Im Südosten von Toau

Hier lässt es sich aushalten. Gegen die derzeit vorherrschenden östlichen Winde bietet das Motu Otuhorau mit seinem dichten Palmenbestand hervorragenden Schutz und es baut sich kaum eine Welle auf. Das ist um so bemerkenswerter (und beruhigender), als in den letzten beiden Nächten ziemlich kräftige Squalls mit Starkregen und kurzfristige Winde in Sturmstärke von an die 40 Knoten in Petto hatten.

Tagsüber ist meist ruhiger, aber selbst das gemütliche abendliche Seglertreffen mit den Dinghies im Flachwasser am Strand …

(hier mit den Crews der Gerty und der Adiona)
Photo credit: Jill, S/V Gerty

… bekommt in einem Squall dann doch einen etwas anderen Charakter:

Jill und Michael von der S/V Gerty

Aber hey, kein Grund, sich die gute Laune verderben zu lassen, Segeln ist schließlich Wassersport!

A propos Sport: der meist kräftige Wind und das dafür ziemlich glatte Wasser helfen mir beim Wingfoil-Training. Gelegentlich schaffe ich es jetzt auch auf meiner schwächeren Seite (mit meinem linken Fuß vorn) zumindest kurzfristig ins Foilen zu kommen.

Photo courtesy: Jill, S/V Gerty

Aber es bleibt erstmal bei ziemlich viel Kletterei zurück aufs Board nach den Abflügen, da fordert der böige Wind dann doch Tribut.

Was noch?

Schnorcheln,

Strandspaziergänge,

Spielenachmittag auf der Adiona bei Maggie und Scott, Sundowner auf der Gerty bei Jill und Michael, Organisieren der Ersatzteillieferung unseres hydraulischen Achterstagspanners von Deutschland (Riesendank an Uwe von Nordyacht!) nach Papeete und weiter nach Fakarava (bei aktuellem Streik der Flughafenfeuerwehr), nicht zuletzt auch ein bisschen Vorbereitung auf unser Webinar über Alaska am Donnerstag,

Uns wird nicht langweilig.

Von Toau nach Toau

Wir verlassen den False Pass. Für das Wochenende ist kräftiger Wind aus Ost angekündigt, anfangs mit südöstlicher Komponente. Dagegen ist die Südostecke des Atolls besser geschützt.

Das Timing für den Ostpass von Toau stimmt leider wieder nicht ganz. Als wir dort ankommen, sehen wir eine stehende Welle, die sich über die Hälfte der Breite des Passes erstreckt. Ein Segelboot kämpft sich durch die verbleibende Lücke aus dem Atoll heraus, wird dabei kräftig durchgeschüttelt. Wir funken die Yacht an, nachdem sie den offenen Ozean erreicht hat. Der Skipper berichtet von 5 kn mitsetzendem Strom gegen die Windrichtung. Da warten wir lieber draußen noch etwas ab, obwohl die See auch hier ziemlich unruhig ist. Das Großsegel ist ohnehin schon gerefft, das Vorsegel rollen wir etwas ein. Dann drehen wir bei (machen also hoch am Wind einfach eine Wende, ohne das Vorsegel zu bedienen und legen sofort wieder Gegenruder). Der Effekt ist immer wieder frappierend: das Vorsegel steht back und sofort kehrt Ruhe ein, als ob jemand die Wellen abgestellt hätte. Mit etwa einem Knoten driften wir ganz langsam zur Seite.

So warten wir eine knappe Stunde vor dem Pass, dann hat sich die Strömung augenscheinlich erheblich beruhigt. Als wir durch den Pass ins Atoll einlaufen, sind es nur noch gut 2 kn Gegenstrom und auf der südlichen Seite des Fahrwassers auch keine wilden Wellen mehr.

Noch zwei Meilen hinunter in die Südostecke und wir schnappen uns eine der freien Moorings.

Die Gerty hat sich ebenfalls hierher verholt, legt sich aber ein Stückchen weiter an einer kahlen Stelle des Riffs vor Anker. Sie wollen möglichst wenig verwirbelten Wind um vom Boot aus zu Kiten und verzichten dafür eben auf den Windschutz der Palmenhaine.

Kaum sind wir an der Mooring fest, meldet sich Maggie. Scott und sie sind mit der Adiona noch in Fakarava, wollen aber morgen nach Toau kommen. In Fakarava ist gerade das Versorgungsschiff angekommen und hat frisches Obst und Gemüse geliefert. Ob sie uns etwas mitbringen sollen?

Wow, was für ein wunderbares Angebot. Die beiden wissen um die Schwierigkeit, sich auf den kleineren Atollen entsprechend zu versorgen. So geben wir eine Bestellung auf und bekommen wir am nächsten Tag ein äußerst willkommenes Care-Paket geliefert:

Dankeschön, Ihr Lieben!

So schön mit Frischem verproviantiert und mit befreundeten Booten in der Nähe lässt sich der bevorstehende “Blow” in dieser geschützten Ecke des schönen Atolls doch ganz in Ruhe aussitzen.

