Tahuata: Überraschung in den Marquesas

Die Inseln der Marquesas zeigen sich von See kommend als steil aus dem Meer aufsteigende Felsformationen aus dunklem vulkanischen Stein, raue Steilklippen, tief eingeschnittene Täler, wild gebirgige, schwer zugängliche Inseln. Üppig grün an der Ostseite, wo die (Südost-)Passatwinde zum Aufsteigen gezwungen werden. In der kühleren Höhenluft an den Bergspitzen hängen deshalb fast immer Wolken und versorgen die Ostseiten mit üppigen Regenfällen. Die Küsten der windabgewandten Westseiten dagegen sind oft karger.

Und so präsentieren sich die Westseiten von Fatu Hiva (das wir hinter uns lassen) und Tahuata (zu der wir auf einem 40 sm Schlag segeln):

Und auch wenn es dem Klischee der Südsee entspricht: palmengesäumte weiße Sandstrände mögen für andere Inselgruppen typisch sein, für die Marquesas aber sind sie sie es gerade nicht. Hier ist (mangels Ringriff) eher eine Brandung zu erwarten, die sich an schwarzen Felsen bricht oder bestenfalls dunkle Steinstrände hinaufrollt.

Eigentlich.

Allerdings ist Tahuata eben eine Ausnahme von dieser Regel in den Marquesas. An der Südspitze noch komplett kahl, steil und fast schwarz, fällt die Westküste von Tahuata nach Norden hin immer sanfter zum Meer hin ab und bietet sogar ein paar der für die Marquesas so wenig typischen hellen Sandstrände.

Die Baie Hanamoenoa wird deshalb immer wieder mal als schönste Bucht der Marquesas bezeichnet. Schön ist sie unzweifelhaft. Aber dieser Superlativ scheint uns dann doch nicht gerechtfertigt, denn eigentlich ist es etwas anderes, was die Marquesas ausmacht. So wie zuletzt eben auf Fatu Hiva in der beeindruckenden und mit ihren speziellen Felsformationen eben auch sehr spektakulären Baie Hanavave. Einzigartig. Besonders. Und ganz klar Marquesas.

Trotzdem, im Kontrast genießen wir auch den Postkarten-Palmenstrand auf Tahuata:

Das Anlanden ist wegen der in die Bucht laufenden Dünung schwierig. Sie macht sich auf dem Boot nicht durch besonders intensives Rollen bemerkbar, Flora liegt eigentlich recht ruhig. Aber kurz vor dem Strand steilt sich die Welle stark auf und bricht auch immer mal wieder. Wir entscheiden uns, das Dinghy vor dem Strand zu Ankern und lieber an Land zu schwimmen. Dafür haben wir den Strand ganz für uns, obwohl die Ankerbucht mit bis zu 21 Booten ganz gut gefüllt ist.

Kaum zurück an Bord, beginnt wieder das tropische „Fenster auf – Fenster zu“-Spiel. Immer wieder schieben sich Wolken über den Bergrücken. Meist tröpfelt es nur kurz, aber insbesondere am späten Nachmittag erleben wir auch hier wieder ziemlich kräftige Tropenschauer. Mit allerdings schönen Begleiterscheinungen:

Doch, ja. Tahuata ist auch schön 🤩.

Fatu Hiva III: Tiki und hoch hinauf

Der wunderschöne Ankerplatz von Hanavave auf Fatu Hiva hat sich geleert, zwischenzeitlich sind wir nur noch fünf Boote hier. Unsere Nachbarn sind schon weiter gezogen, erkunden bereits andere Inseln der Marquesas, aber wir bleiben noch ein bisschen.

Einen ruhigen Tag verbringen wir einfach auf dem Schiff, genießen die einzigartige Szenerie und die verschiedenen Licht-Schatten-Spiele der Basaltmonoliten vor dem Hintergrund der steilen grünen Berghänge.

Am nächsten Tag machen wir wieder eine Wanderung. Es soll 9 km weit zu einem 450 m hohen Gipfel über der Bucht gehen, also brechen wir zeitig auf, um bei den ohnehin hohen Temperaturen nicht auch noch in die Mittagshitze zu kommen. Guter Plan, aber die Umsetzung klappt nicht so recht. Auf dem Weg durch das Dorf fällt uns ein eine mit luftigem Mesh eingehauste Plantage auf. Was mag das sein?

