Es ist ein fast unwirklich stillen Morgen. Kein Plätschern am Bootsrumpf. Kaum ein Windhauch kräuselt das Wasser. Flaute am Ankerplatz. Nur die dünnen Striche der Palmen-Motus am Rande des Atolls verhindern in der Ferne, dass die See und der Himmel am Horizont ansatzlos mit einander verschmelzen.
Das Wasser ist so kristallklar, dass wir in zwölf Meter Tiefe jede Muschel und jeden kleinen Fisch erkennen. Zeit für ein Bad. Wir lassen uns ins Türkis gleiten, Hineinzuspringen käme uns schon als Störung vor, schwimmen zur vor uns ankernden Lille Venn hinüber.
Mit Ralph besprechen wir, kurz nach Mittag im Pass tauchen zu gehen. Fein, dann können wir vorher noch mit dem Dinghy hinüber zu den Motus im wildromantischen Flachwasserbereich westlich des Passes fahren. Die Korallenriffe und die ausgreifenden Sandbänke dort machen den Besuch praktisch nur an stillen Tagen wie heute möglich.
Tatsächlich wären es Luftlinie vom Ankerplatz nur etwa anderthalb Meilen dorthin, durch die erforderlichen Umwege ist es allerdings fast die doppelte Strecke. Aber die lohnt sich, zumal uns die Slalomfahrt um die Bommies durch eine unerwartete tierische Begleitung versüßt wird.
Wir haben bisher in Französisch Polynesien erstaunlich wenige Delfine gesehen, hier aber begrüßt uns einer, kommt so nahe zu unserem Dinghy heran, dass wir im flachen Wasser seinen Schatten auf dem Sandgrund erkennen können.
Und das Beste: er bleibt bei uns, schwimmt mit etwas Abstand vor unserem Dinghy her, lässt sich zurück fallen, überholt wieder und schwimmt voraus, als wolle er uns durch das Labyrinth der Korallenbommies lotsen.
Erst kurz vor den Sandbänken der Motus verlässt er uns. Als es selbst mit schon angeklapptem Außenbordmotor zu flach wird, ankern wir Florecita und waten hinüber.
Ein tropischer Inseltraum empfängt uns und wir haben dieses abgelegene Idyll ganz für uns allein.
Der Wecker klingelt um kurz nach fünf. Früh raus, das passt gut mit der Tide im Pass von Tahanea und es gibt uns außerdem genügend Zeit, um bei Tageslicht in Fakarava anzukommen.
Tatsächlich können wir praktisch die gesamte Strecke von etwas über 50 Seemeilen wunderbar segeln, größtenteils unter Gennaker. Am Anfang klassisch, zwischendurch auch mal ohne Großsegel, am Ende dann Schmetterling mit Gennaker und Groß.
Ein traumhafter Segeltag. Einziger Wermutstropfen: wieder kein Fisch gefangen.
Das allerdings erweist sich als nicht so tragisch. Die parallel segelnde Freefall verkündet in unserer WhatsApp-Gruppe: Fisch für alle! Sie haben einen knapp unter 2.5 Meter langen Marlin an Bord gezogen.
Photo credit: Theresa, SV Freefall
Kein Wunder, dass sie plötzlich etwas langsamer geworden und als letzte beim Ankerplatz am Südpass ankommen. Allerdings hat sich Joe beim Ausnehmen an der Hand verletzt, Hilfe beim Filetieren wäre also gewünscht.
Das übernehme ich doch gerne und ich bekomme es auch gerade noch vor dem Dunkelwerden hin. Der schon kopflose Marlin auf dem Heck der Freefall:
Die Wall of Sharks muss also noch etwas warten. Allerdings versammeln sich einige Haie hinter der Freefall, obwohl wir die Abfälle natürlich extra in großer Entfernung vom Ankerplatz entsorgen. Allein das Sauberspülen des Hecks sorgt schon dafür, dass die nächsten beiden Tage niemand von Bord der Freefall aus ins Wasser gehen möchte. 20 Haie direkt am Schiff zählt Joe. Flora liegt nur 100 m weiter vor Anker, aufgeregte Haie zeigen sich bei uns aber zum Glück nicht.