Vielleicht ist ja sogar guter Wind zum Wingfoilen dabei? Noch ist es eher ruhig:

Wir müssen auch noch ein bisschen unseren Online-Vortrag über Alaska vorbereiten. In der OCC (Ocean Cruising Club) Webinarreihe sollen wir am 12. Dezember über diesen Teil unseres Törns berichten. Wer mag, kann sich gerne kostenlos zu dem Zoom-Vortrag mit anschließender Fragestunde anmelden. Geht (auch für Nichtmitglieder des OCC) über deren Webseite oder über den folgenden Link:

Webinar-Anmeldung OCC

Falls Ihr bei dem (englischsprachigen) Webinar am 12. Dezember ab 21.00 Uhr deutscher Zeit dabei sein werdet (was uns natürlich sehr freuen würde), lasst es uns gerne wissen. Da wir nicht die eigentlichen Veranstalter des Seminars sind, würden wir das sonst bestenfalls im Nachhinein erfahren.

Falsch im richtigen und richtig im falschen Pass

Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Apataki. Rajesh und Jeroen holen uns zum Schnorcheln ab, danach wandern wir am Strand entlang zum Werftgelände.

Was vom Boot aus wie strahlend heller Sandstrand aussieht, entpuppt sich allerdings größtenteils als grober Korallenschutt. Gut dass wir vorsorglich Schuhe eingepackt haben. Wunderschön ist es aber trotzdem, unter den Palmen leuchtet das Wasser in Türkis- und Blautönen, dazwischen sind bräunlich die Korallenbommies zu erkennen.

Diverse junge Schwarzspitzenhaie patrollieren im Flachwasser und sogar ein Ammenhai zeigt sich ganz nah am Strand.

Das ist schon unmittelbar neben der Slipbahn, auf der die Boote mit einem Hydraulischen Trailer aus dem Wasser gezogen werden. Es ist flach hier! Eine vertiefte Rinne können wir nicht erkennen, sie würde wohl auch schnell wieder versanden. Kein Wunder, dass für das Herausnehmen eine Tiefgangsbeschränkung von 1,9 m gilt. Dafür muss der Trailer schon ein ganzes Stück in die Lagune hineinfahren.

Jetzt am Sonntag herrscht aber ohnehin Ruhe auf dem Werftgelände.

Ein weiterer Brändi-Dog-Abend, diesmal auf der Flora. Rajesh und Jeroen bringen das Spiel mit und so langsam nehmen auch Wiebke und ich die eine oder andere taktische Finesse auf.

Für die Crew der Flora heißt es aber am nächsten Morgen: früh aufstehen. Etwa zwei Stunden brauchen wir für den Weg über die Lagune und gegen 9:00 Uhr wollen wir am Pass sein. Wir finden keine Daten zu den Strömungszeiten. Mit der Einfahrt hatte es ja wunderbar zu Stillwasser gepasst. Dabei waren wir etwas später als zur (immerhin abrufbaren) Hochwasserzeit des Nachbaratolls Arutua. Niedrigwasser in Arutua ist heute um 9:11 Uhr. Um 8:50 kommen wir am Pass an. Das sollte doch passen, oder?

Leider nein, FALSCH gedacht, so einfach ist es denn doch nicht. Zum einen sind wir etwas früh, der halbe Knoten Strom über die Lagune hat uns geschoben. Zum anderen läuft die Tide hier in Apataki bei ablaufendem Wasser offenbar kräftig nach (Niedrigwasser ist also keineswegs Stillwasser), der seit Tagen kräftige Nordostwind verstärkt das wahrscheinlich noch. Bei der Einfahrt sieht das Wasser im Pass noch glatt aus, doch im Knick zwischen der roten und grünen Tonne brodelt es, während das Wasser direkt daneben flach bleibt. Zwischenzeitig verdoppelt die Strömung Floras Fahrt auf über 10 kn, aber es gibt keine größeren Strudel oder Whirlpools, die unser Boot herumdrücken würden. Nach einem kurzen Stück Fahrt “wie auf Eiern” sind wir durch, werden nur noch mit 2 kn geschoben.

Nicht wie geplant, aber auch nicht dramatisch.

Wie auch immer, jetzt sind wir jedenfalls früh unterwegs und haben (wieder am Wind aber mit bedeutend angenehmerer Welle als vorgestern) einen richtig schönen Segeltörn. Nur gut 30 Seemeilen sollen es heute werden, es geht hinüber zum südlichen Nachbaratoll Toau.

Toau hat einen Pass im weiter entfernten Südosten der Insel. Wir entscheiden uns aber für die “Anse Amyot” im Norden der Insel. Auch die Anse Amyot wird durch eine Lücke im Riff angesteuert, nur ist es eine Sackgasse. Eine Weiterfahrt in die Lagune wird durch eine ausgedehnte Korallenbank verhindert. Unter den englischsprachigen Seglern ist die Anse Amyot deshalb als “False Pass” (Falscher Pass) von Toau bekannt.

Mehrere kostenlose Mooringbojen sind hier ausgelegt. Derzeit sind allerdings einige davon zwecks Wartung eingezogen. Auf Noforeignland sehen wir, dass die Indioko bereits dort ist. Wir schreiben sie über die Chat-Funktion an und prompt kommt die Antwort. Derzeit liegen sie als einziges Boot dort, vier Bojen sind noch frei. Super.

Kurz nach Mittag laufen wir in die Anse Amyot ein. Durchs Riff führt ein schmales, etwa 8 m tiefes Fahrwasser, dass schräg zur Küste verläuft. Richtbaken zeigen den Weg an, auch wenn die innere mal wieder gerichtet werden müsste.