Der Nachbar kommt von seinem Grundstück herüber und klärt uns auf. Es ist eine von offizieller Seite angelegte Testanpflanzung von Vanille. Wird aber aus seiner Sicht nicht intensiv genug gepflegt. Und wo wir schon mal im Gespräch sind, lädt uns Henry gleich zu sich in seinen Garten ein. Wir werden der Familie vorgestellt, die auf der Terrassenwerkstatt gerade an Knochen- und Muschelschnitzereien arbeitet. Henry selbst ist eigentlich mit dem Anschleifen von Balsaltsteinen für mehrere Tiki beschäftigt.

Aber das kann jetzt ruhig warten, statt dessen werden wir mit Früchten aus dem Garten überhäuft. Neben Mango, Bananen, Papaya, Pampelmusen und Zitronen bekommen wir erstmals auch Ambarella (polynesische Goldpflaume). Henry erklärt uns, dass sie hier grün (unreif) gegessen wird, wobei die Schale nicht mitgegessen wird.

Im Gespräch erfahren wir, dass Henry eigentlich von den Gambier kommt. Hm, da waren wir ja gerade. Wen wir dort kennen? Wir berichten und es stellt sich heraus, dass Pakoi (von Aukena) sein Cousin ist. Als wir ihm die Fotos von Pakoi und uns zeigen, ist er ganz aus dem Häuschen und auch seine Frau muss sich die Bilder gleich noch einmal ansehen. Es ist eine kleine Welt.

Unsere ganzen Gartengeschenke sollen wir nicht mit auf die Wanderung nehmen, sondern erst mal da lassen und auf dem Rückweg abholen. Das Angebot nehmen wir gern an und übrigens – für die Skeptiker – auch beim Abholen wird uns kein Verkauf angeboten, sondern einfach der Fruchtberg in die Hände gedrückt.

Jetzt sind wir natürlich doch später unterwegs und es wird eine anstrengende Wanderung, obwohl der Weg auf der wenig befahrenen Straße entlang führt. Die Serpentinen ziehen sich so steil den Berg hinauf, dass wir nach einiger Zeit lieber auf der gesamten Straßenbreite im Zickzack gehen. So mindern wir die Steigung und damit das Gefühl, eine Treppe hinauf zu gehen.

Am Point de Vue ist nur Zwischenstation, es geht weiter steil bergan. Dafür werden wir aber mit herrlichen Ausblicken auf das Dorf, die Küste und die nördlich des Dorfes liegenden schroffen Felszacken belohnt.

Die Betonstraße (weiter oben Schotterstraße) schlängelt sich am Hang entlang, mehr als einmal können wir weit unter uns Flora am Ankerplatz liegen sehen.

Bei der Steigung gehen die 9 km dann aber doch ganz gut in die Beine (rauf) bzw. auf die Knie (runter), wieder an Bord sind wir rechtschaffen kaputt.

Trotzdem schafft es Wiebke noch, einen Zitronenkuchen zu backen. Heute suchen suchen wir dann noch einige aussortierte Kleidungsstücke heraus, packen ein Sortiment Stifte für Henrys Enkel und einige Stücke Zitronenkuchen dazu und gehen nochmal zu Henry, um uns mit Gegengeschenken für die polynesische Gastfreundschaft zu bedanken. Das kommt ausgesprochen gut an. Zwei von Henrys Söhnen sind gerade da, beide sprechen (wie Henry) gutes Englisch. Einer der Söhne ist Tätowierer und beide erklären uns die Bedeutung der verschiedenen klassischen Motive.

Und Henry zeigt uns, wie und mit welchen Werkzeugen er aus den Steinen Tiki herausarbeitet. Gemeinsam erläutern sie uns den religiösen und historischen Hintergrund der Tiki und welche Bedeutung Tiki für die Marquesas auch heute noch haben.

Und ohne ein weiteres Gastgeschenk – diesmal ist es selbstgefertigter Schmuck – lassen sie uns nicht gehen. Die polynesische Gastfreundschaft ist immer wieder überwältigend.

Im kleinen Dorfladen kaufen wir noch ein paar Lebensmittel, gönnen uns ein Eis. Als wir danach zurück an Bord kommen, fängt es gerade an zu tröpfeln. Dann wächst es sich zu einem fulminanten Tropenregen aus, der fast den ganzen Nachmittag anhält. Zeit für das Kochen einer asiatischen Teriyaki Gemüsepfanne mit von Henry mitgegebenen Maniok und außerdem auch noch das Backen einer wunderbaren Key Lime Pie (Wiebke).

Oder für den großen Service am Generator (Ralf). Danach zur Abkühlung eine Tropendusche auf dem Achterdeck.

Erst zum Abend klart es dann doch wieder auf.

