In der „Blue Lagoon“ bei Anelen und Tai

Mit dem Dinghy fahren wir aus der Bucht vor Nabouwalu heraus, eben nördlich um die Ecke herum. Hier liegt die Makani von Einhandseglerin Ruby vor Anker, die wir schon in Französisch Polynesien und auch Tonga getroffen haben. Vor dem Schnorcheln klönen wir noch ein bisschen mit Ruby und beschließen dann, Flora hierher zu verholen. Auf Noforeignland heißt der Ankerplatz „Blue Lagoon“, aber da ist dann doch deutlich vielleicht jemandes Phantasie ein bisschen durchgegangen. Weder ist das Wasser besonders blau, noch wird dieser Platz durch eine eigene Lagune gebildet. Eigentlich ist es eine eher offene Bucht, so dass tatsächlich auch etwas mehr Schwell hinein steht. Schön ist es aber trotzdem, denn im hell türkis schimmernden Flachwasserbereich bei 5 m Wassertiefe gibt es einige ausgedehntere Sandflecken zwischen den Korallen, hier findet auch der Anker guten Halt.

Auf den sich an der ganzen Bucht entlang ziehenden heller Strand aus Sand und Korallenschutt scheinen einige größere Felsen wie malerisch hingewürfelt. Neben Palmen wird der Strand auch von Bäumen einer Feigenart gesäumt, deren knorriger Stamm und die teils niedrig über den Strand kriechenden Äste manchmal kaum von den Steinen zu unterscheiden sind.

Ein bisschen versteckt liegt das Grundstück von Anelen und Tai an dieser Bucht. Wir statten den beiden einen Besuch ab und werden gleich mit Pawpaw (Papaya) beschenkt.

Bei unserem nächsten Besuch bringen wir Gegengeschenke mit, unter anderem für ihre kleinen Töchter Eka (2 1/2) und Sai (1) Farbstifte und einen kleinen Stoffteddy. Das kommt gut an und unsere Gastgeber stiefeln gleich wieder in ihren großen Garten. Tai holt Cassawa (Maniok / Tapioka) und zeigt uns auch gleich, wie man die äußerlich dunkelbraunen Wurzeln am Besten von ihrer harten Schale befreit um an das strahlend weiße Innere zu kommen. Zubereitet wird Cassawa dann wie bei uns Kartoffeln: meist gekocht, aber frittiert, gebraten oder im Ofen gegart geht ebenso.

Wir verlegen uns vom Schenken auf das Helfen: am Haus lehnen zwei feste, nicht angeschlossene Solarpanel. Darauf angesprochen, erklärt Tai, die Panel würden nicht funktionieren. Bei dem einen ist die Ursache offensichtlich, es ist zerbrochen. Das andere sieht aber heile aus. Ich hole Werkzeug vom Boot und messe es durch. Das Panel ist in Ordnung, die Steckverbindung im Kabel aber defekt. Also nochmal zum Boot, MC4-Stecker und Crimpzange holen. Nach der gelungenen Reparatur stellt sich aber heraus, dass im Haus zwar neue Batterien stehen, allerdings gibt es keinen Solarregler. Die Batterien sind auch nicht angeschlossen und werden auch nicht geladen. Man halt halt schon mal einzelne Teile, aber noch kein System. Energie gibt’s derzeit nur direkt über einen Dieselgenerator.

Wir haben noch einen älteren Solarregler an Bord, der mal als Reserve gedacht war, dann aber durch einen etwas größeren verdrängt wurde. Und auch eine USB-Steckdose, die ebenfalls einer leistungsfähigeren gewichen ist. Also nochmal zum Boot, die Teile holen und installieren. Hier machen sie Sinn und liegen nicht nur rum. Die erste provisorische Installation passt ganz gut zu den vor Ort bereits vorhandenen „fliegenden“ Kabeln aber ich bereinige meinen Teil dann doch noch etwas. Und jedenfalls funktioniert es.

Tai möchte dann noch das Panel auf das Wellblechdach bringen. Als ich mit ihm aufs Dach steige, findet sich dort oben zu meiner Überraschung sogar schon eine Unterkonstruktion.

Allerdings sind die Schrauben der Befestigungswinkel zu kurz. Nochmal zur Flora, da habe ich etwas längere, passende.

Viel Fahrerei und Bastelei, aber auch das gute Gefühl, vor Ort sinnvoll geholfen zu haben. Ein schöner Nachmittag!

La Paz. Blick zurück und nach vorn

Eines der vielen Monumente auf dem Malecón von La Paz. Der Blick der Statue richtet sich auf das Meer, auf unseren Ankerplatz. Vielleicht geht er auch darüber hinaus, in die Ferne. Die fein gearbeiteten Gesichtszüge, der verschmitzte Blick, die ironische Brechung durch das gefaltete Papierschiffchen, diese Bronzefigur gefällt uns richtig gut. Schaut sie zurück auf das Erlebte oder nach vorn auf das was kommt?

Viel zu schnell ist die Zeit mit unseren Freunden Catalina und Jan an Bord der Flora schon wieder vorbei, Abschieds-Tacos bei “Clara Fish Jr.” in der Stadt, am nächsten Morgen geht für Catalina schon ganz früh der Flieger. Danke Ihr beiden, es war mal wieder wunderschön mit Euch an Bord.

