35 sm sind es von Lono Harbor auf Moloka’i nach Honolulu auf O’ahu. Herrliches Segeln bei bestem Wetter und gutem Wind. Wir haben ein bisschen gemischte Gefühle, freuen uns einerseits auf Honolulu, wissen aber andererseits auch nicht so recht was wir davon halten sollen, jetzt nach den bisher eher beschaulichen Eindrücken von Hawai’i einige Zeit in einer Großstadt zu liegen. Außerdem wissen wir auch noch nicht so recht, wie sich die Liegeplatzsituation gestaltet. Marinas sind in den USA meist ziemlich teuer und oft auch ausgebucht. Von der holländischen “Pitou”, mit der wir über Instagram Kontakt hatten, gab es allerdings den Hinweis, dass der günstige staatliche Ali Wai Harbor noch freie Plätze habe. Einfach reinfahren, festmachen und im Hafenbüro anmelden. Also genießen wir die schöne Anfahrt auf O’ahu.
Als wir näher dran sind, kommen dann auch die Hochhäuser von Honolulu und der Hausberg “Diamond Head” in Sicht. Dazwischen liegt der berühmte Waikiki Beach.
Direkt hinter dem Waikiki Beach liegt die Einfahrt zum Hafen, Wellenreiter surfen unmittelbar daneben vor der Mole. Jetzt werden die Hawai’i-Klischees bedient 😉.
Rein in den Hafen, gleich die erste Gasse. Am Gästesteg liegen Heckbojen aus, es ist tatsächlich noch einiges frei.
Wow, was für ein Liegeplatz! Wir fühlen uns sofort wohl. Hinter uns die Skyline von Honolulu, vor uns die Surfer direkt auf der anderen Seite der Mole. Und nur einen Steinwurf vom Waikiki Beach entfernt. Vier Liegeplätze weiter die Pitou mit Liselotte und Machiel, bei denen an Bord wir einen wunderschönen Abend haben. Mit Blick …
Nach dem etwas rolligen Ankerplatz vor dem bunten und touristisch erschlossenen Lahaina auf Maui entscheiden wir uns für ein Kontrastprogramm. Das ist einfach, in Sichtweite gegenüber der Stadt liegt Lāna’i. Diese Insel steht für Exklusivität, sie ist fast vollständig im Besitz von Larry Ellison, der dort für extrem zahlungskräftige Erholungssuchende zwei absolute Edelressorts und diverse Villen anbietet. Gekauft hat er die Insel von Dole. Genau, der Frucht-Produzent. Jim Dole kaufte Lāna’i 1922 und verwandelte das Eiland zur damals größten Ananasplantage der Welt, lange Jahre wurde hier bis zu ein Fünftel aller weltweit produzierten Ananas angebaut.
Aber was zieht uns dorthin? Auf der Westseite der Insel soll es einen spektakulären Ankerplatz an der Steilküste geben, dessen hoch aufragende Felsnadeln zudem Schutz vor dem in Lahaina recht lästigen Südschwell bieten. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Wir segeln etwa 25 sm südlich um Lāna’i herum und hoch bis zur Mitte der eher kargen Westküste. Und wir werden nicht enttäuscht:
Wir liegen wunderbar ruhig und der Anker findet perfekten Halt auf dunklem Sandgrund. Und als Extra bieten die “Needles of Nanahoa” auch noch ein beeindruckendes Schnorchelrevier.
Das zaubert doch gleich ein Lächeln ins Gesicht. Warum?
Am nächsten Tag segeln wir eine Insel weiter, wieder auf eine der etwas kleineren, unbekannteren Inseln des Archipels. Moloka’i hat sich dem Tourismus weitgehend verweigert, ist eher ländlich strukturiert, bietet aber tolle Sandstrände, Wanderpfade und mit rund fünfzig Prozent den höchsten Anteil hawaiisch/polynesischstämmiger Bevölkerung. Für uns ist die Insel zudem ein passender Absprungort für den geplanten Schlag hinüber nach Honolulu auf O’ahu, was dann wohl wieder Kontrastprogramm sein dürfte.
Auch der Ankerplatz auf Moloka’i ist sehr speziell und gut geschützt, er liegt in einem aufgegebenen, früher wohl zum Sand- und Kiesverladen genutzten Hafen mitten im weitgehend unbewohnten Nirgendwo der westlichen Südküste der Insel.