Ist das schön hier auf Fatu Hiva!

Angekommen in Fatu Hiva

Die Marquesas machen es uns nicht leicht. Schon die fünftägige Überfahrt von den Gambier ist wegen der Seegangsverhältnisse eher anstrengend. Kurz vor der Ankunft wird dann noch einmal alles aufgeboten: in der Nacht erst Squalls mit 25 kn Winden, die scheinbar beliebig in die entgegengesetzte Richtung springen. Da drehen wir einfach mal bei und lassen den Squall durchziehen, wir sind ohnehin noch etwas früh dran. Klappt gut, hat allerdings den Haken, dass danach der Wind erstmal für zwei Stunden komplett weg ist. Hm.

Die hohe, gebirgige Insel Fatu Hiva können wir nicht sehen, bis wir auf drei Meilen herangekommen sind. Sie liegt schlicht unter einer dicken Wolke verborgen. Erst als wir in der Morgendämmerung in den Regen hineinfahren, lupft die Wolke an einer Ecke kurz ihren Schleier. Einen Augenblick lang sehen wir, dass das Land wohl doch da ist, dann wird es von einem sintflutartigen Tropenregen gleich wieder verschluckt.

Das führt auch dazu, dass die erste anvisierte Ankerbucht, die Baie Omoa, nicht eben zum Verweilen einlädt. Durch den Starkregen verwandelt sich dieser Ankerplatz in eine intensiv nach Kompost riechende dunkelbraune Brühe, in der alles mögliche herum schwimmt. Zudem drückt der Schwell um das Kap herum und lässt die beiden Ankerlieger intensiv auf und nieder tanzen. Och nöh.

Bei der weiteren Fahrt an Fatu Hiva entlang zur Hanavave / Baie de Vierges wird das Wetter aber langsam besser, ab und zu blitzt die Sonne durch. Die schroffe, intensiv grüne Küste bietet viele Wasserfälle. Manche braun von der mitgeschwemmten Erde, manche klar.

Und dann öffnet sich die Einfahrt zur Hanavave (nach dem Ort Hana Vave im Scheitel der Bucht. Von den Franzosen wurde sie zunächst Baie de Verges genannt. Das könnte eigentlich ganz unverfänglich mit Rohrstock-Bucht übersetzt werden (und wie schon in den Gambier wächst auch hier an den steilen Hängen erstaunlich viel Schilfrohr). Allerdings war den französischen Missionaren die Verbindung des Namens zu den teilweise sehr Phallus-ähnlichen Felsformationen (Penis-Bucht) deutlich zu naheliegend.

Nach ihrem christlichen Verständnis war bei der Namensgebung ein Schreibfehler unterlaufen, den sie entsprechend korrigierten und ein i einfügten, so wurde daraus die Baie de Vierges, die Bucht der Jungfrauen.

Wie auch immer, der Ankerplatz vor dem schmalen Durchlass in der markanten Felsformation, mit seinen Palmen auf den steilen Hängen, im Hintergrund eingerahmt von einem steilen hohen Felsenkessel, über dessen Kamm oft die Wolken hängen, er gilt als einer der ikonischen Ankerplätze der Marquesas und überhaupt der Südsee.

Zu Recht, auch wir sind begeistert. Manche der Felsen wirken, als könnten sie auch Tikis sein. Die Szenerie ist atemberaubend.

Und natürlich haben wir ihn nicht für uns allein.

Auch hier zunächst noch klar abgegrenzt das braune Flusswasser, das als Süßwasser nur eine dünne Oberflächenschicht bildet. Zum Abend hin ist das Wasser (jedenfalls außen an unserem Ankerplatz) schon wieder klar.

Prost.

Angekommen in Fatu Hiva

Die Marquesas machen es uns nicht leicht. Schon die fünftägige Überfahrt von den Gambier ist wegen der Seegangsverhältnisse eher anstrengend. Kurz vor der Ankunft wird dann noch einmal alles aufgeboten: in der Nacht erst Squalls mit 25 kn Winden, die scheinbar beliebig in die entgegengesetzte Richtung springen. Da drehen wir einfach mal bei und lassen den Squall durchziehen, wir sind ohnehin noch etwas früh dran. Klappt gut, hat allerdings den Haken, dass danach der Wind erstmal für zwei Stunden komplett weg ist. Hm.

Die hohe, gebirgige Insel Fatu Hiva können wir nicht sehen, bis wir auf drei Meilen herangekommen sind. Sie liegt schlicht unter einer dicken Wolke verborgen. Erst als wir in der Morgendämmerung in den Regen hineinfahren, lupft die Wolke an einer Ecke kurz ihren Schleier. Einen Augenblick lang sehen wir, dass das Land wohl doch da ist, dann wird es von einem sintflutartigen Tropenregen gleich wieder verschluckt.

