Kettenkasten

Die Vorbereitung geht weiter, vielmehr: sie läuft auf Hochtouren.

Flora ist heute morgen verholt worden, sie wird für eine Woche an Land gestellt. Mihalis und Argiris kümmern sich um ihr Unterwasserschiff: an zwei Stellen wird das Coppercoat ausgebessert, mit dem wir ansonsten bisher sehr zufrieden sind. Opferanoden tauschen, Leinenschneider an der Welle anbringen, Ruderlager schmieren, so etwas. Die beiden werden dann auch noch Rumpf und Deck polieren, allerdings erst nachdem Peter zwischendurch noch ein paar Holz- und Schleifarbeiten erledigt hat, um das Teakdeck wieder in Topzustand zu bringen.

Am kommenden Wochenende wollen wir das erste (und einzige) Mal mit dem Auto nach Griechenland fahren, um alles, was noch auf die Flora soll, tatsächlich auch dahin zu bekommen. Unser Gästezimmer ist ziemlich vollgepackt mit Sachen, die wir am Donnerstag ins Auto verfrachten wollen, wir sind gespannt ob es passt.

Unter anderem ist der neue Anker bei uns eingetroffen, ein 30 kg Spade-Anker. So sah das Paket aus:

Ausgepackt ist der Anker nicht mehr ganz so monströs, aber immer noch ziemlich groß:

Und Freitag kam dann auch die neue Wälder Ankerkette. Leider können wir wegen der von uns angestrebten warmen Reviere keine normale Niro-Ankerkette verwenden. Selbst V4A-Niroketten neigen bei Wassertemperaturen über 26 Grad zu Lochfraß, was dann zum unerwarteten Bruch der Ankerkette führen könnte. Andererseits möchten wir eine Edelstahl-Ankerkette, weil sich diese glatte Kette besser in den Ankerkasten staut und weniger „Haufen“ bildet, die bei unserer 100 m langen Ankerkette sonst die Ankerwinsch blockieren könnten. Für uns kam deswegen nur die Wälder Cromox Duplex Ankerkette (Material 1.4462) in Betracht, die für Wassertemperaturen bis 34,5 Grad geeignet ist.

Den Anker haben wir übrigens nur deshalb ebenfalls in Edelstahl genommen, weil in der Spitze des Spade-Ankers Blei eingegossen ist. Bei einem verzinkten Anker müsste das Blei zum Nachgalvanisieren jeweils ausgeschmolzene und wieder eingegossen werden.

Zum Glück haben für die 100 m lange Ankerkette einen vorübergehenden Kettenkasten unter unserem Kofferraum gefunden:

Jetzt haben wir die Hoffnung, dass wir auch die restliche Ausrüstung noch mitbekommen. ☺️

Gürtel und Hosenträger für MOB?

Eine der schlimmsten Vorstellungen hinsichtlich einer Langfahrt ist, dass auf hoher See ein Crewmitglied über Bord gehen könnte. Nicht ohne Grund ist „Eine Hand fürs Schiff!“ oberster Grundsatz.

Die praktische Erfahrung beim Safety-at-sea-Kurs in Elsfleth im letzten Jahr hat uns noch einmal deutlicher gemacht, wie schwierig es insbesondere bei Wellengang sein dürfte, eine über Bord gegangene Person wieder an Deck zu bekommen. Die allererste Prämisse muss also sein, das Überbordfallen zu verhindern. Strecktaue und feste Punkte zum Einpicken der Sicherheitsleine sind bei uns an Bord vorhanden.

Allerdings – das ständige Tragen von Rettungswesten und darin eingepickten Lifebelts halten wir nicht für realistisch. Schaut man sich die Fotos oder Videos von Seglern auf Langfahrt an, tragen nur die Allerwenigsten IMMER eine Rettungsweste. Blöderweise besteht das Risiko, über Bord zu fallen aber nicht nur bei Schwerwetter oder jedenfalls starkem Wind.

Zwar wäre es bei weniger schwerem Wetter im Prinzip einfacher, jemanden wieder an Bord zu bekommen, allerdings kommen bei unserer kleinen Crew auch bei eigentlich gutem Wetter ein paar weitere Schwierigkeiten dazu.

