Fakarava: Wall of Sharks (und andere ganz besondere Fische)

Das Festtagsmenü am zweiten Weihnachtstag auf der Lille Venn setzt einen weiteren Glanzpunkt.

Für die nächsten Tage ist sehr ruhiges Wetter angesagt. Ideal zum Tauchen und Schnorcheln. Wir verlassen Hirifa im Südosten von Fakarava und verholen die Flora zum Ankerplatz in der Nähe des Südpasses der Lagune. Anders als im Juli wählen wir dieses Mal einen Platz, der zwar etwas weiter vom Pass entfernt liegt, dafür aber wunderschön hinter einem kleinen unbewohnten Motu.

Bei nur 5 Metern Wassertiefe können wir einen etwas größeren Sandfleck ausmachen und dort den Anker platzieren. Das Floaten der Kette ist aber unerlässlich, um die empfindlichen Korallen nicht mit der Ankerkette zu berühren. Wir ankern noch einmal etwas weiter am (tiefen) Rand des selben Sandfleck und hängen die Floats sogar ein paar Mal um, bis wir eine gute Lösung gefunden haben.

Dann aber ist die Flora von allen hoch reichenden Bommies gut frei und die Kette schwebt auch ohne Berührung über den niedrigeren Korallenköpfen.

Das Schnorcheln an den Bommies ist schon gut, noch besser aber ist der Driftschnorchelgang im Pass. Das kennen wir schon von unserem Besuch im Juli. Wie damals sehen wir zwar einige Haie unten am Grund des Passes und natürlich auch Schwarzspitzenriffhaie in den Uferbereichen, aber die eigentliche “Wall of Sharks” bleibt dem Tauchgang mit Flasche vorbehalten. Was bei diesem Driftschnorchelgang schon auffällt, ist die ungeheure Menge und Größe der Napoleonfische. Diese neben den Zackenbarschen größten Korallenfische können über 2 Meter lang und 190 kg schwer werden, ausgewachsene Exemplare haben einen auffälligen Kopfbuckel.

Da wollen natürlich die Einhornfische hinsichtlich extravaganter Kopfform nicht zurückstehen. Diese im Deutschen auch als “Langnasen-Doktorfische” bekannten Exoten sind hier ebenfalls sehr zahlreich.

Drückerfische, Doktorfische (so genannt wegen des skalpellscharfen hornartigen Defensivwaffen an der Schwarzwurzel) …

… und verschiedene Falterfische sehen wir ebenfalls.

Aber der eigentliche Kracher am Südpass von Fakarava ist nunmal die “Wall of Sharks” mit ihren Hunderten von Grauen Riffhaien.

Gemeinsam mit Jeroen und Rajesh (SY My Motu), Hannes (SY MariaNoa) und Ingo (SY Easy One) tauche ich ab. Die leicht erkältete Wiebke und Brigitta bleiben in den Dinghies und sammeln uns nach dem sehr strömungsintensiven Tauchgang wieder ein. Und auch dieser Tauchgang am Südpass wird wieder ein beeindruckendes Erlebnis:

Vielleicht im Video noch besser zu verstehen und eindrucksvoller, auch wenn die Video-Qualität hier im Blog etwas reduziert ist:

Die Bedingungen sind gerade besonders gut, also wollen wir morgen gleich noch einen Tauchgang versuchen. Dann ist Wiebke hoffentlich wieder fit und dabei.

Weiße Weihnacht unter Palmen bei den Pyramiden?

Es klingt ein bisschen unwahrscheinlich, schließlich sind wir ziemlich weit von Schnee und Eis entfernt, was die Temperatur angeht. Und doch: ausgerechnet schwarze Vögel bescheren uns so etwas wie weiße Weihnachten. Zumindest auf Flora‘s Vorschiff: zwischenzeitlich lassen sich über 20 Noddy-Seeschwalben dort nieder. Und sie sorgen dafür, das das Deck, wenn schon keine Schneeschicht, dann doch jedenfalls reichlich weiße Sprengsel erhält. Ganz viel näher kommen wir hier in den Tropen wohl nicht an Schneeflocken heran.

Mit Ralph von der Lille Venn sowie Rajesh und Jeroen von der My Motu machen wir einen Spaziergang vom Dinghydock am Flughafen zum alten Leuchtturm.

Gleich zwei dieser eigenartigen Pyramiden stehen auf dem Nordriff von Fakarava, beide dienten ehemals als Leuchttürme, sind jedoch schon länger nicht mehr in Betrieb.

