Warum neuseeländische „Glowworms“ wenig mit europäischen „Glühwürmchen“ zu tun haben und grüne terrassierte Berge nicht immer dem Reisanbau dienen

Wochenende. Pause von der Bootsarbeit. Zeit für ein paar weitere neuseeländische Besonderheiten. Wir machen einen Ausflug zu den „Waipu Glowworm Caves“.

Wer (wie wir beide) das Glück hatte, im heimischen Mitteleuropa schon einmal Glühwürmchen gesehen zu haben, kommt aber möglicherweise mit falschen Erwartungen. Die in Mitteleuropa heimischen Glühwürmchen sind nämlich durchgängig Leuchtkäfer, die zumeist im Juni oder Juli nachts blinkende Leuchtsignale aussenden. Leuchtreklame zur Partnerwahl unter Käfern.

Die Glowworms in Neuseeland unterscheiden sich davon deutlich. Guide Ian erklärt uns auf dem kurzen Fußweg vom Parkplatz zur „Milky-Way-Höhle“, das wir es hier zwar wiederum nicht mit Würmern, statt dessen aber mit ganz anderen Insekten zu tun haben. Die „Titiwai“ (so der Maorí-Name der Glowworms) sind nämlich neuseeländische Langhornmücken. Allerdings in ihrem Larvenstadium, in dem sie Würmern immerhin doch etwas ähnlich sehen. Das Leuchten dient bei ihnen nicht der Brautschau, sondern zum Anlocken von Beute, insbesondere kleinen Fluginsekten. Aber wie kann eine träge Larve Fluginsekten fangen? Mit spinnwebähnlichen Klebefäden! Was die Natur sich so alles einfallen lässt. Damit diese Fäden wirklich herabhängen bevorzugen die Glowworms windgeschützte Plätze über Bachläufen, die zugleich gerne feucht und natürlich dunkel sein dürfen. Man findet sie in dichten Wäldern, vor allem eben aber in Höhlen – den Glowworm Caves.

Also ab in die Tropfsteinhöhle. Zunächst noch mit Licht, um auch Stalagmiten und Stalaktiten bewundern zu können und sich etwas einzustimmen und zu orientieren.

Ian zeigt mit einem grünen Laser die Klebefäden.

Nun werden die Lampen gedimmt, erstes Glowworm-Leuchten wird erkennbar.

Dann – in der Milky-Way-Halle – bleiben wir länger mit ausgeschalteten Lichtern stehen. Und wirklich, wie die Milchstraße am Nachthimmel leuchten an der Höhlendecke ganze Cluster blauer Lichtpunkte der vielen Glowworms, bilden über dem durch die Tropfsteinhöhle fließenden Bächlein einen eigenen „Sternenhimmel“.

Ein beeindruckendes Erlebnis.

Auf der Rückfahrt zur Flora fällt uns einmal mehr ins Auge, wie stark viele der grünen Hügel Neuseelands terrassiert sind.

Anders als etwa bei den Reisterrassen Südostasiens sind diese Terrassen aber nicht von Menschenhand angelegt. Mittelbar ist er dennoch verantwortlich, denn die Architekten dieser schmalen und oft unfassbar regelmäßigen Stufen an den Hängen sind die vom Menschen eingeführten Nutztiere, allen voran Kühe und Schafe, aber auch Ziegen.

Die Tiere bewegen sich in steilem Gelände bevorzugt parallel zum Hang, auf Dauer entstehen dadurch diese auffälligen schmalen Ebenen. „Viehgangeln“ gibt es auch andernorts, die intensive Beweidung und die geologischen Besonderheiten sowie die Beschaffenheit der Böden in Neuseeland scheinen die hier „Terracettes“ genannten Strukturen besonders zu begünstigen.

Eisblumen

Eine schöne Überraschung heute früh: Eisblumen an unserem Wintergarten.

