Passage nach Hawaii, Tag 18

Dunkelgrau mit weißen Schaumkronen. So präsentiert sich die Südsee heute. Südsee? Wieso eigentlich Südsee? Wir sind doch inzwischen auf über 10 Grad nördlicher Breite, Hawaii liegt sogar am Wendekreis des Krebses, also dem nördlichen Ende der Tropen. Trotzdem wird es zur Südsee gezählt. Dafür gibt es zwei Gründe.
Zum einen wird „Südsee“ oft synonym verwendet mit Polynesien. Die Polynesier waren seefahrerisch aber ziemlich aktiv, das polynesische Dreieck spannt sich von Neuseeland (Aotearoa) hinüber zu der Osterinsel (Rapa Nui) und hinauf bis eben Hawaii, mit dem Zentrum Raiatea etwa 2.600 sm von allen diesen Eckpunkten entfernt. Es waren die Polynesier, die Hawaii besiedelten und so ist die ursprüngliche Hawaiianische Kultur eng mit der des übrigen Polynesien verknüpft. Südseekultur! Da freuen wir uns drauf. Die navigatorische Leistung mit den polynesischen Segel-Kanus derart ausgreifende Reisen gezielt durchführen zu können und zwischen diesen weit auseinanderliegenden Polen zu navigieren löst bis heute Erstaunen aus.
Der zweite Namensgrund ist profaner: der erste Europäer, der den heute Pazifik genannten Ozean erblickte (aber nicht befuhr) war der Spanier Vasco Nunez de Balboa. Auf der Suche nach Gold überquerte er den Istmus von Panama. Einmal mehr muss man sich vor Augen führen, dass Panama eher in Ost-West- als in Nord-Süd-Richtung verläuft. Balboas Blick in den weiten pazifischen Golf von Panama war nach Süden gerichtet, der weitere Verlauf der begrenzenden westlichen Küstenlinien der amerikanischen Kontinente für ihn noch nicht bekannt. Konsequenterweise benannte er den neuen Ozean „Mar del Sur“, also Südmeer oder eben „Südsee“.

Wie auch immer, Südseeidylle stellt sich heute bei uns nicht ein. Still und friedlich ist der Ozean auch nicht. Die See ist rau, es bläst im Moment mit ziemlich konstant über 20 kn (heute nacht war es zum Glück wenigstens etwas ruhiger) und es liegt eine dichte, konturlose Wolkendecke über uns. Die Wellen kommen weiterhin seitlich und decken die Flora immer wieder mit Gischt und Salznebel ein, ab und zu rauscht auch eine Wand festen Wassers über das Deck. Das zweite Reff ist wieder im Groß.

Essen: Tomaten-Nudel-Eintopf mit Paprika und Chorizo.

Etmal: 178 sm, gesamt gesegelt 2904, noch geschätzte 1.396 sm nach Hawaii.

Ein Gedanke zu „Passage nach Hawaii, Tag 18

  1. Ohje, es ist jetzt sicherlich anstrengend für euch und ich hoffe, dass ihr genügend Mützen Schlaf bekommt bei der Schaukelei und es trotzt grauem Himmel und kräftigem Wind warm genug ist. Haltet durch! Eure Etmale sind sehr beeindruckend!

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