Tonga: an der Steilküste von Vava‘u; Walgesang und Spinner-Delfine

Die Vava‘u-Gruppe hat viele Facetten. Niedrige, palmenbestandene Inselchen prägen den Süden, im Norden aber erhebt sich wie ein Bollwerk Tonga‘s zweitgrößte Insel mit ihren schroffen Steilküsten aus den Tiefen des Ozeans. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Östlich von Tonga fällt der Pazifik im Tonga-Graben bis auf 10.882 m unter NN ab. Hier taucht die Pazifische Platte unter die australische Platte. Nur der Mariannengraben ist mit 11.034 m noch etwas tiefer. Die tektonischen Verschiebungen haben auch dafür gesorgt, dass sich der Korallenkomplex der Vava‘u-Gruppe schräg aus dem Meer hob und die Inselgruppe jetzt von der Seite betrachtet wie eine schiebe Ebene wirkt. Die Insel Utu Vava‘u bildet mit fast 90 Quadratkilometern Größe die hohe Nordseite dieser Schräge.

Und genau dorthin segeln wir zu unserem nächsten Ankerplatz, in die Vaiutukakau-Bucht, draußen an der Nordwest-Seite der Inselgruppe.

Der Ankerplatz trägt ausnahmsweise keine Nummer, ist aber trotzdem kein echter Geheimtipp mehr. Es hat sich inzwischen unter den Seglern herumgesprochen, dass hier gute Chancen bestehen, Wale zumindest zu hören und Spinnerdelfine zu sehen. Zudem bietet sich das glasklare Wasser der Bucht zum Schnorcheln an.

Jedenfalls aber ist der Ankerplatz vor der 100 m hohen und praktisch senkrecht abfallenden Steilküste wirklich imposant.

Der Wetterbericht hat Böen bis über 30 kn aus Südost vorhergesagt, aber geschützt von der hohen Küste werden wir davon tatsächlich nichts mitbekommen. Stattdessen können wir bei fast glattem Wasser in aller Ruhe die Paddelboards nutzen und ausgiebig im klaren Wasser schnorcheln. Emma und Claas entdecken viele neue Fische wie zum Beispiel den von ihnen so genannten „Panda“-Kofferfisch, außerdem noch einige inzwischen bekannte Fische, Claas findet zudem sogar einen gut getarnten Oktopus.

Es gefällt uns so gut dass wir beschließen, noch eine weitere Nacht zu bleiben. Das erweist sich als Glücksgriff. Schon am Abend und dann auch immer wieder während der Nacht können wir innen im Schiff deutlich Walgesänge hören. Draußen ist das kaum zu vernehmen, aber der Schiffsrumpf scheint die Schallwellen im Wasser aufzunehmen. Wir bekommen die Wale nicht zu sehen, es ist gleichwohl ein wunderschönes Erlebnis.

Das nächste Highlight folgt Tags darauf. Wiebke und ich sind schon im Cockpit, als wir ein leises Schnaufen hören. Delfine! Wir rufen gleich Emma und Claas aus der Koje, aber der Eile hätte es gar nicht bedurft. Den ganzen Vormittag bleibt eine große Schule von gut 80 Ostpazifischen Delfinen in der Bucht. Auch als Langschnauzen-Spinner-Delfin bekannt, gehören diese Meeressäuger zu den Delfinen mit der akrobatischsten Sprüngen. Teilweise springen sie hoch aus dem Wasser und vollführen dabei diverse Drehungen um ihre Längsachse (Spins). Auch wenn sie sich damit heute zurückhalten und überwiegend ruhig zwischen den ankernden Booten und dem felsigen Ufer dahinziehen, manchmal drehen sie sich im Wasser einfach mal um sich selbst, zeigen uns den Bauch, und ein paar übermütige Sprünge streuen sie dann doch ein (wie immer: für bessere Auflösung auf ein Bild klicken).

Hier noch ein kurzes Video:

Die Zugabe gibt’s, als wir gegen Mittag dann doch den Anker lichten. Mehrere Tiere lösen sich von der jagenden Schule und begleiten die Flora am Bug spielend aus der Bucht hinaus.

