Auch das ist Karibik

Karibik ist so vieles. Von Traumstränden, Hikes und hiesiger Tierwelt haben wir schon viel geschrieben, von Corona und seinen Auswirkungen hier zuletzt auch.

Immer mal wieder überrascht uns das Leben hier aber mit Kleinigkeiten oder Kuriositäten, die wir so nicht erwartet hätte. Vor ein paar Tagen z.B. haben wir am Steg in der Marina einen Schweden mit einem Schwesterschiff der Flora, einer anderen Hallberg-Rassy 43, getroffen. Er erzählte uns, dass die Pumpe der Waschmaschine auf seinem Schiff nun schon zum zweiten Mal kaputt gegangen sei, nach nur knapp über 100 Waschladungen. Das hat uns irritiert (wir haben die gleiche Maschine) und hellhörig gemacht, denn wir wissen dank Klaus und Katrin von der Saphir, dass die Bordwaschmaschinen etwa in den USA am Landstrom nicht funktionieren. Zurück an Bord hat Wiebke recherchiert und tatsächlich: hier in Antigua und Barbuda hat das Stromnetz zwar 230 Volt (wie in Europa, in USA 110 V), aber die Frequenz beträgt 60 Hertz (wie in den USA, in Europa 50 Hz). Die Pumpe der Waschmaschine würde also 20 % schneller pumpen, dafür ist sie nicht konstruiert und deshalb steigt sie aus. Wer kommt auf solche Ideen? Der Schwede war jedenfalls ganz froh über die Auflösung des Rätsels.

Und wo wir schon beim Waschen sind: Wir waschen Bettwäsche und Handtücher nach Möglichkeit nicht in unserer kleinen 3,5 kg Bordwaschmaschine, sondern geben sie in ein örtliche Wäscherei. So auch hier in Jolly Harbor, wo sich die Wäscherei direkt auf dem Hafengelände befindet. Das sieht dann so aus:

Das eigentlich kuriose hier ist der Trockner (hinter Wiebke), bei dem die Trocknerluft durch ein halboffenes Gasfeuer erhitzt wird:

Um die Assoziationskette weiter fortzusetzen: Gas. Wie schon geschrieben, haben wir Jolly Harbor ja auch deshalb angelaufen, weil unsere (spanische) Gasflasche leer ist und der Adapter für unsere (griechische) Ersatzgasflasche nicht aufzufinden ist. Die leere spanische Gasflasche aus Edelstahl muss erst mit einer über Nacht einwirkenden Ladung WD40 überredet werden, den Bajonetverschluss des spanischen Druckminderers freizugeben, dann kann ich sie an der Hafentankstelle abgeben. „Spanisch? Kein Problem. Kannst Du morgen gefüllt wieder abholen. Kostet 80 EC$ (etwa 27 €), sofort zu zahlen.“ Gut. Oder eben doch nicht, wenn die Flasche am nächsten Tag doch wieder leer zurück kommt. Hm. Sie hatten nicht den passenden Fülladapter und konnten auch nicht improvisieren. Letzteres ist eher ungewöhnlich, aber wohl gut für uns. Denn wie sich im Gespräch herausstellt, füllen sie hier nur Propan. Unsere spanische Edelstahlflasche ist aber eine Butangasflasche, das hatte ich auch ausdrücklich erwähnt. Das mache nichts, sie hätten schon mehrere Kunden mit Butanflaschen gehabt, die wären aber immer mit dem Propan sehr zufrieden gewesen, das halte mindestens genauso lange.

Hm. Hm. Muss ich mich doch mal im Internet schlauer machen. Ergebnis: Wenn man nicht gerade bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kocht, gibt’s am Herd kaum einen Unterschied zwischen Butan und Propan, bei kälteren Temperaturen bleibt Butan flüssig, funktioniert also dann nicht. Das wäre hier in der Karibik kein entscheidendes Kriterium. ABER: bei 20 Grad Temperatur hat Butan einen Druck von 1,2 bar. Propan hat dann einen Druck von 7,0 bar. Die vergleichsweise leichte Edelstahlflasche möchte ich dann doch lieber nicht mit Propan befüllt haben.