Zunächst mal bewegt sich das Boot ja, schwimmend kommt man da nicht hinterher. Also muss das Boot stoppen. Dafür muss erst mal jemand anderes mitbekommen, dass ein Crewmitglied fehlt. Bei kleiner Crew ist das nicht selbstverständlich. Nachts darf selbst eingepickt niemand das geschützte Cockpit verlassen, wenn nicht mindestens ein anderer ebenfalls im Cockpit ist. O.k., aber tagsüber?

Eine mögliche Lösung könnte in diesen kleinen, einer Armbanduhr ähnlichen „OLAS“-Sendern liegen.

Die mit rund 50 Euro pro Stück vergleichsweise eher günstigen OLAS-Armbänder (SmartTags) sind über Bluetooth mit einer App auf Handy und/oder iPad verbunden. Sie zu tragen stellt auch bei heißem ruhigen Wetter praktisch keine Einschränkung der Bequemlichkeit dar. Fällt der Träger eines solchen SmartTags über Bord, unterbricht die Bluetooth-Verbindung, die App löst dann optisch und akustisch Alarm aus. Außerdem zeigt die App den Ort (die GPS-Position) der Unterbrechung an und auch die Richtung, in der dieser Ort von dem sich inzwischen ja fortbewegenden Schiff aus liegt.

Die optimale Lösung?

Na ja, bei genauerer Betrachtung gibt es da doch einige Bedenken. Die kleinen SmartTags brauchen natürlich Batterien. Leider sind sie nicht mit (etwa per USB) wiederaufladbaren Akkus bestückt. Allerdings kann man die Knopfzellen-Batterien gut selbst wechseln und die Laufzeit soll zwischen einem und vier Monaten liegen, was wir allerdings noch nicht getestet haben. Etwas schwerer wiegt da schon, dass das Device, auf dem die App läuft, logischerweise nicht mit über Bord gehen darf. Auch hier sehen wir aber ein eher kleines Problem, da man die App parallel auf mehreren Geräten laufen lassen kann und die SmartTags dann auch auf allen Geräten angemeldet sein können. Allerdings: wie wir im praktischen Versuch schon zu Hause ausprobiert haben, muss die App geöffnet sein, sie läuft bei uns nicht auf dem ausgeschaltetem iPad im Hintergrund. Das ist eine suboptimale und stromfressende Geschichte. Eine weitere und die im Ernstfall wohl entscheidende Einschränkung ergibt sich aus der Bluetooth-Struktur. Die geringe Reichweite von irgendwo zwischen 10 und maximal 100 Metern wird ja genutzt, um über die Unterbrechung das Alarmsignal auszulösen. Danach ist aber eben gerade keine Verbindung mehr vorhanden, d.h. man weiß zwar in etwa, wo jemand über Bord gefallen ist, aber nicht, wohin er jetzt getrieben ist. Wenn man die über Bord gefallene Person bei etwas Wellengang nicht mehr erkennen kann, liegt darin ein großes Manko. Damit ist für uns klar: Die SmartTags helfen im MOB-Fall bei der Alarmierung (was gerade bei kleiner Crew nicht unterschätzt werden sollte). Bedenkt man aber, dass der Rest der (kleinen) Crew vielleicht gerade schläft oder unter Deck beschäftigt ist, vergeht bis zum Stoppen oder gar Umdrehen des fahrenden Bootes sicher einige wertvolle Zeit, nach der man die über Bord gegangene Person vielleicht nicht mehr so leicht wiederfindet. Zur Hilfe bei der Suche bieten die SmartTags aber nur eine sehr grobe Orientierung.

In unseren Rettungswesten haben wir ja automatisch auslösende AIS-Sender ( https://florasailing.wordpress.com/2019/01/11/armed/ ), aber wie eingangs geschrieben nützt das eben nur, wenn die Rettungsweste auch tatsächlich getragen wird.

Auf der Boot haben wir deshalb kleine zusätzliche AIS-Sender von Simy gekauft. Die sind mit ca. 200 Euro pro Stück zwar nicht ganz billig, aber sehr kompakt, sie können leicht etwa in der Tasche der Shorts getragen werden. Man muss sie allerdings manuell auslösen.

