Aitutaki, einfach anders.

Hier auf Aitutaki geht es gemächlich zu. Selbst der Himmel scheint irgendwie uns zu gehören 😉.

Aber es gilt ja: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Also wird der Salon unserer Flora kurzerhand in ein Studio für das (wegen der Zeitverschiebung) nächtliche Bewerbungsgespräch unseres Patenkindes eingerichtet.

Für mich gibt’s am nächsten Morgen erst einmal Arbeit auf dem Nachbarboot. Der französischen „Arantelle“ ist auf der Passage das Spi-Fall gebrochen und sie sind leider von Höhenangst geplagt. Ich lasse mich in den Mast ihrer Amel ziehen. Zwar ist das Ende des Falls komplett im Mast verschwunden und lässt sich nicht oben herausziehen, aber von oben neu eingefädelt, kann es am Mastfuß herausgefischt werden. Mission erfolgreich.

Jetzt, wo das Klettergeschirr schon mal herausgesucht ist, können wir gleich auch auf unserem Boot noch einmal das Rigg überprüfen. Elisa möchte gerne hoch, also übernimmt sie diese Aufgabe.

Von oben sieht man besonders gut das Zickzack-Gewirr von Heckleinen, die von den geankerten Booten quer über die Pier zu den Felsen auf der Lagunenseite laufen.

Für den Landgang hangeln wir uns im Dinghy an den Leinen hinüber und machen mit Rollern eine weitere Tour über die Insel.

Die sanft gewellte Landschaft bietet immer wieder tolle Ausblicke auf die Lagune und …

… Moment, Ziegen sehen wir häufiger, aber steht da gerade eine Kuh in der Wiese?

Ja, tatsächlich. Schwarzbunte unter Palmen. Aitutaki ist einfach anders.

Gemüsefeld

Wie schon in Französisch Polynesien finden sich auch hier oftmals Gräber auf Privatgrundstücken am Straßenrand, allerdings sind diese auf Aitutaki häufig sehr aufwändig gestaltet. Zum Beispiel überdacht, als Pavillon gestaltet, …

… oder mit einem Hain von Betelnusspalmen umgeben:

Fruchtstand der Betelnuss-Palme

Nebenbei klappern wir auf unserer Tour auch die verschiedenen Supermärkte der Insel ab. Bei Baxter in der Inselmitte finden wir nicht nur ein neues Gaff als Ersatz für den Abgang beim Anbordbringen des letzten Mahi Mahi. Es gibt auch wieder einen (für Elisa) neuen Exoten: wir ergattern einige Drachenfrüchte.

Die schmecken schon pur super 🤩 , und Elisa inspirieren sie außerdem zu unserem Sundowner-Cocktail.

Am nöchsten Tag fahren wir mit dem Dinghy wieder raus ans Außenriff, wo wir an einer kleinen Boje festmachen können. Die Sicht ist dieses Mal besser als bei unserem letzten Versuch und entsprechend bekommen wir auch deutlich mehr von der Unterwasserwelt zu sehen. Endlich entdecken wir auch mehrere der großen Karettschildkröten, für die dieser Platz bekannt ist …

… staunen über die leuchtend blauen Seesterne …

… und können diverse gefleckte Adlerrochen beim Formationsflug durch die vom Riff in die Tiefe des Ozeans führenden Canyons beobachten:

Auch zurück an der Pier des Hafens zeigen sich spannende Tiere. Zwei Riffreiher haben sich auf der Mole niedergelassen. Abhängig von der Population zeigt sich diese Vogelart entweder überwiegend im Hellen oder im dunklen Federkleid (in Neuseeland zum Beispiel fast ausschließlich im dunklen). Hier auf den Cook Islands halten sich beide Farbvarianten ziemlich die Waage. Spannend auch, wie sehr aus dem geduckten Pirschgang heraus der Hals bei scheinbarer Bedrohung gereckt wird.

Überhaupt: die Pier des Hafens. An einem Anschlag sehen wir, dass hier heute ein Angelwettbewerb für die Grundschulklassen stattfindet. Ein Zelt ist auf der Mole aufgebaut und eng bestuhlt. Die Kids werden dort auf den Wettbewerb eingestimmt und schwärmen dann aus. Manche mit modernen Angelrouten und Rolle, andere mit Bambusstock und etwas Leine. Aber alle mit viel Einsatz und Begeisterung.

Und auch mit Angelerfolg:

Grundschule. Einfach mal anders.

Freudensprünge auf Moorea

Der erste Törn mit unserer neuen Crew führt uns von Tahiti hinüber nach Moorea. Es ist ein guter Start, schon in der Hafenausfahrt von Papeete spielt eine große Gruppe Delfine. Noch besser wird es an unserem neuen Ankerplatz in der Baie Nuarei im Osten von Moorea. Wir beobachten gleich mehrere Schulen von Spinner-Delfinen. Manchmal kommen sie ganz nahe an die ankernde Flora und sie scheinen ein kleines Willkommens-Spektakel zu veranstalten. Springen, drehen sich in der Luft, zeigen uns sogar Rückenschwimmen und Mutter-Kind-Schwimmen.