Die Bucht selbst ist dann wieder über 20 Meter tief.

Für uns erweist sich “False Pass” sich als genau richtig. Es gefällt uns, zur Abwechslung mal wieder einen kurzen Schlag von nur ein paar Stunden zwischen den Inseln zu segeln. Gegen Wind und Wellen liegen wir hier gut geschützt und zudem haben wir einen herrlichen Blick sowohl in die Lagune und auch hinaus auf den offenen Pazifik.

False Pass / Anse Amyot: Blick nach innen
False Pass / Anse Amyot: Blick über die Korallenbank nach außen

Und auch das Schnorcheln an der Korallenbank begeistert uns.

Wettertest für das Achterstag: von Tikehau nach Apataki

Leichte bis mittlere Winde vorhergesagt? Böen bis 28 kn hatten wir eigentlich nicht erwartet. Aber wenn man unterwegs ist, ist man unterwegs.

Bei schönen 14 kn hoch am Wind beginnt die Passage von Tikehau aus fast perfekt. Nur fast, denn der Windwinkel passt nicht ganz. Wir können unser eigentliches Ziel Fakarava nicht direkt anliegen, müssen also kreuzen.

Das verlängert natürlich auch die Strecke erheblich. Dazu kommt, dass sich wie vorausgesagt zum Abend hin relativ schnell zunehmender Südschwell bemerkbar macht. Im Zusammenspiel mit der Windsee aus Ostnordost entwickelt sich eine ziemlich kabbelige Welle.

Die kräftigen Böen tun ein übriges. Aber immerhin: unsere Dyneema-Taljen am defekten hydraulischen Achterstagspanner halten, auch wenn wir durch den etwas geringeren Zug mehr Durchhang im Vorstag haben und ein bisschen weniger Höhe laufen können. Etwas mehr Belastungstest als wir uns vorgestellt haben, aber so ist es nun mal. Das Großsegel im zweiten Reff sind wir trotzdem ganz flott unterwegs.

Photo courtesy: Barbara, SY Lille Venn

Um dem Schwell etwas auszuweichen, machen wir einen Schlag auf dem anderen Bug und kreuzen dann zwischen den Atollen Arutua und Kautua weiter auf. Diese beiden Atolle haben keinen mit der Flora befahrbaren Pass und können deshalb von uns nicht angelaufen werden. Erst Apataki bietet sich dafür an. Und so ändern wir den Plan, statt Fakarava heißt das Ziel jetzt Apataki. Lille Venn ist oben um Arutua herumgegangen und entscheidet sich für den Nordpass. Wir laufen dagegen in den Südpass von Apataki ein und ankern am weit und breit einzigen Inselchen. Auf einer Länge von fast 10 Seemeilen gibt es nur dieses eine Motu auf dem Südriff. Von See aus ist das Atoll aus dieser Richtung deshalb mit den Augen fast nur an der Brandung auszumachen. Dann ist man allerdings meist schon gefährlich nahe dran.

Die My Motu gesellt sich kurz danach zu uns. Die Brise flaut zum Abend hin ab und wir liegen recht ruhig, obwohl das Motu gegen Ost nur ein bisschen Schutz bietet. Am nächsten Morgen allerdings frischt der Wind deutlich auf und dreht nördlicher. Jetzt baut sich auch im Atoll schnell eine kräftige Welle auf. Unsere Boote zerren am Ankergeschirr und machen Bocksprünge.

Nur ein schnelles Frühstück, dann ist es Zeit für einen Wechsel des Ankerplatzes. Wir verholen in die Südostecke des Atolls. Von dort aus erstreckt sich ein längeres Motu nach Nordwesten, das sollte uns deutlich besseren Schutz gewähren.

Bei der Annäherung bietet sich dann ein etwas skurriler Anblick. Aus dem Palmenhain wächst ein Mastenwald:

Tatsächlich bietet Apataki die einzige uns bekannte Möglichkeit, in den Tuamotus ein Segelboot auf einen Landstellplatz herausnehmen zu lassen. Allerdings wohl mit der Einschränkung, dass der Tiefgang des Bootes nicht über 1,9 m liegen darf. So finden sich denn hier auf dem hinter Palmen versteckten Werftgelände auch fast nur Katamarane und kleinere Segelboote oder solche mit aufholbarem Kiel.

Wer sein Schiff hier (z.B. für einen Heimaturlaub) einlagert, muss übrigens mit dem Wassertaxi die 10 Seemeilen hinüber zum kleinen Ort am Südpass fahren und von dort den nahen Flughafen für die Weiterreise nutzen.

Der Ankerplatz bietet tatsächlich gegen den Ostnordostwind recht guten Schutz und wartet zudem noch mit einem schönen Sandstrand auf.

Ein paar Wetter-Querelen bekommen wir allerdings auch geboten. Vielleicht ist der Wettertest für das Achterstag ja doch noch nicht ganz abgeschlossen ?!?

Den Tagesabschluss bietet jedenfalls ein gemütlicher Abend mit Rajesh und Jeroen auf der My Motu mit Chili-Diner und Brändi-Dog-Spielen. Dankeschön!

Wingfoil-Übungen in Tikehau

10 Tage sind wir schon im Atoll Tikehau und wir werden auch noch etwas länger hier bleiben. Es fühlt sich gut an, zurück in den Tuamotus zu sein. Abgeschiedener, mit freiem Blick über die niedrigen Motus auf dem Ringriff.