Das führt auch dazu, dass die erste anvisierte Ankerbucht, die Baie Omoa, nicht eben zum Verweilen einlädt. Durch den Starkregen verwandelt sich dieser Ankerplatz in eine intensiv nach Kompost riechende dunkelbraune Brühe, in der alles mögliche herum schwimmt. Zudem drückt der Schwell um das Kap herum und lässt die beiden Ankerlieger intensiv auf und nieder tanzen. Och nöh.

Bei der weiteren Fahrt an Fatu Hiva entlang zur Hanavave / Baie de Vierges wird das Wetter aber langsam besser, ab und zu blitzt die Sonne durch. Die schroffe, intensiv grüne Küste bietet viele Wasserfälle. Manche braun von der mitgeschwemmten Erde, manche klar.

Und dann öffnet sich die Einfahrt zur Hanavave (nach dem Ort Hana Vave im Scheitel der Bucht. Von den Franzosen wurde sie zunächst Baie de Verges genannt. Das könnte eigentlich ganz unverfänglich mit Rohrstock-Bucht übersetzt werden (und wie schon in den Gambier wächst auch hier an den steilen Hängen erstaunlich viel Schilfrohr). Allerdings war den französischen Missionaren die Verbindung des Namens zu den teilweise sehr Phallus-ähnlichen Felsformationen (Penis-Bucht) deutlich zu naheliegend.

Nach ihrem christlichen Verständnis war bei der Namensgebung ein Schreibfehler unterlaufen, den sie entsprechend korrigierten und ein i einfügten, so wurde daraus die Baie de Vierges, die Bucht der Jungfrauen.

Wie auch immer, der Ankerplatz vor dem schmalen Durchlass in der markanten Felsformation, mit seinen Palmen auf den steilen Hängen, im Hintergrund eingerahmt von einem steilen hohen Felsenkessel, über dessen Kamm oft die Wolken hängen, er gilt als einer der ikonischen Ankerplätze der Marquesas und überhaupt der Südsee.

Zu Recht, auch wir sind begeistert. Manche der Felsen wirken, als könnten sie auch Tikis sein. Die Szenerie ist atemberaubend.

Und natürlich haben wir ihn nicht für uns allein.

Auch hier zunächst noch klar abgegrenzt das braune Flusswasser, das als Süßwasser nur eine dünne Oberflächenschicht bildet. Zum Abend hin ist das Wasser (jedenfalls außen an unserem Ankerplatz) schon wieder klar.

Prost.

Passage Gambier – Marquesas, Tag 4

Es bleibt dabei auf diesem Törn: flott unterwegs, aber anstrengend. Der Seegang lässt keine rechte Entspannung zu, wir werden ordentlich durchgeschaukelt.

Und es ist warm geworden. Das Wasser hat inzwischen 30,5°. Wegen der Wellen können wir die Fenster nicht öffnen. Immer wieder spritzt Salzwasser der konfusen See an der Bordwand hoch. Am und zu bringen kleine Squalls auch Süßwasserduschen. Zum Glück sorgen die fünf großen Doradelüfter auf Flora auch bei geschlossenen Luken für etwas Durchzug.

Ein AIS-Signal taucht auf, das erste auf dieser Passage. Wie könnte es anders sein – genau auf Kollisionskurs, CPA (größte Annäherung) zwischenzeitlich nur 200 Meter. Wir hätten Wegerecht und damit Kurshaltepflicht, aber was heißt das schon. Der Katamaran “Argo” geht dann doch mit etwa einer halben Meile Abstand unter Vorsegel quer vor uns durch, auf unsere Funkanrufe reagiert er nicht. Am Steuer auf dem hohen Brückendeck können wir niemand erkennen.

Auf hoher See erhalten wir die Nachricht vom Tod meiner Tante, telefonieren mit der Familie. So gerne würde ich meine Cousine in den Arm nehmen.

Nach einer unruhigen Nacht nimmt am Vormittag der Wind ab. Wir bleiben aber im zweiten Reff, um nicht mitten in der Nacht auf Fatu Hiva anzukommen. Einmal mehr ist es ein Kompromiss: hinter uns zieht ein Gewitterbereich auf, zu langsam dürfen wir also auch nicht sein.

Etmal 151 sm, gesamt bisher 649 sm, noch zu segeln bis Fatu Hiva nach aktueller Berechnung nur noch 95 sm.