Manchmal müssen wir uns selbst kneifen. Kann das wirklich wahr sein? Echt? Seit einem Jahr sind wir mit der Flora jetzt in Französisch Polynesien. Was für ein unfassbares Privileg.
Wir haben mit Gambier, den Marquesas, den Tuamotus und den Gesellschaftsinseln vier der fünf Inselgruppen dieses Staates bereist (die abgelegenen und regulär nur für drei Tage besuchbaren Australinseln werden wir auslassen). Haben viel gesehen und dennoch auch noch so viel zu entdecken. Haben einige Inseln besonders ins Herz geschlossen, “Lieblingsinseln” entdeckt. So wie das unbewohnte Atoll Tahanea, dass wir jetzt bereits zum dritten Mal besuchen.
Barbara und Ralph von der Lille Venn holen uns vom Ankerplatz am Eingang zur Lagune mit ihrem Dinghy zum Schnorcheln im Nordpass ab. So schön, unsere Schweizer Freunde hier wieder zu treffen und gemeinsam so Herrliches unternehmen zu können. Ein weiterer Live-Besuch im Riesen-Aquarium (wie immer, für bessere Auflösung einfach auf die kleinen Bilder klicken).
Danach verholen wir unsere Boote in die Südostecke des Atolls. Die Passatwinde beginnen sich wieder stärker durchzusetzen. Tahanea bietet hier einen wahrlich traumhaften Ankerplatz dafür.
Guter Schutz durch Riff und Palmen-Motus, dabei aber auch offen genug, um selbst bei leichteren Winden gute Bedingungen zum Wingfoilen zu finden. Klares Wasser mit schönen Schnorchelbedingungen, Strand. Ein Südseetraum.
Mit Katrin von der Mister Fizz, Barbara und Ralph von der Lille Venn, Aagje, Jeroen und Rajesh von der My Motu sowie Theresa und Joe von der Freefall feiern wir das.
Und arbeiten das Festessen des Potlucks dann beim Sport wieder ab. In der morgendlichen (Langstrecken-)Schwimmgruppe, beim Schnorcheln, Surfen oder eben Wingfoilen. Wiebke und Theresa bekommen von Ralph dazu Übungseinheiten auf dem Board …
… und es gibt auch Trockenübungen mit dem Wing auf dem wunderschönen Strandhaken an “unserem” Motu:
Ich übe derweil weiter Halsen, es wird langsam besser.
Ein Traum, jetzt schon ein Jahr hier in der Südsee sein zu dürfen. Kneif mich mal.
Fakarava ist schon krass. Wir könnten eigentlich vom Ankerplatz vor dem Ort Rotoava auch direkt mit dem Dinghy die 1,8 Seemeilen hinüber zum Flughafen fahren. Aber der Südostwind sorgt für unruhiges Wasser. Mit drei Personen und Gepäck im Dinghy wird es dann vielleicht doch etwas nass. Also verholen wir die Flora zum Flughafen und ankern dort vielleicht 250 m vom Terminal mit der markanten polynesischen Dachform entfernt ganz in der Nähe des Dinghystegs. Bevor Katrin nach Tahiti fliegt ist immerhin noch Zeit für ein letztes Bad im Atoll von Fakarava.
Tja, und dann heißt es wirklich Abschied nehmen.
Warum werden Wiebke und Katrin eigentlich so oft für Schwestern gehalten? 😉
Wir verlegen Flora wieder zurück nach Rotoava. Geben unsere Wäsche ab und lassen vom Fakarava Yacht Service auch unsere fast leere Gasflasche wieder füllen. Die Abgabe können wir bequem am Dinghydock erledigen, denn der Yacht Service hat dort einen Fahradverleihstand für das angekommene Kreuzfahrtschiff aufgebaut. Das heißt aber auch, dass wir noch etwas in Fakarava bleiben müssen. Wegen der Mehrbelastung wird die Erledigung der Wäsche und das Flaschenfüllen ein paar Tage dauern.
Macht aber nichts, denn unsere Cruising-Freunde Rachael und Volker vom Trimaran „Tomorrow“ haben sich für Sonntag angekündigt, wir hatten sie zuletzt an der US-Westküste getroffen. So ist das mit dem Abschiednehmen und (Wieder-)Treffen. Katrin steigt da gleich ein. Im Aufzug ihres Hotels in Papeete trifft sie nämlich andere Cruising Freunde von uns. Andrea und Hans-Jörg („Wasabi“) sind auf dem Weg hinauf zur Dachterrasse. Die Cruising-Welt ist klein. Gegenseitig schicken wir uns Fotos von den dramatisch rot gefärbten Wolken.