Tonganisches Fest am Ankerplatz #16, Vaka‘eitu

Wir bleiben ein paar Tage am Ankerplatz vor der Insel Vaka‘eitu. Das gar nicht so kleine Eiland hat 10 Einwohner, die alle zu einer Familie gehören. Dorothy, die sich als Schwiegertochter des Familienoberhaupts vorstellt, lädt für Freitagabend zum „Tongan Feast“. Gleichzeitig soll dabei der 2. Geburtstag ihrer Tochter Haye gefeiert werden. „Je mehr Gäste, je besser.“ sagt sie. Die Segler in der Bucht lassen sich nicht lange bitten, über 30 von uns finden sich unter dem imposanten Ovava (Banyan-Baum) am Ufer ein, hier findet die Feier statt. Und natürlich gibt auch Wiedersehen unter Seglern, für uns zum Beispiel mit Mareike von der Moana und ihrer Crew, mit Annette und Jan von der Black Marlin sowie mit Judy und Todd von der Galileo.

Daniel, Dorothy‘s Mann, dreht schon das Spanferkel am langen Holzspieß über dem offenen Feuer.

Auf einer Tafel ist ein großes Buffet mit tonganischen Gerichten aufgebaut. Los geht’s aber erst, nachdem Dorothy eine Begrüßungsrede mit anschließendem Gebet gehalten hat, so ist es Tradition.

Dorothy mit Haye und Sane im Arm, im Hintergrund die Schwägerinnen Rosemary und Anne.

Und natürlich bekommt das Geburtstagskind auch Geschenke (von uns Stifte, Papier und Knetgummi).

Das Prinzessin-Kleid hält Haye selbstverständlich nicht davon ab, mit ihrem älteren Bruder und den Cousins ins Wasser zu laufen und durch den Sand zu krabbeln. Die Insel ist nunmal auch der Spielplatz. Und wenn schon mal Dinghies da sind, werden die als Spielgeräte einfach einbezogen.

Anne und Rosemary bringen nach dem Essen auch noch eine Vorführung tonganischer Tänze dar, auch offenbar vorgebildete Seglerinnen werden einbezogen (Anne gibt auf Wunsch auch tonganische Tanzkurse).

Angeregt durch das tonganische Buffet frage ich Anne am nächsten Tag nach „Pele“. Geschmacklich irgendwo zwischen Spinat und Kohl angesiedelt, werden diese Blätter einer speziellen Hibiskus-Pflanze in der tonganischen Küche sowohl gebraten als auch gekocht verwendet.

Anne hat sie reichlich in ihrem Garten angepflanzt. Verkaufen möchte sie sie nicht, aber auf Bitten der mitgelaufenen Kinder vielleicht gegen ein paar Süßigkeiten eintauschen? Ich hole vom Boot Haribo für die Kleinen. Die deutsche Süßigkeit ist ganz passend, denn der Nachname der Familie lautet Wolfgramm. Der Grabstein von Emil Otto Frederick Wolfgramm war uns schon auf dem Friedhof in Neiafu aufgefallen, er hatte sich im 19. Jahrhundert hier niedergelassen und eine Tonganerin geheiratet.

Und sonst? Wir packen nach langer Zeit mal wieder die Wingfoils aus. Seit Mai bin ich nicht mehr gefahren, ich muss mich erst mal wieder etwas eingewöhnen, aber es macht Riesenspaß. Nicht nur mir. Mit dem Dinghy ziehe ich Emma und Claas auf dem Foilboard. Erst mal im Knien. Und auf dem Strand üben wir das Handling des Wings, nicht ganz einfach bei dem ziemlich böigen Wind.

Außerdem wandern wir über die Insel, paddeln, schnorcheln, und bewundern den Korallengarten bei Ebbe.

Tonga. Vava‘u und die Flora halten uns auf Trab.

Was für ein wunderbares Revier. Auch wenn wir gerne länger an einem einmal gewählten Ankerplatz bleiben, wollen wir unseren Gästen doch auch etwas Abwechslung bieten. Hier in der Vava‘u-Gruppe fällt das leicht. Die traumhaften Ankerplätze liegen nahe beieinander und selbst zum Hauptort ist es meist nur ein kurzer Schlag.

Für eine Nacht stoppen wir am Ankerplatz #6 (Mala). Wir sind begeistert vom Schnorcheln an den kleinen Felsinselchen, viel bunter Korallenfisch, Moränen, Anemonen und damit auch Clownfische, das alles in kristallklarem Wasser.