Das bleibt nicht die einzige beeindruckende tierische Begegnung in der Baie Nuarei. Das klare Wasser beschert uns an dem schützenden Außenriff einige der bisher besten Schnorchelgänge in den Gesellschaftsinseln, Elisa wird also von Anfang an verwöhnt. Wir suchen Nemo und tatsächlich tummeln sich diverse Clownfische in den Seeanemonen. Knallbunte Hartwicks Lippfische kommen ganz nah an uns heran. Und sogar gleich drei Seeschildkröten geben sich die Ehre. Völlig unaufgeregt scheinen sie sich im etwas tieferen Wasser auszuruhen. Nur die kleinste kommt zwischendurch zum Atmen an die Oberfläche, die beiden größeren chillen am Grund.

Aber Elisa will ja nicht nur “Urlauben”, sondern auch alles über das echte Leben auf einem Segelboot lernen. Also beziehen wir sie in die Törnplanung mit ein. Warum verlassen wir diese schöne Bucht schon so schnell wieder, verholen die Flora in die Cooks Bay auf der Nordseite von Moorea?

Die Windvorhersage ist nicht der Grund, das sieht für die nächsten Tage eigentlich sehr entspannt aus. Ganz anders allerdings die Wellen.

Wir gehen mit Elisa die verschiedenen Vorhersagen auf Windy.com durch. Weit im Süden schiebt sich ein kräftiges Tiefdrucksystem heran.

Südwestlich von unserem Standort führt das zu Sturm und Wellen bis zu 10 m Höhe. Der Wind wird uns zwar nicht erreichen. Die Wellen eines solchen weit entfernten Systems wandern aber weit über den Ozean und schwächen sich dabei nur langsam ab. Mit zwei bis drei Tagen Verspätung werden deshalb immerhin noch etwa vier Meter hohe Wellen bei uns erwartet. Aus südsüdwestlicher Richtung, wobei noch ein anderer alter Schwell aus Nordost dagegen laufen soll. Das Ganze bei Winden aus Südost, eine blöde Mischung.

Die Cooks Bay im Norden von Moorea bietet bei diesen Bedingungen sehr guten Schutz.

(www.noforeignland.com)

Nicht nur das. Sie ist darüber hinaus auch ein guter Ausgangsort für Wanderungen und Hikes auf Moorea …

… und die Cooks Bay ist einfach auch ein wunderschöner, für die Südsee ikonischer Ankerplatz:

Ausflug bei Coromuel-Wind

Es ist noch nicht der Aufbruch nach Französisch Polynesien, aber wir müssen doch mal wieder raus aus La Paz, raus aus der Stadt. Irgendwo hin, wo das Wasser klar ist. Dann kann der Wassermacher wieder laufen und den Tank füllen. Außerdem braucht das Unterwasserschiff nochmal Zuwendung: das Schaufelrad der Logge dreht sich nicht mehr, ein ziemlich sicheres Zeichen dass sich da doch schon wieder einiges angesetzt hat.

Allerdings sind für die nächste Nacht relativ kräftige Coromuel-Winde angesagt. Das ist ein lokales Wetterphänomen in der Bahía de la Paz, das sich immer wieder zwischen die um diese Jahreszeit eigentlich vorherrschenden Norder schiebt. Frische, zumeist nächtliche Winde aus westlichen Richtungen blasen dann über die Bucht vor La Paz. Sie lassen die Bedingungen an vielen Ankerplätzen ungemütlich werden, weil die Buchten zumeist eben nach Westen offen sind.

Wir entscheiden uns deswegen für die Bahía Bonanza an der Ostseite der Isla Espíritu Santo. Zwar hält sich der Wind nicht ganz an die Vorhersage und bläst in der Nacht aus Süd-Südwest, aber die große Bucht bietet trotzdem einen einigermaßen akzeptablen Schutz. Nach einer ersten intensiven Schrupp-Aktion am Unterwasserschiff machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang. Bonanza bietet nämlich nicht nur Schutz vor Coromuel, sondern wartet auch mit dem formidablen “2-Mile-Beach” auf. Ein wunderbarer Sandstrand, der sich eben über fast 4 Kilometer an der weiten Bucht entlangzieht. Jeanette und Jeroen ankern mit ihrer Fidelis neben uns und holen uns mit dem Dinghy ab.

Es ist allerbestes Beachcombing: die Füße werden vom feinen Sandstrand verwöhnt, aber an der Hochwasserlinie haben sich in einem breiten Streifen Muscheln, See-Schnecken und Korallenreste abgelagert und laden zur Schatzsuche ein:

Aber auch im Sand finden wir Interessantes. Etwa dieses Kugelfisch-Skelett. Auch wenn es optisch an ein Glücksschweinchen erinnert, hatte der Fisch wahrscheinlich eher Pech und wurde von Brandung auf den Strand gespült.

Ebenfalls bedrückend, aber auch das ist Natur: die Überreste einer Lederschildkröte, der heute größten Schildkrötenart. Diese Tiere nutzen diesen abgelegenen Strand während der Saison zwischen Oktober und Februar auch zur Eiablage. Wir sehen ein eingezäuntes Gelege. Von November bis März können die Kleinen schlüpfen.

Zwischendurch beobachten wir die Braunpelikane in der Brandungszone, mal scheinbar mühelos gerade so eben über dem Wasser dahingleitend (wo ihre Flügel durch den Bodeneffekt eine deutlich höhere Tragkraft entfalten), mal wie ein Pfeil hinabtauchend, dann wieder friedlich ausruhend.

