Am Pool, im Pool, auf dem Pool!

Es beginnt nicht so richtig gut. Die Zerhackerpumpe des achteren WCs gibt den Geist auf, es steht also mal wieder eine echte Sch…-Reparatur an.

Ich lenke mich erst einmal mit einem Drohnenflug ab und es kommt, wie es kommen muss. Bedienfehler, Absturz am dicht bewaldeten Bergrücken. Oh nein! Das ist meine gute Drohne. Der Fernbedienung kann ich immerhin noch die letzte Position der Drohne entnehmen, aber das war über ziemlich unwegsamen Gelände.

Gemeinsam mit Wiebke, Andrea und Ingo wird eine zünftige SAR-Mission (Search and Rescue) gestartet. Die Ausrüstung umfasst neben der Fernbedienung (die der Drohne ein Piepsen entlocken sollte) auch Taschenlampe, Machete (für dichtes Unterholz) und Fernglas (falls sie noch oben in einer Astgabel hängt). Außerdem festes Schuhwerk.

An der letzten GPS-Position orientiert, fragen wir in einem Haus nach, ob wir durch den Garten in den dahinter liegenden Berghang einsteigen dürfen. Das wird uns zum Glück erlaubt und so klettern wir zu viert mit jeweils etwas Abstand den steilen und ziemlich rutschigen Hang hinauf.

Kaum zu fassen: da liegt sie.

Allerdings ist sie beschädigt, zumindest die Aufhängung des Gimbals ist gebrochen.

Um es abzukürzen: die Reparatur des WC ist aufwändig, weil der Ersatzmotor des gleichen Herstellers andere Dimensionen hat und wir mit den Befestigungen ziemlich improvisieren müssen. Aber immerhin, am Ende funktioniert es. Die versuchte Notreparatur der Drohne misslingt allerdings, die müssen wir wohl zur Herstellerreparatur einschicken.

Müssen wir jetzt etwa jeden Berg hinaufklettern um ein Übersichtsfoto von unseren Booten am Ankerplatz zu bekommen?

Machen wir bei einem weiteren Dinghyausflug zu den Marae Taputapuatea mit einer Wanderung hoch zum Pointe Atiapiti und es ist schön. Aber zum Glück habe ich ja auch noch die Dji-Mini-III-Drohne als Backup.

Und mit der entstehen dann diese Aufnahmen von unserem nächsten Ankerplatz vor dem Motu Oatara (im Hintergrund liegt Huahine):

Wir ankern an der Kante zum tiefen Wasser, aber der Anker liegt bereits auf dem sandigen Flach. Hier ist es (vom Dinghy aus mit dem Handlot zuvor gemessen) nur wenig tiefer als unsere Flora mit ihren 2 m Tiefgang benötigt, insofern trauen wir uns nicht weiter auf die kilometerbreite Sandflächen herauf. Aber es ist ein Traum, bei diesem ruhigen Wetter hier zu liegen. In der Sonne zaubern die kleinen Wellen helle Swimmingpool-Muster auf den Sandgrund, ein leuchtend türkises Schwimm-Paradies. Bei Herumschwoien bleibt dann gerade so die berühmte Handbreit unterm Kiel der Flora. Wenn sie sich bei Niedrigwasser ganz sanft den Bewuchs unterm Kiel wegschubbert, auch nicht schlecht.

Kein Wind, keine Welle. Und diese unfassbaren Farben:

Zum Sundowner-Abendessen lädt uns die Easy One ein, es gibt super leckere Pizza vom Heckgrill mit Pizzastein. Mit Christina und Uwe findet sich dazu auch die Crew der Diamond Sea ein. Wir drei Crews kennen uns schon aus der gemeinsamen Corona-Zeit mit etwa zehn Booten in der kleinen Carlisle Bay auf Antigua.

Kaum zu glauben: Mareike mit ihrer Moana, die im März 2020 auch in der Carlisle Bay dabei war, kommt am nächsten Tag auf Raiatea an. Und mit der Wasabi von Andrea und Hans-Jörg liegt ein weitere deutsches Boot in der Nachbarbucht.

Nebenbei: so päsentiert sich der aufgehende Vollmond über dem Motu Oatara:

Covid-Testresultate

Das ging schnell. Gestern Nachmittag den Test gemacht, heute Vormittag um 9:30 bekommen wir alle nacheinander jeweils den Anruf: Covidtest negativ. Super, wir dürfen uns frei bewegen und irgendwie löst das Testergebnis auch sonst ein befreiendes Gefühl aus.