Hier FakaravaDort Papeete mit Blick auf Moorea
Bis wir wieder in Papeete sind, wird es wohl noch eine Weile dauern, vielleicht bis Ende April. Bis dahin möchten wir weiter die Tuamotus erkunden.
Selbst hier in Rotoava gibt es für uns immer noch wieder Neues zu entdecken. Als ich bei Bananen-Steve Obst kaufen möchte („derzeit ist nichts reif, komm nächste Woche wieder“) lege ich Florecita bei der stillgelegten Perlfarm gegenüber von seinem Grundstück an. Wir haben schon viele Ansammlungen der bunten Perlfarmbojen gesehen, so aber bisher nicht:
Freuen, zurück zum Boot und dort das nächste Farbenspiel am Himmel genießen 😌.
Es ist mal wieder einer von diesen traurigen Abschieden, die zu den Cruiser-Freundschaften einfach dazugehören. Ingo und Andrea von der Easy-One bleiben (mit Heike und Jürgen von der Valentin und Silke von der Ocean Maiden) in Toau.
Wir aber verlassen dieses „deutsche Dorf“, segeln nach Fakarava. Schließlich wollen wir Katrin auch noch den Ort Rotoava, den herrlichen Südpass und die traumhafte Ankerbucht Hirifa zeigen, bevor sie uns Mitte nächster Woche schon wieder verlässt.
In Rotoava kaufen wir noch ein bisschen ein, schlendern durch den Ort, zeigen Katrin die Kirche mit ihrem Muschelkettenschmuck, den polynesischen Holzschnitzereien und den Auster-Perlmuttverzierungen.
Und natürlich darf auch der so typisch polynesische Blumenschmuck im Haar nicht fehlen. Vor der Kirche treffen wir auch Poline wieder. Sie erklärt uns hinsichtlich der Blumen, traditionell sei hier keine Aussage (verheiratet oder nicht) damit verbunden, hinter welchem Ohr die Blume getragen werde.
Von Rotoava aus segeln wir längs durch das Atoll hinunter zum Südpass.
Der Ankerplatz zeigt sich aber so rollig, dass wir gleich nach Hirifa weiterfahren und dort für die Nacht ankern. Zwar ist es am nächsten Tag etwas ruhiger, trotzdem fahren wir mit Flora nur für eine Stipvisite zum Südpass. Bei zwei Driftschnorchelgängen zeigt sich der Südpass von seiner besten Seite, Katrin ist ebenso angetan wie wir.
Nachdem ich die leicht verhakte Ankerkette freigeschnorchelt habe (auf 13m, wenn es noch tiefer gewesen wäre, hätte ich doch meine Tauchausrüstung rauskramen müssen) fahren wir für die Nacht dann aber wieder zurück an den gut geschützten Ankerplatz von Hirifa.
Dort kann ich ausgiebig wingfoilen, Wiebke und Katrin sind dafür mit den Paddelboards unterwegs …
…, schwimmen, und sie erkunden den Strand an der Südspitze von Hirifa.
Die Tage verfliegen, am Mittwoch ist Katrins Zeit an Bord der Flora schon wieder um. Immer diese Abschiede.
Wir bleiben im Toau-Atoll. Zur Feier des Valentinstags – bietet sich einfach an – laden Heike und Jürgen auf dem deutschen Katamaran “Valentin” ein.
Am nächsten Tag verlassen wir dann aber den Ankerplatz am Coral Garden und fahren gemeinsam mit der Easy-One innerhalb des Atolls nach Norden. Trotz der vielen Bommies gestaltet sich das zunächst erstaunlich einfach, denn ein Tonnenstrich schlängelt sich noch ein ganzes Stück in diese Richtung. Er führt zu einer bereits vor Jahren aufgegebenen Perlfarm. Bis zu 100 Menschen sollen hier einmal gearbeitet haben, obwohl nur ungefähr 20 auf Toau leben.
Die Hafenanlage der ehemaligen Perlfarm ist noch gut erkennbar, allerdings sind die Stege und auch Teile der Mole doch schon ziemlich rott.