Sie beeindrucken durch ihre fliegerische Eleganz, aber auch durch ihre schiere Größe. Rund zwei Meter Flügelspannweite, aber auch die Fußspuren am Strand neben meinen machen ihre Dimension deutlich:

Also wir wieder bei Fidelis’ Dinghy ankommen, sind inzwischen auch die Nomad und die Joy in der Bahía Bonanza vor Anker gegangen, wir freuen uns über das Wiedersehen.

Trotzdem segeln wir am nächsten Tag gemeinsam mit der Fidelis weiter, diesmal an der Ostseite der Isla Espíritu Santo hinauf und um die Nordspitze der Isla Partida herum.

Es ist faszinierend, wie die von West nach Ost ansteigenden Inseln hier fast senkrecht zum Teil mehrere hundert Meter hoch ins Meer abfallen.

Nachdem für heute kein Coromuel-Wind, dafür aber zunehmender Nordwind angekündigt ist, gehen die Flora und die Fidelis an der Westseite von Partida vor Anker. Diese Idee hatten offenbar auch andere, einige Boote sind schon da und weitere kommen noch dazu. Aber die Ensenada de la Partida bietet viel Platz und auch hier treffen wir Bekannte: Lynn und Hugh von der Happy kommen gleich vorbei und laden uns zum Cruiser-Treffen am Strand ein:

Friseursalon mit Ausblick und Schildkröten

Es ist mal wieder soweit. Der Klappstuhl wird aufs Achterdeck gestellt, die Werkzeuge bereitgelegt. Badeklamotten an, damit die nicht vom Wind weggewehten Schnipsel gleich abgespült werden können. Langfahrt führt halt dazu, dass auch ungeahnte (und ungelernte) Tätigkeiten an Bord übernommen werden. Und Wiebke macht das richtig gut. Ich muss zugeben, dass ich sie lieber zum Inselfriseur schicke 😉.

Und – na klar – danach gehts erst mal ins Wasser. Mit den Paddelboards fahren wir an das Riff und schnorcheln dort ausgiebig. Das Wasser ist nicht ganz so klar wie zuletzt am Molokini-Krater, aber die Sicht ist noch ganz gut und die Unterwasserlandschaft wunderschön. An der Kante unserer sandigen Ankerfläche springt das Riff ein, zwei Meter nach oben, bildet dann aber keine ebene Fläche, sonder ist von tiefen Spalten durchzogen, weist Blöcke, Brücken und kleine Höhlen auf. Und das alles in guter Schnorcheltiefe von rund 5 Metern, zum Ufer hin dann bis zur Oberfläche.

Klar, es gibt Rifffisch, vor allem aber sehen wir wunderbar viele Schildkröten.

Wie Delfine haben Meeresschildkröten (für uns) einen integrierten “Gute Laune – Lächeln” – Effekt. Und, wie die Amerikaner sagen: “it never gets old”. Sonnenuntergänge, Regenbögen, Wasserfälle, Delfine oder eben Schildkröten, immer wieder faszinierend.

Am Nachmittag dann ein schöner Spaziergang auf dem Kapalua-Coastal-Trail, vom Ankerplatz aus an der Küste entlang. Zum Teil schroffe felsige Abschnitte, dazwischen öffentlich zugängliche Sandstrände, sogar ein bisschen Dünenlandschaft.

Die Hotels in diesem Küstenabschnitt halten sich vornehm im Hintergrund. Zurück gehen wir durch den kleinen Ort, der im wesentlichen aus verschiedenen Ressorts besteht, die sich um den Golfplatz gruppieren.

Wir sind ja keine Golfer, aber … das geht wohl auch 😎.

Aloha.

Isabela. Seepferdchen und Teufelsrochen, tanzende Vögel und Pinguine unter Palmen und Haie, Haie, Haie und Vulkane

Die Landschaft und Tierwelt auf den Galápagosinseln begeistern uns immer wieder aufs Neue. Ein Bootsausflug nach Las Tuneles macht das deutlich.

Die Lavaströme, durch die ja letztendlich die gesamten Galápagosinseln geschaffen wurden, haben hier ein Labyrinth von Brücken, gewundenen Wasserwegen, Inseln und auch unter dem Wasserspiegel liegenden Höhlen und Durchgängen geformt.

Das Wetter ist ruhig, fast kein Wind. Aber schon am vorgelagerten Vogelfelsen wird klar: die langen Dünungswellen treffen mit viel Kraft auf die Lavasteine.

Unser Ausflugsboot wartet eine Welle ab und spurtet dann beherzt durch die schmale Einfahrt. Klappt gut und zwei Kurven weiter ist das Wasser so glatt, dass wir die uns unter der Oberfläche begleitende Schildkröte erkennen.

Der Blick zurück aber zeigt ein anderes, wilderes Bild:

Es ist faszinierend, wie eng der Kapitän das Boot an den scharfkantigen Felsen vorbei manövriert, tief hinein in das Gewirr.

Auf den Lavasteinen wachsen einige Kakteen, weiter innen auch ein wenig niedriges Gebüsch. Wir sehen zu meiner großen Freude einige Blaufußtölpel.

Deren Balz hat gerade begonnen und einen können wir sogar bei einem ersten Tanzansatz beobachten.

Die finster dreinschauenden Noddys (eine Seeschwalbenart) scheint das aber nicht zu beeindrucken.