#6

Beim Abduschen nach dem Schnorcheln gibt’s allerdings eine unangenehme Überraschung: nur ganz kurz kommt noch Wasser. Hm. Die Tankanzeige steht auf voll, die Pumpe macht allerdings ein seltsames Geräusch. Also dann muss wohl eine Ersatzpumpe ran, die hatten wir allerdings auch wegen viel zu häufigem Anspringen ausgetauscht und eigentlich nur als Teileträger behalten. Jetzt macht sie kurzfristig mehr Druck und bringt den Wasserhahn zum Sprötzeln, mehr aber auch nicht. Sollte die Tankanzeige klemmen und der Tank leer sein?

Wir stellen den Wassermacher an und motoren zum Ort. Wir holen unsere gefüllte Gasflasche ab, außerdem die neuen Crew-Shirts. Und wir füllen die Vorräte auf. Außerdem finden wir beim Schiffsausrüster noch eine neue 12V Druckwasserpumpe – super, zumindest ein funktionierendes Backup. Einbauen brauchen wir sie noch nicht, mit dem jetzt wieder gefüllten Frischwassertank funktionieren Dusche und Wasserhähne wieder. Das bedeutet allerdings, dass wir den Salontisch ausbauen und die Bodenbretter losschrauben müssen. Nur so kommen wir an die Inspektionsluke für den Wassertank und können die klemmende Tankanzeige wieder gängig machen. Emma und Claas werden natürlich zur Bootsarbeit mit eingespannt.

Zur Belohnung gibt es Abends im „Basque“ ein Abschiedsessen mit Bonnie und Bob von der Scout. Die beiden wollen weiter nach Fiji und werden wohl das nächste passende Wetterfenster nehmen. Da sie in Fiji aber länger bleiben werden, treffen wir sie hoffentlich dort im Frühsommer 2026 wieder.

Wir verholen am nächsten Morgen ein weiteres Mal, jetzt zum Ankerplatz #16 an der Insel Vaka‘eitu. Auf dieser privaten Insel lebt nur eine zehnköpfige Familie. Am Strand treffen wir Dorothy mit zwei ihrer drei Kinder. Sie begrüßt uns freundlich und erlaubt uns bereitwillig, auf ihrer Insel herum zu wandern. Wir melden uns auch gleich für das „Tongan Feast“ an, das hier am Ende der Woche stattfinden soll.

Zurück am Dinghy erwartet uns eine Überraschung: direkt am Strand schlängelt sie sich schwarz weiß geringelt im flachen Wasser: das sieht nach einer hochgiftigen gebänderten Seeschlange aus.

Wäre allerdings nicht sehr gefährlich für uns, denn diese gut einen Meter langen Schlangen haben ein so kleines Maul, dass sie Menschen eigentlich kaum beißen könnten. Und – wichtiger – das Tier sieht wirklich nur sehr ähnlich aus. Tatsächlich bedient sich hier ein gebänderter Schlangenaal der Mimikry. Er imitiert in seiner Erscheinung weitgehend die Seeschlange, ist aber komplett harmlos. Erkennbar ist er vor allem an der Zeichnung am Kopf (Auge im weißen Bereich) und an den gelegentlich vorkommenden schwarzen Punkten in den weißen Bereichen. Das musste ich allerdings erst mal nachschlagen. Diese Schlangenaale lieben flache sandige Flächen in Lagunen und Riffen, aber es ist trotzdem der erste seiner Art, den wir sehen.

Auch der heutige Morgen bringt uns Tiere direkt ans Schiff. Als wir wach werden, hören wir rund um die Flora herum in kurzen Abständen ziemlich heftiges Plantschen. Ein Schwarm kleiner Fische sucht unter unserem Boot Schutz. Diverse Raubfische versuchen sie vom Rumpf weg an die Oberfläche zu treiben, wo sie sich leichter jagen lassen. Die ins Wasser gehaltene GoPro enthüllt, dass neben Dicklippen-Makrelen einige Blauflossenmakrelen und auch mehrere kleine Thunfische (Wavyback-Skipjacks) zu den Jägern gehören.

Einige Noddie-Seeschwalben, vor allem aber eine Menge an Schwarznacken-Seeschwalben nutzen die Gelegenheit, um die aus ihrem Versteck getriebenen kleinen Fische von oben anzugreifen.

Es ist insgesamt ein langanhaltendes ordentliches Spektakel. Die uns als Zuschauern gebotene Unterhaltung passt ja eigentlich auch gut zu einen Ankerplatz, der ein wenig an ein natürliches Amphitheater erinnert.