Essen: Nudeln mit einer frischen Paprika und einer frischen Tomate (das will etwas heißen wenn man von den Gambier kommt). Es bleibt bei leichtem Essen angesichts der Bedingungen auf See.

Dunkle Wolken über dem Paradies?

Wir verbringen schöne Tage beim Tauna-Motu am Außenriff. Gemeinsam mit den Crews der Adiona und der Ohana gibt’s noch ein Beach-Potluck mit Lagerfeuer und Boccia spielen auf der Insel.

Dann ziehen die beiden anderen Boote weiter, wir bleiben noch einen Tag und genießen es, diese kleine Trauminsel ganz für uns allein zu haben.

Und dann wechseln auch wir mal wieder den Ankerplatz. Dieses Mal verholen wir hinter die Île Aukena, denn es sind südliche Winde und auch schlechteres Wetter vorhergesagt.

Auf Noforeignlandland sieht unsere Route durch das Gambier-Archipel nach einem Monat hier inzwischen so aus:

Als wir am Ankerplatz vor Aukena ankommen, ziehen von Süden über Akamaru bereits dunkle Wolken auf, während unsere Bucht noch durch die letzten Sonnenstrahlen in hellem Türkis leuchtet.

Also schnell das Dinghy zu Wasser lassen und ein bisschen Landgang.

Wir landen am alten Wachturm auf der Westspitze Aukenas an.

Hier könnte man sich jetzt auch in Schottland wähnen. Aber auf dem Pfad, der von hier aus durch den Wald führt, ändert sich dieser Eindruck gleich wieder. Ein wildes Gemisch aus Kokospalmen, Pandanus (Schraubenbaum) und Talipariti (Lindenblättriger Eibisch) im feuchteren Bereich, Kiefern auf den trockeneren steinigen Höhen. Mittendrin die Ruine des ersten Priesterkollegs Französisch Polynesiens aus dem zweiten Drittel des 19. Jahrhundert.

Und nebenan, im Wald fast überwuchert, der große Brennofen, in dem aus Korallengestein Kalk für den durch Zwangsarbeit der Bevölkerung gestemmten Bau der vielen überdimensionierten Missionskirchen gebrannt wurde.

Es tröpfelt schon, als wir wieder am Dinghy ankommen. Einen kurzen Schnorchelgang lassen wir uns dennoch nicht entgehen. Na klar, bei strahlendem Sonnenschein wäre das noch schöner, aber auch so sind wir von der intakten Korallenlandschaft und dem Fischreichtum begeistert.

Dann aber jetzt wirklich zurück zur Flora.

Sind das jetzt dunkle Wolken überm Paradies? Dramatisch genug mutet es jedenfalls an, oder?

Nein. Überhaupt sollten wir wohl dem von Cruisern so inflationär benutzten Begriff “Paradies“ mit einiger Skepsis begegnen. Auch die wunderschönen Gambier sind nicht das Paradies. Die durch die von den Priestern durchgesetzte Zwangsarbeit und durch eingeschleppte Seuchen fast ausgerotteten Insulaner sind da sicher eine Mahnung. Und aktueller: im Gespäch mit einem der Gendarmen war zu erfahren, dass auch auf den so idyllisch wirkenden Gambier weder häusliche Gewalt noch Drogen- oder Gewaltdelikte unbekannt sind.

Das Paradies ist jedenfalls für uns ganz sicher kein irdischer Ort, den es zu finden gilt, wenn man über die Weltmeere segelt oder durch die Kontinente streift. Wenn überhaupt, dann ist das Paradies in diesem Leben wohl eher ein Gefühl, ein Bewusstsein, eine Geisteshaltung, die Schönheit in dem zu erkennen, was um uns herum ist.

Mit oder ohne Wolken.

Nach dem Sturm

Es ist eigentlich erstaunlich. Wir hatten schlicht überhaupt nichts auszustehen und trotzdem merken wir, dass jetzt ein Druck, eine Anspannung von uns abfällt.

Das Sturmtief hat sich in den letzten vier Tagen wie vorhergesagt weiter im Südosten bei Pitcairn ausgetobt. Wir haben in unserer geschützten Ankerbucht nur einige Böen von knapp über 40 Knoten abbekommen. Kein Problem, da eben fast überhaupt kein Schwell seinen Weg in die Bucht fand.