Wir ankern vor der Anlage und statten ihr lieber mit dem Dinghy einen Besuch ab. Haie patrouillieren im flachen Hafenwasser, sonst ist niemand da. Materialien der Perlfarm, etwa die Gitter für die Austern, liegen in Stapeln herum. Manches mutet wildromantisch an, gespültes Geschirr auf einer rostigen Außenspüle, ab und zu kommt sicher noch jemand vorbei. Aber fast alle Gebäude sind stark verfallen. Es ist immer wieder spannend, solche “Lost Places” zu besuchen.
Nach dem Stop geht es aber für uns noch weiter gen Norden. Der Tonnenstrich endet allerdings, der Plotter zeigt nur gestrichelte Linien und den Vermerk “Uncharted“. Auf der weiteren Fahrt müssen wir uns den Weg per Satellitenbild-Navigation suchen.
Katrin am Ruder beim Slalom durch die Bommies.
Klappt aber gut und so erreichen wir bald unseren Ankerplatz in der Nordecke des Toau-Atolls. Er liegt dicht nordöstlich des False Pass, aber – wie der Name schon sagt – hinaus aus dem Atoll kommen wir dort mit der Flora nicht. Der Pass ist eine Sackgasse, das Ende zur Lagune hin ist mit einem sehr flachen Korallenriff versperrt.
Macht aber nichts. Zum einen waren wir ja schon von der anderen Seite im False Pass und haben dort an einer der Bojen gelegen. Zum anderen sind wir hier in die Nordspitze des Atolls auch gekommen, um vor einem vorhergesagten kräftigen Nordwestwind gut geschützt zu sein. Und so ist es auch. Am Sonntag und Montag bläst es meist mit über 20 kn, aber hier baut sich trotzdem keine fiese Welle auf.
So kann ich ein bisschen Wingfoilen üben …
… bis der Wing platzt. Grrr 😖.
Das ist nicht so ideal, denn neben der inneren Bladder hat auch die Nylonhülle des Wings einiges abbekommen.
Ein professioneller Reparatur-Service ist hier nicht zu haben, aber ob wir diesen Schaden beheben können? Mit unserer Haushalts-Nähmaschine kommen wir an einige Stellen nicht heran, obwohl wir natürlich die Hauptnaht des Schlauches aufgetrennt haben. Also erst mal schön mit der Hand flicken, dann Spinnaker-Repair-Tape drauf und dieses ebenfalls per Hand annähen. Zum Glück können wir für die längeren Nähte dann auch die Maschine einsetzen.
Die Kaschierung der Hauptnaht geht dann wieder nur per Hand, die Aufgabe habe ich morgen noch vor mir.
Daneben ist aber auch noch Zeit, Katrin und auch Wiebke hinterm Dinghy auf dem Foilboard kniend zu ziehen. Beide kommen tatsächlich “ins Fliegen “. Schnorcheln gehen wir auch.
Und wir statten Valentine und Gaston am False Pass einen Besuch ab. Die beiden haben ihr Heim zu einer Cruiser-Institution entwickelt. Sie bieten zum Beispiel Lobsteressen an, verkaufen in der offenen Koch-Hütte aber auch Perlen und Muschelketten. Gaston zeigt uns derweil, wie er Noni-Saft herstellt.
Waren wir auf dem Hinweg noch ausgestiegen, um das Dinghy mit hochgeklapptem Motor über besonders flache Stellen des Riffs zu ziehen, zeigt uns Gaston jetzt für den Rückweg eine verwinkelte und nicht betonte Dinghy-Passage, indem er mit seinem Boot vor unseren Dinghies herfährt. Wir lassen den Tracker mitlaufen, sonst könnten wir die Durchfahrt auch beim nächsten Besuch auf keinen Fall finden.
Erst einmal aber segeln wir zurück in den Süden des Atolls. Vorbei am Coral Garden und hinunter in die Südost-Ecke von Toau.
Sundowner am Strand mit unseren Freunden von der Easy-One und der Valentin: ein Dienstagabend im Atoll.
Das Motu, hinter dem wir hier im unbewohnten Tahanea-Atoll ankern, bietet sich für einen Beach-Nachmittag geradezu an.