An diesen ungewöhnlichen Seezeichen können wir nicht einfach so vorbei gehen. Nur zu gern würden wir sie näher erkunden. Die alte Außenleiter sieht allerdings wenig vertrauenerweckend aus. Unten reichen die rostigen Sprossen nicht mehr bis zum Boden, viel weiter oben ist sie irgendwo recht wackelig aufgehängt. Der ganz obere Teil ist bereits abgeknickt. Für mich reicht der Mut zum Faxenmachen denn auch nur zum Besteigen der ersten Pyramidenstufe.

(Photo courtesy: Ralph, SY Lille Venn)

Danach dann Strandspaziergang am Außenriff und auf der Uferstraße zurück.

Das vorhergesagte Schlechtwettergebiet macht zum Glück weitestgehend einen Bogen um Fakarava, nur der Sonntag ist verregnet, von Starkwind und Gewittern bleiben wir verschont.

Wiebke und ich gehen mehrfach schnorcheln, immer wieder gibt es Schönes zu bestaunen,

sei es der große Schwarm dunkler Doktorfische …
pfeilschnell jagende Queenfische (Königinnen-Umber) …
Sergeants und Falterfische …
… oder dieser uns bisher unbekannte schöne Stülpmaul-Lippfisch.

Geschenke der Natur. Nicht nur zu Weihnachten.

Wir wünschen Euch allen ein frohes Fest und schöne Weihnachtsfeiertage mit euren Lieben und Freunden, wo immer ihr gerade seid auf der Welt!

Die auf der Flora mitreisende klitzekleine Weihnachtskrippe, in diesem Jahr in der Schale einer Perl-Auster aufgebaut!

Falsch im richtigen und richtig im falschen Pass

Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Apataki. Rajesh und Jeroen holen uns zum Schnorcheln ab, danach wandern wir am Strand entlang zum Werftgelände.

Was vom Boot aus wie strahlend heller Sandstrand aussieht, entpuppt sich allerdings größtenteils als grober Korallenschutt. Gut dass wir vorsorglich Schuhe eingepackt haben. Wunderschön ist es aber trotzdem, unter den Palmen leuchtet das Wasser in Türkis- und Blautönen, dazwischen sind bräunlich die Korallenbommies zu erkennen.

Diverse junge Schwarzspitzenhaie patrollieren im Flachwasser und sogar ein Ammenhai zeigt sich ganz nah am Strand.

Das ist schon unmittelbar neben der Slipbahn, auf der die Boote mit einem Hydraulischen Trailer aus dem Wasser gezogen werden. Es ist flach hier! Eine vertiefte Rinne können wir nicht erkennen, sie würde wohl auch schnell wieder versanden. Kein Wunder, dass für das Herausnehmen eine Tiefgangsbeschränkung von 1,9 m gilt. Dafür muss der Trailer schon ein ganzes Stück in die Lagune hineinfahren.

Jetzt am Sonntag herrscht aber ohnehin Ruhe auf dem Werftgelände.

Ein weiterer Brändi-Dog-Abend, diesmal auf der Flora. Rajesh und Jeroen bringen das Spiel mit und so langsam nehmen auch Wiebke und ich die eine oder andere taktische Finesse auf.

Für die Crew der Flora heißt es aber am nächsten Morgen: früh aufstehen. Etwa zwei Stunden brauchen wir für den Weg über die Lagune und gegen 9:00 Uhr wollen wir am Pass sein. Wir finden keine Daten zu den Strömungszeiten. Mit der Einfahrt hatte es ja wunderbar zu Stillwasser gepasst. Dabei waren wir etwas später als zur (immerhin abrufbaren) Hochwasserzeit des Nachbaratolls Arutua. Niedrigwasser in Arutua ist heute um 9:11 Uhr. Um 8:50 kommen wir am Pass an. Das sollte doch passen, oder?

Leider nein, FALSCH gedacht, so einfach ist es denn doch nicht. Zum einen sind wir etwas früh, der halbe Knoten Strom über die Lagune hat uns geschoben. Zum anderen läuft die Tide hier in Apataki bei ablaufendem Wasser offenbar kräftig nach (Niedrigwasser ist also keineswegs Stillwasser), der seit Tagen kräftige Nordostwind verstärkt das wahrscheinlich noch. Bei der Einfahrt sieht das Wasser im Pass noch glatt aus, doch im Knick zwischen der roten und grünen Tonne brodelt es, während das Wasser direkt daneben flach bleibt. Zwischenzeitig verdoppelt die Strömung Floras Fahrt auf über 10 kn, aber es gibt keine größeren Strudel oder Whirlpools, die unser Boot herumdrücken würden. Nach einem kurzen Stück Fahrt “wie auf Eiern” sind wir durch, werden nur noch mit 2 kn geschoben.

Nicht wie geplant, aber auch nicht dramatisch.