Wenn so ein AIS-Sender ausgelöst wird, egal ob automatisch oder manuell, schlägt der Plotter (sofern er eingeschaltet ist!) akustisch Alarm und zeigt zugleich die Position des AIS, also des über Bord gegangenen, laufend mit einem besonderen Symbol auf dem Bildschirm an. Sind andere Schiffe mit AIS-Empfänger in der Nähe, bekommen auch sie den Alarm und die Anzeige.

Anders als bei den in unseren Rettungswesten montierten MOB1 von Ocean Signal kann keine MMSI in die kleinen Simy My-AIS programmiert werden, sie lösen also nicht zusätzlich einen Alarm auf der eigenen UKW-Funke (sofern auf Langfahrt überhaupt eingeschaltet) aus.

Verglichen mit den SmartTags vereinfacht sich aber das Wiederfinden einer über Bord gegangenen Person erheblich, weil deren Position trotz der niedrigen Antennenhöhe des Senders im Wasser jedenfalls in einer Entfernung von mindestens zwei Meilen punktgenau auf dem Plotter ersichtlich sein sollte.

Gürtel und Hosenträger? Jedenfalls verschieden Optionen für zusätzliche Sicherheit.

Am besten aber natürlich gar nicht erst über Bord fallen!

Vorbereitungsstapel

Noch dreieinhalb Monate. Wir haben natürlich schon lange mit der Vorbereitung auch unserer Wohnung angefangen. Drei mal haben wir das Auto vollgepackt und sind zum „Kramladen“ unserer Kirchengemeinde gefahren.

Am Samstag dann war der Recylinghof dran, den Keller jedenfalls etwas leerer machen.

Heute haben wir uns um unsere Bücher gekümmert:

Auf dem Bild ist nur der Rest zu sehen, da haben wir schon die ersten drei Kartons mit Büchern gefüllt und in den Flur verfrachtet. Allein die „nautische Ecke“ bringt schon so einiges auf die Waage:

Hm. Nicht so einfach. Aber muss ja 😊

Ägypten

Wir sind zurück aus Ägypten, zurück aus der Wüstenwelt über Wasser und der Paradieswelt darunter, die sich schon vom Steg aus erahnen lässt.

Für uns war es das erste Mal Tauchen im Roten Meer. Viele hatten uns davon vorgeschwärmt und wir wurden nicht enttäuscht. Zugegeben: Vom Land selbst haben wir nicht viel gesehen, vom Flughafen Hurghada ging es durch die Wüste (und mehrere Fahrzeugkontrollen) direkt zu unserem Hotel, bzw. dem Komplex aus mehreren Hotels, der wiederum durch Security abgeschirmt war. Trotz der relativen Nähe zu Luxor haben wir in der Woche den Komplex nicht verlassen. Das ist zwar einerseits schade, hat uns aber andererseits eben eine sehr entspannte und entspannende Woche beschert.

Und nicht nur im Hotel ging es relaxed zu, auch die angeschlossene SSI-Tauchbasis, die in der Hochsaison mit bis zu 300 Tauchern pro Tag umgehen kann, war angesichts der geringen Auslastung mit nur 25 Tauchern nicht offensichtlich frustriert, sondern superfreundlich und serviceorientiert.

Und so konnten wir unsere Kenntnisse im Tieftauchen auffrischen, uns an das Strömungstauchen herantasten (ich auch ans Nachttauchen) und ansonsten einfach die wunderschöne Unterwasserwelt genießen.

Schön war’s. Und jetzt sind wir wieder im kalten Hamburg, dass uns aber aber heute erstmal weiter mit Sonne verwöhnt. Auch nicht schlecht.

Tauchen

Da wir ja auch unser Tauchequipment (allerdings noch ohne Kompressor) auf Flora dabei haben, sollten wir möglichst auch einigermaßen fit sein, bisher haben wir aber erst knapp 40 Tauchgänge im Logbuch.