Eine Ebene tiefer sehen wir im Wasser immer wieder Meeresschildkröten und dann Vögel …

… tatsächlich Brillenpinguine. Isabela wirbt damit, dass hier die einzigen Pinguine nördlich des Äquators brüten (im Norden der eben auf dieser Linie liegenden Insel).

Und so gibt es hier eben tatsächlich Pinguine unter Palmen. Selbst im Hafenbecken vor Puerto Villamil hatten wir sie schon beobachten können.

Dann mal rein ins Wasser, gleich zwei (grundverschiedene) Schnorchelgänge stehen auf dem Programm. Zunächst noch im relativ klaren Wasser etwas weiter draußen, wo wir einiges an tropischem Fisch, kapitale Lobster und kleine, gut getarnte Seepferdchen sehen.

Muss ja auf Isabela wohl auch 😁

Der zweite Schnorchelgang, im flacheren Wasser näher am Mangrovenufer ist von deutlich größeren Lebewesen geprägt. Unzählige Meeresschildkröten …

… außerdem junge Schwarzspitzenhaie

und eine Vielzahl von Weißspitzenhaien.

Wow. Schnorcheln wohlgemerkt, nicht Gerätetauchen.

Das ist dann zwei Tage später dran, ich habe einen Doppeltauchgang an der Isla Tortuga südlich von Isabella gebucht, während Wiebke eine 16-km-Wanderung auf den Vulkan Sierra Negra etwas nördlich von Puerto Villamil macht.

Was für Tauchgänge! Mit der Strömung lassen wir uns an der Nordostseite der wie ein Halbkreis geformten Isla Tortuga und um deren Südspitze herum treiben. Neben wiederum unfassbar vielen großen Meeresschildkröten gibt es reichlich Schwarmfisch, zum Beispiel die schon am Kicker Rock gesehenen Gelbschwanz-Doktorfische oder Barrakudas.

Aber die Glanzlichter dieser Tauchgänge setzen Großfische. Halten sich die Hammerhaie im ersten Tauchgang noch ein bisschen in dunstiger Distanz hinter den Weißspitzenhaien …

… schiebt sich dieser im zweiten Tauchgang mit einem Schwarm Stachelmakrelen doch deutlich näher heran.

Und auch ein Teufelsrochen, im ersten Tauchgang ebenfalls nur in der Ferne zu sehen, schwimmt mir dieses Mal direkt vor die Linse. Wir hatten auch schon vor 2 Tagen vom Tourboot aus welche gesehen.

Und Wiebke? Statt hinunter ins Wasser weit hinauf auf die Berge:

Die Wanderung zu den Vulkanen Sierra Negra und Chico ermöglicht den Blick über die Insel und zur Westküste. Wir (also Wiebke und zudem sind noch Holger und Gast Moritz von der Ultimate dabei) haben da Glück mit dem Wetter. Zunächst geht es durch kräftig grüne Landschaften am Rand des großen Vulkankraters entlang. Die Luft ist herrlich frisch auf 1000m Höhe. Gefüllt ist der Krater mit schwarzer erkalteter Lava.

Dann geht es an der Vulkanflanke über Lavageröll durch eine Mondlanschaft zum kleiner Vulkan Chico, der in der 60ziger und 70ziger Jahren ausgebrochen ist. 16 km und ein wunderschöner Hike.

Riesenschildkröten und Abschied von San Christobal

Über eine Woche sind wir inzwischen schon auf den Galápagosinseln, die Flora vor Anker in Puerto Bequerizo Moreno auf San Christobal. Zeit, mal die Insel zu wechseln, denn durch das “Autografo” dürfen wir ja vor insgesamt drei der bewohnten Inseln hier im Archipel ankern. Nächste Station soll Puerto Villamil auf der Insel Isabela sein, etwa 80 sm westlich von hier. Zu weit, um auf einem Tagestörn im Hellen anzukommen, also wollen wir heute Abend zu einer Nachtfahrt aufbrechen und sollten dann morgen Vormittag bei Tageslicht ankommen.

Auch für den Törn zwischen den Inseln müssen wir auschecken und uns ein (Galápagos internes) Zarpe besorgen, Agent Danny will das für heute Mittag organisieren.

Aber natürlich können wir nicht weitersegeln, ohne den Riesenschildkröten dieser Insel einen Besuch abzustatten. Die Tiere stehen ikonisch für die Galápagosinseln und tatsächlich gibt es 11 verschiedene Arten auf den verschiedenen Inseln, weitere drei ehemals hier lebende Riesenschildkröten-Spezies sind inzwischen ausgestorben. Die Art „Chathamensis“ hier auf San Christobal gehört dabei zu den Arten, die von ihrer Panzerform her wegen der Wölbung im Nackenbereich an einen Sattel erinnern und damit namensgebenden für die Inselgruppe waren. „Galápago“ wurden im spanischen bestimmte Wulstsättel für Pferde genannt.

Im unzugänglichen Norden der Insel leben die Tiere in freier Wildbahn, aber da dies ihr einziges Habitat war, wurden einige Tiere in ein Reservat im Südosten der Insel umgesiedelt, um eine zweite Population zu schaffen. Ein etwa 40 minütiger Rundgang führt durch einen Teil dieses Reservates. Die Aufzuchtstation wirkt dabei auf uns zunächst etwas traurig, denn die Gelege der Schildkröten werden ausgegraben, künstlich bebrütet und geschlüpfte Schildkröten dann zunächst in kleinen Gehegen gehalten.