Ankern im Hafen? Ja, die Mole ist eher nicht mehr so vertrauenerweckend, aber zum Anlanden mit dem Dinghy (das wir anschließend mit dem Dinghyanker etwas von der Pier abhalten) reicht es allemal.
Witzig: der Online-Törnführer „Noodle Notes“ berichtet, dass hier im Sommer manchmal „infestation of honey bees desperate for fresh water” zu erwarten sei. Tatsächlich findet sich gleich nach unserer Ankunft eine größere Zahl Bienen ein und stürzt sich auf den Bezug unseres Kugelfenders, der nach dem Abspülen unseres Hecks (vorher dort den gefangenen Bonito filetiert) noch mit Frischwasser getränkt ist.
Das scheint dringend zu sein. Wir stellen den übrigens kein bisschen aggressiven Bienen eine große Schüssel mit Wasser hin und es ist erstaunlich, wie schnell sie den Pegel reduzieren. Aber die Wand scheint zu glatt und manche Bienen ertrinken, also schwenken wir auf flache Untertassen um.
Die muss ich allerdings ein paar mal nachfüllen. Zum Sonnenuntergang sind die Bienen dann wieder verschwunden.
Dafür kommt im letzten Tageslicht ein amerikanischer Einhandsegler in den Hafen und ankert neben uns. Wir laden James zu Fischtacos aus dem Bonito ein und es wird ein super netter Abend. James hat seine “Triteia” nach dem günstigen Gebrauchtkauf sehr umfangreich überholt (eher: wieder aufgebaut). Auf dem Törn von der US-Westküste hinüber nach Hawai’i hat er nach einer Kollision mit Treibgut sein Ruder verloren und über tausend Meilen einhand unter selbst konstruiertem Notrunder zurückgelegt (YouTube: Sailing Triteia). Als er hört, das wir nach Alaska wollen, schenkt er uns seine Papierseekarten für die Region. Er hatte ursprünglich geplant, dorthin zu segeln, sich jetzt aber für Französisch Polynesien umentschieden. Geld will er auf keinen Fall annehmen, wir sollen die Karten halt nach Gebrauch weiterverschenken.
Unser erster Ankerversuch vor Lahaina schlägt fehl, der Ankergrund ist alles andere als gut. Steinig mit nur wenigen kleinen Sandflächen. Obwohl sich eigentlich der NE-Passat wieder durchgesetzt hat, steht ein leichter Südschwell auf den offenen Ankerplatz. Zudem recht tief, wir ankern wieder auf rund 10 m Wasser, zum durch aus weit entfernten Ufer hin wird es schnell flach, eine Surfer-Welle baut sich auf. Beim zweiten Versuch fasst der Anker in einem Sandfleck. Immerhin.
Die Bojenplätze des Yachtclubs sind wohl eigentlich die bessere Wahl und wir sehen auch freie Bojen, aber auf unsere telefonische Anfrage erfahren wir, dass die Bojen gerade rezertifiziert werden und derzeit nicht zur Verfügung stehen.
Gemeinsam mit den französischen Crews der Max und der Ride On sowie den Frankokanadiern von der Vanille (wir haben alle schon in Hilo und Kapalua zusammen geankert und witzigerweise haben wir alle als nächstes Ziel Alaska) treffen wir uns am Abend im Lahaina Yacht Club. Einmal mehr bestätigt sich entgegen dem bekannten deutschen Schunkel-Lied von Paul Kuhn: es gibt DOCH Bier auf Hawai’i, kein Grund, zuhause zu bleiben 😉.
Der kleine Ort ist zwar ziemlich touristisch, hat aber eben auch auch einen schönen historischen Kern. Einige Jahrzehnte zuvor vom ersten gesamthawaiianischen König Kamehameha dem Großen zur Hauptstadt seines Reiches gemacht, wurde Lahaina Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts das Zentrum des zentralpazifischen Wahlfangs.
Das Städtchen weist entlang der Front Street viele alte verzierte Holzhäuser auf, die heute überwiegend Kneipen, Restaurants und Souvenirshops beherbergen.
Auch vergleichsweise alte Steinhäuser finden sich hier, darunter das älteste Haus Mauis, das Steinhaus der amerikanischen Missionare wurde 1834 errichtet und der “Reading Room”, ein Treffpunkt für die Kapitäne der Walfangschiffe.