Wie auch immer, jetzt sind wir jedenfalls früh unterwegs und haben (wieder am Wind aber mit bedeutend angenehmerer Welle als vorgestern) einen richtig schönen Segeltörn. Nur gut 30 Seemeilen sollen es heute werden, es geht hinüber zum südlichen Nachbaratoll Toau.

Toau hat einen Pass im weiter entfernten Südosten der Insel. Wir entscheiden uns aber für die “Anse Amyot” im Norden der Insel. Auch die Anse Amyot wird durch eine Lücke im Riff angesteuert, nur ist es eine Sackgasse. Eine Weiterfahrt in die Lagune wird durch eine ausgedehnte Korallenbank verhindert. Unter den englischsprachigen Seglern ist die Anse Amyot deshalb als “False Pass” (Falscher Pass) von Toau bekannt.

Mehrere kostenlose Mooringbojen sind hier ausgelegt. Derzeit sind allerdings einige davon zwecks Wartung eingezogen. Auf Noforeignland sehen wir, dass die Indioko bereits dort ist. Wir schreiben sie über die Chat-Funktion an und prompt kommt die Antwort. Derzeit liegen sie als einziges Boot dort, vier Bojen sind noch frei. Super.

Kurz nach Mittag laufen wir in die Anse Amyot ein. Durchs Riff führt ein schmales, etwa 8 m tiefes Fahrwasser, dass schräg zur Küste verläuft. Richtbaken zeigen den Weg an, auch wenn die innere mal wieder gerichtet werden müsste.

Die Bucht selbst ist dann wieder über 20 Meter tief.

Für uns erweist sich “False Pass” sich als genau richtig. Es gefällt uns, zur Abwechslung mal wieder einen kurzen Schlag von nur ein paar Stunden zwischen den Inseln zu segeln. Gegen Wind und Wellen liegen wir hier gut geschützt und zudem haben wir einen herrlichen Blick sowohl in die Lagune und auch hinaus auf den offenen Pazifik.

False Pass / Anse Amyot: Blick nach innen
False Pass / Anse Amyot: Blick über die Korallenbank nach außen

Und auch das Schnorcheln an der Korallenbank begeistert uns.

Sportliche Tage am Außenriff

Gemeinsam mit der Easy One und der Diamond Sea verholen wir nördlich um die Insel herum auf die Ostseite von Taha’a. Der Ankerplatz direkt am Pass Toahotu ist hinreißend schön.

Zwei kleine Motus (das namensgebende Toahotu und das kleinere Maharare) flankieren den tiefblauen Pass und dankenswerterweise schließt sich an den flachen, türkis leuchtenden Bereich um Maharare ein etwa fünf Meter tiefer Ankerbereich an. Ein paar Korallenbommies gibt’s, aber sie liegen tief genug und lassen nur das Floaten der Kette mal wieder sinnvoll erscheinen. Kein Problem, genau dafür haben wir ja noch immer die Perlfarmbojen an Bord.

Der Wellenschutz hinter dem Riff und der gleichzeitig fast ungehindert darüber streichende Wind bieten gute Bedingungen, ein paar weitere Basisübungen für das Wingfoilen zu absolvieren. Die Kernelemente muss ich leider erst noch einzeln trainieren. Und so ziehen mich mal Wiebke, mal Ingo auf dem Foilboard hinter unserem Dinghy, jederzeit bereit, sofort Gas weg und den Gang heraus zu nehmen, wenn ich auf dem kippeligen Board mal wieder nicht mehr das Gleichgewicht halten kann. Immerhin, das foilen (wenn also die Unterwasserflügel das Board von der Wasseroberfläche lösen und “schweben” lassen) klappt inzwischen besser. Das heißt, die Zeit zwischen meinen spektakulären Abstürzen schleicht sich sekundenweise nach oben.

Die zweite Kernübung ist der Umgang mit dem Wing, dem Flügel-Segel. Das kann ich sogar abwechselnd mit Ingo trainieren, denn daran hat auch er Spaß. Dazu nehmen wir Ingos relativ großes Surfbrett (natürlich ohne Mast), es ist wesentlich weniger kippelig als das viel kürzere Foilboard. So können wir besser den Umgang mit dem Wing üben:

Es ist trotzdem für uns Anfänger schwierig genug, die 5 Quadratmeter Segelfläche zu halten und durch Anstellwinkel und Positionierung auch den Kurs zum Wind mit einzustellen.

Anstrengend ist übrigens bei beiden Übungen auch das andauernd wieder erforderliche Klettern aufs Board. 😔

Aber immerhin, einige trockene Halsen sind inzwischen auch schon dabei.