An der Südspitze des Motus gibt es eine Feuerstelle, eine Hängematte aus Netz ist an einem schattigen Platz daneben aufgehängt.
Wir bringen noch unsere eigene Hängematte mit, außerdem einige Strandspiele wie Boccia und Frisbee. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, alle bringen etwas mit. 5 Boote (Lille Venn, Easy-One, Freefall, Skylark und Flora) liegen in der Bucht, alle Crews sind dabei. Wie fast immer bei solchen Gelegenheiten wird es ein wunderbarer, entspannter Nachmittag.
Auch die mit Steinen und großen Seeschnecken-Gehäusen eingefassten Feuerstelle wird genutzt.
Nach Sonnenuntergang geht’s dann aber doch recht flott zu den Dinghies. Noch schnell das Feuer löschen und aufs Boot, um diese Zeit werden die stechenden oder beißenden Plagegeister dann so richtig aktiv, das Feuer scheint sie nicht wirklich abzuschrecken (oder vielleicht müssten wir uns selbst räuchern).
Wie auch immer, an Bord haben wir bisher erstaunlich wenig Probleme damit gehabt, selbst in Alaska (wir hatten anderes befürchtet) und eben auch hier in Französisch Polynesien. Das interne Mosquitonetz über dem Bett haben wir tatsächlich das letzte Mal in Italien aufgebaut.
Über fünfeinhalb Jahre ist das her. Unseretwegen kann das Netz gerne weiter ungenutzt im Schapp bleiben.
Es wird ein wunderschöner Segeltag. Wir starten mit Schwachwind und Code0, …
… wechseln dann aber bei zunehmendem Wind irgendwann auf die Fock. Zwischenzeitig zwei Reffs ins Groß. Um uns herum tauchen immer mehr Schauerwolken auf, einige ziemlich so imposant, dass die hinter uns segelnde Easy-One kaum davor auszumachen ist:
Tatsächlich aber verschonen die Schauerwolken sowohl uns als auch die Easy-One, erst in der Ansteuerung auf den Pass von Tahanea bekommen wir ein paar wenige Tropfen ab, dürfen zum Ausgleich aber einen wunderschönen gleich doppelten Regenbogen bewundern, mit herrlich sichtbarem dunklerem Bereich zwischen Regenbogen und Nebenregenbogen (Alexanders dunkles Band):
Wir ankern hinter dem Motu direkt zwischen dem Nordpass und dem breiteren Hauptpass, durch den wir ins Atoll gefahren sind.
Wir schnorcheln am folgenden Tag in beiden Pässen, fahren mit dem Dinghy bei einlaufender Tide hinaus und lassen uns durch den Pass zurück in die Lagune treiben. Besonders gut gefällt uns die Nordseite des Nordpasses. Am äußeren Ende zeigen bockende Wellen starke Verwirbelungen an, aber danach ist die Strömung auf dieser Seite nicht so stark. Der dicht an dicht mit Korallen bestandene Nordrand bietet in 3 bis 5 Metern Tiefe eine vielfältige Korallenlandschaft, die es in sich hat. Der Fischreichtum ist immens und das klare einlaufende Wasser lässt die ganze Palette der Farben auch richtig zur Geltung kommen.
Ein gutes Beispiel sind die bis zu 80 cm groß werdenden Buckelkopf-Papageifische. Diese sind eigentlich an allen halbwegs gesunden Riffen im Südpazifik zu finden und in sofern ein bekannter Anblick. Aber selten strahlen die Farben so wie hier.
Eine Besonderheit bei den meisten Papageifischarten, so auch beim Buckelkopf-Papageifisch: es handelt sich um Hermaphroditen. Nach einer Jugendphase entwickeln sich zunächst fast alle zu Weibchen. Später im Lebenszyklus wandelt sich dann ein größerer Teil zu Männchen um. Und nicht nur das: in jeder der Phasen zeigen diese Fische auch ein völlig unterschiedliches Farbkleid.
Die vorderen Zähne sind übrigens zu den Platten eines schnabelartigen und ständig nachwachsenden Beißwerkzeugs umgebildet, mit dem die Papageifische einen niedrigen Pflanzenbewuchs auf den Korallen regelrecht abgrasen. Dabei schaben sie auch erhebliche Mengen von Korallenkalk ab, den sie zügig wieder ausscheiden. Dann allerdings fein gemahlen – als den Sand, den wir an den Palmenstränden so lieben. Kein Scherz, ein ausgewachsener Buckelkopf-Papageifisch produziert so bis zu 90 kg feinsten Sand pro Jahr.
