Auf die Bremse getreten. Bootsprobleme in der wunderschönen Ensenada de la Partida.

Langfahrtsegeln bedeutet, sein Boot an den schönsten Ankerplätzen der Welt zu reparieren. Oder auf Englisch noch knackiger formuliert: Cruising is boatwork in exotic places.

So geht’s uns jetzt hier in der malerisch Ensenada de la Partida. Gerade noch genießen wir die Gemeinschaft der Cruiser, die sich hier eingefunden haben. Potluck am Strand, am nächsten Abend auf der “Dos Peces” von Vicky und Kevin, am Tag darauf Sundowner auf der Talion, außerdem organisiert die unermüdliche Heidi von der “Sonho” Aktivitäten wie die Dinghyfahrt zu den Höhlen an der Westseite der Insel, es gibt morgendliche Yogatreffen am Strand und einiges mehr.

Außerdem erleben wir tolle Sonnenuntergänge …

… und die Sturzflug-Orgie der Pelikane und Boobies zur Dämmerung, wenn sie auf der Jagd nach den jetzt offenbar aufsteigenden Fischen in großer Zahl und immer wieder kopfüber ins Wasser stoßen. Was für ein Spektakel.

Na klar, zwischendurch steht auch Bootsarbeit an. Ich wühle unsere Tauchsachen hervor und schrubbe das Unterwasserschiff bis zum Kiel. Jetzt sehe ich auch, worauf die Pelikane und Boobies so scharf sind. Ein großer Schwarm von etwa 25 cm langen jungen Hornhechten (“Needlefish”) mit ihrem schnabelartig verlängerten spitzen Maul sucht Schutz im Schatten der Flora.

Nach der anstrengenden Putzaktion dann mit der Restluft der Tauchflasche noch kurz den Propeller der neben uns ankernden “Fidelis” gecheckt und ein bisschen poliert. Jeroen füllt mit seinem Kompressor meine Tauchflasche gleich wieder auf, klasse. Abends spielen wir auf der Fidelis “Mexican Train Domino”. Der Wassermacher auf der Fidelis mackelt und ihre Trinkwasservorräte werden knapper, also machen wir ein bisschen mehr Wasser und bringen es ihnen hinüber. Nur: dabei springt irgendwann unsere automatische Bilgepumpe an.

Hm, das ist kein gutes Zeichen. Kurzer Check: Salzwasser in der Bilge (dem tiefsten Bereich im Inneren des Bootes). Wir suchen nach der Ursache und – wenig überraschend bei dem zeitlichen Zusammenhang – es ist der Wassermacher. Der bereitet zwar weiterhin gutes Frischwasser aus dem Seewasser, flutet dabei aber auch unser Bootsinneres mit Salzbrühe. Die läuft dann vom Wassermacher unter unserer Koje an der Bordwand hinunter in die Bilge. Zu unserem Glück wird dabei nur die seit dem Mittelmeer dort eingelagerte Gangway nass, die anderen dort gestauten Sachen sind allerdings ohnehin überwiegend in Vakuumbeuteln geschützt. Außer unserem Ersatzvorsegel. Das ist zwar trocken geblieben, kommt aber jetzt trotzdem auf die Rollanlage. Der Grund dafür ist, dass wir auf der Passage nach Französisch Polynesien lieber wieder die alte Fock aufziehen möchten. Nicht um die neue Fock mit ihren 4 kurzen senkrechten Latten zu schonen, sondern weil die alte eben keine Latten hat. Am Wind sind die Latten gut, aber (jedenfalls bei uns) führen sie auf Vormwindkurs mit ausgebauter Fock zu einer blöden Falte am Ende der Latten. Kein guter Stand und wohl auch eine ziemliche Belastung für das Segel auf einer langen Strecke. Die Falte konnten wir bisher nicht vollständig weg trimmen, daher war der Wechsel auf die alte Fock für die Passage ohnehin vorgesehen. Und wo wir den Stauraum unter unserem Bett jetzt sowieso leer machen müssen…

Eigentlich wollten wir nach den schönen Tagen hier in der Bucht mal wieder weiter segeln, aber, na ja, eben nur eigentlich.

Statt dessen wird eben unser größter Stauraum an Bord leer gemacht und das Boot damit ins Chaos gestürzt. Der Wassermacher ausgebaut, die widerspenstige Endkappe der Membranhülle mit viel Überredungskunst (und einigen Flüchen) tatsächlich doch ausgebaut. Die Leitungen werden durchgeblasen, sie sind nicht verstopft.

Das Salzwasser leckt aus dieser Kappe, allerdings an der für uns nicht auf Anhieb erklärlichen Stelle, nämlich am Produktwasserauslass entlang. Laut Troubleshooting der Bedienungsanleitung ist die wahrscheinlichste Ursache dafür ein verschlissener O-Ring in der Abdichtung. Zum Glück haben wir das Dichtungs-Set des Wassermacherherstellers als Ersatz an Bord.