Die Hawaiianer bauten damals typischerweise luftige Grashütten. Die Missionare wurden willkommen geheißen, da sich der Hawaiianische Oberschicht von ihnen das Erlernen einer Schriftsprache und die Adaption überlegener Technologien versprachen. Die einhergehende Amerikanisierung gipfelte allerdings 1893 in einem Staatsstreich und 1899 in der Annektion Hawaiis durch die USA.
Das Zentrum von Lahaina bildet der Platz vor dem alten Gerichtsgebäude. Hier steht der 1873 gepflanzte und damit wohl älteste Banyan-Baum der Insel, und der ist ohne Zweifel einen Besuch wert. Kaum zu glauben, es ist tatsächlich ein einziger Baum, der den ganzen Platz überdacht. Luftwurzeln von seinen beinahe waagerecht ausgreifenden Ästen haben den Weg zur Erde herunter gefunden und mit den Jahren dicke neue “Stämme” rund herum gebildet.
Überall stehen Bänke, der schattige Platz wird gerne angenommen. Kein Wunder, bedeutet Lahaina doch auf hawaiianisch “Gnadenlose Sonne”. Nach ein paar untypisch bedeckten Tagen brennt sie hier auf der trockenen Westseite des hohen vulkanischen Rückens von Maui auch tatsächlich wieder ordentlich vom blauen Himmel herunter. Eigentlich darf das niemand verwundern. War es doch nach der polynesischen Mythologie der Halbgott Māui als Namensgeber der Insel, der die bis dahin auf ihren langen Strahlen viel zu schnell laufende Sonne einfing und zwang, künftig langsamer über den Himmel zu ziehen, damit die Menschen ihr Tagwerk auch im Hellen schaffen konnten.
Uns stört es sich nicht, können wir so doch beim abendlichen BIER AUF HAWAI’I unsere Flora mit den anderen Booten draußen auf dem Ankerplatz herrlich im goldenen Gegenlicht liegen sehen.
Schon eine Woche sind wir in und auf Hawai‘i, langsam wird es Zeit sich auch um die anderen Inseln des Archipels zu kümmern. Also lichten wir den Anker und segeln Richtung Maui. Es ist ein Übernacht-Törn, etwa 100 sm. Mittags geht es los, mit kräftigem raumen bis achterlichen Wind brausen wir an der Nordostküste von Big Island entlang. Über dem Land hängen dichte fast bis zum Meer hinunter, lediglich die Steilküste mit unzähligen über sie hinabstürzenden Wasserfällen und den tiefen Taleinschnitten können wir ausmachen.
Der ungewöhnliche Südwind schiebt uns schnell hinauf in den Alenuihaha-Channel zwischen Big Island und Maui und er sorgt dafür, dass wir in diesem Kanal heute nicht die gefürchteten Starkwinde der Acceleration Zone zwischen den hohen Vulkanbergen erleben. Stattdessen haben wir ab Mitternacht wie vorhergesagt Flaute und motoren durch den Rest der Nacht.
Zum Sonnenaufgang zeigen sich eine hell strahlende Venus und ein durch die niedrige Wolkendecke hindurchstoßender Vulkan auf Maui.
Wie geplant erreichen wir die Ankerbucht “La Perouse Bay” im Hellen. Bloß, die vorgefundenen Bedingungen sprechen ziemlich deutlich gegen sie. Ein hässlich hoher Schwell aus Südwest steht genau in die Bucht hinein und lässt die Gischt an der steinigen Küste hoch aufspritzen. Wir drehen ab und laufen etwa 5 sm weiter zur Insel Molokini. Schon der Blick auf die Seekarte macht deutlich, dass es sich dabei um die Reste des Kraterrandes eines Vulkans handelt.
Die Smiley-Insel Molokini 😀
Halbkreisförmig und nach Süden geschlossen sollte der Schutz bei den aktuellen Bedingungen gut sein. Ankern dürfen wir dort zwar nicht, aber es sind reichlich Bojen ausgebracht. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Als wir in den Krater einfahren, sind schon einige Tauch- und Schnorchelboote da, es ist aber noch genug Platz vorhanden. Wir haben sogar das große Privileg, eine der nur zwei an der Wasseroberfläche befindlichen Bojen zu bekommen.
Ernsthaft, alle anderen Bojen sind von der Naturschutzbehörde drei Meter tief unter der Wasseroberfläche angebracht. In den offiziellen Anweisungen steht, ein Crewmitglied solle ins Wasser springen und tauchend die Leine durch die Öse der Boje fädeln. Die Touristenboote voller Schnorchler machen es auch genau so.