Das ist ein seltener gewordener Anblick, denn während sich früher Eisblumen oft INNEN an schlecht isolierenden Einfachverglasungen bildeten, weil die wärmere (und feuchtere) Innenluft an der eiskalten Scheibe gefror, kommt das bei guter Thermo-Verglasung eben kaum mehr vor. An der Dreifach-Verglasung unseres Wintergartens haben sich die Eisblumen deshalb gebildet, weil die äußere Scheibe nach der eiskalten Nacht von etwas wärmerer Alsterluft gestreift wurde. Um kleine Staubpartikel oder Wischlinien vom Fensterputzen herum bilden sich dann Eiskristalle. Dafür gab es offenbar nur ein ganz kleines Temperaturband, denn an allen anderen Fenstern hatten wir keine Eisblumen. Nur im Wintergarten an Fenstern, die keinen Überhang durch das Dach oder die Treppe haben.

Vergängliche Schönheit von kurzer Dauer, inzwischen hat die Sonne die Eisblumen schon wieder komplett weggeschmolzen.

Dänemark über Silvester

Urlaub im Landurlaub. Meine Geschwister haben über Silvester für die Familie ein großes Ferienhaus in Dänemark gemietet. Mit 14 Leuten machen wir es uns dort gemütlich. Lassen uns vom kalten Wind auf langen Strandspaziergängen zerzausen, wärmen uns in der Sauna wieder auf. Spielen, lesen, stricken. Reden.

Der Schnee am letzten Tag ermöglicht nach der Sauna zwar einen Engel auf der Terrasse, macht aber die Heimfahrt ein bisschen tricky. Wir kommen bis Hamburg noch ganz gut durch, danach setzt aber wieder Schneefall ein und lässt es für den Rest der Familie zu einer ziemlich langen Fahrt werden. Immerhin, alle kommen heile an.

Da genießen Wiebke und ich schon einen Glühwein auf unserer tief verschneiten Terrasse im Winter-Wonderland-Hamburg.

Frohes Neues Jahr!

Museumshafen Hamburg

Wir genießen den Sommer im Hamburg. Ganz ohne Wasser und Schiffe geht’s natürlich nicht, muss ja auch nicht in dieser schönen Stadt.

Ein Ausflug führt ans an die Elbe. Eigentlicher Grund ist, dass wir ein weiteres Mal unsere Kleidung durchsortiert haben. Ein großer Sack voll wird aussortiert. Den bringen wir zu „Hanseatic Help“, einer gemeinnützigen Hamburger Hilfsorganisation. Die Annahmestelle liegt an der Großen Elbstraße unweit des Fischmarkts. Da bietet es sich an, gleich noch einen Abstecher an den Elbstrand zu machen.

Dort reihen sich am steilen Elbhang die alten Kapitänshäuschen am Ufer auf, während über ihnen an der feudalen Elbchaussee die Villen aus dem üppigen Grün herausragen. Und – nicht zu vergessen – direkt vor dem Elbstrand und gegenüber vom Containerterminal Burchardkai liegt der Museumshafen Övelgönne.

Für einen perfekten Überblick steigen hinauf wir auf den alten Schwimmkran HHLA 1. Drüben legt gerade eins der Feederschiffe an, mit denen die von den Ozeanriesen angelieferten Container weiter durch den Nordostsee-Kanal transportiert werden. Einer der historisierenden Schaufelraddamfer wirbelt im Vorbeifahren das Wasser auf, Schlepper harren am Steg auf Kundschaft, Spaziergänger waten am Elbstrand entlang. Maritimes Sommergefühl, bunt untermalt von den alten Seglern im Museumshafen und künstlerisch begleitet durch die Skulpturen der Bildhauer Jonas Kötz und (weiter draußen auf einer Boje vorm Elbstrand) Stephan Balkenhol.

(Für eine bessere Auflösung auf eins der kleinen Bilder klicken)

Nee, wat schön.