Zur Orientierung, das ist unsere bisherige Reiseroute durch Französisch Polynesien im Überblick (Track auf Noforeignland):

Im März haben wir von Mexiko kommend in den Gambier unseren ersten Landfall in Französisch Polynesien gemacht. Seitdem haben wir in der hiesigen Inselwelt über 2.700 Seemeilen zurückgelegt (zum Vergleich: unsere Atlantiküberquerung von den Kapverden in die Karibik war nur 2.200 Seemeilen lang). Von den Gambier aus sind wir Ende April in den Marquesas angekommen, Mitte Juni dann in den Tuamotus. Einen guten Monat später waren wir dann auf Tahiti erstmals in den Gesellschaftsinseln. Jetzt im November ging’s zurück in die Tuamotus, die wir diesen Winter noch näher erkunden wollen. Wir üben uns in Langsamkeit, fühlt sich fast wie Urlaub an.

Das heißt aber keinesfalls, dass es nicht anstrengend wäre. Ganz im Gegenteil, so viel sportliche Aktivität wie auf Tikehau habe ich schon ziemlich lange nicht mehr entfaltet. Die Verhältnisse hier sind derzeit ideal, um Wingfoilen zu trainieren. Der Wind bläst meist mit 15 bis 20 Knoten und die Wellen halten sich an unserem Ankerplatz hinter dem Riff in Grenzen. Ralph von der Lille Venn ist mit unglaublicher Geduld, großem zeitlichen Einsatz und ruhigen, analytischen Korrekturtips eine unschätzbare Hilfe. Fast immer können wir vormittags und nachmittags jeweils mehrstündige Trainingseinheiten machen (zwischendurch bin ich oft so fertig, dass ich einen Mittagsschlaf brauche). Aber ich will! Ingo hatte mir ja diesbezüglich eine Mischung aus Ungeduld und Ehrgeiz attestiert und damit hat er wohl nicht ganz Unrecht. Immerhin, es zeigen sich auch erste Erfolge.

Ralph mit grünem, Ralf mit blauem Wing, Foto courtesy Jill, S/V Gerty.

Einen Nachmittag machen wir “frei”. Mit den Dinghies fahren die Crews (Lille Venn, My Motu, Gerty und Flora) zunächst zum Lunch in ein kleines Ressort auf einem nahen Motu.

Danach geht’s noch ein Stückchen weiter bis in das Örtchen Tikehau in der Südwestecke des Atolls. Baguette beim Bäcker gibt’s leider nicht, das Versorgungsschiff hat diesmal kein Mehl gebracht. Auch das Angebot im kleinen Magasin (maximal 5 Personen gleichzeitig im Laden erlaubt) ist sehr übersichtlich. Immerhin gibt’s Eiscreme, nehmen wir bei den fast durchgängigen 28° natürlich gerne.

Wir bummeln die Dorfstraße herunter, biegen dann ab zur Außenseite des Riffes. Noch weiter bis zum Flughafen und schon geht’s wieder zurück zu den Dinghies im gut geschützten kleinen Hafen an der Lagune.

Am nächsten Mittag verholen wir unsere Boote dann im Konvoi weiter in den Osten des Atolls. Platz gibt es reichlich. So legt sich die Gerty (Jill und Michael sind Kiter) vor eine vergleichsweise kahle Stelle im Riff, wo wenig Bewuchs den Wind verwirbelt. Wir anderen drei Boote dagegen suchen uns ein Plätzchen hinter Palmen. Das ist auch für Wiebke zum Standup-Paddeln angenehmer.

Und schön ist es auch, selbst wenn die Spielzeuge noch auf Floras Laufdeck gestapelt sind.

😉

Tikehau: Schnorcheln mit Mantas

Der Schreck des wild schlackernden Mastes ist erstmal weggesteckt, ein Dichtungsset für den defekten Achterstagspanner liegt schon in Hamburg bereit (ganz lieben Dank an Uwe und Jan). Jetzt müssen die Teile “nur” noch einmal um die halbe Erde und dann montiert werden. Es gibt also noch ein bisschen was zu organisieren.

Aber das sind ja schon mal entspannende Nachrichten, die Stimmung an Bord hier im gut geschützten Atoll Tikehau ist gut.

Am Ankerplatz gesellt sich die Gerty zu uns, das freut uns auch. Sundowner auf der Gerty mit den Crews der My Motu und der Lille Venn. Ralph von der Lille Venn kümmert sich außerdem unermüdlich darum, mir das Wingfoilen näher zu bringen. Geduldig und motivierend begleitet er meine Abstürze mit dem Dinghy und gibt wichtige Tips. Es ist ein langer Weg, aber es wird kontinuierlich besser. Bei Windstille wird hinter dem Dinghy gezogen gefoilt (ja, auch mit dem schwachen Fuß vorne), bei Wind mit dem Wing nach Trockenübungen am Strand Umsatzungsversuche auf dem Board. Auch hier erste kleine Erfolge.

