Cagliari

Heute haben wir uns dann doch mal von unserem tollen Ankerplatz vor Villasimius gelöst

und sind rund 20 sm weiter nach Cagliari herrlich gesegelt.

In Cagliari haben wir einen Mechaniker aufgetan, der sich hoffentlich morgen um unseren Windgenerator kümmern wird.

Wir haben dann heute Abend einen ersten Gang in die Stadt gemacht und freuen uns. Zwar ist es von der Marina aus ein ganzes Stück zu gehen (insgesamt hatten wir heute knapp 14 km Fußmarsch auf der Uhr (bzw. auf dem iPhone), aber der größere Teil des Weges in die Innenstadt ist eine schöne Promenade am Wasser entlang.

Zur Belohnung gab’s erstmal ein wieder SUPER LECKERES Eis

und dann einen Aperitivo in einer der vielen tollen Locations der Altstadt, bei uns war es ein palmenbestandener abgestufter Platz mit einer wundervollen Atmosphäre. Belebt und trotzdem nicht hektisch, sondern sehr entspannt.

Lecker war es auch noch. Und die Stimmung setzte sich beim weiteren Spazieren durch die Stadt so fort. Cagliari hat uns spontan in seinen Bann gezogen.

Catania

Kontraste: Nach dem Blauwasser des letzten Posts folgte die Großstadt. Catania, 400.000 Einwohner und die zweitgrößte Stadt Siziliens. Statt des offenen und rolligen Ankerplatzes vor dem Strand von Africo nun die (jedenfalls bei den herrschenden Winden) gut geschützte Marina Circulo Nautico NIC, die am Ende des betriebsamen großen Industrie- Fähr- und Fischerhafens liegt. Statt klarem Freiwasser undurchsichtige und mit Abfall durchsetze Stadthafenbrühe. Und auch Catania selbst ist voller Gegensätze. Einerseits voller Geschichte, mit noch sichtbaren Wurzeln aus der Antike, wie etwa den Resten des ehemals mit zu den größten im römischen Reich gehörenden Theater Anfiteatro Romano.

Gelegen zwischen vielen anderen deutlich neueren und doch historischen Bauten, im Stadtzentrum sind das praktisch fast alle Gebäude, Neubauten gibt es dort wenige. Aber selbst auf Prachtstraßen, wie der zum Theatro Massimo Bellini führenden Via Guiseppe Perrotta ist zu erkennen, dass Catanias Bauten eher einen leicht morbiden Charme ausstrahlen.

Uns gefällt die Stadt mit ihren freundlichen Bewohnern trotzdem. Wir fragen uns, ob bei einer Stadt, die auch die Tochter des Ätna genannt wird und die in ihrer Geschichte immer wieder von schlimmen Erdbeben und Vulkanausbrüchen gebeutelt oder gar zerstört wurde, die Einwohner der äußeren Pflege der Gebäude einfach weniger Aufmerksamkeit widmen. Wie die Häuser wohl innen aussehen? Jedenfalls tun sich immer wieder Blicke in Innenhöfe auf, die unser Interesse wecken. So wie hier

oder hier, im Garten der juristischen Fakultät der Universität:

Und auch die quirligen wirklich aktiven Märkte haben es uns angetan:

Ach ja, die Lebensmittel 😉: Wir müssen uns da wohl noch etwas umgewöhnen. Ob es der Wein ist, der im kleinen Alimentari genannten Lebensmittellädchen aus Fässern verkauft und in 2-Liter-PET-Wasserflaschen abgefüllt wird

oder – wiederum auf dem Markt – die reichlich angebotenen Schnecken 🐌, bitte genau hinsehen:

Von wegen genau hinsehen: Unseren neuen und in Griechenland vom Fachmann erworbenen und angebauten aber schwächelnden (fast keine Leistungsabgabe) Windgenerator haben wir hier übrigens trotz italienisch fachmännischer Hilfe nicht zur Arbeit überreden können, aber immerhin die Ursache entdeckt: es ist die 24 Volt, nicht die 12 Volt Version. Entsprechende Umrüstung soll jetzt in zwei Wochen in Palermo erfolgen.