Kochen wir also erstmal weiter mit unserer Induktionsplatte und versuchen, einen Adapter für unsere leider rostende griechische (Stahl-)Flasche zum deutschen Druckminderer aufzutreiben. Letzteres stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Wir erwerben für teures Geld im hiesigen Budget Maine eine (amerikanische) Alu-Propangasflasche nebst passendem Druckminderer und lassen sie befüllen (70 EC$, wir bekommen also 10 EC$ heraus). Jetzt können wir wieder mit Gas kochen und machen zur Feier des Tages gleich mal Bananen-Schoko-Muffins im Backofen. Und dann haben wir nochmal Glück: die Crew der Ithaka kann uns mit dem gesuchten Adapter aushelfen. Angela und Christoph haben das Adapterset gleich doppelt an Bord, nun ist auch unsere griechische Propangasflasche wieder ein einsatzfähiger Ersatz. Mindestens für das nächste halbe Jahr haben wir genug Gas, ein gutes Gefühl.

Links Alu 🇺🇸, oben rechts Edelstahl 🇪🇸, unten rechts Stahl 🇬🇷

Langfahrer-Alltag. Die meisten Blauwassersegler können bezüglich der Gasbeschaffung in Liedchen singen. Wir jetzt auch. Und wo wir schon dabei sind und Zeit haben, kümmern wir uns noch um ein paar weitere kleine Bootsprojekte.

Da ist zunächst mal das Phänomen des stetigen, nicht versiegenden Salzwasserrinnsals beim Impellerwechsel der Seewasserpumpe unseres Bootsmotors (Volvo-Penta D2-75). Die Recherche in einem Hallberg-Rassy-Eignerforum ergibt, dass tatsächlich der Bypass für die Volvo-Gummidichtung der Antriebswelle das Seewasser liefert und es dafür ein Absperrventil oberhalb der Dichtung gibt. Blöderweise kann ich das Ventil auch mit Verrenkungen im Motorraum nicht sehen (es aber per Handykamera lokalisieren) noch mit der Hand bewegen (nachdem ich es blind tastend gerade so erreiche). Nach Leerräumen eines Schrankes in der Achterkoje und Herausnahme des Schrankbodens und des entsprechenden Teils der Motorraumisolierung soll es laut Forum besser erreichbar sein, aber trotzdem nicht zu bewegen. Den Versuch schenke ich mir. Statt dessen baue ich in den Bypass an besser erreichbarer Stelle ein weiteres Ventil ein. Das muss ich jetzt zwar regelmäßiger schließen und wieder öffnen, damit es nicht ebenfalls festgeht, aber ich hoffe, ich denke daran. Jedenfalls sollte mir das Ganze künftig ermöglichen, den Impeller einfacher und mit weniger Wasser in der Motorbilge (dem Auffangbecken unten im Motorraum) wechseln zu können.

Leider tropft die Konstruktion ein bisschen (motivierender Kommentar von Wiebke: „Jetzt haben wir ein Problem, das wir vorher nicht hatten.“) Also gut. alles wieder auseinander, Verschraubungen neu mit Teflonband umwickeln, dicht!

Nächstes kleines Bootsprojekt: unser Watermaker ist mit einem Mineralisierer ausgestattet (über dessen Sinn durchaus gestritten wird, aber das ist jetzt nicht mein Thema). Das Watermakerwasser wird darin quasi wie in einem umgekehrten Filter mit Mineralien angereichert. Nur: bei uns gilt das nur für das Wasser, dass in den großen 600 l Wassertank geleitet wird. Das Wasser aus diesem Tank nutzen wir zum Kochen, zum Waschen und Duschen, aber nicht als Trinkwasser. Füllen wir Trinkwasser aus dem Watermaker in Flaschen ab, geht das bisher nur über den Testauslass. Dann läuft es aber vorher eben nicht durch den Mineralisierer.

Also baue ich auch hier etwas um, setze hinter dem Mineralisierer eine Abzweigung mit Ventilen in den Schlauch. Klappt ausnahmsweise auf Anhieb. 😃

Als Nächstes ist die (bisher eben nicht vorhandene) Befestigung für den Benzintank im Dinghy dran. Schnallen und Haltebügel für das Gurtband haben wir schon. Nur noch ein bisschen Nähen, Bohren, Schrauben und Abdichten. So kann man seine Tage auch verbringen 😉.

4 Gedanken zu „Auch das ist Karibik

  1. I am stuck at ‚Banana chocolate muffins‘ – mmmm! We must have some when we see you. Glad to hear that your spirits are high amongst the current world problems. Enjoy!