Vielleicht noch mal zur Verdeutlichung, weil das in meinem letzten Post eventuell etwas schnell ging. Das ist unsere bisherige Segelroute, wie man sie auch auf http://www.noforeignland.com nachvollziehen kann:

Und präziser, so sieht unsere Strecke an der US-Ostküste bisher aus:

Ein weiteres (sehr positives) Ergebnis des negativen Testresultates ist, dass wir uns Portland noch ein wenig ansehen können. Und die Stadt gewinnt beim zweiten Blick deutlich. Zwar bleibt der Charme der in die Jahre gekommenen Hafenkante doch sehr rau, von Fischerei und Industrie geprägt, aber eben auch authentisch, nur gelegentlich mit romantisierenden Wandbildern aufgehübscht, nicht übertouristisch totrenoviert.

Und schon eine Querstraße weiter hoch in Richtung des Rathauses mit der fast ein bisschen an den Michel erinnernden Turmspitze finden sich nette kleine Geschäfte, diverse Bars, Eisdielen und vor allem: Restaurants. Portland soll eine der besten Kleinstädte für Foodies sein. Wir sind erst skeptisch, aber jedenfalls das aus einem Food-Truck hervorgegangene, von außen äußerst unscheinbar wirkende “mami” entpuppt sich als wunderbares japanisches Restaurant mit überraschender und super leckerer Küche.

Auch der Schrecken der Segler dieser Gegend, zugleich verantwortlich für Slalomfahrten, Propellerschäden (bitte nicht) und – in allererster Linie – Schlemmergenuss findet sich als Lokalkolorit und sogar mit nationalstolzem Dekor: die kleinen Bojen der Lobsterkörbe mit ihren kurzen und damit für Segler oft kaum sichtbaren Stangen bzw. eher Griffen.

Den Abend lassen wir auf der Terrasse des Centerboard Yacht Club ausklingen, wo wir mit herrlichem Blick hinüber auf Portland auf unsere Wäsche in der clubeigenen und für Gäste kostenlos nutzbaren Waschmaschine bzw. Trockners warten. Gutes kostenloses WLAN ist in den 40 Dollar Mooringgebühr ebenfalls enthalten.

Covid: Reiseplanänderung

Bloß, wir sind in Rhode Island. Als nächstes hatten wir an Cuttyhunk, dann Martha’s Vineyard, Nantucket, Cape Cod, gedacht, so in etwa. Das liegt alles im US Bundesstaat Massachusetts, nach Norden schließen sich dann noch New Hampshire und Maine an. Die offizielle Webseite von Massachusetts http://www.mass.gov hat zu Covid aktuell folgende Übersicht:

Einmal mehr ändern wir unseren Reiseplan (hatten wir nicht ohnehin schon gesagt, dass wir keine Pläne haben, sondern eher … Ideen?). Also die Idee war, langsam entlang der US-Ostküste weiterzubummeln.

Nach unserer Einreise ist im eigentlich Lower-Risk-Nordosten ein klitzekleiner Flecken rot geworden, ausgerechnet RI. Das bedeutet, bei einer Einreise von Rhode Island nach Massachusetts müssten wir neuerdings entweder 14 Tage Quarantäne oder einen PCR-Covid-19-Test auf uns nehmen. Wegen der (schon länger bestehenden) Regelung in Maine müssten wir dort bei der Einreise wieder einen solchen Test machen.

Wir beschließen, unsere Route zu verändern und zunächst Maine zu besuchen, der reine Transit durch Massachusetts erfordert keinen Test. Bleiben die Regelungen auf dem heutigen Stand, müssten wir so nur einmal einen Test machen und dann in New Hampshire und Massachusetts wegen der Einreise aus einem Low-Risk-Bundesstaat nicht noch einmal. So weit, so gut.

Wieder mal ist frühes Aufstehen angesagt, es gibt guten Segelwind und durch die Abfahrt schon um 5.00 Uhr morgens haben wir im Cape-Cod-Canal (CCC) mit seinen wieder mal imposanten Brücken mitsetzenden Strom. Und der ist im CCC beachtlich: wir messen bis zu knapp vier Knoten Strom in dem Kanal, der Cape Cod zur Insel macht und den Schiffen den weiten Umweg um die Flachs vor Nantucket erspart.

Danach können wir mit Schmetterlingsbesegelung nordwärts Richtung Maine weiterziehen.

Und so geht es auch in (und durch) die Nacht, in der wir wegen des Meteorschauers der Perseiden auf jeder einzelnen dreistündigen Nachtwache mehrere kräftige Sternschnuppen sehen können – perfektes Timing, denn die Überbleibsel des Kometen Swift-Tuttle sind zwar über einen längeren Zeitraum zu sehen, haben aber 2020 genau in dieser Nacht ihren imposantesten Auftritt.

Interessant ist auch ein Blick auf die Entwicklung der Wassertemperatur. Hatten wir westlich des CCC noch 24,2 Grad, messen wir östlich des Kanals stetig fallende Werte bis hinunter auf 16,3 Grad. Danach steigt das Thermometer wieder, bei unserer Ankunft am Leuchtturm Portland Head messen wir immerhin wieder 18,2 Grad.

