Tag 5 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

5 Tage sind wir unterwegs. Echt, fünf Tage schon? Eine ganze Arbeitswoche?

Herrliches Passage-Wetter. Wir laufen bei blauem Himmel durch eine nur mäßig bewegte See. Haben angefangen, uns “The Cruise of the Snark” von Jack London vorzulesen. Zum einen, weil Jack London so ein begnadeter Erzähler ist, zum zweiten, weil der autobiografisch geprägte Törnbericht seiner 1907 gestarteten Segelreise auf seinem eigens dafür gebauten Segelboot ohnehin spannend ist und zum dritten, weil der Törn dann auch noch von San Francisco (über Hawai’i) in die Südsee führt. Ist also Bildungs-Lektüre in mehrfacher Hinsicht und zugleich auch eine tolle Erinnerung an bereits besuchte Orte.

Thema Besuch: auch heute gibt’s wieder mehrfach Delfinvisite. Dieses Mal sind es die auffällig gefleckten Schlankdelfine, die besonders ausgiebig um Floras Bug spielen. Oft kommen sie rasend schnell von der Seite her angeschossen, um dann vor dem Bug abzubremsen und sich mit Bugströmung eher gemächlich treiben zu lassen.

Und wir? Akklimatisieren uns weiter an die steigenden Temperaturen, die im Boot inzwischen locker die 30 Grad übersteigen. Das Brotbacken habe ich deshalb schon auf die Nachtschicht verlegt, so gibt es heute morgen herrlich frisches Roggenvollkornbrot.

Schön ist auch, dass die Fidelis in ziemlich gleichem Tempo wie die Flora unterwegs ist, so bleiben wir in UKW-Funkreichweite. Das lässt sich auch auf Noforeignland gut verfolgen.

Etmal heute 139 sm, gesamt auf dieser Passage 627 sm, rechnerisch verbleiben bis Gambier 2.673 sm.

Tag 4 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Es ist warm geworden. Man merkt deutlich, dass wir wieder in den Tropen sind. Von gut 23 Grad Celsius in Mexiko ist die Wassertemperatur in diesen vier Tagen auf jetzt 28 Grad angestiegen, die Lufttemperatur entsprechend auch.

Zeit für eine Eimerdusche auf dem Achterschiff 😁

Delfinbesuch gab es übrigens auch heute wieder.

Der Wind ist noch immer nicht sonderlich stark, aber mit einer kräftigeren Phase in der Nacht hat es für ein Etmal von 135 sm gereicht, gesamt gesegelt auf dieser Passage somit 488 sm, bis zu den Gambier sind es noch 2.812 sm.

Wir halten allerdings gegenüber der direkten Strecke ein ganzes Stück nach Osten vor, so dass die Strecke insgesamt länger als die kalkulierten 3.300 sm werden dürfte. Derzeit sieht es so aus, als könnte sich am Wochenende eine Durchsegelmöglichkeit durch den Kalmengürtel auftun, das wäre natürlich ideal. Es ist wohl noch zu früh, um das sicher vorhersagen zu können. Ein weit östlicher Startpunkt würde uns aber ermöglichen, zur Not nördlich parallel zu den Kalmen zu segeln und ein Stück weit auf ein passendes Fenster zu warten. Außerdem wird uns der Südäquatorialstrom später noch weiter nach Westen versetzen. Kommen wir zu weit nach Westen, wird es schwierig, die Gambier anzulegen, Plan B wäre dann ein Landfall auf den Marquesas.

So, Schluss für heute mit den taktischen Überlegungen, aus der Pantry weht der Geruch von warmem Senfkartoffeln mit Salat und (unserem letzten frischen) Fisch hoch. Die Angel ist draußen.

Tag 2 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

In der Aufbruchstimmung vergessen:

Am Ankerplatz der Bahía San José del Cabo gab es zum Abschied von Mexiko noch ein neues „erstes Mal“ für uns. Den ganzen Tag über hatten wir viele Buckelwale gesehen. Aber dann, am stillen Ankerplatz unter Deck, konnten wir sie SINGEN HÖREN. Was für ein Erlebnis.

Nicht minder schön: das Wetter hat sich deutlich gebessert, aus den kleinen blauen Flecken zwischen all dem Grau ist ein blauer Himmel mit weißen Tupfern geworden.

Die Stimmung an Bord ist gut, der vergleichsweise ruhige Start mit glatter See hat uns gute Gelegenheit gegeben uns langsam einzugewöhnen. Auch wenn die Wellen inzwischen etwas zunehmen, wir beide haben in der zweiten Nacht auf unseren jeweiligen Freiwachen schon viel besser geschlafen.

