Sommer. Spaziergänge und sogar Baden in BC. Und FLORA ISLAND!

Das Wetter und die Trails meinen es gerade RICHTIG GUT mit uns. Bisher sind wir bisher hier in British Columbia auf unseren Hikes durch den “Temperate Rainforest” (Regenwald in kühlgemäßigten Klimazonen) auf zumeist steilen und oft rutschigen Pfaden unterwegs gewesen. Die letzten zwei Tage aber hatten wir eher leichte und trotzdem wunderschöne Wanderungen.

Am Ankerplatz in Deep Bay auf Jedediah Island nehmen wir zum ersten Mal einen der “Stern Anchor Tie Pins” in Anspruch. Die schmale und kurze Bucht bietet einfach nicht genug Schwoiraum zum freien Ankern, wenn wir uns nicht mitten in die Durchfahrt legen wollen. Also machen wir zusätzlich zum Anker mit dem Dinghy eine Landleine an der Kette eines der “Pins” fest. Klappt ganz gut, wir haben schließlich in Griechenland ausgiebig Ankern mit Landleine geübt.

Für den Landgang müssen wir dann mit dem Dinghy bei über vier Metern Tidenhub ähnlich verfahren.

Unser Spaziergang führt uns dann einmal längs über die Insel, hin zur ehemaligen Farm, deren Obstbäume gerade in voller Blüte stehen. Und weiter zum Driftwood Beach (warum heißt der wohl so) und zur Codfish Bay. Es ist wunderschön, einfach durch den lichten Wald, über Wiesen und durch ehemalige Felder zu spazieren.

Eine mit über 10 km fast doppelt so langer Wanderung wird es bei unserem nächsten Stop. Den Ankerplatz in der Tribune Bay auf Hornby Island haben wir diesmal allerdings nicht für uns allein. Kein Wunder, lockt er doch mit seinem langen breiten Sandstrand jetzt am Wochenende Bootsausflügler auch aus Nanaimo, Comox und Courtenay von Vancouver Island herüber.

Die Wanderung führt ein ganzes Stück oben am steilen Ostkliff der Bucht bis hinaus bis zum St. John Point im Helliwell Provincial Park. Und von dort haben wir einem Blick hinüber zur vorgelagerten Felsinsel FLORA ISLAND. Ganz viel Flora dürfte sich dort allerdings nicht finden lassen, dafür aber umso interessantere Fauna: neben nistenden Seevögeln haben sich sowohl Steller-Seelöwen als auch Kalifornische Seelöwen eingefunden, außerdem Seehunde. Ein echtes kleines Robbenparadies, das wir bis hinüber nach St. John Point hören können.

Auf dem Rückweg kommen wir dann auch noch an blühendem weißen Flieder vorbei, damit hat für Wiebke der Sommer begonnen 😉.

Und das bekräftigen wir auch gleich, indem wir unser erstes Pazifik-Bad der Saison nehmen. Hier in der vergleichsweise flachen Tribune Bay hat das Wasser heute nur knapp unter 18 Grad Celsius, also Zeit zum Anbaden!

Und nach der willkommenen Abkühlung mit einem Drink in die Hängematte auf dem Vorschiff. Genau hinschauen, die Kuchenbude haben wir nämlich heute wieder gegen das Bimini getauscht.

Sommer, Wärme, Sonnenschein! Keineswegs selbstverständlich und vielleicht auch nur vorläufig, wir nehmen jedenfalls jeden der warmen Sonnentage einzeln und sehr dankbar wahr.

🌞

Ach soooo geht das!

Zwei Wochen sind wir jetzt schon wieder unterwegs mit Flora. Zeit, den Frisch-Proviant mal wieder etwas aufzustocken. Da kommt Pender Harbour gerade recht, zumal wir den Weg dorthin komplett unter Segeln zurück legen können. Bei herrlichem Wetter und perfekter Brise kreuzen wir ein Stück die Sunshine Coast nach Süden hinunter.

In Pender Harbour könnten wir auch ankern, aber wir entscheiden uns für das Public Dock am Madeira Park. Von dort ist nur ein kurzer Fußweg zum gut sortierten Supermarkt. Nachdem die Einkäufe an Bord verstaut sind, widmen wir uns der Steuerbord-Genuawinsch. Die hat heute ein paar Mal blockiert, kein gutes Zeichen.