😮
Na gut, wenn hier schon so viele Schnorchler sind, wird es ja wohl was zu sehen geben. Das Wasser ist jedenfalls kristallklar, wir können den Korallengrund in 20 m Tiefe von Bord aus sehen und auch schon einige Fische an Floras Rumpf.
Dann mal rein und … Aquarium, vor allem näher am Ufer!
Kihikihi (Moorish Idol)Witwen-Drückerfisch (mit gelber Brustflosse und weiß-rosa SchwanzflossePapageifisch und Zitronenenflossen-DoktorfischeKihikihi und ein Schwarm Orangerücken-EinhornfischeDunkle Drückerfische im SchwarmOrangenstreifen-Falterfisch und Schwarzer Doktorfisch
Danach halten wir erst mal Mittagsschlaf. Als wir wieder aufstehen, wartet die nächste Überraschung auf uns: wir haben die ganze Caldera dieses lange erloschenen Vulkans für uns allein. Erstaunlicherweise bleibt auch es auch fast den ganzen Nachmittag so. Das Wetter ist etwas bedeckt, aber hey, was für ein magischer Ort!
Wir sind immer noch auf der größten und namensgebenden Insel des Archipels, auf Hawai’i, zur besseren Unterscheidung oft auch „Big Island“ genannt. Und groß ist die Insel wirklich. Auch, aber nicht nur von der Fläche her, sondern insbesondere hinsichtlich ihrer Vielfalt. Aktive Vulkane? Na klar.
Entsprechend gibt es viele Lavafelder überall auf der Insel. Eine irre Vorstellung, das diese Landschaften erst entstanden sind, nachdem wir geboren wurden. Der letzte große Ausbruch war erst 2018. Die von den jüngeren Ausbrüchen stammenden Felder sind zumeist noch fast überhaupt nicht bewachsen, lediglich die knallrot blühenden „Ōhi’a lehua“ besiedeln als Pionierpflanzen die kargen Steinwüsten.
Das ist insofern besonders spannend, als diese auf den Lavafeldern kleinen Sträucher zugleich die Pflanzen sind, die als Bäume in den meisten hawaiianischen Regenwäldern das Blätterdach bilden, während unter ihnen Riesenfarne dominieren.
So zum Beispiel auch im Kilauea Nationalpark, wo wir nicht nur die trockenen Lavafelder durchfahren, sondern durch einen solchen Regenwald zu einem beeindruckenden Lavatunnel wandern.
Und – wieder ganz anders – auch die wildromantische Küstenstraße 11 hin zum Sea Arch „Hõlei“ findet sich dort.
Aber Hawai’i bietet noch viel mehr. Wo wir schon einmal einen Mietwagen haben, erkunden wir auch den Norden der Insel. Dabei können wir zunächst nahtlos an die Regenwaldwanderung vom Vortag anknüpfen, nur dass es diesmal zu einem anderen, gleichwohl ebenso wie die Vulkane für ein Element stehendes und immer wieder faszinierendes Naturwunder geht. Obwohl zunächst in ein tief eingeschnittenes Tal hinein und dann auf schmalen, auf beiden Seiten steil abfallenden Grat hinauf, ist es doch ein Spaziergang über Treppen und kein anstrengender Hike bis zum Akaka-Wasserfall.
„Kennst Du einen, kennst Du alle“ hat mal jemand über Wasserfälle gesagt. Können wir absolut nicht unterschreiben, selbst wenn dieser hier absolut bilderbuchmäßig 135 m in die Tiefe stürzt.
(für die skeptische Kerstin: Bild komplett unbearbeitet!)
Aaaaber: Vielfalt zeigt sich ja eher im Unerwarteten. Und auch das sehen wir auf unserer Tagestour. Zum Beispiel trockene Steppenlandschaft im Nordwesten der Insel.
Und immer wieder weidende Kühe. Wer hätte schon gedacht, dass die Insel Hawai’i eine der größten Rinder-Ranchen der gesamten Vereinigten Staaten von Amerika beherbergt? Allein die 1847 etablierte Parker Ranch bewirtschaftet hier 900 Quadratkilometer (also 90.000 Hektar!) Landfläche und hat allein bereits ca. 60.000 Rinder. Und es gibt noch weitere große und vor allem kleine Viehbetriebe.