Aber es gibt auch richtig Schönes zu vermelden: Nichte Emma und Neffe Emil sind wohlbehalten eingeflogen und verstärken bis Palermo unsere Crew. Heute sind wir noch einmal gemeinsam durch Catania gestreift und sind dann schön hinauf nach Taormina gekreuzt, wo wir jetzt vor Anker liegen.

Entsetzen und Erlösung

Die SY Samai hat neulich auf ihrem Blog geschrieben, man müsse

1. für eine Langfahrt ein festes Startdatum setzen und

2. sei man an diesem Datum nicht fertig.

Wir waren eigentlich der Auffassung, erstens mit unserem Abflug nach Griechenland den Starttermin gesetzt (und eingehalten) zu haben und zweitens im Rahmen des Möglichen (eine To-do-Liste wird es immer geben) uns selbst und auch Flora abfahrfertig zu haben – EIGENTLICH!

Am Montag, einen Tag vor unserem Startdatum, bekam ich dann von unserem Fernwarnsystem C-POD eine Mail: Batteriestatus-Warnung. Grrr. Also auf der C-Pod-Seite eingeloggt um nach den Details zu sehen:

Das führte zu einem ziemlichen Schrecken: im obersten Kasten steht bei „Externe Batterie“ die Angabe 1,0 V. Diese Angabe war bisher immer sehr präzise und wenn unsere schöne neue Lithium-Ionen-Batteriebank nur noch eine Spannung von 1 Volt aufweisen könnte, wäre sie wohl Schrott.

Also was tut der abwesende Eigner: erstmal alle erreichbaren Personen in der Nähe des Bootes wuschig machen und per Telefon SOFORT zum Boot beordern. Was dann zurückkommt, hört sich nach einer halben Entwarnung an, genaueres dann morgen vor Ort. Hm. Wir flogen trotzdem mit einem etwas flauen Gefühl hierher.

Hier in Griechenland angekommen, klärt es sich einigermaßen auf: Mihalis und Argiris haben wohl einen Verbraucher an Bord angelassen (welcher bleibt unklar), irgendein anderes Boot hat das Landstromkabel zweckentfremdet und nicht wieder angeschlossen, die Batterien wurden deshalb leergenuckelt (was man bei Lithiumbatterien sehr sehr lange nicht an der Spannung ablesen kann) und dann …

… hat das batterieeigene BMS (Batteriemanagement) bei knapp 80 % Entladung in den Sicherheitsmodus geschaltet und einfach nix mehr rausgelassen. Führte natürlich zu der Batteriestatuswarnung und der gemeinen Anzeige. Alles wieder gut 😊, Batterien sind wieder voll und haben ausweislich der (gespeicherten) Historie auch nicht gelitten. Puh.

Da konnten wir gestern Abend den Sonnenuntergang hier dann doch wirklich genießen.

Coppercoat auffrischen

Nur noch vier Tage, dann geht es los auf die große Reise. Sind wir bereit?

Ja, sind wir. So bereit, wie man nur sein kann. Und voller Vorfreude. 😊

Ist die Vorbereitung abgeschlossen, die Flora auch startklar?

Ja, bestmöglich (soweit wir das aus der Ferne beurteilen können). Ich hatte ja schon geschrieben, dass wir dem Unterwasserschiff noch eine Auffrischung gegönnt haben. Für die Nichtsegler: Beim Schiff schaut ja (genau umgekehrt zum Eisberg) der größte Teil aus dem Wasser, unsere Mastspitze ist z.B. etwas über 20 m oberhalb der Wasseroberfläche. Aber natürlich gibt es auch einen Teil des Schiffsrumpfes unter Wasser, unser Bleikiel geht ca. 2 m tief. Und so ziemlich alles, was dauerhaft im Wasser liegt, wird irgendwann auch biologisch besiedelt.