Die jeweilige Wache hatte dafür das Vergnügen, an Backbord voraus das Kreuz des Südens am Sternenhimmel bewundern zu können, denn der Halbmond sorgt jetzt in der Nacht für genug Licht zur Orientierung und lässt doch gleichzeitig den Himmel dunkel genug für die Sternenbeobachtung.

Etmal: 123 sm, also noch etwa 3.054 sm bis nach Rikitea (wir behalten also die Gambier als Wunschziel bei).

Tag 1 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Es sieht ein bisschen so aus, als wolle Mexiko uns den Abschied leicht machen. Grauer Himmel, Nieselregen. Wir bauen noch die Kuchenbude auf, dann lichten wir den Anker und machen uns gemeinsam mit der Fidelis auf den Weg.

(Foto-Credit: Jeannette / Fidelis)

Wir versuchen, auf kürzestem Weg aus dem Schwachwindgebiet am Cabo San Lucas heraus zu motoren, deshalb geht es erst einmal nach Südosten. Tatsächlich können wir nach einer knappen Stunde dann segeln. Nach drei Stunden müssen wir noch einmal 90 Minuten durch eine kleine Flaute motoren und ab da bleibt es beim Segeln, auch die Nacht hindurch. Oft mit schwachen und wechselhaften Winden, aber immerhin. Unser Code0 leistet gute Dienste. Bei der glatten See ist es trotz wenig Wind überwiegend angenehmes Segeln.

In der Nacht nehmen die Wellen etwas zu, der Großbaum ruckelt und knatscht auf diesem für den Bullenstander etwas zu spitzen Kurs. Wir rollen das Groß ein und fahren nur unter Code0, jetzt ist es ruhiger und die Freiwache kann besser schlafen. Und morgens um fünf setzt sich dann wie vorhergesagt kräftigerer Wind durch. Wir ändern den Kurs auf jetzt 200 Grad und wechseln auf Schmetterlingsbesegelung.

Kurz darauf eine Schrecksekunde: der Code0 ist auf seinem Antitorsionskabel nach oben gerutscht und steht nicht mehr richtig.

Die ziemlich dünne Lasching, mit der der Segelhals an der Rolle verzurrt war, ist gerissen. So können wir das 80 Quadratmeter große Segel nicht einrollen und natürlich lassen ein paar dunkle Wolken punktgenau den Wind auffrischen.

Mit einer Leine sichere ich das Segel gegen weiteres Hochrutschen. Dann riggen wir eine Talje, ziehen das Segel auf dem Antitorsionskabel ein Stück wieder herunter und erneuern die Lasching provisorisch mit einem kräftigeren Stropp.

Jetzt lässt sich der Code0 einrollen, wir nehmen ihn herunter und erneuern nochmals die Lasching. So sollte es gehen.

Heute Mittag haben wir 123 sm zurückgelegt. Kein besonders hohes Etmal, aber in Anbetracht der Verhältnisse sind wir mehr als zufrieden.

Ein guter Start und jetzt zeigen sich auch erste Wolkenlücken.

Der Stimmungsmix vor dem Start zur Ozeanpassage

Es scheint sich nicht zu ändern. Vor einer längeren Passage stellt sich bei uns Unruhe ein. Eigentlich sind die Einkäufe längst erledigt, die Vorrats-Schapps sind prall gefüllt. Diesel- und Wassertank randvoll. Aber man könnte doch noch …

Das Boot nochmal durchgecheckt.

Die verschiedenen Wetterberichte werden ein ums andere Mal hin und her abgewogen. Für die Abfahrt sieht es gut aus, aber was kommt da in ein paar Tagen? Oder umgekehrt: erst durch das Schwachwindfeld hinter dem Kap hindurch motoren und dann aber den guten Wind haben? Das Beste aus beiden Welten scheint es jedenfalls in nächster Zeit nicht zu geben.

Es ist ja nun nicht unsere erste Ozeanpassage. Aber die Entfernung ist deutlich länger als auf der Atlantiküberquerung von den Kapverden in die Karibik (2.200 sm) oder auf der Passage von den USA zurück nach Antigua (1.700 sm, unserem bisher härtesten Törn). Auch die 1.000 Seemeilen von Panama nach Galapagos wird sie locker knacken, sogar die 2.600 Meilen von Hawai’i nach Alaska, unseren bislang zweitlängsten Törn. Die 4.300 Seemeilen von Galapagos nach Hawai‘i sollten allerdings mit etwa 1.000 sm Abstand unser Rekord bleiben.