Wir finden eine freie und für Floras Tiefgang gerade noch passende Boje im Centerboard Yacht Club gegenüber der Innenstadt, wo wir für 40 $ die Nacht festmachen dürfen. Ein wenig beobachten wir das Geschehen im hauptsächlich noch von Fischern geprägten Hafen, dann setzen wir mit dem Dinghy über und fahren mit dem Taxi zum etwas entfernt gelegenen “Walgreen’s Drugstore” Covid-19-Testgelände. Nachdem gestern die Anmeldung per Webseite nicht funktionierte, wurde uns dazu per Kundentelefon von Walgreen’s geraten.

Klappt leider trotzdem nicht, die Dateneingabe vor Ort war nur bis letzte Woche möglich, jetzt sind die Terminals abgebaut und nur noch Tests mit vorheriger Webanmeldung werden durchgeführt. Für Ausländer wie uns funktioniert das nicht, weil man aus einer Liste (amerikanischer) Krankenversicherungen auswählen muss oder – wenn eine solche nicht vorhanden ist – aus der Liste amerikanischer Bundesstaaten den auswählen muss, in dem der eigene Führerschein ausgestellt wurde. Sonst: 🛑. Die freundlichen Mitarbeiter erkennen das Problem, können jedoch keinen Workaround finden. Sie schicken uns aber weiter zur “Brighton Urgent Care Clinic”. Ein vorheriges Telefonat bestätigt: geht, ohne Voranmeldung, auch als Ausländer. Also dann:

Testergebnis des nicht eben angenehmen aber auch nicht sonderlich schmerzhaften PCR-Tests, bei dem ein Probenentnahmestab fünf Sekunden lang sehr tief in die Nasenhöhle eingeführt wird, gibt’s in 24 bis 48 Stunden.

Cape May

„Ältester Badeort der Nation“. Ohne Superlativ scheint ja kaum ein Ort der USA auszukommen. Nun ist Cape May ja ohnehin schon südlichster Ort in dem Bundesstaat New Jersey, prominent auf einer Halbinsel im Mündungsdelta des Delaware River gelegen oder – wenn man so will – durch den vom Westen aus dem Fluss heraus angelegten Cape-May-Kanal inzwischen schon auf einer Insel gelegen. Nach Norden hin schließt sich bis Sandy Hook in der Bucht vor New York ein langgestrecktes Nehrungsgebiet mit Stränden zum Atlantik und einem dahinter liegenden Flachwassergürtel an. Wie auch immer, wir können leider wegen unserer Masthöhe nicht durch den Cape-May-Kanal fahren, sondern müssen einen größeren Umweg um die Flachs vor dem Ort machen und durch das Inlet an der Atlantikseite den kleinen Ankerplatz hinter der Nehrung anlaufen.

Aber das lohnt sich allemal, denn der 1620 gegründete Ort hat sich bereits im 18. Jahrhundert tatsächlich zu einer Sommerfrische für die wohlhabenden Bürger aus New York und Philadelphia entwickelt. Vor allem aber: viele der viktorianischen Villen aus vergangener Zeit wurden erhalten. Holzhäuser im Gingerbread (Zuckerbäcker-)stil und Pastellfarben, das macht Cape May bis heute aus und führt dazu, dass in guten Ferienzeiten 100.000 Urlauber dort wohnen, obwohl der Ort nur gut 4.000 ganzjährige Bewohner verzeichnet.

Selbst in Covid-Zeiten scheinen die meisten Bed&Breakfast sowie Pensionen besetzt zu sein. Aber es gibt auch Ausnahmen – warum nur 😉

Egal, wir halten uns an das in der Fußgängerzone gefundene Motto und bleiben einen Tag hier vor Anker. Morgen soll es dann weiter Richtung New York gehen.

Hampton

Wir sind in Hampton. Bereits 1610 gegründet, eine der ältesten Städte des Landes und mit knapp 140.000 Einwohnern auch nicht klein. Aber, wie viele amerikanische Städte, eher weitläufig und eigentlich auf Autoverkehr zugeschnitten. Trotzdem können wir vom Dinghysteg aus zu Fuß eine kleine durchaus etwas belebte Straße zum Supermarkt hinauflaufen. Einige Geschäfte und auch Restaurants sind wieder geöffnet, Virginias Covid-Einstufung in “Phase 2” bedeutet, dass Restaurants jetzt mit 50 % ihrer Kapazität auch die Innensitzplätze wieder nutzen dürfen und praktisch alle Läden bei Einhaltung des “physical distancing” betrieben werden können.

Wir nutzen das noch nicht so recht, freuen uns aber trotzdem darüber.

