Vögel auf Galápagos: nicht nur die Darwin-Finken

Neben der Riesenschildkröte ist eines der ersten mit Galápagos assoziierten Tiere der Darwin-Fink. Der Biologie-Unterricht wirkt offenbar im Langzeitgedächtnis nach. Und diese Vögel begegnen uns überall, auf den Kakteenbäumen im Hinterland ebenso wie mitten in den Ortschaften.

Tatsächlich hat sich Charles Darwin mit den nach ihm benannten “Finken” (die eigentlich nicht zu den Finken sondern den Ammern gehören) weder bei seinem Aufenthalt auf Galápagos 1835 noch später bei der Entwicklung seiner Evolutionstheorie intensiver beschäftigt. Er hat die geschossenen Finken nicht einmal den verschiedenen Inseln zugeordnet. Aber er hat gut 31 “Finken”, die 13 Arten zugeordnet wurden, zur Zoologischen Gesellschaft nach England geschickt, wo sie von John Gould als Species einer völlig neuen Gruppe erkannt wurden.

Gleichwohl sind die inzwischen 18 entdeckten Darwinfinkenarten ein gutes Beispiel für die Evolution, denn die fast durchgängig unauffällig braunen oder schwarzen Vögel unterscheiden sich je nach Herkunftsinsel und dadurch Nahrungsangebot erheblich insbesondere in ihrer Schnabelform. Eine Species, der Vampirfink, fügt (wenn auch nur zur Nahrungsergänzung) den Boobies kleine Wunden zu und trinkt deren Blut. Es wird vermutet, dass die Boobies sich das gefallen lassen, weil es auf die Befreiung von Parasiten zurückgeht.

Viel zu farbig für einen Darwinfinken: es gibt zwar einen Waldsänger-Darwinfink, aber der ist auch eher unauffällig gefärbt. Ganz anders dieser Goldwaldsänger auf San Christobal.

Für Darwin ergab sich ein stärkerer Impuls für seine Evolutionstheorie aus der Beobachtung der vier verschiedenen Spottdrosselarten, die es auf den verschieden Inseln des Archipels gibt. Die etwas größeren Vögel verblüfften ihn zum einen damit, dass sie – anders als ihre Verwandten auf dem amerikanischen Festland – nicht spotten, also nicht die Gesänge anderer Vogelarten oder sogar sonstige Geräusche immitieren. Vor allem aber auf den verschiedenen Inseln wiederum unterschiedliche Schnabelformen entwickelt, und bei den Spottdrosseln ordnete Darwin seine Sichtungen den Inseln auch zu und zog daraus die entscheidenden Schlüsse, dass diese Arten sich aus einer gemeinsamen Art unterschiedlich weiterentwickelt hatten.

Española Spottdrossel

Was uns besonders fasziniert: wo sonst findet man Flamingos und Pinguine auf einer Insel?

Und dann die wunderbaren Boobies: drei Tölpelarten brüten auf Galápagos: die großen Nazca-Boobies, die Rotfuß- und die Blaufußtölpel.

Fast schon gemein, wie wenig Beachtung wir den hier ebenfalls zahlreichen Fragattvögeln und die Tropikvögeln schenken, die wir in der Karibik, insbesondere auf Antigua und Barbuda so ausgiebig beobachtet hatten. Oder den Pelikanen.

Manche der hiesigen Vögel hätten wir gern gesehen, konnten sie aber nicht entdecken. Saisonbedingt oder weil wir einfach zu wenige Inseln der Gruppe besucht haben oder nicht lange genug gesucht haben. Die Galápagos-Waved-Albatrosse und die Galápagos-Eulen gehören dazu, ebenso der rote Vermillion-Fliegenfänger und der flugunfähige Galápagos-Kormoran.

Und wieder andere haben wir entdeckt und fühlten uns (manchmal nur auf den ersten Blick) an die Tierwelt in Deutschland erinnert. So etwa bei den (amerikanischen) Austernfischern, der Ralle oder den Enten.

Und es gibt noch so viel mehr (und Meer) zu entdecken. Hier auf Galápagos – aber eben auch anderswo. Wir stecken schon in den Vorbereitungen, Freitag segeln wir weiter.

Jetzt erstmal Frisches einkaufen und Wäsche abholen, die nachgefüllten Dieselkanister wieder voll machen. Und hoffen, dass die Taucher morgen unseren verlorenen Heckanker wiederfinden. Ich habe ihn gestern nicht wiedergefunden und selbst für die professionellen Taucher war die Sicht unter Wasser heute einfach zu schlecht. Nicht schlimm, ist unser Drittanker (20 kg Bruce), aber er passt halt gut in die Halterung am Heck mit dem ausklappbarem Ankergalgen. Die Schäkelsicherung aus Kabelbinder scheint durch die UV-Strahlung mürbe geworden zu sein. Und anders als beim Hauptanker hatten wir den selten benutzen Heckanker nicht zusätzlich (Gürtel und Hosenträger) mit einem Softschäkel gesichert.