Klar, das soll die Eier vor den von den Menschen eingeschleppten Nesträubern wie Ratten schützen, aber es ist eben auch ein ziemlich massiver Eingriff. Allerdings kann durch die Temperatursteuerung beim Ausbrüten der Eier eine einigermaßen ideale Verteilung von Männchen und Weibchen erreicht werden (viele Reptilien in freier Natur produzieren durch die Erderwärmung verstärkt Weibchen und immer weniger Männchen). Aber der Anblick der jungen Schildkröten im Gehege ist zunächst einmal halt nicht das, was man sich auf Galápagos erhofft.

Das wird auf dem weiteren Rundgang aber anders, denn die erwachsenen Riesenschildkröten können sich auf dem weitläufigen und wild bewachsenen Gelände frei bewegen.

Und was bedeutet eigentlich „Riesen“-Schildkröte? Die Landschildkröten auf Galápagos erreichen Panzerlängen von deutlich über einem Meter und werden bis knapp 300 kg schwer. Ein Grundschulkind könnte unschwer auf den abgebildetes Schildkröten reiten, aber da wir die geforderten zwei Meter Mindestabstand natürlich einhalten, kommen wir trotz kindlichem Gemüt nicht in Versuchung 😜.

Die Riesenschildkröten können sehr alt werden, wissenschaftlich belegt ist das für „Harriet“ im Zoo von Queensland, die jedenfalls vor 1850 geschlüpft ist und 2006 starb. Ihr schon im jungen Alter faltiges und mit dem Überbiss ein bisschen an einen zahnlosen Greis erinnernde Gesicht lässt uns die Schildkröten auch immer mit „weise“ in Verbindung bringen, wie etwa die Kassiopaia in Michael Endes „Momo“.

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Stop am Vulkankrater „El Junco“. Die Caldera des Vulcans beinhaltet das größte Süßwasserreservoir der Insel, ein immenser Schatz auf den notorisch süßwasserarmen Galápagosinseln. Vom Parkplatz aus führt ein Weg mit vielen Treppenstufen den Hang des Vulkans hinauf, gesäumt von dichtem Bewuchs mit der heimischen „Miconia“-Pflanze.

Bereits auf dem Weg hinauf finden wir uns in den Wolken wieder, die Rundwanderung auf dem Grat des Vulkans ist dann eine feuchte Angelegenheit. Nur ab und zu reißt die Wolkendecke für einen Augenblick auf und wir können einen schnellen Blick auf den Kratersee erhaschen.

Urzeit-Gefühl. Passt irgendwie zu „unseren“ Schildkröten.

Erstmal abtauchen auf Galápagos

Unsere ersten beiden Tauchgänge auf den Galápagosinseln machen wir heute hier auf San Christobal, genauer gesagt am vorgelagerten Kicker Rock (Roca León Dormido). Das Wetter ist super, die See ruhig, die Sicht unter Wasser leider trotzdem beim ersten Tauchgang nur mäßig, beim zweiten gar dürftig.

Trotz der bescheidenen Sichtverhältnisse gibts allerdings ein paar Highlights, es muss ja nicht immer farbenfroher Fisch sein 😉.

Zum einen zeigen sich gleich beim Sprung vom Tauchboot zwei große Hammerhaie, die sich aber gleich wieder verziehen. Wir tauchen ein paar Minuten an der steil ins scheinbar bodenlose abfallenden Felswand entlang und tatsächlich: da sind sie wieder. Diesmal eine etwas größere Gruppe.

Einen weiteren Wow-Effekt gibts gegen Ende dieses Tauchgangs, als wir eine riesige, sich bewegende Kugel aus unzähligen Fischen vor uns sehen. Man denkt unwillkürlich an Sardinen, aber dies hier ist ist ein Schwarm der auf Galápagos endemischen Schwarzstreifen-Grunzer.

Bei der Oberflächenpause zwischen den beiden Tauchgängen sind die Meinungen unterschiedlich, Wiebke fand den Aufenthalt unter dem Riesenschwarm etwas unheimlich, ich fand’s toll und faszinierend, wie diese Vielzahl von Fischen sich wie ein einziges amorphes Wesen bewegte. Mal Kugel, dann eher eine sich stets verändernde Wolke, beim Hineinschwimmen sich scheinbar ganz langsam teilend und gleich wieder die Lücke schließend.

Foto Credit: Susan (SY Ultimate)

Dann schon wieder fertigmachen zum zweiten Tauchgang. Da gabs aber leider sehr wenig zu sehen. Immerhin, die Meeresschildkröte lässt uns so nah heran, dass die schlechte Sicht fast gar nicht auffällt ☺️

Morgen steht noch ein weiterer Tauchgang, vor allem aber ein Hike an. Bei bzw. auf Española, der südlichsten Galápagosinsel. Auf dieser 60 Quadratkilometer großen, von Menschen nicht bewohnten Insel soll es insbesondere auch Albatrosse und viele Blaufußtölpel zu sehen geben. Das wäre toll. Mit dem eigenen Boot dürfen wir die Insel nicht anlaufen, da sind wir auf die drei Inseln San Christobal, Isabela und Santa Cruz beschränkt. Das Tauchboot wird dafür also zum Taxi-Fährschiff auf diesem ausgedehnten Tagesausflug.