Der Supermarkt verdient diese Bezeichnung, das Angebot ist groß und auch die Frischeabteilungen vielfältig bestückt. Außerdem kommen uns die (mit Deutschland verglichen hohen) amerikanischen Lebensmittelpreise traumhaft günstig vor, weil wir noch die karibischen Preise im Kopf haben.

Amerikanisch (und für uns irritierend) ist dann aber doch auch der ein oder andere Laden auf dem Rückweg:

Auch das Wetter schlägt ein bisschen Kapriolen: vorgestern und gestern ist eine Front durchgezogen und hat uns kalte, nasse und stürmische Tage beschert. Vorgestern ging dabei ein kleines Segelboot auf Drift, schrappte knapp an Flora entlang und konnte nur mit einer gemeinsamen Aktion von Florecita und dem Dinghy der Amalia eingefangen werden. Der fast apathisch wirkende ältere Mann an Bord musste von uns dazu überredet werden, mehr Kette bzw. Leine zu stecken, kam dem aber nur zögerlich nach. Das Angebot, ihn an den Ponton zu schleppen und dort erstmal sicher festzumachen lehnte er auch ab. Leider fand sich das Boot am nächsten Morgen dann am Ufer.

Und noch ein zweites, größeres Boot ging dann hinter uns auf Drift ohne es zu merken. Es hat dann aber nach unserer Warnung (Steve ist mit dem Dinghy rübergefahren) umgeankert und scheint jetzt sicher zu liegen.

Wir haben dann doch lieber mal unsere elektronische Ankerwache reaktiviert 😉.

Cinnamon Bay

Heute früh noch mal ein Blick auf die aktuellen Wettervorhersagen, nein, kein Wunschkonzert, es wird nicht besser. Ein einziger riesengroßer Schwachwindbereich auf unserer geplanten Route. Nun sind Wettervorhersagen (Windvorhersagen allemal) eben keine Prophezeiung sondern eher Darstellungen der WAHRSCHEINLICHSTEN von vielen MÖGLICHEN Wetterkonstellationen im Vorhersagezeitraum. Man kann hoffen, man kann pokern, …

… man kann auch einfach abwarten, bis eine bessere Konstellation die Wahrscheinlichste ist. Machen wir. Und dadurch bekommen wir einen Aufenthalt in einer Traumbucht geschenkt. Denn wir segeln (na ja, motoren!) hinüber nach St. John und legen uns erst einmal an eine Boje in der Francis Bay. Schön hier. Und nur wenige der hier im Nationalpark ausgelegten und verpflichtend zu nutzenden Bojen sind belegt. Das war noch vor einer Woche ganz anders, aber ab dem 15. Mai wurde die zuvor wegen Corona ausgesetzte Regelung zu den maximalen Liegezeiten erneut in Kraft gesetzt. Nun ist es wieder so, dass Boote höchstens eine Woche am Stück in einer Bucht und insgesamt pro Jahr im Nationalpark maximal 30 Tage liegen dürfen. Das haben viele Boote jetzt längst ausgeschöpft und deshalb notgedrungen in Buchten außerhalb des Nationalparks verholt oder die USVI ganz verlassen.

Aber nach einem Dinghyausflug in die nähere Umgebung verholen wir dann noch einmal in die kleinere Cinnamon Bay. Die haben wir ganz für uns und die davor liegenden Traumstrände sind leer. Wir schnorcheln durch das superklare Wasser und begegnen unter anderem einem halbwüchsigen Barrakuda sowie auch einem recht zutraulichen Ammenhai ganz nah.

Außerdem genießen wir den Strand und den fantastischen Ausblick. Fühlt sich gerade gut an, auf ein besseres Wetterfenster zu warten.

Vorn Flora in der Cinnamon Bay, dahinter die Francis Bay mit der Maho Bay rechts. Und im Hintergrund schon die British Virgin Islands mit Jost van Dyke und Tortola.

Zukunftsmusik und Orchestrierungsversuche

Über zwei Monate sind wir jetzt schon in Antigua & Barbuda 🇦🇬. Wir haben es wirklich gut getroffen und sind froh, uns gerade diese Inseln für die Lockdown-Phase der Corona-Krise ausgesucht zu haben. Trotzdem machen wir uns mit der näher rückenden Hurrikansaison natürlich vermehrt Gedanken, wie es weitergehen kann. Spätestens in eineinhalb Monaten wollen wir auf dem Weg sein, um aus dem Hurrikangürtel heraus zu kommen.