Auf den Wind hatten wir Flora vorbereitet, indem wir das Bimini abgebaut und auch sonst den Winddruck vermindert haben. So wanderte der sonst am Seezaun gelaschte Segelsack des Code0 ebenso ins Vorschiff wie der Rettungskragen, diverse Leinen und auch die meisten Solarpanel (allerdings nicht die auf den Davits). So abgespeckt sieht Flora dann natürlich wieder richtig schnieke aus.

Tja, und der Wind hat sich eben an die Vorhersage gehalten und uns – außer einer im Laufe der Vorhersagen um einen weiteren Tag verlängerten Dauer – keine zusätzlichen Überraschungen beschert.

Die kurze Dinghyfahrt hinüber zur Adiona zum Oster-Essen mit Maggie und Scott ist ein bisschen nass, weil die Böen selbst die kleinsten Wellen gleich aufwirbeln. Aber ansonsten lässt sich das Wetter in der wunderschönen Baie Anganui ganz angenehm aussitzen.

Wiebke kann in aller Ruhe ihren Cardigan fertig stricken.

Und ich kann wenigstens die Knöpfe aus Strandfunden dazu basteln:

Langweilig wird es uns auch sonst nicht. Trotzdem, ein bisschen Veränderung darf es dann nach dem Abzug des Starkwindes doch sein. Wir verholen zwei Buchten weiter hinter die Île Agakauitai.

Hier gehen wir auch wieder schnorcheln. Trotz eher mäßiger Sicht lohnt es:

Und der Ankerplatz hinter dem hell-türkis leuchtenden Flach zwischen Taravai und Agakauitai ist auch wieder traumhaft.

Gambier. ❤️

Verstecken zu Ostern

Fast drei Wochen sind wir nun schon auf den Gambier und fast die ganze Zeit hatten wir schönes und ruhiges Wetter. Pünktlich zum Osterfest zieht allerdings im Südosten von uns ein Tiefdruckgebiet auf, das auch unser Feiertagswetter beeinflusst. Für die nächsten Tage ist Wind aus Südost mit kräftigen Böen angekündigt.

Der Ankerplatz vor Rikitea auf Mangareva ist zwar durch die vorgelagerten Riffe geschützt, aber aus Südost können Wind und Welle doch einigen Anlauf nehmen. Für die Lagune bei Taravai gilt das Gleiche. Wir beschließen deswegen, uns auf der anderen Seite von Taravai in einer geschützten Nordwestbucht zu verstecken (blauer Punkt).

Die Nordwestseite von Mangareva bietet sich nur scheinbar ebenfalls an, sie ist aber ziemlich dicht an dicht mit Perlfarmen belegt.

Macht aber nichts: hier in der Baie Anganui liegen wir nicht nur wunderbar geschützt, sondern zudem auch ausnehmend schön.

Inzwischen hat sich noch die Adiona zu uns in diese schöne Bucht verholt. So können wir mit unseren kanadischen Segelfreunden Maggie und Scott Ostern feiern. Die beiden haben uns gleich schon mal bei der Kokosnuss-Ernte geholfen und dann zu Erdbeer-Margaritas auf ihren Kat eingeladen.

Für die vorbei gebrachten Bananen-Muffins können wir uns dann heute mit einem Guglhupf Elsässer Art revanchieren. Den hat Wiebke quasi als Testlauf für das Backen bei Tetu und Murielle ausprobiert.

😚

Sowieso schon SEHR lecker, aber mit der selbst gemachten Guaven-Marmelade – einfach ein Gedicht!

Wir wünschen Euch allen ein schönes Osterfest.

Nach der Passage

Es ist ganz putzig. Nimmt man die Eingewöhnungsphase der ersten drei Tage mal raus, hatten während der gut drei Wochen unserer Überfahrt nicht das Gefühl, zu wenig Schlaf zu bekommen. Und doch: nach der ersten Euphorie des Ankommens sacken wir ein bisschen durch. Schlafen geschlagene 12 Stunden in der ersten Nacht und wachen trotzdem wie gerädert und mit leichten Kopfschmerzen auf klitschnass geschwitzten Laken auf.

Allzuviel bekommen wir am Tag dann auch nicht mehr erledigt. Immerhin das Nötigste, das Einklarieren. Das geht flott in der Gendarmerie. Vor unserer Abfahrt in Mexiko hatten wir das Internet-Formular für die Einreise in Französisch Polynesien ausgefüllt. Man kann es ausdrucken, aber wir nehmen nur die Vorgangsnummer aus der Bestätigungs-Email mit, das reicht aus. Der freundliche Beamte der Gendarmerie Nationale, Brigade de Rikitea, fragt uns noch, ob wir einen Stempel in den Pass haben möchten, sozusagen als Souvenir. Na klar. Und dann gibt er sich auch ganz besondere Mühe mit den Stempeln.