Zwischen den eigenen Sporteinheiten ergibt sich aber für uns auch die Möglichkeit, anderen Sportlern bei einem Wettbewerb zuzuschauen.

Die zweite Etappe des Hawaiki Nui Va’a Auslegerkanu-Rennens verläuft nämlich innerhalb der Lagune zwischen Raiatea und Taha’a.

Und dieses Rennen ist ein echtes Spektakel, es ist eines der größten Sportevents für die polynesischen Kanuten mit Gastteilnehmern aus dem ganzen pazifischen Raum. Von Huahine nach Bora Bora führt der insgesamt 129 km lange Kurs in drei Etappen.

Wir segeln mit der Flora in die Enge zwischen Raiatea und Taha’a. Hier haben sich die meisten Zuschauerboote entlang des Kurses platziert, wir reihen uns auf der östlichen Seite hinter einer Untiefe ein.

Begleitboote und wohl auch einige weitere Zuschauerboote rasen an der Strecke entlang und sorgen für ziemlich aufgewühltes Wasser.

Das scheint den Besatzungen der 6-Sitzer-Auslegerkanus allerdings nicht viel auszumachen, schließlich müssen sie auch mit den teils ruppigen Meeresbedingungen bei den zudem viel längeren Etappen außerhalb der Lagune klar kommen.

Wie bei einem Uhrwerk stechen die Paddel im Gleichtakt in die Fluten und treiben die schmalen, zerbrechlich wirkenden Gefährte voran. Das geringe, von Sponsorenlogos bedeckte Freibord scheint die Wellen zum Einsteigen geradezu einzuladen. Und doch jagen die Auslegerkanus im Rennmodus über das offene Meer.

Und auch damit ist es noch nicht genug. Auf dem Rückweg von der Regattabahn zu unserem nächsten Ankerplatz am Riff jagen vor uns sieben Segelpiroggen durch, scheinbar auf einer kleinen Privatregatta.

Manche dieser mit einem Stechpaddel als Ruder gesteuerten Kreuzungen zwischen Segelboot und Auslegerkanu (mit Auslegern auf beiden Seiten) können auf Raiatea für exclusive Touristenausflüge auf einsame Motus gebucht werden, aber diese hier sind heute im sehr deutlich Rennmodus unterwegs.

Ist halt ziemlich sportlich heute.

Urlaubsbeschäftigung Sicherheitsausrüstung?

In weniger als zwei Wochen geht’s zurück auf die Flora.

Einige Treffen mit Freunden hier in Hamburg stehen noch an, der Kalender ist gut gefüllt.

Haben wir alles besorgt, was mir mit nach Tahiti nehmen wollen?

Jedenfalls schweifen die Gedanken immer öfter auch zu unserem Boot. Das macht sich auch daran bemerkbar, dass ich unsere Blog-Webseite ein bisschen überarbeitet und ergänzt habe. Bei dem Menüpunkt „SY Flora“ ist z.B. ein neuer Unterpunkt zur Sicherheitsausrüstung dazu gekommen.

Zu dem Unterpunkt gelangt Ihr über diesen Link. Zugegeben ein bisschen technisch, das ist wahrscheinlich eher etwas für die Segler unter Euch.

Für die anderen: (falls länger nicht geschehen) schaut doch einfach mal durch die Menüpunkte, ob da etwas für Euch dabei ist. Wir haben zum Beispiel die Routen der einzelnen Jahre dargestellt. Und wir berichten, wie wir zum Boot und zur Langfahrt gekommen sind. Außerdem gibt’s natürlich auch ein paar Bilder von uns und der Flora.

Und nun?

Der Ankerplatz hinter dem Riff am Point Vaipahu ist belebt. “Vibrant”, wie unserer amerikanischer Nachbar es formuliert. Ausflugsboote, Tauchboote und Schnorchelboote sausen vom nahegelegenen Hilton-Resort mit seinen edlen Wasser-Bungalows durchs Ankerfeld zum Außenriff.

Wer wollte es ihnen verdenken. Dazu kommen je nach Wind die SUPs und Kayaks oder die Surf- und Kiteboards der Segler. Oder ihre Dinghys, wenn sie selbst zum Schnorcheln oder Tauchen an die Bojen außen am Riff fahren. Und – aus Seglersicht schon manchmal unangenehm – die Jet-Skis. Auch sie sausen täglich mehrmals im (geführten) Formationsflug vorbei und schaukeln uns mit ihren Wellen ziemlich durch.

Na klar, Moorea ist eben auch ein touristischer Hot Spot.