Erst ist es meist nur loser Schleim, dann kommen festsitzende Muscheln und Seepocken dazu (die eigentlich zur Familie der Krebse gehören, aber sich hier unfassbar festsetzen), Algen finden das auch gemütlich. Auf lange Sicht würde man quasi sein eigenes Hausriff spazieren fahren. Wobei – so schön so ein Biotop auch sein mag – die Fortbewegung und auch die Steuerungsfähigkeit würde es dann doch erheblich hemmen, für das Schiff und seine Technik wäre es auch nicht förderlich.

Deshalb wird das Unterwasserschiff mit einer speziellen Farbe gestrichen, die den „Fouling“ genannten biologischen Bewuchs verhindern soll – Antifoulingfarbe eben. Es gibt verschiedene Arten: „Selbstpolierendes“ Antifouling, dessen jeweils oberste Schicht sich bei Fahrt quasi durch das Wasser abschleift und dabei den erst im Ansatz befindlichen Bewuchs mitnimmt. Und es gibt „Hartantifouling“, bei dem die bioziden Bestandteile langsam aus der im übrigen verbleibenden Beschichtung herausgewaschen werden. Die meisten Antifoulings müssen regelmäßig (meist jährlich) neu aufgetragen werden. Eine Ausnahme ist das Coppercoat, eine spezielle Epoxidharz-Kupfer-Mischung. Einmal aufgetragen, soll es für mindestens 10 Jahre vor Bewuchs schützen, erfordert allerdings eine sehr akribische Vorbereitung des Rumpfes und genaue Einhaltung der geforderten Umgebungsbedingungen beim Auftragen.

Als wir die Flora kauften, war ihr Unterwasserschiff schon mehrere Jahre mit Coppercoat versehen, wir waren damit die letzten beiden Jahre sehr zufrieden. Allerdings hatte es – insbesondere im Bereich des Bugstrahlruders – einige Schadstellen, die ausgebessert werden mussten. Wir haben die Gelegenheit genutzt, jetzt vor der Langfahrt das Coppercoat noch einmal komplett auffrischen zu lassen, um hoffentlich für die Langfahrt erstmal Ruhe zu haben.

Anschleifen (dabei kommt die eigentliche Kupferfarbe wieder unter dem Kupferoxid zum Vorschein:

Ausbessern, schleifen, schlichten, schleifen.

Anstriche ein, zwei, drei, vier.

Stützen versetzen lassen (geht in Gouvia leider nur über das Marina-Büro):

Und das ganze auf den Restflächen noch einmal:

Und so sieht der Tunnel des Bugstrahlruders jetzt aus:

Der Propeller wurde auch noch poliert, außerdem das Kühlwassereinlass-Seeventil des Motors gewechselt.

Das müssen wir natürlich noch auf Dichtigkeit prüfen, außerdem den Windgenerator auf Funktion.

Dienstag wissen wir mehr.😊 🤞

Grün oder nicht grün

Arbeiten am Schiff in Abwesenheit sind eigentlich nicht unsere erste Wahl. Aber leider musste unser „Holzwurm“ Peter aus familiären Gründen dringend in seine Heimat Schweiz reisen, den Austausch einer gerissenen Teakholzleiste auf dem Vorschiff konnte er dann aber inzwischen in unserer Abwesenheit vornehmen. Auf dem von ihm geschickten Foto sieht es schon mal gut aus. So gut, wie er eben auch die anderen Holz- und Lackierarbeiten (Cockpitgräting, Niedergang und Ablagen) erledigt hatte, die wir bei unserem letzten Besuch ja schon „abnehmen“ konnten.

Für die Nichtsegler: die Farbe wird sich ganz von alleine schnell wieder angleichen.