Aber ganz schlicht: wir sind nervös. Zugleich voller Vorfreude und Erwartung, aber auch mit Schüben von Unsicherheit und Bedenken. Das Herz puckert.

Was kommt auf uns zu? Ozeansegeln. Tage und Nächte in der scheinbar unendlichen Weite. Mal so, mal so, mal noch ganz anders.

Traumhafte Sternenhimmel, demnächst auch wieder mit dem Kreuz des Südens. Aber auch: sicher drei bis vier Wochen auf der Dauerschaukel und im Drei-Stunden-Takt. Kein gemeinsames Einschlafen, kein gemeinsames Aufwachen. Die ersten Tage mit diesem Wache/Freiwache-Rhythmus sind immer ziemlich anstrengend, danach wird es besser. Und sonst? Es geht wieder über den Äquator, also durch die Kalmenzone mit ihren Flauten und Gewitterzellen. Und die Route quert den derzeit drei Knoten schnell fließenden und dabei zum Teil über 800 km breiten Süd-Äquatorialstrom. Flora wird also auf über 400 Meilen mit drei Knoten nach Westen versetzt. Aber es heißt auch wieder segeln durch den Nordostpassat und den Südostpassat in der anderen Hemisphäre, so uns denn trotz El Niño Passatwinde beschert sein sollten. Taktisch wird es jedenfalls unsere bisher anspruchsvollste Passage und die Anspannung dazu macht sich eben auch schon breit.

Aber es geht ja auch nicht irgendwo hin. Die SÜDSEE lockt und wir freuen uns darauf, ihrem Ruf zu folgen. Allein der Klang des Wortes sorgt doch für Entspannung der Gesichtsmuskeln und zaubert ein Lächeln aufs Gesicht.

Morgen geht’s los.

😊

Der erste Ankerplatz in der Sea of Cortez: Bahía Balandra

Kneif mich mal. Die Baja California überrascht uns immer wieder. So auch an unserem ersten Stop in der Sea of Cortez.

Was ist das denn für ein Ankerplatz? Mit diesen Farben und einer Kulisse vom Feinsten. Klares Wasser, traumhafter Sandstrand, eine Lagune mit Mangroven und die Gebirgskette unmittelbar dahinter.

Nur zwei andere Segler sind da, einer davon läuft aber kurz nach unserer Ankunft aus. Wir nutzen das und verholen Flora noch näher zum Strand.

Die innere Bucht ist landseitig per Straße zugänglich und bietet einen Kayak-Verleih. Allzu viel ist um diese Jahreszeit aber offenbar nicht los. Einige Tourboote laufen die Bucht an, bleiben aber meist nicht lange. Wir warten mit unserem Strandausflug bis kurz vor Sonnenuntergang. Da sind alle wieder weg, wir haben die zum Strand gewordene Sandbank zwischen innerer und äußerer Bucht ganz für uns allein.

Am nächsten Morgen ist von dieser Sandbank nichts mehr zu sehen. Hochwasser. Wir blassen unser Kayak auf und erkunden die innere Bucht und auch die Mangroven an der Lagune. Auch dort sind wir erstaunlicherweise wieder allein unterwegs.

Selbst den Platz an der Selfie-Attraktion dieser Bucht, dem pilzförmigen Felsen “El Hongo”, macht uns niemand streitig.

Und da der andere Ankerlieger früher aufbricht als wir, bekommen wir als Abschiedsgeschenk noch die Illusion, das Kleinod der Bahía Balandra ganz exklusiv genießen zu dürfen.

Yacht in Transit

Ein spannender Aspekt auf Langfahrt ist die Versorgung mit Ersatzteilen. Kleinteile kaufen wir in der Regel vor Ort, also wird gleich bei Ankunft neben dem nächsten Supermarkt auch die Lage des nahe gelegenen Baumarktes oder noch besser Schiffausrüsters gecheckt. Für uns ist bei der Planung neben Google Maps vor allem Noforeignland hilfreich, weil dort über die Filtereinstellungen direkt nach Bootsausrüster (Chandler) oder zum Beispiel Reparaturbetrieben (Boat Service) gesucht werden kann.