Immerhin können wir uns auf dem extrem schwelligen Ankerplatz hier vor Santa Cruz mit unserem Zweitanker (25 kg Delta) am Heck ausrichten. Trotzdem: das Geschaukel macht Lust aufs Weitersegeln.

Stationäre Ozeanpassage, Tag 5

Als wir letztes Jahr die Atlantiküberquerung geplant haben war das aufregend. Wir wussten nicht, was uns erwartet, wir waren unsicher über die Dauer, über unsere Proviantierung, über unser Fähigkeit, wirklich mehrere Wochen ohne „Auslauf“ auf engem Raum zusammen zu leben. Wir waren unsicher, aber wir waren auch zuversichtlich.

Na klar, wir hatten viel darüber gelesen, uns vorbereitet, herangetastet, das Boot ausgerüstet um uns weitgehend autark zu machen, alles sicherheitsrelevate an Flora nochmal getestet, Proviant gebunkert.

Das Boot auf eine Passage vorzubereiten war nicht schwer. Aber waren wir vorbereitet, unsere eigene Psyche? Das war schwerer zu beurteilen. Natürlich waren wir nervös und mindestens im ersten Teil der Passage war auch die Last der Verantwortung deutlich spürbar. Erst im Laufe der Zeit stellte sich mehr Leichtigkeit ein, mit jedem Tag ein bisschen mehr Routine und weniger Besorgnis, bis ab etwa Mitte der Reise der Genuss deutlich überwog.

Mit Beginn der Ausgangssperre hier in Antigua hatte ich im Blog geschrieben, wir seien trotzdem guter Dinge, pendelten mental aber allerdings manchmal zwischen einem fast freudigen “wie eine Atlantiküberquerung, nur mit weniger Geschaukel und nachts ruhig durchschlafen” und dem weniger guten Gefühl, eben doch irgendwie angebunden zu sein. Unbekannt war’s und deswegen auch wieder aufregend.

Und heute, am 5. Tag der Ausgangssperre? Wir könnten vormittags zum Lebensmitteleinkauf an Land fahren, uns ein bisschen die Füße vertreten und uns in die Schlange des Supermarktes einreihen (derzeit etwa zwei Stunden). Haben wir aber bisher nicht gemacht, weil weder für die zusätzliche Bewegung (dank schwimmen und Paddelboard) noch für das Nachkaufen von Lebensmitteln eine Notwendigkeit besteht. Tatsächlich nehmen wir es wie eine Passage, die Parallelen liegen ja auch auf der Hand, die Unsicherheiten sind im Vorfeld auch sehr ähnlich. Aber wir genießen das „zur-Ruhe-Kommen“, diesmal auch von Anfang an.

Nur anders als bei einer Ozeanüberquerung rückt das Ziel nicht näher, kein Positionskreuzchen auf dem Übersegler tastet sich ganz langsam immer näher an die Wunschinsel heran. Wir schneiden keine Tagesschnipsel von irgendeinem Maßband ab oder fiebern dem Öffnen des letzten Türchens eines Adventkalenders entgegen. Das Ziel – die Zeit – ist unklar. Bei einer Woche Ausgangssperre wird es kaum bleiben, angesichts des Verlaufes von COVID-19 würde das wohl auch wenig Sinn machen. Aktuell gibt es auf Antigua 15 bestätigte Fälle – bei 40 (!) Tests. Heute wurde bekanntgegeben, dass erstmals Tests im eigenen Land ausgewertet werden können. Bisher ging das nur auf der Nachbarinsel Guadeloupe. Hm. Wie hoch mag da die Dunkelziffer sein?

Ein Grund mehr, sich auf dem Boot wohl zu fühlen. Das Wetter ist traumhaft. Langweilig ist uns noch nicht geworden, tatsächlich müssen selbst die restlichen drei Winschen noch auf ihre Wartung warten (sorry, konnte mir das Wortspiel mal wieder nicht verkneifen). Wir lassen uns Zeit. Nur für das„weniger Geschaukel“ mussten wir doch noch mal tätig werden. Der wenige Ostwind hat dem Nordschwell von rund 1,5 m nicht allzu viel entgegenzusetzen und obwohl die Bucht nach Norden geschützt ist läuft der Schwell ums Kap herum von Südwesten her auf den Ankerplatz und rollt das Boot hin und her von einer Seite auf die andere. Wir bringen zusätzlich einen Heckanker aus und drehen die Flora mit dem Bug in den Schwell. Bei dem wenigen Wind stört die zusätzliche Belastung auf dem Hauptanker kaum und das Rollen lässt merklich nach. Jetzt klappt’s auch mit dem „nachts ruhig durchschlafen“ besser.