Weite Prärielandschaft mit oasengleich eingebettetem Ort:
Wieder ganz anders, die wilde Steilküste im Nordosten mit dem alten Waipi’o Königstal:
Oder das teilweise wiederaufgebaute polynesischen Fischerdorf mit Grashütten auf der gegenüberliegenden trockenen Inselseite:
Die sanfthügelige Landschaft dazwischen, die selbst schon wieder so viele Facetten zeigt:
Von der Nebel-Fahrt durch die Wolken zurück quer über die Insel, vom modernen Ort Kailua-Kona aus (von dem aus südlich sich die Hotels an die hier verglichen etwa mit dem berühmten Waikiki auf der Insel O’AHU eher kleineren Strände anschließen) und dann zwischen den 4.000dern Mauna Kea und Mauna Loa hindurch gibts keine Bilder, aber immerhin vom Blick hinüber zur Nachbarinsel MAUI, deren immerhin auch über 3.000 m hoher Vulkan Haleakala durch die Wolken stößt:
Schon ein ganz schönes Spiel mit unseren Erwartungen (oder Vorurteilen?) über Hawai’i. Wir sind sehr gespannt, was die anderen Inseln der Gruppe für uns bereithalten.
Wir haben herausgefunden, dass wir unser Dinghy in einem kleinen öffentlichen Hafen im Wailoa River parken können, von dort aus führt ein schöner Weg durch einen weitläufigen Park mit dem Waiākea Pond. Immer am Wasser entlang, geschwungen angelegt, mit vielen Palmen, vor allem aber mit riesigen Schirmakazien (unser Taxifahrer sagt, sie werden hier „Monkey Pod“ genannt, anderenorts heißen sie auch „Raintree“). Eigentlich in der Savanne beheimatet, gedeihen sie hier so gut, dass sie – obwohl eben nicht heimisch – als gern angenommenen weitausgreifende Schattenspender zum Stadtbild gehören.
Es gibt auch einen Weg an der der Bucht entlang, aber der Strand ist nicht sonderlich attraktiv, schwarz, mal Sand und mal Kies. Schwemmholz lagert sich dort an und er ist vom Ort durch die große Straße eher getrennt als angebunden.
Hilo ist nach Honolulu die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Hawai’i. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Mit etwa 45.000 Einwohnern ist Hilo eher ein beschauliches Städtchen, das wird sehr deutlich, als wir das Zentrum erreichen. Ursprünglich in dem Bereich gelegen, in dem jetzt der Park und ausgedehnte Sportanlagen liegen, verlagerte es sich nach mehreren verheerenden Tsunamis (der letzte große sorgte 1960 für schlimme Verwüstungen und erhebliche Opferzahlen) aus dem Scheitel der Bucht weiter nach Westen und etwas den Hügel hinauf, wobei es auch hier schon historische Gebäude gab.
Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Das wirkt meistens charmant, an einigen Ecken aber auch ein bisschen „in die Jahre gekommen“, wird aber von den Geschäften auch mit den Auslagen in den Schaufenstern eher noch bewusst unterstrichen 😉.
Man pflegt das „Hang Loose“, die Öffnungszeiten unterstreichen das. Privatleben will auch Raum. Customs (zum Einklarieren) hat von 6.00 bis 14.00 Uhr geöffnet, die Läden in der Haupteinkaufsstraße machen um 15.00 oder 16.00 zu. Manche auch eher 😉:
Auch das sehenswerte und informative Pacific-Tsunami-Museum schließt um 16.00, wir statten ihm aber vorher noch einen Besuch.
Und was macht der Hawaiianer nach Feierabend? Angeln offenbar manche. Surfen vielleicht, aber eher auf Maui als hier in Hilo, hier wird das Ausleger-Kanu klargemacht. Die polynesischen Wurzeln werden gepflegt, es ist Volkssport. An der Boje am Ankerplatz hängt natürlich auch eins.
Aber auf dem Parkplatz an Land ist es ebenfalls kein ungewöhnlicher Anblick:
Und am Nachmittag wird es quirlig um die Flora herum.