Eigentlich ist die Winschenwartung eine Routinearbeit, aber diesmal wird’s etwas knifflig. Zwei der Zahnräder lassen sich nur ausbauen, wenn die Winsch komplett vom Sockel gelöst wird. Von den sechs Schrauben des Sockels wehren sich drei leider sehr vehement, so dass wir sie erst mit Kniffen (Hitze aus dem Gasbrenner und rohe Gewalt) lösen können. Dann aber ist der Übeltäter leicht zu entdecken:

Der eine Arm einer nur fingernagelgroßen Feder ist gebrochen und konnte die Sperrklinke nicht mehr wie vorgesehen ausstellen. Kleine Ursache, große Wirkung. Zum Glück haben wir Ersatzfedern dabei und nachdem alles zunächst mit Bremsenreiniger entfettet, dann gereinigt, die Zahnräder neu gefettet und die Klinken geölt sind, funktioniert die Winsch wieder einwandfrei.

Am nächsten Tag gehts bei weiterhin herrlichem Segelwetter aus dem schönen, aber dicht mit Häusern umstandenen Buchten von Pender Harbour heraus, wiederum auf eine Kreuz.

Wir spielen mit den Einstellungen der Segel herum, schoten die Fock innerhalb von Hauptwant und achteren Unterwant und können tatsächlich einige Grad mehr Höhe heraus kitzeln. Herrliches Segeln bei wenig Welle, da macht das Amwindsegeln Spaß.

Ziel ist diesmal die Water Bay in den Thormanby Islands. Dieser Ankerplatz bietet einige Besonderheiten. Auf der Ostseite ist er zwar wie die meisten Buchten hier von Felsen gesäumt, aber auf der Westseite und im Scheitel der Bucht findet sich ein befreiter Sandstrand. Ungewöhnlich in dieser Gegend.

Noch erstaunlicher (aber bei dem Tidenhub von über vier Metern andererseits auch wieder nicht): dem Sandstrand vorgelagert ist ein dicker Streifen Watt, durchsetzt mit einigen Steinen. Als wir mit unseren Gummistiefeln anlanden, versucht der Schlick gleich, uns unser Schuhwerk weg zu saugen. Aber für eine Barfuß-Wanderung ist uns die Wassertemperatur mit 11 Grad doch noch etwas zu frisch.

Zu diesen kleinen Inseln gibt es keine feste Fährverbindung, auch keinen größeren Kai. Trotzdem stehen hier einige Häuser, auch moderne größere. Wie machen die das eigentlich mit dem Baumaterial?

Eine Antwort darauf bekommen wir am nächsten Morgen präsentiert. Als wir aus der Bucht auslaufen, kommt uns ein Motorboot entgegen. Eigentlich eines der hier häufigen Aluminium-Arbeitsboote, aber dieses betätigt sich als Schlepper. Auf einem offenen Schwimmponton mit Landeklappe zieht er zwei beladene LKW hinter sich her.

Dann rangiert er an den Strand (wir haben Hochwasser, kein Wattstreifen), Matten gegen das Einsinken der Räder werden ausgerollt und los geht’s:

Ok, wieder was gelernt. Jetzt erstmal Segeln.

Und da kreuzt doch gleich der nächste ungewöhnliche Schlepper unseren Weg. Aus der Ferne wirkt es zunächst wie ein Containerschiff, aber bei Näherkommen wird klar, es ist wieder ein Schleppverband:

So weit, so gut. Aber ein näherer Blick auf die Ladung …

… offenbart neben Containern auch LKW, zwei Busse, Pkw, Wohnmobile, Boote und ein halbes Haus als Decksfracht. Und damit verschwindet der Schlepper “Ocean Titan” in der nächsten Enge. Unterwegs ist er übrigens laut AIS nach Ketchikan, Alaska.

Auch wir fahren um die Südspitze der großen Insel Texada herum, stoppen aber gleich erst einmal auf. Auf den vorgelagerten Felsen lümmelt sich eine Kolonie Kalifornischer Seelöwen, die sich in diesem nördlich Verbreitungsgebiet in letzter Zeit prächtig vermehren sollen, die wir hier bisher aber noch nicht gesehen hatten.

Mit solchen Erlebnissen lassen wir uns den Segeltag um so mehr gefallen!

Robben-Show in der Ballet Bay an der Sunshine Coast, British Columbia, 🇨🇦

SUNSHINE COAST. Ein bisschen dick aufgetragen klingt das, wie gemacht für die Prospekte in Reisebüros. Und doch, es ist die offizielle Bezeichnung des Verwaltungsbezirks (Regional District, entspricht etwa den deutschen Landkreisen). Er grenzt nordwestlich an den Metro-Vancouver-District, Hauptort und Verwaltungssitz ist Sechelt. Das Städtchen stellt mit gut 10.000 Einwohnern auch schon über ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Aber wir nehmen Sunshine-Coast wörtlich, fahren bei dichter Wolkendecke mit dem Morgenhochwasser durch die Malibu Rapids und dann mit tatsächlich langsam auflockernder Bewölkung den Jervis Inlet hinunter an die “Küste”. Unser Ziel ist die rundherum durch Inseln geschützte Ballet Bay. Und dort angekommen, strahlt denn auch wirklich die Sonne von einem blauen Himmel herunter, nach Wetterbericht soll das für die nächste Woche auch so bleiben.