Jans Flieger geht einen Tag später, wir spannen den Chief am letztern Tag gnadenlos für Bootsarbeiten ein. Die neue Rolle für die Reffleine der Fock hatte er mitgebracht, jetzt wird sie montiert. Ölwechsel am Außenbordmotor, Check des Bootsdiesels. Außerdem installieren Jan und ich die Anschlüsse für zwei weitere Solarpanele. Der Regulator unseres Silentwind-Windgenerators bietet die Möglichkeit, zusätzlich Solarpanele anzuschließen. Das nutzen wir aus und schließen entsprechende Kabel an. Wir entscheiden uns aber gegen eine feste Installation der Panel. Diese vergleichsweise billigen semiflexiblen Solarpanele fahren wir tatsächlich schon seit drei Jahren als Backup durch die Gegend. Mit der jetzigen Installation können wir (am Ankerplatz) die Kabel durch ein beliebiges Fenster der Achterkajüte legen und per Steckverbindung an die Panel anschließen. Dadurch können sie z.B. auf der Sonnenseite an den Seezaun oder auf dem Bimini an den Großbaum gehängt werden. Bei Nichtgebrauch verschwinden sie schnell wieder unter der dritten Koje.

Eine willkommene Ergänzung von weiteren 2 x 100 WP zu unserer Energieversorgung, die damit auf 830 WP Solar plus den Windgenerator angewachsen ist, zudem kann im (seltener gewordenen) Bedarfsfall der 5 KW Dieselgenerator und natürlich die Lichtmaschine des Volvo-Penta ebenfalls Strom produzieren.

Der Stromverbrauch ist in letzter Zeit angestiegen. Das liegt an den wärmeren Temperaturen, die den Stromhunger unserer beiden wassergekühlten Kühlschränke erhöhen, am ebenfalls energiehungrigen Starlink, aber auch an unserer Induktionskochplatte.

In Campbell River (am Landstrom) haben wir die IKEA-Einflammen-Induktionsplatte hervorgeholt. Ursprünglich nur als Backup für den Fall einer schwierigen Propangasversorgung an Bord, hat sich die Platte seitdem sehr bewährt. So dauert der Morgen-Mokka nur etwa die Hälfte der Zeit. Unser Inverter kommt gut mit der maximal 2.000 Watt verbrauchenden Platte zurecht und die (jetzt nochmals ergänzten) Solarpanel füllen die Verbraucherbatterien gut wieder auf. Nebeneffekt: wir verbrauchen deutlich weniger Propangas, obwohl wir weiterhin insbesondere den Backofen intensiv nutzen. Heute zum Beispiel mit Brot backen, Granola-Müsli machen und Apfelkuchen backen am Stück, damit der Ofen nicht mehrfach aufheizen muss.

Und wo wir schon bei den Mahlzeiten sind: wir haben mal wieder etwas zwar Altbekanntes, aber für uns komplett Neues ausprobiert, getreu der Frage vom Beginn unserer Reise: “Wann habt Ihr zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?”

Einkochen ☺️.

Damit hatten wir schon länger geliebäugelt, weil es eine wunderbare Methode ist, Lebensmittel an Bord haltbar zu machen, zudem ohne den riesigen (und andauernden) Energiebedarf einer Gefriertruhe. Einigermaßen (Propangas-)sparsam geht das allerdings nur mit einem Schnellkochtopf, und vor denen hatten wir ziemlichen Respekt. Gespräche mit anderen Seglern und letztlich ein geschenktes Glas eingekochter Mahi-Mahi von den Seenomaden Doris und Wolf haben dann aber den Ausschlag gegeben, es doch zu versuchen.

Wir haben schon mal begonnen, Fleischvorräte für Französisch Polynesien einzukochen. Und Bestandsaufnahme unserer Lebensmittel gemacht, erste Großeinkäufe hier in La Paz getätigt. Ein bisschen Zeit ist noch, aber wir überlegen, früher als ursprünglich geplant nach Süden aufzubrechen. Vielleicht noch im Januar.

Und das bringt uns zum Blick nach vorn:

Also erst mal Inventur machen und auch die weniger benutzten Stauräume unter und hinter den Sitzen durchgehen, die Excel-Liste auf Stand bringen. Sind 5 kg Haferflocken genug? Wie viel H-Milch und Milchpulver brauchen wir? Wie viel Reis, Nudeln, Bohnen, Konserven, Getränke, Mehl, Kaffee, Olivenöl, …, wie viel von den weniger haltbaren Lebensmitteln? Dabei geht es anders als bisher nicht nur um den Monat der Passage. Die Einkaufsmöglichkeiten in Französisch Polynesien sind einigermaßen begrenzt. Erst in Papeete auf Tahiti werden wir wieder auf große, gut gefüllte Supermärkte stoßen. Bis dahin wird es ziemlich lang. Auf der geplanten Strecke über die Gambier-Inseln, die Tuamotu-Atolle und die Marquesas wird das Angebot in den kleinen Läden eher überschaubar sein und oft abhängig davon, wann zuletzt das Versorgungsschiff angelegt hat. Aber wie bevorratet man sich für – sagen wir mal – sechs Monate? A was soll man eigentlich alles denken für ein halbes Jahr? Das ist jedenfalls auch ein Novum für uns.

Da stehen auf alle Fälle noch einige weitere Einkäufe an.

Tja, und das bewegt uns derzeit so auf unserem Ankerplatz hier in La Paz.