MUSA Unterwasser-Kunst-Museum

Das MUSA (Museo Subacuático del Arte) bietet in Mexiko mehrere Unterwasserausstellungen. Eine davon findet sich direkt an der Isla Mujeres, wo auf 8 bis 10 Meter Tiefe ein Skulpturengarten angelegt wurde.

Die ersten Skulpturen hier wurden vor 11 Jahren aufgestellt, etwa 450 Figuren menschlicher Körper des britischen Künstlers Jason DeCaires Taylor unter dem Titel „La Evolución Silenciosa“ haben also schon einige Zeit unter Wasser verbracht und sind entsprechend mit Algen, Schwämmen und Korallen bewachsen. Das ist integrativer Teil des Kunstwerks, dass durch den Bewuchs zu einem künstlichen Riff werden soll, um zumindest einen kleinen Ausgleich für die durch den Menschen zerstörten Riffe zu schaffen und Bewusstsein dafür zu bilden. Auf einigen der Figuren wurden aus diesem Grund Fragmente von beschädigten Korallen angepflanzt.

Weitere der Figurengruppen stehen in flacherem Wasser auf der Festlandsseite bei Cancún. Diese zweite Ausstellung kann man gut schnorchelnd besichtigen, hier an der Isla Mujeres ist das wegen der Wassertiefe und der Strömung eher nicht zu empfehlen.

Und so buchen Wiebke und ich denn einen Platz auf einem Tauchboot, dass uns hinaus zum Unterwassermuseum fährt. Wohlgemerkt nur uns und den Guide, obwohl auf dem Boot Platz für 14 Taucher plus Guides wäre. Der Tourismus läuft offenbar noch nicht wieder auf vollen Touren, obwohl den Tauchplatz natürlich auch noch andere Tauchboote anfahren. Uns ist es recht. Es wird ein Doppeltauchgang, zuerst am Riff, dann ein Stückchen weiter und mit neuen Flaschen der Tauchgang am Unterwassermuseum.

Unser Einstieg in das Kunstmuseum ist die etwas jüngere Skulptur „Antropoceno“ , ebenfalls von Jason DeCairo Taylor. Ein VW-Käfer mit einer weiblichen, zusammengerollten Figur vor der Windschutzscheibe.

Die Figuren selbst sind echten Personen aus dem Wohnort des Künstlers angelehnt und alle mit individuellen Charakterzügen ausgestattet, die aber nicht mehr immer erkennbar sind. Nicht alle sind positiv dargestellt, manche gleichgültig, manche negativ.

Der natürliche Bewuchs mit seinen Farben und Formen verändert das sich bietende Bild ohnehin. Je nach Lichteinfall (und sicher auch persönlicher Stimmung) wirken die Skulpturen mal engelsgleich mit Flügeln aus Fächerkorallen, mal divenhaft mit einer Stola aus Federbüschen, mal aber auch wie Figuren aus einem Horrorkabinett, die dem verwunschenen Flying Dutchmann entsprungen scheinen.

Das waren zwei für uns sehr eindrucksvolle Tauchgänge.

Pura Vida.

Tortuguero: Schildkröten, Basilisken, Affen und Krokodile

Wir schmeißen unsere ursprüngliche Absicht über den Haufen und bleiben doch nicht nur im Zentrum Costa Ricas. Küste und Strand sehen wir ja sonst auch – hatten wir gedacht.

Aber dann erfahren wir, dass gerade die grünen Meeresschildkröten zur Eiablage an den Strand von Tortuguera kommen, im Nordosten Costa Ricas an der karibischen Atlantikküste. O.k., da sollten wir dann wohl hin. Bloß, ganz so einfach gestaltet sich das bei näherem Hinsehen nicht. Es gibt keine Straße nach Tortuguera (kein Wunder dass der Ort autofrei ist). Ein kleiner Flugplatz für Propellermaschinen ist die eine Variante, die andere ist eine Fahrt in die Wildnis nach La Pavona. Dort gibt’s nix, außer einem bewachten Parkplatz und einer Anlandestelle für flachgehende Boote. Es gibt öffentliche „Bus“-Boote nach Tortuguero, aber wer bei einer der größeren Lodges bucht, wird mit einem privaten Boot abgeholt.

Liegen zunächst noch Kühe auf den Wiesen neben dem flachen braunen Gewässer, wird bald der Dschungel zu beiden Seiten dichter.

Witzig übrigens die „Jahreszeit“ hier im Nordosten Costa Ricas: während der September für das Land insgesamt einer der regenreichsten Monate ist, ist hier gerade typische Trockenzeit, was man auch am niedrigen Wasserstand des Flusses und den vielen zu Tage tretenden Sandbänken sieht. Dagegen wird es dann hier im Dezember viel regnen, wenn im übrigen Land die trockene Hauptsaison beginnt.

So watet der Nacktkehlreiher schon ein bisschen durch den Matsch.