Tonga, Kapa Island, #7

Nummer 7 gefällt uns richtig gut. Die besten Ankerplätze der Vava‘u-Gruppe sind (von 1 bis 42) durchnummeriert und bei den schwer aussprechbaren Namen hat sich diese Nummerierung tatsächlich als Bezeichnung durchgesetzt. Unser Platz hier an der Westseite von Kapa Island trägt die #7. Das hat den Vorteil, dass wir morgen früh von hier aus abgeholt werden können. Das Whale-Watching-Boot fährt zwar vom Hauptort Neiafu ab, sammelt aber bei Bedarf auch von den Ankerplätzen 5 bis 8 ein. Wir können also eine halbe Stunde länger schlafen.

Aber nicht nur das macht die #7 attraktiv. Der Sandstrand im Scheitel der Bucht bietet sich für das Anlanden mit dem Dinghy an. Und gleich hinter dem Strand beginnt ein Weg, wir können uns also die Beine vertreten und die Insel erkunden.

Blüten am Wegesrand werden dabei nicht nur bewundert, sondern auch gleich als Verzierung von Emmas Hut platziert.

Und auch die Tierwelt bietet neben Bekanntem (und immer wieder aufs Neue faszinierendem) wie den Flughunden und der Tonga-Taube …

… auch Neues und bisher nicht vor die Linse bekommenes wie die Schwarznacken-Seeschwalben …

… und die herrlich blau schillernden Pazifischen Eisvögel:

Aber auch zu Wasser bietet sich #7 für Exkursionen an. Wiebke und ich machen eine ausgiebige Paddeltour mit dem Kajak. Etwa drei Seemeilen weit geht es am Ufer der Bucht und pilzförmigen Inselchen entlang zur „Swallows Cave“ und zurück. Ein bisschen ungewohnt für unsere untrainierten Schultern, aber trotzdem herrlich.

So beeindruckend, dass wir am frühen Nachmittag mit Emma und Claas im Dinghy noch einmal dorthin fahren. Diesmal haben wir Schnorchelsachen dabei, die hochstehende Sonne fällt durch ein Deckenloch im Eingangsbereich, beleuchtet das Felsentor und schickt durchs Blätterdach gefilterte Strahlen durchs klarblaue Wasser bis zum Grund der Höhle, während das Wasser drumherum fast unheimlich dunkel bleibt.

Übrigens, auch ohne weitere Action lässt es sich in #7 aushalten.

Besuch in Tonga

Kaum zu fassen. Unsere Nichte Emma ist bisher nur ein einziges Mal geflogen, vor sechs Jahren hat sie uns zu Beginn unserer Langfahrt auf Sizilien besucht.

Und jetzt – inzwischen 22jährig – fliegt sie mit ihrem Freund Claas buchstäblich um die halbe Welt. Für Claas ist es die allererste Flugreise und das tatsächlich über die USA und Fiji hierher nach Tonga, wow! Die mit der langen Reise verbundene Anstrengung lassen sich die beiden jedenfalls nicht anmerken, als wir sie am Flughafen von Vava‘u abholen.

Erst einmal bleiben wir mit den beiden am Liegeplatz vor dem Hauptort Neiafu, denn für die folgenden Tage ist eher raues Wetter angesagt. Außer einigem Regen bekommen wir in der geschützten Bucht zum Glück nicht allzu viel davon ab. Außerdem gibt uns dass die Gelegenheit, den Ort Neiafu mit seinem Fruchtmarkt zu erkunden, die Flughunde zu bewundern, den Gottesdienst am Sonntag mit den traditionell festlich gekleideten Tonganern zu besuchen und auch noch eine Wanderung zur Vaimumuni-Höhle zu machen.

In der nahe am Meer gelegenen und auch mit Süßwasser gespeisten Höhle kann man ein Bad nehmen. Allerdings erwartet uns jenseits des niedrigen Eingangs ziemliche Finsternis.

Eine kurze Holztreppe führt drinnen hinunter zum Wasser. Wir haben aber zwei Taschenlampen dabei. Mit der einen erkunden Claas und ich schwimmend die Höhle, mit der anderen haben Wiebke und Emma von der Treppe aus ein wachsames Auge auf uns.

Am Dienstag hat sich das Wetter dann beruhigt und nach letzten Einkäufen bewegen wir die Flora von Neiafu weg zum ersten Ankerplatz auf Tonga. Gar nicht so weit, einfach nur kurz ums Eck (die Entfernungen in der Vava’u-Inselgruppe sind wirklich nicht sehr groß). Und trotzdem: gefühlt eine völlig andere Welt.