Heute früh: Windstille. Aber ausnahmsweise mal keine Foil-Lektion für mich und kein Paddelboard für Wiebke, statt dessen schwingen wir uns gleich nach dem Morgenkaffee ins Dinghy. Ziel ist das kleine Motu Mauu mitten in der Lagune. Dort soll es eine Putzerstation geben. Bestimmte Fische, aber auch Schildkröten und anderenorts sogar Flusspferde kommen zu solchen Putzerstationen, um Parasiten loszuwerden, die dort z.B. von bestimmten Garnelen oder kleineren Fischen gefressen werden.

Die Putzerstation hier auf Tikehau ist bekannt dafür, dass sie gerne von Mantarochen genutzt wird. Frühmorgens ist die beste Chance sie anzutreffen, auch wenn es natürlich keine Garantie gibt. Aber wir haben Glück: gleich am ersten Bommie auf der Südostseite des Riffes kommt ein großer Manta angeschwommen und umkreist uns dann langsam und in aller Ruhe. Majestätisch “fliegt” das Tier seine Runden, wir schätzen die Spannweite zwischen den Flügelspitzen auf etwa drei Meter.

Die Flecken auf der Brust der Mantas sind so individuell wie menschliche Fingerabdrücke. Das “French Polynesia Manta Project” hat deshalb seit 2015 eine Photo-ID-Datenbank entwickelt. Die Segelyacht Blown Away (die wir schon aus Beaufort, North Carolina, kennen, haben hier über zwei Wochen vor Anker gelegen und sich mit den Wissenschaftlern über die (teils auch erstmals) angetroffen Mantas ausgetauscht. Und deshalb wissen wir, dass dieser weibliche Manta “Tuheiava” heißt.

Als mit dem Dingy einer in der Nähe ankernden Yacht weitere Schnorchler eintreffen, verlassen wir diesen Bommie und schnorcheln am Riff entlang einfach ein Stückchen weiter. Das wird belohnt, gleich zwei Mantas lassen sich hier im gemächlichen Gleitflug putzen.

Nur einer dieser Mantas (ebenfalls ein Weibchen) zeigt sich allerdings so, dass sie anhand der Brustzeichnung als “Atae” zu identifizieren ist.

Wir halten durchaus Abstand und versuchen uns möglichst ruhig zu verhalten. Atae aber scheint zwischendurch einfach mal auschecken zu wollen, wer denn da noch im Wasser ist. Sie schwimmt direkt auf mich, dreht erst direkt vor mir ab und kommt nach einer weiteren Runde nochmal vorbei. Das wirkt kein bisschen aggressiv, eher neugierig.

Hier ein Videoausschnitt davon:

Wir sind komplett verzückt.

Wechselbad der Gefühle

Am Bojenplatz hinter dem Motu Aito Schnorcheln wir noch einmal beim Außenriff.

Es wird ein toller Schnorchelgang mit Fischen wie großer Grüner Moräne, Feuerfischen, großen gelben und kleinen, dafür unfassbar farbigen Kofferfischen:

Anschließend motoren wir von Taha’a nach Raiatea und tanken Flora dank des in Tahiti erworbenen Zertifikats unsere Flora umsatzsteuerfrei voll. Danach segeln wir hinüber nach Huahine.

Ja, tatsächlich, wir segeln. Der wenige Wind zwischen 4 und 7 in steht uns zwar genau auf die Nase, aber eine ganze Zeit lang kreuzen wir unter Code0 trotzdem tapfer dagegen an. Aber als dann die Bootsgeschwindigkeit bei weiter abnehmendem Wind doch dauerhaft unter 2 Knoten fällt, muss der Volvo ran und einen Teil des gerade erworbenen Diesels gleich wieder verbrennen.

Für die Fahrt in den Passe Avapehi auf Huahine allerdings kommt uns das ruhige Wetter sehr zu Gute. Obwohl nur einseitig betonnt, ist die Einfahrt völlig problemlos. Leider kann man das Gleiche nicht von unserem ersten Bojenplatz auf Huahine sagen. Kaum haben wir an der (öffentlichen) Boje festgemacht, kommt von Land aus ein selbst ernannter Blockwart im Auslegerkanu angepaddelt und ruft uns überaus barsch zu, Übernachten sei hier nicht möglich. Wir bleiben freundlich und er ändert seine Meinung: na gut, eine Nacht geht. Aber Morgen sollen wir weiter. Das wollen wir ohnehin.

Der nächste Morgen beginnt dann wundervoll: Völlige Windstille. Spiegelglatte See hinter dem Riff. Die Doppelinsel Huahine (Huahine Nui und Huahine Iti sind nur mit einer kleinen Brücke verbunden) präsentiert sich wie auf einer Glasplatte.

Am Ufer spiegeln sich die Palmen hinterm Sandstrand und die Morgensonne.

Der Blick in die andere Richtung lässt am Horizont noch Raiatea und Taha’a erkennen.

Was für eine Idylle. Aber nicht mehr lang. Denn als wir noch vor dem Frühstück an der nahen Insel Schnorcheln gehen kommt – na wer wohl – der Blockwart angepaddelt. Er brüllt sofort los: “Go! Five minutes! Go!” Als ich ihn auf Französisch nach dem Grund frage, droht er mir Prügel mit dem Paddel an, außerdem kündigt er an, die Flora von der Muring loszuschneiden. Ich halte die GoPro hoch und teile ihm (zugegeben auch nicht mehr ganz ruhig) mit dass er gefilmt wird und und wir das gerne gemeinsam mit der Gendarmerie diskutieren können. Er dampft ab in Richtung der Flora. Unterwegs trifft er Andrea von der Easy One auf dem Paddleboard. Auch die wird unhöflich zum sofortigen Verschwinden aufgefordert. Aber sie weiß ihn besser zu nehmen. Als sie ihn fragt, warum er so unhöflich ist, lenkt er ein und sagt, Schnorcheln sei schon noch ok. Aber danach sollten sie fahren.