Der Produktwasserauslass hat keine O-Ringe, aber sicherheitshalber erneuern wir die Teflonband-Wicklungen auf dem eingeschraubten Gewinde. Vom Fitting sind die alten Reste leicht zu entfernen, aus dem Inneren des Endstopfens dafür um so schwieriger.

Der erste Tag ist um. Leckere Zitronen-Kokos-Küchlein aus dem Bordbackofen gegen den Frust.

Der nächste Morgen: der große O-Ring außen am Endstopfen wird ersetzt, erst ohne, dann mit Vaseline eingesetzt, zwischendurch der Wassermacher jedes Mal wieder zusammengesetzt, eingebaut und ausprobiert: leckt immer noch. Der innere O-Ring im Endstopfen ist eigentlich unverdächtig, schließlich müssten wir sonst Salzwasser im Produktwasser haben. Aber auch der wird getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.

Den Hochdruck-Auslass für den Auslass der Salzlake bekomme ich nicht ab, weil ich den Endstopfen auf der Flora nicht vernünftig (beschädigungsfrei) einspannen kann. Aber Alex von der “Chandelle” kann helfen, gemeinsam bekommen wir dieses Fitting gelöst. Auch hier wird der O-Ring getauscht. Neuer Einbau, gleiches Ergebnis.

Wieder raus. Vielleicht hat sich innen etwas versteckt, was wir bei der Reinigung übersehen haben. Nochmal checken. Nein. Aber da, im Durchfluss der Salzlake durch den Endstopfen, direkt am Gewinde des Hochdruck-Auslasses, entdecken wir zwei klitzekleine Haarrisse.

Grr. Die verhindern die Abdichtung, das Salzwasser der Lake läuft an dem Gewinde durch und sucht sich dann den Weg des geringsten Widerstands unter der Metall-Abschlussplatte hindurch zum Loch für den Produktwasserauslass. So jedenfalls reimen wir uns das zusammen. Gemein, denn das wohl bedeutet, dass wir einen neuen Endstopfen benötigen. Der wird hier in Mexiko vielleicht nicht ganz so leicht zu beschaffen sein. Teile werden meist über San Diego bestellt, das kann dauern. Na ja, mal sehen, immerhin gibt es in La Paz einen Wassermacher-Servicebetrieb. Es könnte allerdings sein, dass wir unsere Abfahrt Richtung Französisch Polynesien doch noch wieder auf etwas später verschieben müssen.

Egal, definitiv besser jetzt und hier einen solchen Schaden feststellen als unterwegs auf der Passage!

Wir verabschieden uns jedenfalls aus der (immer noch wunderschönen) Ensenada de la Partida und machen uns auf Richtung La Paz.

Unterwegs heitern uns springende Mobula-Mantas auf:

Und ohnehin: es ist herrliches Segeln in diesem wunderbaren Revier. Da kann man doch ruhig noch etwas länger bleiben …

Ausflug bei Coromuel-Wind

Es ist noch nicht der Aufbruch nach Französisch Polynesien, aber wir müssen doch mal wieder raus aus La Paz, raus aus der Stadt. Irgendwo hin, wo das Wasser klar ist. Dann kann der Wassermacher wieder laufen und den Tank füllen. Außerdem braucht das Unterwasserschiff nochmal Zuwendung: das Schaufelrad der Logge dreht sich nicht mehr, ein ziemlich sicheres Zeichen dass sich da doch schon wieder einiges angesetzt hat.

Allerdings sind für die nächste Nacht relativ kräftige Coromuel-Winde angesagt. Das ist ein lokales Wetterphänomen in der Bahía de la Paz, das sich immer wieder zwischen die um diese Jahreszeit eigentlich vorherrschenden Norder schiebt. Frische, zumeist nächtliche Winde aus westlichen Richtungen blasen dann über die Bucht vor La Paz. Sie lassen die Bedingungen an vielen Ankerplätzen ungemütlich werden, weil die Buchten zumeist eben nach Westen offen sind.

Wir entscheiden uns deswegen für die Bahía Bonanza an der Ostseite der Isla Espíritu Santo. Zwar hält sich der Wind nicht ganz an die Vorhersage und bläst in der Nacht aus Süd-Südwest, aber die große Bucht bietet trotzdem einen einigermaßen akzeptablen Schutz. Nach einer ersten intensiven Schrupp-Aktion am Unterwasserschiff machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang. Bonanza bietet nämlich nicht nur Schutz vor Coromuel, sondern wartet auch mit dem formidablen “2-Mile-Beach” auf. Ein wunderbarer Sandstrand, der sich eben über fast 4 Kilometer an der weiten Bucht entlangzieht. Jeanette und Jeroen ankern mit ihrer Fidelis neben uns und holen uns mit dem Dinghy ab.