Wir sind drin. Polynésie francaise.

Als wir die Pässe wieder in der Hand haben fragen wir noch mal nach. Wie lange dürfen wir jetzt bleiben? Der Bürochef antwortet: Das Boot zwei Jahre, danach müsste es importiert werden. Und wir? Als EU-Europäer so lange wir mögen. „No Limit.“ Das ist sehr nett zu wissen, aber eigentlich nicht unser Plan.

😉

Die nächsten Gänge führen zum Geldautomaten an der Post und dann zum Bürgermeisteramt, wo wir die Gebühren für die Müllentsorgung (am Bauhof) bezahlen sollen.

Wir spazieren noch ein bisschen weiter durch das schmucke kleine Dorf und kommen an diesem Schild vorbei:

Der Stützpunkt unseres Segelvereins Trans Ocean aus Cuxhaven! Wir hatten zuvor von anderen Seglern gehört, dass wir einen Besuch hier am Besten am frühen Vormittag machen sollten. Dafür ist es jetzt etwas spät, aber wir gehen trotzdem hinein. Fritz begrüßt uns freudig und auf Deutsch. Er teilt uns auch gleich mit, dass er seit seinem letzten Schlaganfall keinen Alkohol mehr trinkt und auch nicht mehr raucht. Und dann geht ein echter Tropenguss auf das Blechdach der Hütte nieder, währen der 83jährige Fritz uns ganz wunderbar mit seiner wirklich außergewöhnlichen Lebensgeschichte unterhält.

Bis vor kurzem war Fritz auch zugleich die Anlaufstation für Segler, die in den Gambier Wäsche waschen wollten. Einen Waschsalon gibt’s nämlich nicht. Aber leider, seine Waschmaschine gibt den Geist auf und ist so laut geworden, dass er diesen Service inzwischen nicht mehr anbietet. Und da auch Rikitea Yacht Service seinen Betrieb eingestellt hat, bleibt nur die Handwäsche oder – was für ein Luxus – wir nehmen das Angebot unserer Freunde Jeannette und Jeroen an, die Waschmaschine auf Fidelis zu benutzen. Damit nicht genug, bewirten die beiden uns auch noch mit einem fürstlichen Dankesessen. Wir danken Euch, Ihr Lieben.

Die zweite Nacht bringt uns immerhin noch mal 10 Stunden Durchschlafen und dann erleben wir den ganzen Vormittag tropische Regengüsse aus dem Bilderbuch.

Wir gehen es langsam an. Die sintflutartigen Regenfluten nutzen wir allerdings gleich für eine natur-unterstützte Dusche und um das Schiff von der intensiven Salzkruste zu befreien, die es während der Passage aufgebaut hatte.

Und schließlich:

Wiebke backt gerade einen Kuchen. Ein erster Eindruck von unserem wunderschönen und ruhigen Ankerplatz hier zwischen den Riffen vor Rikitea:

Mangareva: eine Insel mit zwei Bergen …

Abschlepp-Aktion vor der Ankunft: Tag 24 der Passage von Mexiko nach Französisch Polynesien

Landfall mit Hindernissen

Die letzte Nacht vor der Ankunft beginnt mit einem Schock. Allerdings für Jeanette und Jeroen sicher mehr als für uns. Mit Beginn der Dämmerung erhalten wir einen Anruf von unserem Buddyboat. Die etwas hinter uns liegende Fidelis hat einen Getriebeschaden, der Motor ist nicht einsetzbar.

Es sind noch gut 40 sm bis zur Ansteuerung der Riffdurchfahrt, derzeit ist – wenn auch nur leichter – Segelwind. Also vereinbaren wir, dass wir zunächst ein Reff einbinden, damit sie weiter zu uns aufschließen können. Falls möglich, wollen wir die Boote bis kurz dem Pass segeln. Dann soll Flora die Fidelis in Schlepp nehmen. Allerdings ist weiter abnehmender Wind vorhergesagt. Für den Abend unseres Ankunftstages allerdings kündigen sich kräftige Gewitter an, allzu spät sollten wir nicht dort sein.