So weit, so gut. Nach der OP in Hamburg, Tsunami-Warnung im Pazifik

Uns geht es gut. Ich habe die Operation an der Prostata und die paar stationären Tage im Krankenhaus gut überstanden, die Rekonvaleszenz ist inzwischen so weit, dass ich kaum noch eingeschränkt bin

Wir genießen die Zeit mit der Familie, die Besuche von Freunden und natürlich auch einfach den Aufenthalt in unserer schönen Heimat.

Außerdem gibt es auch einiges zu erledigen. Steuererklärung, Bankangelegenheiten und so etwas. Ersatzteile fürs Boot bestellen. Dann auch den Kauf eines Autos. Wenn wir zwischendurch in Deutschland waren, konnten wir bisher das Auto von Wiebkes Mama nutzen. Das hat allerdings jetzt keinen TÜV mehr bekommen und eine Reparatur ist wirtschaftlich unsinnig. Also haben wir beschlossen, das Ganze jetzt umgekehrt zu machen: wir kaufen ein Auto und wenn wir nicht in Deutschland sind, kann Uschi es nutzen.

VW nennt die Farbe „Makena“. Wir sagen „Südsee-Metallic“!

Die Probefahrten und der Autokauf gehen eigentlich ganz flott, die Anmeldung war allerdings eine Herausforderung. Die Wartezeiten beim Straßenverkehrsamt bis zum obligatorisch online zu vereinbarenden Termin sind lang. Zu lang für uns. Die komplett online durchzuführende Internet-Zulassung ist die andere Option, aber auch die hat ihre Tücken. Der sechseinhalb Jahre alte Personalausweis ist zum Glück bereits für das Online-Verfahren geeignet, aber wie war nochmal das Passwort? Wir haben ihn schließlich nie für ein solches Verfahren genutzt. Zwei Apps sind zu laden, unsere Anmeldeversuche schlagen trotz inzwischen erinnertem richtigen Passwort mehrfach fehl. Wir bleiben aber hartnäckig, malträtieren auch den Chat (sinnlos) und die Helpline des Straßenverkehrsamtes (wo wir tatsächlich jemanden ans Telefon bekommen). Am Ende sind wir erfolgreich. Wir können ein Zulassungsschreiben ausdrucken, das vorerst ins Auto zu legen ist. Die Papiere, Siegel und TÜV-Plakette sollen in den nächsten Tagen zugeschickt werden, letzteres muss dann von uns auf das Kennzeichen geklebt werden. Da haben sich die Abläufe in den letzten Jahren doch sehr geändert, wir merken einmal mehr, dass wir schon längere Zeit unterwegs sind.

Zwischendurch ein Schreckmoment: nach einem extrem starken Erdbeben im Nordpazifik wird für den gesamten Pazifik (auch für Samoa) eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Mehrere Segelfreunde weisen uns darauf hin, einige Boote verlassen vorsorglich die Bucht von Apia und fahren aufs offene Meer. Wir können natürlich nichts anderes tun als abzuwarten und zu hoffen, dass Flora nichts passiert. Gut 12 Stunden braucht die Flutwelle, um über den Pazifik hinunter nach Samoa zu laufen. Nach 6 Stunden erreicht sie die Papua Neuguinea, nach 8 Stunden Hawai‘i. Da stellt sich bereits heraus, dass die Tsunami-Wellen deutlich geringer ausfallen als zunächst befürchtet. In Samoa treten dann tatsächlich keine Schäden auf, wir können erleichtert durchatmen.

Ein längerer Stromausfall im Haus, ein Wasserschaden in unserem Keller nach einem Rohrbruch und nach dessen Reparatur Schwierigkeiten bei der Heißwasserversorgung unserer Wohnung halten uns trotzdem ein bisschen auf Trab. Auch zu Hause hört das Reparieren also nicht auf. Aber das lässt sich alles regeln (am letzten Teil sind wir noch dran). Jedenfalls ist es gut, das wir vor Ort sind.

Die Ersatzteile für Flora sind inzwischen eingetroffen, in zwei Wochen fliegen wir ja auch schon wieder zurück zum Boot.