Es ist allerbestes Beachcombing: die Füße werden vom feinen Sandstrand verwöhnt, aber an der Hochwasserlinie haben sich in einem breiten Streifen Muscheln, See-Schnecken und Korallenreste abgelagert und laden zur Schatzsuche ein:

Aber auch im Sand finden wir Interessantes. Etwa dieses Kugelfisch-Skelett. Auch wenn es optisch an ein Glücksschweinchen erinnert, hatte der Fisch wahrscheinlich eher Pech und wurde von Brandung auf den Strand gespült.

Ebenfalls bedrückend, aber auch das ist Natur: die Überreste einer Lederschildkröte, der heute größten Schildkrötenart. Diese Tiere nutzen diesen abgelegenen Strand während der Saison zwischen Oktober und Februar auch zur Eiablage. Wir sehen ein eingezäuntes Gelege. Von November bis März können die Kleinen schlüpfen.

Zwischendurch beobachten wir die Braunpelikane in der Brandungszone, mal scheinbar mühelos gerade so eben über dem Wasser dahingleitend (wo ihre Flügel durch den Bodeneffekt eine deutlich höhere Tragkraft entfalten), mal wie ein Pfeil hinabtauchend, dann wieder friedlich ausruhend.

Sie beeindrucken durch ihre fliegerische Eleganz, aber auch durch ihre schiere Größe. Rund zwei Meter Flügelspannweite, aber auch die Fußspuren am Strand neben meinen machen ihre Dimension deutlich:

Also wir wieder bei Fidelis’ Dinghy ankommen, sind inzwischen auch die Nomad und die Joy in der Bahía Bonanza vor Anker gegangen, wir freuen uns über das Wiedersehen.

Trotzdem segeln wir am nächsten Tag gemeinsam mit der Fidelis weiter, diesmal an der Ostseite der Isla Espíritu Santo hinauf und um die Nordspitze der Isla Partida herum.

Es ist faszinierend, wie die von West nach Ost ansteigenden Inseln hier fast senkrecht zum Teil mehrere hundert Meter hoch ins Meer abfallen.

Nachdem für heute kein Coromuel-Wind, dafür aber zunehmender Nordwind angekündigt ist, gehen die Flora und die Fidelis an der Westseite von Partida vor Anker. Diese Idee hatten offenbar auch andere, einige Boote sind schon da und weitere kommen noch dazu. Aber die Ensenada de la Partida bietet viel Platz und auch hier treffen wir Bekannte: Lynn und Hugh von der Happy kommen gleich vorbei und laden uns zum Cruiser-Treffen am Strand ein:

La Paz. Blick zurück und nach vorn

Eines der vielen Monumente auf dem Malecón von La Paz. Der Blick der Statue richtet sich auf das Meer, auf unseren Ankerplatz. Vielleicht geht er auch darüber hinaus, in die Ferne. Die fein gearbeiteten Gesichtszüge, der verschmitzte Blick, die ironische Brechung durch das gefaltete Papierschiffchen, diese Bronzefigur gefällt uns richtig gut. Schaut sie zurück auf das Erlebte oder nach vorn auf das was kommt?

Viel zu schnell ist die Zeit mit unseren Freunden Catalina und Jan an Bord der Flora schon wieder vorbei, Abschieds-Tacos bei “Clara Fish Jr.” in der Stadt, am nächsten Morgen geht für Catalina schon ganz früh der Flieger. Danke Ihr beiden, es war mal wieder wunderschön mit Euch an Bord.

Jans Flieger geht einen Tag später, wir spannen den Chief am letztern Tag gnadenlos für Bootsarbeiten ein. Die neue Rolle für die Reffleine der Fock hatte er mitgebracht, jetzt wird sie montiert. Ölwechsel am Außenbordmotor, Check des Bootsdiesels. Außerdem installieren Jan und ich die Anschlüsse für zwei weitere Solarpanele. Der Regulator unseres Silentwind-Windgenerators bietet die Möglichkeit, zusätzlich Solarpanele anzuschließen. Das nutzen wir aus und schließen entsprechende Kabel an. Wir entscheiden uns aber gegen eine feste Installation der Panel. Diese vergleichsweise billigen semiflexiblen Solarpanele fahren wir tatsächlich schon seit drei Jahren als Backup durch die Gegend. Mit der jetzigen Installation können wir (am Ankerplatz) die Kabel durch ein beliebiges Fenster der Achterkajüte legen und per Steckverbindung an die Panel anschließen. Dadurch können sie z.B. auf der Sonnenseite an den Seezaun oder auf dem Bimini an den Großbaum gehängt werden. Bei Nichtgebrauch verschwinden sie schnell wieder unter der dritten Koje.