Die Paddelboards und das Kanu werden aufgeblasen, damit lässt sich die schöne Ankerbucht wunderbar erkunden. Bilderbuch mit Sandstrand und Palmen. Muscheln sammeln, Schnorcheln im klaren Wasser.

Südsee eben. 😎

Passage nach Samoa, Tag 5: Ankunft in Apia

Tatsächlich ziemlich genau um Mitternacht passieren wir die Datumsgrenze zwischen American Samoa und Samoa. Der 14. Juni 2025 fällt also für uns aus. Meine vierstündige Hundewache dauert vom Freitag (13.6.) 23.00 Uhr bis Sonntag (15.6.) 03.00 Uhr.

Ansonsten ist es eine recht ruhige letzte Nacht auf See für diese Passage. Mit Dunkelwerden gehen wir mit dem Großsegel ins zweite Reff. Trotzdem sind wir noch zu schnell. Beim Wechsel zu meiner Wache (23.00 Uhr) rollen wir die Fock ein und gehen ins dritte Reff. Jetzt passt das ETA (die Estimated Time of Arrival, unsere voraussichtliche Ankunftszeit).

Am Morgen präsentieren sich Samoa und (nach per Funk vom Port Officer erhaltener Einfahrerlaubnis) die Ankerbucht von Apia dann so:

Es ist Sonntag, und so müssen wir auf die Offiziellen ein bisschen warten. Als erstes kommt mit eigenem Dinghychauffeur “Health”, der Officer klettert aber gar nicht in unser Mittelcockpit sondern wartet auf dem Seitendeck, bis wir die Formulare ausgefüllt haben. Die Damen von Customs und Immigration muss ich dann mit unserem Dinghy abholen. Ein bisschen Smalltalk im Cockpit bei bereitgestellten Saft und Keksen, einige Formulare, schnell erledigt. Ich bringe sie zurück an Land und checke dann aus, ob im Hafen noch Platz ist. Die Ankergebühr und die Marina Preise liegen nicht allzu weit auseinander.

Tatsächlich finden wir noch ein Plätzchen, wenn auch etwas eng zum Manövrieren. Aber die Nachbarn bieten Hilfe an, gut.

Wir verholen in die Marina, das klappt gut. Dort warten wir dann auf “Biosecurity”. Als wir schon unseren Sundowner trinken, kommt der Officer doch noch. Auch er bleibt im Cockpit, wir füllen die gleichen Formulare zum dritten Mal aus. Allerdings fragt er nach einem Geschenk, ist aber mit einer gebrauchten Sonnenbrille zufrieden. Auch wir sind zufrieden, denn damit ist der offizielle Einklarierungsvorgang beendet, “Samoa is all yours”. Das ging (insbesondere für einen Sonntag) besser als erwartet, wir haben auch von intensiven Schiffsinspektionen mit Öffnen aller Schapps gehört und gelesen. Wie auch immer, vielleicht war die Ankunft an einem Sonntag (damit vermutlich “Overtime-Gebühren) auch vorteilhaft.

Wir sind drin, morgen können wir die Pässe und Schiffspapiere in der Behörde wieder abholen.

Der Sundowner-Toast: “Samoa”. Cheers.

Aitutaki, einfach anders.

Hier auf Aitutaki geht es gemächlich zu. Selbst der Himmel scheint irgendwie uns zu gehören 😉.

Aber es gilt ja: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Also wird der Salon unserer Flora kurzerhand in ein Studio für das (wegen der Zeitverschiebung) nächtliche Bewerbungsgespräch unseres Patenkindes eingerichtet.

Für mich gibt’s am nächsten Morgen erst einmal Arbeit auf dem Nachbarboot. Der französischen „Arantelle“ ist auf der Passage das Spi-Fall gebrochen und sie sind leider von Höhenangst geplagt. Ich lasse mich in den Mast ihrer Amel ziehen. Zwar ist das Ende des Falls komplett im Mast verschwunden und lässt sich nicht oben herausziehen, aber von oben neu eingefädelt, kann es am Mastfuß herausgefischt werden. Mission erfolgreich.

Jetzt, wo das Klettergeschirr schon mal herausgesucht ist, können wir gleich auch auf unserem Boot noch einmal das Rigg überprüfen. Elisa möchte gerne hoch, also übernimmt sie diese Aufgabe.

Von oben sieht man besonders gut das Zickzack-Gewirr von Heckleinen, die von den geankerten Booten quer über die Pier zu den Felsen auf der Lagunenseite laufen.

Für den Landgang hangeln wir uns im Dinghy an den Leinen hinüber und machen mit Rollern eine weitere Tour über die Insel.