Etwas größer ist der Umfang der Arbeiten am Unterwasserschiff, die derzeit von Argyris und Mihalis durchgeführt werden. Wir haben uns entschlossen, nicht nur die (kleineren) Macken im Coppercoat-Antifouling auszubessern, sondern vor dem großen Törn unseren bewuchshindernden Langzeit-Unterwasser-Schutzanstrich vollständig aufzufrischen. Dazu wird das vorhandene Coppercoat erst angeschliffen und dann flächig drei bis vier neue Schichten Coppercoat aufgebracht. Hier ist noch das Anschleifen zu sehen:

In den nächsten Tagen soll dann der Neuanstrich folgen. Die Kupferfarbe wird im Salzwasser dann schnell wieder grüne Patina bekommen (ein Zeichen, dass die Farbe aktiv ist). Außerdem wird noch das Seeventil des Kühlwassereinlasses vorsorglich getauscht, weil durch hier unerwünschte Grünfärbung erste Anzeichen für eine Auszinkung erkennbar waren, da möchten wir doch lieber auf Nummer sicher gehen.

Bis zum 25. sollte alles fertig sein. 🤞

Kettenwechsel, doppelter Wasserfall und Handy-Himmel?

Heute haben wir die Ankerkette gewechselt. Das erforderte allerdings in Anbetracht des Gewichtes der Ketten und ihrer Standorte (Kettenkasten im Auto auf dem Parkplatz, Ankerkasten im Bug der mit dem Heck am 150 m langen Steg liegenden Flora) ein wenig Planung.

Wir haben uns für folgenden Weg entschieden: mit dem Dinghy unter den Bug der Flora zu fahren, die alte Kette ins Dinghy hinabzulassen, mit dem Dinghy zum Kai in der Nähe des Parkplatzes, alte Kette in einen Einkaufswagen, zum Auto, 100 m neue Cromox-Duplex-Edelstahlkette auch in den Einkaufswagen, zum Kai, neue Kette ins Dinghy – ooops, Wolkenbruch mit etwas Hagel aus dem NICHTS, Wiebke rennt zurück zum Boot um die Luken zu schließen, Ralf bringt die 70 m lange alte Kette zum Auto und dort im Schutz der Heckklappe in den bewährten Kettenkasten.

Jetzt also mit dem Dinghy zurück zur Flora. Ganghebel in Neutral, kräftiger Zug an der Anlasserleine, das Dinghy macht einen Satz nach hinten und Ralf dadurch einen ebensolchen außenbords. Das war jetzt etwas abseits des geplanten Weges. Das Handy war natürlich in der Hosentasche (es schläft jetzt jetzt nach Süsswasserspülung und Trocknung in der Zwischenwelt einer Plastiktüte neben Silicagel, die Hoffnung stirbt zuletzt). Zurück ins Dinghy, der Gangwahlhebel steht immer noch auf Neutral / Leerlauf. Hm. 🤨

Vorwärts: Propeller dreht nicht. Rückwärts: Propeller dreht nicht. Ein paar Mal hin und her probieren: es bleibt dabei. Nein, doch nicht: nach dem dritten Mal setzt der Propeller wieder ein; im Neutral-Gang geht es rückwärts. Also immerhin nicht zurück rudern, sondern schön verkehrt herum durch die Boxengassen motoren.

Unter den Bug der Flora, dann bringt die Ankerwinsch die neue Kette an ihren Platz im Ankerkasten. Der übrigens – auch das für uns ein Novum – seinen Namen jetzt wirklich verdient hat. Er beherbergt nämlich nicht nur die neue Kette, sondern unter ihr wohnt auch unser alter 25 kg Delta-Anker, zumindest bis auf weiteres. Die Flunken habe ich dort, wo sie an den Bordwänden anliegen mit aufgeschnittenem Wasserschlauch entschärft, den Schaft mit der Stoßdämpfer-Verpackung des Spade, er scheint sehr stabil zu sitzen und die auf ihn fallende Kette nicht zum Verhaken einzuladen, wir werden das aber erst mal beobachten.

Und ja, der Bug hat jetzt einiges zusätzliches Gewicht erhalten, etwa 70 kg, eigentlich nicht ideal und verstärkend für ein eventuelles Stampfen in der Welle. Allerdings war die Flora bisher etwas aufs Heck vertrimmt, wohl durch die vom Voreigner angebrachten Davits mit dem darin hängenden großen Dinghy und dem 20 PS Außenborder, von der Rettungsinsel und dem 20 kg Heckanker am Heckkorb ganz zu schweigen. Ach ja, der Windgenerator soll ja auch noch dazu kommen. Wir versuchen, es als ausgewogeneren Trimm zu sehen. 😊

Kettenkasten

Die Vorbereitung geht weiter, vielmehr: sie läuft auf Hochtouren.