Insofern haben wir noch einmal einen Tauchurlaub eingelegt, Soma Bay in Ägypten. Für uns das erste Mal Tauchen im Roten Meer. Und es ist wunderschön hier. Allerdings macht unser Hotel, das „Breakers“, seinem Namen heute Ehre. Über dem vorgelagerten Riff steht heute im Norden eine ordentliche Welle.

Sieht eigentlich gar nicht so wild aus. Aber an den Palmen im Vordergrund erkennt man schon, dass ziemlich viel Wind ist. Leider bedeutet das Auslaufverbot für die Tauchboote und damit fallen auch unsere für heute geplanten Strömungstauchgänge aus. Aber am Hausriff darf getaucht werden, und so haben wir zwei weitere tolle Dives hier vor Ort.

Ja, ich weiß, eine vernünftige Tauchlampe würde viiiiel bessere Farbwiedergabe bringen; steht weit obenauf der Liste. Den blaugepunkteten Rochen stelle ich hier gar nicht rein, dabei sah der soooo klasse aus. Aber im Kopfspeicher ist er drin 😉

Und hinterher chillen (Deko-Bier) an der Strandbar. Ist super entspannt hier.

ARMED

Das automatische Schiffserkennungssignal (Automatic Identification Signal), kurz „AIS“ empfinde ich als einen wesentlichen Sicherheitsfortschritt. Es ist einfach klasse, damit ausgerüstete Schiffe auf dem Plotter nicht nur identifizieren zu können, sondern auch leicht ablesen zu können, wie nahe sie einem wann kommen werden. Gerade beim Queren einer Schifffahrtsstraße mit dicken Pötten oder beim Heranrauschen von Fähren ist uns das eine große Hilfe. Aber auch umgekehrt können andere die Flora, ihren Kurs und ihre Geschwindigkeit auf Ihrem Plotter sehen, so dass auch unsere passive Sicherheit steigt. Um diesen Aspekt noch weiter zu verbessern, haben wir in unseren Rettungswesten zusätzlich kleine und leichte AIS Notsender mit DSC-Funktion eingesetzt. Diese auch POB (Person over Bord Beacon) genannten kleinen Wunderteile sollen das Auffinden und damit die Rettung von über Bord gefallenen Personen maßgeblich verbessern bzw. in der Nähe befindliche Schiffe überhaupt erst auf einen solchen Seenotfall aufmerksam machen. Wir haben uns dabei schon vor einiger Zeit, nämlich 2016 vor meiner Silverrudder-Teilnahme, für MOB1 der Firma Ocean Signal entschieden. Sie sind nur 92 Gramm leicht, mit einem GPS Empfänger ausgestattet und lösen beim Aufblasen der Rettungsweste automatisch aus, können aber auch manuell ausgelöst werden. Nach einer Aktivierung wird dann 24 Stunden lang gesendet, der MOB1 sendet das Notsignal an alle AIS Empfänger in Reichweite, auf deren Plotter erscheint dann ein „Mensch über Bord“-Signal.

So weit, so gut (auch wenn es hoffentlich nie zum Einsatz kommen muss). 

Durch einen Artikel auf http://www.morganscloud.com wurde ich im November 2018 darauf aufmerksam, dass genau die von uns gekauften MOB1 allerdings ein Problem mit der automatischen Auslösung haben könnten. Im Wesentlichen beruht dies darauf, dass der magnetische Auslösemechanismus durch ein schnelles Aufblasen der Rettungsweste und das dadurch erfolgte Wegreißen des Sicherungsschiebers erfolgen muss. Verschiebt sich der Sicherungsschieber langsam, wird nicht ausgelöst. Durch das Tragen der Rettungsweste kann sich der Sicherungsschieber aber langsam verschieben, wenn nicht ein besonderer durchsichtiger Plastikclip eingesetzt wird. Dieser Plastikclip war aber unseren früh gekauften MOB1 wohl nicht beigelegt und jedenfalls auch in der Anleitung nicht erwähnt. Also nachgeschaut und tatsächlich: Der Clip fehlt bei unseren MOB1.