Zeit, um noch ein wenig Hamburg und Norddeutschland zu genießen. Mit Freunden die Kunsthalle, Restaurants und die Wochenmärkte zu besuchen oder einfach durch die Stadt zu bummeln. Und mit dem neuen Auto über Land an schon abgeernteten Kornfeldern voller Störche zu Uschi zu fahren.

Schön!

Tagesausflug nach Fiji?!?

Es geht uns schon viel besser. Weil wir mit den noch verheilenden Wunden aber erstmal nicht ins Wasser wollen und mit der Antibiotika-Behandlung auch intensive Sonne meiden sollten, nutzen wir spontan die Gelegenheit einfach mal einen Ausflug zu machen. Einen längeren.

Wir beschließen, Flora in der Marina in Apia spinnennetzmäßig zu vertäuen und für einen Monat nach Deutschland zu fliegen.

Dabei können wir dann auch ein paar Ersatzteile besorgen und sowieso in Deutschland einige Sachen erledigen.

Wir bekommen sogar kurzfristig einigermaßen preiswerte Flüge. Und so zeigt uns das Bild auf dem Flug von Apia nach Nadi in Fiji. Allerdings ist der Flugplan hinsichtlich der Reisedauer nicht eben optimal. Morgens um 5.00 Uhr fliegen wir in Samoa los, in Fiji haben wir dann von 6:30 bis 22:50 Aufenthalt.

Ein Tag in Fiji. 😊

Wir machen das Beste daraus, nehmen uns einen Mietwagen und erkunden ein bisschen die Insel (Viti Levu). Schauen uns frühmorgens die Vuda Marina an,

… fahren dann weiter zum Markt in Lautoka …

… bestaunen die vielen üppig mit Zuckerrohr von den allgegenwärtigen Plantagen beladenen LKW …

… und wir treffen uns mit unseren Segelfreunden von der My Motu in Port Denarau:

Zwischendurch sind wir allerdings so platt, dass wir im Mietwagen ein Nickerchen auf dem Parkplatz in Port Denarau einlegen.

Tja, und jetzt sitzen wir im Flughafen von Nadi und warten auf den Weiterflug nach Singapur. Nach diesem Nachtflug soll es dann morgen Vormittag nach Frankfurt weitergehen, Ankunft dort (und auch noch in Hamburg) Donnerstag Abend.

Dürfte noch ein ziemlicher Schlauch werden, aber wie Wiebke so treffend sagt: Immerhin werden wir chauffiert und müssen nicht selber fahren.

Und dann ein Monat „Heimaturlaub“, das lockt schon sehr!

Feiermarathon

Außer Besuchen von Freunden und Familie und den (zum Glück fast abgeschlossenen und bisher sehr zu unserer Zufriedenheit verlaufenden) Arztbesuchen ist überwiegend Chillen in Hamburg angesagt. Anders als bei unseren beiden vorherigen Heimatbesuchen während unserer Langfahrt wollen wir dieses Mal nämlich nicht wieder quer durch die Republik reisen, ein bisschen Druck rausnehmen.

Eine Ausnahme ist allerdings das Wochenende vom 6. bis zum 9. September. Da geht’s für uns an die Weser nach Hoya und Nienburg zum Feiermarathon.

Am 6. noch recht ruhig und gemütlich bei Wiebkes Mutter in Hoya, wo wir zu Wiebkes Geburtstag unser Basiscamp aufschlagen.

Am nächsten Tag habe ich 40jähriges Abi-Jubiläum. Die Schule in Nienburg hat zu einer offiziellen Zeremonie eingeladen und es wird wirklich schön. Besser noch: im Anschluss trifft sich unser Jahrgang zum gemeinsamen nachmittäglichen Picknick in den Wallanlagen und anschließender Feier in einem Restaurant direkt an der Weser. 60 von 102 Abiturienten unseres Jahrgangs sind dabei, keine schlechte Quote nach 40 Jahren. Es ist toll, die Mitschüler von damals wiederzusehen und zu schnacken. Um so mehr, als ich beim letzten Treffen vor 5 Jahren nicht dabei war, weil wir gerade unsere Langfahrt gestartet hatten. Viel zu erzählen, viel zu erfahren.