Den ursprünglichen Plan hoch nach New York zu Segeln haben wir nur noch ein bisschen im Hinterkopf, es wird vermutlich nicht dazu kommen. Aber das Boot in der Sommersaison in die Chesapeake Bay bei Washington zu bringen, dort unsere Freunde zu besuchen und bei ihnen auch eine Zeit zu wohnen, daran würden wir gerne festhalten. Die USA sind (wenn man in den letzten zwei Wochen nicht in Europa war) „offen“, wir dürften also einreisen. Wenn man mit dem eigenen Boot kommt, gilt allerdings nicht das visumfreie ESTA-Verfahren, sondern man benötigt ein vorab ausgestelltes Nichteinwanderungs-Visum. Für viele Segler mit ähnlichen Plänen ist das derzeit ein kaum zu überwindendes Problem, denn das sonst übliche Verfahren, sich in der Botschaft etwa in den Bahamas das Visum kurzfristig zu besorgen funktioniert derzeit nicht: die Bahamas (und viele andere Länder hier) sind „dicht“, man kann nicht einreisen. Wir haben uns aber zum Glück bereits in Deutschland USA-Visa besorgt, gültig für 10 Jahre und mehrfache Einreise. Das war damals etwas aufwändiger, mit einigem Papierkram und einem Interview im US-Konsulat in Frankfurt verbunden, zahlt sich jetzt aber aus.

Trotzdem ist es nicht ganz trivial. Praktisch alle Länder auf der Route von Antigua nach Washington sind „dicht“. Insbesondere gilt das für St. Barth, St. Martin, die BVI (British Virgin Islands), die Turks & Caicos und die Bahamas. Natürlich können wir den direkten Weg segeln, das wären allerdings gut 1.400 sm, also rund 2/3 der Strecke unserer Atlantiküberquerung. Laut Langfahrerbibel (Jimmy Cornels Buch „Segelrouten der Welt“) machen denn auch fast alle Segler auf dieser Route einen kleinen Umweg über Bermuda und teilen diese Strecke damit in zwei Teile. Aber auch Bermuda ist derzeit geschlossen („stopover only in exceptional circumstances“), aber als Transit zum Bunkern ohne Landgang immerhin möglich. Es ist für uns von großem Vorteil, dass sowohl unser Verein Trans-Ocean auf seiner Seite als auch die Langfahrerseite Noonsite uns mit aktuellen Infos zu offenen, beschränkten und geschlossenen Ländern versorgt.

Und noch eine andere große Hilfe und Informationsquelle hat sich aufgetan: die amerikanische Seglerorganisation „Salty Dawg Sailing Association“. Normalerweise veranstalten sie eine (kostenpflichtige) Rally für die amerikanischen Segler, die um diese Jahreszeit aus der Karibik zurück segeln. In diesem Jahr aber haben sie wegen Corona ihr System umgestellt und bieten derzeit kostenlos wöchentliche Geschwaderfahrten an, bei denen die teilnehmenden Segler vielfältige Unterstützung bekommen. So gibt es mehrere Routen mit Wetterrouting durch Chris Parker (Marine Weather Center), Unterstützung bei der Beantragung von Sondergenehmigungen (etwa für einen Stop in auf Puerto Rico und in den Bahamas), tägliche Newsletter und noch einiges mehr. Das gibt uns im Moment folgende Optionen:

Für die Routen R1 und R2 würden wir zunächst mit einem Übernachttörn in die USVI (American Virgin Islands) segeln. Man könnte auch von dort auf die Route R3 starten, aber der Winkel ist von Antigua aus etwas günstiger. Die USVI sind offen, man muss aber in eine zweiwöchige Quarantäne (auf dem eigenen Schiff).

R1 führt nördlich an Puerto Rico vorbei, wo man in drei ausgewählten Häfen noch einen Stop einlegen und zudem bereits für die USA einklarieren könnte (ob das auch für die USVI gilt ist bisher widersprüchlich). Dann weiter nördlich an Hispaniola (Dominikanische Republik und Haiti) entlang und südwestlich um die Bahamas herum in den Süden von Florida.

R2 zweigt von R1 ab und führt durch die Bahamas hindurch (Sondergenehmigung erforderlich). Diese Route ist erkennbar länger als R3, aber geschützter und führt nach den Bahamas in den Golfstrom, der dann kräftig schiebt. Wobei es dann aber möglichst keinen kräftigen Nordwind geben sollte. Insgesamt wären das für uns dann gut 1.900 sm. Dafür wären aber z.B. bei einsetzendem Schlechtwetter Zwischenstops an der südlichen amerikanischen Ostküste möglich.

R3 ist die kürzeste Route, wobei sich kurz bei über 1.400 sm irgendwie unangemessen anhört. Macht man den kleinen Umweg über Bermuda werden es rund 150 sm mehr.

Die letzte Abfahrt der Salty Dawg ist für den 20. Mai terminiert, wenn wir später fahren würde das aber für uns – abgesehen vom Wetter-Routing – nicht allzuviel ändern.

