hahnepot auf unsere beiden Heckklampen verteilen, aber von dieser Vorstellung muss ich wieder Abstand nehmen. An Steuerbord würde unmittelbar am Propeller des Außenborders entlanglaufen, zu gefährlich. Und selbst wenn wir den Außenborder hochklappen oder gar (unterwegs im Dunkeln aufwändig) abnehmen, würde die Hahnepot auf Höhe der Unterkante unseres Dinghies verlaufen. Nicht gut. Die See ist ruhig, da sollte die massive durchgebolzte Backbord-Heckklampe unserer Hallberg-Rassy 43 auch mit den Zugkräften der 54 ft Amel klarkommen (hoffen wir).

Wiebke manövriert uns dicht an die Fidelis heran und ich werfe eine dünne Leine hinüber, an deren Ende ich unsere 50 m lange Heckankertrosse geknotet habe. Letztere befestigt Jeroen am Bug der Fidelis und dann beginnt die Schleppfahrt.

Angenehmer ist es natürlich, als es zwei Stunden später langsam hell wird und sich vor uns auch die Gambier-Inseln abzuzeichnen beginnen.

Es ist unmöglich, die Schleppleine permanent unter Last zu halten. Auch wenn die Wellen niedrig sind, zwei Dünungen laufen hier aus verschiedenen Richtungen um die Nordspitze des Gambier-Riffs herum. Laut Windy sind die derzeit zwar nur 1,6 und 1,2 m hoch. Manchmal heben sie sich fast auf, manchmal addieren sich die Höhen. Aber jedenfalls sorgen sie eben doch dafür, dass die Schlepptrosse unregelmäßig Lose bekommt oder sich strafft. Wir müssen aufpassen, dass Fidelis leicht nach Steuerbord versetzt hinter uns bleibt, damit die Trosse beim Hochschnellen nicht unter unsere Rettungsinsel knallt.

Insbesondere beim Einlenken in den Pass und den folgenden scharfen „Linkskurven“ bei der Durchfahrt der inneren Riffe zum Ankerplatz vor Rikitea auf Mangareva ist das wichtig.

Das Fahrwasser ist gut betonnt. Aber Achtung: die Betonnung folgt hier in Französisch Polynesien wieder dem zu Hause in Europa verbreiteten System A (einlaufend rot an Backbord) und nicht wie zuletzt System B (Red Right Return).

Es ist anstrengend, keine Frage. Das Abschleppen reibt an den so kurz vor dem Ende der Passage ohnehin überstrapazierten Nerven, aber es ist eben auch Teil der gelebten Seemannschaft und des Abenteuers, das mit einer solchen Ozeanpassage einher geht. Und: alles klappt gut, wir kommen sicher am Ankerplatz vor Rikitea an.

Das dann unsere Ankerwinsch mitten im Manöver in Streik geht und die Sicherung durchbrennen lässt hätte jetzt eigentlich nicht sein müssen, aber wir finden einen Workaround und bringen das Manöver zu Ende, ersetzen dann die Sicherung und werden uns vielleicht morgen um den Fußschalter kümmern, den wir als eigentliche Ursache verdächtigen.

Strecke bis zur Ankunft: 86 sm, damit gesamt auf dieser Passage: 3.048 sm, unsere zweitlängste Passage bisher auf der gesamten Reise.

Ankunft war um 13.00 Gambierzeit (wir sind jetzt 10 Stunden hinter der deutschen Zeit). Einschließlich der durch die beiden Zeitzonen gewonnenen zwei Stunden waren wir also 24 Tage und 4 Stunden (=580 Stunden) unterwegs. Das macht 5,25 kn Durchschnittsgeschwindig-keit. Wohl der niedrigste Wert unserer bisherigen Hochseepassagen, und doch sind wir damit sehr zufrieden. Denn zum einen haben wir es damit geschafft, praktisch die kompletten Tropen von Nord nach Süd mit nur 43,4 Motorstunden zu durchfahren, wovon ja auch noch gut 8 Stunden auf das Schleppen entfallen. Vor allem aber haben wir es mit dem teilweise bewusst langsamen Segeln geschafft, alle Gewittergebiete auf dem Weg zu umschiffen.