Andrea bringt ihm nach dem Schnorcheln ein Stück Kuchen vorbei und siehe da: jetzt erklärt er, die Easy One könne auch noch eine weitere Nacht bleiben (was sie aber gar nicht wollen). Eine mehr als ärgerliche Mischung von Gutsherrenart und Chauvinismus, über die sich auf Noforeignland und bei Active Captain weitere Beispiele zu diesem Typen finden. Sicher kein Aushängeschild für Huahine. Aber eben leider auch kein Einzelfall, insbesondere auf den Gesellschaftsinseln.

Nach dem Frühstück wechseln wir den Bojenplatz und verholen etwa 3 Seemeilen weiter nach Süden. Meine Laune ist noch ziemlich getrübt. Aber sie bessert sich schlagartig bei meiner Sporteinheit, als das Foilen (gezogen vom Dinghy) diesmal endlich deutlich besser klappt.

Ohne Stürze geht es natürlich trotzdem nicht ab.

Wechselbäder.

“O’zapft is” zum Kaffee und Nemo vor dem Frühstück

Ingo hat am Sonntag Geburtstag und lädt zu 16.00 Uhr auf die Easy One ein. Tja, da müssen wir uns wohl noch Geschenke einfallen lassen.

Während Wiebke aus den Tiefen der Stauräume Schwarzkirschen für eine Schoko-Kirsch-Torte zaubert, übe ich mal wieder Diamantknoten und bastele Softschäkel aus Dynema.

Wiebkes Torte wird super lecker, aber wir müssen uns dafür ein bisschen gedulden. Denn Ingo hat für seinen Geburtstag bereits in Panama ein Fässchen Weißbier gebunkert und dieses Schätzchen wird zum Anstoßen aufgemacht. “O’zapft is”. Hier in Französisch Polynesien wissen wir alle diese Delikatesse um so mehr zu schätzen.

Dazu gibt’s lecker Fingerfood, Ofenkäse und Pizza-Muffins. Der Inhalt des Fässchens erlebt den Sonnenuntergang übrigens nicht mehr. Die Torte kommt dann als Nachtisch.

Und was machen wir am Montag Morgen?

Kaffee im Bett, wie eigentlich immer. Aber schon dabei fällt auf: es ist erstaunlich ruhig. Keine Geschaukel, kein Schwappen der Wellen am Rumpf. Windstille.

Das war zwar nicht vorhergesagt, gibt uns aber die Chance, bei besten Bedingungen im Korallengarten zu schnorcheln.

Der “Jardin Du Corail” liegt zwischen den Motus TauTau und Maharare und ist eine Attraktion, zu dem vom nahen Ressort und mit Tourbooten auch von der Insel Taha’a Touristen herüberkommen. Aber nicht so früh an einem Montagmorgen, wir haben den Korallengarten fast für uns allein. Das Dinghy parken wir am Motu Maharare. Es wird empfohlen, zu Fuß zur Riffseite hinüberzugehen und dann durch den flachen Pass in die Lagune zu driften. Aber noch ist die einlaufende Strömung nicht so stark und so schnorcheln wir zunächst Richtung Riff, hinter dem in der Ferne die Silhouette von Bora Bora schemenhaft zu erkennen ist.

Der Pass zwischen den mit Palmen bestandenen Motus ist so flach, dass wir im Zickzack schwimmen müssen, um nicht gegen die empfindlichen Korallen zu stoßen. Es ist wunderschön.

Verschiedene Riffische schwimmen uns vor die Schnorchelbrille oder verstecken sich zwischen den unterschiedlichen Korallenarten.




Korallentiere können aussehen wie Stein, wie Pilze, wie Äste oder Geweihe und noch so vieles mehr. Aber es gibt noch andere ungewöhnliche Tierarten hier. Blumentiere! So wiegen sich zum Beispiel Seeanemonen in der stärker werdenden Strömung. Sie sind mit ihren giftigen Tentakeln das perfekte Zuhause für Anemonenfische wie eben die Clownfische.
Und da ist er dann auch: NEMO ! Der Trickfilm der diese Fischart bekannt gemacht hat, hat den Clownfischen nicht wirklich gut getan. Als Aquarienfische wurden sie noch populärer, obwohl der Film ja eigentlich das Gegenteil aussagt. Unzählige von ihnen wurden gefangen, obwohl sich ihre Lebenserwartung im Aquarium von 10 auf 5 Jahre halbiert . Uns sind sie lieber hier in der Natur …

… und wir sind um so glücklicher, ihnen hier zu begegnen.

Was für ein herrlicher Montagmorgen!

Tücken der Technik / Technik der Perlen

Unser nächster Ankerplatz liegt im Nordwesten von Raiatea. Um dorthin zu gelangen, fahren wir innerhalb des Riffes nach Norden. Wir passieren unter Segeln den Hauptort Utoroa und melden uns per Telefon bei der Flughafensicherheit. Boote mit einer Masthöhe über 20 m sind dazu verpflichtet, weil der an der Nordpitze der Insel liegende Flughafen von einem Sperrgebiet und einer weiteren Sicherheitszone umgeben ist. Aber wir bekommen freie Fahrt signalisiert und segeln durch die Tearearahi-Passage zwischen zwei innerhalb der Lagune liegenden Riffen hindurch zum Ankerplatz im Nordwesten von Raiatea.