Am Sonntag wird aber ein für uns noch viel wichtigeres Jubiläum gefeiert. Kurz entschlossen haben wir nämlich einen engen Freundes- und Familienkreis zu ziemlich spontanen Nachfeier unserer Silberhochzeit eingeladen. Trotz nur gut zwei Wochen Vorlaufzeit können wir tatsächlich in „unsere“ Hochzeitskirche und in können auch in „unserem“ Hochzeitsrestaurant reservieren. Zu unserer Freude sagen sogar fast alle Gäste zu.

In der kleinen Dorfkirche von Hoyerhagen findet an diesem Sonntag kein Gottesdienst statt, wie so oft auf dem Land ist inzwischen ein Geistlicher für diverse Gemeinden zuständig. Aber der Kirchenvorstand schließt uns auf und wir dürfen die Räumlichkeit für eine private Andacht nutzen. Schon Wiebke Mutter wurde in dieser Kirche getauft, ihre Großeltern in der Kirche getraut.
Es wird unvergesslich schön, zumal mein Bruder mit Gitarre für die musikalische Begleitung sorgt, unsere liebe Freundin Katrin uns sehr berührend einsegnet und unsere Nichte Emma wunderbar Fürbitten und Vaterunser übernimmt.

Vor 25 Jahren …

… und heute (wie Frank es formuliert: „Die Zeit geht mit der Braut gnädiger um als mit dem Bräutigam“. Ist ganz ok so.):

Wir sind unendlich dankbar, uns im Familien-und Freundeskreis so aufgehoben zu wissen.

Das ist für uns um so wichtiger, weil unser Heimaturlaub das Bergfest seiner Dauer schon überschritten hat. In nicht einmal drei Wochen soll es für uns wieder Richtung Papeete gehen.

So schnell rennt die Zeit.

Flora Fun Tours: verschiedene Spektakel in Vaitahu

Wir ankern vor Vaitahu, mit ein paar hundert Einwohnern der Hauptort der Île Tahuata. Faszinierend: jeden Morgen liefern uns in dieser Bucht Ostpazifische (Spinner-)Delfine eine kostenlose Akrobatik-Show am Ankerplatz. Im Cockpit sitzen wir auf den Logenplätzen dieses Freilufttheaters. Dicht bei den Booten finden sich mehrere Gruppen der Delfine ein und dann scheint ein Wettbewerb zu starten. Wer springt am höchsten? Wer am spektakulärsten? Salti, Schrauben, Rückenflugeinlagen.

Und nach der Wasser-Show geht’s an Land.

Interessant und für das heutige Neben- und Miteinander von katholischem Glauben und traditioneller Marquesanischer Religion: der Vorplatz der modernen Kirche in Vaitahu wird gesäumt von zahlreichen Tiki. In der polynesischen Kultur repräsentieren diese Figuren den ersten Mann, sind halb Mensch, halb Gott. Sie stehen zugleich für Macht, Weisheit und Wohlstand, haben aber je nach Ausgestaltung auch individuelle Fähigkeiten und Funktionen. Mit ihren übergroßen Augen sind zugleich Fenster in die Zeit nach dem irdischen Leben.

Steinmetzkunst: bei diesem hinaus zum Ankerplatz blickenden Tiki ist der Zopf wiederum aus vielen weiteren Tiki gebildet:

Von den ersten katholischen Missionaren wurden die Tikis als heidnische Götzenbilder verteufelt und auch zu großen Teilen zerstört. Heute aber erleben sie eine Renaissance, selbst hier unmittelbar an der Kirche.