Die Küste in diesem Abschnitt bekommt durch die geografischen Gegebenheiten in der Regel mehr Sonnenschein ab, die Bewölkung hängt eher in den hohen Bergen auf Vancouver Island und dem Festland. Das lässt sich auf dem aktuellen Windy-Bild (mit eingeblendeten Wolken) ganz gut erkennen:

Noch viel besser aber zeigt sich das live an unserem Ankerplatz im Naturhafen der Ballet Bay:

Das Video dazu ist leider etwas groß für unsere Blogseite, Ihr findet es aber unter diesem Link.

Was die Ballet Bay für uns ganz besonders macht ist unter anderem die Show, die uns die Robben hier bieten:

Außerdem bekommen wir unseren ersten Dungeness-Krebs der Saison beschert, der schmeckt natürlich besonders gut.

Und zum Abend lassen sich dann doch noch ein paar Wolken blicken und machen damit das Farbenspiel des Sonnenuntergangs an der Sunshine Coast eher noch ein bisschen schöner.

Downwind zu den Harmony Islands und Fußballfelder auf dem Wasser

Irgendwann reißen wir uns doch von dem wunderschönen Prideaux Haven im Desolation Sound los. Wie so oft gibt die Wettervorhersage den Ausschlag: ein bewölkter Tag ohne Wind und dann Nordwestwind. Passt super, um uns Richtung Princess Luisa Inlet aufzumachen.

Erster Zwischenstopp ist der Ankerplatz bei den Copeland Islands. Vor der Malaspina-Halbinsel gelegen, bieten sie sozusagen das Sprungbrett für das Eintauchen in das Inselwirrwarr des Desolation Sounds. Oder in unserem Fall eben für die (hoffentlich nur vorläufige) Ausfahrt.

Am nächsten Tag ist die Sonne wieder da und mit ihr der angesagte Nordwestwind. So laufen wir vor dem durchaus frischen Wind die breite Malaspina Strait hinunter nach Südosten.

Vor uns erscheint auf unserem Kurs in der Entfernung eine braune Masse auf. Beim Näherkommen wird deutlich, es ist ein etwa Fußballfeld-großes Floß aus Baumstämmen. Gezogen von einem vergleichsweise kleinen Schlepper mit nur etwa eineinhalb Knoten Geschwindigkeit.

Ein kleines Stück später, da sind wir schon in das Jervis Inlet eingebogen, das auch der Schlepper im Namen führt, ein zweiter Schlepper mit einem ähnlichen Logging-Floß.

Der Fjord schneidet etwa 50 Seemeilen in das Landesinnere hinein. Eigentlich ist Saltery Bay kurz hinter dem Eingang des Fjords unser Tagesziel. Wir legen auch kurz am Public Dock an, aber kaum sind die Leinen fest, werfen wir sie auch schon wieder los. Trotz Vorsaison ist das Dock dicht belegt, aber entweder mit kleinen Angelbooten oder mit verlassen wirkenden Seglern. Dann doch lieber noch etwas weiter, es ist ja noch früher Nachmittag. Diese Entscheidung erweist sich als Glücksgriff, denn so landen wir für die Nacht im Hotham Sound, einem der vielen Nebenarme des großen Fjordes. Zunächst statten wir noch dem beeindruckenden Freil Lake Fall einen Besuch ab …

… und ankern dann nur ein kleines Stückchen weiter hinter der kleinen Inselgruppe der Harmony Islands.

Harmony Islands. Passend benannt. 😍

Sommertage im April in BC

Schon klar, Tropennächte sind damit nicht verbunden. Aber die letzten Tage haben uns in Prideaux Haven im Desolation Sound tatsächlich mit sommerlichem Wetter verwöhnt. Sind wir wirklich nicht mehr gewohnt. T-Shirt und kurze Hose auf Flora!

Wir nutzen das wunderbare Wetter für Dinghyausflüge und für ausgedehnte Hikes. Der Tidenhub und die mit scharfkantigen Austern bewachsenen Felsen machen es nötig, das Beiboot während unserer Abwesenheit vom Ufer weg zu halten. Unser „Anchor Buddy“ bewährt sich einmal mehr: das starke Gummiband in der Ankerleine zieht Florecita zuverlässig ins tiefe Wasser, obwohl wir landseitig wir an einer der Ketten (stern tie pin) festgemacht haben.