Wir sehen noch verschiedene andere Papageifische:
Aber natürlich nicht nur die.
Griesgrämig dreinschauender LippfischFalterfischCamouflage-Zackenbarsch im VersteckImperator-Kaiserfisch
Jedenfalls ist der Drift-Schnorchelgang im Nordpass von Tahaneha für uns einer der insgesamt schönsten Schnorchelgänge bisher, und das will schon etwas heißen, denn da kommen mittlerweile doch so einige zusammen.
Eine etwas alberne Frage wird nebenbei auch beantwortet: wieso heißt die Farbe von Wiebkes Tauchmaske eigentlich „Coral“?
Das neue Jahr startet für die Flora mit einem intensiven Rigg-Check. Hier am Ankerplatz in Hirifa im Südosten von Fakarava ist es inzwischen schön ruhig geworden. Der Wind hat auf Nordost gedreht und abgenommen, also bauen sich hier auch keine Wellen mehr auf. Perfekt, um sich für eine Überprüfung des stehenden Gutes mal wieder in den Mast ziehen zu lassen. Selbst bei nur mäßiger Welle schaukelt es dort oben in 20 Meter Höhe doch ziemlich.
Jetzt bei glattem Wasser aber ist es einfacher. Und das muss es auch sein, denn ärgerlicherweise gibt es mal wieder einen Schaden im Rigg. Eines der Wanten weist gebrochene bzw. aus der Pressung gerissene Kardeele auf.
Hm, nicht gut. Reparieren kann man das Want nicht, es muss mitsamt der auf den Draht aufgepressten Beschläge gewechselt werden. Da kommen Erinnerungen an Hawai’i auf. Damals hatte unser Check in Honolulu einen ähnlichen Schaden im Hauptwant ergeben. Wegen der speziellen “Ballcup and Stemball”-Verbindungen musste dazu der Mast gelegt werden. Diesmal allerdings sind wir nicht in einer Metropole, sondern fernab von jeglichen Riggern und Schiffsausrüstern vor Anker in einem Südseeatoll.
Betroffen ist das D3, ein kleineres Diagonalwant zwischen der zweiten Saling und dem Mast unterhalb der dritten Saling, also ziemlich weit oben im Mast.
Und das ist zugleich auch großes Glück im Unglück, denn exakt dieses Want haben wir als Ersatzteil dabei. Was total unwahrscheinlich klingt, hat einen ganz einfachen Grund. In Hawai’i wollten wir nicht nur das betroffene Hauptwant, sondern gleich alle Wanten (Drähte, die den Mast seitlich fixieren) und Stagen (Drähte, die den Mast nach vorne und hinten halten) erneuern, zumal ja ohnehin der Mast heruntergenommen werden musste. Der Rigger war zugleich Vertragshändler unseres Mast- und Wantenherstellers Seldén, er konnte fast alle Wanten und Stagen vor Ort mit Originalteilen herstellen. Für uns ein Riesenglück, denn dadurch verzögerte sich unsere Abreise von Hawai’i nur um etwa zwei Wochen und wir konnten die ja ohnehin kurze Saison in Alaska doch noch genießen.
Fast alle hieß damals, dass wir nur die D3-Wanten nicht ersetzen konnten. Es sind die dünnsten in unserem Rigg (nur 7 mm, die V1-Hauptwanten z.B. sind 12 mm) und die entsprechenden Beschläge wären frühestens einen Monat später eingetroffen, zusätzlich gab es laut dem Rigger wohl auch NachCovid-Lieferkettenprobleme.
Was uns heute gerettet hat: wir haben sie damals trotzdem bestellt, der Rigger hatte sie uns ein halbes Jahr später nach Kanada nachgeschickt. Seitdem lagen sie im Vorschiff, bei den regelmäßigen Rigg-Kontrollen sahen die D3-Wanten unauffällig aus – bis auf heute! Zusätzliches Glück: für den Tausch der D3 muss der Mast nicht gelegt werden.