Wir wälzen das noch ein bisschen hin und her. ☺️

Von fliegenden Chill-Kröten, sinnlosen Elektroschlangen und schwebenden Elefanten

Von der Carlisle Bay verabschieden wir uns heute nach nun auch schon wieder 1 1/2 Wochen. Gar nicht so einfach, die Gemeinschaft der vielleicht 15 Boote dort war einfach klasse, die launigen Funkrunden morgens und Abends (gestern Quizz Südafrika), der unfassbare Aufwand, den manche Bootscrews auf sich genommen haben um für alle Gemüse-, Fisch- oder Lobsterlieferungen zu organisieren und zu administrieren und die wunderbare Hilfsbereitschaft, der unfassbar humorvolle Wetterbericht von Rean (Top Secret) heute morgen …

… aber wir fahren ja nicht alleine weg. Gemeinsam mit Mareike (Moana) und Andrea & Ingo (Easy-One) verholen wir das kleine Stück hinüber nach Osten in den Naturhafen von Falmouth Harbour. Das Wasser ist hier nicht mehr ganz so klar, aber dafür gibt’s auch weniger Schwell. Vorgestern Nacht hatte Wiebke sich wegen des Rollens sogar dafür entschieden, ihre Seekoje im Durchgang zum Vorschiff zu reaktivieren und die zweite Nachthälfte dort zu schlafen, weil die Schiffsbewegungen doch ziemlich heftig waren.

Danach haben wir dann den Heckanker wieder ausgebracht, damit das Schiff nicht mehr quer zu den hereinrollenden Wellen liegt. Weil der Wind in der Folge eher von der Seite kam, gab es natürlich einigen Druck auf unsere beiden Anker, aber sie hielten super. Eher zu gut 😊, denn das Aufholen des Heckanker (ein 20 kg Bruce-Anker, der auf der HR 43 schon mit Heckankergeschirr angebracht war) gestaltet sich heute dann eher schwierig. Obwohl mit Tripleine und Ankerboje versehen, lässt er sich zunächst nicht ausbrechen. Dann eben mit dem Dinghy voll rückwärts. Nichts. O.k., rückwärts bringt unser Dinghymotor trotz 20 PS nicht allzu viel Kraft auf, aber bisher hatte das stets gereicht. Heute nicht. Ingo kommt dazu, taucht, dirigiert schnorchelnd, und gaaaanz langsam und mit einigem Hin und Her kriegen wir ihn los. Nächstes Mal würde ich wohl einen Hahnepot riggen um mit dem Dinghy vorwärts ziehen zu können. Zur Not hätten wir ihn sonst mit der Flora ausbrechen müssen. Wieder was gelernt.

Dann motoren wir die weniger als vier sm nach Falmouth. Muss auch nicht länger sein: Wind und Welle vierkant von vorn. Wir hüpfen an der ebenfalls Luftsprünge machenden Easy-One vorbei.

Fliegende Chill-Kröte am Bug

Aber jetzt liegen wir ruhig und super geschützt. Am Wochenende soll etwas kräftigerer Wind sein, danach flaut es ab und dann werden wir wir wohl wieder weiter ziehen zum etwas idyllischer gelegenen Green Island.

Erstmal aber noch etwas Bootsarbeit hier. Wir entfernen die schon länger nicht mehr genutzte “C-Pod”-Station hinter unserem Elektronikpanel. Sie hat uns als das Boot in Griechenland lag per Email oder Internetabruf darüber informiert, ob die Flora noch vor Ort liegt und ob die Batteriespannung unter einen kritischen Wert sinkt. Letzteres funktioniert seit der Umstellung auf Lithium ohnehin nicht mehr. Man könnte auch die Bilgepumpe aus der Ferne über sie schalten, aber so war sie nicht angeschlossen. Das vom Vorbesitzer eingegangene kostenpflichtige Abo hatten wir zuletzt nicht mehr verlängert. Gut, dann kann der Kram auch raus. Und mit ihm einige Kabel, denn der C-Pod hat eine eigene GPS-Antenne zur unabhängigen Positionsermittlung und ist direkt mit der Batterie verbunden. Bei der Gelegenheit (wir wühlen uns durch die Kabelschächte vom Kartentisch zur Batteriebank unter der Achterkoje) entfernen wir gleich auch noch ein übrig gebliebenes Ethernetkabel vom inzwischen ersetzten Solar-Regler. Und ich baue endlich einen Schalter ein, um das AIS bei Bedarf “stumm” schalten zu können, als nur zu empfangen, aber nicht die eigene Position zu senden. Test mit der Easy-One und der Moana: funktioniert.

So sollte das nicht aussehen! Tut es auch nicht mehr.