Flora ist heute morgen verholt worden, sie wird für eine Woche an Land gestellt. Mihalis und Argiris kümmern sich um ihr Unterwasserschiff: an zwei Stellen wird das Coppercoat ausgebessert, mit dem wir ansonsten bisher sehr zufrieden sind. Opferanoden tauschen, Leinenschneider an der Welle anbringen, Ruderlager schmieren, so etwas. Die beiden werden dann auch noch Rumpf und Deck polieren, allerdings erst nachdem Peter zwischendurch noch ein paar Holz- und Schleifarbeiten erledigt hat, um das Teakdeck wieder in Topzustand zu bringen.

Am kommenden Wochenende wollen wir das erste (und einzige) Mal mit dem Auto nach Griechenland fahren, um alles, was noch auf die Flora soll, tatsächlich auch dahin zu bekommen. Unser Gästezimmer ist ziemlich vollgepackt mit Sachen, die wir am Donnerstag ins Auto verfrachten wollen, wir sind gespannt ob es passt.

Unter anderem ist der neue Anker bei uns eingetroffen, ein 30 kg Spade-Anker. So sah das Paket aus:

Ausgepackt ist der Anker nicht mehr ganz so monströs, aber immer noch ziemlich groß:

Und Freitag kam dann auch die neue Wälder Ankerkette. Leider können wir wegen der von uns angestrebten warmen Reviere keine normale Niro-Ankerkette verwenden. Selbst V4A-Niroketten neigen bei Wassertemperaturen über 26 Grad zu Lochfraß, was dann zum unerwarteten Bruch der Ankerkette führen könnte. Andererseits möchten wir eine Edelstahl-Ankerkette, weil sich diese glatte Kette besser in den Ankerkasten staut und weniger „Haufen“ bildet, die bei unserer 100 m langen Ankerkette sonst die Ankerwinsch blockieren könnten. Für uns kam deswegen nur die Wälder Cromox Duplex Ankerkette (Material 1.4462) in Betracht, die für Wassertemperaturen bis 34,5 Grad geeignet ist.

Den Anker haben wir übrigens nur deshalb ebenfalls in Edelstahl genommen, weil in der Spitze des Spade-Ankers Blei eingegossen ist. Bei einem verzinkten Anker müsste das Blei zum Nachgalvanisieren jeweils ausgeschmolzene und wieder eingegossen werden.

Zum Glück haben für die 100 m lange Ankerkette einen vorübergehenden Kettenkasten unter unserem Kofferraum gefunden:

Jetzt haben wir die Hoffnung, dass wir auch die restliche Ausrüstung noch mitbekommen. ☺️

Gürtel und Hosenträger für MOB?

Eine der schlimmsten Vorstellungen hinsichtlich einer Langfahrt ist, dass auf hoher See ein Crewmitglied über Bord gehen könnte. Nicht ohne Grund ist „Eine Hand fürs Schiff!“ oberster Grundsatz.

Die praktische Erfahrung beim Safety-at-sea-Kurs in Elsfleth im letzten Jahr hat uns noch einmal deutlicher gemacht, wie schwierig es insbesondere bei Wellengang sein dürfte, eine über Bord gegangene Person wieder an Deck zu bekommen. Die allererste Prämisse muss also sein, das Überbordfallen zu verhindern. Strecktaue und feste Punkte zum Einpicken der Sicherheitsleine sind bei uns an Bord vorhanden.

Allerdings – das ständige Tragen von Rettungswesten und darin eingepickten Lifebelts halten wir nicht für realistisch. Schaut man sich die Fotos oder Videos von Seglern auf Langfahrt an, tragen nur die Allerwenigsten IMMER eine Rettungsweste. Blöderweise besteht das Risiko, über Bord zu fallen aber nicht nur bei Schwerwetter oder jedenfalls starkem Wind.