Es gibt mehrere gekennzeichnete Trampelpfade durch den Wald und sie führen buchstäblich über Stock und Stein. Besonders der Hike zum Unwin Lake hat es in sich, über mehrere Bergrücken hinweg geht es fast nur steil bergauf und bergab, dazwischen abgesehen von der sumpfigen Niederung am See kaum einmal ein paar Meter in der Ebene zum Luftschnappen. Insgesamt sind es eigentlich nur 7 km aber trotzdem sind wir rechtschaffen fertig und ordentlich durchgeschwitzt, als wir wieder am Dinghy ankommen. Was für eine herrliche Wanderung.

Etwas einfacher ist der Hike am nächsten Tag, er führt über die Halbinsel, die unseren Ankerplatz von der südlicher gelegenen Melanie Cove trennt.

Wie schon am Vortag gibt es auch hier ein paar ganz besondere Naturerlebnisse. Wieder sehen wir eine Schlange, wie am Vortag ist es eine Puget Sound Garter Snake, eine farbenprächtig grün-gelbe Unterform der Strumpfbandnatter.

Sie ist eine der wenigen lebendgebärenden Schlangenarten und gehört zwar zu den Giftschlangen, aber ein Biss der eher scheuen, nur gut daumendicken Reptilien ist für den Menschen normalerweise ungefährlich, löst allenfalls Jucken, Hautreizung und Schwellungen aus.

Wir hören gelegentlich die Rufe wilder Truthähne und vor allem häufig flötende Vogel-Stimmen, aber es dauert eine ganze Zeit, bis wir einen der Urheber zu sehen bekommen. Es ist eine Wanderdrossel (American Robin). Ein ganzes Stück fliegt sie von Ast zu Ast vor uns her, bis sie uns endlich auch einen Blick auf ihre rötliches Brustgefieder erhaschen lässt.

Auch rötlich: die Rinde des Amerikanischen Erdbeerbaums (sic!), hier Madrone genannt. Er ist einer der wenigen Laubbäume in diesen von Nadelbäumen geprägten Regenwäldern. Mit seinen ledrigen Blättern zählt er zu den immergrünen Gewächsen, aber die farbenfrohe Rinde scheint diese Einordnung verhöhnen zu wollen:

Vor allem aber: was für ein Wald, was für eine traumhafte Landschaft!

Die Natur ist von Beruf Künstler!

Totempfähle? Steinmetz-Arbeiten an einem Indiana Jones Tempel? Rätselhafte Fels-Skulpturen vergessener Kulturen?

Quatsch! Unsere Phantasie schlägt Purzelbäume, aber es sind natürlich nur um 90 Grad gedrehte Spiegelungen der Felsen an der Wasserlinie hier am Ankerplatz in Prideaux Haven. Trotzdem, von mystischen Schlangen bis zu Vogelmenschen oder Katzenköpfen bis hin zu Comic-Figuren lässt sich für uns alles darin erkennen. Nach den Wolken-Tierchen auf der Atlantiküberquerung und den Eisskulpturen in Alaskas Glacier Bay sind jetzt also mal die Felsen dran für kurzweilige Spielchen mit der Vorstellungskraft.

Und weil es hier so schön ist, bleiben wir noch ein bisschen und spielen weiter.

Endlich wieder mit Flora unterwegs!

Leinen los. Wir sind wieder unterwegs.

Die Vorbereitung mündet in einer Punktlandung. Zwei Tage vor Abfahrt wird das Update für den Autopilot installiert, ab jetzt versteht sich Floras elektrische Selbststeuerung auch mit dem neuen Plotter. Direkt am Tag vor der Abfahrt verkaufen wir privat (über Facebook Marketplace) unser Auto, nachdem uns der Händler ein nur als “unverschämt” zu bezeichnendes Angebot gemacht hatte. Fast wäre das der Verkauf noch daran gescheitert, dass die Belastungsabfrage einen Kredit auf dem Auto ausgewiesen hat, obwohl derselbe Händler uns das Auto als lastenfrei verkauft hatte (wozu er in Kanada gesetzlich verpflichtet ist). Aber mit Wulfs Hilfe können wir zum Glück rasch klären, dass nur die Löschung wegen Ablösung des Kredits im Verwaltungsweg untergegangen ist.

Wulf, Lynn und Lorraine lassen es sich auch nicht nehmen, uns bei der Abfahrt am Steg zu verabschieden, Hund Fritz ist natürlich auch dabei. Lieben Dank für alles, Ihr habt Campbell River für uns zu einem ganz besonderen Ort gemacht.