Die Verkabelung der Hallberg-Rassy-Rassy ist eigentlich vorbildlich, aber die nachträglich eingebauten Teile sind ziemlich gefrickelt. Der C-Pod ist jetzt rausgeflogen, der Fox-Solarladeregler schon bei der Lithium-Umstellung. Das Raymarine-AIS ist offenbar ebenfalls nachträglich eingebaut, da haben wir jetzt etwas Kabelsalat bereinigt und eben den Stumm-Schalter eingebaut. Hatten wir schon lange geplant, und die Covid-Zeit führt eben auch zur Verkürzung der To-Do-Listen 😉.

Und heute Abend: Frischer Thunfisch vom Fischer. Und zwischen Mond und Venus passt immer noch ein Elefant!

Carlisle Bay

Kaum zu fassen, wir sind Ostermontag hier angekommen, jetzt also schon wieder fünf Tage hier. Eine ganze Arbeitswoche, nur dass wir das mit der Arbeit (unserem letzten Blogbeitrag entsprechend) laaangsam angegangen sind. Immerhin haben wir die noch fehlenden Winschen jetzt auch auseinandergenommen und gewartet. Am Unterwasserschiff taste ich mich ebenfalls eher gemächlich vorwärts, in kleinen Abschnitten wird es vom Bewuchs befreit, der sich dort eben doch schon wieder ganz schön breit macht. Aber das ist auf Langfahrt tatsächlich eine nicht aufhörende Sisyphusarbeit, selbst wenn unser Coppercoatanstrich das Reinigen bisher vergleichsweise einfach macht.

Ein bisschen „Arbeit“ noch außer der Reihe: Auf der Webseite unseres Vereins Trans-Ocean (TO) ist ein Reisebericht von uns erschienen. Kann man HIER ansehen, wird Euch als Bloglesern aber sowieso bekannt vorkommen. Da haben wir uns schon drüber gefreut, schließlich hat TO als Netzwerk von und für Hochseesegler gut 5.000 Mitglieder, von denen ein großer Teil weit mehr Erfahrung im Hochseesegeln hat als wir.

Und ansonsten: Live Slow Today. Mit Schildkröten schwimmen. Rochen direkt unterm Boot beobachten, Sepien im Schwarm. Das klare Wasser hier in der Carlisle Bay genießen. Schnorcheln.

Z.B. mit einem jungen Franzosen-Kaiserfisch (ausgewachsen hat er keine Streifen mehr) und einem senkrecht im Wasser stehenden Trompetenfisch in der Bildmitte
oder mit einem Flammenhelm aus der Familie der Helmschnecken, so dunkel könnte es auch eine in der Karibik eher ungewöhnliche rote Helmschnecke sein,
oder mit unserem ersten Sanddollar außerhalb der Bahamas (Kalkplatten von sehr flachen Seeigeln),
oder wieder einmal den Kiemen von vielen bunten Tannenbaumwürmern, diesmal auf einer Hirnkoralle.

Aber wir dürfen jetzt ja seit der Lockerung der Ausgangssperre vormittags wieder an Land, das haben wir heute erstmals genutzt. Am Dinghysteg des zur Zeit leeren Hotels dürfen wir anlanden, wenn wir uns über die Hochwasserlinie hinaus auf das nicht als solches gekennzeichnete Privatgelände des Hotels (unter die Palmen an diesem Strandabschnitt) verlaufen werden wir aber recht rüde vertrieben. Macht nichts, ein Stück weiter den Strand hinunter gibt’s auch Palmen und hier sind wir willkommen.

Aus einer kleinen Hütte heraus wird Obst und Gemüse verkauft, Getränke gibt’s auch. Banane und Avocado kaufen wir hier, ein Stück die Straße rauf erstehen wir auch noch ein paar frisch gepflückte Mangos.

Gesichtsmasken sind eigentlich auf der Straße obligatorisch, aber hier ist es etwas abgelegen und es gibt kaum Kontrollen, von den Locals trägt nur etwa die Hälfte eine Maske. Etwas erstaunlich ist auch, wie einfach und zum Teil auch heruntergekommen die Hütten sind, die hier im Dörfchen unmittelbar neben dem Hotel („Leading Hotels of the World!) stehen.

Im Garten einer der verblüffend zahlreichen Kirchen des kleinen Ortes entdecken wir eine riesige, etwa zwölf Zentimeter große Raupe, die doch einiges von unserem Franzosen-Kaiserfisch hat:

Es ist mehr, als nur die gelben Streifen auf schwarzem Grund. Auch bei ihr sieht die nächste Entwicklungsstufe deutlich unauffälliger aus: zwar wird aus ihr einer der größten amerikanischen Schmetterlinge mit bis 17 cm Flügelspannweite. Allerdings ist er braunbeige gemustert und somit gut auf Rinde getarnt. Die meisten würden ihn wohl als riesengroße Motte bezeichnen 😔.

Zurück zum Boot: wir freuen uns weiter, hier zu sein. Ein bisschen eingemottet wären wir wegen Covid-19 überall sonst auch. Aber nicht überall so schön.