Die sanft gewellte Landschaft bietet immer wieder tolle Ausblicke auf die Lagune und …

… Moment, Ziegen sehen wir häufiger, aber steht da gerade eine Kuh in der Wiese?

Ja, tatsächlich. Schwarzbunte unter Palmen. Aitutaki ist einfach anders.

Gemüsefeld

Wie schon in Französisch Polynesien finden sich auch hier oftmals Gräber auf Privatgrundstücken am Straßenrand, allerdings sind diese auf Aitutaki häufig sehr aufwändig gestaltet. Zum Beispiel überdacht, als Pavillon gestaltet, …

… oder mit einem Hain von Betelnusspalmen umgeben:

Fruchtstand der Betelnuss-Palme

Nebenbei klappern wir auf unserer Tour auch die verschiedenen Supermärkte der Insel ab. Bei Baxter in der Inselmitte finden wir nicht nur ein neues Gaff als Ersatz für den Abgang beim Anbordbringen des letzten Mahi Mahi. Es gibt auch wieder einen (für Elisa) neuen Exoten: wir ergattern einige Drachenfrüchte.

Die schmecken schon pur super 🤩 , und Elisa inspirieren sie außerdem zu unserem Sundowner-Cocktail.

Am nöchsten Tag fahren wir mit dem Dinghy wieder raus ans Außenriff, wo wir an einer kleinen Boje festmachen können. Die Sicht ist dieses Mal besser als bei unserem letzten Versuch und entsprechend bekommen wir auch deutlich mehr von der Unterwasserwelt zu sehen. Endlich entdecken wir auch mehrere der großen Karettschildkröten, für die dieser Platz bekannt ist …

… staunen über die leuchtend blauen Seesterne …

… und können diverse gefleckte Adlerrochen beim Formationsflug durch die vom Riff in die Tiefe des Ozeans führenden Canyons beobachten:

Auch zurück an der Pier des Hafens zeigen sich spannende Tiere. Zwei Riffreiher haben sich auf der Mole niedergelassen. Abhängig von der Population zeigt sich diese Vogelart entweder überwiegend im Hellen oder im dunklen Federkleid (in Neuseeland zum Beispiel fast ausschließlich im dunklen). Hier auf den Cook Islands halten sich beide Farbvarianten ziemlich die Waage. Spannend auch, wie sehr aus dem geduckten Pirschgang heraus der Hals bei scheinbarer Bedrohung gereckt wird.

Überhaupt: die Pier des Hafens. An einem Anschlag sehen wir, dass hier heute ein Angelwettbewerb für die Grundschulklassen stattfindet. Ein Zelt ist auf der Mole aufgebaut und eng bestuhlt. Die Kids werden dort auf den Wettbewerb eingestimmt und schwärmen dann aus. Manche mit modernen Angelrouten und Rolle, andere mit Bambusstock und etwas Leine. Aber alle mit viel Einsatz und Begeisterung.

Und auch mit Angelerfolg:

Grundschule. Einfach mal anders.

Passage zu den Cook Islands, Tag 6: angekommen auf Aitutaki

Kiaorana. Das K vorne ist neu, in Französisch Polynesien hieß es zur Begrüßung noch Iaorana. Aber hier in den Cook Islands ist es eben ähnlich, aber anders. Vielleicht noch ein bisschen entspannter.

Gut gemeint 😇 ist ja manchmal das Gegenteil von Gut gemacht. Um vernünftig einklarieren zu können, wollen wir extra nicht am Wochenende ankommen, Montag scheint die bessere Wahl. Bloß, Montag, der zweite Juni ist naturgemäß der erste Montag im Juni, und da wird auf den Cookinseln „Kings Birthday“ begangen, ein nationaler Feiertag. Behörden also grundsätzlich geschlossen. Aber eben nur grundsätzlich.

Gleich sechs Boote kommen heute im kleinen Hafen von Aitutaki auf den Cookinseln an und würden gern einklarieren. Da kommen die Behördenvertreter dann auch an ihrem eigentlich freien Tag raus. Das ermöglicht uns, die Q-Flagge einzuholen und an Land zu gehen. Da wird dann auch schon mal das „Office“ eingepackt und der Papierkram auf der Sitzfläche des Scooters am Dock erledigt. 31 Tage dürfen wir bleiben, „enjoy the Island“.