Wenn man länger an einem Ort liegt oder sonst eine Empfangsadresse angeben kann (etwa den weltweit verteilten Standortleitern unseres Vereins Trans Ocean), kommen auch Versandhändler wie SVB aus Deutschland, Defender oder WestMarine in den USA oder Binnacle hier in Kanada in Betracht. Von letzterem haben wir zum Beispiel gerade einen neuen Geber für Logge und Lot (Messeinrichtung für Geschwindigkeit des Bootes durchs Wasser und Wassertiefe) geliefert bekommen.

Wird vor Ort gekauft, ist natürlich die jeweilige Mehrwertsteuer zu bezahlen. Komplizierter – aber unter Umständen auch günstiger – wird es bei Bestellungen aus dem Ausland.

Der Hintergrund ist ein simples Prinzip: soll die Ware nur durch das Land hindurch transportiert werden, aber nicht dort verbleiben, wird in der Regel weder Zoll noch Mehrwertsteuer erhoben. Klar, denn sonst müsste man ja je nach Transportstrecke in diversen Ländern Abgaben bezahlen. Für den deutschen Zolltransit heißt der Fachbegriff “Durchfuhr durch Deutschland”. Unsere neue Fock z.B. wurde bei Rolly Tasker in Thailand gefertigt und über Hongkong 🇨🇳 und Cincinnati 🇺🇸 nach Vancouver 🇨🇦 geschickt. Jetzt würde grundsätzlich kanadische Umsatzsteuer und Zoll anfallen. Genau so eine Rechnung bekommen wir auch: 967 Ca$ VAT und 842 Ca$ Import Tax sollen wir über den Transporteur DHL zahlen, dazu noch ein paar kleinere Gebühren, zusammen 1.867 Ca$, also über 1.200 Euro.

Nur: das Segel soll ja nicht in Kanada bleiben oder hier weiterverkauft werden, sondern auf unserer Flora genutzt und dadurch mit ihr demnächst wieder aus Kanada ausreisen, Stichwort: Yacht in Transit. Genau so hat es Rolly Tasker deklariert. Eine Email an DHL führt zur Standard-Antwort-Email, man möge in Zollsachen eine bestimmte Servicetelefonummer anrufen. Der Anruf bei DHL landet in der Warteschleife, die die Bearbeitung durch “an international Expert”verspricht. Als die Expertin nach einer guten halben Stunde rangeht, findet sie zunächst die Trackingnummer nicht im System, im dritten Versuch klappt es dann aber. Zu “Yacht in Transit” kann sie nichts sagen, da müsse ich eine Email schicken. Moment, das habe ich doch schon gemacht. Ja, aber diese müsse an eine Expertenadresse, auch bei DHL, Weiterleiten geht nicht. Na gut, wir fügen auch schon mal eine Kopie der Bootspapiere bei.

Die Email an die Expertenadresse bleibt eine gute Woche unbeantwortet (ist aber auch Ostern). Dafür kommt eine Mahnung hinsichtlich der 1.867 Ca$. Wir haben ein bisschen Angst, DHL könnte das Segel zurück nach Thailand schicken, also senden wir eine weitere Dinglichkeitsmail an DHL, diesmal mit “Urgent” im Betreff. Sofort kommt eine automatisierte Antwort, ein Experte werde sich innerhalb 24 Stunden melden. Als nach zweieinhalb Tagen noch nichts da ist, schicken wir eine weitere Dringlichkeitsmail. Wieder mit automatischer (und gleicher) Antwort, aber dieses Mal folgt am nächsten Tag ein Anruf von DHL, der auf unserer Mailbox landet und schon mitten in der Trackingnummer abbricht. Rückruf: diese Nummer ist nicht in Service. Grr. Also schreiben wir eine Email mit dem Hinweis, das die Mailboxnachricht unvollständig ist. Am folgenden Tag dann ein weiterer Anruf von DHL Brokerage Kanada, allerdings nicht bei uns, sondern bei unserer Lieferadresse, unserem Freund Wulf: Yacht in Transit wickelt DHL Kanada nicht ab, wir müssen einen externen Broker beauftragen oder uns selbst zum Zoll begeben. Immerhin, auf Nachfrage schicken sie uns die für den Zoll benötigten Papiere.

Mit denen – zweimal ausgedruckt – machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Richmond bei Vancouver auf dem Festland. Also 2 Stunden Autofahrt nach Nanaimo, dann 2 Stunden Fähre und nochmal eine halbe Stund Auto. Nahe des Flughafens im Zollgebäude dann ein kurzes Interview mit dem Officer: Wofür ist das Segel? Ach, für Euer Boot. Bootspapiere vorlegen, er kopiert sie. Wie lange bleibt ihr noch in Kanada? Ja dann, Zack, Stempel, Segel kann bei DHL abgeholt werden. Deren Lager ist fast nebenan und nach kurzer Wartezeit kriegen wir das Segel in den Kofferraum gelegt. “You are all set.” Fertig, keine Gebühren.