Ankommenschluck mit der Crew der Fidelis

Wir sind ein bisschen erschöpft, glücklich und wir freuen uns darauf, mal wieder eine ganz Nacht durchzuschlafen.

🥱😴💤

Na ja, mal schauen ob das inzwischen für den frühen Morgen vorhergesagte Gewitter das zulässt, aber deutlich lieber hier als unterwegs.

Tag 19 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Alles Blau, aber nicht blau machen.

Rekord Etmal (so wenig hatten wir noch nie): 80 sm, gesamt auf der Passage bisher 2.593 sm, noch knapp 500 sm bis zur Ansteuerung des Westpasses zum Gambier Archipel.

Gestern mussten wir noch extra Reffs einbinden, um langsam unterwegs zu sein. Heute erledigt die Natur die Drosselung der Geschwindigkeit: der Wind ist fast komplett weg. Flora dümpelt unter Vollzeug durch die blaue Blase. Und weil wir ja gar nicht schneller sein wollen, genießen wir das Bummel-Segeln mit selten mehr als 3 kn.

Ein Tag zum „blau machen“ ist es aber trotzdem nicht. Die Flaute will schließlich genutzt sein, um sich das Unterwasserschiff mal anzusehen, zumal am Heckspiegel vom Deck aus erste Entenmuscheln sichtbar sind.

Also Segel weg, Taucherbrille und Flossen her. Mitten auf dem Ozean hinein in das ein paar tausend Meter tiefe unendliche Blau. Unser Freund Uwe vergleicht es mit einem Weltraumspaziergang von der Raumkapsel aus und ein bisschen abenteuerlich fühlt es sich tatsächlich an, raus aus der gewohnten Welt. Allerdings ist ja auch ein Weltraumspaziergang für die Astronauten zumeist ein Arbeitseinsatz mit erschwerten Bedingungen in der Schwerelosigkeit.

Und schon auf der Badeleiter gibt’s den Schock. Da sind nicht nur ein paar Entenmuscheln im Spülbereich um den Wasserpass, eher sieht es aus wie eine Aufzuchtstation:

Und dann der Entenmuschelwald darunter:

Vielleicht ist unser Coppercoat am Ende seiner Wirkzeit angelangt. Es wurde immerhin schon vor neun Jahren aufgebracht, vor nun 5 Jahren haben wir es aufarbeiten und vier weitere Schichten auftragen lassen. Oder aber die Entenmuscheln sind bei ihrem Haftgrund komplett unempfindlich. Eventuell ist auch eine Kombination von beidem. Das Unterwasserschiff klettert auf Floras Projektliste jedenfalls nach oben.

Wie auch immer, ich rücke Floras unerwünschten Unterwasser-Mitseglern mit einem Schaber (Eiskratzer aus dem Autozubehör) auf die Pelle. An einem mittschiffs befestigten Seil halte ich mich fest, schäle die Biester ab. Lediglich Reste der Kalkfüßchen bleiben noch kleben, um die kann ich mich dann aber irgendwo am Anker mal kümmern.

Der kleine Schwarm Fische scheint ein bisschen traurig, als nach einer Dreiviertelstunde sein Versteck weitgehend verschwunden ist, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Das soll ein Unterwasserschiff sein und kein Unterwasserriff.

Wiebke hüpft auch noch mal in das weite Blau:

Dann nehmen wir die Segel wieder hoch und dümpeln weiter Richtung Gambier.

Ach ja, das ruhige Wetter hat natürlich noch weitere Vorteile. Ich komme tatsächlich dazu, mit dem Sextant etwas zu üben – das Gerät wie empfohlen hin und her schwenkend – die Sonne auf die Kimm zu setzen und einen Wert abzulesen.

Eigentlich wäre der nächste Schritt jetzt der Versuch der Ermittlung einer Mittagsbreite und dann der Versuch der Bestimmung der Mittagslänge aus zwei gleichen Höhen. Weil ich aber kein nautisches Jahrbuch dabei habe, muss ich das wohl noch auf später verschieben und erstmal weiter die Handhabung üben.

Essen: super leckere Fisch-Tacos (die absolut besten hier vor Ort!) unter Verwendung der letzten grünen Paprika.

Heute Morgen außerdem Rührei mit Chorizo und Schinken zum Frühstück.