„Meitaki“ dafür, also Dankeschön. Das hätte in Französisch Polynesien noch „Māuruuru“ geheißen, da werden die Unterschiede in den polynesischen Sprachen dann schon deutlicher.

Jedenfalls haben wir genug Gelegenheit, uns zu bedanken, insbesondere auch bei anderen Seglern. Aitutaki ist ein nicht ganz unkomplizierter Hafen. Die Lagune hat keinen für Yachten schiffbaren Zugang, es gibt aber eine schmale Rinne zu einem künstlichen Hafenbecken.

Die Rinne neigt zur Verlandung, wird aber gelegentlich ausgebaggert. Barbara von der Lille Venn hatte uns berichtet, dass dies kürzlich wieder erfolgt sei. Schon mal die halbe Miete. Die schmale Rinne wartet mit starker Tidenströmung auf. Aktuelle Tiefenangaben für den Hafen sind schwer zu erhalten. Das Wasser ist milchig undurchsichtig. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Segelboote im Hafen weder an einem Steg, noch direkt an der Pier anlegen können. Vielmehr wird geankert, um dann vom Heck aus Landleinen auszubringen. Direkt von Bord gehen kann man trotzdem nicht, weil das Heck mangels Wassertiefe fast überall Abstand von der Pier halten muss. Aber ist in dem engen Hafen überhaupt Platz für uns?

Tja, quasi als Selbsthilfegruppe gibt es die „Aitutaki Welcoming Group“ auf WhatsApp. Segler, die schon im Hafen liegen, geben hier bereitwillig Auskunft. Und – weit darüber hinaus – helfen sie bei der Planung und der Ankunft. Das geht so weit, dass sie die aktuellen Tiefen und Strömungen messen, sogar einen Plan für die bestmögliche Unterbringung der erwarteten Boote erstellen und in die Gruppe posten. Das sieht dann so aus:

Gemeinsam mit drei weiteren frühmorgens angekommenen Booten drehen vor Aitutaki bei und warten auf ein Abschwächen der noch sehr kräftigen Strömung. Als wir dann einlaufen, werden wir von vier(sic!) Dinghies erwartet, die uns zum Platz geleiten, den besten Platz für den Anker zeigen und unsere Heckleinen übernehmen. Die Leinen werden an weitere Helfer auf der Pier übergeben, die damit auf die Lagunenseite der Pier hinübergehend die Leinen an den dortigen Felsen festmachen. Wir holen die Lose aus den Leinen und sind fest.

Was für ein Service, nur eben nicht vom Hafen, sondern komplett von anderen, uns bisher unbekannten Seglern. Wow.

Und so kommen auch wir unbeschadet zu unserem ziemlich ungewöhnlichen Hafenplatz an der Westpier.

Um so schöner, dass ein Großteil der von der Passage doch recht müden Neuankömmlinge am Abend auf eben dieser Westpier mit den Helfern die erfolgreiche Aktion feiern.

Meitaki.

Tag 2 der Passage zu den Cook Inseln

Zwischenstopp auf Maupiha‘a. Wir haben zwar in Bora Bora ausklariert und sind zu den Cook Inseln aufgebrochen, aber eine kleine Komplikation gibt es dann doch noch. Der Dieselgenerator quittiert den Dienst mit der Fehlermeldung „Motor Temp“. Die Nachschau unter der Schallschutzhaube zeigt eine ziemliche Sauerei: offenbar ist Salzwasser herumgespritzt und auf dem heißen Gehäuse verkrustet. Sieht nach einem heftigen Problem mit der Seewasserpumpe des Generators aus.

Das ist doppelt blöd. Zum einen haben wir dafür kein Ersatzteil, zum zweiten kommt der Defekt zur Unzeit, weil ja auch ein Teil unserer Solarpanel derzeit nicht einsatzfähig ist. Stromsparmodus ist angesagt. Dramatisch ist das nicht, die Kühlschränke bleiben an, der Autopilot auch. Immerhin haben wir noch 500 WP an Solar, den Windgenerator und natürlich zur Not auch noch die Lichtmaschine vom Motor.

Wir machen einen Zwischenstopp auf Maupiha‘a, einem kleinen Atoll etwa 130 Seemeilen westlich von Bora Bora. Der Generator wird soweit möglich von der Salzverkrustung befreit und der Schaden näher begutachtet. Das Problem könnte von einem Defekt der Dichtung an der Welle der Seewasserpumpe herrühren, näheres lässt sich so noch nicht sagen. Auch nicht, ob Folgeschäden durch Überhitzung aufgetreten sind.