Ich muss aber zugeben, dass mir das weniger ausmacht, wenn ich mich selbst sportlich betätigen kann. Jetzt, mit meiner Beinverletzung, geht das auf absehbare Zeit nicht. Morgens kurz ins Wasser hüpfen, dabei vielleicht ein bisschen den Wasserpass schrubben? Wingkiten lernen? SUP? Kayak? Schnorcheln? Tauchen? Alles Tabu! Hiken fällt ebenfalls aus, selbst Wandern geht nicht. Und das, obwohl ringsum die traumhafte Umgebung dazu verlockt.

Bein hochlegen.

Es ist ein feiner Unterschied zwischen nichts tun müssen (oder es sich jedenfalls selbst einteilen zu können) und nicht machen DÜRFEN.

Hinsichtlich eines möglichen Deutschlandbesuchs sind wir weiter auf der Suche nach einem Liegeplatz für Flora. Gestaltet sich nicht ganz einfach, aber wir bleiben dran. Am Steg hier auf Moorea wird es nichts, da hätten wir wesentlich langfristiger buchen müssen.

Von der kleinen Werft in der Phaeton Bucht drüben in Tahiti bekommen wir ebenfalls eine Absage, weder an Land noch im Hafen sind Plätze verfügbar. In der Papeete Marina können wir nicht reservieren, müssten vor Ort sein und täglich fragen. Etwas südlicher in der Marina Taina könnte es vielleicht klappen, aber auch da wäre es besser, vor Ort zu sein.

Wir beschließen, zurück nach Tahiti zu segeln. Anker auf, los geht’s. Aber außerhalb des Riffs bläst uns der Wind kräftig genau auf die Nase, laut Wetterbericht soll er jetzt doch erst später drehen. Das Wetter ist auch eher durchwachsen mit vielen tiefhängenden Wolken. Kurzentschlossen laufen wir die nächste Bucht auf Moorea an und ankern in der Cook’s Bay vor dem Örtchen Paopao.

Klar, bei dem Wetter keine Reiseprospekt-Hochglanzschönheit. Und doch: was für eine beeindruckende Kulisse.

Und hier vor Anker bekommen wir dann doch eine ermutigende Email der Taina-Marina, dass sie uns wohl einen Platz anbieten können.

Dann werden wir jetzt mal nach Flügen suchen. 😎

Von Tahiti nach Moorea

Wir stecken ein bisschen fest. Wissen nicht so recht, wie wir am besten weitermachen. Nachdem wir lange überlegt und dann die Reservierung für Neuseeland gemacht hatten, schien erst einmal alles entschieden und das fühlte sich gut an.

Aber dann schleicht sich doch wieder die vorher schon erwogene Alternative in unsere Köpfe. Doch noch eine weitere Saison in Französisch Polynesien? Doch statt im Dezember jetzt schon Ende August mal wieder nach Hause fliegen? Zu Wiebkes Geburtstag und zu meinem Abi-Treffen zu Hause zu sein wäre klasse. Wir klären mit unserer Versicherung was geht (und zu welchen Bedingungen).

Dieses Jahr wird ein La Niña Jahr, tropische Stürme im Südpazifik sind deutlich unwahrscheinlicher. Gegen rund 40 % Aufschlag wären wir auch in der Zyklonsaison hier versichert, wenn wir auf See sind oder das Boot auf einem spezielle Anforderungen erfüllenden Lagerbock an Land steht. Letzteres ist allerdings praktisch nicht machbar, da solche „aus einem Stück gefertigten“ Lagerböcke hier nicht verwendet werden. Bliebe nur die einzelne Approbation des Lagerbocks durch die Versicherung, scheint ebenfalls nicht sehr praktikabel. Aber wenn wir jetzt schon nach Hause flögen, wären wir vor November wieder da und an Bord. Hm. Wir erkundigen uns nach Hafenplätzen, aber auch das erweist sich als schwierig. Also bleiben wir (planerisch) weiter in der Schwebe. Untypisch für uns, ungewohnt.

Egal. Nach zwei teuren Wochen in Papeete, diversen Erledigungen, mit wieder funktionierendem AIS und Watermaker verlassen wir den schön ruhigen Ankerplatz von Arue. Dort wurden wir zwar geduldet, im Büro des Yachtclubs wies man uns aber schon auf verschärfte Regeln und Kontrollen ab August hin. Der Bojenlieger direkt neben uns ist zurück, es wird also auch eng.

Wir holen den Anker auf, fahren Richtung Point Venus. Aber die drei Kats dort liegen bei dem Wind recht unruhig. Wir drehen ab und entschließen uns, direkt hinüber nach Moorea zu segeln. Das sind nur ungefähr 20 Seemeilen, allerdings derzeit hoch am mit 20 bis 25 kn blasenden Wind.

