Ruhige Tage in Antiguas Nordosten

Die Ankerbucht hat sich geleert, im Moment liegt die Flora mit nur zwei anderen Booten wunderbar geschützt hier hinter Great Bird Island. Auch die „Heaven 47“ und die „Gladan“ sind weg, sie wollen sich in Jolly Harbor mit größeren Proviantvorräten versehen. Der Gedanke an den Corona-Virus spielt dabei mit, wie uns Sam von der Heaven 47 gesagt hat.

Ob auch die im Vergleich zu unserem ersten Tag hier extrem geringe Zahl von Touristenbooten zur Insel mit dem Virus bzw. dem damit zusammen hängenden Ausbleiben von Kreuzfahrtschiffen zu tun hat können wir nur vermuten. Jedenfalls ist es ruhig geworden in der Bucht und auf der Insel. Am ersten Tag wurden wir noch weg geschickt, als wir mit unserem Dinghy an einer kleinen Boje festgemacht hatten um zu schnorcheln, heute sind alle drei schon den ganzen Tag frei.

Wir fahren noch etwas weiter hinaus nach Hell‘s-Gate-Island, trotz des martialischen Namens nur eine kleine Felseninsel an der Riffkante, die aber einen schönen natürlichen Felsdurchbruch zwischen dem offenen Atlantik und dem geschützten Riffbereich hinter den Inseln bietet.

Einmal mehr fahren wir auch nach Great Bird Island hinüber und haben die Insel diesmal ganz für uns. Auf einem nur gelegentlich mit farbigen Bändern markierten Pfad durch Buschwerk, Kakteen und Agaven erkunden wir die dicht bewachsene westliche Halbinsel in der Hoffnung, vielleicht doch noch eine Antigua-Schlanknatter vor die Kameralinse zu bekommen. Das war (noch in den 1990er Jahren) die seltenste Schlagenart der Welt und galt zwischenzeitlich sogar als ausgestorben, bis man eben hier auf dem nur gut 8 Hektar kleinen Great Bird Island (die Insel würde also flächenmäßig gut 18 mal in den Hamburger Stadtpark passen) ein paar wenige Exemplare fand. Was folgte, gilt inzwischen als eine der erfolgreichsten Bestandserholungsmaßnahmen für bedrohte Tiere: zunächst wurden in einem ziemlich aufwändigen Verfahren alle Ratten auf der Insel getötet. Diese vom Menschen auf den Karibikinseln eingeschleppten Tiere hatten den Bestand vieler heimischer Tierarten ausgerottet oder stark gefährdet (die zur Bekämpfung der Ratten im frühen 19. Jahrhundert eingeführten indischen Mungos hatten den Ratten nicht viel anhaben können und eine zusätzliche Gefahr für die heimische Tierwelt, insbesondere die Schlangen, dargestellt). Mungos gab es allerdings auf Great Bird Island nicht. Weil Ratten aber gute Schwimmer sind, mussten auch auf den nahegelegenen Inseln erst mal die Ratten beseitigt werden. Tatsächlich hat sich der Bestand der Antigua-Schlanknattern danach so weit erholt, das sie inzwischen auf drei weiteren nahegelegenen Inseln erfolgreich wieder angesiedelt werden konnte.

Wir kriegen zwar trotzdem keine zu sehen, aber wir hatten ja in Dominica immerhin ihre nahen Verwandten, die Antillen-Schlanknattern vor die Linse bekommen. Lediglich ihre Hauptbeute können wir entdecken, die ebenfalls nur auf Antigua lebenden kleinen Schienenechsen. Überhaupt finden sich diverse kleine Echsenarten im Unterholz:

Ein spannender Ausflug war es jedenfalls trotzdem. Zurück vom North-Beach zum gleichermaßen weißsandigen und besser für die Dinghy-Anlandung geeigneten South-Beach nehmen wir aber lieber den kurzen Sandpfad.

Wobei, die Inselerkundung wäre nicht vollständig ohne einen kleinen Besuch an den Blow-Holes oben auf dem Hügel. Dort gibt’s zwar diesmal keinen Sundowner, aber dafür diesen tollen Blick durch das Blow-Hole geschätzte 15 Meter hinunter ins Meer:

Zurück auf der Flora können wir von den vorbei kommenden örtlichen Fischern Conches (Riesen-Flügelschnecken, also karibische Meeresschnecken) und Fische kaufen.

Von den Fischern bekommen wir die Conches schon ohne das (wunderschöne) Gehäuse, eine ziemliche Arbeitserleichterung 😉.

Nachrüstung durch uns

Wir selbst haben dann auch noch etwas nachgerüstet:

April 2018: 200 WP Sunware Solarmodule auf dem Bimini

Juli 2018: zwei Spibäume angeschafft (einen festen Carbonbaum, einen Teleskop-Alubaum)

August 2018: Lunatronic 12V Bord-PC nachgerüstet und via Multiplexer mit den Bordinstrumenten verknüpft, Backup für den Autopiloten hinzugefügt

Oktober 2018: Batteriebank auf 540 Ah Lithium-Ionen umgestellt, Starterbatterie sowie die Batterie für Bugstrahlruder und Ankerwinsch erneuert.

Bei der Verbraucherbatteriebank haben wir uns für die „große“ Lösung, also die Umstellung auf Lithium-Ionen-Akkus entschieden.