Und auch die moderne Kirche von Vaitahu nimmt in Architektur und Symbolik Bezug auf die Marquesas und ihre Tradition. Das überstehende Dach bietet Schutz vor Regen und es gibt ein mit üppigen Schnitzereien versehenes Portal. Aber die Seitenwände sind oberhalb der brusthohen Balustrade offen, der Wind weht durch die Kirche hindurch.

Die überlebensgroße geschnitzte Figur der Polynesischen anmutenden Maria am Kirchturm trägt einen eben solchen Christus auf dem Schoß, dieser wiederum hält eine Brotfrucht, das traditionelle Grundnahrungsmittel der Marquesas.

So wichtig übrigens, dass es sich auch in der Schnitzerei der Kanzel wiederfindet, …

… neben dem Kreuz der Marquesas. Das wird zwar auch gerne christlich vereinnahmt. Es war vor der Christianisierung der Marquesas aber ursprünglich ein Fruchtbarkeitssymbol und ist in seinen vielen Varianten auch heute noch eines der typischen Tattoo-Motive der Marquesas. Es findet sich auch auf dem Sockel des Zopf-Tikis.

Auf dem Weg zurück zum Dinghy sehen wir, dass sich jetzt am (1. Mai) Nachmittag viel Leben auf der Pier abspielt. Sie ist zugleich Bade- und Angelplatz für Jung und Alt, vor allem aber sozialer Treffpunkt.

Einige der jüngeren Kinder fragen uns, ob wir mit ihnen eine kleine Tour mit dem Dinghy machen können.

O.K. Schwupp, sitzen sieben Kids mit uns in Florecita. Flora Fun Tours. Für uns bringt die kleine Runde um die ankernden Boote mindestens so viel Spaß wie für die singenden Kids. Beim Video unbedingt den Ton anmachen.

Anmerkung: die Videos laufen leider nicht in der Benachrichtigungs-Email zum Blogbeitrag. In dem Fall bitte direkt auf die Internetseite des Blog gehen, zum Beispiel einfach durch Klick auf die fettgedruckte Überschrift in der Email.

An den nächsten beiden Tagen ist das Anlanden mit dem Dinghy am Pier dann nicht mehr ganz so einfach. Die Pazifikdünung läuft in unsere Ankerbucht hinein, Wellen brechen über der Pier und auch an den Felsen der Bucht. Flora schaukelt nur ein bisschen, es ist bisher ganz gut erträglich. Allerdings sind diese Wellen vielleicht nur Vorboten, für die nächsten Tage sind kräftiger Wind und auch höhere Wellen angesagt. Dabei macht das jetzt eigentlich schon genug Spektakel:

Aber auch das sind eben die Marquesas.

Und noch ein Hinweis zur Webseite des Blogs: wir haben endlich unter dem Reiter „Route“ auch die in 2023 gefahrene Strecke ergänzt. Aber natürlich könnt Ihr Euch wie gewohnt über die Abschnitte der einzelnen Jahre hinaus auch die ganze bisher zurückgelegte Strecke unserer Langfahrt mit der Flora und unsere aktuelle Position auf Noforeignland anzeigen lassen.

La Paz. Blick zurück und nach vorn

Eines der vielen Monumente auf dem Malecón von La Paz. Der Blick der Statue richtet sich auf das Meer, auf unseren Ankerplatz. Vielleicht geht er auch darüber hinaus, in die Ferne. Die fein gearbeiteten Gesichtszüge, der verschmitzte Blick, die ironische Brechung durch das gefaltete Papierschiffchen, diese Bronzefigur gefällt uns richtig gut. Schaut sie zurück auf das Erlebte oder nach vorn auf das was kommt?

Viel zu schnell ist die Zeit mit unseren Freunden Catalina und Jan an Bord der Flora schon wieder vorbei, Abschieds-Tacos bei “Clara Fish Jr.” in der Stadt, am nächsten Morgen geht für Catalina schon ganz früh der Flieger. Danke Ihr beiden, es war mal wieder wunderschön mit Euch an Bord.