So wird es eine flotte, wenn auch etwas raue Überfahrt, drei Reffs im Groß und die Fock.

Abschied von Tahiti
aber da sieht man schon Moorea.

Beim Näherkommen zeigt sich dann, trotz anfänglich noch grauen Himmels, die landschaftliche Schönheit von Moorea.

Die tief in die Nordküste eingeschnittene Bucht von Opunohu ist schon aus der Entfernung gut auszumachen, mehrere riesige Superyachten (mit eigenen Hubschraubern an Bord) zeigen den Standort an.

Etwas näher sehen wir dann auch die Wellen über dem Saumriff brechen und dahinter gut geschützt den unseren anvisierten Ankerplatz.

Sieht voll aus, aber natürlich findet sich noch ein Plätzchen.

Interessant ist, dass wir auf der Überfahrt und auch hier am Ankerplatz größere Teppiche von piksigen Algen herumtreiben sehen. Sie ähneln Sargassum, allerdings sehen wir nicht die für diese in der Karibik verbreitete Alge typischen Blasen (edit: doch, wir haben jetzt auch die Blasen entdeckt, es scheint eine Sargassum-Art zu sein).

Am nächsten Tag ist der Wind fast weg, die Algen auch. Eine der Superyachten ist abgefahren, dafür liegt jetzt der kleine Kreuzfahrer „Paul Gaugin“ (318 Gäste) an seinem Platz.

Davor liegt die 86 Meter lange Segelyacht „Aquijo“, sie kann mit ihrer 17-köpfigen Crew nur bescheidene 12 Gäste aufnehmen und ist in der Nebensaison für eine halbe Million Euro pro Woche zu chartern.

Tja, und dann sind da die glücklichen Eigner aus aller Welt mit ihren kleineren Booten, die ihren Törnplan selbst bestimmen können (sich dafür aber auch wie Eingangs beschrieben ein bisschen mehr Gedanken machen müssen beziehungsweise dürfen).

Die Traumkulisse von Moorea ist für alle dieselbe ☺️.

5 Jahre unterwegs!

Wirklich. Heute vor 5 Jahren haben wir unseren lang gehegten Traum wahr gemacht. Haben die Leinen losgeworfen und sind zu unserer Langfahrt aufgebrochen.

Kaum fassbare 37.722 Seemeilen haben wir seitdem mit der Flora zurückgelegt. Fast 70.000 Kilometer.

Nur rund 40.000 Kilometer (21.600 Seemeilen) misst der Erdumfang am Äquator. Und trotzdem sind wir noch nicht einmal halb um die Erde herum gesegelt. Etwa 18.000 Kilometer (knapp 10.000 Seemeilen) wären es Luftlinie bis zu unserem Abfahrtsort in Griechenland. Wir haben uns herrliche, wunderschöne Umwege gegönnt. Haben mit dem Kielwasser der Flora Kringel gedreht, kleine und große Schleifen in den Nordatlantik bis hinauf nach Maine und in den Nordpazifik über Hawai’i und Alaska gemalt. Haben uns Zeit gelassen, Länder und Leute kennenzulernen. Haben dabei dreimal den Äquator überquert und zuletzt auch hier in Französisch Polynesien mit dem Besuch des Gambier-Archipel einen ordentlichen Schlenker weg von der klassischen Blauwasserroute gemacht.

Und jetzt sind wir hier in den Atollen der Tuamotus. In der Südsee. An einem weiteren Sehnsuchtsort.

Und wir haben noch lange nicht genug. Freuen uns, unseren Traum weiter leben zu dürfen. Freuen uns auch, dass Ihr uns dabei begleitet, über Eure Anteilnahme an unserem Abenteuer, über Euer Interesse und Eure Kommentare.

Über eine halbe Million mal habt ihr inzwischen unsere Blogseiten aufgerufen. Das ist toll und zugleich überraschend, denn eigentlich machen wir den Blog für uns selbst. Lassen keine Werbung zu und wollen mit dem Blog nichts verdienen. Sondern wollen eigentlich mit dem Blog vor allem unsere Fotos, Gedanken und Eindrücke sortieren, strukturieren, auch sammeln, ein Stück weit festhalten, Erinnerungsstützen bauen. Ab und zu auch gerne die eine oder andere Erfahrung weitergeben, weil wir selber auch viel aus anderen Blogs für uns mitnehmen konnten.