Zwar wäre es bei weniger schwerem Wetter im Prinzip einfacher, jemanden wieder an Bord zu bekommen, allerdings kommen bei unserer kleinen Crew auch bei eigentlich gutem Wetter ein paar weitere Schwierigkeiten dazu.

Zunächst mal bewegt sich das Boot ja, schwimmend kommt man da nicht hinterher. Also muss das Boot stoppen. Dafür muss erst mal jemand anderes mitbekommen, dass ein Crewmitglied fehlt. Bei kleiner Crew ist das nicht selbstverständlich. Nachts darf selbst eingepickt niemand das geschützte Cockpit verlassen, wenn nicht mindestens ein anderer ebenfalls im Cockpit ist. O.k., aber tagsüber?

Eine mögliche Lösung könnte in diesen kleinen, einer Armbanduhr ähnlichen „OLAS“-Sendern liegen.

Die mit rund 50 Euro pro Stück vergleichsweise eher günstigen OLAS-Armbänder (SmartTags) sind über Bluetooth mit einer App auf Handy und/oder iPad verbunden. Sie zu tragen stellt auch bei heißem ruhigen Wetter praktisch keine Einschränkung der Bequemlichkeit dar. Fällt der Träger eines solchen SmartTags über Bord, unterbricht die Bluetooth-Verbindung, die App löst dann optisch und akustisch Alarm aus. Außerdem zeigt die App den Ort (die GPS-Position) der Unterbrechung an und auch die Richtung, in der dieser Ort von dem sich inzwischen ja fortbewegenden Schiff aus liegt.

Die optimale Lösung?

Na ja, bei genauerer Betrachtung gibt es da doch einige Bedenken. Die kleinen SmartTags brauchen natürlich Batterien. Leider sind sie nicht mit (etwa per USB) wiederaufladbaren Akkus bestückt. Allerdings kann man die Knopfzellen-Batterien gut selbst wechseln und die Laufzeit soll zwischen einem und vier Monaten liegen, was wir allerdings noch nicht getestet haben. Etwas schwerer wiegt da schon, dass das Device, auf dem die App läuft, logischerweise nicht mit über Bord gehen darf. Auch hier sehen wir aber ein eher kleines Problem, da man die App parallel auf mehreren Geräten laufen lassen kann und die SmartTags dann auch auf allen Geräten angemeldet sein können. Allerdings: wie wir im praktischen Versuch schon zu Hause ausprobiert haben, muss die App geöffnet sein, sie läuft bei uns nicht auf dem ausgeschaltetem iPad im Hintergrund. Das ist eine suboptimale und stromfressende Geschichte. Eine weitere und die im Ernstfall wohl entscheidende Einschränkung ergibt sich aus der Bluetooth-Struktur. Die geringe Reichweite von irgendwo zwischen 10 und maximal 100 Metern wird ja genutzt, um über die Unterbrechung das Alarmsignal auszulösen. Danach ist aber eben gerade keine Verbindung mehr vorhanden, d.h. man weiß zwar in etwa, wo jemand über Bord gefallen ist, aber nicht, wohin er jetzt getrieben ist. Wenn man die über Bord gefallene Person bei etwas Wellengang nicht mehr erkennen kann, liegt darin ein großes Manko. Damit ist für uns klar: Die SmartTags helfen im MOB-Fall bei der Alarmierung (was gerade bei kleiner Crew nicht unterschätzt werden sollte). Bedenkt man aber, dass der Rest der (kleinen) Crew vielleicht gerade schläft oder unter Deck beschäftigt ist, vergeht bis zum Stoppen oder gar Umdrehen des fahrenden Bootes sicher einige wertvolle Zeit, nach der man die über Bord gegangene Person vielleicht nicht mehr so leicht wiederfindet. Zur Hilfe bei der Suche bieten die SmartTags aber nur eine sehr grobe Orientierung.

In unseren Rettungswesten haben wir ja automatisch auslösende AIS-Sender ( https://florasailing.wordpress.com/2019/01/11/armed/ ), aber wie eingangs geschrieben nützt das eben nur, wenn die Rettungsweste auch tatsächlich getragen wird.