Ein letzter Blick zurück auf Campbell River …

… dann schauen wir nach vorn. Wir fahren über die Strait of Georgia zu den Fjorden auf der Festlandsseite.

Direkt ans Festland geht es aber nicht, wir haben uns als erstes Ziel Prideaux Haven im Desolation Sound ausgesucht. Ein Inselgewirr mit tollen Ankerplätzen in einer bezaubernden Landschaft.

Wie unterschiedlich Geschmäcker sein können, wie sehr Wetter und Stimmung das Empfinden beeinflussen, das lässt sich beim Namen “Desolation Sound” leicht ableiten. Captain George Vancouver hatte 1792 ziemlich schlechtes Wetter hier, zudem litt seine Crew unter Lebensmittelvergiftungen durch Muscheln. Den erkundeten Tiefwasser-Meeresarm, der einmal mehr eine Sackgasse und eben nicht die Nordwest-Passage war, nannte er Desolation Sound (Desolation = Trostlosigkeit, Verwüstung). Heute aber – noch dazu bei bestem Wetter – ist der Sund als Naturschönheit bekannt. Die Provinz hat einen Marine Park eingerichtet, aber man darf in dem Schutzgebiet ankern.

Insbesondere in der Hochsaison wird das auch rege genutzt. Wenn es eng wird, wird halt mit Landleine geankert. Um die Bäume zu schützen, gibt es für die Landfesten “Stern Tie Anchor Pins”, extra gekennzeichnete Ketten, die von gelben Markierungen oberhalb der Hochwasserlinie bis zum Wasser herab reichen. Sehr praktisch bei drei bis fünf Meter Tidenhub und den scharfkantigen Muscheln auf den Felsen.

Ohnehin haben auch die Gezeiten selbst hier um die Strait of Georgia einige Besonderheiten. Statt einfach nur alle 6 Stunden hin und her zu schwappen, bilden sich durch die lokalen Gegebenheiten ganz variable Tiden heraus ( hier ein Auszug aus der offiziellen kanadischen Seite zur Tidenvorhersage):

Schön zu erkennen, dass im Monatslauf die Tiden speziell in den Tagen nach Neumond und Vollmond fast regelmäßig auftreten und als Springtiden eben auch kräftiger ausfallen, typischerweise nach Halbmond sich aber eine große und eine manchmal kaum vorhandene kleine Tide abwechseln (besonders in Campbell River und der Owen Bay).

Jetzt, Ende April, finden wir die Inselwelt des Prideaux Haven zum Glück alles andere als überlaufen vor und können frei in der Mitte der von uns ausgesuchten Bucht südlich der Williams Islands ankern.

Direkt vor dem begehrten “Fenster”, dass den Blick auf die schneebedeckten Spitzen der Berge ermöglicht, der sonst von den bewaldeten steilen Inseln verdeckt wird.

Was für ein Start. 😁

Segeln in BC: über Lasqueti Island nach Nanaimo

Nachdem wir zuletzt ja hier in British Columbia mangels Wind reichlich Motorstunden angesammelt haben, können wir auf dem weiteren Weg nach Süden endlich wieder segeln. Hier trennt die etwa 15 Seemeilen (25-30 km) breite und über 100 sm lange Strait of Georgia die südliche Hälfte Vancouver Islands vom kanadischen Festland. Nicht als durchgängige Wasserfläche, diverse Inseln und auch einige weitere Narrows warten noch auf uns, aber zunächst mal eben doch auch mehr offene Wasserflächen.

Als erstes Ziel haben wir uns Boho Bay ausgesucht, gut 50 sm von Campbell River entfernt. Da aber in der Discovery Passage vor der Hafenausfahrt von Campbell River bis zu 6 kn Strömung setzen, müssen wir ohnehin schon um 7.30 los, das sollte passen. Tut es, und es gibt uns auch die Zeit, bei nur leichten Winden und traumhaftem T-Shirt-Wetter herrlich unter Gennaker langsam dahin zu segeln.

Sogar ein kurzer Angelstopp ist drin und wird mit zwei Grünlingen belohnt, über Funk laden wir Ben und George zu „Fisch asiatisch“ zum Dinner auf die Flora ein, die beiden sind kurz nach uns gestartet und parallel mit gleichem Ziel unterwegs.

Die Ankerplatz zwischen Lasqueti und Boho Island entpuppt sich als imposanter als erwartet, die Küste von Lasqueti formt hier eine hohe Steilwand, die dramatisch zur Bucht hin abfällt und schon früh die Abendsonne abschirmt.