Jans Flieger geht einen Tag später, wir spannen den Chief am letztern Tag gnadenlos für Bootsarbeiten ein. Die neue Rolle für die Reffleine der Fock hatte er mitgebracht, jetzt wird sie montiert. Ölwechsel am Außenbordmotor, Check des Bootsdiesels. Außerdem installieren Jan und ich die Anschlüsse für zwei weitere Solarpanele. Der Regulator unseres Silentwind-Windgenerators bietet die Möglichkeit, zusätzlich Solarpanele anzuschließen. Das nutzen wir aus und schließen entsprechende Kabel an. Wir entscheiden uns aber gegen eine feste Installation der Panel. Diese vergleichsweise billigen semiflexiblen Solarpanele fahren wir tatsächlich schon seit drei Jahren als Backup durch die Gegend. Mit der jetzigen Installation können wir (am Ankerplatz) die Kabel durch ein beliebiges Fenster der Achterkajüte legen und per Steckverbindung an die Panel anschließen. Dadurch können sie z.B. auf der Sonnenseite an den Seezaun oder auf dem Bimini an den Großbaum gehängt werden. Bei Nichtgebrauch verschwinden sie schnell wieder unter der dritten Koje.

Eine willkommene Ergänzung von weiteren 2 x 100 WP zu unserer Energieversorgung, die damit auf 830 WP Solar plus den Windgenerator angewachsen ist, zudem kann im (seltener gewordenen) Bedarfsfall der 5 KW Dieselgenerator und natürlich die Lichtmaschine des Volvo-Penta ebenfalls Strom produzieren.

Der Stromverbrauch ist in letzter Zeit angestiegen. Das liegt an den wärmeren Temperaturen, die den Stromhunger unserer beiden wassergekühlten Kühlschränke erhöhen, am ebenfalls energiehungrigen Starlink, aber auch an unserer Induktionskochplatte.

In Campbell River (am Landstrom) haben wir die IKEA-Einflammen-Induktionsplatte hervorgeholt. Ursprünglich nur als Backup für den Fall einer schwierigen Propangasversorgung an Bord, hat sich die Platte seitdem sehr bewährt. So dauert der Morgen-Mokka nur etwa die Hälfte der Zeit. Unser Inverter kommt gut mit der maximal 2.000 Watt verbrauchenden Platte zurecht und die (jetzt nochmals ergänzten) Solarpanel füllen die Verbraucherbatterien gut wieder auf. Nebeneffekt: wir verbrauchen deutlich weniger Propangas, obwohl wir weiterhin insbesondere den Backofen intensiv nutzen. Heute zum Beispiel mit Brot backen, Granola-Müsli machen und Apfelkuchen backen am Stück, damit der Ofen nicht mehrfach aufheizen muss.

Und wo wir schon bei den Mahlzeiten sind: wir haben mal wieder etwas zwar Altbekanntes, aber für uns komplett Neues ausprobiert, getreu der Frage vom Beginn unserer Reise: “Wann habt Ihr zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?”

Einkochen ☺️.

Damit hatten wir schon länger geliebäugelt, weil es eine wunderbare Methode ist, Lebensmittel an Bord haltbar zu machen, zudem ohne den riesigen (und andauernden) Energiebedarf einer Gefriertruhe. Einigermaßen (Propangas-)sparsam geht das allerdings nur mit einem Schnellkochtopf, und vor denen hatten wir ziemlichen Respekt. Gespräche mit anderen Seglern und letztlich ein geschenktes Glas eingekochter Mahi-Mahi von den Seenomaden Doris und Wolf haben dann aber den Ausschlag gegeben, es doch zu versuchen.

Wir haben schon mal begonnen, Fleischvorräte für Französisch Polynesien einzukochen. Und Bestandsaufnahme unserer Lebensmittel gemacht, erste Großeinkäufe hier in La Paz getätigt. Ein bisschen Zeit ist noch, aber wir überlegen, früher als ursprünglich geplant nach Süden aufzubrechen. Vielleicht noch im Januar.