Auf der Boot haben wir deshalb kleine zusätzliche AIS-Sender von Simy gekauft. Die sind mit ca. 200 Euro pro Stück zwar nicht ganz billig, aber sehr kompakt, sie können leicht etwa in der Tasche der Shorts getragen werden. Man muss sie allerdings manuell auslösen.

Wenn so ein AIS-Sender ausgelöst wird, egal ob automatisch oder manuell, schlägt der Plotter (sofern er eingeschaltet ist!) akustisch Alarm und zeigt zugleich die Position des AIS, also des über Bord gegangenen, laufend mit einem besonderen Symbol auf dem Bildschirm an. Sind andere Schiffe mit AIS-Empfänger in der Nähe, bekommen auch sie den Alarm und die Anzeige.

Anders als bei den in unseren Rettungswesten montierten MOB1 von Ocean Signal kann keine MMSI in die kleinen Simy My-AIS programmiert werden, sie lösen also nicht zusätzlich einen Alarm auf der eigenen UKW-Funke (sofern auf Langfahrt überhaupt eingeschaltet) aus.

Verglichen mit den SmartTags vereinfacht sich aber das Wiederfinden einer über Bord gegangenen Person erheblich, weil deren Position trotz der niedrigen Antennenhöhe des Senders im Wasser jedenfalls in einer Entfernung von mindestens zwei Meilen punktgenau auf dem Plotter ersichtlich sein sollte.

Gürtel und Hosenträger? Jedenfalls verschieden Optionen für zusätzliche Sicherheit.

Am besten aber natürlich gar nicht erst über Bord fallen!

ARMED

Das automatische Schiffserkennungssignal (Automatic Identification Signal), kurz „AIS“ empfinde ich als einen wesentlichen Sicherheitsfortschritt. Es ist einfach klasse, damit ausgerüstete Schiffe auf dem Plotter nicht nur identifizieren zu können, sondern auch leicht ablesen zu können, wie nahe sie einem wann kommen werden. Gerade beim Queren einer Schifffahrtsstraße mit dicken Pötten oder beim Heranrauschen von Fähren ist uns das eine große Hilfe. Aber auch umgekehrt können andere die Flora, ihren Kurs und ihre Geschwindigkeit auf Ihrem Plotter sehen, so dass auch unsere passive Sicherheit steigt. Um diesen Aspekt noch weiter zu verbessern, haben wir in unseren Rettungswesten zusätzlich kleine und leichte AIS Notsender mit DSC-Funktion eingesetzt. Diese auch POB (Person over Bord Beacon) genannten kleinen Wunderteile sollen das Auffinden und damit die Rettung von über Bord gefallenen Personen maßgeblich verbessern bzw. in der Nähe befindliche Schiffe überhaupt erst auf einen solchen Seenotfall aufmerksam machen. Wir haben uns dabei schon vor einiger Zeit, nämlich 2016 vor meiner Silverrudder-Teilnahme, für MOB1 der Firma Ocean Signal entschieden. Sie sind nur 92 Gramm leicht, mit einem GPS Empfänger ausgestattet und lösen beim Aufblasen der Rettungsweste automatisch aus, können aber auch manuell ausgelöst werden. Nach einer Aktivierung wird dann 24 Stunden lang gesendet, der MOB1 sendet das Notsignal an alle AIS Empfänger in Reichweite, auf deren Plotter erscheint dann ein „Mensch über Bord“-Signal.

So weit, so gut (auch wenn es hoffentlich nie zum Einsatz kommen muss). 