Segeln geht aber auch:
Wir schauen uns ein weiteres Museum an, das Imiloa Astronomy Center. Es bietet eine Ausstellung über die polynesische Navigationskunst und die weiten Reisen mit den Hochseekanus und über die astronomischen Observatorien und Teleskope auf dem Vulkan Mauna Kea, dem höchsten Berg Hawai’is. Was wir nicht wissen: Auch ein Planetarium ist darin und dort bekommen wir eine tolle Doppelvorführung über schwarze Löcher (mit sehr aktuellem Bezug zu neuen Forschungsergebnissen) und über den aktuellen Sternenhimmel und wie die Polynesien ihn lesen, welche Sternbilder sie in ihm erkennen und nach ihnen navigierten.
Den Mauna Kea und bei genauem Hinsehen sogar die weißen Observatorien auf seiner Spitze können wir vom Boot aus bei guter Sicht erkennen, kaum zu fassen, dass er über 4.200 m hoch ist.
Die Vulkane hier müssen wir uns auf alle Fälle noch näher ansehen, insbesondere den nur wenig niedrigeren und noch aktiven Mauna Loa.
Und vorher: Shaved Ice. 😁 Hatten wir auch schon mal in Panama, ist hier in Hilo aber ganz besonders lecker. In meinem verbirgt sich innen noch eine Vanilleeiskugel, auf Wiebkes ist Kokoscreme und Passionsfrucht-Topping.
25 Tage, 14 Stunden. Das ist lang, jedenfalls das längste Seestück, was wir bisher gesegelt haben. Tatsächlich überwiegend gesegelt, wir mussten nur 22 Stunden durch die Kalmen motoren. Da hatten wir viel Glück mit unseren taktischen Entscheidungen 😊. Und es ist auch ganz schön kurz, denn auf 4.278 sm gerechnet bedeutet es, dass wir ziemlich genau 7 kn im Schnitt gemacht haben (zwischendurch hat der Strom ordentlich geholfen und damit die windschwächeren Phasen mehr als ausgeglichen).
Und 4.300 sm sind eben ganz schön weit. Von Hamburg aus entspricht das der Luftlinie nach Peking! Der Pazifik ist nun mal groß, klar. Alle Kontinente der Erde passen gemeinsam flächenmäßig locker hinein. Wir blasen noch mal unseren Wasserball-Globus auf:
Wow, ja, der Pazifik ist groß, und Hawai‘i liegt ganz schön weit drin. Der Blick auf den Globus bringt einige Überraschungen. Wer hätte das gedacht: Hawai’i liegt westlicher als die Gesellschaftsinseln (Tahiti). Von Hawai‘i nach Neuseeland (oder nach Japan) ist es kürzer als nach Galápagos.
Das polynesische Dreieck (Südsee) ist auch noch mal hervorgehoben
Und von wegen Überraschungen: auch das Bild von Hawai´i bietet einige. Wir hatten uns z.B. vorgestellt, dass wir die hohen Vulkanberge EWIG vorher sehen würden, mindestens aber die sie umhüllenden Wolken. Nix da. Bei unserer Ansteuerung wären wir mit derartiger Navigation aufgeschmissen gewesen, die ganze Insel verhüllt sich scheinbar im Dunst, obwohl wir gutes Wetter haben (und ich extra schon mal das passende T-Shirt angelegt hab).
Aber hinsichtlich der Überraschungen: der regenreichste Ort der Welt liegt …
… auf Hawai‘i (Mount Wai’ale’ale in Hawaii. Auf dem 1’569 Meter hohen Berg auf der Insel Kaua‘i regnet es an 335 Tagen im Jahr). Und die regenreichste Stadt der USA ist …
… Hilo. Wo wir jetzt gerade sind. Und wir haben einmal mehr Glück. Hatte mein iPhone gerade noch gemeckert: 😂
Heute haben wir 16.407 Schritte zurückgelegt. Im Trockenen 😁.
Sind zum Einklarieren gelaufen (sehr nett und unproblematisch, neue US-Cruising-Licence für ein Jahr, vorher per CBP-ROAM-App vorbereitet). Und dann durchs amerikanische Industriegebiet zu Walmart und Target, SIM-Karten besorgen und Einkäufe erledigen. Zurück per Uber.
Wir sind angekommen. Und wir brauchen noch etwas Zeit, sorry. Die Bilder der Überfahrt muss ich noch erst sortieren, sonst kriegt Ihr nur Unmengen von Sonnenauf- und -untergängen zu sehen, wer will das schon 😎.
Essen 😉: New York Strip Steak Premium Angus Beef. An Bord in der (neuen) Pfanne gebraten. Auch sooo lecker.