Und das bringt uns zum Blick nach vorn:

Also erst mal Inventur machen und auch die weniger benutzten Stauräume unter und hinter den Sitzen durchgehen, die Excel-Liste auf Stand bringen. Sind 5 kg Haferflocken genug? Wie viel H-Milch und Milchpulver brauchen wir? Wie viel Reis, Nudeln, Bohnen, Konserven, Getränke, Mehl, Kaffee, Olivenöl, …, wie viel von den weniger haltbaren Lebensmitteln? Dabei geht es anders als bisher nicht nur um den Monat der Passage. Die Einkaufsmöglichkeiten in Französisch Polynesien sind einigermaßen begrenzt. Erst in Papeete auf Tahiti werden wir wieder auf große, gut gefüllte Supermärkte stoßen. Bis dahin wird es ziemlich lang. Auf der geplanten Strecke über die Gambier-Inseln, die Tuamotu-Atolle und die Marquesas wird das Angebot in den kleinen Läden eher überschaubar sein und oft abhängig davon, wann zuletzt das Versorgungsschiff angelegt hat. Aber wie bevorratet man sich für – sagen wir mal – sechs Monate? A was soll man eigentlich alles denken für ein halbes Jahr? Das ist jedenfalls auch ein Novum für uns.

Da stehen auf alle Fälle noch einige weitere Einkäufe an.

Tja, und das bewegt uns derzeit so auf unserem Ankerplatz hier in La Paz.

Auf Wolke Neun

Whistler, benannt nach dem charakteristischen Pfeifen der Murmeltiere, ist eines der bekanntesten großen Skigebiete Nordamerikas. Die “Schnee-Disziplinen” der Olympischen Winterspiele 2010 von Vancouver fanden hier statt. Wir nutzen die Gelegenheit, hier zum wahrscheinlich für längere Zeit letzten Mal Ski zu fahren und diese an Skiorten für uns so reichhaltige Wintersaison abzuschließen.

Es wird ein überaus würdiges Finale. Die Schneeverhältnisse sind klasse, die wohl besten, in denen wir bisher unterwegs waren. Oder vielleicht sollte man sagen: himmlisch. Die Pisten sind jedenfalls schon mal entsprechend bezeichnet. Blaue Abfahrten entsprechen übrigens in etwa den europäischen Roten, die einfacheren sind hier in Nordamerika Grün. Schwarz bleibt Schwarz 😉.

Das Skigebiet erstreckt sich über mehrere Berge. Die beiden gegenüberliegenden Spitzen von Blackcomb und Whistler sind dabei auf 4,4 Kilometer Luftlinie durch die spektakuläre „Peak 2 Peak Gondola“ mit nur 36 m Höhenunterschied verbunden. Dabei gibt es auf jeder Seite nur zwei Seilbahnstützen, dazwischen erstreckt sich ein freie Spannweite von über 3 Kilometern. In dieser Disziplin wird sie weltweit nur von der Seilbahn Zugspitze knapp übertroffen, die aber schräg den Berg hinauf führt.

Auf der Fahrt mit der Peak 2 Peak schwebt die Gondel zwischendurch über 400 m hoch über dem durch das Tal fließenden Fitzsimmons Creek, es ist ein wirklich beeindruckender Ritt.

Wir genießen jede Minute unseres Skisaisonabschlusses, das schließt auch ein zünftiges Aprés Ski in Whistler ein 😚

Auf dem Weg zurück zur Fähre nach Vancouver Island fahren wir am nächsten Tag die wunderschöne Strecke am Squamish Harbour Fjord entlang und statten unseren tschechischen Segelfreunden Tereza und Jakub noch einen Besuch ab, deren KateMarie derzeit in Horseshoe Bay an Land steht.

Und das soll es dann jetzt vorerst mal mit Landreisen gewesen sein, noch ein paar Arbeiten an Flora und dann wollen wir British Columbia per Boot weiter erkunden.

⛵️