Also tauschen wir sie hier am Ankerplatz. Andrea von der Easy-One übernimmt die Sicherungsleine (Spifall), Wiebke winscht mich mit der Dirk in den Mast.
Das D3 wird erst an der Saling losgeschraubt (die Werkzeuge sind zusätzlich mit Leinen gesichert) und dann am Mast ausgehakt. Danach lasse ich es an einem Tampen herunter, ziehe das neue hoch und baue es ein. Gleich noch das zweite D3 auf der Backbordseite und: Fertig ✔️.
Wir nehmen das auch als Bestätigung dafür, dass es richtig war, in Honolulu nicht nur das V1 zu tauschen, sondern das gesamte Stehende Gut anzugehen. Flora hat inzwischen auf unserer Langfahrt seit Juni 2019 über 39.000 Seemeilen im Kielwasser und damit wurde dem Rigg doch auch schon einige Belastungen aufgebürdet. Gut zu wissen, dass jetzt wirklich das gesamte Stehende Gut erneuert wurde.
Das Festtagsmenü am zweiten Weihnachtstag auf der Lille Venn setzt einen weiteren Glanzpunkt.
Für die nächsten Tage ist sehr ruhiges Wetter angesagt. Ideal zum Tauchen und Schnorcheln. Wir verlassen Hirifa im Südosten von Fakarava und verholen die Flora zum Ankerplatz in der Nähe des Südpasses der Lagune. Anders als im Juli wählen wir dieses Mal einen Platz, der zwar etwas weiter vom Pass entfernt liegt, dafür aber wunderschön hinter einem kleinen unbewohnten Motu.
Bei nur 5 Metern Wassertiefe können wir einen etwas größeren Sandfleck ausmachen und dort den Anker platzieren. Das Floaten der Kette ist aber unerlässlich, um die empfindlichen Korallen nicht mit der Ankerkette zu berühren. Wir ankern noch einmal etwas weiter am (tiefen) Rand des selben Sandfleck und hängen die Floats sogar ein paar Mal um, bis wir eine gute Lösung gefunden haben.
Dann aber ist die Flora von allen hoch reichenden Bommies gut frei und die Kette schwebt auch ohne Berührung über den niedrigeren Korallenköpfen.
Das Schnorcheln an den Bommies ist schon gut, noch besser aber ist der Driftschnorchelgang im Pass. Das kennen wir schon von unserem Besuch im Juli. Wie damals sehen wir zwar einige Haie unten am Grund des Passes und natürlich auch Schwarzspitzenriffhaie in den Uferbereichen, aber die eigentliche “Wall of Sharks” bleibt dem Tauchgang mit Flasche vorbehalten. Was bei diesem Driftschnorchelgang schon auffällt, ist die ungeheure Menge und Größe der Napoleonfische. Diese neben den Zackenbarschen größten Korallenfische können über 2 Meter lang und 190 kg schwer werden, ausgewachsene Exemplare haben einen auffälligen Kopfbuckel.
Da wollen natürlich die Einhornfische hinsichtlich extravaganter Kopfform nicht zurückstehen. Diese im Deutschen auch als “Langnasen-Doktorfische” bekannten Exoten sind hier ebenfalls sehr zahlreich.
Drückerfische, Doktorfische (so genannt wegen des skalpellscharfen hornartigen Defensivwaffen an der Schwarzwurzel) …
… und verschiedene Falterfische sehen wir ebenfalls.
Aber der eigentliche Kracher am Südpass von Fakarava ist nunmal die “Wall of Sharks” mit ihren Hunderten von Grauen Riffhaien.
Gemeinsam mit Jeroen und Rajesh (SY My Motu), Hannes (SY MariaNoa) und Ingo (SY Easy One) tauche ich ab. Die leicht erkältete Wiebke und Brigitta bleiben in den Dinghies und sammeln uns nach dem sehr strömungsintensiven Tauchgang wieder ein. Und auch dieser Tauchgang am Südpass wird wieder ein beeindruckendes Erlebnis:
Vielleicht im Video noch besser zu verstehen und eindrucksvoller, auch wenn die Video-Qualität hier im Blog etwas reduziert ist:
Die Bedingungen sind gerade besonders gut, also wollen wir morgen gleich noch einen Tauchgang versuchen. Dann ist Wiebke hoffentlich wieder fit und dabei.