Bis 4.00 Uhr segeln wir, dann ist völlige Flaute. Noch gut 20 sm bis zum Pass. Fidelis ist jetzt aber nur noch 2 Meilen von uns entfernt. Über Funk vereinbaren wir den Versuch, doch bereits in der Dunkelheit eine Schleppverbindung herzustellen. Eigentlich möchte ich die Zugkraft mit einem Hahnepot auf unsere beiden Heckklampen verteilen, aber von dieser Vorstellung muss ich wieder Abstand nehmen. An Steuerbord würde unmittelbar am Propeller des Außenborders entlanglaufen, zu gefährlich. Und selbst wenn wir den Außenborder hochklappen oder gar (unterwegs im Dunkeln aufwändig) abnehmen, würde die Hahnepot auf Höhe der Unterkante unseres Dinghies verlaufen. Nicht gut. Die See ist ruhig, da sollte die massive durchgebolzte Backbord-Heckklampe unserer Hallberg-Rassy 43 auch mit den Zugkräften der 54 ft Amel klarkommen (hoffen wir).

Wiebke manövriert uns dicht an die Fidelis heran und ich werfe eine dünne Leine hinüber, an deren Ende ich unsere 50 m lange Heckankertrosse geknotet habe. Letztere befestigt Jeroen am Bug der Fidelis und dann beginnt die Schleppfahrt.

Angenehmer ist es natürlich, als es zwei Stunden später langsam hell wird und sich vor uns auch die Gambier-Inseln abzuzeichnen beginnen.

Es ist unmöglich, die Schleppleine permanent unter Last zu halten. Auch wenn die Wellen niedrig sind, zwei Dünungen laufen hier aus verschiedenen Richtungen um die Nordspitze des Gambier-Riffs herum. Laut Windy sind die derzeit zwar nur 1,6 und 1,2 m hoch. Manchmal heben sie sich fast auf, manchmal addieren sich die Höhen. Aber jedenfalls sorgen sie eben doch dafür, dass die Schlepptrosse unregelmäßig Lose bekommt oder sich strafft. Wir müssen aufpassen, dass Fidelis leicht nach Steuerbord versetzt hinter uns bleibt, damit die Trosse beim Hochschnellen nicht unter unsere Rettungsinsel knallt.

Insbesondere beim Einlenken in den Pass und den folgenden scharfen „Linkskurven“ bei der Durchfahrt der inneren Riffe zum Ankerplatz vor Rikitea auf Mangareva ist das wichtig.

Das Fahrwasser ist gut betonnt. Aber Achtung: die Betonnung folgt hier in Französisch Polynesien wieder dem zu Hause in Europa verbreiteten System A (einlaufend rot an Backbord) und nicht wie zuletzt System B (Red Right Return).

Es ist anstrengend, keine Frage. Das Abschleppen reibt an den so kurz vor dem Ende der Passage ohnehin überstrapazierten Nerven, aber es ist eben auch Teil der gelebten Seemannschaft und des Abenteuers, das mit einer solchen Ozeanpassage einher geht. Und: alles klappt gut, wir kommen sicher am Ankerplatz vor Rikitea an.

Das dann unsere Ankerwinsch mitten im Manöver in Streik geht und die Sicherung durchbrennen lässt hätte jetzt eigentlich nicht sein müssen, aber wir finden einen Workaround und bringen das Manöver zu Ende, ersetzen dann die Sicherung und werden uns vielleicht morgen um den Fußschalter kümmern, den wir als eigentliche Ursache verdächtigen.

Strecke bis zur Ankunft: 86 sm, damit gesamt auf dieser Passage: 3.048 sm, unsere zweitlängste Passage bisher auf der gesamten Reise.

Ankunft war um 13.00 Gambierzeit (wir sind jetzt 10 Stunden hinter der deutschen Zeit). Einschließlich der durch die beiden Zeitzonen gewonnenen zwei Stunden waren wir also 24 Tage und 4 Stunden (=580 Stunden) unterwegs. Das macht 5,25 kn Durchschnittsgeschwindig-keit. Wohl der niedrigste Wert unserer bisherigen Hochseepassagen, und doch sind wir damit sehr zufrieden. Denn zum einen haben wir es damit geschafft, praktisch die kompletten Tropen von Nord nach Süd mit nur 43,4 Motorstunden zu durchfahren, wovon ja auch noch gut 8 Stunden auf das Schleppen entfallen. Vor allem aber haben wir es mit dem teilweise bewusst langsamen Segeln geschafft, alle Gewittergebiete auf dem Weg zu umschiffen.

Ankommenschluck mit der Crew der Fidelis

Wir sind ein bisschen erschöpft, glücklich und wir freuen uns darauf, mal wieder eine ganz Nacht durchzuschlafen.

🥱😴💤

Na ja, mal schauen ob das inzwischen für den frühen Morgen vorhergesagte Gewitter das zulässt, aber deutlich lieber hier als unterwegs.