Und das hat doch einiges nach sich gezogen:

Zunächst die positiven Aspekte:

Die neuen Akkus wiegen pro Stück 31 kg, die alten wogen 30 kg. Allerdings hatten wir bisher sechs Stück, künftig nur drei. Fast eine Gewichtshalbierung also, tatsächlich drücken 81 kg weniger unseren ohnehin nicht ganz leichtgewichtigen Bootshintern nach unten. Dabei erhöht sich die tatsächlich regelmäßig nutzbare Batteriekapazität von bisher etwa 150 Ah auf rund 400 Ah, wird also mehr als verdoppelt. Letzteres liegt daran, dass die alten Bleisäurebatterien jedenfalls regelmäßig nicht zu mehr als 20 % ihrer Kapazität genutzt werden sollten, da ansonsten die Anzahl der nutzbaren Zyklen deutlich sinkt. Die Lithium-Ionen-Akkus können ohne dieses Problem bis zu 80 % ihrer Kapazität genutzt werden. Trotz nominal geringerer Kapazität (alt 720 Ah, neu 540 Ah) können wir also künftig auf gut doppelt so viel Saft aus der Batteriebank zurückgreifen. Zudem – und das ist insbesondere auf längeren Segelpassagen von Bedeutung – werden die neuen Lithium-Ionen-Akkus deutlich schneller und vollständiger von Generator oder Lichtmaschine geladen und erfordern so deutlich geringere Laufzeiten der Krachmacher, was gleichzeitig weniger Dieselverbrauch nach sich ziehen sollte. Unseren bisherigen Lade- und Inverter-Kombi von Mastervolt können wir weiter verwenden.

Nachteile sind vor allem der Preis und der Installationsaufwand.

Bei uns auf der Flora hat sich die Installation von Montag bis heute (Donnerstag) erstreckt. Wobei die Jungs von Mastervolt an den ersten beiden Tagen auch nur jeweils dreieinhalb Stunden da waren und heute nur Kris die letzten Arbeiten und die Übergabe gemacht hat. Und leider hat sich herausgestellt, dass eine Batterie nochmal getauscht werden muss, wir also immer noch nicht ganz fertig sind.

Zur Installation selbst:

Die alte Kiste, in der unsere Batteriebank untergebracht war (und ist) ist genau 2 cm zu schmal, um die neuen Akkus quer liegend unterzubringen (man kann sie auch über Kopf einbauen 😉). Stehend waren die neuen Akkus etwa 3 cm zu hoch.

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Unter dem steuerbordseitigen Ende der Kiste war, bedingt durch die schräge Bordwand aber noch Platz.

Also musste der Boden zersägt werden.

Und mit provisorischer Befestigung und leerem Batteriedummy schauen, ob es passt:

Gut. Dann über Nacht ein massives Edelstahlbettchen für die Akkus anfertigen.

Nebenbei die Lichtmaschine ausbauen, den Regler darin tauschen lassen, mit zusätzlicher Verkabelung zum Mastervolt-Bus und eigenem Temperaturfühler.

Hier wieder eingebaut mit noch nicht ganz endgültiger Verkabelung zum neuen Mastervolt Alpha Pro (Ladespannungsanpasser) am Motorraumschott innen (nicht im Bild).

Dann die Batterien einsetzen (vorher auf den Edelstahl noch eine Dämpfungsmatte) und verkabeln.

Hier erstmal nur mit den Plus-Leitungen. Das Verkabeln dauert erstaunlich lange, weil die Leitungen aller Batterien exakt gleich lang sein müssen und deshalb erst auf der Flora geschnitten und mit Kabelschuhen versehen werden. Bei der Dicke erfordert das eine niedliche kleine Spezialpresse.

Ziemlich zeitaufwändig war auch die Suche (in der Steuersäule) nach der richtigen „ignition line“, die den AlphaPro nur dann ansteuert, wenn auch die Maschine läuft. Und natürlich muss der Mastervolt-Bus dann noch mit dem ebenfalls neuen Interface verbunden werden, die ihn wiederum mit unserem Bord-PC sprechen lässt. Das ermöglicht uns dann eine (hoffentlich nie benötigte) Fernwartung.

Dann folgt eine Konfiguration am PC, die leider langwierig wird, weil sie Probleme mit der dritten Batterie offenbart.

Sie muss getauscht werden und ist erst eine Woche später da, da sind wir allerdings wieder in Deutschland. Aber auch das lässt sich organisieren. Im Nachhinein stellen sich leider dann doch noch Probleme mit der Lichtmaschine ein, wir müssende in Spanien tauschen.

Hatte ich erwähnt, dass wir die alten Batterien für Starter und Ankerwinsch/Bugstrahlruder gegen neue AGM getauscht haben? Letztere war völlig, erstere ziemlich platt. Na gut, wenn schon, denn schon.

April 2019: Windgenerator Silentwind 400+. Die Nachrüstung war eigentlich nicht schwierig, die Inbetriebnahme schon, insbesondere wegen verschiedener handwerklicher Fehler durch die „Fachleute“ in Griechenland.

April 2019: Modifizierter Code0: hat sich zu unserem neuen Lieblingssegel entwickelt.

April 2019: Spade-Anker 30 kg (bisher Delta 25 kg, der jetzt Zweitanker ist) und Ersatz der bisherigen 70m verzinkten Kette durch 100 m Wälder-Cromox-Kette (wie bisher 8 mm).