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  2. Es gibt 2 Adaptersets (sie Blog von Sönke Röver, Blauweasser.de/Amazon) damit kommt ihr weltweit gut weiter. Ihr braucht dann nur noch einen speziellen für USA. Den gibt es dort bei West Marine, aber nur online. Dann habt ihr alles was ihr braucht um von Euro-Flaschen auf den Rest der Welt zu gehen. Wir haben übrigens 4 Aluflaschen, die perfekt in das Gasfach passen. Insgesamt 15 kg. Das hat uns bisher überall hin gereicht und wir konnten überall die Flaschen befüllen lassen. In den USA gerne mal für 3 US Dollar.
    Wir wissen nicht ob wir euch beneiden sollen um die Karibik oder doch lieber hier sind in Deutschland. Die Welt steht Kopf. Eben habe ich gelesen, dass unser Außenministerium sich nun auch um die festgepflanzten Segler in der Karibik kümmert. Sie können ja praktisch nirgendwo mehr hin. Und die Hurrikan Saison ist nahe.
    Segelt ihr zurück nach Europa?
    Übrigens, die Waschmaschine kann man perfekt mit dem Inverter betreiben. Aber im Hafen haben wir das nie gemacht.
    Euch weiterhin alles Gute und bleibt gesund!
    K2

    Von: Flora Sailing
    Antworten an: Flora Sailing
    Datum: Dienstag, 24. März 2020 um 01:01
    An: „Klaus Nadler (Breaking Rules)“
    Betreff: [New post] Auch das ist Karibik

    Ralf SY Flora posted: “ Karibik ist so vieles. Von Traumstränden, Hikes und hiesiger Tierwelt haben wir schon viel geschrieben, von Corona und seinen Auswirkungen hier zuletzt auch. Immer mal wieder überrascht uns das Leben hier aber mit Kleinigkeiten oder Kuriositäten, die “
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    New post on Flora Sailing

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    Auch das ist Karibik
    by Ralf SY Flora

    Karibik ist so vieles. Von Traumstränden, Hikes und hiesiger Tierwelt haben wir schon viel geschrieben, von Corona und seinen Auswirkungen hier zuletzt auch.

    Immer mal wieder überrascht uns das Leben hier aber mit Kleinigkeiten oder Kuriositäten, die wir so nicht erwartet hätte. Vor ein paar Tagen z.B. haben wir am Steg in der Marina einen Schweden mit einem Schwesterschiff der Flora, einer anderen Hallberg-Rassy 43, getroffen. Er erzählte uns, dass die Pumpe der Waschmaschine auf seinem Schiff nun schon zum zweiten Mal kaputt gegangen sei, nach nur knapp über 100 Waschladungen. Das hat uns irritiert (wir haben die gleiche Maschine) und hellhörig gemacht, denn wir wissen dank Klaus und Katrin von der Saphir, dass die Bordwaschmaschinen etwa in den USA am Landstrom nicht funktionieren. Zurück an Bord hat Wiebke recherchiert und tatsächlich: hier in Antigua und Barbuda hat das Stromnetz zwar 230 Volt (wie in Europa, in USA 110 V), aber die Frequenz beträgt 60 Hertz (wie in den USA, in Europa 50 Hz). Die Pumpe der Waschmaschine würde also 20 % schneller pumpen, dafür ist sie nicht konstruiert und deshalb steigt sie aus. Wer kommt auf solche Ideen? Der Schwede war jedenfalls ganz froh über die Auflösung des Rätsels.

    Und wo wir schon beim Waschen sind: Wir waschen Bettwäsche und Handtücher nach Möglichkeit nicht in unserer kleinen 3,5 kg Bordwaschmaschine, sondern geben sie in ein örtliche Wäscherei. So auch hier in Jolly Harbor, wo sich die Wäscherei direkt auf dem Hafengelände befindet. Das sieht dann so aus:
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    Das eigentlich kuriose hier ist der Trockner (hinter Wiebke), bei dem die Trocknerluft durch ein halboffenes Gasfeuer erhitzt wird:
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    Um die Assoziationskette weiter fortzusetzen: Gas. Wie sch

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  3. Die Idee mit Eurem Mineralisierer finde ich sehr gut. Als wir unserer Boot ausgestattet haben, habe ich mich mit verschiedenen Leuten über die niedrige Mineralienkonzentration des Wassers aus dem Wassermacher unterhalten. Leider habe ich nichts von dieser Möglichkeit gehört. Kannst du mir eventuell die Herstellerfirma nennen oder hast du einen link wo ich weitere Informationen finde?
    Liebe Grüße aus Martinique, Annemarie von der escape

    Gefällt 1 Person

  4. Hallo Annemarie,
    das Element war schon eingebaut, als wir das Schiff gekauft haben. Die Elemente findest Du beim googeln unter “remineralizer replacement filter”.
    Liebe Grüße aus Antigua
    Ralf

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