Gegenüber liegen mehrere Marinas und – eine Seltenheit in Französisch Polynesien – es gibt sogar die Möglichkeit, selbst größere Boote an Land zu stellen. Und entsprechend gibt es auch maritime Infrastruktur wie einen Bootsausrüster. Für uns noch wichtiger: auch die Möglichkeit, gegen Gebühr unseren Müll loszuwerden und zudem eine Wäscherei.

Mit polynesischen Charme auf einer überdachten Terrasse eingerichtet, können wir hier unsere Bordwäsche vormittags abgeben und nachmittags gewaschen, getrocknet und gefaltet wieder abholen. Kein ganz billiger Service, für die zu 3/4 gefüllte Ikea-Tasche Wäsche sind umgerechnet etwa 36 Euro fällig.

Nach ein paar Nächten auf dem schönen, wenn auch grenzwertig flachen und bei Wind etwas unruhigen Ankerplatz verholen wir die Flora zum Ankerplatz am Motu Aito.

Dort liegen wir hinter dem Riff geschützt auf komfortablen 6 m Wassertiefe mitten im Türkis. Außerdem ist es von hier nur eine kurze Dinghyfahrt hinüber nach Utoroa. Wir versorgen uns mit frischen Lebensmitteln, finden selbst Mozzarella (unsere Basilikumpflanze aus Moorea gedeiht an Bord erstaunlich gut).

Nach einem zweiten Frühstück geht’s dann wieder Anker auf und das kurze Stück hinüber zu Raroias Zwillingsschwester Taha’a. Die beiden Inseln sind von einem gemeinsamen Außenriff umgeben, wir brauchen also auf der Überfahrt die Lagune nicht zu verlassen, müssen uns nur zwischen den inneren Riffen hindurchschlängeln.

Allerdings wird uns dieses Durchschlängeln durch die Tücken der Technik etwas erschwert. Als wir den Plotter hochfahren, hat der alle Detailkarten verloren und zeigt Floras Position nur noch in einem grob skizzierten Übersichtsbild statt der Seekarte. Keine Tiefenangaben und beim Hereinzoomen auch keine zusätzlichen Details.

Für die Nichtsegler: das ist so, als ob man sich im Auto vom Navi zu einer abgelegenen Ecke in einer unbekannten Stadt führen lassen hat und zu Beginn der geplanten Rückfahrt das Navi streikt.

Die praktische Lösung des Problems ist für Autofahrer und uns Segler übrigens ganz ähnlich: wir greifen zum Mobiltelefon/iPad und navigieren damit. Also erstmal kein großes Problem, aber doch ein überraschendes.

Die Überprüfung in den Tiefen des Menüs unseres Furuno-Plotters ergibt, dass die Seekarten zwar noch da sind, aber gesperrt. So, als hätten wir sie nicht gekauft. Hm. Die Email an unseren Händler in Kanada wird dann aber prompt beantwortet. Seine Recherche ergibt, das letzte Furuno-Update sei fehlerhaft. Er kann uns auch einen Workaround aufzeigen und wir können die Seekarten wieder auf den Bildschirm holen.

Hat sich der Schlingel von Plotter doch einfach ohne unser Wissen im Internet ein Update heruntergeladen. Den Internetzugang sperren wir ihm natürlich gleich, auch diese Einstellung findet sich in den Tiefen des Furuno-Menüs. Wir wissen ja schließlich nicht, ob er sonst auch heimlich mit einem befreundeten Plotter (oder einer Waschmaschine) irgendwo in Japan chattet.

Unser nächster Liegeplatz in der Baie Apu im Süden von Taha’a ist dann so ganz anders als unsere vorigen: wir liegen an einer Boje in dunklem, rund 40 m tiefem Wasser.

Neben uns die Easy One, vor uns die Diamond Sea. Mindestens ein Teil der kostenlosen Bojen des Bojenfeldes gehört wohl der örtlichen Perlfarm. Bei unserem Landgang statten wir dann dieser Perlfarm gemeinsam einen Besuch ab. Für keinen von uns ist es der erste Besuch einer Perlfarm, für uns ist es der Dritte, aber wir werden sehr positiv überrascht. Auch wenn der eigentliche Prozess der Perlenzucht natürlich der gleiche ist, erfahren wir auch diesmal wieder einiges Neues und auch die Präsentation ist wieder anders und sehr ansprechend.

So wird uns zum Beispiel erstmals an einer geöffneten Perl-Auster genau gezeigt, wo die Tasche für den Nukleus hineingeschnitten wird. Außerdem können wir an einer aufgeschnittenen Perle sehen welche Schichtdicke die Perle um den Nukleus aufgebaut hat.

Und auch der Klassifizierungsablauf und die Besonderheiten bei der Schmuckherstellung je nach Klassifizierung der Perlen wird uns anschaulich nahegebracht. Noch dazu in einer schönen Umgebung, quasi im Wohnzimmer des Hauses.