Die martialische englische Bezeichnung „Tiger Heron“ scheint hier im Dschungel besser zu passen, denn der Vogel ernährt sich neben Fröschen und Krebsen auch gerne vom Nachwuchs der Kaimane und Krokodile. Und siehe da, der nächste Kaiman ist tatsächlich nicht weit:

So wird uns die gut eine Stunde dauernde Bootstaxifahrt nicht lang, es gibt immer wieder interessantes zu sehen. Etwa dieses Dreizehen-Faultier, dass sich direkt über dem Fluss ausruht und uns wie Queen Elizabeth zuzuwinken scheint:

Aber natürlich reicht uns das noch nicht an tierischen Begegnungen und so buchen wir gleich nach unserer Ankunft noch für dieselbe Nacht die Schildkröten-Tour am Atlantikstrand. Der gesamte Strand ist nämlich streng geschützt und darf zwischen sechs Uhr abends und sechs Uhr morgens nur im Rahmen von lizensierten Führungen betreten werden. Costa Rica hat sich diesbezüglich quasi vom Saulus zum Paulus gewandelt, vor gut 100 Jahren war das Land noch der weltweit größte Exporteur von Schildkröten, die Eier wurden (und werden illegal heute noch zum Teil) als Aphrodisiaka gehandelt. Der schwarze Strand von Tortuguero ist einer der wichtigen Eiablageplätze für die grüne Meeresschildkröte, die früher auch als Suppenschildkröte bezeichnet wurde. Jetzt in der Eiablagesaison kommen jede Nacht über 2.000 dieser wunderbaren Tiere hierher.

Wir bekommen den späteren der beiden Slots, ab 22.00 Uhr geht unsere Führung los. Maximal 10 Gäste pro Führer, wir sind nur 8, um so besser. Auch das ungeliebte spätere Zeitfenster erweist sich als Glücksfall, denn so steht der noch fast volle Mond höher am Himmel und gibt bei der dünnen Wolkendecke ein recht gutes Licht, wenn sich die Augen erst an die Dunkelheit gewöhnt haben. Taschenlampen sind absolut verboten, Fotos (auch ohne Blitz) leider ebenfalls. Wir haben das absolut wunderbare Erlebnis, eine etwa eineinhalb Meter große (Panzer ca. 1,20 m) und wohl etwa 150 kg schwere Grüne Meeresschildkröte ganz nah bei der Eiablage beobachten zu können. Erst als einer der Scouts des Conservation Teams das Zeichen gibt, dürfen wir mit dem Guide zu ihr. Sie hat die Eiablage begonnen und kann sie nun nicht mehr stoppen. Ganz in Ruhe legt sie Ei um Ei (etwa so groß wie ein Golfball) in die zuvor von ihr mühsam ausgescharrte tiefe Kuhle, was wir im Rotlicht der Lampe des Guides verfolgen. Auch den Beginn des Zuscharrens, dann wechseln wir den Standort. Eine weitere (etwas kleinere) Grüne Meeresschildkröte beobachten wir auf dem beschwerlichen Weg zurück über den Strand ins Meer. Dann noch eine dritte der Art, die ihr Gelege bereits zugescharrt hat und jetzt eine „Camouflage-Kuhle“ daneben anlegt um Nesträuber zu verwirren und das Gelege noch besser zu schützen.

Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, hier so nah dabei sein zu dürfen.

Spät ins Bett, aber früh wieder raus. Die Lodge liegt auf der schmalen Landzunge, die eine mehrere Kilometer lange Lagune vom Atlantik abtrennt. Um halb sechs ist Treffen an der Lobby für die Morgentour mit dem Boot in die Lagune und ein paar Nebenarme im Nationalpark.

Gleich als erstes zeigt sich ein Krokodil, Schwimmen ist in der Lagune wohl nicht zu empfehlen.

Eine weitere Echse erscheint da schon possierlicher:

Andererseits: es ist ein Basilisk (Grüner Stirnlappenbasilisk). In der Mythologie und bei Harry Potter ist klar: sein Blick versteinert jeden, den er ungeschützt trifft 😬.

Außerdem bekommen wir nach den Kapuzineraffen bei der Maquenque Lodge jetzt erstmals auch die bisher nur gehörten Mantel-Brüllaffen zu sehen, zudem zusätzlich auch noch die quirligen Geoffroy-Klammeraffen.

Und natürlich auch wieder eine Menge Vögel, darunter mehrere Regenbogentukane, die direkt über uns hinwegfliegen, sowie die ebenso wunderschönen Grünen Aras.

Nature-Overload? Kein Stück, wir legen uns nach der Tour ein bisschen hin und machen am Nachmittag noch einmal eine ungeführte Wanderung auf dem „Jaguar-Trail“ im Nationalpark. Und wir haben wieder Glück.

Erst läuft uns ein anderer Basilisk über den Weg. Ein Streifen-Basillisk, (auch Jesus-Christus-Basilisk genannt, weil er bei Gefahr auf den Hinterbeinen übers Wasser laufen kann; also mal Versteinerer, mal Erlöser):

Und dann scheint ein Geoffroy-Klammeraffe uns zeigen zu wollen, was für ein perfekter Macho er ist und welche artistischen Fähigkeiten er hat:

Danke für die Privatvorführung.

Pura Vida.

Santa Bárbara de Samaná und Salto El Limón

Der Ort Santa Bárbara de Samaná, zugleich Hauptstadt der Provinz Samaná, ist ein Zentrum des Tourismus im Nordosten der Dominikanischen Republik. Nicht zuletzt auch wegen der über 1.000 Buckelwale, die in den ersten Monaten des Jahres hierher in die Bucht kommen. Aber trotzt offener Grenzen sind die Hotels der Gegend offenbar alles andere als gut gefüllt, einige Whalewatching-Touren gibt es natürlich gleichwohl. Brauchen wir aber ja nicht, nachdem uns die Buckelwale schon so einen wunderbaren Empfang bereitet haben.