Über 90.000 Fotos haben wir in den fünf Jahren gemacht. Das ist schon lange ein Hobby von mir, aber so exzessiv habe ich das bisher nicht ausgelebt. Unvorstellbar, die Bilder alle noch einmal anzuschauen. Der Blog ist mein Fotoalbum, meine Galerie. Er sorgt auch dafür, dass wir Aufnahmen einigermaßen zeitnah durchsehen, Favoriten markieren und eben die Blog-würdigen heraussuchen, damit sie nicht im Wust der schieren Menge verschwinden. Und Euer Interesse am Blog gibt eben auch einen zusätzlichen Antrieb dafür, das nicht auf die lange Bank zu schieben.

Also jedenfalls zum Jubiläum unserer Langfahrt viele liebe Grüße aus der Südsee und ein großes Dankeschön an Euch, die Ihr über den Blog ein wenig mit uns mit reist.

Windstille. Wenn die Schönheit des Atolls so richtig gespiegelt wird.

Es ist ein seltenes Geschenk. Meistens streicht ein kräftiger Passatwind über die Atolle der Tuamotus, kaum gebremst von den flachen Inselchen auf den Ringriffen.

Heute aber zeigt sich das Wasser der Lagune von Raroia spiegelglatt, nur ab und zu deuten kleine Katzenpfötchen auf der Oberfläche mit sanften Kräuselungen einen ganz leichten Windhauch an.

Draußen brandet gleichwohl die Dünung gegen das Riff, drinnen in der Lagune ist es so still, als habe die Natur kurz den Atem angehalten.

Wir wechseln den Ankerplatz. Etwa 22 Seemeilen misst die Lagune Raroia in der Länge von Nordost nach Südwest. Es gibt (gerade bei Schwachwind) unzählige Möglichkeiten, irgendwo an einem kleinen Motu zu ankern.

Anders als von uns gedacht, lassen sich die unter der Wasseroberfläche verborgenen Korallenköpfe von Deck aus bei diesen extrem ruhigen Bedingungen aber nicht etwa besser, sondern im Gegenteil fast überhaupt nicht erkennen. Das glatte Wasser spiegelt den Himmel. Obwohl wir mit der Sonne im Rücken und mit polarisierender Brille unterwegs sind, bleiben die Korallen praktisch unsichtbar.

Trotz Sonne im Rücken schwer oder gar nicht zu sehen: die Korallenköpfe zwischen uns und dem Motu auf dem Riff

Ein Ausguck auf der Saling hoch im Mast wäre jetzt hilfreich, aber das ist für uns ebenso wenig praktikabel wie eine dauernde Kontrolle mit der Drohne. Wir schlängeln uns deshalb mit langsamer Fahrt und stetem Blick auf das Satellitenbild um die Bommies herum südwärts. Das ist durchaus nervenaufreibend und so lassen wir uns gern von einem kleinen Sandfleck mit nur einer ausgewachsenen Palme darauf näher ans Riff locken, gehen an diesem malerischen Motu für eine Kaffeepause vor Anker.

Bestaunen die Brecher auf dem Riffdach und können es kaum fassen, das alles hier ganz für uns allein zu haben.

Hier speichern wir uns auf Basis des Satellitenbildes eine eigene Route, etwas anders als der von einem anderen Boot erhaltene Track, dem wir bisher gefolgt sind.

Ausgeruht, beruhigt und frisch gestärkt geht es dann weiter in Richtung Ankerplatz “Kon Tiki”, benannt nach dem Balsa-Floß, mit dem Thor Heyerdahl 1947 hier strandete.

Schon von weitem können wir dort Segelboote vor Anker erkennen, wenngleich durch die über dem Wasser flirrende Luft seltsam verzerrt und zugleich gespiegelt, ein fast surrealer Anblick.

In der Abendsonne vor Ort wirkt das naturgemäß wieder ganz anders, aber nicht weniger faszinierend schön.

Danke für dieses kostbare Intermezzo. Wir wissen es sehr zu schätzen. Schon am Abend kommt Wind auf, der in der Nacht dreht und kräftig auffrischt.

Vor Anker im Atoll: das “Floaten” der Kette beim Ankern auf dem Dalmatiner

Es ist eine der Sachen, über die wir uns im Vorfeld ziemlich viele Gedanken gemacht haben: das Ankern im Atoll mit Bojen, welche die Ankerkette teilweise anheben. Na klar, wir hatten davon gelesen, aber es widerspricht so sehr der gelernten, bisher angewandten Ankertechnik. Danach soll nämlich der Zugwinkel der Kette auf den Anker flach sein, damit sich der Haken fest in den Grund graben kann. So sind moderne Yachtanker konstruiert, das ist ihr System. Und da ist es schlicht gegen jede Intuition, die Kette mit Bojen anzuheben, weil es doch den Zugwinkel verschlechtern muss. Kann das wirklich funktionieren?

Wie bei so vielem beim Segeln geht es auch hier um den besten Kompromiss im Umgang mit gegensätzlichen Anforderungen.