Schön auch, dass wir endlich wieder einmal Erfolg mit unserem Krebskorb verzeichnen können, gleich fünf Krebse hole ich am nächsten Morgen mit ihm hoch. Wobei, der größte Krebs sitzt nicht einmal im Kasten, sondern oben auf dem Korb, will aber trotzdem nicht vom Köder lassen und landet erst im Dinghy (und dann im Kochtopf). Alle fünf sind Männchen, die beiden Kleinsten lassen wir trotzdem wieder frei, die anderen drei sind „Keeper“.

Auch am nächsten Tag können wir segeln, diesmal unter weißen Segeln bei auffrischendem Wind hinüber nach Nanaimo. Dazu müssen wir einen kleinen Bogen um die „Firing Practice and Exercise Area Canadian Forces Maritime Experimental and Test Ranges Whiskey Golf“ machen. Das ziemlich große Schießgebiet ist heute zwar gar nicht aktiv, aber einige Schiffe sind trotzdem dort stationiert und zu denen ist ein Mindestabstand von einer Meile einzuhalten. Ist egal, wir können herrlich segeln und begegnen auf unserem Umweg sogar einigen Walen.

Nanaimo ist für uns die erste größere Stadt seit Honolulu auf Hawai‘i. Mit immerhin rund 90.000 Einwohnern die ganz knapp zweitgrößte Gemeinde auf Vancouver Island (nach Victoria, der Hauptstadt der Provinz BC). Einige wenige Hochhäuser verkünden das schon aus der Ferne, für uns Segler spannender ist da die Vielzahl der Häfen und Marinas, die sich im Naturhafen und der schmalen Passage hinter dem vorgelagerten Newcastle Island finden. Die dicht bebauten Hänge schon vor dem eigentlichen Stadtgebiet zeigen zudem an, dass wir uns aus der Wildnis des nördlichen BC jetzt in den Einzugsbereich der Metropole Vancouver bewegen. Von Nanaimo dorthin gibt es mehrere Fährverbindungen, Wasserflugzeuge fliegen im Linienverkehr und auch der „normale“ örtliche Flughafen ist dorthin angebunden. Ursprünglich aus einem Handelsposten der Hudson Bay Company hervorgegangen, nahm Nanaimo durch die nahen Kohleminen einen kräftigen Entwicklungsschub. Der Entdecker der dortigen Kohle hatte praktischerweise 1869 eine Gesellschaft zur Erschließung gegründet und als Mitgesellschafter den Oberbefehlshaber der Pazifikflotte aufgenommen. Die Flotte war dann (neben der Stadt San Francisco) der Hauptabnehmer der Kohle. Konsequenterweise gibts also hier keine Spirit-Bären auf den Kästen wie in Klemtu, statt dessen …

Und es ist so städtisch, dass es auch einen (sogar zwei) ausgewiesene Woll-Geschäfte gibt. Hatte ich schon erwähnt, dass auf Flora in den ruhigen Gewässern von BC intensiv gestrickt wird?

😁

Re. Oder: Die verflixte Strömung

Der Chatham Channel kann bis zu 8 kn Strömung erreichen. Das hört sich toll an, nach dem Motto: da muss man ja nur auf den richtigen Zeitpunkt warten und dann wird man bei 5 kn Fahrt mit 13 kn seinem Ziel entgegen geschoben. Schön wärs.

Aber so einfach klappt das leider nicht. Technisch gesehen liegt das an einer physikalischen Kennzahl, der Reynolds-Zahl (Formelzeichen Re). Sie ist in der Strömungslehre von besonderer Bedeutung und ermöglicht zum Beispiel Modellversuche im Windkanal, Berechnungen zum Turbulenzverhalten von Flugzeugtragflächen oder von potentiellem Strömungsabrissen, sei es am Flügel von Windkraftanlagen oder am Steuerruder eines Bootes.

Oder eben Aussagen dazu, wann fließendes Wasser nicht mehr (laminar) dahinströmt, sondern chaotisch wird, Eddies und Wirbel, stehende Wellen und Strudel bildet. Das passiert selbst in einem glatten Rohr bei entsprechender Fließgeschwindigkeit, wird aber durch Verengungen, Felsen und Flachstellen deutlich begünstigt, der kritische Re-Zahlenwert wird dann schneller erreicht.

Und dann würde das Wasser unsere Flora eben nicht mehr durch den Chatham Channel schieben, sondern uns steuerlos herumwirbeln. Um das zu vermeiden, stellen wir den Wecker und fahren mit nur langsam schiebenden Strom durch die Enge. Bis zu drei Knoten erreicht die Strömung, das passt gut und wir kommen völlig problemlos durch. Selbst der Nebel hat ein Einsehen, habt sich ein wenig und erlaubt uns etwas Sicht, bevor er kurz nach der Passage wieder pottendick wird. Unter Radar tasten wir uns weiter bis zu unserem Tagesziel, Port Neville.