Überhaupt weicht das Bild, dass die Fremdenverkehrsseiten von Samaná zeichnen, ein kleines bisschen von dem Eindruck der Stadt ab, den wir bisher gewonnen haben. So oder so ähnlich sehen die Bilder der Tourismusbehörde aus, die auch in einem dieser Postkartenhäuser am Malecón ihre Dependance hat:

Bunt, ja. Aber auch deutlich gepflegter und weniger quirlig, als der Ort sich sonst präsentiert. Ein schönes Beispiel dafür ist der Markt, nur etwas weiter die Straße hinauf von der Promenade.

Was uns bei Obst und Gemüse positiv auffällt ist die fehlende Kühlung, so hält es sich an Bord wesentlich länger. Bei Fisch und Fleisch fehlt sie auch, das macht aber weniger Freude. Kleidung wird aus großen Säcken auf die meist zuvor mit Pappe ausgelegte Erde gekippt und aus diesen großen Bergen heraus verkauft. Bevorzugtes Verkehrsmittel sind kleinere Motorräder, meist ohne Helm und gern mit drei oder mehr Personen belegt. Es gibt auch Motorradrikschas und natürlich Autos. Anders als in Puerto Rico aber eher nicht amerikanische V8-SUVs. Es mutet afrikanisch an, und das nicht ohne Grund. Ein Großteil der Bevölkerung hat seine Wurzeln dort und stammt von verschleppten Sklaven ab, was sich auch in der lokalen Küche und sogar der hiesigen Kirchenlandschaft mit einer wichtigen afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche widerspiegelt.

Das man hier auf Touristen eingestellt ist, zeigt sich derzeit vor allem an den Ausflugsangeboten. Neben dem Whalewatching werden insbesondere Bootstouren hinüber in den Nationalpark Los Haitises oder auf die „Bacardi“-Insel Cayo Levantado angeboten. Luis, der uns beim Einklarieren geholfen hat, sammelt die Crews von 5 Booten für einen Hike zum Wasserfall „Salto de Limón“ ein, die zudem noch ein paar Stops beinhaltet. 22 Euro pro Person, touristisch, klar, aber auch sehr informativ. So lernen wir etwa, dass die meisten Zigarren nicht etwa in Kuba, sondern eben der Dominikanischen Republik produziert werden. O.k., das ist eine quantitative, keine qualitative Aussage. Aber die Manufaktur, die wir besichtigen (Las Ballenas Premium Cigars) zeigt uns eben auch, wie gute Zigarren in Handarbeit von einem Torcedor (Zigarrenroller) erstellt werden.

Nebenbei lernen wir auch noch einiges über andere lokale Produkte, etwa Kakao. Zum Beispiel, dass die Kakaofrucht einmal aufgeschlagen so aussieht:

und die Kakaobohnen in ihrer Fruchtfleischhülle zwar gelutscht (schmeckt etwa wie Litschi), aber nicht gekaut werden sollten. Braucht dann doch noch ein paar Verarbeitungsschritte, bis da vernünftige Schokolade draus wird 😉.

Aber dieses Wissen ist bei unserem nächsten Ausflugsteil, dem eigentlichen Hike, dann auch gleich nützlich. Denn mit Hilfe unseres Guides erspähen wir im Wald wilde Kakaobäume, gut zu erkennen an den (allerdings noch grünen und damit unreifen) Kakaofrüchten.

Wir könnten den ersten Teil des 2,5 km Hikes zum Wasserfall von El Limon auch auf dem Rücken eines (geführten) Pferdes zurücklegen, aber wir genießen lieber die schöne Wanderung durch den Wald, die zumeist an einem Flüsschen entlang führt. Witzig ist, dass die Reiter Gummistiefel erhalten, weil die Pferde den lehmigen Weg doch etwas matschig treten. Wir können aber in Wanderschuhen ganz gut „neben der Spur“ entlang gehen.

Auch die Jicoteas (oder Hicoteas) Dominicana, eine endemische Sumpfschildkröte, genau genommen eine nur hier auf der Insel heimisch vorkommende Unterart der Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte, hätten wir sonst wohl eher nicht gesehen und auch das Muli des Kokosnussammlers wäre uns vielleicht nicht aufgefallen oder jedenfalls hätte sich uns der Sinn der Körbe nicht erschlossen.

Erstmal kommen wir zur „Cascada pequeña“, dem kleinen Wasserfall.

Schon ganz hübsch, aber das eigentliche Ziel der Wanderung folgt dann etwas später und ist auch mehr mit anderen (überwiegend einheimischen) Touristen zu teilen. Der „Salto El Limón“ stürzt etwas mehr als 40 m in die Tiefe und ergießt sich in ein Becken, in dem wir baden können. Ein Süsswasserbad, lange nicht gehabt. 😁

Auf der Rückfahrt sehen wir einmal mehr, wie weit die Schere hier in der Dominikanischen Republik auseinandergeht. Es gibt prachtvolle Ville hinter hohen Mauern, aber vor allem sehen wir auch viele kleine Hütten, meist bunt bemalt, manchmal aber auch nur schlichtes rohes Holz, deren Wohnfläche kaum als Familienheim zu taugen scheint. Nebenbei, es gibt eine unfassbar hohe Anzahl an Bancas und an Lotecas, beide bezeichnen Lotterieverkaufsstellen. Aber in Lateinamerika stehen die Einwohner der Dominikanischen Republik mit ihrer Lotteriebegeisterung wohl nicht allein.