Durch einen Artikel auf http://www.morganscloud.com wurde ich im November 2018 darauf aufmerksam, dass genau die von uns gekauften MOB1 allerdings ein Problem mit der automatischen Auslösung haben könnten. Im Wesentlichen beruht dies darauf, dass der magnetische Auslösemechanismus durch ein schnelles Aufblasen der Rettungsweste und das dadurch erfolgte Wegreißen des Sicherungsschiebers erfolgen muss. Verschiebt sich der Sicherungsschieber langsam, wird nicht ausgelöst. Durch das Tragen der Rettungsweste kann sich der Sicherungsschieber aber langsam verschieben, wenn nicht ein besonderer durchsichtiger Plastikclip eingesetzt wird. Dieser Plastikclip war aber unseren früh gekauften MOB1 wohl nicht beigelegt und jedenfalls auch in der Anleitung nicht erwähnt. Also nachgeschaut und tatsächlich: Der Clip fehlt bei unseren MOB1.

Da ich die bei AWN gekauft hatte, habe ich mich an AWN in Hamburg gewendet. Das Problem war dort unbekannt, aber nach Zusendung eines Fotos haben sich die Mitarbeiter dort beim Hersteller darum gekümmert und: letzte Woche bekam ich eine Mail von AWN, ich könne die beiden Clips in der AWN-Filiale abholen, kostenlos. Habe ich gemacht, jetzt müssen sie nur noch zu unseren Rettungswesten auf die Flora nach Griechenland und dort eingebaut werden.

Falls Ihr auch solche MOB1 habt, schaut doch mal nach, ob bei Euch die durchsichtigen „ARMED“-Clips vorhanden sind.

Und weiter geht‘s mit unserer Vorbereitung

Zunächst mal stand ein wenig Drachenkunde auf dem Programm:

Am Wochenende Anfang Oktober 2018 durften wir in aller Frühe den Morgennebel an der A7 genießen, denn wir haben an einem zweitägigen Kursus im Schulungszentrum von Volvo Penta in Kiel teilgenommen. Veranstaltet von der Kreuzer Abteilung ging es uns im Wesentlichen um eine Annäherung an die große unbekannte lindwurmfarbige Drachenfigur, die rumpelnd und fauchend in der Kellerhöhle der Flora wohnt.

In Kiel hatte er einen deutlich geräumigeren Hort 😉:

Neben Motortheorie, „Troubleshooting“ und notwendigen Ersatzteilen und Werkzeugen standen auch erweiterte Wartungsarbeiten auf dem Plan, bis hin zur OP am offenen Drachenherzen mit Wechsel der Einspritzdüsen, der Zylinderkopfdichtung und Einstellen des Ventilspiels.

Wir hoffen zwar, dass wir letzteres auf der Flora nicht so schnell zur Anwendung bringen müssen. Trotzdem hat uns der Kurs einiges gebracht und wohl auch ein wenig die Berührungsangst vor dem grünen Fabeltier gemindert. Und Spaß hat es auch gemacht.

Mitte Dezember haben wir dann einen „Nähkurs“ belegt:

Den zweitägigen Kurs der Kreuzer Abteilung mit dem leicht abweichenden Titel „Medizin an Bord“ haben wir an diesem Wochenende hier in Hamburg im Krankenhaus Groß Sand Wilhelmsburg absolviert.

Schon zur Begrüßung lagen reichlich Schweinshaxen auf dem Tisch. An denen durften wir erst das Setzen einer Lidocain-Betäubungsspritze üben und dann …

… genau, das Nähen eben.

Sieht noch schlimm aus, aber es wurde tatsächlich mit jedem Stich besser. Danach dann klammern und zum Abschluss dieser Lektion: kleben. Mit Sekundenkleber. Funktioniert tatsächlich erstaunlich gut.

Alles in allem fällt unser Resümee für den Kurs etwas gemischt aus: die praktischen Teile (auch das Legen eines Zugangs in die Armvene, den Wiebke heute an mir ausprobieren durfte) fanden wir überwiegend gut. Bei den theoretischen Teilen war es didaktisch dann doch manchmal etwas konfus. Aber einige gute Anregungen haben wir auch da mitgenommen, sowohl für etwaige Erstversorgung und die noch zu beschaffende Ausrüstung als auch für das weitere Vorgehen, etwa bei den Impfungen.

Und nebenbei auch nette Kontakte zu anderen Seglern geknüpft, die auch im nächsten Jahr los wollen.