Nach der Präsentation wandern wir noch ein bisschen weiter die Straße entlang, haben immer wieder schöne Ausblicke.

Auf dem Rückweg lockt uns der intensive Duft von Vanille auf das Grundstück von Jeremy, der uns bereitwillig seine Vanilleproduktion erklärt.

Er überrascht uns damit, dass die Netze über den Vanillepflanzungen nicht etwa der Vogel- oder Insektenabwehr wegen aufgehängt werden, sondern lediglich die Licht- bzw. Schattenverhältnisse für die Vanillepflanzen verbessern. Und er zeigt uns, wie die einzelnen manuellen Befruchtungen der Vanilleblüten erfolgen.

Wieder was gelernt.

Apropos Lernen: auch beim nachmittäglichen Sporteinsatz auf dem Foilboard (gezogen hinter dem Dinghy) mache ich – wenn auch von eleganter Haltung weit entfernt, meine persönliche Technik hat auch Tücken – ganz langsam erste Fortschritte …

… und die vielen Nasenspülungen mit Salzwasser sind sicher sehr gesund!

😉

Dinghy-Ausflug zum Eiscreme-Baum.

Der Wind frischt auf. Vom Pool am Motu Oatara verholen wir die Flora zur tief in die Insel Raiatea einschneidende Baie Faaroa. Dort finden wir deutlich besseren Schutz vor den sich jetzt schnell aufbauenden Wellen. Auch die Easy One und die Moana gehen hier vor Anker. Denn die Bucht hat neben ihrer geschützten Lage noch mehr zu bieten: sie ist gleichzeitig die Mündung des einzigen schiffbaren Flusses in ganz Französisch Polynesien. Wobei: schiffbar ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Das Flüsschen Faaroa (manchmal auch Āpo’omā’ū bezeichnet) windet sich von der Bucht Faaroa aus etwa zwei Kilometer ins Landesinnere. Um über die vorgelagerte Barre in das Flüsschen zu gelangen, müssen wir den Außenbordmotor unserer Dinghies hochklappen. So machen es auch die flachgehenden Tourboote, die vereinzelt den Āpo’omā’ū hinauffahren. Ihr Ziel (und auch unseres) ist der kleine Bootsanleger am botanischen Garten.

Die Ausblicke auf der Fahrt dorthin sind malerisch.

Immer enger rücken die Ufer, teils müssen wir wegen überhängender Vegetation schon die Köpfe einziehen.

Der Botanische Garten ist gepflegt und hübsch angelegt mit Gewächsen aus verschiedenen Vegetationszonen der Insel.

Schade nur, dass lediglich einige wenige Schilder uns die einzelnen Bäume, Büsche und Blumen erläutern. So genießen wir im Wesentlichen die Blütenpracht der verschiedenen Helikonien (auch Hummerscheren oder Falsche Paradiesvogelblumen genannt) …

… und bewundern die Brettwurzeln der hoch wachsenden Kapokbäume. Mit den von Naturwachs überzogenen hohlen Fasern seiner Samenkapseln wurden früher Rettungsringe und Schwimmwesten gefüllt, auch heute noch gibt es auf vielen Booten Kapok-Kissen.

Aber der kleine Garten reicht uns noch nicht, um die Seglerbeine mal wieder ein bisschen im Landgang zu trainieren. Wir schließen gleich noch eine kleine Wanderung von etwa 5 Kilometern durch die Hügellandschaft am Fuß des über 1.000 m hohen Mont Toomarun an.

Ein paar Bäche wollen dabei durchwatet werden, zwischen den Steinen entdecken wir Aale und auch ca. 5 cm große Süßwassergarnelen.

Zurück an den Dinghys setzen wir vom Botanischen Garten aus nur einmal über das Flüsschen, denn am anderen Ufer liegt der Garten von André.

Der verkauft uns nicht nur ein bisschen Obst und Gemüse, unter anderem ziert mal wieder eine Bananenstaude das Achterstag der Flora. Sondern er zeigt uns auch mit großer Begeisterung, was er hier auf rund zwei Hektar Fläche so alles anbaut. Darunter ist natürlich Bekanntes wie etwa Ananas, Bananen, Papaya und so weiter, auch Kürbisse und Gurken und sogar Vanille.

Aber wir lernen auch einiges Neues dazu. So hat André verschiedene Taro-Pflanzen angebaut, darunter auch eine Sorte, bei der nicht nur die Wurzeln, sondern auch die (jungen) Blätter essbar sind.

Nebenbei öffnet uns André auch noch Trink-Kokosnüsse, macht uns Naturlöffel zum Ausschaben des weichen Kokosfleisches, und er zeigt uns seine Konstruktion einer Wildschwein-Falle, mit der er sich auf Jagdausflügen in die Berge mit Fleisch versorgt.

Besonders spannend sind für Wiebke und mich aber die Früchte des für uns neuen “Eiscreme-Baums”. Von dem hat André tatsächlich ebenfalls verschiedene Sorten angebaut.

Die Bäume sind auch als “Pacay” oder “Inga” bekannt, oder eben als Eiscreme-Bohnenbaum.

Die Fruchte ähneln einer überdimensionierten Bohne. Sie enthalten mehrere Samen, die jeweils einzeln von einem fluffig-faserigen Fruchtfleisch umhüllt sind, das in Geschmack und Textur tatsächlich an Softeis erinnert.

Lecker!

😋