Wo wir schon mal hier sind, gleich noch schnell zum Ikea in Richmond für ein paar Kleinigkeiten und dann schnell zur Fähre.

Haben sich die Hartnäckigkeit, 5 Stunden Autofahrt sowie 4 Stunden Fährfahrt (plus der dazu gehörenden Wartezeiten) doch gelohnt. Und irgendwie schön war’s auch.

Saisonrückblick in einem Bild

Ein Saisonrückblick auf unsere Strecke (seit November 2021). Rot die mit Flora gesegelte Strecke, gelb der Roadtrip von Vancouver Island in Kanada nach Washington DC. Ab Februar soll es dann einen weiteren Roadtrip auf einer südlicheren Route durch die USA zurück in den Westen geben.

11.461 sm waren es auf der Flora in diesem Jahr, sogar 13.081 sm in der Saison ab November 2021, also von der Chesapeake Bay bis nach Vancouver Island, über Mexiko, Panama, die Galápagosinseln, Hawai‘i und Alaska.

Es mag ein bisschen irritieren, dass wir die Strecke (wie aber die vorigen im Menüpunkt Route auch schon) quasi auf den Globus von Google Earth gemalt haben und nicht auf eine „normale“ Landkarte. Der Grund dafür ist, dass eine Kugel eben nicht „richtig“ zweidimensional abgebildet werden kann. „Normale“ rechteckige Landkarten in einem solchen Maßstab bilden als Mercator-Projektion zwar winkeltreu die Erdkugel ab, dabei treten aber ganz erhebliche Verfälschungen der Flächen ein, je nachdem, ob sie näher am Äquator liegen oder näher an den Polarregionen.

Ganz wunderbar zeigt das die interaktive Webseite http://www.thetruesize.com , wenn man dort etwa das auf der Mercator-Karte riesige Grönland mal auf die Höhe von Kolumbien hinunterzieht.

Oder Mexiko quer über Europa legt. Da werden die wahren Dimensionen einfach deutlicher.

Eine tolle Webseite zum Herumspielen, wenn man – wie wir – sich nach der gesunden Zeit auf dem Boot jetzt in Deutschland eine veritable Grippe eingefangen hat und erst einmal flach liegt. Hoffentlich sind wir bis Weihnachten wieder fit!

Was man in Alaska braucht, Teil II 😉

Neben dem Bärenspray gibt es noch ein Accessoire, ohne das hier in Alaska kaum jemand unterwegs zu sein scheint. Um nicht sofort als Touristen erkannt zu werden, mussten wir es uns UNBEDINGT sofort anschaffen: Gummistiefel! Aber nicht etwa irgendwelche. Braun müssen sie offenbar sein, mit beigefarbener Sohlenkante. Xtra Tuf. Abgesehen davon sind alle Varianten erlaubt: kurz, halblang oder hoch geschnitten, gefüttert oder einfach, mit eingearbeiteter Stahlkappe als Arbeitsschuh, Neopreneinsatz oder buntem Innendruck, der beim Umkrempeln zu sehen ist. Bootsausrüster, Angelladen oder Schuhgeschäft, jeder führt sie. Wie auf unserer bisherigen Reise vom Dinghy aus barfuß auf den Strand oder ins knietiefe Wasser zu springen dürfte sich hier in Alaska wohl verbieten und unsere kurzen Seestiefel sind da auch nicht die erste Wahl, insofern fällt die Kaufentscheidung leicht.

Wie weit dieser Stiefel verbreitet, wie eng er mit Alaska verbunden ist, das zeigt sich zum Beispiel auch an den immer noch verbreiteten COVID-Abstandsanzeigern auf dem Fußboden etwa an der Museumskasse oder in der Brauereikneipe und Pizzeria:

Als wir mit Liselotte und Machiel in der von außen ziemlich unscheinbaren „Pioneer Bar“ auf ein Bier einkehren, finden wir den Tresen fast durchgängig von Leuten mit eben dieser Fußbekleidung besetzt. Mit John kommen wir gleich ins Gespräch, na klar, das muss so, ist Arbeitsbekleidung, jetzt nach der Arbeit ist der Stiefelschaft umgekrempelt, so geht es sich leichter. John ist Langleinenfischer mit eigenem Boot, macht den Job seit 23 Jahren, die Hälfte seines Lebens. Er erzählt uns viel über die Fischerei hier, die verschiedenen Fangmethoden, den unterschiedlich ausgerüsteten Fangschiffen, mit deren Bildern die Wände der Bar dicht an dicht bedeckt sind.