Eine willkommene Ergänzung von weiteren 2 x 100 WP zu unserer Energieversorgung, die damit auf 830 WP Solar plus den Windgenerator angewachsen ist, zudem kann im (seltener gewordenen) Bedarfsfall der 5 KW Dieselgenerator und natürlich die Lichtmaschine des Volvo-Penta ebenfalls Strom produzieren.

Der Stromverbrauch ist in letzter Zeit angestiegen. Das liegt an den wärmeren Temperaturen, die den Stromhunger unserer beiden wassergekühlten Kühlschränke erhöhen, am ebenfalls energiehungrigen Starlink, aber auch an unserer Induktionskochplatte.

In Campbell River (am Landstrom) haben wir die IKEA-Einflammen-Induktionsplatte hervorgeholt. Ursprünglich nur als Backup für den Fall einer schwierigen Propangasversorgung an Bord, hat sich die Platte seitdem sehr bewährt. So dauert der Morgen-Mokka nur etwa die Hälfte der Zeit. Unser Inverter kommt gut mit der maximal 2.000 Watt verbrauchenden Platte zurecht und die (jetzt nochmals ergänzten) Solarpanel füllen die Verbraucherbatterien gut wieder auf. Nebeneffekt: wir verbrauchen deutlich weniger Propangas, obwohl wir weiterhin insbesondere den Backofen intensiv nutzen. Heute zum Beispiel mit Brot backen, Granola-Müsli machen und Apfelkuchen backen am Stück, damit der Ofen nicht mehrfach aufheizen muss.

Und wo wir schon bei den Mahlzeiten sind: wir haben mal wieder etwas zwar Altbekanntes, aber für uns komplett Neues ausprobiert, getreu der Frage vom Beginn unserer Reise: “Wann habt Ihr zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?”

Einkochen ☺️.

Damit hatten wir schon länger geliebäugelt, weil es eine wunderbare Methode ist, Lebensmittel an Bord haltbar zu machen, zudem ohne den riesigen (und andauernden) Energiebedarf einer Gefriertruhe. Einigermaßen (Propangas-)sparsam geht das allerdings nur mit einem Schnellkochtopf, und vor denen hatten wir ziemlichen Respekt. Gespräche mit anderen Seglern und letztlich ein geschenktes Glas eingekochter Mahi-Mahi von den Seenomaden Doris und Wolf haben dann aber den Ausschlag gegeben, es doch zu versuchen.

Wir haben schon mal begonnen, Fleischvorräte für Französisch Polynesien einzukochen. Und Bestandsaufnahme unserer Lebensmittel gemacht, erste Großeinkäufe hier in La Paz getätigt. Ein bisschen Zeit ist noch, aber wir überlegen, früher als ursprünglich geplant nach Süden aufzubrechen. Vielleicht noch im Januar.

Und das bringt uns zum Blick nach vorn:

Also erst mal Inventur machen und auch die weniger benutzten Stauräume unter und hinter den Sitzen durchgehen, die Excel-Liste auf Stand bringen. Sind 5 kg Haferflocken genug? Wie viel H-Milch und Milchpulver brauchen wir? Wie viel Reis, Nudeln, Bohnen, Konserven, Getränke, Mehl, Kaffee, Olivenöl, …, wie viel von den weniger haltbaren Lebensmitteln? Dabei geht es anders als bisher nicht nur um den Monat der Passage. Die Einkaufsmöglichkeiten in Französisch Polynesien sind einigermaßen begrenzt. Erst in Papeete auf Tahiti werden wir wieder auf große, gut gefüllte Supermärkte stoßen. Bis dahin wird es ziemlich lang. Auf der geplanten Strecke über die Gambier-Inseln, die Tuamotu-Atolle und die Marquesas wird das Angebot in den kleinen Läden eher überschaubar sein und oft abhängig davon, wann zuletzt das Versorgungsschiff angelegt hat. Aber wie bevorratet man sich für – sagen wir mal – sechs Monate? A was soll man eigentlich alles denken für ein halbes Jahr? Das ist jedenfalls auch ein Novum für uns.

Da stehen auf alle Fälle noch einige weitere Einkäufe an.

Tja, und das bewegt uns derzeit so auf unserem Ankerplatz hier in La Paz.