In Atollen – wie aktuell hier in Raroia – gibt es durch das umlaufende Außenriff zwar einen wunderbaren Schutz gegen den Schwell des Ozeans. Die Lagune ist aber gespickt mit Korallenköpfen. Sie werden oft als “Bommies” bezeichnet. Die großen Bommies reichen aus der in weiten Teilen über 30 m tiefen Lagune von Raroia bis knapp unter die Wasseroberfläche, sie machen die Anfahrt durch die Lagune vom Pass bis zum Ankerplatz knifflig. Auf dem Satellitenbild sind sie als helle Flecken im dunkelblauen Wasser gut auszumachen.

(Ansicht in der Noforeignland-App)

Im flacheren Wasser des Ankerplatzes kehrt sich das Farbbild um. Auf dem hellen Sandgrund sind jetzt die zahlreichen kleineren Bommies am Grund als dunkle Flecken zu erkennen: wir ankern „auf dem Dalmatiner“.

(Ansicht in der Noforeignland Website)

Auch wenn die Bommies einfach nur Felsbrocken wären, könnte sich die Ankerkette verhaken oder beim Schwoien um sie herum wickeln – mindestens ärgerlich und gelegentlich auch gefährlich für die Beschläge des Schiffes oder weil dadurch ein notwendiges rasches Ankerauf-Manöver behindert wird. Diese Risiko bestehen natürlich ebenso auch bei den Korallenköpfen. Die Bommies aber sind zudem lebendig (Korallen eben) und zudem schützenswerter Lebensraum der Unterwasserwelt, Kinderstube der Rifffische, ein ganzes eigenes Habitat.

Und zwar ein sehr verletzliches. Eine Ankerkette kann an den extrem langsam wachsenden Korallen immensen Schaden anrichten. Das gilt es zu vermeiden.

Wie also funktioniert das „Floaten“ der Ankerkette?

Zunächst zu den „Floats“: man kann Fender verwenden, die werden aber durch den Dauerdruck des Wasser erheblich belastet. Besser sind daher Perlfarmbojen, die sich oft auf dem Außenriff angeschwemmt finden lassen. Für die Handhabung ist es am einfachsten, sie mit einer kurzen Leine zu versehen und an deren Ende einen Karabiner zu befestigen. Der kann dann beim Ankermanöver leicht in ein Glied der Kette geklickt oder beim Ankerauf-Manöver schnell entfernt werden. Die Karabiner haben wir uns bereits in Mexiko gekauft.

Zum Ankern sucht man sich einen möglichst großen Sandfleck ohne dunkle Punkte am Grund. Das ist tatsächlich hier im etwa sieben Meter tiefen Wasser von Bord aus recht gut zu erkennen.

Hier sollte beim Ankermanöver zunächst mindestens die doppelte Wassertiefe an Kettenlänge ausgebracht werden, bevor die erste Boje eingeklinkt wird. Manchmal wird empfohlen, die erste Boje als Doppelboje (zweifacher Auftrieb) zu setzen. Das kann insbesondere bei sehr engem Raum oder bei sehr wenig Wind nötig werden, um die Kette auf eine Mindesthöhe zu bringen.

Je nach Auftriebskörper werden dann im Abstand von 5 bis 10 Metern weitere Bojen gesetzt.

Wir ankern hier zum Beispiel mit 40 m Kette bei 7,5 m Wassertiefe. Nach 17 m haben wir die erste Boje eingeklickt, dann mit jeweils etwa 7,5 m Abstand zwei weitere.

Ich habe das bei verschiedenen Windbedingungen mehrfach abgeschnorchelt, die Kette ist gut von allen Korallenköpfen frei.

Nicht maßstabsgerecht, aber so in etwa sieht das Prinzip aus:

Übrigens muss man sich bewusst machen, dass die Kette einer ankernden durchschnittlichen Fahrtenyacht schon bei Windstärke 6 bis 7 Beaufort (um die 30 Knoten Wind) oder beim kräftigen Einfahren des Ankers eine annähernd gerade Linie zwischen Anker und Bugbeschlag bildet (sic!). Bei solchem Zug machen die Floats dann keinen großen Unterschied mehr. Umgekehrt wird dadurch auch deutlich, warum bei geringeren Winden die Haltekraft des Ankers durch die Floats nicht wesentlich herabgesetzt ist.

Noch eine Anmerkung: der notwendige Mindestabstand beim Vorbeifahren vor dem Bug anderer ankernder Boote erhöht sich an den Ankerplätzen in den Atollen ganz erheblich. Die Floats sind oft unter der Wasseroberfläche und entsprechend nicht immer gut zu erkennen.