Kapverdentörn 2

Ozeansegeln. Nicht nur die erste Nacht war schaukelig, auf diesem Törn scheint es so zu bleiben. Die Welle hat kaum abgenommen, der Wind gar nicht.
In den ersten beiden Nächten ist es stockfinster, der Halbmond geht erst gegen 22.00 Uhr auf (und in den nächsten Nächten immer später). Zudem ist er in den ersten beiden Nächten hinter dicken Wolken versteckt. Ein Boot hat Positionslichter, keine Scheinwerfer wie ein Auto. Ein etwas mulmiges Gefühl, so blind durch die Schwärze zu rauschen. Aber wir scheinen allein zu sein, keine Schiffssichtungen, erst in der dritten Nacht ein einzelner Frachter, der uns mit 4 sm Abstand überholt.
Jetzt haben wir auch unsere Seebeine gefunden, das Geschaukel der achterlich und dwars (von der Seite) anrollenden etwa 3 m hohen Wellen schlägt nicht mehr so auf den Magen.
Beim ersten Wachwechsel der dritten Nacht (machen wir alle drei Stunden, dann kann der jeweils andere etwas schlafen)können wir Bergfest feiern. Die Hälfte der kalkuliert 756 sm dieses Seeschlages (also rund 700 von 1.400 km) haben wir hinter uns. Diesmal ist der Himmel sternenklar, Mondaufgang erst gegen Mitternacht. Wobei, das hängt davon ab, ob wir die Uhr schon auf Kapverdenzeit umstellen (dann eine Stunde früher). Aber es bleibt kalt auf den Nachtwachen, selbst die Mützen kommen weiterhin zum Einsatz. Das hatten wir gar nicht so erwartet.
Das Angeln haben wir am zweiten Tag eingestellt, trotzdem fangen wir heute nachmittag einen Fisch: ein etwa 20 cm großer fliegender Fisch klatscht gegen unsere Scheibe und bleibt an Deck liegen. Wahrscheinlich hat ihn der Schatten unseres Bootes zur Flucht und damit zum Sprung aus dem Wasser veranlasst, sie segeln dann oft 50, machmal mehr als 100 m durch die Luft. Dieser hier nicht, als ich in der Sicherheitsleine eingepickt bei ihm auf dem Laufdeck bin, zappelt er schon nicht mehr. Er wird trotzdem über Bord geworfen.
Obwohl wir das Großsegel gar nicht und mit der Fock nur das kleinste unserer vier möglichen Vorsegel gesetzt haben, loggen wir Etmale von 155, 158 und 168 sm. Wir sind schnell, eigentlich zu schnell. Wenn wir so weiter segeln, kommen wir mitten in der Nacht an. Lässt der Wind nicht nach, müssen wir uns morgen etwas einfallen lassen. Aber bis dahin genießen wir erstmal, dass wir die Wellen mit ordentlich Druck im Segel abreiten können und somit hoffentlich nicht zu sehr zu ihrem Spielball werden.

(Wieder per IridiumGo über Satellit gepostet, also muss ich Bilder nachreichen, wenn wir wieder Netz haben. Auch etwaige Kommentare kann ich erst dann sehen und beantworten.)

4 Gedanken zu „Kapverdentörn 2

  1. Moin Flora! Den Tip werdet ihr zwar nicht mehr umsetzen können, aber…. Die Uhr immer in der eignen Freiwache umstellen 😀. In Richtung Westen kann die Freiwache dann eine Stunde länger in der Koje bleiben! Gemein 🙄

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  2. Oh je….., für mich klingt das alles sehr abenteuerlich und auch schon gewagt und gefährlich.
    Ich hoffe, es geht alles gut.
    Gutes Weitersegeln und hoffentlich nicht mehr so starke Wellen, aber ausreichend genug Wind, um dem Ziel schnell und heil näher und vor allem anzukommen.
    Anja

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  3. Hallo Ralf,
    Hallo Wiebke,

    Von unserer Seite alles Gute für die weitere Fahrt zu den Kapverden und bleibt so positiv wie bisher !!

    Herzlichen Gruß

    Tanja und Rüdiger

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