Springende Rochen, tanzende Seelöwen und einiges mehr: ein tierisch guter Start ins Jahr 2024

Die Sea of Cortez ist für ihre reiche Unterwasserwelt bekannt. Neben der Erkundung der wunderbaren Landschaft über Wasser hatte ich deshalb die heimliche Hoffnung, wir könnten vielleicht Manta-Rochen zu Gesicht bekommen. Tatsächlich hatten wir schon ein paar Mal einzelne Rochen aus dem Wasser springen sehen, wenn auch in großer Entfernung. Jetzt aber haben wir richtig Glück: bei einer Dinghyrunde am Ankerplatz in der Caleta El Candelero springen nahe bei uns immer wieder Mantas meterhoch aus dem Wasser, schlagen mit ihren “Flügeln”, machen teilweise sogar Salti. Und dann klatschen sie bäuchlings wieder auf das Wasser. Was für ein Spektakel.

Dabei hatten auch die Hikes an unseren beiden letzten Ankerplätzen uns ganz wunderschöne Naturerlebnisse beschert.

In der Ensenada Grande auf Isla Partida beeindruckt schon die Uferformation (wir taufen sie die verschleierten Frauen).

An Land führt dann ein Hike ein weitgehend trockenes Bachbett hinauf. In einigen schattigen Senken finden sich auch noch feuchte Stellen und insgesamt zeigt sich viel Grün in diesem schmalen Tal. Das findet auch die Tierwelt klasse, wir entdecken ein endemisches Espíritu-Santo-Antilopenziesel, Queen-Schmetterlinge beim Hochzeitstanz und die wunderschönen Blue-Rock-Lizzards.

Auch die Wanderung selbst gefällt uns sehr, flachere Abschnitte wechseln sich mit Kletterpartien über die Steine und Felsbrocken im Bachbett ab.

Der Ankerplatz ist super. Morgens und Abends haben wir ihn fast für uns allein, tagsüber allerdings bringen Pangas viele Tagesgäste zu den drei Stränden der großen Bucht. Kein Wunder, denn auch schnorcheln lässt sich hier ganz gut. Neben Perlenkofferfischen, Falterfischen und vielen anderen fallen ganz besonders die knallgelben Zitronen-Kugelfische ins Auge.

An Silvester zieht es uns ein paar Buchten weiter südlich, wir verholen in die Caleta El Candelero auf Espiritu Santo. Diese Bucht wird durch eine markante Felseninsel in der Mitte geprägt.

Ebenfalls toll zum Schnorcheln, außerdem erfreuen uns hier eben die springenden Rochen. Und der (kurze) Hike führt an der kleinen Lagune vorbei durch eine seltsam ausgewaschene Sandstein-Landschaft mit vielen kleinen Überständen, Halbhöhlen und Höhlen.

Was für ein Tag. Und er ist ja noch nicht zu Ende, wir feiern zu viert an Bord der Flora Silvester, einschließlich Tanz auf dem Achterschiff und kleinem Feuerwerk auf einem der zahlreichen Motorboote, die wohl von La Paz für einen Silvesterausflug in die Bucht gekommen sind.

Am Neujahrsmorgen sind sie alle wieder verschwunden, dafür findet sich ein junger Seelöwe ein. Er spielt den ganzen Vormittag lang um die Flora herum, springt gelegentlich aus dem Wasser und scheint die kleinen Schwarmfische eher zusammenzutreiben wie ein Hütehund eine Herde. Es sieht mehr nach einem Spiel als nach einer echten Jagd aus, einzelne Fische treibt er wieder zum Schwarm zurück. Das wird besonders deutlich sichtbar, als wir schließlich zu ihm ins Wasser steigen. Irritieren lässt er sich von uns nicht, scheint eher mit uns zu tanzen, dreht Pirouetten und schraubt sich um uns herum.

Wir wünschen Euch allen einen wunderbaren Start in das Jahr 2024!

San Evaristo

Es gibt eine Vielzahl wunderbarer Ankerplätze hier. Mit sehr unterschiedlichen Vorzügen. Von San Evaristo, dem kleinen Fischerdorf auf der Baja California, erhoffen wir uns eigentlich vor allem einen Besuch in dem nett beschriebenen Mini-Restaurant am Strand. Aber – Pech – das hat leider nicht geöffnet. Ob es an der Zeit “zwischen den Jahren” liegt oder am Feiertag “Día de los Santos Inocentes”? Wie auch immer, der ganze Ort wirkt fast wie ausgestorben, kaum ein Mensch ist zu sehen.

Der Strand ist leer, die Außenbordmotoren der meisten, hoch auf den Strand gezogenen Pangas sind abgedeckt. Die Kreuzung der beiden Sandstraßen, die zugleich Bolzplatz ist: vollkommen verwaist.

Ein bisschen seltsam wirkt, dass viele Grundstücke mit Stacheldrahtzäunen umgeben sind. Stacheldraht um die Kakteen – irgendwie skurril. Der sumpfige Brackwasserteich hinter der ersten Häuserreihe ist auch nicht dazu angetan, für eine heimelige Atmosphäre zu sorgen.