Er liebt seinen Beruf, die Landschaft, die Natur. Nur auf die Pottwale ist er nicht gut zu sprechen, sie klauen ihm die Fische von seinen Leinen. Er kann das auf dem Fischfinder-Echolot verfolgen, aber machen kann er nichts dagegen. Wenn die Pottwale kommen, kann er den gefangenen Heilbutt und Black Cod (Kohlenfisch) gleich wieder abschreiben.

Bei unserer heutigen Wanderung auf dem „Sitka Cross Trail“ kommen unsere neuen Gummistiefel dann auch gleich zum Einsatz und bewähren sich mit ihrem Fußbett und der festen Sohle richtig gut. Dazu passend trägt der Wanderer in Alaska heute Ölzeug, der nordische Regenwald hält, was der Name verspricht. Da sieht sogar der tägliche Weißkopfseeadler ziemlich bedröppelt aus:

Der Wald aber ist wieder einmal beeindruckend. Unser Wanderweg führt parallel zum Ort ein bisschen hügelauf und hügelab, ohne sich in größere Höhen zu winden. Das ist gut so, denn gleich über uns hängen die Wolken so dicht, dass es sonst eine Nebelwanderung würde.

So aber können wir bei leichtem Tröpfeln neben dem intensiven Waldgeruch auch die Schönheit des bemoosten Urwalds bewundern und sogar ein paar herrliche Ausblicke genießen.

An vielen Stellen ist der Weg von Himbeer- und Lachsbeerbüschen gesäumt und so wird es eine ziemlich langsame Schlemmerwanderung. Lachsbeeren (Salmonberry) sind eng mit den Himbeeren verwandt, aber farblich variantenreicher von Gelb über Orange bis Rot, etwas größer und wasserreicher, schmecken auch etwas anders. Wir finden sie lecker.

Sie sind an der ganzen Westküste von Südalaska bis Kalifornien verbreitet, ihren Namen haben sie übrigens davon, dass die Ureinwohner sie gerne mit Lachs essen.

Müssen wir dringend mal ausprobieren.

Bildernachtrag zur Passage Hawai’i nach Alaska

Der Abschied von Hawai’i, die Dinghyfahrt auf dem Hanalei River, der flache Regenbogen und das Lossegeln von unserer Ankerbucht auf der Insel Kaua’i (die vielleicht schönste, wildeste der von uns besuchten Inseln in Hawai‘i, ein Stück entlang an der Nā Pali Küste:

Und dann: erst einmal klassisches Blauwassersegeln, wenn auch zumeist eher am Wind. Mit mal mehr, mal weniger Schräglage, Fock oder Code0, meist um die 60 Grad am Wind.

Segeln in der gefühlten Unendlichkeit.

Bis wir dann den Rand des Hochdruckgebiets erreichen, irgendwann Flaute, Eimerdusche, das Bad im tiefen Blau.

Der zweite Teil der Passage, ganz langsam grauer werdend, rauher. Schlafsack in der Plicht, Mützenwetter.

Man kann das auch ganz gut an unserer Kollektion der Sonnenuntergänge erkennen:

Inzwischen wird es taktisch etwas anspruchsvoller, aber durch unseren Schlenker nach Ost vermeiden wir das Gröbste und kommen gut durch.

Ein Schwarzfußalbatros stattet uns einen Besuch ab.

Und dann das. Die Magie des Augenblicks in dem sich die ersten Berge der Küste Alaskas aus dem Dunst schälen ist schwer zu beschreiben. Zumal auch noch eine Familie Pottwale vor uns durchzieht. Pottwale? Wir erwarten doch eher Buckelwale und Orcas! Aber die werden wir hoffentlich auch noch zu sehen bekommen.

Andere Giganten sind aber schon da, die „Eurodam“ kommt uns entgegen, die „Queen Elisabeth“ kündigt ihr Auslaufen auf der Funke an.

Im Ort oder Hafen ist davon aber nichts zu sehen. Die großen Kreuzfahrer ankern außerhalb, denn Sitka hat kein Kreuzfahrtterminal. Und so präsentieren sich Landschaft und Ort:

Angekommen in Sitka. 😁