Da ich die bei AWN gekauft hatte, habe ich mich an AWN in Hamburg gewendet. Das Problem war dort unbekannt, aber nach Zusendung eines Fotos haben sich die Mitarbeiter dort beim Hersteller darum gekümmert und: letzte Woche bekam ich eine Mail von AWN, ich könne die beiden Clips in der AWN-Filiale abholen, kostenlos. Habe ich gemacht, jetzt müssen sie nur noch zu unseren Rettungswesten auf die Flora nach Griechenland und dort eingebaut werden.

Falls Ihr auch solche MOB1 habt, schaut doch mal nach, ob bei Euch die durchsichtigen „ARMED“-Clips vorhanden sind.

Ein bisschen Büro…

…kratie ist zur Vorbereitung auch notwendig. Ein Blick in unsere Ausweispapiere zeigt: ganz lange sind die nicht mehr gültig, da müssen wir vor der Abreise noch was tun.

Bei den Personalausweisen ist es einfach. Die sind neu zu beantragen, Wahlrechte gibts nur hinsichtlich der Frage, ob die Fingerabdrücke gespeichert werden sollen und ob die Online-Ausweisfunktion gleich freigeschaltet werden soll. Gebühr pro Perso in jedem Fall 28,80 €.

Ein bisschen aufwendiger ist die Entscheidung bei den Reisepässen. Auch die können nicht mehr verlängert werden sondern sind komplett neu auszustellen, (elektronisch gespeicherte) Fingerabdrücke sind immer drin. Es gibt sie in normaler Ausführung (60,00 € pro Stück) mit 32 Seiten oder gegen Aufpreis von 22,00 € mit 48 Seiten. Wie der Personalausweis sind sie 10 Jahre gültig. Wir wollen ja viele Länder bereisen, also nehmen wir mal sicherheitshalber die XL-Version. Und dann wäre noch zu entscheiden, ob man voraussichtliche vier bis sechs Wochen warten möchte, bis man das gute Stück in den Händen hält. Eigentlich wäre das wohl kein Problem für uns, aber wir entscheiden uns trotzdem für eine Express-Beantragung, die uns die Pässe schon am nächsten Montag bescheren soll (kostet pro Pass 32,00 € extra). Der Grund hierfür liegt in dem Government Shutdown der USA und der politischen Konstellation dort, die wohl kurzfristige Aufhebungen und aber auch weitere Shutdowns nicht unwahrscheinlich erscheinen lässt. Und in eine derartige Lücke sollten wir dann mit unserem neuen Reisepass hineinstoßen, um vorsorglich Visa für die USA zu beantragen (die normalen ESTA-Visa reichen für die Einreise mit eigenem Boot nicht).

Noch ein weiterer Punkt betrifft die Reisepässe: wir beantragen jeweils einen zweiten Reisepass. Das gibt uns unterwegs als Backup größere Sicherheit, zudem haben wir dann auch noch Pässe, wenn wir zur Visabeantragung die Pässe bei einer Botschaft oder sonst etwa bei einer Behörde im Hafen abgeben müssen. Außerdem gibt es Länder, die die Einreise verweigern, wenn ein Stempel eines bestimmten anderen Landes bereits im Pass ist (etwa Arabische Länder / Israel). Dieser jeweilige zweite Reisepass ist zwar nur sechs Jahre gültig, kostet aber ebenso jeweils 60,00 €. Interessant ist, dass wir hierfür ein weiteres Mal unsere Fingerabdrücke abnehmen lassen müssen, das (biometrische) Passfoto aber übernommen werden kann.

Alles in allem hat die ganze Prozedur der Beantragung eine knappe Stunde gedauert, wobei der sehr freundliche Mitarbeiter des Hamburger Bezirksamtes nicht getrödelt hat. Gut war auch, dass die Online-Terminvereinbarung wunderbar und kurzfristig geklappt hat, wir auch pünktlich drankamen und man zudem in Hamburg freie Auswahl zwischen den Bezirksämtern hat und nicht das eigentlich räumlich zuständige aber mit langer Warteliste operierende Amt nehmen muss.

Finanziell summiert sich das Ganze aber dann doch ziemlich auf: 405,60 € haben wir heute dagelassen 😳.