Wir machen am Schwimmsteg vor der alten Poststation fest. Die ist zwar heute ein Privathaus und nicht mehr ganzjährig bewohnt, der Steg ist aber immer noch kommunal und wird von den Behörden gut in Schuss gehalten. Wir dürfen kostenlos dort anlegen und auch das Gelände betreten. Am Strand finden wir frische Bärenspuren, es lässt sich aber keiner sehen.

Die nächste Tagesetappe führt uns die Johnstone Strait hinunter und wir können hier – bei reichlich Platz – mit den Verwirbelungen der schiebenden Tide weitere Erfahrungen sammeln. An Helmcken Island führt nördlich die “Currant Passage” südlich die “Race Passage” vorbei. Als Verkehrstrennungsgebiet ausgeführt, ist es für uns die Race Passage. Obwohl dem Fahrwasser folgend, müssen wir bei 4 Knoten Schiebeströmung teilweise bis zu 45 Grad vorhalten (also den Bug in die “falsche” Richtung steuern) und werden immer mal wieder 20 Grad nach rechts oder links gedrückt. Beeindruckend.

Tagesziel ist der Ankerplatz hinter Turn Island.

Der nämlich liegt nur 13 Seemeilen vor den Seymour Narrows. Und für genau die war das Ganze der Aufgalopp zum Üben. Bis zu 15 Knoten können die Strömungen hier erreichen, es ist DIE berühmt berüchtigte Passage in British Columbia. Selbst Wikipedia fabuliert von einer astronomischen Reynolds-Zahl für diese zentrale Enge. Die offiziellen kanadischen Sailing Directions empfehlen allen kleinen Booten (unter 20 m !!!) nachdrücklich, sie nur um Stillwasser herum zu befahren.

Stillwasser ist in den Seymour Narrows maximal 15 Minuten, oft weniger. Das reicht nicht für die Strecke, also soll die erste leicht mitlaufende Tide helfen.

Und das wollen wir morgen versuchen. Uns also bei Gegenstrom etwa drei Stunden lang heranarbeiten, um dann zum genau richtigen Zeitpunkt (morgen um 11.00 Uhr Ortszeit herum) hindurch zu fahren. Drückt uns die Daumen, dass wir richtig gerechnet haben. Wenn nicht, sollten wir es auf den 13 Meilen schon merken und können dann (Plan B) umdrehen oder (Plan C) in die Brown Marina direkt vor den Narrows einlaufen.

Wetterglück in British Columbia

Es ist eigentlich kaum zu fassen, was für ein Glück wir mit dem Wetter hier in BC haben. Wohlgemerkt: wir. Die Lachse nicht so sehr. Wann immer wir Einheimische ansprechen, hören wir, dass es für die Jahreszeit viel zu trocken ist. Für die Lachse ist das schlecht, sie bleiben in tieferem (Meer-)Wasser und warten auf den großen Regen, damit sie dann die anschwellenden Bäche und Flüsse hinaufwandern können. Lachse im tiefen Wasser sind wiederum auch schlecht für die Fischer, denn dort sind sie wesentlich schwieriger zu erwischen.

Auch wir haben bisher nur wenig Lachs gefangen, sind aber trotzdem sehr froh über das schöne Spätsommerwetter. Zu diesem gehört hier in BC der Morgennebel wohl dazu, navigatorisch manchmal anstrengend, aber auch von magischer Schönheit. Fast jeden Tag führt er dazu, dass wir etwas länger in der Koje bleiben und erst losfahren, wenn sich der Schleier über der Landschaft etwas hebt und zumindest erste Blicke in den blauen Himmel freigibt.

Nebel und Sonnenschein, diese Kombination führt zu dem farbenprächtigen Halo, den die Drohne um Flora herum aufgenommen hat:

Von Port Hardy aus geht es erstmal wieder in die Einsamkeit: die Broughton Islands sind unser erstes Ziel. In dem Inselwirrwarr wählen wir die Waddington Bay als Ziel, ein toller Tip von Tereza und Jakub.

Und wir haben Angelerfolg. Ein großer Grünling geht an den Haken, wieder mal eine neue Art Fisch für uns, sehr lecker.

Die nächste Ankerbucht haben wir auch wieder für uns allein, Shoal Harbor nur etwa 5 sm weiter östlich. Die Einfahrt ist eng mit Flachs gleich neben uns, aber der Bewuchs mit Kelp zeigt die Lage der Unterwasserfelsen gut an und so können wir uns problemlos hindurchschlängeln.