Ausgangssperre Tag 3

Es ist ruhig. Sehr ruhig. Angenehm ruhig (traue ich mich kaum zu schreiben, weil der Grund so schlimm und die Dauer so ungewiss und damit auch beunruhigend ist). Trotzdem: praktisch kein Bootsverkehr mehr, keine Flugzeuge über uns, kaum Dinghys, keine Jetskis, keine überfüllten Touristenkatamarane, die mit Vollgas durchs Ankerfeld zum Strand rauschen, kaum Autos auf den Straßen am Ufer.

Auch keine Besuche von oder bei anderen Booten. Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Entschleunigung. Werden wir das ertragen oder können wir das sogar genießen? Wäre einfach, wenn es wirklich nur die bisher angesetzte Woche wäre, aber davon gehen wir nicht aus. Gleichwohl: ändern können wir es eh nicht, also lassen wir uns darauf ein. Wir haben Zeit (und wieder beunruhigt im Hinterkopf ein fernes „aber nur bis zum Beginn der Hurrikansaison“).

Ganz überwiegend schaffen wir es ganz gut, uns auf das Genießen einzulassen. Es gibt keinen Druck, kein „dass muss ich eben noch schnell erledigen, weil dann ja gleich …“. Selbst unsere Bootsprojekte gehen wir sutje (*1) an. Das Dinghy haben wir gesäubert und endlich (neben Logo und Florecita) auch mit dem offiziellen T/T SY Flora (*2) beschriftet, die verbogene Halterung für die umklappbaren Beibooträder gerichtet.

Ansonsten Brot gebacken, erstmals selbst an Bord Joghurt gemacht und …

… gepuzzelt. Ja, tatsächlich. Eike hatte uns bei seinem Besuch in Spanien ein 1.000-Teile-Puzzle mitgebracht. Innerlich hab ich den Kopf geschüttelt, obwohl er wohlweislich den sperrigen Karton zu Hause gelassen hatte. Wann und wo soll man auf einem schaukelnden Schiff ein 1.000-Teile-Puzzle machen? Landratte! Pah. Ich leiste Abbitte. Jetzt wissen wir, wann und wo. Der Salontisch ist belegt, begeistert puzzeln Wiebke und ich gemeinsam vor uns hin. Hatte fast vergessen, wie herrlich es als Kind war. Tausend Erfolserlebnisse und dazwischen …

Danke Eike!

Ein paar Details zur Ausgangssperre haben sich inzwischen geklärt. Wichtig für uns: wir dürfen schwimmen und sogar das SUP (*3) benutzen, nur eben nicht an den Strand fahren. Unser aufblasbares SUP sorgt für ein bisschen zusätzliche Bewegung neben dem Schwimmen und Schnorcheln am Boot, strengt beim Paddeln erstaunlich viele Muskeln an und erst recht beim Yoga, dass aber nur Wiebke auf dem schwankenden Ding mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad jetzt während der Ausgangssperre bisher täglich praktiziert.

Die Segler hier begegnen der Vereinzelung außerdem mit einigen Funkrunden auf UKW (*4), morgens um 9.00 gibts dort Wetterbericht, aktuelle Meldungen zum Covid-Stand auf Antigua und allem, was Segler hier betrifft, der eigentlich stets damit verbundene Flohmarkt ist allerdings derzeit mangels Kontaktmöglichkeiten einigermaßen mau. Zu um 9.30 haben wir dann (seit dem Lockdown) eine deutsche Funkrunde in Leben gerufen. Sie war heute morgen mit mindestens acht Booten ebenfalls gut besucht, zum Quatschen und wiederum Informationsaustausch. Nachmittags um 17.30 hat dann Merrill seine Show, er hat uns zum (funklichen) Sundowner geladen. Von ihm launig und humorvoll moderiert, berichten alle Teilnehmer (heute sicher 15+) über den von ihnen gerade verzehrten Sundowner und ihr heutiges Bootsprojekt (das kann z.B. die Suche nach dem fiesen Elektrowurm in der Bordelektronik oder auch nach dem besten Platz für die Hängematte sein). Anschließend hält Merrill noch ein kurzweiliges Quizz bereit und schwupp hat man das Gefühl, die isolierten Segler seien eben doch in einer Gemeinschaft vereint.

Und danach? Gibt noch einen weiteren Sundowner:

(*1) norddeutsch, etwa: langsam, bedächtig, ruhig

(*2) T/T steht für Tender to, also insgesamt international übliche Kennzeichnung für: Beiboot der Segelyacht Flora

(*3) SUP = Stand Up Paddelboard

(*4) UKW = Ultrakurzwelle, der Frequenzbereich in dem das Bordfunkgerät (selbst als Handfunke) sendet und empfängt.