Unser Spaziergang durch den Ort bleibt dann doch eher kurz. Schade, denn der Ankerplatz selbst ist wieder richtig schön und bietet auch guten Schutz gegen den Nordwind. Wir kayaken bzw. nutzen das SUP und auch das Schnorcheln ist gut.

Tja, und wie gesagt, der Ankerplatz …

Gratwanderung zu Weihnachten: Isla San Francisco

Es geht ein bisschen hin und her. Nach ein paar Tage mit Jan auf der Isla Partida fahren wir schon wieder nach La Paz. Noch mal ein Supermarkt-Großeinkauf. Und dann, fast schon um Mitternacht, holen wir Catalina am Dinghydock in der Marina ab. Damit ist die Crew der Flora für die Mexiko-Weihnachten komplett, es ist die gleiche wie vor zwei Jahren auf der Atlantikseite.

😊

Freudige Begrüßungsfeier, also lichten wir am nächsten Tag erst gegen Mittag den Anker. Es ist wenig Wind, aber mit dem Code0 können wir (wenn auch eher gemütlich) schön segeln.

So schaffen wir es bis zur Bahía El Empachado auf der Isla Espiritu Santo. Dort liegt schon die Wind River, wir laden mit Raffi und Kristen zu Fisch- und Hähnchen-Tacos auf die Flora ein. Es wird ein schöner Abend und die beiden Schwesterschiffe geben auch ein tolles Bild am Ankerplatz ab:

Und über dem Sandgrund im klaren Wasser scheint die Flora regelrecht zu schweben.

Wir möchten an Heiligabend dann noch ein Stückchen weiter nach Norden. Der Wind frischt zwar zunehmend bis über 20 kn auf, aber immerhin können wir die Isla San Francisco hoch am Wind fast anlegen. Nur das letzte Stück in die vor dem steifen Nord wunderbar geschützte halbmondförmige Ankerbucht motoren wir dann doch, denn durch den Canal de San José bläst es noch stärker hinunter. Ein AIS-Signal ist nicht zu entdecken, aber vier Boote liegen bereits in der Bucht, als wir einlaufen. Und wieder gibt’s ein unabgesprochenes Treffen mit befreundeten Crews: mit Doris und Wolf von der Nomad sowie Adriane und Michiel von der Joy treffen wir uns gleich zum Heiligabend-Sundowner am Strand.

Der Hike auf den Bergrücken im Osten der Bucht wird uns sehr nachdrücklich ans Herz gelegt.

Am ersten Weihnachtstag verziehen sich dann gegen Mittag die Wolken und wir machen uns auf. Am Strand entlang und dann durch die natürliche Salzpfanne der Landenge geht es auf einem Trampelpfad hinüber zu der Hügelkette.

Dann durch ein trockenes Bachbett etwas bergan bis zum hier noch recht niedrigen Grat. Und dann folgt unser kleines Weihnachtswunder: der Pfad folgt dem ansteigenden Grat, es wird die spektakulärste Wanderung, die wir bisher in Mexiko gemacht haben.

Es gibt tolle Ausblicke, aus dem Wandern auf dem Pfad wird Klettern, immer oben am Grat entlang, hoch über Floras Ankerplatz.

Kleiner Nebeneffekt: die Drohne hat eine um einiges erhöhte Starthöhe 😉.

Am Südende der Isla San Francisco können wir dann wieder zum Strand hinunter klettern.

Frohe Weihnachten 2023 von der Crew der Flora!

La Paz, Besuch und Naturerlebnisse auf der Isla Partida

In La Paz steigt unser “Chief” Jan zu. Wir bleiben aber nicht lange an dem gut gefüllten Ankerplatz vor der Großstadt, sondern nutzen den kurzen Aufenthalt nur zur Proviantierung im gut sortierten Supermarkt und zu einem Sundowner-Treffen mit den Seenomaden Doris und Wolf.

Foto Credit: Wolf

Und mit Jan an Bord geht’s dann gleich wieder los. Na ja, ein bisschen vorgezogene Bescherung gibt’s erst noch, schließlich bringt unser Besuch einiges an bestellten Ersatzteilen, eine neue Drohne und auch Weihnachtsgeschenke von Wiebkes Mama mit. Dankeschön!

Unser erster Stop ist Playa Pichilingue. Ganz unverhofft treffen wir an diesem Ankerplatz Raffi mit Floras Schwesterschiff “Wind River”. Wir freuen uns sehr über das Wiedersehen.

Chief Jan kann gleich wieder sein Mechanikertalent hervorkramen, nix mit Urlaub. Der 2-Takt-Außenborder von Raffis Dinghy mackelt, gemeinsam machen wir uns auf Fehlersuche.