Mit dem Dinghy fahren wir ein Stück zurück zur Echo Bay. Michelle und Tom von der Paraiso hatten uns in Alaska ans Herz gelegt, hier unbedingt das kleine Museum in den grünen Häuschen zu besuchen.

Wir machen Florecita am Steg fest und oben am Hang erhebt sich Billy aus seinem Gartenstuhl und kommt langsam zu uns herunter. William “Billy” Proctor ist 87 Jahre alt. Fast ebenso lange hat er am Strand Fundstücke aufgesammelt und zusammengetragen, Muscheln ebenso wie Gebrauchsgegenstände der Ureinwohner, kleine und medizinballgroße Netzbojen aus Glas, die vom fernen Japan herüber getrieben sind, Flaschen aller Art, Otter-, Wolfs- und Bärenfallen, schön säuberlich handbeschriftet, Angelköder allenthalben, ergänzt mit Haushaltsgegenständen und Werkzeugen, wie sie hier in Gebrauch waren zu einem Einblick in die Zeitgeschichte.

Die eigentliche Attraktion des Museums aber ist Billy selbst. Still, fast schüchtern, weiß er doch (auf unsere Frage) zu jedem Ausstellungsstück eine kleine Geschichte zu erzählen. Die Fallen etwa hat er selbst benutzt, er erklärt uns, in welchen Wintermonaten man die besten Felle erhält und zeigt uns die Werkzeuge, mit denen die Pelze weiter bearbeitet wurden. Erzählt, das über den Fallen ein Werkzeug zum Öffnen in die Bäume gehängt wurde, für den Fall, dass versehentlich ein Mensch hinein trat.

Ungefähr ein Eintrag pro Tag findet sich im Gästebuch. Billy nimmt sich Zeit, wir auch.

😊

Zurück auf Flora sind wir zwar noch immer das einzige Boot am Ankerplatz und sehen auch keinen anderen Menschen, dafür haben es sich aber Robben auf den Holzstämmen vor einer Hütte am Ufer bequem gemacht. Knapp 30 von ihnen zählen wir in der kleinen Bucht.

Wenn sich die Tiere hier so wohl fühlen, sollte dann auch …

Ja, unser Krebskorb ist endlich mal wieder gefüllt. Die beiden Weibchen gehen gleich zurück ins Wasser, aber das große Männchen sorgt für ein Festmahl auf Flora.

Am nächsten Morgen motoren wir bei sich lichtendem Nebel weiter durch den Tribune Channel in die Kwatsi Bay.

Der Törnführer verspricht spektakulär steile Hänge rund um die Bucht und damit hat er recht. Nicht aber mit der erwähnten Marina, der wir wegen des schlechten und steil ansteigenden Ankergrunds eigentlich den Vorzug geben wollten. Die Anlage ist verlassen, die Landverbindung des Schwimmsteg versunken.

Der vordere Teil des Steges allerdings ist noch nutzbar, wir machen für die Nacht fest und erkunden die Umgebung. Die steilen Felsen am Ufer zeigen mit ihrem Farbenspiel, dass hier wohl Eisen und Schwefel am Werk sind. Ein Fender hängt ein Stück entfernt in einem Baum. Als wir mit dem Dinghy dort anlanden, entpuppt er sich als der erhoffte Wegweiser für einen kurzen Trail hinauf zum Wasserfall im Wald. Mangels Regen (!) nur ein Schatten seiner sonstigen Fülle, aber trotzdem ein schöner Anblick und so können wir ein bisschen im Bachbett herumklettern.

Kurz vor dem Dunkelwerden tuckert dann doch noch ein zweites Boot in die Bucht, George und Ben aus Washington (State), wie Tereza und Jakub mit einer Hans Christian 38 unterwegs. Wir haben zusammen einen schönen Abend auf der Flora und werden am nächsten Morgen zu Pancakes auf die “Island Time” eingeladen.

Wie üblich, danach hat sich der Nebel gelichtet, es kann weitergehen. Strategisch günstig nah am Eingang des etwas kniffligen Chatham Channel gelegen, haben wir uns als Tagesziel die Lagoon Cove Marina ausgesucht (wieder eine Empfehlung von Michelle). Marina ist dabei vielleicht etwas irreführend: ein Schwimmsteg mit zwei Querstegen, von denen einer das Fueldock ist. Familiengeführt und liebevoll ausgestattet. Wir sind die einzigen Gäste und es ist ziemlich günstig: jetzt in Nachsaison 45 kanadische Dollar, umgerechnet gut 33 Euro pro Nacht. Mit perfektem leistungsstarken WiFi über Starlink, mit dem wir endlich einige benötigte Updates laden können. Und mal wieder einen Blogbeitrag posten 😉.