Hilft ja jetzt nix. Zur Ablenkung genießen wir das wunderschöne Maupiha‘a.

Morgen geht’s dann gleich wieder weiter. Der mit nur zwanzig Metern Durchfahrtbreite extrem enge und ziemlich strömungsreiche Pass wird uns hoffentlich genauso problemlos wieder aus dem Atoll herauslassen, wie wir (bei drei Knoten Gegenstrom) hereingekommen sind.

Und dann sollten es etwa 60 Stunden Fahrt bis nach Aitutaki auf den Cook Inseln sein, sofern alles glatt läuft. Wind- und Wellenvorhersage sehen gut aus. Wegen des Stromsparmodus wird das Starlink meistens aus sein, Positionsupdates (und natürlich auch Blogbeiträge) können sich also eventuell ein bisschen verspäten.

Bora Bora #2: Sehr positiv überrascht!

Jetzt sind wir schon ein paar Tage auf Bora Bora.

Neben Tahiti ist es wohl die bekannteste Südsee-Insel. Die Tourismus-Branche vermarktet sie als DIE romantische Honeymoon-Location schlechthin, allerdings zugleich als ungemein exklusiv und entsprechend als eines der kostspieligsten Urlaubsziele im Südpazifik. Die Overwater-Bungalows – angeblich hier auf Bora Bora „erfunden“ – liegen pro Nacht inzwischen deutlich im vierstelligen Euro-Bereich.

Da haben wir im Inwater-Bungalow „Flora“ also schon mal ziemlich viel Geld gespart. Die Preise für die praktisch obligatorischen Moorings sind nämlich nicht so unverschämt. Umgerechnet zahlen wir zu dritt etwa 230 Euro pro Woche, etwa 11 Euro am Tag pro Person. Klar, für ankerverwöhnte Langfahrer summiert sich das bei längerem Aufenthalt ganz schön auf, aber ob es von einer Stipvisite abhalten sollte?

Nach allem, was wir vorher so über die Insel gehört und gelesen haben, fürchten wir ein Super-Edel-Luxus-Inselchen mit Jet-Ski-und Tour-Boat-Gewusel, permanentem Hubschrauber-Lärm und Schicki-Micki-Boutiquen. Reservierung für den Bojenplatz sehr empfohlen.

Wollen wir da wirklich hin?

Schon vor der Ankunft relativiert sich manches. Auf unsere WhatsApp-Nachricht an BoraBora Mooring Services bekommen wir selbst am Samstagabend sofort eine Antwort. Kein Problem, reichlich Moorings frei. Vielleicht war es gut, dass wir bis nach dem Etappenstart der World-ARC-Flotte gewartet haben, vielleicht wäre aber auch ohnehin etwas frei gewesen.

Die Haupt(-einkaufs-)straße des Inselstädtchens Vaitape bietet tatsächlich einige Souvenirshops, Bars, Restaurants und Südsee-Perlen-Boutiquen, aber von Schicki-Micki-Passagen ist das dann doch denkbar weit entfernt:

Und ja, es gibt Tourboote und Jetskis.

Fairerweise halten sie aber offenbar – anders als etwa in Moorea – meist gebührenden Abstand. Das ist auch vergleichsweise leicht möglich, die Lagune um die Insel bietet reichlich Platz. Auch für uns, die Bojenfelder sind mit großzügigen Abständen gesetzt und unseres ist nur spärlich belegt, zeitweise liegen nur ganze drei Boote hier.

Auch zum Wingfoilen gibt es reichlich Raum und Gelegenheit, Elisa tastet sich da mit ersten Übungen mit dem Wing auf dem Paddelboard und später auch auf dem Foilboard langsam ebenfalls heran.

Was uns aber am allermeisten fasziniert, ist die traumhafte Landschaft hier auf Bora Bora.

Seit unserer Anfahrt haben wir die Hauptinsel fast ganz umrundet, zum Teil außerhalb, zum Teil innerhalb des Atolls.

Der hochaufragende Berg Otemanu präsentiert sich dabei und auch je nach Lichteinfall immer wieder neu, immer wieder auf andere Weise beeindruckend. Der vulkanische Ursprung Bora Boras ist unverkennbar. Naturgewalt und Naturschönheit.

Dazu Farben der Lagune, das saftige Grün der Palmen, das Weiß der Brandung und das tiefblaue Wasser des Ozeans drum herum.

Ja, nur so wird man als Insel wohl zu dem exemplarischen Beispiel des Südseetraums.