Und auch Jan mit seiner BeAtitas kommt in die Bucht, sehr praktisch, denn auch für ihn hat “unser” Jan ein Ersatzteil mitgebracht, das wir gleich übergeben.

Während die anderen noch bleiben, segeln wir danach an der felsigen Küste mit ihren vielen Buchten nordwärts zu den Inseln Espiritu und Partida.

Nach gut 15 Seemeilen biegen wir in die Meerenge ein, die Espiritu und Partida teilt. Für Dinghies und Kayaks passierbar, ist der schmale gewundene Durchgang für Segelboote nicht befahrbar. Auch der Nordost-Schwell bleibt draußen, so dass die große Ankerbucht gut geschützt ist. Wir probieren gleich die neue Drohne mit dem Weitwinkelvorsatz aus, sieht gleich doppelt so hoch aus, verzerrt aber auch ein bisschen 😉:

Am nächsten Tag verholen wir für einen Kaffee-Stop um die Ecke in den schmalen Einschnitt “El Cordoncito”. Der Raum zu Herumschwingen ist begrenzt, aber für den kurzen Aufenthalt bei ruhigem Wetter ist der Platz wunderbar.

Für die Nacht Ankern wir dann aber in der deutlich größeren “Ensenada El Cordonal”, wiederum eine Bucht nördlicher auf der Isla Partida. Sehr schön: hier lässt es sich gut mit dem Dinghy anlanden und vom Scheitel der Bucht führt ein Pfad hinüber auf die Ostseite der Insel. Zunächst an den Mangroven entlang, wobei sich am Berghang zu unserer Linken bereits wieder viele beeindruckende Kakteen bewundern lassen.

Im Matsch zu unserer Rechten zieht etwas anderes unsere Blicke auf sich:

Krebse, genauer gesagt: Winkerkrabben (Fiddler-Crabs). Kaum so lang wie ein Fingerglied. Zuerst sehen wir nur einzelne von ihnen in kleine Löcher im lehmigen Untergrund schlüpfen. Mit ihrer einzelnen großen Zange (es gibt aber Rechtshänder und Linkshänder) verschließen sie dann ihr Versteck.

Also wir uns näher zum Wasser hin bewegen wird aus dem einzelnen Huschen dann aber schnell das große Krabbeln:

Nach der Wanderung gibt’s bei der Dinghy-Rückfahrt zu Boot ein weiteres tierisches Highlight. Wir entdecken die von uns so geliebten Blue Footed Boobies (Blaufußtölpel), die Wiebke und ich bisher nur auf Galapagos bewundern durften:

Was für ein wundervoller Ankerplatz.

Caleta Lobos

Als der Nordwind doch zunehmend Schwell in die Bahía Balandra drückt, verholen wir ein Stück weiter südlich. Durch die vorgelagerte Islote El Merito ist die Doppelbucht der Caleta Lobos deutlich besser geschützt.

Auch hier zeigt sich der innere Bereich der Bucht so flach, dass er zu großen Teilen bei Ebbe trocken fällt. Für den Landgang bietet sich daher wieder das Kayak an, mit dem wir gut über die Barre der Südbucht kommen. Am Ende müssen wir es trotzdem noch ein ganzes Stück tragen, bevor wir es an den Mangroven festbinden können.

Vom Sandstrand im Scheitel der Bucht aus führt ein Pfad den Hügel hinauf. Zwischen Gestrüpp und riesigen Cardon-Kakteen hindurch arbeiten wir uns nach oben. Die auch Elephant-Cactus genannten und fast nur auf der Baja California heimischen dornigen Gewächse sind die zweitgrößten Kakteen der Welt. Die Exemplare hier sind dabei noch nicht einmal Giganten: sehr langsam wachsen Cardon bei idealen Bedingungen über 12 m hoch. Noch größer werden nur die ähnlich aussehenden Saguaro-Kakteen, sie können bis zu 20 m erreichen.

Nach der Wanderung fahren wir mit dem Dinghy zur Islote El Merito und gehen endlich wieder einmal schnorcheln.

Und als wäre das noch nicht wunderbar genug, segeln am Nachmittag auch noch Doris und Wolf in “unsere“ Ankerbucht, lassen den Anker gleich neben der Flora fallen und laden uns zum Abendessen auf die Nomad ein.

😊

Der erste Ankerplatz in der Sea of Cortez: Bahía Balandra

Kneif mich mal. Die Baja California überrascht uns immer wieder. So auch an unserem ersten Stop in der Sea of Cortez.

Was ist das denn für ein Ankerplatz? Mit diesen Farben und einer Kulisse vom Feinsten. Klares Wasser, traumhafter Sandstrand, eine Lagune mit Mangroven und die Gebirgskette unmittelbar dahinter.