Und weiter geht‘s mit unserer Vorbereitung

Zunächst mal stand ein wenig Drachenkunde auf dem Programm:

Am Wochenende Anfang Oktober 2018 durften wir in aller Frühe den Morgennebel an der A7 genießen, denn wir haben an einem zweitägigen Kursus im Schulungszentrum von Volvo Penta in Kiel teilgenommen. Veranstaltet von der Kreuzer Abteilung ging es uns im Wesentlichen um eine Annäherung an die große unbekannte lindwurmfarbige Drachenfigur, die rumpelnd und fauchend in der Kellerhöhle der Flora wohnt.

In Kiel hatte er einen deutlich geräumigeren Hort 😉:

Neben Motortheorie, „Troubleshooting“ und notwendigen Ersatzteilen und Werkzeugen standen auch erweiterte Wartungsarbeiten auf dem Plan, bis hin zur OP am offenen Drachenherzen mit Wechsel der Einspritzdüsen, der Zylinderkopfdichtung und Einstellen des Ventilspiels.

Wir hoffen zwar, dass wir letzteres auf der Flora nicht so schnell zur Anwendung bringen müssen. Trotzdem hat uns der Kurs einiges gebracht und wohl auch ein wenig die Berührungsangst vor dem grünen Fabeltier gemindert. Und Spaß hat es auch gemacht.

Mitte Dezember haben wir dann einen „Nähkurs“ belegt:

Den zweitägigen Kurs der Kreuzer Abteilung mit dem leicht abweichenden Titel „Medizin an Bord“ haben wir an diesem Wochenende hier in Hamburg im Krankenhaus Groß Sand Wilhelmsburg absolviert.

Schon zur Begrüßung lagen reichlich Schweinshaxen auf dem Tisch. An denen durften wir erst das Setzen einer Lidocain-Betäubungsspritze üben und dann …

… genau, das Nähen eben.

Sieht noch schlimm aus, aber es wurde tatsächlich mit jedem Stich besser. Danach dann klammern und zum Abschluss dieser Lektion: kleben. Mit Sekundenkleber. Funktioniert tatsächlich erstaunlich gut.

Alles in allem fällt unser Resümee für den Kurs etwas gemischt aus: die praktischen Teile (auch das Legen eines Zugangs in die Armvene, den Wiebke heute an mir ausprobieren durfte) fanden wir überwiegend gut. Bei den theoretischen Teilen war es didaktisch dann doch manchmal etwas konfus. Aber einige gute Anregungen haben wir auch da mitgenommen, sowohl für etwaige Erstversorgung und die noch zu beschaffende Ausrüstung als auch für das weitere Vorgehen, etwa bei den Impfungen.

Und nebenbei auch nette Kontakte zu anderen Seglern geknüpft, die auch im nächsten Jahr los wollen.

Die ziemlich umfangreiche Ausstattung unserer Flora war ein wichtiges Kaufkriterium, als wir sie 2017 übernommen haben. Dies insbesondere, weil unser Vorbesitzer in den Jahren 2015-2017 für eine geplante Atlantiküberquerung z.B. noch Watermaker, Generator, AirCon, Davits und großes Dinghy mit 20 PS Außenborder nachgerüstet hatte.

Übernommen habe wir die Flora wie aus der nachstehenden englischen Liste unseres Vorbesitzers ersichtlich:

• Seldén el. Furlinmast.40 EST electric main sheet/outhaul winch
• Extra bow-roller Stainless strips at rubbing strake and cleats
• Two fittings for lifebelt in the cockpit, folding
• Furuno MFD12,incl.,Vectorchar.,Europe/ Africa
• 15″ LCD display at navigation table, USB mouse, NavNet 3D
• Furuno 2,2kW 3D Radar radome – & GPS- antenna
• Gimballed radar mounting on backstay, for 2 kW Radome
• Autopilot Furuno NAVpilot-700 / Furuno drive unit
• Insulated backstay with cable to nav. table
• Stereo loudspeakers in cockpit
• Stereo/CD Clarion with 2 hidden speakers
• 230V shore conn., isolator. circ. breaker, shore cable,4 outlets
• Additional Batteries, Flat Plate, 12V 240 Ah
• Combi Mastervolt 12/2500-100A (230V), Masterview
• Shower at bathing platform
• Deck wash pump, Flojet 13 l./min
• Topop. deep freezer, thermostat for fridge and freezer
• Two electrical toilet, 12V. Salt water flush
• Gori overdrive propeller, three bladed, fixed as a spare
• Bow thruster, 8 hp Centaflex flexible coupling, for Volvo D2-75
• Fixed anchor winch remote control at steering stand
• Lewmar 55EST el.ectric genoa sheet winches
• Washing machine Candy, 230V/50Hz
• Aqua Signal LED Tricolor toplight with anchor light
• Working jib
• Furling main, EMS MAX, EPEX
• Genoa 135%, 57 sq. m, EPEX, E-Flex
• Furling gennacker, incl. equip. and removable bowsprit
• Cover cockpit table/wheel/compass (without plotter)
• Hydraulic backstay tensioner, Holmatro
• Bimini, stainless frames, closeable window
• Gas alarm
• Smoke alarm in engine room
• UFO marine TV/FM-antenna
• Samsung TV on bulkhead
• VHF-antenna with cable to navigation table
• VHF Furuno FM-4721H, DSC class D
• Manual anchor system on stern incl. 20 Kg stainless anchor
• Delta anchor in stainless steel (25 kg)
• Two teak pushpit seats
• Teak outboard bracket on pushpit
• Extension to sprayhood
• DVD connected to TV
• Simson Davits Serie 8 Electrical (175kg)
• Water Maker: ECHOTec 50 l /hr
• Generator: Whisper 6 KWA 3000rpm
• Two Air conditioners: Clima Comp 12 000 BTU
• NEW Dinghy Zodiac 3.40m with a Honda outboarder – 20 hp
• Micro wave oven Electrolux EMM 1260, 230V
• Raymarine AIS650 transceiver
• Whole boat cover tent
• Dinghy cover
• Zodiac life-raft: 6 prs. Ocean
• Carbon Fiber gangway

Technische Daten

Flora ist eine Hallberg-Rassy 43 MK II, Baunummer 184. Baujahr ist 2011, das erste Mal zu Wasser ging sie in 2012.

Länge : 13,57 m
Breite: 4,08 m
Tiefgang: 2,00 m
Verdrängung (leer): 12,7 to, davon im großflächig angeflanschten Bleikiel unter der tiefen Bilge 4,5 to
Masthöhe über Wasser (ohne Windex) 20,2 m
Motor Volvo Penta D2-75 mit 55 kw (75 PS)

Die ordentlichen Tankkapazitäten (Diesel 395 l, Wasser 650 l) und ihre Gesamtausrichtung ( z.B. mit dem Mittelcockpit, den nur minimal gepfeilten Salingen und der schon werkseitigen 70 m Ankerkette) zeigen schon, dass sie als Seeschiff konzipiert wurde, mit dem man gerne auch lange Blauwasserfahrten angehen kann. Aus unserer Sicht wichtigste Veränderung unserer MK II – Version gegenüber der HR 43 MK I ist das 9/10 Rigg (MK I: Topprigg). Das vereinfacht den Einsatz eines Rollgennakers am Bugspriet oder auch eines eventuellen Code Zero.

Überhaupt, die Segel:

Großsegel Rollgroß: 52,7 qm
Genua 135 %: 57,0 qm
Fock 110 %: 43,5 qm
Rollgennaker Furlstöm: 144 qm
Code0: 80 qm

Unter Deck ist die Flora so aufgeteilt:

Obwohl ja gebraucht gekauft, hätten wir die Flora fast ganz genauso eingerichtet, mit einer kleinen Ausnahme: Die „runde Ecke“ im L-förmigen Salonsofa hätten wir heraus konfiguriert. Die hochklappbare Rückenlehne hätte dann eine großzügigere Liegefläche ermöglicht, was sich insbesondere als Seekoje positiv bemerkbar machen würde. Außerdem kann man dann besser in der Ecke, die Füße auf dem Sofa, herumlömern und bei Nichtgebrauch findet sich dann hinter der Sofalehne ein herrlich großes, ununterteiltes Staufach. 😉