Nur zwei andere Segler sind da, einer davon läuft aber kurz nach unserer Ankunft aus. Wir nutzen das und verholen Flora noch näher zum Strand.

Die innere Bucht ist landseitig per Straße zugänglich und bietet einen Kayak-Verleih. Allzu viel ist um diese Jahreszeit aber offenbar nicht los. Einige Tourboote laufen die Bucht an, bleiben aber meist nicht lange. Wir warten mit unserem Strandausflug bis kurz vor Sonnenuntergang. Da sind alle wieder weg, wir haben die zum Strand gewordene Sandbank zwischen innerer und äußerer Bucht ganz für uns allein.

Am nächsten Morgen ist von dieser Sandbank nichts mehr zu sehen. Hochwasser. Wir blassen unser Kayak auf und erkunden die innere Bucht und auch die Mangroven an der Lagune. Auch dort sind wir erstaunlicherweise wieder allein unterwegs.

Selbst den Platz an der Selfie-Attraktion dieser Bucht, dem pilzförmigen Felsen “El Hongo”, macht uns niemand streitig.

Und da der andere Ankerlieger früher aufbricht als wir, bekommen wir als Abschiedsgeschenk noch die Illusion, das Kleinod der Bahía Balandra ganz exklusiv genießen zu dürfen.

Nach Cabo San Lucas. Und weiter.

Die Südspitze der Baja California kommt in Sicht. Seit San Diego sind wir über 700 Seemeilen (rund 1.300 km) an dieser gigantischen mexikanischen Halbinsel entlang nach Südosten gesegelt. Nennenswerte Streckenanteile wurden auch motort, um günstige Seegangsbedingungen auszunutzen oder exponiertere Ankerplätze bei ruhigem Wetter zu erreichen. Wir haben mexikanische Städte, Dörfer, Fischercamps und abgelegene Ankerplätze an der westlichen Pazifikküste besucht. Und jetzt wollen wir Floras Bug erst einmal wieder nach Norden richten, hinein in die Sea of Cortez, wie der durch die Baja California gebildete Golf von Kalifornien auch genannt wird.

Die Rundung der Südspitze der Baja California wollen wir nutzen, um im dortigen Touristenmekka Cabo San Lucas Floras Dieseltank wieder aufzufüllen.

Es wird ein echter Kulturschock. Na gut, etwas über 200.000 Einwohner hat der Ort. Aber anders als etwa in Ensenada wird bei der Anfahrt klar, wie intensiv der Tourismus diesen Ort prägt. Fallen beim Näherkommen zunächst neben einigen Hotelklötzen noch die auf die Klippen gebauten Luxusvillen ins Auge …

… wird dann doch mehr und mehr deutlich, dass die mehr als 3 Millionen Besucher pro Jahr ja schließlich auch irgendwo untergebracht werden müssen.

Sieht doch eigentlich noch ganz gut aus? Ja, aber. Die Einfahrt in den Hafen zum Fuel-Dock führt an markanten Felsformationen und eingestreuten Stränden vorbei. Der Verkehr an Ausflugsbooten, Sportfischer-Yachten, Schnorchel- oder Tauchbooten, Wassertaxis, Jet-Skis, Fähren und Hafenliegern in die enge Einfahrt ist chaotisch, das Wasser aufgewühlt, Vorfahrt-Regeln scheinbar nicht existent. Es hilft auch nicht, dass ein Kreuzfahrer direkt neben der Zufahrt ankert.

Wie auch immer, wir schaffen es hinein, tanken, und dann gleich wieder weiter. Den ursprünglichen Plan, vor dem zentralen Strand der Stadt zu ankern, geben wir schnell auf. Zu aufgewühlt das Wasser, zu viel dröhnende Musik von Booten und Strandlokalen.

Diese Entscheidung wird uns besonders leicht gemacht, weil für die nächsten zwei Tage der in der Sea of Cortez um diese Jahreszeit dominante Nordwind Pause macht. Wir können dadurch die weiteren rund 150 Seemeilen ums Eck und nach La Paz bei deutlich angenehmeren Bedingungen in Angriff nehmen. Also los, und: tschüss, Cabo.

Die Stadt zieht sich inzwischen einige Meilen weiter die Küste entlang, aber im Laufe der nächsten Nachtfahrt bleibt die dichte Bebauung achteraus und am nächsten Morgen präsentiert sich die Baja California auf ihrer Innenseite wieder als eher dünn besiedelte Landschaft. Und doch anders, als wir sie erwarten: hier im Süden grüner, gebirgiger, scharfkantiger. Ein faszinierendes Wechselspiel von Klippen und Stränden, dass langsam erneut karger wird, je weiter wir wir wieder nach Norden kommen.

Wir sind so gespannt auf die Ankerplätze hier!